Weisheiten 347

Das schaf unter den wölfen ist im elend.

Das Schaf vertraut nur dem, der ihm die Kehle durchschneidet.
Telugu, Indien

Das Schaf will den Wolf beißen.
i] Wer gegen jemanden auftritt, dem er nicht gewachsen ist.
ho] Het schaap will den wolf bijten.

Das Schaf, das der Wolf fressen soll, muss man ihm lassen.

Das Schaf, das frei gehet, das frisst der Wolff.
dä] Det faar som løber paa egen kaand bliver gierne til ulvens deel.

Das Schaf, das keine Milch gibt, blökt am lautesten.
tü] Sütsük koyun meleğen olur.

Das Schaf, so am meisten blökt, gibt die wenigste Milch.
dä] Faar som bræge meest, malke mindst.

Das Schäfchen im Trocknen.

Das Schaffen hat nur Wert, nicht das Geschaffene;
Was wird, das lebt! Gewordenes ist tot.
L. Schefer, Laienbrevier, Oktober

Das Schamgefühl der überfeinerten Frau wird durch Eifersucht gekränkt.
Stendhal, Über die Liebe

Das Schamtüchlen ablegen.

Das scharf Recht will einen gelinden Meister haben.

Das schärfste (strengste) Recht, das größest unrecht.'
z] Billigkeit muss das Recht meistern, denn es kann geschehen, dass Zween ein gleich Werk tun, aber mit ungleichem Herzen. Luther
dä] For streng lov er stundum ulov.
dä] Høyeste og største ret, høyeste uret.
fr] Extrême justice, extrême injustice.
it] Chi troppo in alto va, cade sovente precipitevolis-simevolmente.
sd] Högsta rätt är ofta högsta orätt.

Das schärfste Schwert soll keine Unschuldigen verwunden.
China
ho] Het zwaard kent geene vrienden.

Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten. Hier finden sie ein unbegrenztes Land, wo sie nach Belieben anbauen können. Hypochondrische Dünste, Ammenmärchen und Klosterwunder lassen es ihnen an Bauzeug nicht ermangeln.
Immanuel Kant, Träume eines Geistersehers

Das Schaudern ist der Menschheit bestes Teil,
Wie auch die Welt ihm das Gefühl verteure,
Ergriffen, fühlt er tief das Ungeheure.
Goethe, Faust II A I, Finstere Galerie (Faust) Vs 6272f.

Das Schaumschlagen gehört zur Kunst der Barbiere.
Russland

Das Schauspielervolk ist weibisch Volk und ein Weiberregiment ihnen das zuträglichste.
Goethe, Riemer, April 1817

Das Scheiden und Meiden ist ein schlechtes Handwerk.

Das scheint menschlicher Stil zu sein; ein Menschenalter über wird gesteinigt, wer an eine Puppe nicht glaubt, ein Menschenalter später steinigt man jenen, welcher daran glaubt.
Spitteler, Politische Tagesberichte: Politische Sympathien und Antipathien

Das Schenken pflegt's mit sich zu bringen, dass man des Schenkers Lied muss singen.

Das Schenken und Austauschen von Haar ist eines der köstlichsten Liebesspiele.
Gustave Flaubert, November

Das Scheren lernt man am Bart des Narren.

Das scheuste Mädchen ist verschwenderisch noch,
Wenn sie dem Monde ihren Reiz enthüllt.
Shakespeare, Hamlet, I, 3 (Laertes)

Das Schicksal ändert selten unsere Sitten.
la] Fortuna jus in hominum mores non habet.

Das Schicksal der Deutschen ist, mit Napoleon zu reden, noch nicht erfüllt. Hätten sie keine andere Aufgabe zu erfüllen gehabt, als das Römische Reich zu zerbrechen und eine neue Welt zu schaffen und zu ordnen, sie würden längst zugrunde gegangen sein. Da sie aber fortbestanden sind, und in solcher Kraft und Tüchtigkeit, so müssen sie nach meinem Glauben noch eine große Zukunft haben, eine Bestimmung, welche um so viel größer sein wird, denn jenes gewaltige Werk der Zerstörung des Römischen Reiches und der Gestaltung des Mittelalters, als ihre Bildung jetzt höher steht.
Goethe, H. Luden, 13.12.1813

Das Schicksal der Tiere ist die offene Wunde im Herzen der Schöpfung.
Fliegende Blätter

Das Schicksal des Menschen ist auf glückliche Augenblicke eingerichtet - jedes Leben hat solche -, aber nicht auf glückliche Zeiten.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das Schicksal des Menschen ist der Mensch.
Brecht, Buch der Umwälzung

Das Schicksal des Staates hängt vom Zustand der Familie ab.
Fliegende Blätter

Das Schicksal eines Volkes ist das seiner Frauen und Kinder.
Heinrich Mann, Ziele der Volksfront

Das Schicksal findet seinen Weg.
la] Fata viam invenient.

