Weisheiten 319

Das Justitzwesen ist wie ein Hundsding, wer darein kommt, der kommt oft sehr schwerlich wieder raus.

Das Kabel ist faul.
ho] Dat is aan een' verrotten kabel gesmeerd.

Das Kabel ist gerissen.
i] Der gegenseitige Gedankenverkehr ist unterbrochen.

Das kaiserliche Wort ist so kräftig als ein Eid.

Das Kaisertum ist der Friede!
fr] L'empire, c'est la paix! Napoleon III., Bordeaux, 9.10.1852

Das Kalb auf der Wiese, das Schwein in der Scheuer werden fett (stark) und teuer.

Das Kalb auslassen (o. austreiben).
i] Ausgelassen lustig sein; weil die Kälber mancherlei lustige Sprünge machen. Also entweder sich selbst auf die Weide treiben oder wohl zutreffender das Kalb als Narr oder Teufel, im Menschen steckend gedacht. In der Verkehrten Welt von dem unerwarteten Entstehen eines großen Unglücks aus einem kleinen.
z] Sag an, Sechskreuzer, wer bist du, geht dir das Kalb auch (trächtig) mit der Kuh?
z] Es wer dir besser kunste, wir theten bald darzue, eh's kalb ging mit der Kueh.
z] Sie hatten das kalb ausgetrieben, dass ihr ist keiner nüchtern blieben.
fr] Faire le fou ou folâtrer, se livrer à la oie.
fr] Il a joué tous ses jeux.
fr] S'abandonner, se livrer à la joie.

Das Kalb der Herrschaft ist verständiger als das Kind des Bauern.
Russland

Das Kalb erkennt seine Mutter sogar, wenn's blind ist.

Das Kalb findet seine Mutter wohl.
ho] Het kalf zal zijne moêr wel vinden, al zou het zich te bersten loopen.

Das Kalb folgt der (o. führt die) Kuh.
i] Je nachdem die Mutter frei oder (leib)eigen war, waren es in bestimmten deutschen Gauen auch die Kinder.
ho] Dat calf volcht der coe.
la] Quod vaccam vitulus comitetur, res iubet et ius.
la] Vitulus sequitur vaccum, filia matrem.

Das Kalb gehört dem Besitzer der Kuh.

Das Kalb geht zuerst immer unter die Nase der eigenen Mutter.
Estland

Das Kalb gerät nach der Kuh.
la] Sequitur matrem sua proles.

Das Kalb in der Kuh ist nicht sicher.
i] Von Schiller in der Kapuzinerpredigt (Wallenstein's Lager) angewandt.

Das Kalb in die Augen schlagen.

Das Kalb in seiner Mutter Milch kochen.
z] Es ist empörend, wenn Kinder vor der Polizei dazu gebraucht werden, um Zeugnis gegen ihre Eltern abzulegen. Aber das ist nichts Neues. Die französische Jurisprudenz hat seit undenklichen Zeiten nicht davor zurückgeschreckt, das Kalb in seiner Mutter Milch zu kochen. Breslauer Zeitung, 16. Juni 1871

Das Kalb ist bis auf ein Ohr abgezogen.
i] Die Sache ist nahezu beendigt.

Das Kalb ist die Entschuldigung für die Kuh, das Kind die für die Mutter.
Marathi, Indien

Das Kalb ist ertrunken, der Spieß in der Asche.
i] Es ist alles verloren und an keine Rettung zu denken.

Das Kalb ist gleich der Kuh und das Füllen wie sein Vater, wenn nicht ganz, so sicherlich in einem Grade.
Hindustan

Das Kalb ist nicht eh' denn die Kühe.

Das Kalb ist wie die Kuh.

Das Kalb kippt ja keinen guten Mehltrank um, und einem guten Kalb gibt man ja auch keinen schlechten Mehltrank.
Estland

Das Kalb lässt das Blöken nicht.
i] Wenigstens nicht eher, bis es zur Kuh wird, dann fängt es an zu brüllen.

Das Kalb lehrt die Kuh kalben.

Das Kalb lernet von der Kuh.

Das Kalb mit der Kuh ausschlagen (o. strafen).
i] Den Unschuldigen mit dem Schuldigen

Das Kalb muss der Kuh entgelten.

Das Kalb muss der Kuh folgen.

Das Kalb muss oft mit der Kuh gehen.

