Weisheiten 262

Das Auge des Verliebten ist blind.
tü] Aşığın gözü kördür.

Das Auge des Weibes ist ein Feuerspiegel.

Das Auge des Weisen erleuchtet die Erde.
fr] L'oeil du sage est du soleil l'image.
la] Oculus sapientis spera solis.

Das Auge eines Feindes sieht besonders scharf.
China

Das Auge eines richtigen Meisters ist der Zirkel und die Nase das Winkelmaß.
Estland

Das Auge erkennt die Schönheit, aber nicht die Güte (eines anderen).
Kikuju (Kenia)

Das Auge erkennt die Wahrheit, das Ohr erkennt die Lüge.

Das Auge fordert seinen Zoll,
Was hat man an den nackten Heiden?
Ich liebe mir was auszukleiden,
Wenn man doch einmal lieben soll.
Goethe, Faust Il, Paralipornena, Bruchstücke 150

Das Auge für die Brille geben.
i] Die Augen auf oder den Beutel. Beim Handel, besonders beim Pferdekauf.

Das Auge ganz zu sättigen, vermag nur Erde.
Osmanisch

Das Auge geht voran, der Hals hinterher.
Estland
i] Bei Kindern: Was das Auge sieht, will es haben.

Das Auge geschlossen, der Arsch offen.
Estland

Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!
NeuesTestament, Matthäus 6,22-23 (Jesus: Bergpredigt)

Das Auge gibt, das Auge nimmt.
Estland

Das Auge großer Herren ist verschleiert.

Das Auge hat einen anmaßlichen Verstand hinter sich, der Wunder meint, wie hoch er stehe, wenn er beweist, ein Sichtbares sei zu lang oder zu kurz.
Goethe, An Louise Seidler? (Entwurf), Februar 1818

Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hilfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seinesgleichen werde, und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äußeren entgegentrete.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre , Einleitung

Das Auge hätte die Sonne nie gesehen, wenn es nicht selber von sonnenhafter Natur wäre.
Plotin, Enneaden

Das Auge ist am reichsten. Estland

Das Auge ist am reichsten.
Estland

Das Auge ist das letzte, höchste Resultat des Lichtes auf den organischen Körper. Das Auge als ein Geschöpf des Lichtes leistet alles, was das Licht selbst leisten kann. Das Licht überliefert das Sichtbare dem Auge, das Auge überlieferts dem ganzen Menschen. Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub, aber das Auge vernimmt und spricht. In ihm spiegelt sich von außen die Welt, von innen der Mensch. Die Totalität des Innern und Äußern wird durchs Auge vollendet.
Goethe, Vorstudien zur Farbenlehre, Das Auge

Das Auge ist der Liebe Führer.
ho] Het oog is leidsman van de min, en brengt vooreerst de lusten in.

Das Auge ist der Reichste von allen.
Estland

Das Auge ist der Urheber und der Erhalter oder Vernichter der Liebe, ich kann mir vornehmen treu zu sein, das Auge nimmt nichts vor, das gehorcht der Kette der ewigen Naturgesetze.
Keller, Der grüne Heinrich

Das Auge ist des Herzens Fenster. Estland

Das Auge ist des Herzens Spiegel (o. Fenster, Zeiger, Zeuge).
dä] Øiet er trygt vidne.
fr] L'âme grave les traits.
fr] L'oeil est le témoin du cour.
fr] L'oeil sait toujours du cour les premières nouvelles.
ho] Het oog is 's harten tuig.
ho] Het oog wijst, wat 't hart prijSt.
it] Chi con l'occhio vede, con cuor crede.
it] L'occhio è testimonio del cuore.
la] Oculun animi index.
un] Kinek mi vagyon szivében, könnyen kitetszik szemében.

Das Auge ist des Körpers Kerze.
Estland

Das Auge ist des Leibes Licht!
Matth., 6, 22

Das Auge ist des Schneiders Maß.
Estland

Das Auge ist ein Gewehr.
i] Man fürchtet sich vor seinem Blick wie vor einem Gewehr. Die auch hinter dem Rücken raisonnieren, wagen ins Gesicht nichts zu sagen.

Das Auge ist ein treuer Zeuge.
i] Seinen Augen kann man vertrauen, sie brauchen keine Beweise.
dä] Öjet er trogt Vidne.

Das Auge ist größer als der Magen.
en] The eye is bigger than the belly.

Das Auge ist himmlischer Natur. Darum erhebt sich der Mensch über die Erde nur mit dem Auge, darum beginnt die Theorie mit dem Blicke nach dem Himmel. Die ersten Philosophen waren Astronomen.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Das Auge ist klein, aber sieht die ganze Welt.
Estland

Das Auge ist König(, die Hand der Vollstrecker).
Estland

Das Auge ist nicht arm.
Kosi, Afrika
i] Es gibt immer etwas Interessantes zu sehen.

