Weisheiten 32

Alle tagen Martinstag (10.11.), zechevoll frühe und spatt, in die wochn zwier ins badt machen eine lere hofstadt.

Alle Tannen haben Ohren.

Alle Tätigkeit, die nicht von den Göttern ausgeht, ist des Menschen unwürdig. Es ist also gut, sich in Vorrat zu setzen.
Friedrich Schlegel, Über die Philosophie

Alle Tatmenschen sind Träumer.
England

Alle Teile des Kults sowie alle Prinzipien des katholischen Dogmas zielen darauf ab, die Laien in absolute Abhängigkeit vom Klerus zu bringen.
Saint-Simon, Neues Christentum

Alle Tiefen des Daseins liegen in einer großen, reichen Seele, und sie werden immer klarer dem, der das Glück hat, in einer solchen eigentlich heimisch zu werden.
W. v. Humboldt, an Karoline, 29. 6. 1809

Alle Tier' ein Paar sind miteinander, drum auch der Mensch will sein selbander.

Alle Tier und vöglein seind so weiß, sie ruhen ein stündlein auf die speis'.
fr] Souvent les bêtes montrent à vivre aux hommes.

Alle Tiere folgen der Natur.
mhd] Alle deirte volgen der natûr.
la] Omnia naturae parent animantia passim.
mhd] ein adelig tier, en edeler boum die habent von art ouch edelen zoum.

Alle Tiere fressen die Cassaba, aber das Kaninchen allein bekommt die Schuld.
i] Wer einmal einen schlimmen Ruf hat, dem wird alles Böse nachgesagt, er muss stets der Sündenbock sein.

Alle Tierlein leben gern.

Alle Tierlein ohne Augen zum Graben gut im finstern taugen.

Alle Tierlein sind so weis', sie ru'hn ein' Weil' auf ihre Speis'.

Alle tragen wir einen Narren unter der Kappe, aber der eine kann ihn besser verbergen als der andere.

Alle Trauer der Erde ist Einsamsein.
Hanns Johst, O Du

Alle Träume der Katzen spielen nur unter Mäusen.

Alle Trübseligkeit und Krankheit ist vom Teufel, nicht von Gott. Gott erlaubt aber dem Teufel, uns zu schaden, wenn er verachtet wird.
Martin Luther, Tischreden

Alle trügerischen Lehren, welche das Herz Lügen straft, überzeugen nicht.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

alle Trümpfe in der Hand haben
en] to have all the trumps in o's hand - to hold all the trumps (o. cards)
fr] avoir tous les atouts en main (o. dann son jeu)
it] avere l'asso nella manica (o. il coltello per il manico)

Alle Tugend hat aufgehört, Gerechtigkeit ist auch zerstört; der Geistlich irrt, das Geld regiert, die Simonie hat die Welt verführt.

Alle Tugend muss sich an den stab der bestendigkeit halten, sonst stehn sie wie ein schatten.

Alle Tugenden aus Nachahmung sind Affentugenden, eine gute Handlung ist sittlich gut, nur wenn man sie als solche tut, nicht weil andere sie tun.
Rousseau, Emile

Alle Tugenden haben einen löblichen Ursprung, allein die Vorsichtigkeit wurde von einem schändlichen Vater, dem Misstrauen, und von einer abschewlichen Mutter, der Widerwertigkeit, geboren.
Grimmelshausen, Ewiger Kalender.
la] Virtus, justicia, clerus, mammon, Simonia cessat, calcatur, errat, regnat dominatur.

Alle Tugenden sind in Gefahr, wenn die Kindesliebe angegriffen wird.
China

Alle Tugenden sind nämlich gefährlich auf dieser Welt...
Brecht, Mutter Courage und ihre Kinder

Alle tun Gottes Werk, ob sie wollen oder nicht.
Und wie schön ist es, zu wollen.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1889)

Alle Türen führen ins Haus, aber auch hinaus.

alle Türen stehen ihm offen
en] all doors are (o. every door is) open to him
fr] toutes les portes lui sont ouvertes
it] ha tutte le porte aperte

Alle Türen verschlossen finden.