Das Schicksal geht im Kreis, und wenn es etwas lange übergangen hat, kommt es wieder; manches ruft es seltener auf, manches öfter, nichts läßt es in Ruhe und unangefochten.
la] Circuit fatum, et si quid diu praeteriit, repetit; quaedam rarius sollicitat, saepius quaedam, nihil immune esse et innoxium sinit.

Das Schicksal gewährt um unsre Wünsche, aber auf seine Weise, um uns etwas über unsere Wünsche geben zu können.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,10

Das Schicksal hält es immer mit den Kühnen.
Philipp Destouches, L'Ambitieux

Das Schicksal hat keinen Einfluss auf unseren Charakter, im Gegenteil: Der Charakter bestimmt das Schicksal und modelt es um.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Schicksal hat nur Gewalt über Menschen, die sich an das Schicksal anklammern.
Seneca, Mächtiger als das Schicksal

Das Schicksal hat vier Füße, acht Hände und sechzehn Augen, wie kann ein Ubeltäter, der nur je zwei hat, hoffen ihm zu entgehen?
China

Das Schicksal hilft den Kühnen.
la] Fors iuvat audentes.

Das Schicksal hingegen müsse [in Roman und Drama] immer fürchterlich sein und werde im höchsten Sinne tragisch, wenn es schuldige und unschuldige, voneinander unabhängige Taten in eine unglückliche Verknüpfung bringt.
Goethe, Lehrjahre V,7

Das Schicksal ist ein furchtbares Symbol des Zufalls und der Unsicherheit im Leben der Menschen, der Abhängigkeit von seiner Umwelt, der Vergewaltigung und Beraubung durch die Starken.
Makarenko, Das Schicksal

Das Schicksal ist ein Kläffer, nur
Den Feigen fällt es an,
Dem Tapfern geht es aus dem Weg,
Drum steh ihm als ein Mann!
Petöfi, Bist du ein Mann, sei's wahrhaft

Das Schicksal ist ein teurer Hofmeister.

Das Schicksal ist ein Tuch, das in der Steppe über einem hängt.
Sumerer

Das Schicksal ist ein vornehmer, aber teurer Hofmeister. Ich würde mich immer lieber an die Vernunft eines menschlichen Meisters halten. Das Schicksal, für dessen Weisheit ich alle Ehrfurcht trage, mag an dem Zufall, durch den es wirkt, ein sehr ungelenkes Organ haben. Denn selten scheint dieser genau und rein auszuführen, was jenes beschlossen hatte.
Goethe, Lehrjahre II,9

Das Schicksal ist ein wütender Sturm, der durch das Land fährt.
Sumerer

Das Schicksal ist erfinderischer als der Mensch.
Franzos, Die Juden von Barnow

Das Schicksal ist kein Vielleichtchen.
Russland

Das Schicksal ist stärker als die Erziehung.
Irland

Das Schicksal ist unerbittlich und der Mensch wenig!
Goethe, H. Voß, Mai 1805

Das Schicksal ist wankelmütig.
la] Mutabilis est casus.

Das Schicksal kann man nirgendwo ausschließen.
la] Nullo fata loco possis excludere.

Das Schicksal kann Reichtümer, doch nicht den Geist rauben.
Lucius Annaeus Seneca, Medea

Das Schicksal kann uns nur nehmen, was es uns gegeben hat.
Frankreich

Das Schicksal lächelt nie ohne Hintergedanken.
la] Fortuna numquam simpliciter indulget.

Das Schicksal lacht über die Wahrscheinlichkeit.
England

Das Schicksal läuft schneller als Pferd und Maultier.
Spanien
sp] Más corre ventura, que caballo ni mula.

Das Schicksal lenkt die Sterne.
la] Fata regunt stellas.

Das Schicksal macht nie einen König matt, ehe es ihm Schach geboten.
Börne, Fragmente und Aphorismen

Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen.
Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

Das Schicksal neckt sich auch mit Füchsen.
i] Auch mit Schlauen

Das Schicksal nimmt nichts, was es nicht egeben hat.
Seneca, Abhandlungen

Das Schicksal nimmt seinen Lauf.
la] Eunt via sua fata.

