Weisheiten 234

Christtag (24.12.) feucht und nass, gibt leere Speicher und Fass.

Christum erkennen ist der höchste schatz.
fr] Par argent obtient-on maintes choses caduques et le salut par la grâce en Jesus-Christ.

Christum lieb haben ist besser, denn alles Wissen.
fr] O combien qui en Christ croit est heureux.
la] Si Christum bene scis satis est, si cetera nescis.

Christum predigen ist gar ein schwer und gefährlich Amt; hätte ich's etwan gewußt, so wollt ich mich nimmermehr dazu hergegeben haben, sondern gesagt mit Mose: Sende, wen du willst!
Luther, Deutsche Schriften

Christus bekehrt keine Hohepriester, wol aber ihre Jünger.

Christus buss'n (küssen) wollen, und 'n Juden treffen.
Oberösterreich
i] Eine jemandem zugedachte Gunst oder Ehre infolge eines Zufalls, eines Missverständnisses einer Person erweisen, der sie nicht bestimmt war. Von gläubigen Katholiken entlehnt, welche die Figur Christi oder irgend eines Heiligen aus Verehrung küssen.

Christus dachte einen alleinigen Gott, dem er alle die Eigenschaften beilegte, die er in sich selbst als Vollkommenheiten empfand. Er ward das Wesen seines eigenen schönen Innern, voll Güte und Liebe wie er selber.
Goethe, zu Eckermann, 28. Febr. 1831

Christus der recht Held ist sieghafft, wider den todt und all sein krafft.
la] Est pugilfortis, qui frangit uincula mortis.

Christus ein Gott vom Himmel kam,
Ein Mensch auf Erden wundersam,
Als Gott und Mensch, als Mensch und Gott,
Anbetung ward ihm, Schand und Spott,
Zuletzt zu unserer Seligkeit
Ging er durchs Grab zur Herrlichkeit.
Goethe, Invectiven

Christus hat den Juden nicht den Fuchsschwanz durchs Maul gezogen, sondern ihnen gestrelet mit der Hechel.

Christus hat dich allein erlöset, drum ruff jhn an, und sey getröst, gib ihm allein allzeit die ehr, du bedarffst sonst keine mutter mehr.
la] Sola diuina saluandus sum medicina.

Christus hat durch erstes Kommen
uns des Teufels Reich genommen.
Kommt er jetzt nicht bald hernieder,
kriegt der Teufel alles wieder.
Friedrich Logau, Sinngedichte, Die Zukunft Christi

Christus hat durch seine wunden vnsern schaden verbunden.

Christus hat gesagt: ich bin ein Hirt (o. Säemann, Weinstock), hätte er gesagt: ich bin ein Junker, wehe uns gemeinen Leuten.

Christus hat kein Glück auf Erden.

Christus hat Recht, uns auf die Kinder zu weisen, von ihnen kann man leben lernen und selig werden.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 22.9.1781

Christus hat vergebens gelebt und ist vergebens gestorben, wenn er uns nicht gelehrt hätte, unser ganzes Leben nach dem ewigen Gesetz der Liebe einzurichten.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Christus hat viele Diener, aber wenig Nachfolger.

Christus in allem trübsal ist vnser bestes labsal.

Christus in Zachäi Haus war ein lieber Gast.

Christus ist der allgemeine Ablas Meister, der das Fegfewer aussgelescht.

Christus ist der Papisten Weisenberg, aber nicht Kronen Weisenberg.

Christus ist der rechte Hertzog in Oesterreich.

Christus ist der Welt Widerchrist.
Sebastian Franck bei Zinkgref, Apophth.

Christus ist mein Leben und Sterben Gewinn.
la] Mihi enim vivere Christus est et mori lucrum.

Christus ist mein unmittelbarer, wie sie sagen, Bischof, Abt, Prior, Herr, Vater und Meister. Einen andern kenne ich nicht mehr.
Luther, Lateinische Schriften

Christus ist nicht in der Kammer.

Christus ist nicht Steuermann, sondern Steuerknecht im römischen Schiff der guten Werke.

Christus ist sauer essens nit ungewohnt, und kan widerumb noch viel sauers kochen, wehe denen, die es essen müssen.

