Weisheiten 368

Das wenig ersprießt, das viel zerrinnet.

Das wenig gedeiet, das viel zerstreiet.

Das Wenige verschwindet leicht dem Blick,
Der vorwärts sieht, wieviel noch übrigbleibt.
Goethe, Iphigenie A I Sz 2 (Iphigenie) Vs 144

Das Wenn und das Aber regieren die Weit seit Adams Tagen.
Italien

Das Werben ist etwas wert, das nicht lange währt.

Das werd' ich mir unter das Knie binden.
ho] Dat will ik beneden mijne knie binden.

Das werd' ich nicht glauben, sagt Doktor Luther.
i] Scheint sich auf den Brief zu beziehen, den Dr. M. Luther im Jahre 1529 an den Herzog Johann Georg von Sachsen geschrieben hat. 'Ich weiß wohl, dass Er Herzog in Sachsen, Landgraf in Thüringen und Markgraf zu Meissen ist, und fürwahr: Gott hat ihm ein fein Land und eine schöne Herrschaft gegeben, dass er aber Herzog über fremde Briefe, Landgraf über heimliche Reden und Markgraf über Gedanken soll sein, ob Gott will, dies werd' ich nicht glauben noch leiden.' Allgemeiner Anzeiger der Deutschen, Gotha, Januar 1833

Das werde ich ausbaden müssen.
i] Eine unangenehme Angelegenheit zu Ende bringen
la] In me cudetur haec faba. (Terenz.)

Das werde ich ausessen müssen.
i] Ich werde vorzüglich dabei zu leiden haben

Das werde ich dir aufs Butterbrot geben (streichen).
i] Das werde ich dir nicht vergessen. In demselben Sinne sagt man auch: Das werde ich dir eintränken, eintunken, das soll dir teuer zu stehen kommen

Das werde ich ihm heimzahlen
v] das wird er mir büßen müssen
en] he'll pay (o. suffer) for that - I'll make him pay for that
fr] il me le paiera - il ne l'emportera pas au paradis
it] me la pagherà - glielo farò pagare (caro)

Das werde ich mir hinter die Ohren schreiben (o. hinter den Spiegel stecken)
en] I'll take it to heart
fr] je vais l'écrire sur mes tablettes - ce n'est pas tombé dans l'oreille d'un sourd
it] me lo legherò al dito

Das werden wir wohl kriegen, sagte der Advokat, da meinte er das Geld.

Das Werdende entzieht sich der unbefangenen Wahrnehmung, nur das Gewordene fällt in die verlässlichere Anschauung: die Gruppe der ausgesöhnten Konfessionen gleicht mehr einem frommen Wunsche als einer Tatsache.
E. Förster, 6.11.1825

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß' euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken!
Goethe, Faust, Prolog im Himmel (Der Herr) Vs 346

Das Werg ist wie der Flachs.
ho] Daar is werk als vlas.

Das Werg vom Feuer, junge Leute vom Spiel.

Das Werk beschämt den Meister nicht.

Das Werk beurteilt die Gemein, das Herz kennt Gott allein.

Das Werk bewehrt den meister.

Das Werk der Sichel ist besser als das des Bogens.
Walisisch

Das Werk des Meisters riecht nicht nach Schweiß, verrät keine Anstrengung und ist von Anfang an fertig.
James Abbott MacNeill Whistler, The gentle art of making enemies

Das Werk des Schriftstellers aber ist in sich selber ein Werk für die Ewigkeit.
Fichte

Das Werk einer Frau und das Futter eines alten Pferdes kann man nicht sehen.
Estland

Das Werk empfiehlt (o. fürchtet) den Meister.

Das Werk empfiehlt den Künstler, nicht die eigene Zunge; dazu spricht allein, ohne dass der Mund redet, die Hand.
la] Artificem commendat opus, non propria lingua;
sola loquatur in hoc, ore tacente, manus.

Das Werk fürchtet den Meister.

Das Werk gehorcht dem Meister.

Das Werk geht vorwärts wie eine Laus auf einer Teertonne.
ho] Het werk gaat voort als eene luis over eene beteerde huik.

Das Werk gibt dem Wort innere Stärke, doch das Gebet erwirbt für Taten und Worte innere Kraft.
Bernhard von Clairvaux, an Abt Balduin

Das Werk ist wie der Meister.

