Weisheiten 277

Das Freudigste freudig zu sagen
misslingt häufig, weil das Freudigste solch einen überfreudigen Ausdruck annimmt, dass wir ihm nicht zu glauben vermögen.
Johannes R. Becher, Macht der Poesie

Das freut mich, wie den Hund 's Hachlleken.
i] Ganz und gar nicht

Das freut mich, wie die stotzmäre der trottertanz.

Das Friedenstiften ziemt des Greisen Sinn.
en] To be a make-peace shall become my age.
Shakespeare, König Richard II. I,1

Das Frischgewagte gerät nur.
Goethe, Hermann und Dorothea, IV, 247 (Euterpe)

Das frisst jhm das Herz abe.

Das frisst kein Brot.
i] So hört man oft von Dingen sagen, die man nimmt und verwahrt, weil sie keinen Unterhalt kosten wie Haustiere

Das frisst um sich wie der Wolf und Krebs.

Das fromme Glockenseil schämt sich zu keiner Frist, dass es ein loser Strick gewesen ist.

Das Froschquaken hält den Elefanten nicht vom Trinken ab.

Das fröwt (freut) mich, wie den stültzer der hoppentanz.

Das Frühere geht bald zu Ende, wenn nichts hinzukommt.

Das Frühere hat sich in der Welt verirrt, das Gegenwärtige ist eben vorhanden.

Das Frühere hilft nicht, wenn das Jetzige nicht taugt.

Das fuchst mich. Grünberg (Verdrießt mich, ist mir nicht recht)

Das Fuder, das umgefallen ist, muss man aufheben, beim stehenden Fuder ist es nicht nötig.
Estland

Das führe' sie nit aus, da is unser Harjet (Herrgott) dazwische'.
Jüdisch-deutsch (Wenn etwas gegen das Judentum, auch religiöse Neuerungen aus der eigenen Mitte, unternommen ward)

Das führt zu bösen Häusern.

Das Fuhrwerk eines Unglücklichen ist leicht umzuwerfen.
Schottland

Das Füllen ausjagen.
i] Soviel wie: das Kalb austreiben

Das füllt den Sack nicht.
ho] Dat vult den zak niet.

Das Fundament aller Staatskünste besteht darin, die Menschen zu täuschen über das, was ihr eigner Vorteil ist.
Mohr

Das Fundament des Rechts ist die Humanität.
Schweitzer

Das fünfte Rad am Wagen stört mehr, als dass es hilft.
fr] La cinquième roue de la charrette gêne plus qu'elle n'aide.

Das fünfte Rad am Wagen.
Frîdanc, Bescheidenheit ed. W. Grimm, No. 41
en] to be fifth wheel
fr] être la cinquième roue de la charrette
it] essere la quinta (o. l'ultima) ruota del carro - reggere il moccolo

Das fünfte Rad läuft nie die Spuren entlang.
Estland

Das fünfte Sein
i] Quintessenz
la] quinta essentia

Das Für und das Wider
la] pro et contra

Das Für und Wider wohl erwägen.
la] Ponere in utraque parte calculos.

Das Fürchterlichste ist, wenn platte unfähige Menschen zu Phantasten sich gesellen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1012

Das Fürtreffliche wirkt auf Eingeweihte nicht allein.
Goethe, Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen 1. Brief

Das Fürtrefflichste ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will.
Goethe, Maximen und Reflexionen 227

Das Fußgehn ist gewiß die angenehmste Art zu reisen. Man genießt die Schönheiten der Natur; man kann sich unerkannt unter allerlei Leute mischen, beobachten, was man außer dem nicht erfahren würde; man ist ungebunden...
Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Das Futter ist teurer als das Pferd.
i] Folgekosten bedenken

Das Futter sticht ihn.

Das gäb' ich um keine goldene Sau.
Wien
i] Was teuer und selten.

Das gab ihm den Rest
en] that was the last straw
fr] cela l'a achevé
it] ciò gli ha dato il colpo di grazia

Das gab mir Licht.
i] Dadurch erfuhr ich es.

Das gäb nid genueg für Salz uf d' Suppe.

Das Gackern der Hühner leidet man um der Eier willen.

Das Gallentränklein mit Honig vermischen.
mhd] Und mir in honege Walther gap den gallentranc.