Christus ist um Geld verraten worden.
Neugriechisch

Christus ist unbegreiflich, niemand kann ihn in diesem Leben auslernen, dass er recht verstünde, was und wer er wäre; denn er ist Gott.
Luther, Deutsche Schriften

Christus ist uns schon viele Jahre vorausgegangen, deswegen muss man wol beritten sein, wenn man ihm folgen will, sagte der Abt, als ihn einer fragte, warum er reite, während sein Herr und Meister zu Fuße gegangen sei.

Christus ist unser Fleisch und wir sein Gebein.

Christus ist unsers lebens zielstatt, zweck und fürbild.

Christus konnte wol die Reichthümer verachten, er bedurfte ihrer nicht, hätte er aber alles kaufen müssen, er würde anders gesprochen haben.

Christus lässt wohl sinken, aber nicht ertrinken.

Christus leidet am meisten von den Gelehrten.

Christus möge segnen, was gut begonnen ist.
la] Christus bene coepta secundet.
Erasmus, Colloquia familiaria, Auspicanti quippiam

Christus muss wachsen, ich aber abnehmen, sagt Johannes.
i] So sagt man am Tage der Geburt Johannes, weil die Tage um diese Zeit abnehmen und Christi Geburt näher rückt.

Christus regiert, Christus überwindet, Christus triumphiert.
Karl der Große bei Zinkgref, Apophth.

Christus segne dieses Haus.
la] C. M. B.
i] Christus mansionem benedicat bzw. Caspar, Melchior, Balthasar.

Christus und Belial lassen sich nicht vertragen.

Christus und der Belial stehen nimmer in einem Stall.

Christus verdient's, der Glaube begreift's, die Werke bezeugen's.

Christus wäre nimmermehr bei Zachäo eingekehrt, wenn er nicht vom Maulbeerbaum herabgestiegen wäre.
i] Empfiehlt Bescheidenheit.

Christus wird noch täglich gekreuzigt.

Christus, da er Menschen ziehen wollte, musste er Mensch werden. Sollen wir Kinder ziehen, so müssen wir auch Kinder mit ihnen werden.
Luther, Deutsche Schriften

Christus, vnser rüster, ist aller Christen muster.

Chromatische Betrachtung und Gleichnisse. Lieben und Hassen, Hoffen und Fürchten sind auch nur differente Zustände unseres trüben Inneren, durch welches der Geist entweder nach der Licht oder Schattenseite hinsieht. Blicken wir durch diese trübe organische Umgebung nach dem Lichte hin, so lieben und hoffen wir, blicken wir nach dem Finstern, so hassen und fürchten wir. Beide Seiten haben ihr Anziehendes und Reizendes, für manche Menschen sogar die traurige mehr als die heitere.
Goethe, Tagebuch, 25.5.1807

Chuder (Kauder) im Chopf hâ.
i] Närrisch, verrückt, verwirrt sein.
ho] Men weet wel, in welk gezelschap men is, als ratten en muizen koeterwaalsch spreken.

Chuma (kommen) n'i nid hütt, so chuma n'i de morn und vilicht gar üb'rmorn.
Bern
i] Trostspruch der Faulen und Lahmen.

Churzi Haar sî glî b'bürstet.
Bern

Churzi Predigt, langi Brootwürst.
Schweiz

Churzi Ross und längi Rind, e rychi Frau und weni Chind, das hilft huse.
Solothurn

Chutzpe (Dreistigkeit, Keckheit, Frechheit) muss mer habe' (wenn man im Leben fortkommen will).
Jüdisch-deutsch

Chutzpe muss mer habe'.

Claudius, Matthias] Irrtum wolltest du bringen und Wahrheit, o Bote von Wandsbeck,
Wahrheit, sie war dir zu schwer, Irrtum, den brachtest du fort!
Goethe, Xenien 18 - Erreurs et vérité

Claus speiset mit worten.
la] Verba importat Hermodorus.

Clauss meint, es sei geritten, wenn er den Sattel auf'm Kopfe getragen.
i] Um einen einfältigen Menschen zu schildern.

Co Komin, to Dunin.
i] Dem berühmten Peter Dunin soll die heilige Jungfrau versprochen haben, dass seine Nachkommenschaft sich in so viel Familien ausbreiten solle, als er Kirchen bauen werde; und deren soll er 77 erbaut haben.