Das Werk lehrt, quält und ernährt.
Russland

Das Werk lobet seinen (zeugt vom) Meister.
Sirach, 9, 24
i] Lass dich durch Aussehen und Worte nicht täuschen

Das Werk lobt angeblich den Schöpfer.

Das Werk lobt den Meister und nicht der Ruhm.

Das Werk lobt oder schilt den Meister.

Das Werk lobt seinen (o. den) Meister. Jesus Sirach 9, 24
en] The master is known by his work.
en] A carpenter is known by his chips.
fr] A l'?uvre on connaît l'artisan (o. l'ouvrier).
it] L'opera loda il maestro.
la] Opus commendat artificem.

Das Werk lobt sich selber.

Das Werk lobt sich selbst.

Das Werk lohnt seinen Meister.

Das Werk muss den Meister loben.

Das Werk schlägt dem (o. seinem) Meister nach.

Das Werk sollte immer ein wenig schlauer sein als der Autor.
Václav Havel

Das Werk überlebt den Meister.

Das Werk vollenden.
la] Colophonem addere.

Das Werk will begossen sein.
i] Nachdem die Arbeit beendet ist, wollen die Arbeiter durch einen Trunk einen Genuss haben.
ho] Het werk moet begoten werden.

Das Werk will seinen Meister lehren.

Das Werk wird seinen Meister loben.
Rollenhagen, Froschmeuseler

Das Werk zeiget den Meister an.

Das Werk zeigt an, was der Mann kann.

Das werk zeugt vom meister.
altfries] Dat Werk laawet sin Meister.
mhd] Ains meisters werk in loben sol, lobt er sich selb daz stat nit wohl.
mhd] Des mannes werc erzeigent wohl, wes man ime getrûwen sol.
bm] Dilo se misstra bojí.
bm] Řemeslníka dilo ukáze.
bm] Učinek chválí misstra.
dä] Gjerningen priser mesteren.
en] A carpenter is known by his chips.
en] The master (o. workman) is known by his work.
en] The workman is known by his work.
fr] A l'aigneler voit l'en qui luyt.
fr] A l'ouvre on (re)connaît l'artisan (o. l'ouvrier).
ho] Het werk beschaamt zijn meester niet.
ho] Het werk leert zijnen meester.
ho] Het werk loont zijnen meester.
ho] Het werk prijst zijnen meester.
ho] Het werk zal getuigenis geven.
it] Loda il maestro l' opera ben fatta.
it] L'opera loda il maestro.
la] Artificem (opificem) commendat opus.
la] Auctor abit operis, sed tamen exstat opus.
la] Auctorem opus commendat.
la] Opus commendat artificem.
la] Opus laudat artificem.
la] Opus opificem laudare dicitur.
la] Opus opificem probat.
la] Res indicabit.
sd] Mannen rosas af gjärningen.
sd] Wärket prijsar mästaren.
sp] El trabajo dice quién lo ha hecho.
un] Munkája dicséri meg a' mestert.

Das Werk, das du kennst, tötet dich.
Kosi, Afrika
i] Weil es dich leichtsinnig macht

Das Werkzeug tut die Arbeit, aber die Hand wird gepriesen.
Türkei

Das Wertvollste am Menschen ist seine Fähigkeit, sich nicht zu bescheiden. Wenn er etwas Göttliches besitzt, so ist es diese seine göttliche Ungenügsamkeit, eine Art Liebe ohne Geliebtes, und gleichsam ein Schmerz, den wir in Gliedern spüren, die wir nicht besitzen.
José Ortega y Gasset

Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen, nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht.
Ostrowski, Wie der Stahl gehärtet wurde

Das Wesen der Dinge ist schwerlich so flach wie die Mehrzahl der Köpfe, die ihm auf den Grund gekommen zu sein glauben.
Otto Liebman

Das Wesen der Flegelei lässt sich ohne Schwierigkeit umreißen: Sie ist ein auffälliges, tadelnswertes, nur scheinbar scherzhaftes Benehmen.
Theophrast, Charaktere

Das Wesen der Geschichte ist die Wandlung.
Jacob Burckhardt

Das Wesen der jüdischen Lebensauffassung scheint mir zu sein: Bejahung des Lebens aller Geschöpfe. Leben des Individuums hat nur Sinn im Dienst der Verschönerung und Veredelung des Lebens alles Lebendigen. Leben ist heilig, d.h. der höchste Wert, von dem alle Wertungen abhängen. Die Heiligung des überindividuellen Lebens bringt die Verehrung alles Geistigen mit sich - ein besonders charakteristischer Zug der jüdischen Tradition.
Albert Einstein, Mein Weltbild

