Weisheiten 332

Das Lied zu hoch anfangen.

Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet.
Goethe, Der Sänger

Das Liedlein geht nicht anders.
ho] Het liedje gaat zoo.

Das Liedlein singen dessen, des Brot sie essen.
z] Das etliche under in das liedlein sungen, des Brot sie ässen.

Das liedlein zu hoch anfangen.
la] Arrogans est similis armis deauratis.

Das Liegen ist ein Haupt Sprach, die kan man aller Orten.

Das liegt an der Rasse, sein Mutter ist auch a Weible g'wese, sagte Hundsvott, als ihm einer vorwarf, der Hund, den er von ihm gekauft habe, sei eine Hündin.

Das liegt an der Verpackung. Stettin
i] Ein in mehrfachem Sinne angewandtes Wort. Beklagt sich jemand über ein Misslingen, so wird ihm mit diesem Worte gesagt, er habe selbst schuld daran, habe gewissermassen die gute Ware so schlecht verpackt, dass dieselbe Schaden leiden musste. Ist aber von dem schlechten Streich eines andern die Rede, so gewinnt das Wort den Sinn: der ganze Kerl taugt nichts, es ist nichts anderes von ihm zu erwarten.

Das liegt klar obenauf, wie Schinken auf dem Butterbrot.

Das liegt mir am Herzen
en] I have it at heart
fr] cela me tient au coeur
it] ciò mi sta a cuore

Das liegt mir schwer auf dem Magen
i] es ärgert oder bekümmert mich.
ndt] Dess liegt m'r in Maga.
en] it preys an my mind
fr] cela me serre le cour
fr] cela me pèse sur le cour
ho] Hij zal er zijne maag niet aan overladen.
it] ce l'ho sullo stomaco

Das liegt noch in weiter Ferne
en] that's still a far cry
fr] nous en sommes encore loin
it] questo è ancora di là da venire

Das liegt so klar am Tage, wie der Bauer an der Sonne.

Das ließe ich mir nicht im Schlafe einfallen.
la] Ne per somnium quidem hoc velim.

Das Lineal auf die Finger erhalten.
i] Tadel, Zurechtweisung; aus der Schulstube entlehnt, wo Schreibschüler wegen falscher Federhaltung, falschen oder schlechten Schreibens wohl in dieser Weise erinnert werden.

Das linke Auge juckt, ich werde heut noch 'ne Freud' haben.
Ostpreußen

Das Linsengericht Esau's schmeckt ihm besser als die Honigfladen Simson's.
i] Er zieht sinnliche Genüsse den geistigen vor.

Das Lob der Krankheit ist noch nie besungen worden. Wenigstens die Ärzte sollten nicht undankbar sein.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Lob des Dieners ist des Herrn Ehre.

Das Lob des Neidischen schmeckt wie Essig mit Zucker.

Das Lob des Wohltäters der Menschheit führen die Menschen erst im Munde, wenn er es nicht mehr hören kann.
M. Grimm, Der Schriftsteller als Staatsbürger

Das Lob eines Freundes und die Verachtung eines Feindes wiegen gleich schwer.

Das Lob eines Klugen ist besser als das von tausend Narren.

Das Lob eines Weisen ist besser als von zehn Narren.
mhd] ein Lop, daz mit der volge ûz wîsem munde gat, daz lop bestât von tage ze tage ie lûter.

Das Lob geht auch in die Ohren der Weisen.
Russland

Das lob hat armůt in der gschrift,
Das nüt uf ert ie ward so groß,
Das nit von erst uß armů floß.
Seb. Brant, D. Narrenschif (1494)

Das lob ist der Toren (Narren) prob.
i] Willst du wissen wie dumm ein Narr ist, so lobe ihn.

Das Lob ist nur der Schatten der Tugend.
England

Das Lob ist so viel wert als wie der, so es spendet.
z] Dass beide mich getadelt, kann ich ihnen verzeihen; aber dass sie mich gelobt, verzeihe ich ihnen nicht.

Das Lob ist verdächtig.
i] Den Ton auf das.
la] Mercenarium praeconium. Cicero

Das Lob ist wirklich erfreulich, das von denen ausgeht, die selbst Lob genossen haben.
la] Ea est enim profecto iucunda laus, quae ab iis proficiscitur, qui ipsi in laude vixerunt.

Das Lob macht einen Gegenstand weder schlechter noch besser.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Das Lob von tausend Narren wiegt nicht den Tadel eines einzigen klugen Mannes auf.

Das Lob, das man hört, ist nicht viel wert.

Das Lob, was einem Löwen gebührt, muss man keiner Maus zulegen.