Das Kalb muss statt der Kuh herhalten.
z] Damit man reizt Gotts Rach herzu zu strafen das Kalb mit der Kuh.
z] Vnd felt jm zu ein widermut, den jm ein narr auf reden tut, so henckt er sich dann selbs darzu und schlecht das kalb aus mit der ku.
la] Ut vaccam vitulus comitetur, res jubet, et jus.

Das Kalb pflegt nach der Kuh zu geraten.

Das Kalb saugt nur an einer Kuh.

Das Kalb schreit immer am meisten.
Estland

Das Kalb soll folgen seiner Kuh, soll es anderst recht gehen zu.
la] Vt uaccam uitulus comitetur, res iubet et ius.

Das Kalb steckt noch in ihr.

Das Kalb stirbt so schnell wie die Kuh.
Frankreich

Das Kalb verkaufen (verzehren), ehe es geboren ist.
en] To eat the calf in the cow's belly.
it] Come la gallina di montecuccoli.
it] Mangiar la ricolta in erba.

Das Kalb will oft klüger sein als die Kuh.

Das Kalb wird seine Mutter finden und sollte es sich tot laufen.
i] Von der Ausdauer, mit der man einen Zweck verfolgt.

Das Kalb würde doch seine Haut lieber behalten, wenn man ihm auch verspräche, Saffian daraus zu machen.

Das Kälbchen folgt der Kuh.

Das Kälbchen wird sich schlachten.

Das Kälbergeschrei ist nicht zu achten, so man doch das Kindergeschrei leiden muss.

Das Kalbfleisch stiehlt einem den Speck aus dem Wiemen (der Rauchkammer).

Das Kälblein liebt das Euter mehr als die Kuh.

Das Kälblein muss folgen der Kuh.

Das Kälblein saugt an der magern Kuh.

Das Kalenderemachen nicht erdenkt haben.
i] Das Schießpulver nicht erfunden haben.

Das kälteste Herz ist wärmer den das wärmste Gehirn.
z] So lange bei einer Unterredung der Intellect allein thätig ist, bleibt solche kalt. Erst wenn der Wille ins Spiel kommt, ist der Mensch wirklich dabei; jetzt wird er warm, ja, es geht oft heiß her.
Schopenhauer, Welt als Wille

Das kam in domum Cadmi et Agenoris.

Das Kamel auf dem Affen reiten lassen.

Das Kamel geht nicht leer vom Brunnen.
i] Es säuft sich satt und füllt den Wassermagen für eine durstige Zukunft.

Das Kamel ging auf die Suche nach Hörnern. Da schnitt man ihm die Ohren ab.
Talmud

Das Kamel ging aus, sich Hörner zu suchen, und die Ohren, die es hatte, wurden ihm abgeschnitten.
Hebräisch

Das Kamel ging lahm, seiner wunden Lippe wegen.

Das Kamel ging um Hörner zu suchen aus und kam ohne Ohren nach Haus.
i] Von dem, der nach fremdem Gute strebt und darüber das Seine verliert. Aus einer Fabel, nach welcher die Kamele durch einen Redner (Abgesandten) Hörner von Jupiter verlangten, der aber, durch das törichte Verlangen erzürnt, ihnen die Ohren abschnitt.

Das Kamel hat einen großen Magen und ein kleines Herz.
dä] Camelet har en stor lunge, og des mindre hierte.

Das Kamel in seinem Kopfe sieht er nicht, der Splitter eines anderen aber fällt ihm sogleich ins Auge.

Das Kamel ist ein Kamel, und wenn man es mit Edelsteinen belüde.

Das Kamel ist ein schönes Tier, sagte der Buckelige.

Das Kamel legt sich an der Stelle nieder, wo ein anderes sich niedergelegt hat.
i] Wenn ein Beamter stirbt und jemand nimmt unmittelbar seinen Platz ein. Von den Karawanen entlehnt, welche gewöhnlich an bestimmten Plätzen u.s.w., die schon von ihrer Umgebung ausgezeichnet sind, zu ruhen pflegen.

Das Kamel rührt erst das Wasser auf, ehe es trinkt.
i] Von unredlichen Sachwaltern.
ho] De kemel drinkt liefst als het water geroerd is.

Das Kamel schüttelt sich, wenn man ihm zu viel aufladet.
ho] Het pak moet naar den kemel zijn, of het draagt lastig.

