Weisheiten 358

Das Tuch kennt man am Faden.
fr] On connoit le drap à la filure.

Das Tuch muss geklopft werden, sonst kommen die Schaben 'rein.

Das Tüchtige, und wenn auch falsch,
Wirkt Tag für Tag, von Haus zu Haus,
Das Tüchtige, wenn wahrhaft ist,
Wirkt über alle Zeiten hinaus.
Goethe, Zahme Xenien II

Das Tüchtig-Regsame ist ganz allein wohltätig!
Goethe, An B. G. Niebuhr, 23.11.1812

Das tue der Teufel.
i] Das tue ein anderer als ich.

Das Tue, wer da will.

Das tugendhafte Herz wird, wie der Körper, mehr durch Arbeit als durch gute Nahrung gesund und stark.
Jean Paul, Hesperus: Wetterbeobachtungen über den Menschen

Das tun alle bösen lecken, hinten kratzen.

Das tun alle Dichter: Sie reden laut mit sich selbst, und die Welt hört mit.
Shaw, Candida

Das Tun der denkenden Hand nennen wir alle Tat.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Tun interessiert,
Das Getane nicht.
Goethe, Zahme Xenien

Das Tun ist in eigener Hand, das Segnen in Gottes Hand.
Estland

Das Tun zeigt besser, wie geschickt einer ist, als das Reden.

Das Tüpfel auf dem i fehlt nicht.
i] Es ist alles vollendet, es fehlt nicht das Geringste.

Das tut aber der Kluge nicht, dass er Irrende hasst, sonst müsste er sich wohl selbst hassen; er denke nur daran, wieviel er gegen die gute Sitte tut, wie mancher seiner Handlungen Verzeihung not tut. Da muss er schon auch auf sich selbst zürnen.
Seneca, Drei Bücher über den Zorn

Das tut die Jugend. Werden sich schon legen, die stolzen Wellen.
Goethe, Stella A I, Im Posthause (Postmeisterin)

Das tut doch der Liebe keinen Abbruch.

Das tut ihm den Dampf.
i] Gibt einen herben, vielleicht den letzten Stoß, kränkt tief, führt den Untergang, das Ende herbei.
z] Lieber Herr Pastor, das Wort tut ihr den Dampf.

Das tut ihm die Tür zu.
i] Sagt man, wenn sich jemand durch eine schlechte Handlung in Misskredit bringt.

Das tut ihm wohl in der linken Kniescheiben.

Das tut kein tot Pferd.
i] Nämlich niesen, was ein Zeichen von Leben und Gesundheit ist.
ho] Dat doet geen dood paard.

Das tut keiner Laus im Auge wehe.
i] So gering und unbedeutend ist die Gabe.

Das tut meinem Herzen wohl.
ho] Dat doet mij goed aan het hart.

Das tut weher als aufm Schienbein schürfen.

Das tut wohl, wie ein neugewaschenes Hemd.
Steiermark

Das tut wohler, als den Räudigen das striegeln und den Grindigen das strälen.

Das tut, sie sind von Affenberg.

Das tuusigs Wärk, ist halbe Chuder.
i] Kuder = Werrig, d.i. Abgang vom Flachse beim Hecheln.

Das Übel der Völker liegt - obgleich oft sorgfältig vor ihnen verborgen - in den Hemmnissen oder Übereilungen, wodurch ihre selbstsüchtigen Repräsentanten den natürlichen Lauf der Dinge beeinflussen.
Martí, an Federico Henriquez y Carvajal, 25. 3. 1895

Das Übel drängt sich immer zwischen gute Männer.

Das Übel erreicht seinen Gipfel, wenn es verkehrten Gemütern gelingt, den Regenten zu bereden, dass sein Interesse von dem Interesse seiner Untertanen verschieden sei.
Friedrich der Große, An Karl von Württemberg, 1789

Das Übel führt zur Bibel.

Das Übel hat auch sein Gutes.

Das Übel ist erst da, wenn man es laut verkündigt,
Der aber sündigt nicht, der im Verborgnen sündigt.
Molière, Tartuffe

Das Übel ist für die, welche es suchen.

Das Übel kommt geritten und geht zu Fuß wieder weg.
la] Ad mala patrata, sunt atra theatra parata.

Das Übel nährt sich nur von seinesgleichen. Weise Menschen vergalten daher nicht Böses mit Bösem, sondern immer nur mit Gutem und brachten dadurch das Böse zu Fall.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Übel, das auf der Menschheit ruht,
Ist eine gemeinschaftliche Last;
Was du davon auf dich genommen hast,
Kommt als Erleicht'rung den andern zugut.
Rückert, Vierzeilen

Das Übel, das du fürchtest, wird gewiss durch deine Tat.
Goethe, Egmont (Egmont)

Das Übel, vor dem man Angst hat, an dem geht man zugrunde.
sp] De mal que hombre teme de ése muere.

