Weisheiten 269

Das Denken der Hand unterscheidet zweckmäßig und unzweckmäßig.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Denken der Zukunft muss die Synthese aller großen Gedanken des Alls sein.
Rolland, Die Vorboten

Das Denken fördert unser Leben nur, wenn es unserem eigenen Kopf entspringt oder wenigstens eine Frage beantwortet, die in unserer eigenen Seele entstanden ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1906)

Das Denken gehört zu den größten Vergnügungen der menschlichen Rasse.
Galilei im gleichnamigen Stück von Bert Brecht

Das Denken gilt unter Regierungen, die der Ausbeutung dienen, als niedrig.
Brecht, Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

Das Denken hat zur Zeit schlechte Presse. Suggeriert wird ein kontradiktorischer Gegensatz zwischen Denken und Fühlen, als gäbe es nicht zuhauf kaltherzige Dummköpfe und Gescheite mit starken Emotionen.
Thomas Rothschild (1995)

Das Denken in Analogien ist ebenso notwendig wie fruchtbar.
Jean-Marie Pelt, Das Leben der Pflanzen

Das Denken ist abstraktes Wahrnehmen, das Wahrnehmen konkretes Denken.
Lohberger

Das Denken ist dadurch wahr, dass es den Gegenstand sein lässt, was er wirklich ist.
Hakob Hommes

Das Denken ist das Produkt des ganzen Körpers.
Zola, Das Werk

Das Denken ist der Prozess, durch den niedrige Instinkte verwandelt werden.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Das Denken ist ein Attribut Gottes, oder Gott ist ein denkendes Ding.
Baruch de Spinoza, Ethik

Das Denken ist ein Laster, das man schwerlich mit administrativen Mitteln heilen kann.
Brudzinski

Das Denken ist ein Verhalten des Menschen zu den Menschen.
Brecht, Buch der großen Methode

Das Denken ist eine Kunst, keine Wissenschaft.
Lin Yutang

Das Denken ist gewissermaßen das Atemholen des Geistes. Man darf es nicht allzu lang unterlassen, wenn man nicht Gefahr laufen will, geistig zugrundezugehen.
Aus den 'Fliegenden Blättern'

Das Denken ist nur ein Traum des Fühlens, ein erstorbenes Fühlen, ein blassgraues, schwaches Leben.
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais

Das Denken ist seinem Wesen nach frei und selbstherrlich, wenn es wirklich in Tätigkeit tritt.
Simone Weill

Das Denken ist überhaupt das Auffassen und Zusammenfassen des Mannigfaltigen in der Einheit.
Hegel

Das Denken kann sein eigenes letztes Warum nie beantworten, weil auch diese Antwort wieder ein Warum gebären würde.
Dietrich Bonhoeffer

Das Denken lernen wir, indem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt.
Martin Heidegger

Das Denken macht die Größe des Menschen aus.
Pascal, Pensées

Das Denken mit dem eigenen Kopf ist riskant.
Zarko Petan

Das Denken soll man den Pferden überlassen, sie haben die größeren Köpfe.
i] Als Scherz

Das Denken tröstet über alles und hellt alles.
Chamfort, Maximes et pensées

Das Denken von Ursache und Wirkung ist das Rückwärtsdenken.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Denken, der Zeit verhaftet, verfällt auch wieder der Zeit. Aber weil es verfällt, eben deshalb muss unser Denken neu sein, wenn es echt sein und etwas bewirken will.
Ingeborg Bachmann, Frankfurter Vorlesungen

Das der rost dem eisen, das ist der neid dem menschen.
mhd] Rost daz îsen zert.
dä] Rust æder jern og avind æder sig selv.

Das deutlichste Anzeichen der Weisheit ist eine immer gleich bleibende Heiterkeit.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das deutsche Proletariat ist der treueste, zuverlässigste Verbündete der russischen und der internationalen proletarischen Revolution.
Lenin, Abschiedsbrief an die Schweizer Arbeiter

Das deutsche Schwert beschützt den deutschen Herd.
z] Man schreibt aus Tirol: Nachdem gestern die Nachricht über die Capitulation von Paris hier eingetroffen und das alte Sprichwort: Das deutsche Schwert beschützt den deutschen Herd, sich buchstäblich bewahrheitet hat u.s.w.

Das deutsche Theater befindet sich in der Schlußepoche, wo eine allgemeine Bildung dergestalt verbreitet ist, dass sie keinem einzelnen Orte mehr angehören, von keinem besonderen Punkte mehr ausgehen kann.
Goethe, Maximen und Reflexionen 735

Das deutsche Theater stellt leidenschaftliche Gegenstände mit seiner Ruhe vor, das französische gesetzte mit seiner Heftigkeit.
Goethe, Riemer, 1803-1814

Das deutsche Vaterunser hat hinter Kronstadt ein Ende.

