Weisheiten 270

Das Drüben kann mich wenig kümmern,
Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern,
Die andre mag darnach entstehn.
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1660

Das Druckenlassen verhält sich zum Denken wie eine Wochenstube zum ersten Kuß.
Friedrich Schlegel, Kritische Fragmente, Athenäum

Das drückt wie ein Alp.

Das du hast an den spinnrocken gehangen, das musst du selber spinnen.
Westfalen

Das Du ist die Erlösung von der Angst des Alleinseins.
O. Spengler, Untergang des Abendlandes, II: Städte und Völker

Das Duell ist der glänzendste Sieg der Mode und zugleich die Unsitte, wo ihre Tyrannei am stärksten in Erscheinung getreten ist.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das Duellwesen privilegiert den Ehrabschneider.
G. von Below, 1896

Das dumme Schaf.
i] Als Scheltwort sehr gebräuchlich und beiderlei Geschlechts.
z] Das Schaf, ihr Mann, schwieg zu allem diesen Unwesen still.
z] Das dumme Schaf.

Das Dümmste an den Weibern ist ihr Misstrauen.
Werfel, Der Tod des Kleinbürgers

Das dümmste Buch will vom gescheitesten Vater sein.

Das dümmste Vieh schreit am lautesten.
i] Nicht bloß auf dem Bauernhofe, sondern auch, und hier noch mehr, in Politik und Religion.
z] In der Politik geht es, wie in der Natur, das dümmste Vieh schreit am lautesten.

Das dunckt (dünkt) mich, helt jeder für gewiss bey sich.

Das Dunkel der Nacht ist gewisser als das Licht des Tages.
Russland

Das dunkel Gesagte ist das dunkel Gedachte.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Dunkle nimmt nichts dem Schönen, es erhöht noch das Sehnen.
Venedig
i] Von Frauen dunkler Färbung, die auch ihre Verehrer finden

Das durch und durch zivilisierte Europa wird eines Tages die Beute jener Halbbarbaren, die es aus den Weiten des Nordens bedrohen, und wenn diese Eroberer dann zivilisiert werden, kehrt die Welt wieder in ihr Gleichgewicht zurück.
Giacomo Leopardi, Gedanken aus dem Zibaldone (1898-1907

Das dürftigste Schicksal, das Kläglichste entwickelt sich in den Ehen, in welchen das Weib höher steht als der Mann.
Tieck, Vittoria Accorobona

Das dürre Holz lässt das grüne brennen.

Das eben geschieht den Menschen, die in einem Irrgarten hastig werden: Eben die Eile führt immer tiefer in die Irre.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären.
Schiller, Die Piccolomini V, 1

Das eben ist der Fluch der Macht, dass sich
Dem Willen, dem leicht widerruflichen,
Ein Arm gleich baut, der fast unwiderruflich
Die Tat ankettet.
Kleist, Die Familie Schroffenstein, 4 (Rupert)

Das eben ist der Liebe Zaubermacht,
Dass sie veredelt, was ihr Hauch berührt,
Der Sonne ähnlich, deren goldner Strahl
Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.
Grillparzer, Sappho, I, 5 (Sappho)

Das eben ist die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu Allem macht.
Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Das eben ist's, was manches blühende Haus und Reich
In Trümmer stößt: der allzuschöne Redeschwall!
Euripides, Hippolyt, 486/87 (Phädra)

Das Echo behält das letzte Wort.
i] Von Rechthaberischen

Das Echo durch Rufen ins Schweigen bringen.
i] Ebenso schwer oder undankbar ist es einen Rechthaberischen durch Gründe zu überzeugen

Das Echo kennt alle Sprachen.
Finnland

Das Echo wie der Nachruhm behalten nur die letzten Silben eines Menschen.
Jean Paul

Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.
Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater (Dichter) Vs 74

Das edelste Gebet ist, wenn der Beter sich
In das, vor dem er kniet, verwandelt inniglich.
Angelus Silesius, Der cherubinische Wandersmann

Das Edelste und Höchste wirkt gar nicht auf die Massen; der historische Erfolg des Christentums, seine historische Macht, Zähigkeit und Zeitdauer, alles das beweist glücklicherweise nichts in betreff der Größe seines Gründers, da es im Grunde gegen ihn beweisen würde: aber zwischen ihm und jenem historischen Erfolge liegt eine sehr irdische und dunkle Schicht von Leidenschaft, Irrtum, Gier nach Macht und Ehre, von fortwirkenden Kräften des imperium romanum, eine Schicht, aus der das Christentum jenen Erdgeschmack und Erdenrest bekommen hat, der ihm die Fortdauer in dieser Welt ermöglichte und gleichsam seine Haltbarkeit gab.
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 2, Vom Nutzen u. Nachteil der Historie für das Leben

Das edelste, wohltuendste Verständnis findet der Künstler bei einem bescheiden gebliebenen Dilettanten.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Edle befindet sich oberhalb des Gürtels, das Gemeine überall.
Busc, an Marie Anderson, 27. 1. 1875

Das Edle in der Mathematik ist, dass es keine Konzessionen gibt.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Edle muss nicht an die verschwendet werden, die keinen Sinn dafür haben. 'Gebt dem Esel Rosmarin', sagt Luther, 'so meint er doch, es sei Heu.'

