Weisheiten 272

Das Eisen gehört so gut zum Speer wie der Schaft.

Das Eisen ins Feuer bringen.

Das Eisen ist schwer zu schmieden.
i] Dieser Mann ist schwer zu behandeln, man kommt bei ihm nicht leicht ans Ziel

Das Eisen lässt sein Rosten nicht.
ndt] Das eisen last sein rosten nit.
z] Wie das eisen jmmer wider rostet, also lest auch der feind seine tücke nicht.

Das Eisen liegt über dem Gold.
Russland

Das Eisen liegt zu oberst, das Gold zu unterst.
Russland

Das eisen nimmer wirt gefug, wenn eines nicht das ander schlug.

Das Eisen rostet vom Alter.

Das Eisen rostet, der Mensch grauet.

Das Eisen schmiedet sich am besten, wenn's (bereits) glüht.

Das Eisen schwimmen lehren.
i] Verkehrtes, Naturwidriges tun

Das eisen wir noch los (von ihm).

Das Eisen wird vom Eisen geschärft.
la] Ferrum ferro acuitur.
i] Vgl. Sprüche Salomos: Ein Messer wetzt das andere...

Das eiserne Würfelspiel.
i] Eine sprichwörtlich gewordene Umschreibung für Krieg aus Schillers Gedicht 'Die Schlacht', in der die Stelle lautet: 'Das wilde, eiserne Würfelspiel.'

Das eiss hat kein balcken.

Das Element des Fisches ist das Wasser, das des Menschen der Mensch.
Mexiko

Das Element, in dem ich schwebe, hat alle Ähnlichkeit mit dem Wasser, es zieht jeden an und doch versagt dem, der auch nur an die Brust hereinspringt, im Anfang der Atem, muss er nun gar gleich tauchen, so verschwinden ihm Himmel und Erde. Hält man's dann eine Weile aus und kriegt nur das Gefühl, dass einen das Element trägt und dass man doch nicht untersinkt, wenn man gleich nur mit der Nase hervorguckt, nun so findet sich im Menschen auch Glied und Geschick zum Froschwesen, und man lernt mit wenig Bewegung viel tun.
Goethe, An Merck, 5.8.1778

Das Elend am Spieß weissagt großen Riss.
Schlesien
i] Um die Zeit, als Herzog Georg Wilhelm von Liegnitz, der letzte Piast'sche Spross, gegen Michaelis 1675 Anstalten zur Feier seines Geburtstags machte, wurde in der Kotzenauer Heide, auf den Gütern des Herrn von Stosch, ein 'Elendthier' (Elenn, Cervus Alces) gefangen und als eine Seltenheit der herzoglichen Tafel geschenkt. Der Herzog starb nicht lange danach. Nachdem das slawische Wort Elenn das deutsche Elch verdrängt hatte und dann selbst in Elend verderbt worden war, benutzte es sofort der Aberglaube in seiner Weise, wovon auch das obige Sprichwort ein Beweis ist. Auch die abergläubische Vorstellung gehört hierher, das Tier leide an der Epilepsie, oder besitze die Kraft, sie zu heilen.

Das Elend bauen.
i] Die Grundbedeutung des Wortes Elend ist aus der starken Liebe zur Heimat hervorgegangen und bezeichnet das Wohnen im Auslande, in der Fremde. In diesem Sinne steht es in der obigen Redensart, die soviel heisst, als in einem fremden Lande wohnen. Da Fremde und Verbannung wehe tun und unglücklich machen, so nahm das Wort Elend allmählich die allgemeine Bedeutung von miseria an und seine ursprüngliche trat dagegen zurück. In den meisten Sprichwörtern ist nun die spätere Bedeutung des Wortes herrschend, der ursprüngliche Sinn hat sich besonders in den Redensarten erhalten.

Das Elend besteht nicht im Mangel der Dinge, sondern im Verlangen danach.
Rousseau, Aphorismus

Das Elend der meisten kommt daher, dass sie zuviel vom Leben erwarten.
Günther Weisenborn, Der Verfolger

Das Elend der Menschen und die Verkehrtheit der Menschen sind so unendlich groß dass jedes von beiden der einzige ausreichende Maßstab des andern ist.
Schopenhauer

Das Elend der Philosophie.
Karl Marx (Titel einer Schrift)

Das Elend der vielen ist (nur) den Dummen ein Trost.
Spanien

Das Elend des Menschen liegt darin, dass er in der Gesellschaft Trost suchen muss gegen die Leiden, die ihm die Natur zufügt, und in der Natur Trost gegen die Leiden der Gesellschaft. Wie viele haben weder hier noch dort eine Erleichterung ihrer Schmerzen gefunden!
Chamfort, Maximen und Gedanken

Das Elend des menschlichen Lebens hat den Grund zu all dem gelegt: da sie das erkannt haben, haben sie die Zerstreuung gewählt.
Pascal, Gedanken

Das Elend ist uns angetraut wie eine Frau.
Litauen
i] Unter Elend wird hier besonders der Frondienst gemeint

Das Elend ist, dass man den ganzen Tag mit Arbeit vertrödelt.
Norddeutscher Volksmund

Das Elend kommt öfter auf drei Tage zu Besuch und bleibt gleich für hundert Jahre da.

