Weisheiten 352

Das Semmelmehl des Evangelii soll man ohne Salt des Gesetzes nicht opfern.

Das sen Bilbulim (Händel) vom Dach herunter (vom Zaun gebrochen).

Das sên die besten Loite (Leute).
i] Gute Freunde. Um stattgefundene Versöhnung auszudrücken, heisst es: Se sein wieder de besten Loite.

Das sen neumodische Schmues.
i] Wenn jemand einer biblischen Vorschrift, statt der rabbinischen, eine rationelle Deutung geben will, so wird dies von den Altgläubigen 'neumodisches Geschwätz' genannt.

Das sen polnische Dörfer für mich.
Jüdisch-deutsch
fr] C'est du grec, de l'hébreu, de l'algèbre pour lui.

Das sen Schneckentänz!

Das sen Sorgen (jüdisch: Dahnjes) um ungelegte Eier.
i] Von eiteln, unnötigen Sorgen. Anlass zu der Redensart könnte der talmudische Disput im Tractat Beza, über die Frage, ob Eier, die an einem Feiertage gelegt werden, als Neugewordenes an demselben Tage gegessen werden dürfen oder nicht, gegeben haben.
jüdisch-deutsch] A razcmrene Daage.
i] Razemore ist ein feiner seidener Stoff, woraus gewöhnlich Sabbatkleider gemacht werden. Also eine seidene Sorge.

Das Senkblei findet überall Grund, wenn es tief genug geht.

Das Sensenschärfen gehört auch zum Mähen.
Russland
en] A whet is no let.

Das Sentimentale ist ganz gewiß ein Ausfluss - oft ein hässlicher Auswuchs! - von Sentiment.
Multatuli, Woutertje Pieterse

Das setzt neue Liebe, sagte Brand und schlug seine Frau mit dem Besenstiel.

Das setzt sich vor die Wurmlöcher.
i] Zu jemandem, der in einem Trunk etwas (sonst nicht Schädliches) bemerkt und deshalb nicht trinken will.

Das setzt was an die Rippen.
ho] Dat zet wat aan de ribben.

Das sicherste Anzeichen dafür, dass man sich auf dem falschen Weg befindet, ist der Beifall der Gegner.
Fliegende Blätter

Das Sicherste bleibt immer, dass wir alles, was in und an uns ist, in Tat zu verwandeln suchen, darüber mögen denn die anderen, wie sie wollen und können, reden und verhandeln.
Goethe, An Zelter, 30.10.1828

Das Sicherste bleibt immer, nur das Nächste zu tun, was vor uns liegt...
Goethe, Lehrjahre VII, 1

Das Sicherste fürs Beste nehmen.

Das sicherste Kennzeichen eines gesunden, starken Charakters ist, in jeder Sache die festgesetzten Grenzen ausfindig zu machen, über die diesseits und jenseits nichts weiter recht ist.
Chesterfield, Briefe an seinen Sohn, London, 10. 1. 1749

Das sicherste Kennzeichen, mit großen Eigenschaften geboren zu sein, ist, Neid nicht zu kennen.
La Rochefoucauld, Réflexions morales

Das sicherste Mittel ein freundschaftliches Verhältnis zu hegen und zu erhalten, finde ich darin, dass man sich wechselsweise mitteile, was man tut.
Goethe, An A. v. Herder, Dezember 1798

Das sicherste Mittel, arm zu bleiben, ist, ein ehrlicher Mensch zu sein.
fr] Le moyen le plus sûr de rester pauvre est d'être honnête homme.
Napoleon I., Maximen und Gedanken (1817)

Das sicherste Mittel, sich aufdringlicher Gedanken zu, erwehren, ist die Arbeit.
Tschernyschewski, Was tun?

Das sicherste Zeichen der Barbarei und Primitivität ist der Kult der Zahl und der Quantität
Coudenhove-Kalergi

Das sicherste Zeichen der Wahrheiten ist ihre Einfachheit.
Heinrich Mann, Die Demokratie der Wolgadeutschen

Das sicherste Zeichen des allgemeinen Verfalls einer Kunst ist das häufige Vorkommen nicht etwa des Hässlichen, sondern der verkehrt angebrachten Schönheit.
Macaulay

Das sicherste Zeichen des Wassermanns ist, wenn man kein Geld mehr hat, Wein zu trinken.
la] Nausea non poterit haec quem vexare marina, undam, cum vino mixtam, qui sumpfserit ante.

Das sicherste Zeichen für beginnendes Alter ist, dass man schnell noch ein paar Jugendsünden begeht.
Maurice Chevalier

Das Sich-Herumdrücken machte, dass die Krabbe keinen Kopf hat.
Kosi, Afrika

Das Sieb ist zum Wasserhalten viel geeigneter als der Mund einer Frau fürs Bewahren von Geheimnissen.
Estland

Das Sieb laufen lassen.
i] Durch abergläubisch zauberische Mittel einen Diebstahl erforschen.
fr] Faire tourner le sas.