Das Überbleibsel ist besser als das Gericht.
ho] Het overblijfsel van den disch helpt meer, dan dat gegeten is.

Das Überbleibsel ist mehr wert, als was gessen hat.

Das Überflüssige ist das zutiefst Notwendige, weil es der Wunsch der Freiheit ist.
Eschmann

Das Überflüssige ist ein höchst notwendiges Ding.
Voltaire, Satire Le Mondain

Das Überflüssige macht nicht fett, wen nicht die Mäßigkeit ernährt.
Finnland

Das Überflüssigste auf der Welt ist ein kleinbürgerlicher Philosoph.
Tucholsky, Endlich die Wahrheit über Remarque

Das überhandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam, aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.
Goethe, Wanderjahre III,13

Das Übermaß der Freiheit wird Sklaverei, denn wenn es keine Autorität mehr gibt, so ist der Starke unumschränkt, und der Schwache verfällt dem Rechte der Faust. Die Überspannung der Freiheit führt nicht allein zur Knechtschaft, sondern ist selbst schon Knechtschaft.
Treitschke, Politik

Das Übermaß sprengt den Deckel.
fr] Le surplus rompt le couvercle.
it] Il soverchio rompe il coperchio.

Das Übermaß von grausamer Selbstsicherheit bringt dieses Lächeln hervor, das sich nicht nachweisen läßt, das man nur ahnt, das tief verwirrt, in Grauen stürzt, fesselt, dem man sich widersetzt, und das man schließlich verehrt.
Heinrich Mann, Pippo Spano

Das Übermenschlichwerden können fassen
Nicht Worte: der Vergleich mag dem genügen,
Den Gnade selbst es wird erfahren lassen.
Dante, Paradies, I, 67/70

Das Überraschende macht Glück.
Schiller, Dom Karlos (König)

Das Überschreiten des Po bringt Unglück.
i] Vor altersher war bei den Bündnern das Sprichwort, dass ihnen Unglück bevorstehe, wenn sie über den Po, in das Vaterland ihrer Altvordern, träten.

Das Üble ist mit dem Guten vermischt.
la] Sunt mala mixta bonis.

Das übrige dieser Art - und es ist allzu viel - könnte selbst den geschwätzigen Fabius müde machen.
la] Cetera de genere hoc, adeo sunt multa, loquacem / delassare valent Fabium.

Das Ufer ackern.
i] Unnütze Arbeit.

Das unablässige Schaffenwollen und Nach-außen-Spähen des Künstlers hält ihn davon ab, als Person schöner und besser zu werden, also sich selber zu schaffen.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das Unangenehme, das ein Beweis besitzt, lässt sich schwerlich als Grund für seine Unrichtigkeit betrachten.
Buckle, Geschichte der Zivilisation in England

Das unaussprechlich innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüber zieht, beruht darauf, dass sie alle Regungen unseres innersten Wesens widergibt, aber ganz ohne die Wirklichkeit und fern von ihrer Qual.
Schopenhauer

Das unbedeutendste Gesicht macht einen tiefern Eindruck als die bloße Empfindung des Schönen...
Büchner, Lenz

Das unbefangene Gemüt hält sich vertrauensvoll an die öffentlich bekannte Wahrheit.
Hegel

Das Unbekannte ist eine Ausnahme, das Bekannte eine Enttäuschung.
Francis M. de Picabia, Aphorismen

Das Unbekannte ist immer großartig.
Slowakei

Das UnbeschreibIiche,
Hier ist's getan.
Goethe, Faust, II (Chorus mysticus)

Das unbeständig glück behelt stets sein list und Tück.

Das und das ein macht den Säckel rein; das und gins bringt einen großen Zins.

Das undankbare Huhn frisst bei dir und legt anderswo die Eier.
tü] Nankör tavuk sende yer, başkasında yumurtlar.