Das Wesen der kapitalistischen Gesellschaft ist Kauf und Verkauf.
Kalinin, Rede beim Treffen von Soldaten der Moskauer Garnison, 29. 9. 1933

Das Wesen der Krankheit ist so dunkel als das Wesen des Lebens.
Novalis, Fragmente

Das Wesen der Kunst besteht in der harmonischen Ausgeglichenheit von Allgemeinem und Besonderem, von Idee und Form.
Belinski, Die allgemeine Bedeutung der Volkspoesie

Das Wesen der Ochsen zeigt sich, wenn sie unter dem Joche sind.
Jemen
i] Bei der Arbeit

Das Wesen der Poesie ist erhabene Klarheit. Die Verse sollen kristallen oder durchsichtig oder farbig sein. Durchsichtig, wenn sie uns nur den Blick auf die Seele oder ihre Substanz gewähren, farbig, wenn sie die Leidenschaften, die die Seele bewegen, malen sollen oder die Nuancen, die den menschlichen Geist färben.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das Wesen der so genannten okkulten Erscheinungen liegt nicht darin, dass sie geheimnisvoller sind als tausend andere, die wir nur darum nicht als okkult bezeichnen, weil wir sie gewohnt sind, sondern dass sie sich den uns bekannten Naturgesetzen nicht einfügen und ihnen geradezu zu widersprechen scheinen.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das Wesen der Wortklauberei besteht darin, dass von offensichtlich Wahrem durch sehr kleine Abwandlungen die Rede zu dem gebracht wird, was offensichtlich falsch ist.
la] Ea est natura cavillationis [...], ut ab evidenter veris per brevissimas mutationes disputatio ad ea, quae evidenter falsa sunt, perducantur.

Das Wesen der Zeit besteht in der Veränderung der Dinge.
i] Oder mathematisch ausgedrückt: Die Zeit ist der Differentialquotient der Veränderung
Helmar Nahr

Das Wesen des Christentums ist das Wesen des Gemüts. Es ist gemütlicher, zu leiden, als zu handeln, gemütlicher, durch einen anderen erlöst und befreit zu werden, als sich selbst zu befreien.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Das Wesen des Feuilletonismus: die augenblickliche Wirkung in jedem Falle höher werten als Sachlichkeit, Wahrheit und Folge.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das Wesen des Friedens ist, ewig zu sein, und doch sehen wir kein Menschenalter und kaum eine Regierung vergehen, ohne dass er nicht mehrmals hätte erneuert werden müssen. Aber darf man sich wundern, dass Geschöpfe, die der Gesetze bedürfen, um gerecht zu sein, auch fähig sind, sie zu verletzen?
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Das Wesen des Frühlings erkennt man erst im Winter, und hinter dem Ofen dichtet man die besten Mailieder.
Heinrich Heine, Vorrede zu Salon 1

Das Wesen des Guten ist: Leben erhalten, Leben fördern, Leben auf seinen höchsten Wert bringen. Das Wesen des Bösen ist: Leben vernichten, Leben schädigen, Leben in seiner Entwicklung hemmen.
Albert Schweitzer, Das Problem der Ethik ...

Das Wesen des Idealismus besteht darin, dass das Psychische zum Ausgangspunkt genommen wird; aus ihm wird die Natur abgeleitet, und dann erst aus der Natur das gewöhnliche menschliche Bewußtsein.
Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus

Das Wesen des Lebem ist, der Wille zur Macht.
Nietzsche

Das Wesen des Opportunismus besteht darin, die beständigen und dauernden Interessen des Proletariats seinen Pseudo- und Augenblicksinteressen zum Opfer zu bringen.
Lenin, Wer ist für ein Bündnis mit den Kadetten?

Das Wesen einer Aristokratie besteht darin, den Quell der Ehre von den Lebenden auf die Toten zurückzuverlegen.
en] The essence of an aristocracy is to transfer the source of honour from the living to the dead.
William Edward Hartpole Lekky, Rationalismus in Europa (1865)

Das Wesen einer freien Regierung besteht in einer wirksamen Kontrolle der Rivalitäten.
John Adams

Das Wesen eines Menschen hängt vom Einfluss guter oder schlechter Freunde ab.