Alle Übel sind unversuchtes Gutes.
Schottland

Alle Übergänge sind Krisen, und ist eine Krise nicht Krankheit?
Goethe, Lehrjahre VIII,1

Alle üble Nachrede hat ihren Grund vorzüglich im Neide, weshalb denn Leute mit fehlgeschlagenen Hoffnungen mehr zum Räsonieren und Skandalisieren aufgelegt sind als Leute, denen es wohl geht.
Goethe, Eckermann, 4.9.1829

Alle ungebildeten Menschen werden durch den Stoff, nicht durch die Behandlung interessiert.
Goethe, Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts

Alle Unkinder oder Hurenkinder haben gunst und ehre, loser und unverständiger Leute.

Alle Unklarheit hat eine Ursache - die Menschen erkennen nicht, dass Leben Teilnehmen an der Vervollkommnung der eigenen Person und des Lebens heisst.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1895)

Alle unmittelbare Aufforderung zum Ideellen ist bedenklich, besonders an die Weiblein. Wie es auch sei, umgibt sich der einzelne bedeutende Mann mit einem mehr oder weniger religios-moralisch-ästhetischen Serail.
Goethe, Maximen und Reflexionen 802

Alle Unruhe kömmet von bösen Leuten.

Alle unselige (unwirtschaftliche) Weiber werden im Wochenbett selig (wirtschaftlich).

Alle unser sinn und mut steht nu na geld und gut, und wen wi dat erwerben, so legge wi uns nedder und sterben.

Alle unsere Eigenschaften sind ungewiss und zweifelhaft, sowohl die guten wie auch die bösen, und sie sind fast alle den Gelegenheiten zu verdanken.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Alle unsere Irrtümer übertragen wir auf unsere Kinder, in denen sie untilgbare Spuren hinterlassen.
Maria Montessori, Kinder sind anders

Alle unsere Leiden kommen daher, dass wir nicht allein sein können.
fr] Tout notre mal vient de ne pouvoir être seul.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Alle unsere Streitigkeiten entstehen daraus, daß einer dem anderen seine Ansichten aufzwingen will.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Alle unsere Weisheit besteht in knechtischen Vorurteilen, alle unsere Bräuche sind nur Unterwerfung, Marter und Zwang.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Alle Untugend ist Sünde.
1. Joh. 5, 17

Alle Urteil kommen von klage und antwort.
i] Können erst gefällt werden, wenn beide Teile gehört worden sind.

Alle Vaterunser lang.
i] Um die Wiederholung eines Vorgangs in so kurzen Pausen auszudrücken, als man Zeit zum Beten des Vaterunsers bedarf.

Alle Vergangenheit existiert nur als lebendige Erinnerung eines gegenwärtigen Kopfes.
Alle Vergangenheit ist eine Selbsterinnerung Gottes.
Christian Morgenstern, Weltbild: Am Tor

Alle vergebenen (vergessenen) Sünden sind quitt.
fr] À tout péché misericorde.

Alle Vergnügungen auf alle Weise genießen zu wollen, ist unvernünftig; alle ganz vermeiden, gefühllos.
Plutarch, Gastmahl der 7 Weisen

Alle Verhältnisse der Dinge wahr. Irrtum allein in dem Menschen. An ihm nichts wahr, als dass er irrt, sein Verhältnis zu sich, zu anderen, zu den Dingen nicht finden kann.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1379

Alle verlangen nach eines Fremden Liebe, doch da sind zwei Nachteile: Er wird weder bleiben, noch dich mitnehmen.
Hindi, Indien

Alle Verliebtheit, wie ätherisch sie sich auch gebärden mag, wurzelt allein im Geschlechtstriebe, ja ist durchaus nur ein näher bestimmter, spezialisierter, wohl gar im strengsten Sinne individualisierter Geschlechtstrieb.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Alle Versuchsarbeit ist schwer.

Alle Verträglichkeit ist aus der Welt verschwunden, sagte die Frau, als die Katze einen Hund zerzauste.
ho] De vredelievendheid is uit de wereld, zei Filippijn, en hij zag eene kat met eene rat vechten.