Das edle Weib ist halb ein Mann, ja ganz,
Erst ihre Fehler machen sie zu Weibern.
Franz Grillparzer, Die Jûdin von Toledo (Garceran)

Das Edle zu erkennen, ist Gewinst,
Der nimmer uns entrissen werden kann.
Goethe, Tasso A III Sz 2 (Leonore) Vs 1838

Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind als das feige, selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte!
Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Ehebeth ein vnbefleckt soll sein.

Das Ehejoch
la] maritale capistrum

Das ehelich geborene Kind behält seines Vaters Heerschild.
[RSpW]
i] Dies Sprichwort handelt von Kindern, die aus einer Missheirat hervorgegangen sind und will sagen, dass solche Kinder, auch wenn die Mutter mit dem Vater nicht ebenbürtig war, dennoch des letzteren Stand, Wappen und Güter erben, das Herkommen der Mutter ihnen also nicht zum Nachteil gereichen solle, obgleich bei Prinzen eine Ausnahme stattfindet.

Das Eheweib ist der Bruder des Mannes.

Das ehrbare Kleid ist der Deckschalck.
i] In der Amtskleidung liegt die Würde nicht; der Mann selbst muss seinem Amte Ehre bringen.

Das ehrbare Mädchen erledigt am liebsten etwas für andere.

Das ehrenkleid ziert den Mann, wer solches hat, der zieh es an.
la] Vestitus virum reddit, qui habet, induat.

Das Ehrenwort hat Löcher drin.

Das Ehrgefühl, als Hilfsmittel in den Händen der Tugend, ist eines der kräftigsten, den Menschen vor schlechten und verwerflichen Handlungen zu bewahren und zu großen, guten Gesinnungen und Taten zu begeistern.
Heinrich Zschokke, Stunden der Andacht

Das ehrliche (= eheliche) Kind weint auf dem Ofen, der Bastard hinter der Pforte.

Das ehrliche Vermögen bleibt, unrecht Gut holt der Satan.

Das Ehrlichste geht billig vor.

Das Ei (des Columbus) zum Stehen bringen.
i] Eine schwierige, unmöglich scheinende Sache ausführen
z] Es muss sich bald zeigen, wie der Kaiser das Ei des Columbus zum Stehen bringt. Berliner Zeitung, 1864

Das Ei auf den Stein oder den Stein aufs Ei, ist immer einerlei.

Das Ei eines Faulen piept wol, aber es kriecht nichts aus.

Das Ei heute ist besser als die Henne morgen.
la] Ad praesens ova cras pullis sunt meliora.

Das Ei ist da, aber die Henne fehlt noch.
Tataren

Das Ei ist gewöhnlich verloren, das früher als das Nest wird geboren.
i] Von unehelichen Kindern, die in größerer Anzahl sterben als die ehelichen

Das Ei ist klüger als die Henne. Estland

Das Ei ist klüger denn die Henne.

Das Ei ist nicht klüger (o. besser) als die Henne.
Estland
dä] Egget springer op og lærer hønen.
en] Don't teach your grandmother to suck eggs.
en] Jack Sprat would teach his grandam.
fr] Ce n'est pas à un vieux singe qu'on apprend à faire des grimaces (o. la grimace).
fr] C'est Gros-Jean qui remontre à son curé.
fr] L'écolier prétend enseigner son maître.
fr] Les oisons veulent mener paistre leur mère.
ho] Dat ei is kloeker dan die hen.
it] I paperi menano a bere le oche.
la] Ante barbam doces senes.
la] Imberbis senes docet.
sp] Aún no ha salido del cascarón y ya tiene presunción.
un] A tyúkmony okosb akar lenni a tyúknál.

Das Ei ist nicht klüger als die Henne. Estland

Das Ei ist noch nicht ausgebrütet.
i] Man weiß noch nicht, was aus der Sache werden, wie sie sich entwickeln wird

Das Ei ist schon da, aber die Henne fehlt noch.
i] Das Kind ist eher da als die Frau. Auch wenn jemand Hoffnungen, Träume für Wirklichkeit hält

Das Ei ist zu hart gesotten.
ho] Dat ei heeft wat lang in 't zout gelegen.