Das Auge ist undankbar, was es auch sieht, es sagt doch, es sei noch nicht genug.
Surinam
i] Um zu sagen, dass jemand undankbar, ungenügsam, unersättlich sei, und wieviel er auch bekomme, nie genug habe.

Das Auge kann das Ohr nicht sehen.
Nigeria

Das Auge kann den Zustand unserer Seele malen, aber die Hand teilt gleichzeitig die Geheimnisse des Körpers und die des Gedankens mit.
Honoré de Balzac, Physiologie der Ehe

Das Auge kann viel sehen, das Ohr kann viel hören, aber der Mund soll nicht viel sprechen.
Estland

Das Auge kennt kein Verbot.

Das Auge kennt keinen Kummer.
i] Mit diesem Sprichwort will der Odschin (Westküste Afrikas) sagen, dass sich das Auge, wenn der Kummer, der etwas Innerliches ist, es drücken will, im Schlafe schließe, und dass man sich oft den Kummer vom Herzen schlafe.

Das Auge mag wohl der klarste Sinn genannt werden, durch den die leichteste Überlieferung möglich ist. Aber der innere Sinn ist noch klarer, und zu ihm gelangt die höchste und schnellste Überlieferung durchs Wort, denn dieses ist eigentlich fruchtbringend, wenn das, was wir durchs Auge auffassen, an und für sich fremd und keineswegs so tief wirkend vor uns steht.
Goethe, Schriften zurLiteratur, Shakespeare und kein Ende 14,756f.

Das Auge muss nicht größer sein als der Magen.
la] Appetitus ne procurrat rationem.

Das Auge nimmt nichts weg.
fin] Ei silmä osaa ota.

Das Auge offen und den Mund geschlossen, hat noch keinen verdrossen.

Das Auge sieht alle Dinge, außer sich selbst.
England

Das Auge sieht auch für den Arsch.
ho] De oogen moeten vol zijn voor den aars (buik).

Das Auge sieht den Himmel offen,
Es schwelgt das Herz in Seligkeit.
Friedr. von Schiller, Gedichte, D. Lied v. d. Glocke (gedr. Sept. 1799)

Das Auge sieht des anderen Auge, nicht sich selbst.
Estland

Das Auge sieht nicht, das Herz leidet nicht.
Maurisch

Das Auge sieht sich nicht
Als nur im Widerschein durch andre Dinge.
en] The eye sees not itself
But by reflection, by some other things.
Shakespeare, Julius Cäsar I,2

Das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt.
Pred. Sal. 1, 8
bm] Nepřesytí se oko patřením, a mysl bohatstvím.

Das Auge sieht sich nimmer satt.

Das Auge sieht über den überfluteten Fluss hinüber.
i] Man wünscht sich das Unmögliche.
Zulu

Das Auge sieht weit, aber der Verstand noch weiter.
Estland

Das Auge sieht, das Herz begehrt.

Das Auge sieht, der Mund schmeckt (es) nicht.
Estland

Das Auge sieht, was das Herz begehrt.
Estland

Das Auge sieht's, im Herzen glüht's.
la] Amor ex aspectu nascitur.

Das Auge spiegelt nicht die Welt, sondern es erschafft sie.

Das Auge spricht mehr als der Mund.

Das Auge spricht, was das Herz fühlt.

Das Auge verlangt dabei ganz eigentlich Totalität und schließt in sich selbst den Farbenkreis ab.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 1. Abt 60

Das Auge war vor allen anderen das Organ, womit ich die Welt faßte. Ich hatte von Kindheit auf zwischen Malern gelebt, und mich gewöhnt, die Gegenstände wie sie in bezug auf die Kunst anzusehen.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,6

Das Auge weint nur Wasser, das Herz weint Tränen.

Das Auge weint Tränen, das Herz Blut.

Das Auge will auch etwas (o. sein Teil) haben.
ndt] Dit Oog well uk wat haa. Altfriesisch
fr] L'oeil veut de tout sa part.
it] (Anche) l'occhio vuole la sua parte.

Das Auge will auch etwas haben.
fr] L'oeil veut de tout sa part.
it] Anche l'occhio vuole la sua parte.

Das Auge will auch sein Teil haben.
it] L'occhio vuol la parte sua.

Das Auge wird durch langes Anstarren eines Gegenstandes stumpf und sieht nichts mehr: Ebenso wird der Intellekt durch fortgesetztes Denken über dieselbe Sache unfähig, mehr davon zu ergrübeln und zu fassen.
Arthur Schopenhauer, Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken

Das Auge wird kurz vor dem Tode noch einmal scharfsichtiger.
Mongolei

Das Auge wird nicht satt vom Sehen, das Ohr wird nicht satt vom Hören.
Estland

Das Auge wird nie satt.
tü] Göz doymaz.