Coellen (Köln) in Duyschlant, London in engelant, Parijs in vrankrych, Roma in Italien.
i] In der Köhlhof'schen Chronik von 1499, in der dieses Sprichwort vorkommt, wird Köln die 'hochwürdige und heilige Stadt', die 'Metropolis und Hauptstadt vom ganzen deutschen Lande' genannt.

Cogito ergo sum. Ich denke und mithin so bin ich; Ist das eine nur wahr, ist es das andre gewiss.
Goethe/Schiller, Xenien

Cöllen (Köln) eine Kroin boven allen Städten schoin.
i] Altdeutscher Spruch, der sich unter dem Bilde auf dem silbernen Tafelaufsatz befindet, den 1858 die Stadt Köln dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, jetzigem Kronprinz (1869), zum Hochzeitsgeschenk überreichte.

Columbus, Christoph] Ein merkwürdiges Beispiel, wie die Nachwelt irgendeinem Vorfahren die Ehre zu rauben geneigt ist, sehen wir an den Bemühungen, die man sich gab, Christoph Colomb die Ehre der Entdeckung der neuen Welt zu entreißen. Freilich hatte die Einbildungskraft den westlichen Ozean schon längst mit Inseln und Land bevölkert. [... Freilich waren die Nachrichten von Asien her schon weit herangerückt, Kühngesinnten und Wagehälsen genügte die Küstenschiffahrt nicht mehr, durch die glückliche Unternehmung der Portugiesen war die ganze Welt in Erregung, aber es gehörte dem doch zuletzt ein Mann dazu, der das alles zusammenfaßte, um Fabel und Nachricht, Wahn und Überlieferung in Wirklichkeit zu verwandeln.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Erfinden und Entdecken

Concilium hin, Concilium her, ist's Menschenlehr, so gilt's nicht mehr.

Concordia ist zu allen Dingen gut.

Corneille hat, wenn ich so sagen darf, große Menschen dargestellt, und Racine vornehme Personen.
Goethe, Lehrjahre III,17

Corneille, Pierre] Corneille hat, wenn ich so sagen darf, große Menschen dargestellt, und Racine vornehme Personen.
Goethe, Lehrjahre III,17

Corneille, Pierre] Durch die despotische Unvernunft des Kardinal Richelieu war Corneille an sich selbst irre geworden.
Goethe, Maximen und Reflexionen 94

Corneille, Pierre] Eine tiefe innere Selbständigkeit ist der Grund aller seiner Charaktere, Stärke des Geistes in allen Situationen ist das Liebste, was er schildert.
Goethe, Theatralische Sendung II,2

Corneille, Pierre] Von Corneille ging eine Wirkung aus, die fähig war, Heldenseelen zu bilden. Das war etwas für Napoleon, der ein Heldenvolk nötig hatte, weshalb er denn von Corneille sagte, dass, wenn er noch lebte, er ihn zum Fürsten machen würde.
Goethe, Eckermann, 1.4.1827

Cöslin darf eine Torheit tun, und darf sie auch bezahlen.
i] Zur Zeit der Reformation lebte dort ein katholischer Barbier, der eines Tages zu viel trank und sich zur Störung des Gottesdienstes mit einem Glase Branntwein in der Hand und einer quakenden Ente unter dem Arme in die Kirche hineindrängte. Darüber gerieten die Cösliner in solche Entrüstung, dass sie ihn in einen Sack näheten und lebendig ersäuften. Sie mussten wegen dieser Tat nicht allein 4000 Gulden bezahlen, sie erhielten auch den Namen Sacksöfers deshalb. Sie haben aber auch noch andere Spitznamen gehabt. So sagte man Horsa Cöslin, weil sie einmal gegen ihren Landesherrn Bogislaf X. zwar einen mutigen, aber unbesonnenen Angriff gemacht hatten. Man schimpfte sie dann auch wieder Musum Cöslin, oder Mus Cöslin, weil ihr Bürgermeister Heidenreich ihnen den Ratsschatz mausete und damit nach Lübeck entwich, der Lübecker Rat aber den Schatz mit Beschlag belegte und davon einen festen Turm baute, den man dort Musum Cöslin nannte.

Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser. Ausdauer, das ist die Hauptsache.
Theodor Fontane, Der Stechlin

Courage schützt vor Blamage.

Courage, Kraut und Lot (Pulver und Blei) hilft manchem aus der Not.

