<<< Weisheiten 022 >>>

Auf alle jüdische Kinder gesugt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn von etwas Gutem die Rede ist, das man gern auf die Seinigen übertragen wissen möchte.

Auf alle Pferde gerecht wie ein Postsattel.

Auf alle Steiner ün Beiner gesugt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Beileidsausruf.

Auf alle Weise seh ich aber, wie schwer es ist, ein Land zu beurteilen, der Fremde kann es nicht und der Einwohner schwer.
Goethe, An Herzog Karl August, 27.5.1787

Auf alle Wort gehört kein Antwort.
ho] Op alle woord dient geen antwoord.

Auf alle wüste Wälder gesugt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Beileidsausruf.

Auf allen Gassen findet man Unglück (Schlimmes) feil.

Auf allen Pfaden des Lebens
Führen die Horen dich streng, wie es das Schicksal gebeut.
Goethe, Venezianische Epigramme 102

Auf allen Pferden gerecht wie ein Postsattel.

Auf allen Sättel geschickt (o. gerecht) sein.
z] Bapst Hildebrand kundt sich auf alle Sättel richten.

Auf allen vieren (Händen und Füßen) gehen.

Auf alles, was der Mensch vornimmt, muss er seine ungeteilte Aufmerksamkeit, oder sein Ich richten.
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais

Auf allgemeinem (betretenem) Wege wächst nicht leicht Gras.
i] Besonders mit Bezug auf die Kinderlosigkeit leichter Dirnen (Demi-monde). Bei einem Handel, auf den sich fast ein jeder legt, ist wenig zu gewinnen. Wo viel Verkäufer und wenig Käufer sind, fällt immer die Messe schlecht aus.

Auf allgemeines Verlangen hin
la] ex consensu

Auf Allmende zu weiden ist niemand verboten.
[RSpW]
i] Die Allmende (mhd. 'al(ge)meinde, almende = was allen gemein ist), nämlich Wald, Wiese, Weide, Wasser und Wege der Gemarkung unterlag kollektiver Bewirtschaftung, Nutzung und Verwaltung.
la] Nemo ire quemquam prohibet publica via.

Auf Allzuviel und Zwerge folgt weder Lehn noch Erbe.
[RSpW]
mhd] Uppe altvile unde uppe twerge ne irstirft weder len noch erve.

Auf alte Sünde folgt neue Strafe.
dä] Af gammel synd ny poenitence.

Auf altem Eis friert man leicht.

Auf altem Herde brennt es leicht.
i] Wer in ein eingerichtetes Hauswesen kommt, hat leicht wirtschaften. Man hat leicht wirtschaften, wenn die Sache eingefahren ist).
bm] Na starém ohnisti snadno jest oheň rozdĕlati.

Auf altem Wege stößt man an,
Auf neuem sind wir nicht empfohlen;
Sonst hätt' ich es allein getan,
Jetzt muss ich Helfershelfer holen.
Goethe, Faust, II, Grablegung, (Mephisto)

Auf alten Adel leiht der Jude keinen Pfennig.
i] Wie viel der Christ?

Auf alten Groll neuen pfropfen.
Russland

Auf alten Mann bauen ist misslich.

Auf alten Pferden reiten die Raben.
la] Cornix saepe lupum non effugit inveteratum.
la] Multa senex plangit, quando mors instat et angit.

Auf alten Saiden trumpêden.
i] Soviel wie: das alte Lied singen.

Auf alten Schaden ein neues Pflaster legen.

Auf alten Schuhen geht's am besten.

Auf Alter und Mangel man sparen mag, die Morgensonne scheint seiten den ganzen Tag.

Auf älteren Fotos sieht man immer viel jünger aus.

Auf Ameisen und Nesseln sitzen.
ho] Het kriewelt hem als een mierenhoop.
ho] Hij heeft mieren in den aars.

Auf ander Leut Ackern stehet die Saat immer am dicksten.

Auf ander Leut beutel einkaufen und Wein aufn Kerbholtz saufen, hat nie lang gelaufen.

Auf ander Leut ein jeder sieht und niemand merckt, was (wo's) ihm gebricht.

Auf ander Leut Kirben (Kirchweih) ist gut Gast laden.

Auf ander soll nicht sehen allezeit, mach dich in geschicklichkeit selbs bereit.
la] Vnus non alium, uetus annus non docet annum.

Auf anderer Leute Kirchweih ist gut Gäste laden.