Das Undankbarste, weil Unklügste, was es gibt, ist Dank verlangen.
Th. Fontane, Unwiderbringlich verloren

Das uneheliche Kind war in einer Flasche versteckt, und es steckte einen Finger heraus.
i] Es konnte nicht ganz unterdrückt werden
Suaheli

Das Unendliche aber oder die vollständige Existenz kann von uns nicht gedacht werden. Wir können nur Dinge denken, die entweder beschränkt sind oder die sich unsre Seele beschränkt. Wir haben also insofern einen Begriff vom Unendlichen, als wir uns denken können, dass es eine vollständige Existenz gebe, welche außer der Fassungskraft eines beschränkten Geistes ist.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Studie nach Spinoza

Das Unendliche gibt kein Bild; denn es hat keinen Umriß...
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt.
Shakespeare, Hamlet, III, 1 (Hamlet)

Das unerforschliche Wesen, das alles umfasst, das die Welt bewegt und den ganzen Zusammenhang der Wesen formt, ist für unsere Augen nicht sichtbar und für unsere Hände nicht tastbar, es entzieht sich unseren Sinnen. Das Werk zeigt sich, der Werkmeister verbirgt sich.
Rousseau, Emile

Das Unerreichbare ist groß.
Hindi, Indien

Das Unerreichliche doch reizt am meisten!
Hamerling, Ahasver in Rom

Das Unerträgliche, das man so lange fürchtet, ja voraussieht, wird nicht erträglicher dadurch, dass es in die Wirklichkeit hereintritt, es übt alsdann erst seine eigentliche ganze Gewalt aus.
Goethe, An S. Boisserée, 6.7.1828

Das Unerwartete zu erwarten, verrät einen durchaus modernen Geist.
Oscar Wilde, Sätze und Lehren zum Gebrauch für die Jugend

Das unfehlbarste Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, ist, sich ihnen nützlich zu machen.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Ungebackene (= Zähe) lässt aufquellen, der Fladen aus Gerstenmehl abnehmen.
Estland

Das Ungeheuer [Rebellion], das sich mit tausend Klauen regt,
Liegt kraftlos, wenn man ihm die Häupter niederschlägt.
Goethe, Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (Haman)

Das Ungeheure hört auf, erhaben zu sein, es überreicht unsere Fassungskraft, es droht uns zu vernichten.
Goethe, Wanderjahre I,10

Das Ungeheure lässt keine Mannigfaltigkeit zu.
Goethe, Tagebuch, 4.10.1797

Das Ungeistige des Reflexkünstlers bekundet sich im Kastratentum eines geschwollenen, innen hohlen Sprachleibs.
F. Wolf, Vom Untergang der Sprache

Das Ungeteilte zieht das Geteilte.
i] Um die für nachtheilig gehaltene Zerstückelung liegender Güter möglichst zu verhüten, hatte man dem Hauptgut ein Näherrecht für Rückerwerb des abgezweigten Theils verliehen, sobald die Umstände dazu sich boten.
mhd] So sal daz ungedailt daz getailt.

Das Ungewöhnliche kann natürlich sein, scheint es aber demjenigen nicht, der auf seinen eigenen Ansichten verharrt.
Goethe, Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Das Ungewöhnliche und Falsche hat mehr Macht über die Menge als das Einfache und Wahre.
M. Grimm, Der Dünkel des Jahrhunderts

Das Ungewohnte schadet dem Menschen, darum starb der Bojar, als er einmal die Wahrheit gesprochen.
Rumänien

Das ungezeumpte Maul nach Unglück ringt.

Das Unglaubliche verliert seinen Wert, wenn man es näher im einzelnen beschauen will.
Goethe, Wanderjahre III,15

Das Unglück [...] fällt über Gute und Böse. Es ist eine wirksame Arzenei, welche die guten Säfte zugleich mit den üblen angreift.
Goethe, Wanderjahre I,5

Das Unglück anderer trägt sich leicht.
en] It is easy to bear the misfortunes of others.

Das Unglück bindet den Leuten die Köpfe zusammen.
Schweiz

Das Unglück bleibt überschaubar, sagte der Mann und heiratete ein kleines Frauchen.

Das Unglück blüht ihm vor der tür.
i] Als sinnverwandt führt an: 'Die Sankten kommen um hoer was.'
la] Ad deorum aures peruenit.

Das Unglück bringt die Gottlosen um.

Das Unglück darf wohl schlagen, aber nicht erschlagen.

Das Unglück demütigt nur den, welchen das Glück stolz gemacht hat.

Das Unglück der Brabanter und Flamänder war das Glück der Holländer und Seeländer.
Frankreich
bm] Dokud jednomu se nesetmí, nemůz druhému svílati.
ho] Door des eenen ongeluk komt een ander uit den druk.

Das Unglück der Erde war bisher, dass zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch nicht gut gewesen wäre, dass Millionen beschlossen hätten und zwei bestritten.
Jean Paul, Freiheitsbüchlein

Das Unglück der gegenwärtigen Menschheit ist dadurch gekommen, dass die Ablehnung des Willens, Geistiges aufzunehmen, aufs Höchste getrieben worden ist.
R. Steiner, nach Wachsmuth: Die Geburt der Geisteswissenschaft

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