Das Gänsemelken nicht verstehen.
Osnabrück
i] Die Sache nicht anzugreifen wissen

Das Gänslein ist wie Mutter Gans.
en] Goose and gander and gosling are three sounds, but one thing.

Das Gänslein mit einander rupfen.
z] Wie sie (die Frau und der Mönch) nun zu Nacht mit einander gegessen hatten, sich ins Bett fügten und mit einander das Gänslein rupften.

Das Gänslein will die Gans schwimmen lehren.
un] Csirke oktattya a tyúkot.

Das gantze schöne Gewölb Gottes stehet fest und hat doch nirgendt kein Pfeiler.

Das ganz Gemeine ist's, das ewig Gestrige,
Das immer war und immer wiederkehrt
Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Schiller, Wallensteins Tod (Wallenstein)

Das ganze Dorf ist abgebrannt, und nun gießt's aus den Wolken.
ho] Als het huis verbrand is, wil men de schade inhalen met de spijkers op de rapen.
it] Arsa la casa, tardi si vien con l'acqua.

Das Ganze für das Einzelne
la] totum pro parte

Das ganze Gebäude des Absolutismus, so sorgfältig gezimmert, so voll künstlicher Dunkelheit, anscheinend so unerschütterlich gegründet - es ist von dem Frühlingshauch einer Märznacht über den Haufen gefallen.
L. Bucher, Nationalzeitung, 1890

Das ganze Geheimnis, sein Leben zu verlängern, besteht darin, es nicht zu verkürzen.
Ernst von Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele

Das ganze Glück des Menschen besteht darin, bei anderen Achtung zu genießen.
Blaise Pascal

Das ganze Haus voll Meister und keiner ist in der Lehre gewesen.
ho] Een huis vol korporaals, en nog niet één die zijne dienst verstaat.

Das ganze Jahr esse ich Knoblauch, und das ganze Jahr brennt es mein Eingeweide.
Babylon

Das ganze Jahr schicker (betrunken) un am Purim nüchtern.
i] Von einem, der die Erwartung insofern täuscht, als er sich anders zeigt, als Sitte, Zeit, Gewohnheit, Umstände erfordern. Das ganze Jahr berauscht (schickor), fröhlicher Laune, und gerade am Purimfeste, wo jeder sich der Freude hingibt, ernst und verstimmt.

Das ganze Jahrhundert ist ein Wettrennen nach großen Zielen mit kleinen Menschen.
Jean Paul, Clavis Fichtiana

Das ganze Landesvolk schuldet dem Könige große Pflicht.

Das ganze Leben beruht auf der Erkenntnis der Wahrheit...
Turgenjew, Die Wahrheit und das Wahre

Das ganze Leben besteht aus Teilen und hat Kreise, wobei sich größere um die kleineren legen. Es gibt aber einen Kreis, der alle umfasst und umringt; er reicht vom Geburtstag bis zum Todestag.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Das ganze Leben besteht aus Wollen und Nicht-Vollbringen, Vollbringen und Nicht-Wollen. - Wollen und Vollbringen ist nicht der Mühe wert oder verdrießlich, davon zu sprechen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 915f

Das ganze Leben ist der Versuch, es zu behalten.
Ingeborg Bachmann

Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen.
Hugo von Hofmannsthal

Das ganze Leben ist ein Kampf; ohne Kampf ist es nur ein Scheinleben; leben und wirken heisst kämpfen, davor zurückweichen heisst leben ohne Endzweck.
Nordische Diamanten

Das ganze Leben ist ein Traum. Niemand weiß, was er tut, niemand weiß, was er will, niemand weiß, was er weiß. Wir verschlafen das Leben, ewige Kinder des Schicksals.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Sogres

Das ganze Leben ist nur einmal Frühlingsaufatmen, und ob wir zwanzig oder dreißig oder hundert Jahre zählen, so lang muss der Atemzug aushalten, aufstrebend ins Leben, mit allen Kräften, in vollster reichster Blüte den Duft ausbreitend in die Weite auf schwingenbeladenen Winden.
Bettina von Arnim, Die Günderode

Das ganze Leben wird dem Glücklichen zu kurz,
Dem Leidenden nimmt eine Nacht kein Ende.
Fr. Jacobs, Griechische Blumenlese

Das ganze menschliche Geschlecht lobt nur das Gute, das Individuum oft das Schlechte.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Das ganze Reich des Unbewussten kann einmal als Reich des Bewussten erobert werden; denn man weiß nicht, wie weit die Besonnenheit steigen kann in höhern Verhältnissen, da sie ja in unsern niedern bekannten sich in den großen Unterschieden und Sprüngen von Wilden zu Weltweisen offenbart.
Jean Paul, Salina: Anhang

Das ganze schlesische Himmelreich.
i] Schweinebraten, Klössel, vielleicht auch Sauerkraut. Sogar Backobst gehörte nicht ins Reich der Unmöglichkeiten. Das ganze schlesische Himmelreich.