Das deutsche Volk (d.i. das Herrenvolk) glaubt mehr an Ärzte als an Gott.
Estland

Das deutsche Volk ist frei, bleibt frei und regiert in alle Zukunft sich selbst. Das ist der einzige Trost, der dem deutschen Volke geblieben ist.
Friedrich Ebert, Bei der Eröffnung der Weimarer Nationalversammlung (6. Februar 1919)

Das deutsche Volk, so wie ich es kenne, macht es mit seinen Märtyrern, wie Gott es mit Christus machte: es lässt ihn ruhig kreuzigen und bewundert ihn: aus doppelten Gründen; was (denkt es) ist er vor der Kreuzigung?
Hebbel, Tagebücher, Mai 1836

Das deutsche Wesen ist noch gar nicht da, es muss erst werden; es muss irgendwann einmal herausgeboren werden, damit es vor allem sichtbar und ehrlich vor sich selber sei. Aber jede Geburt ist schmerzlich und gewaltsam.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Das dich der Schüttel schände.
i] Der Schüttelfrost.

Das dich ditz und jens angang!
i] Verwünschungsformel meint verhüllend den Ritten

Das dich S. Gereons plage.
la] In lapidicinas.

Das dich S. Hamprecht schent.

Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.
1. Moses, 8, 21

Das dicke Ende ist noch hinten, sagte jene Magd, als sie den Schippenstiel in Arsch kriegte.

Das dicke Ende kommt (hinten) nach.
en] The sting is in the tail.
en] There's the devil to pay.
fr] A la queue gît le venin.
fr] Le venin est à la queue.
it] Il peggio deve ancora venire.
it] Il veleno sta nella coda.
la] In cauda venenum.

Das dicke Ende kommt nach', sagte der Mann, der mit dem Kopf durch die Wand ging.

Das dicke Ende kommt noch, sagte Eulenspiegel und steckte dem alten Weib eine Schöpfkelle in den Arsch.

Das dicke Ende kommt noch.
en] The sting is in the tail.
fr] A la queue gît le venin.

Das dickste End' ist noch hinten.

Das die Albernen gelüstet, das tötet sie.

Das die Leut so kurz leben, das macht, dass sie so wenig frölich sein.

Das Dienen Gottes ist mehr als der Menschen Treiben.

Das dienet in meinen Kram nicht.
ndt] Dat dênt in sînen Kram nich. Pommern
i] Ist nicht in seinem Sinn.

Das dienet nicht in meine Krambude.

Das dient nur als Lückenbüßer.

Das Ding beisst wie der Teufel, sagte der Bauer, als er Senf aß.
ho] Welk een ding is mosterd, het bijt, en heeft geene tanden.

Das Ding hat Adlersfedern.
i] Man glaubte nämlich, dass sie wieder wegflögen oder dass sie andere Federn, zu denen man sie lege, aufzehrten.
Luther

Das Ding hat Äste.

Das Ding hat kein Ansehen (o. Gesicht).
Nürtingen
i] Keine Art, keinen Schlag, sieht nach nichts aus, es ist keine Arbeit, alles, um zu sagen: die Sache befriedigt mich nicht, sie gefällt mir nicht

Das Ding hat Mucken.
Rottenburg
i] Die Sache hat ein Aber, einen Haken.

Das Ding hat Stacheln.

Das Ding heckt Läuse.
la] Diuturnam molestiam creat.

Das Ding heisst Hans.
Bayern
i] Es ist eine vortreffliche Sache

Das Ding ist, wie man's achtet.

Das Ding läuft verkehrt, sagte Töffel, als er einen Krebs gehen sah.
ho] Dat ding loopt verkeerd, zei de boer, en hij had een kreeft aan een touwtje.

Das Ding muss solchem Grobian
Grob zu verstehen geben man!
Fischart, Kehrab

Das Ding will sich machen.

Das Ding wird den Hund haben.
i] Vom 10. bis 13. Jahrhundert war das Hundetragen eine Strafe für vornehme Verbrecher. Der Missetäter musste ihn tragen, um anzuzeigen, dass er verdiene, gleich einem Hunde erschlagen oder aufgehängt zu werden, was für eine Erschwerung der Todesstrafe galt. Das Sprichwort will sagen, dass etwas einen schlimmen Ausgang haben werde.
la] Res redibit ad restim.

Das Ding, das du haben möchtest, muss von dem Eigentümer erbeten werden.
i] Nicht einfach genommen werden
Kikuju (Kenia)

Das Ding, das noch nie erklärte böse Ding, das uns von dem Wesen trennt, dem wir das Leben verdanken, von dem Wesen, aus dem alles, was Leben genannt werden soll, sich unterhalten muss, das Ding, das man Sünde nennt, kannte ich noch gar nicht.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Das Dintenfaß steht auf des Kaisers Tisch.

Das Disputieren über den Buchstaben macht kein Christen.