Das Schicksal rupfet uns wie die Falkeniere andern Adlern mehr Federn am Gesäße und Bauche aus, damit der Frost, den wir daran leiden, wenn wir zu hoch steigen wollen, uns wieder auf den warmen Boden zurück treibe.
Jean Paul Konjektural-Biographie

Das Schicksal setzt den Hobel an
Und hobelt alles gleich.
Ferdinand Raimund, Der Verschwender (Valentin)

Das Schicksal sorgt für die Liebe, und um so gewisser, da Liebe genügsam ist.
Goethe, Lehrjahre I,16

Das Schicksal steht im Weg.
la] Fata obstant.

Das Schicksal verbessert manche Fehler an uns, welche die Vernunft nicht verbessern könnte.
La Rochefoucauld, Reflexionen und moralische Sentenzen

Das Schicksal verkauft uns das, was wir für geschenkt halten.
Montenegro

Das Schicksal verrichtet sein Werk.
la] Agunt opus suum fata.

Das Schicksal weiß immer das Beste für uns.
Max Dauthendey

Das Schicksal wendet alles zum Vorteil derer, die es begünstigt.
La Rochefoucauld, Maximes

Das Schicksal will den Kampf, es ahndet jeden Versuch, sich darum zu drücken, das Leben als Spiel zu nehmen.
Thälmann, an Irma, vermutlich 1934

Das Schicksal zeigt seine Macht, wo keine Kraft zum Widerstand bereitgestellt ist, und es wälzt dorthin seine Macht, wo keine Deiche und Dämme da sind, es aufzuhalten.
Machiavelli, Der Fürst

Das Schicksal, das die Gesellschaft traditionsgemäß für die Frau bereithält, ist die Ehe.
Fliegende Blätter

Das Schicksal, das gewaltig,
Von Tag zu Nacht die Erdenachse dreht...
Goethe, Epilog zu Schillers Glocke

Das schickt sich in die Krümme wohl, was ein guter Haken werden soll.

Das schickt sich nicht.
la] Hoc non est ad Rhombum.

Das schickt sich wie eine Faust aufs Auge.

Das schickt sich wie Schmutz auf dem Ärmel.

Das schiebt mehr als das es zieht, sagte der Bauer und stieß den Kerl mit dem Fuß zur Tür hinaus.

Das Schießpulver ist kaum erfunden, so verliert sich die persönliche Tapferkeit aus der Welt oder nimmt wenigstens eine andere Richtung. Das tüchtige Vertrauen auf seine Faust und Gott löst sich auf in die blindeste Ergebenheit unter ein unausweichlich bestimmendes, unwiderruflich gebietendes Schicksal.
Goethe, Geschichte d. Farbenlehre - 4. Abt. - Zwischenbetrachtung

Das Schiff am besten stehet, das immer fort gehet.

Das Schiff brach zwar durch des Steuerers Schuld, gegen den Wind aber wird die Klage erhoben.
Russland

Das Schiff brauch zum Segeln, den Schild zum Decken,
Die Klinge zum Hiebe, das Mädchen zum Küssen.
Edda, Hâvamâl (Fragmente)

Das Schiff deckt die Ladung.

Das Schiff des Lügners segelt schief.
tü] Yalancının gemisi yan yürür.

Das Schiff fängt mit einem Brett an, der Ofen mit einem Stein, eines Königs Herrschaft mit dem Salut, und der Anfang der Gesundheit ist Schlaf.
Irland

Das Schiff gehorcht dem Steuer.
Estland

Das Schiff gehört aufs Wasser.
i] Es darf nicht müßig im Hafen liegen, es muss seine eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllen, die Fahrzeit innehalten und für jeden aus Verzug entstehenden Schaden haften.
ndt] Dat schip wert to watere. Bremen

Das Schiff geht am sichersten im kleinen Strom.
ho] Te veel is kwaad genoeg zij dat wat gij geniet; een schip vaart veiligst door, een' niet te sterken vliet.

Das Schiff geht nicht immer, wie der Steuermann will.

Das Schiff geht nicht ohne Ruder.
fr] La barque ne va pas sans rames.

Das Schiff geht nicht, wenn nicht Wind und Ruder es treiben.
it] Mal va la nave senza 'l suo timone.

Das schiff geht nit allweg, war es der schiffman (Steuermann) haben will.

Das schiff geht nit alweg, war es der schiffman leyt.
mhd] Dat schip en geit nicht alle wege den rechten wech.
la] Non puppis semper vergit quo navita flectit.

Das Schiff geht schief, der Kurs geht gerade.

Das Schiff gleicht dem Weib, den Menschen träget beider Leib.
la] Persimilis mulier navi, cum nata ferendis mortalibus sit utraque.

Das Schiff hängt mehr am Ruder, denn das Ruder am Schiff.
la] Oportet remum ducere qui didicit.

Das Schiff ist leck.
ho] De schuit is lek.

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