Courage, verlass mich nicht, wenn's angeht, so entlauf' ich.
Schwaben

Courier ist ein großes Naturtalent, das Züge von Byron hat, sowie von Beaumarchais und Diderot. Er hat von Byron die große Gegenwart aller Dinge, die ihm als Argument dienen, von Beaumarchais die große advokatische Gewandtheit, von Diderot das Dialektische, und zudem ist er so geistreich, dass man es nicht in höherm Grade sein kann.
Goethe, Eckermann, 21.3.1831

Cousin, Viktor] Was Cousin betrifft, so kann er zwar uns Deutschen wenig geben, indem die Philosophie, die er seinen Landsleuten als etwas Neues bringt, uns seit vielen Jahren bekannt ist, allein er ist für die Franzosen von großer Bedeutung.
Goethe, Eckermann, 3.2.1830

Cras, cras ist der Raben Sang.

Cras, cras schreyen die Raben, d.h. morgen, morgen will ich Busse tun.

Cresole, ein armer Ort, man hat nicht Brot, nicht Krümchen dort.
it] A Cresole - non v' è nè pan nè fregole (= briccioli).

Cretenser seind lügner, faul beuch, und böse vihe.
la] Cretensis cretensem.

Crispin macht den Armen um Gotteslohn Schu, er stahl aus Erbarmen das Leder dazu.

Crispinus stillt dat Ledder, un gift de Schoh um Gotts willen.
i] Die stahlen das Leder und machten armen Leuten Schuhe daraus.

Cum pleno titulo ist Eifersucht des Teufels Zuflucht, und fast in der ganzen Welt kein größere Torheit als diese.
Abraham a Santa Clara (1644-1709), Der eifersüchtige Narr

Cura prima finxit: Dieses Seiende hat den Ursprung seines Seins in der Sorge. Cura teneat, quamdiu vixerit: Das Seiende wird von diesem Ursprung nicht entlassen, sondern festgehalten, von ihm durchherrscht, solange dieses Seiende, in der Welt ist.
Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1. Hälfte

Cuvier, der große Naturkenner, ist bewundernswürdig durch seine Darstellung und seinen Stil. Niemand exponiert ein Faktum besser als er. allein er besitzt fast gar keine Philosophie.
Goethe, Eckermann, 3.2.1830

Cuvier, Georges] Cuvier, der große Naturkenner, ist bewundernswürdig durch seine Darstellung und seinen Stil. Niemand exponiert ein Faktum besser als er. allein er besitzt fast gar keine Philosophie.
Goethe, Eckermann, 3.2.1830

Cyprian von Karthago erzählt von einem Kind, das Überreste einer heidnischen Opfermahlzeit genossen hatte und sich von dem Diakonen, der ihm den Kelch des Herrn reichen wollte, abwandte. Dem Diakon gelang es aber doch, dem Kind etwas Wein einzuflößen. Da erbrach es sich, denn der zum Blut des Herrn geweihte Trunk konnte nicht in dem entheiligten Magen bleiben.
Aberglaube

D' Advokaten wissen, wia ma die wächserne Nasn draht.

D' alt'n Glâb'n (Glauben) und d' alt'n Zäu(ne) fallen ei'.
Innsbruck

D' Arbat is koa Frosch, die hupft oam net davo.

D' Arbeit ist kein Has', die lauft nicht davon.

D' Auge uf oder der Geldseckel.
Luzern
ndt] D'Aen oder der Beidel op. Luxemburg

D' Batenberger hei' d's Mul über der Nase.
Schweiz
i] Die Batenberger wohnen nämlich am Thunersee in der Höhe auf einem Vorsprunge, welcher die 'Nase' heisst.

D' Bedenke' kann e kengem ferdenken.

D' Biérge' begene' sech net, ower d' Leit.

D' Blaumüüler (= Silberstücke) sind die beste Reiskamerade.
Schweiz.

D' Box (Hose) unhun.

D' Brunnenliese hätt' g'sat: Lug' d' Bire a.
i] So antwortet man in St.-Gallen dem, welcher gute Ware zu teuer findet. Die Brunnenliese gab ihre Birnen zwar teuer, hatte aber immer vortreffliches Obst, daher sie zu den über den Preis sich beschwerenden Käufern wohl sagen konnte: Lug d' Bire a, d.h. sieh was für gute Früchte du für dein Geld bekommst.

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