Das Docht der Lampe leuchtet anderen und verbrennt selbst.
i] Von denen, die sich für andere aufopfern und selbst dabei zu Grunde gehen

Das Dogma ist die Bestätigung der Seele in der Vergangenheit, das Axiom ist die Bestätigung des Verstandes in der Vergangenheit, Problem und Sehnsucht sind Bestätigungen des Verstandes und der Seele, die in die Zukunft streben.
Mickiewicz, Tribüne der Völker v. 17. 4. 1849

Das Dogma ist eine Zwangsjacke für das Hirn.

Das Dogma ist nicht anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken.
Ludwig Feuerbach, Pierre Bayle (1647-1706)

Das Dogma ist weniger wert als ein Kuhfladen.
Mao Tse-Tung

Das Doktorwerden ist eine Konfirmation des Geistes.
Lichtenberg, Aphorismen

Das dominante Charakteristikum des Alltagslebens ist die Spontaneität.
Agnes Heller

Das Dominus vobiscum tregt dem Probst und Abt mehr, denn das Et cum Spiritu tuo dem Küster und ganzen Konvent.

Das doppelte Antlitz des Janus
la] Ianique bifrontis imago

Das Dorf (= die Welt) gibt keinen Reichtum.
Estland

Das Dorf (o. die Nachbarschaft) gibt kalten Rat, die Menschen (geben) ein eisernes Herz.
Estland

Das Dorf brennt, und die alte Frau kämmt sich.
Rumänien

Das Dorf der Flöhe hat kein Kennzeichen.

Das Dorf in die Hand, die Gemeinde in den Mund, das Kirchspiel in den Magen - paßt alles dem schwarzen Raben (= dem Pastor).
Estland

Das Dorf kommt, man bekommt etwas, der Bauernhof kommt, man bekommt wieder etwas.
Estland

Das Dorf lobt, das Gut tadelt, das Gut lobt, die Gemeinde tadelt.
Estland

Das Drama (auf der Bühne) ist erschöpfender als der Roman, weil wir alles sehn, wovon wir sonst nur lesen.
Franz Kafka, Tagebücher (1911)

Das Drama ist die Stimmung eines Jahrhunderts, in dem die Politik ein ständiges Mimenspiel ist.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Drama ist eine sehr sonderbare Kunstgattung, und ich ahne, indem man es hervorbringt, verknüpft man sich gleichzeitig mit dem realen Leben und löst sich gleichzeitig davon ab.
Hugo von Hofmannsthal, Briefe

Das Drama macht bei den Franzosen einen viel stärkeren Gegensatz mit dem Leben, zum Zeichen, dass ihr gewöhnliches Leben ganz davon entfernt ist. Bei den Deutschen weniger, indem sie selbst schon im Leben wenigstens naiv, gemütlich und poetisch sind.
Goethe, Riemer, 28.8.1808

Das Drama schildert den Gedanken, der Tat werden will durch Handeln und Dulden.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Das Drama soll eilen, und der Charakter der Hauptfigur muss sich nach dem Ende drängen, und nur aufgehalten werden.
Goethe, Lehrjahre V,7

Das Drama soll keine neuen Geschichten bringen, sondern neue Verhältnisse.
Friedrich Hebbei, Tagebücher

Das Drama, als die Spitze aller Kunst, soll den jedesmaligen Welt- und Menschenzustand in seinem Verhältnis zur Idee, d. h. hier zu dem alles bedingenden sittlichen Zentrum, das wir im Weltorganismus schon seiner Selbsterhaltung wegen annehmen müssen, veranschaulichen. Das Drama, d. h. das höchste, das epochemachende, ist nur dann möglich, wenn in diesem Zustand eine entscheidende Veränderung vor sich geht; es ist daher durchaus ein Produkt der Zeit, aber freilich nur in dem Sinne, worin eine solche Zeit selbst ein Produkt aller vorhergegangenen Zeiten ist, das verbindende Mittelglied zwischen einer Kette von Jahrhunderten, die sich schließen und einer neuen, die beginnen will.
Friedrich Hebbel, Maria Magdalena, Vorwort

Das Dramatische ist die Einheit des Kampfes mit dem Leiden.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Das dritt haupt tregt (zu) schwer.
i] Wenn ein Geheimnis mehr als zwei wissen, hat es aufgehört, ein Geheimnis zu sein, denn dann erfahren es bald zehn und hundert.
z] Zwen verschweigen wol eine heimligkeit, erfährt sie der dritte, der kan sie nicht tragen, er schwetzet sie nach.
en] Three may keep counsel, if two be away.
it] Se il secreto si sà da tre, si sà da tutti.
it] Tre taceranno, se due vi non sono.
la] Si sapis, quod scis nescias. Terenz

Das dritte Horn des Widders suchen.
Russland
fr] L'humbre du soleil.
la] Solis umra.

Das dritte Mal zählt für alle.
England

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ENGLISCH
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ITALIENISCH
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LATEINISCH
1 2 3 4
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SPANISCH
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