Das Loben macht einen weder besser noch dicker.
Estland

Das Loch berechn' ich nicht, sagte der Trödler, als der Bauer meinte, die Jacke sei zu teuer, sie habe schon ein Loch.

Das Loch der Lüge ist nicht tief.
Afrika

Das Loch einem verriemen.

Das Loch ist groß, der Flicken klein.
tü] Delik büyük, yama küçük.

Das Loch ist nicht zu stopfen.
ho] Dat gat is niet te stoppen.

Das Loch ist oft schöner als der Fleck.
i] Gilt auch von schlechten Entschuldigungen, die das Übel ärger machen.

Das Loch ist so gut wie die Tonne.
Lettland

Das Loch ist vernagelt.
ho] Dat gat is vernageld.

Das Loch ist zugeschnappt.
i] Er ist endlich erwischt worden.

Das Loch lockt (o. ruft) den Dieb herbei.
sp] El agujero llama al ladrón.

Das Loch ruft den Dieb herbei.
i] Gelegenheit reizt.

Das Loch zustopfen, wenn die Hühner ausgeflogen sind.

Das Loch zustopfen, wenn 's Bein gebrochen ist.
sp] Recebido ya el daño, atapar el horado.

Das Loch, was er machte, ging in ein Getreide(Stroh-)magazin.
i] Von dem Fehlschlagen einer mühsamen Unternehmung. Von einem Diebe entlehnt, der eine Mauer in der Absicht durchbrach, Kostbarkeiten, Kleinodien dahinter zu finden, aber nur Getreide oder Stroh fand, womit ihm wenig gedient sein konnte.

Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.
Wittgenstein

Das Los der Menschen ist verschieden, die Welt besteht aus Glücklichen und Unglücklichen.
sp] Unos nacem con estrella, y otros nacen estrellados.

Das Los der Menschen scheint zu sein nicht Wahrheit, sondern Ringen nach Wahrheit; nicht Freiheit und Gerechtigkeit und Glückseligkeit, sondern Ringen danach.
Seume, Apokryphen

Das Los der Parteien wird von den Parteilosen bestimmt.
Fliegende Blätter

Das Los der Unvermählten aber ist
Ein einsam Alter und der Spott der Toren.
Halm, Der Sohn der Wildnis, 1 (Actäa)

Das Los der vielen ist, zu Erhaltung Ihrer Existenz und zu Ihrer Betätigung in der Gesellschaft eine mehr oder weniger seelenlose Arbeit zum Beruf zu haben, in der sie nicht viel oder fast nichts von ihrem Menschentum verausgaben können, weil sie sich in ihr fast wie Menschenmaschinen zu betätigen haben. Dennoch aber befindet sich keiner in der Lage, dass er nicht Gelegenheit hätte, sich irgendwie als Mensch zu verausgaben.
Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken

Das Los der Waffen wechselt hin und her:
Kein kluger Streiter hält den Feind gering.
Goethe, Iphigenie A V Sz 3 (Iphigenie) Vs 1866

Das Los des Schriftstellers ist schwer, furchtbar und bedrückend.
Block, Die Seele des Schriftstellers

Das Los fällt immer auf die Unglücklichen.

Das Los ist geworfen.
i] Der Entschluss ist gefasst.
ho] Het lot is geworpen.

Das Los stillt den Hader.
la] Contradictiones comprimit sors.

Das Lösegeld für einen König ist für eine Schüssel Märzenschnee zuwenig.

Das Lot ist zu langsam ausgeworfen, wenn das Schiff gestrandet ist.
ho] Het is te laat, als het schip stuit het lood de werpen.

Das Lot macht allmählich auch einen Zentner.

Das Löwenjunge erhält sein Leben dadurch, dass es junge Enten frisst.

Das Löwenmaul hat ein Hasenherz.

Das Luder und das Doppelspiel sammt Würfel verzehren viel.

Das Lügen ist eine menschenfreundliche Kunst: Selbst dem Amateur lässt sie eine kleine Chance.
Fliegende Blätter

Das Lümmelglöckel läuten.
Breslau
i] Dies 'Glöckel' befand sich im Schweidnitzer Keller zu Breslau und wurde stets geläutet, wenn jemand ein Glas zerbrach oder einen andern Lümmelstreich machte.

Das Lumpenproletariat, dieser Abhub der verkommenen Subjekte aller Klassen, der sein Hauptquartier in den großen Städten aufschlägt, ist von allen möglichen Bundesgenossen der ,schlimmste. Dies Gesindel ist absolut käuflich und absolut zudringlich.
Engels, Vorbemerkung zu 'Der deutsche Bauernkrieg'

Das mach' einer Katze weis.
ho] Maak dat aan de kat wijs.
ho] Vertel dat aan de kat.