Das Auge, das den König gesehen hat, wird nicht viel von seinen Beamten halten.
Haussa, Afrika

Das Auge, die Ehre und ein redlich Herz leiden keinen Scherz.

Das Auge, sagt der Jäger, schießt seinem Herrn kein Wild.
i] Es genügt nicht, Verstand zu haben, man muss ihn auch brauchen, das Wissen allein tut's nicht.

Das Augenblickliche, was wir von öffentlichen Dingen, doch nur im allgemeinen und oft aufs unsicherste, durch die Zeitungen vemehmen, wird nun erst wahrhaft historisch und anschaulich zugleich, wenn der einzelne, unbefangene, unbedeutende Mensch von wichtigen Vorfällen Zeugnis gibt, denen er nicht etwa aus Neugierde oder Absicht, sondern gedrungen durch unwiderstehliche Notwendigkeit beigewohnt.
Goethe, Schriften zur Literatur, Der junge Feldjäger

Das augenfälligste Zeichen von Weisheit ist eine andauernde Fröhlichkeit.
England

Das Augenübel heilt man mit dem Ellenbogen.
i] Indem man nicht daran rührt, denn es ist unmöglich, die Ellenbogen an die Augen zu bringen.
fr] Le mal d'yeux se guérit avec le coude.

Das Ausfüllen der Zeit durch planmäßig fortschreitende Beschäftigungen, die einen großen beabsichtigten Zweck zur Folge haben, ist das einzige sichere Mittel, seines Lebens froh und dabei doch auch lebenssatt zu werden.
Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft

Das Ausgeben ist ihm geläufiger als das Aufheben.
i] Von einem Verschwender, und entlehnt von Ausgebern, Speisemeistern und Kellnern.

Das ausgesprochene Wort ist sogleich tot, wenn es nicht durch ein folgendes, den Hörer gemäßes, am Leben erhalten wird.
Goethe, Maximen und Reflexionen 891

Das Aushängeschild ist geduldig
ho] Het uithangbord belooft meer, dan de winkel bevat.

Das Auskehren am Abend soll man unterlassen, weil dann der Teufel auf dem Besen reitet, oder weil man damit das Glück, oder den Schlaf hinauskehrt.
Aberglaube

Das Auskehren wird es bringen.
mhd] To dem jungesten dage sal men wohl sein, we gût is.
en] On the day of judgement you will know the good pilgrim.
fr] Quand le jeu est fait, on voit qui a gagné.
ho] Men sal ten jonxten daghe wael sien, wie goet pelgherien is.
it] Al scuotere dei sacchi ce ne accorgeremo.
la] Quis bonus? aetherei sententia iudicis effert?
la] Tempus iudicii vitam pandet peregrini.
sp] Al fin se ven las zurrapas.

Das Ausländische hat immer einen gewissen vornehmen Anstrich für uns.
Otto von Bismarck, Reden (in der preußischen Zweiten Kammer, 15. November 1849)

Das Auslaufen vergeht (schadet nicht), wenn man daheim bleibt.

Das Auslegen (der Ware) wird nicht bezahlt.

Das Ausleihen geht mit Eile, das Wiederbringen hat Weile.
Wendische Lausitz

Das Ausmaß einer Vergeltung will gut erwogen sein, wenn sie nicht wiedervergolten werden soll.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Ausschlagen der Stute tut dem Füllen keinen Schaden.
Spanien

Das Ausschlagen, aber nicht das Wiederschlagen ist verboten.

Das Ausschließen der Welt, von Zeit zu Zeit so wichtig, ist nur erlaubt, wenn sie mit umso größerer Gewalt wieder zurückflutet.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972

Das Äußere ist trügerisch.
Estland

Das Äußere lässt aufs Innere schließen.
Walther von der Vogelweide: Der Bogner

Das außergewöhnliche Gedächtnis bringt die Gelehrten, das tiefe Nachdenken die Genies hervor.
Helvetius, Vom Menschen

Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem gewöhnlichem Wege.
Goethe, Wahlverwandtschaften (1808-1809), I, 15

Das Außerordentliche, was solche Menschen [hochbegabte, vor allem Dichter] leisten, setzt eine sehr zarte Organisation voraus, damit sie seltener Empfindungen fähig sein und die Stimme der Himmlischen vernehmen mögen. Nun ist eine solche Organisation im Konflikt mit der Welt und den Elementen leicht gestört und verletzt, und wer nicht, wie Voltaire, mit großer Sensibilität eine außerordentliche Zäheit verbindet, ist leicht einer fortgesetzten Kränklichkeit unterworfen.
Goethe, Eckermann, 20.12.1829

Das Äußerste liegt der Leidenschaft zuallernächst...
Goethe, Wahlverwandtschaften I,16

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