Das Wesen eines Menschen lässt sich durch drei schlagkräftige Anekdoten aus seinem Leben vielleicht mit gleicher Bestimmtheit berechnen wie der Flächeninhalt eines Dreiecks aus dem Verhältnis dreier fixer Punkte zueinander, deren Verbindungslinien das Dreieck bilden.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das Wesen proletarischer, also revolutionärer Kunst macht nicht die realistische Darstellung der Wirklichkeit aus, sondern die Überwindung der Wirklichkeit durch die Wahrheit.
Fürnberg, Echo von links - Bilanz 1935

Das Wesen, das alles schuf, hat wirklich einen Strahl seines Lichts, einen Abdruck der ihm eigensten Kräfte in unsre schwache Organisation gelegt, und so niedrig der Mensch ist, kann er zu sich sagen: 'Ich habe etwas mit Gott gemein; ich besitze Fähigkeiten, die der Erhabenste, den ich in seinen Werken kenne, auch haben muss; denn er hat sie rings um mich offenbart.'
Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das Wesentliche an jeder Erfindung tut der Zufall, aber den meisten Menschen begegnet dieser Zufall nicht.
Friedr. Nietzsche, Morgenrôte

Das Wesentliche des Romantischen ist Ungewißheit.
Oscar Wilde, Bunbury

Das Wesentliche ist nicht, dass man ein umfangreiches Wissen anhäuft, sondern dass es, ob klein oder umfangreich, dein Wissen sei, mit deinem Blut genährt und Kind deiner freien Anstrengung.
Rolland, Tolstoi, der freie Geist

Das Wesentlichste an einer guten Ehe ist die Achtung vor der Persönlichkeit des andern im Verein mit der tiefen körperlichen, geistigen und seelischen Vertrautheit, die die wahre Liebe zwischen Mann und Frau zum fruchtbarsten aller menschlichen Erlebnisse macht. Eine solche Liebe will wie alles, was groß und kostbar ist, ihre eigene Moral und verlangt häufig ein Opfer des Geringeren vor dem Höheren. Dieses Opfer aber muss freiwillig sein, sonst untergräbt es die Grundlage der Liebe, um derentwillen es gebracht wird.
Bertrand Russell, Marriage and Morals

Das Wesentlichste an jeder Erfindung tut der Zufall, aber den meisten Menschen begegnet dieser Zufall nicht.
Nietzsche, Morgenröte

Das wesentlichste Kennzeichen einer jeden Regierung, gleichgültig welcher Form, ist die Autorität. in jedem Fall muss es auf der einen Seite Regierende und auf der anderen Regierte geben. Direkt oder indirekt beruht die Autorität der Regierenden schließlich auf Gewalt. in ihrem letzten Kern ist eine jede Regierung organisierte Gewalt.
Wilson, Der Staat

Das Wetter am Siebenschläfertag (27. Juni) sieben Wochen bleiben mag.

Das Wetter ändert sich mit der Kost (Freitags).

Das Wetter ändert sich stündlich, die Menschen - in jeder Generation.

Das Wetter bleibt nicht eher beständig, bevor der Nordwestwind nicht Regen bringt.

Das Wetter erkennt man am Wind, den Herrn am Knecht, den Brei am Kind.

Das Wetter folgt der Zeit.
ho] Het weder volgt den tijd.

Das Wetter fürüber gehen lassen.

Das Wetter geht durcheinander.
z] Also sehen wir, dass das Wetter auch an diesem Ort sehr untereinander geht.

Das Wetter hat sein Spiel, man kiese, was man will.

Das Wetter hat sich verändert.

Das Wetter im April und die Worte eines jungen Mannes sind veränderlich.

Das Wetter in sich haben.
i] Verdrießlich, übler Laune sein.

Das Wetter ist am schönsten, wenn es beim Luft heitert.
i] Der Luft steht hier für Wind (in der französischen Schweiz le vent) und zwar für den meist warmen, aber fruchtbaren Südwestwind, welchem die Bise (Byswind), ein kalter und trockener Nordost, entgegengesetzt ist. Dieser hebt die Ausdünstungen in die Höhe, jener wälzt sie den Erdboden entlang.

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