Das mache ich nicht nach, sagte Till, als er einen Mann vom Dache fallen sah, dass er tot war.
ho] Dat zou ik je niet nadoen, zei Kwak, en hij zag een man van een huis dood vallen.

Das mache mir einmal einer nach, sagte Hans Quast, da fiel er und brach beide Beine.
ho] Doe mij dat eens na, zei Gerrit, en hij brak zijne beide beenen.

Das machet scheel augen für war, dass man falsch gericht brauchen thar.
la] Lances dissimiles, saciunt oculos mihi tristes.

Das macht böses Blut.
ho] Het zet kwaad bloed.

Das macht böses Spiel.
ho] Dat zal kwaad spel maken.

Das macht das ganze Spiel zu Schanden.
ho] Dat maakt al 't spel te schande.

Das macht das Maß voll - das bringt das Fass zum Überlaufen
en] that fills the cup to the brim
fr] c'est la goutte d'eau qui fait déborder le vase
it] ciò colma la misura (o. rincara la dose) - questo è la goccia che fa traboccare il vaso

Das macht den Deutschen von heute so unbeliebt: Er beruft sich bei fast jeder Gelegenheit auf seine 'Geistesheroen', die doch fast immer nur im Gegensatz zu ihm gelebt haben, und ist dabei genauso auf seinen Vorteil bedacht wie der Nachbar.
Christian Morgenstern, Stufen

Das macht den Kohl nicht fett.
i] Von jeder Sache, die zu irgendeinem Behuf nicht hinreichen will und kann. Wird den Zweck nicht wesentlich fördern, wird zum Besserwerden nicht viel beitragen.
ndt] Dat sall (wird) de Käul net viel fetten. Westfalen
ndt] Dat makt'n Kohl ok nich fett. Strelitz
en] a fat lot it helps
fr] cela me (te etc.) fait une belle jambe
it] questo non cambia nulla

Das macht den Mund wässrig.
la] Salivam movet.

Das macht der Katze keinen Buckel.
Solothurn
i] Ändert an der Sache nichts, hat nichts zu bedeuten.

Das macht der Liebe kein Kind, wenn sie nur sonst keine Hure ist.
Ostpreußen

Das macht der Lieben kä Kind.
i] Von etwas, das man für erlaubt oder unschädlich hält, z.B. Küssen.

Däs macht der Magd koi Kind.
Ulm

Das macht die Jugend, sagte die Frau, da sprang sie übern Strohhalm.
ndt] Dat dêt de Jonghêt, sacht de Frau, da sprong se överne Strühzalme. Aachen
ho] Dat is een voltigeer-sprong, zei de boer, en hij sprong over een' zwavelstok.
ho] Het is de jongheid, zei besje, en toen speelde een zeventiger met buitel mannetjes.

Das macht die Zeit.
i] Sagen die Philister, wenn sie von Ereignissen getroffen werden, von denen sie alles andere, nur nicht deren Ursache einsehen.

Das macht einem den Mund wässerig.
fr] Cela fait venir l'eau à la bouche.
la] Salivam hoc movet. Seneca

Das macht mich um ein Jahr älter.
la] Discedo, crede, senior anno protinus.

Das macht mir graue Haar.

Das macht mir Kummer - das gibt mir zu schaffen
en] that gives (o. causes) me (no end of) trouble
fr] cela me donne du fil à retordre
it] ciò mi dà del filo da torcere

Das macht nichts, es geht nicht um Frankreich.

Das macht nix, wenn das Haus nur frühzeitig wieder geöffnet wird, sagte der junge Mann, als der Herr, der ihn in Dienst nehmen wollte, bemerkte, dass es pünktlich um zehn Uhr geschlossen werde.

Das macht um Moses willen nicht.

Das macht uns arm bei allem Reichtum, dass wir nicht allein sein können, dass die Liebe in uns, solange wir leben, nicht erstirbt.
Friedrich Hölderlin, Hyperion

Das macht unser Küchen feist.

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Theodor Storm, Die Nachtigall

Das macht, weil nichts in der Welt einzeln steht, und irgendein Wirksames nicht als ein Ende, sondern als ein Anfang betrachtet werden muss.
Goethe, An Schiller, 5.7.1802

Das mächtigste Hirngespinst der Welt ist die öffentliche Meinung: niemand weiß genau, wer sie macht, niemand hat sie je persönlich kennengelernt. aber alle lassen sich von ihr tyrannisieren.
Fliegende Blätter

Das Mächtigste im Dichter, welches seinen Werken die gute und die böse Seele einbläset, ist gerade das Unbewusste.
Jean Paul, Vorschule der Asthetik

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1 2 3 4
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