Das ganze Schriftsteller- und Rezensentenwesen ist doch immer nur dem fabelhaften Geisterstreite gleich, wo die gebeinlosen Heroen sich zur Luft in der Mitte voneinander hauen, und alle sogleich wieder hergestellt sich mit Vater Odin wieder zu Tische setzen.
Goethe, An F. H. Jacobi, 26.12.1796

Das Ganze unsrer Sittlichkeit besteht in unserm vollendeten Kennen, Können und Wollen des Guten.
Pestalozzi, Schriften und Flugblätter aus der Revolutionszeit

Das ganze Vergnügen an der Liebe beruht schließlich auf dem Wechsel.
Molière, Don Juan

Das ganze Volk für ihre nächsten Kampfziele erhoben hat.
Lenin, Von der Verteidigung zum Angriff

Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Das ganze Wesen der Welt abstrakt, allgemein und deutlich in Begriffen zu wiederholen und so als reflektiertes Abbild in bleibenden und stets bereit liegenden Begriffen der Vernunft niederzulegen: Dieses und nichts anderes ist Philosophie.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Das gar vil sichrer ist zu leben
In einer Ehrlichen Armut,
Denn bey sehr grossem Hab und Gut,
Darinnen ist Abend und Morgen
Ein jmmerwerend angst und sorgen.
Hans Sachs, Sehr herrliche Schöne u. wahrhafte Gedicht (1590)

Das Garaus mit etwas spielen.

Das Garn auf einmal auf den Boden laufen lassen.
i] Ausgelassen sein, über den Strang schlagen

Das Garn aufnehmen.
i] Feierabend machen

Das Garn aufstellen (o. auswerfen).

Das Garn in richtigen Gang bringen.
i] Eine Sache so einleiten, dass sie gehörigen Verlauf hat

Das Garn inn das Meer werffen.

Das Garn ist gestrickt.
i] Der Plan angelegt

Das Gasthütlein abziehen.
i] Soviel wie: Schamhütlein. Von jemandem, der durch eiserne Verhältnisse gezwungen wird, seine frühere, ihm bequemere Weise zu leben, abzulegen und sich in fremde zu fügen

Das Gaukelmännlein kann solches nicht.

Das Gaukeln schafft kein festes Glück.
Goethe, Faust II A IV, Vorgebirg (Obergeneral) Vs 10695

Das Gäulein laufend machen.
i] Übel Ärger machen

Das geb' ich hin für eine taube Nuss.
dä] Jeg giver det op for en bold-kiep.

Das Gebackene
Vom Leichenschmaus gab kalte Hochzeitsschüsseln.
Shakespeare, Hamlet I, 2

Das Gebären von Jungen und das Spielen mit Steinen sind Vorkriegsarbeiten.
Estland

Das Gebäude folgt dem Grundstück.
la] Superficies solo cedit.
[RSpW]

Das Gebäude hat eigentlich die Bewohner gemacht. Denn wenn das Leblose lebendig ist, so kann es auch wohl Lebendiges hervorbringen.
Goethe, Wanderjahre I,2

Das Gebell der Hunde macht auf die Wolken keinen Eindruck.

Das Gebell von alten Hunden ist nicht umsonst.
ho] Het gebas van eenen ouden hond behoort men te gelooven.

Das Geben erfordert Verstand.
Ovid, Liebesgedichte

Das Geben gibt und nimmt der Gabe ihren Wert.
z] Das Herz des Gebers macht die Gabe dankswert, die Gabe nicht das Herz.
la] Non tam rei quam animo dubetur gratia.

Das Geben ist leicht; das Geben überflüssig zu machen, ist viel schwerer.
Henry Ford (1863 - 1947)

Das geberde ist gut.

Das Gebet allein besiegt selbst Gott.
Tertullaan, Über das Gebet

Das Gebet der blinden dringt durch die wolcken.

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