Das Sieb sagte zur Nadel: 'Du hast ein Loch in deinem Schwanz'.
Bengali, Indien

Das Siebengestirn bei Morgenrot, die Ochsen in die Furche.
Estland

Das Siechbett lehrt beten.

Das Siegel auf der Flasche macht den Wein nicht besser.

Das Siegel auf etwas drücken.
ho] Hij drukt er zijn zegel op.

Das Siegel der erreichten Freiheit: sich nicht mehr vor sich selber schämen.
Nietzsche

Das siegreiche Volk hat niemals einen Vorteil von den Trümmern des besiegten Volkes. Es bezahlt alles. Es leidet, auch wenn seine Waffen siegreich sind, wie im umgekehrten Fall.
Voltaire, Zeitalter Ludwigs XIV.

Das siehet ihm eben so gleich, als ein schneck einem Jagdhund.

Das siehet ihm so gleich, als der Teufel Gott.

Das sieht aus wie kleiner heiliger Abend.
i] Es ist der dem Festabend vorher gehende Tag gemeint, an dem alle die Vorbereitungen zum Feste getroffen werden.
dä] Det seer ud som lille Juul-Aften.

Das sieht bös aus , sagte Steffen, da hatte ihn eine Mücke auf die Nase gestochen.
ho] Dat is een erg gat, zei meester Jan, en het was een kakhiel.

Das sieht ein Blinder mit dem Krückstock.
ndt] Dat kann 'ne blinne Fru mit 'n Krückstock föhlen.
ndt] Dat süht een Blinden mit een Ooch'.

Das sieht ein Kind ein.
la] Vel puero perspicuum.

Das sieht man an der Hosen bald, wo das Bein ist entzwei gespalt'.
la] Cernitur in caliga, cruris quo fractio facta.

Das sieht man auch ohne Laterne (o. ohne Augengläser).
fr] Cela paraît comme le nez au visage.

Das sieht nicht mal 'ne katze.
ndt] Dat ward nich emal de Katt gewahr.

Das sieht selbst ein Blinder.
la] Apparet id etiam caeco. Livius XXXII.
la] Caecis hoc satis clarum est.
la] Vel caeco apparet.

Das Silber in der Tasche
Wird Gold in der Flasche,
Das Gold in dem Glase
Wird Kupfer in der Nase.
Fr. Fischbach, Rathaus zu Wiesbaden

Das Simpelste scheint das Wahreste.
Johann Gottfried Herder, Auch eine Philosophie

Das Sincerieren hat schon viele betrogen, man weiß nicht, was das Neutralisieren tun wird.

Das sind (zerronnene, bunte) Seifenblasen.

Das sind abgeschmackte alte Reime, um die Narren im Bierhause zum Lachen zu bringen.
en] These are old fond paradoxes to make fools laugh i' the alehouse.
Shakespeare, Othello II,1

Das sind alte (vorjährige) Nüsse.
ho] Het is eens oude neut.

Das sind alte Mucken.

Das sind alte Violen, die riechen nicht mehr.

Das sind alter Weiber Träume.

Das sind andere Krebse.

Das sind auch die letzten Schinken.
i] Die Franzosen reden von Schinken von Noyon (jambons de Noyon), worunter Bohnen gemeint sind, die dort besonders viel gezogen werden.

Das sind auch nicht immer die schlechtesten Menschen, die störrisch sind.
Immanuel Kant, Über Pädagogik

Das sind ausgemachte Spitzbuben.
la] Argivi fures.

Das sind Bilbulim.
i] Neckereien des Alters, absichtlich gegebene Anlässe zu Streitigkeiten.

Das sind böse (o. die rechten) Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen.
z] Das sein die schädelichsten katzen, die forn lecken und hinden kratzen.
mhd] Sy tuet gleich als die chatz, die voren leckt und hinden chratzt.
ndt] Dâd sei' gefährlich Kâzen, die fier läcken on hönne krâzen. Trier
fr] Ne caressez pas les gens en leur présence, pour les déchirer.
it] Dio mi guardi da quella gatta, che dinnanzi mi lecca, e di dietro mi graffia.
la] Blandula te coram ne credas verba loquenti.
la] Dextra tenet calamum, strictum tenet altera ferrum. Ovid
la] Lapidem fert altera manu, panem ostendit altera.
la] Mel in ore, fel in corde.

Das sind böse Hirten, die sich nur selbst weiden.

Das sind böse Praktiken.
ho] Dat zijn kwade praktijken.

Das sind böse Sitten, wo zwei sind, tragen sie den dritten; aber es ist nicht wohlgetan, dass man den trägt, der selbst gehen kann.

Das sind böse Zeiten, wo das Unkraut teurer ist, als der Weizen.