Das Elend ruft das Elend herbei.

Das Elend schafft wunderliche Bettgenossen.
en] Misery makes strange bedfellows.

Das Elend schlägt ihm unter die Augen.
i] Die Fremde, wie man jetzt sagt: Es fährt ihm manch scharfer Wind ins Gesicht

Das elendeste leben ist besser denn der beste tot.

Das elendste Schwein kommt zur dicksten Eichel.
sp] Al más ruin puerco, la mejor bellota.

Das elfte Gebot heisst: Lass dich nicht verblüffen (o. erwischen; bange machen).
ho] Dat staat in het elfte gebod.
ho] Wisse wasjes, zei besje, flikflooijen en duim draaijen is het elfte gebod.

Das elfte Seil ist das zehnte Gebot.
[RSpW]
i] In Bezug auf die Verabreichung des Zehnten galt als Regel, dass derselbe gegeben ward, wo die Frucht sich befand; der zehentberechtigte Herr musste zu den zehentpflichtigen Bauern gehen und sich selbst den Zehent holen.
z] Kein Mann ist pflichtig seinen Zins außerhalb seines Hauses zu geben. Wo aber dessenungeachtet die Bauern den Zehnten dem Herrn zu Haus und Hof brachten, trat für diese Mühewaltung ein Abzug ein.

Das Emporkommen sucht, wer die Nächte durchwacht, und wer ins Meer steigt, sucht Perlen.

Das end aller Weltfreud ist (trübsal und) leid.
un] Az örömnek szomoruság a végè.
un] E világon nincsöröm üröm nélkül.

Das End' bedacht, hat viel Guts gebracht.
it] Ben finisce chi considera il fine.

Das end bewert all ding.
en] The evening crowns the day.
fr] La fin couronne l'oeuvre.
it] Al finir del giuoco, si vede che ha guadagnato.
it] Alla fine te parerà un dattero.
it] Un bel morire, tutta la vita honora.
la] Exitus acta probat.
la] Finis coronat opus. (Einem Weintrinker hatte man die Grabschrift gesetzt: Vinis coronat opus. Durch den Genuss vieler Weine setzte er sich die Totenkrone auf.)

Das end bewert, was jeder kann.

Das end einer sach steht beym glück, die mittel und der anfang bey der Weissheit.

Das end erwirbt die Kron, nicht der streit.

Das end gibt der sachen entschiedt und gestalt.

Das end muss den Last tragen.
dä] Mageligere er den første ende at gribe an, end den sidste at faae fast.
fr] A la queue gît le venin.
ho] Teinde moet den last draghen.
la] Extremum occupat scabies.
la] Finis portabit onus et factum reserabit.
la] Finis sustentat onus.
la] Omnia exitu probantur.

Das Ende aller Wege ist die Totenkammer.

Das Ende bedacht hat viel Gutes gebracht.

Das Ende bewährt alle Dinge.

Das Ende bleibt immer im Eigenen haften.
Estland

Das Ende braucht keinen Reichtum.
Estland

Das Ende der (geheuchelten) Liebe ist Wegwerfen. Jemen

Das Ende der Diebe ist Zuchthaus und Galgen.

Das Ende der Leidenschaft ist der Anfang der Reue.
England

Das Ende der Liebe ist Wegwerfen.

Das Ende der Nase kann man sehen, aber nicht das Ende der Güte.
Estland

Das Ende des Zorns ist der Reue Anfang.
ho] Het einde des toorns is gewoonlijk het begin des berouws.

Das Ende diktiert dem Anfang seine Leuchtkraft.

Das Ende eines Dinges ist besser denn sein Anfang.
Pred. Sal., K.7, V.9

Das Ende hat ja keinen Überrest.
Estland

Das Ende ist aller Sachen Krone.
Estland

Das Ende ist fraglich.
la] Exitus in dubio est.

Das Ende krönet alle (o. das) Werk.
Ovid, Heroiden II, 85

Das Ende krönt das Werk, das Leben ziert den Tod:
Wie herrlich stirbt der Mensch, der treu ist seinem Gott.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Das Ende krönt das Werk.
la] Finis coronat opus. Ovid

Das Ende krönt's.
en] The end crowns all.
Shakespeare, Troilus und Cressida IV,5

Das Ende lobt das Werk.