Das Kamel schüttelt umsonst an seinem Höcker.

Das Kamel sieht nicht den eigenen Höcker, sondern den des Kameraden.

Das Kamel sieht seinen eigenen Höcker nicht, aber den seiner Brüder hat es stets vor Augen.
Arabien
tü] Deve kendi kamburunu görmez, arkadaşının kamburunu görür.

Das Kamel trägt Zuckerrohr und bekommt doch nur die Dornen zu fressen.

Das Kamel weiß nicht, dass es bucklig ist.
Mongolei

Das Kamel will tanzen.
i] Von Unpassendem, Unbehilflichem. Wenn jemand von Natur ernst und finster ist und den Feinen, Zierlichen spielen will, so tut er der Natur Gewalt an. Man wendet die Redensart auf einen Mann an, der, den Musen ganz entfremdet, für bered' gehalten werden will.
la] Camelus saltat.

Das Kamel wird belastet nach seiner Stärke.

Das Kamel wird nicht zum Pilger, auch wenn es nach Mekka geht.
tü] Deve Kabe'ye gitmekle hacı olmaz.

Das Kamel, das Hörner wollte, verlor seine Ohren.
Arabien

Das Kamel, das oft nach Mekka geht, kommt schließlich lahm zurück.

Das Kamel, selbst wenn räudig, trägt die Bürde von vielen Eseln.
Neugriechisch

Das Kamin entzündet sich von innen.

Das Kampflied kann helfen, die Bewegung weiterzutreiben, sie zu vertiefen und sie zu organisieren.
Brecht, Zur Frage der Übersetzung von Kampfliedern

Das Kampfmittel der Demokratie ist die Überzeugung. Sie fordert von ihren Bürgern Toleranz.
Kellermann, Zehn Gebote der Demokratie

Das kan der adel lychnam wol,
Bezalen mit dem hafen zol (mit leeren worten)!
Thomas Murner, Narrenbeschwerung (1512)

Das kan i nöt beißen.
Österreich
i] Behagt mir nicht, ich kann's nicht vertragen

Das kan ihm der Tiber und das ganze tyrrhenische Meer nicht abwaschen.

Das Kanichen fort, der Rat da.

Das Kaninchen fort, der gute Rat da.
Spanien

Das kann (ihm) der Regen nicht abwaschen.
i] Diesen Hohn, Schimpf, Spott. Davon entbindet ihn nichts, er muss es tun.

Das kann allein Gott und der große Zar.

Das kann alles Wasser im Meer nicht abwaschen.
i] Von einem großen Schimpf, Schandfleck.
ho] Dat kan al het water van de zee niet afwasschen.

Das kann der Blinde mit dem Stock fühlen.

Das kann der Zehnte nicht vertragen.

Das kann ein alt Weib mit dem Stock fühlen.

Das kann ein Blinder sehen und ein Ochs verstehen.
i] So deutlich klar, einleuchtend ist die Sache
ndt] Dat süt wol ein blinde.
fr] Un aveugle y mordrait.
ho] Dat zou een blinde zonder bril niet kunnen onderscheiden.
ho] Een blinde zou't wel zien, en een nar bemerken.
ho] Men ziet het met twee oogen wel, waar van het cene blind is, en het andere niet zien kan.
la] Apparet etiam satis coeco. Livius
la] Coecis hoc clarum est. Quintilianus
la] Vel caeco apparent.
la] Vel caecus videat, qui nullo lumine gaudet.

Das kann ein jedes Kind begreifen.
ho] Dat kan een kind wel begrijpen (vatten, verstaan).

Das kann ein Kalb mit einem Auge sehen.
ho] Een kalf met één oog kann dat gemakkelijk zien.

Das kann ein Kalb von drei Tagen merken (o. begreifen).
ho] Dat kann een kalf wel merken.

Das kann ein kranker Jude essen.
i] Um eine Speise als unschädlich oder sehr gut zu empfehlen, zu loben.

Das kann eine blinde Frau mit ihrem Krückstocke fühlen.
Köthen
i] Es ist sehr leicht zu begreifen

Das kann einem die Haare wol grau machen.

Das kann einem Menschen passieren, der Frau und Kinder hat.

Das kann einem passieren, der Weib und Kind hat, sagte der trunkene Hans, als er in einen Graben fiel.

Das kann einem wohl den Watz nehmen.
i] Kann einen wohl entmutigen.

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