Das sind Degenstiche in's Wasser.
i] Erfolglose Bestrebungen und Handlungen

Das sind die besonderen Gaben der Könige: Zuerst, dass sie klug sind und nicht durch einen Irrtum sündigen, dann, dass sie nur das wollen, was richtig ist; dass sie nicht gegen das Urteil des Gesetzes etwas schlecht machen. Wem eines davon fehlt, den sollst du nicht für einen König, sondern für einen Räuber halten.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Das sind die besten Freunde, die man bei sich im Säckel trägt.

Das sind die besten Intressen ('für Zinsen'),
Die Schuldner und Gläubiger vergessen.
Goethe, Zahme Xenien IV

Das sind die besten Katzen, die mausen und nicht mautzen.

Das sind die besten Leute, durch die man gewinnt.

Das sind die besten Pferde, die den Hafer von ihren eigenen Bauern fressen.

Das sind die besten Reichtümer, die gut angewandt werden.

Das sind die besten Schützen, die fehlen, denn sie schießen niemand tot, sagte der Hofnarr, als der Pater schlecht gepredigt hatte.

Das sind die Edelsten auf Erden,
Die nie durch Schaden klüger werden.
Paul Heyse, Die Edelsten

Das sind die Grillen deiner Eifersucht!
en] These are the forgeries of jealousy.
Shakespeare, Ein Sommernachtstraum II,1

Das sind die großen Künstler. Wenn's ans Leben geht, sind sie samt und sonders Dilettanten. Alles fließt in das Werk.
Alma Mahler-Werfel, Mein Leben

Das sind die Krebse in Wien gewohnt, sagte die Köchin, als man ihr sagte, sie nicht so langsam zu sieden.

Das sind die leichten niedern Tugenden,
Die du am argen Menschen üben kannst:
Geduld, Vertrauen, Milde, Opfer -
Dein Leben selbst, das sie zurzeit bedürfen.
L. Schefer, Laienbrevier, August

Das sind die rechten Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen.

Das sind die rechten Leser, die mit über dem Buche dichten. Denn kein Dichter gibt einen fertigen Himmel; er stellt nur die Himmelsleiter auf von der schönen Erde.
Eichendorff

Das sind die rechten Weisen, die wenig sprechen, viel wissen und mehr noch tun.
la] Plus scire quam loqui enitere, quisquis sapit.

Das sind die schlimmsten Blinden, die ein Ding nicht wollen finden.

Das sind die schlimmsten Kranken, die sich für gesund halten.
dä] Den sygdom er farligst, naar den syge ei veed at hand er syge.
dä] Ondt tegn naar den sig tykkes hand er sund.
it] La peggior infermità è quando l'infermo si crede sano.

Das sind die schlimmsten Kriegsleute nicht, die auf der Walstatt liegen bleiben.
z] Sagt man, wenn einer nichts mehr kan eynbringen und er dennoch nicht vil ablassen mit Saufen, biss er gar dabey liegen bleibt.

Das sind die schlimmsten Narren, die freiwillig sich närrisch gebaren.
la] Stultior est stultus fictus fatuus, quam non ita dictas.

Das sind die verdammten Rednerkünste, die alles bemänteln, über alles hingleiten wollen, ohne das Rechte und Wahre herauszusprechen.
Goethe, F. v. Müller, 8.6.1821

Das sind die wahren Bilder deiner Furcht.
en] This is the very painting of your fear.
Shakespeare, Macbeth III,4

Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen;
Die beim Irrtum verharren, das sind die Narren.
Friedrich Rückert, Gedichte
tü] İnsan yanıla yanıla alim olur.

Das sind die zwei Blumen des Lebens: das Schaffen und die Liebe.

Das sind eitel Stichlinge.
z] Ganz böse Stichwort.
Luther, in der Bedeutung von Sticheleien

Das sind elendige leut, die oft müßen schamrot werden und oft verbleichen.
z] Mit welchem Spruche angedeutet werden diejenigen, so viel schuldig. Mahnt man sie, so werden sie schamroth; sehen sie den, dem sie schuldig, so verbleichen sie.

Das sind Erbsen an die Wand geworfen.
i] Von vergeblicher Bemühung

Das sind falsche Köche, die zweierlei Brühe in einem Topfe kochen.

Das sind Feigen nach Ostern.
ho] Dat sijn al vighen nae paschen.
la] Ut ficus pascha transacto sunt tua facta.

Das sind Fisch vor uns, danach man nit darf ins Wasser springen.

Das sind Fische für ihn, danach er nicht darf ins Wasser springen.

Das sind Franzosen, die verstehen nicht deutsch, sagte die Magd, als die Frau sie ausschalt, dass sie vor den fremden Gästen einen starken Wind streichen ließ.

Das sind Freundschaften, die das Volk als auf Zeit geschlossen betrachtet: Wer um des Nutzens willen angenommen worden ist, wird so lange gefallen, wie er nützlich ist.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

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LATEINISCH
1 2 3 4
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SPANISCH
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