Das Ende macht alle gleich.
en] The end makes all equal.

Das Ende macht manch Weltkind gescheidt.
la] Exitus ostendit, quo mundi gloria tendit.

Das ende machts alles gut.

Das Ende möge dem Anfang entsprechen.
la] Principiis consentiant exitus.

Das Ende muss die Last tragen.

Das Ende sieht man nicht am Anfange.
i] Von den voreiligen Hoffnungen derer, die, wenn sie ein Geschäft kaum begonnen, schon meinen, alle Schwierigkeiten überwunden zu haben, da doch so oft dem Anfange das Ende nicht entspricht

Das Ende trägt das Lob davon.
la] Omnis laus in fine canitur.

Das Ende trägt den Kranz davon.
la] Exitus acta probat. Ovid
la] Fini soli palma debetur.

Das Ende trägt die Last.

Das Ende vom Ende wissen.
i] Alles durchschauen, in alles eingeweiht sein

Das Ende vom Liede ist: irgendwo wird die menschliche Ungleichheit wieder zu Ehren kommen. Was aber Staat und Staatsbegriff inzwischen durchmachen werden, wissen die Götter.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtllche Betrachtungen

Das Ende vom Liede singen.
fr] La farce est jouée.

Das endliche Schicksal des Christentums ist also davon abhängig, ob wir dessen noch bedürfen.
Heine, Zur Geschichte der Religion

Das endliche Vernunftwesen hat nichts außer der Erfahrung, diese ist es, die den ganzen Stoff seines Denkens enthält.
Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre

Das Endliche wird vor dem Unendlichen zu nichts, es wird ein reines Nichts.
Blaise Pascal

Das Endziel aller Füchse ist die Pelzhandlung.
en] The fox goes at the last to the shop of the furrier.

Das Endziel der Naturwissenschaft ist, die allen Veränderungen zugrunde liegenden Bewegungen und deren Triebkräfte zu finden, also sich in Mechanik aufzulösen.
Helmholtz, Rede 1869

Das eng recht ist ein weit unrecht.
i] Diese Behauptung ist zu allgemein. 'Eng Recht' ist entweder das zu buchstäbliche oder ein allgemeines Recht, zu beschränkt auf einen besondern Fall angewandt.

Das Enge der Gebirge scheint überhaupt auf das Gefühl zu wirken, und man findet darin viele Gefühlsphilosophen, Menschenfreunde, Freunde der Künste, besonders der Musik. Das Weite des platten Landes hingegen wirkt mehr auf den Verstand, und hier findet man die Denker und Vielwisser.
Heinrich von Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 3./4. September 1800

Das Entbehren ist ein guter Lehrmeister.

Das entscheidend Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit.
Franz Kafka, Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande

Das entscheidende Argument
la] nervus probandi

Das Entscheidende bleibt doch immer der Charakter, nicht der eitle, wohl aber der gute und ehrliche Glaube an uns selbst.
Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel

Das Epigramm ist der Geist des Hasses, jenes Hasses, der die Ausgeburt aller schlechten Leidenschaften des Menschen ist, so wie die Liebe alle seine guten Eigenschaften vereinigt.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Epische ist oft eine Ausflucht mangelnder Phantasie.
Lue de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Epitomisieren eines poetischen Werks, das zuerst in eine große Weite und Breite angelegt war, bringt ein Schwanken zwischen Skizze und Ausführung hervor, das dem ganz befriedigenden Effekt durchaus schädlich ist.
Goethe, An Schiller, 5.7.1802

Das er der abesage in abridde sij.
Frankfurts Reichskorrespondenz, 1461

Das er hasset, das trägt er.
i] Der ist ein Tor, welcher sich wider das sperrt, was er trägt und tragen muss

Das erbarme Gott!

Das Erbe bleibt da, wohin es der Tod bringt.
[RSpW]
i] Das altdeutsche Erbrecht hatte und bedurfte zur Bestimmung der Erbfolge keiner Testamente. Der Erbe war geboren, und der Tod setzte ihn in den Besitz des Gutes

Das Erbe fällt den Eltern in den Busen.
z] Das Kind fällt wieder in der Mutter Schoß

Das Erbe gehört zu den nächsten Erben.

Das Erbe geht nicht aus dem Busen.
[RSpW]
i] Will sagen, dass Kinder und Enkel, mit Ausschließung von Vorfahren und Seitenverwandten, den Verstorbenen beerben. Das Sprichwort findet sich im Sachsenspiegel. Busen bezeichnet in der mittelalterlichen Rechtssprache in der Regel Deszendenten, wie auch nähere Verwandtschaft überhaupt.

Das Erbe tritt an die Kinder.
[RSpW]
i] Die gesetzlichen Erben brauchen sich nicht um das Erbe zu bemühen, es tritt an sie heran

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