Das Ei kostet mehr als die Henne.
i] So sagt man in Zentralamerika, wenn die Auslagen mehr kosten als der zu erwartende Gewinn, wenn man z.B. die Erzeugnisse des Bodens auf einen fernen Markt bringen wollte, zu dem die Straßen fehlen, und wobei der Erlös für die Produkte nicht ausreichen würde, die Transportkosten zu decken.
sp] El huevo mas que la gallina.

Das Ei lehret das Huhn und die Kachel den Töpfer.
i] Strafender Spott auf die vorwitzige Jugend, die alles besser wissen will, als das erfahrene, kenntnissreichere Alter

Das Ei lehret das Hun Eyer legen, und das Kalb die Kuh Kälber machen.

Das Ei lehrt (o. lobt) die Henne.
Estland

Das Ei lehrt die Henne, wie man brütet.
Bantu

Das Ei meistert die Henne.
i] Der Junge, Unerfahrene will den Alten, Erfahrungsreichen belehren, tadeln, zurechtweisen
fr] Il veut apprendre à sa mère à faire des enfans.

Das Ei muss nicht klüger sein wollen als die Henne.

Das Ei nach dem Huhne werfen.
i] Die Wurst nach der Speckseite

Das Ei neben das Nest legen.
i] Etwas verkehrt anfangen

Das Ei soll nicht klüger sein wollen als die Henne.
la] Majori minor cedat in arte sua. Anonius

Das Ei tanzt nicht mit einem Stein zusammen.
Afrika

Das Ei will klüger als die Henne sein.

Das Ei will klüger sein als die Henne.
en] Don't teach your grandmother to suck eggs.
fr] Ce n'est pas à un vieux singe qu'on apprend à faire des grimaces.
sp] Aún no ha salido del cascarón y ya tiene presunción.

Das Ei, das die Henne Sonntags legt, hat auch einen Dotter.
i] Auch das Gute, was ich an Festtagen tue, hat seinen Wert

Das Eichhorn sitzt noch auf dem Baume (o. Aste) und man schnitzt schon den Bratspieß.
Litauen

Das Eichhörnchen schützt seine Behendigkeit, den Bären seine Stärke.
Russland

Das eigen Herz überwinden, ist mehr den siegen vor den feinden.
la] Vincere cor proprium plus est quam uincere mundum.

Das Eigen verachten und das Fremde lieben.
la] Alienum amamus, proximum contemnimus.

Das eigene Auge ist der König.
Estland

Das eigene Auge sieht alles.
Estland

Das eigene Auge täuscht (ja) nicht.
Estland

Das eigene Bedürfnis ist der beste Fronvogt.
Estland

Das eigene Dach behütet vor Ungemach.

Das Eigene einer jeden Landes- und Volkspoesie, besonders im Dramatischen, besteht darin, dass sie auf einem Gegensatz beruht, auf einen Gegensatz hinarbeitet, gleichsam vis-á-vis eines Gegensatzes sich in bezug auf ihn heraushebt.
Goethe, Riemer, 28.8.1808

Das Eigene erwartest, aber Fremdes nimmst auch an.
Estland

Das eigene Haus in Ordnung zu halten fällt den meisten genau so schwer, wie eine Provinz zu regieren.
la] Domum suam coercere plerisque haud minus arduum est quam provinciam regere.

Das eigene Haus ist ein goldenes Nest, das fremde Haus eine Nesselstaude.
Estland

Das eigene Haus ist für jeden die sicherste Zufluchtsort. [RSpW]
la] Domus tutissimum cuique refugium atque receptaculum.

Das eigene Hemd ist am nächsten.
Estland

Das eigene ich ist ein ärmlicher Mittelpunkt für eines Mannes Handeln.
Bacon, Von der Selbstsucht

Das eigene Kind ein Semmelchen, des anderen Kind ein Dreckfladen.
Estland

Das eigene Kind geht weinend, kommt lachend, das fremde Kind geht lachend, kommt weinend.
Estland

Das eigene Kind ist das Kindchen, das Kind der anderen ein Spänchen.
Estland

Das eigene Kind ist ein Goldstück.
Estland

Das eigene Kind ist immer am liebsten.
Estland

Das eigene Kreuz ist am leichtesten zu tragen.
Estland

Das eigene Land ist ein Beerlein (= so lieb wie eine Beere), das eigene Heim eine Hübsche.
Estland

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