Alle verwunden, die letzte tötet.
i] Inschrift auf Sonnenuhren
la] Omnes vulnerant, ultima necat.

Alle verzeihen, niemand kommt zur Hilfe.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe an Lucilius

Alle viere in einen Leffel setzen.
Schlesien
i] Läufel, d.i. die vier Füße auf einen Punkt zusammenthun.

Alle Viere von sich strecken.
fr] Il et tombé les quatre fers en l'air.

Alle vierkantig, segg jene Fru, aber dat Geld mutt rund gan.

Alle vierkantig, seggt Lohmann, bet op den Grüttputt, de mutt rund lopen.

Alle Vögel fliegen nicht in einer Richtung.
Estland

Alle Vögel fliegen nicht in gleicher Höhe.
Estland

Alle Vögel haben Flügel, und doch kann nicht jeder so hoch fliegen wie der Adler.
dk] Alle fugl har feyr og vinger, men kunne dog ei flyve sau høyt som ørnen.

Alle Vögel können nicht auf einmal fliegen.
Estland

Alle Vögel schreien; wenn aber die Eule schreit, so ist's ein Unglücksvogel.
Surinam
i] Um jemand zu sagen: Du bist und bleibst ein böser Mensch, auch wenn du dich unter die guten mischest. Auch: Wer einmal in einem bösen Rufe steht, dem wird alles zum Bösen ausgelegt; o. ich mag reden und tun, was ich will, es wird mir alles übel genommen.

Alle vom Mann erfundenen Idole sind, wie Furcht erregend er sie auch gebildet hat, tatsächlich von ihm abhängig, und deshalb wird er imstande sein, sie zu zerstören.
Simone de Beauvoir, Das andere Gesicht

Alle Vorgefühle, wenn sie durch das Ereignis bestätigt werden, geben dem Menschen einen höheren Begriff von sich selbst, es sei nun, dass er sich so zart fühlend glauben kann, um einen Bezug in der Ferne zu tasten, oder so scharfsinnig, um notwendige, aber doch ungewisse Verknüpfungen gewahr zu werden.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,11

Alle Vorstrande sind des Königs.
[RSpW]
i] Meeresufer und das mit ihnen in Berührung Kommende; sie gehörten, wie alles, woran sonst niemand ein begründetes Eigentum nachweisen konnte, dem Volke, vertreten durch den König.
jütisch] Alle vorstrande syn des Köninges.

Alle Vorteile gelten, säd' de Düwel, do trock he sik 'n Worm ût'n Môrs un bunn sik 'n Schô domit tû.

Alle Vorteile gelten, sagte der Bauer, da legte er seinem Weibe ein Dutzend Eier zum Brüten unter, da sie schlief.
ho] Voorzigtigheid is de moeder der wijsheid, zei Joris, en hi leide, terwijl zijne vrouw sliep, een half dozijn eijeren onder haren aars, om uit te broeijen.

Alle Vorteile helfen, sind sie noch so klein.

Alle Vorteile helfen, sprach die Sau, und schnappte nach einer Mücke.
mhd] Alle bate helpet, de söge snappet na der muggen.
la] Parva iuvant: culicem deprehendere sucula tentat.

Alle Vorteile helfen, und sind sie noch so klein.

Alle Waffen müssen Gold oder Silber haben.

Alle wahre Kultur kommt vom Christentum.
Juan Donoso Cortés, Discurso sobre la situación general de Europa, 30.1.1850

Alle wahre Politik ist auf die Bedingung eingeschränkt, mit der Idee des öffentlichen Rechts zusammenzustimmen.
Kant

Alle wahre Religion scheitert an dem Konfessionswesen.
Seume, Vorrede zu 'Bemerkungen über einige schwierige Stellen des Plutarch'

Alle wahren Germanen gingen ins Ausland; das jetzige Deutschland ist eine vorslawische Station und bereitet dem panslawistischen Europa den Weg.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Alle wahren Muster des Geschmacks sind in der Natur.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Alle wahren Nationalgedichte durchlaufen einen kleinen Kreis, in welchem sie immer abgeschlossen wiederkehren, deshalb werden sie in Massen monoton, indem sie immer nur einen und denselben beschränkten Zustand ausdrücken.
Goethe, Schriften zur Literatur - Volksgesänge abermals empfohlen

Alle wahrhaft großen Dichtungen sind Variationen zum Schicksalsliede, seien es Maestosi, Allegri oder Scherzi.
Christian Morgenstern, Stufen

Alle Wahrheit ist Schönheit, und alles Unschöne ist Unwahrheit.
Bettina von Arnim (1785-1859), Ilius Pamphilius und die Ambrosia

Alle Wahrheiten sind Halbwahrheiten. Sie als volle Wahrheiten zu behandeln heißt den Teufel spielen.
Alfred North Whitehead (1861 - 1947)

Alle Wappen müssen Gold oder Silber haben.

Alle warten wir auf die große Liebe. Aber können wir sie aus kleinen Liebeleien zusammentragen?
Lec, Unfrisierte Gedanken

Alle Wasser eilen der Küste, und Geld dem reichen Manne zu.
Dänemark

Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller.
Pred. Salomo, I, 7

Alle Wasser machen nass.

Alle Wasser seind jhm süß.
i] Er liebt alles, was ihm vorkommt.
dk] Alt vand er dem sødt.

Alle Wege der Liebe, die wir kennen,... sind ebenso seltsam wie das Verlangen, alle Bücher der Welt zu lesen und alle Erkenntnisse zu sammeln.
Soeroto, Flüstern des Abendwinds

Alle Wege führen nach der Mühle.

Alle Wege führen nach Rom, aber mancher eher als der andere.
it] Ogni strada và a Roma, mal' una è più corta dell' altra.

Alle Wege führen nach Rom, sagte jener, ich gehe über Herrnhut.
z] Alle Wege führen nach Rom, sagt Koszmian, da reiste er mit dem Peterspfennig nach Homburg.

Alle Wege führen nach Rom.
i] Also in die katholische Kirche. Derselbe Zweck kann auf verschiedene Weise erreicht werden.
en] All roads lead to Rome.
en] More ways to the wood than one.
fr] Tous les chemins mènent à Rome.
fr] Tous chemins vont à Rome.
it] Tutte le strade conducono a Roma.
sd] Alla wägar föra till Rom.
sp] Todos los caminos van á mi casa.

Alle Weiber haben einerlei Sinn.
z] Weib ist im Süden die norddeutsche Frau, und Frau nur die Herrin oder Gebieterin, noch ganz wie im Altdeutschen, wie überhaupt die Wörter Dirn (norddeutsche Magd oder Mädchen), Madl, Weib u.s.w. bei den deutschen Alpenbewohnern nur die alte, reine und schöne Bedeutung haben. Der süddeutsche Bauer, Handwerker und Kleinstädter sagt nicht: Meine Frau, sondern mein Weib. Als Hausfrau heisst die Süddeutsche einfach: die Bäuerin, die Wirtin, die Tischlerin, die Kramerin, oder sie wird in ihrer Abwesenheit und als dritte Person auch nur Sie genannt, wie in solchem Falle ihr Mann Er heisst.'
mhd] An dem griff sind älleu weib des einen leders, wie mans treib.

Alle Weiber sind Ware, mehr oder weniger kostet
Sie den begierigen Mann, der sich zum Handel entschließt.
Glücklich ist die Beständige, die den Beständigen findet,
Einmal nur sich verkauft und auch nur einmal gekauft wird.
Goethe, Epigrammatisch

Alle weinen nicht zur gleichen Zeit.

Alle Weisheit bringt
Bedingte Wahrheit nur, nicht Wahrheit unbedingt.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Alle Welt erhebt sich wider einen Menschen, dessen Stern im Aufgehen begriffen ist; kaum dass ihm die, welche er für seine Freunde hält, sein wachsendes Verdienst und die ersten Anzeichen der Teilhabe am Ruhm verzeihen, den sie selbst schon besitzen.
La Bruyère, Vom Urteil

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1 2 3 4

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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10