Auf anderer Leute Kirchweih ist gut Gäste laden.
en] All men are free of other men's goods.
fr] Généreux du bien d'autrui.
it] Del cuojo d'altri si fanno le corregie large.
pl] Kiedy z cudzego tedy: nu nu! a kiedy z swego, tedy nie, nie!
sp] Del pan de mi compadre gran zatico á mi ahijado.

Auf anderer Leute Kosten fressen und saufen (o. zehren), ist die beste Diät.

Auf anderer Leute Rücken ist leicht tragen.

Auf anderer Schultern treten.
la] Alienis uti soleis.

Auf andre Leute jeder sicht (sieht), doch niemand merkt, was ihm gebricht.

Auf andre Leute jeder sicht, doch niemand merkt, was ihm gebricht.

Auf Anerkennung des vorhandenen Trefflichen basiert sich eigentlich das ganze Gefühl der Menschheit.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Auf Angst und Schweiß folgt Ruh' und Preis.

Auf Anhieb
en] off the top of one's head, off-hand, on the spur of the moment, off the cuff, fist shot, at the fist attempt

Auf an'n groab'n Kôatz'n (Klotz) g'heard a' groawa Fläck.
Niederösterreich

Auf Aprilflöckchen folgt Maiglöckchen.

Auf Arkonas Bergen
Ist ein Adlerhorst...
Wilh. Müller, Muscheln von der Insel Rügen (1825), Der Adler auf Arkona, nach der Melodie: Freiheit, die ich meine...

Auf Bajonette kann man sich stützen, doch nicht darauf sitzen.
z] Auch der Kirchenfürst kann sich auf die Bajonnete nur stützen, nicht setzen.
Breslauer Zeitung, 1864
sp] Las bayonetas son buenas para todo, menos para sentarse sobre ellas.

Auf Barbara (4.12.) die Sonne weicht, auf Luzia (13.12.) sie wieder herschleicht.

Auf Barnabe die Sonne weicht, auff Lucia sie wieder zu uns schleicht.

Auf Bauernfang ausgehen.
i] Seine Mitmenschen betrügen wollen.

Auf Befehl zur Arbeit, nicht zum Essen.
Estland

Auf begangenen Wegen wächst kein Gras.

Auf begehren, wie Heftlimacher, und an nichts schuld sein.

Auf beide Füße gerecht, wie ein polnischer Stiefel.

Auf beiden Achseln tragen, steht keinem Biedermann an.

Auf beiden Achseln tragen.
i] Es mit beiden Parteien halten. Wasser wurde an einem Joch über den Schultern hängenden Eimern getragen, die Last verteilte sich damit gleichmäßig.
z] Wan sy kann lachen, wainen, wann sy will,
Vnd schießen ferr vnd nach zum zil,
Auff baiden achßlen tragen.
Valentin Holl
z] Mit beyden achslen kan ich gigen,
Wo ich nit wil bieten Welsch figen.
Murners, Mühle von Schwindelsheim
z] Witz habuit Nürnberg, achsla tragavit utraque
Rathschlegis vestris sensit in esse metum.
Zimmerischen Chronik

Auf beiden Augen schlafen.
i] Fest, gut und mit ruhigem Gemüt.
la] In utrum vis dormire occulum. Plautus

Auf beiden Backen schmatzen wie ein bayerischer Krametsvogel.

Auf beiden Banken waschen.

Auf beiden Füßen kann man nicht hinken.

Auf beiden Ohren schlafen
la] in aurem utramvis dormire

Auf beiden Ohren taub sein.
la] In utramvis dormire aurem.

Auf beiden Schultern tragen.
i] Gott und der Welt zugleich dienen vollen. Es mit keiner Partei verderben.

Auf beiden Seiten auf einem Stecken reiten.
i] Gott und dem Teufel gleichzeitig dienen.
z] Wir wolten gern auf beiden seiten ehrlich auf eim stecken reiten. Vnd wenn wir haben den dienst gethan, so gibt uns doch jr keiner lohn.

Auf beiden seiten hinken.
z] Wer sich mit gschenk lesst machen bendig, der ist im rechte vnbestendig, der vnbestandt jn dahin zwingt, das er zu beiden seiten hinkt.
ho] Hij hinkt op beide zijden.

Auf beiden Seiten Wasser tragen.
z] Ich bin weder Republikaner noch Royalist, ich fahre, wenn ich bezahlt werde, für beide den Mist.
en] to favour both sides - to waver between two parties
fr] Donner une chandelle à Dieu et une au diable. - Homme qui porte le feu et l'eau.
fr] ménager la chèvre et le chou - nager entre deux eaux
ho] Het is een man, die op twee schouders draagt.
it] tenere il piede in due staffe
la] Duabus se venditat partibus
la] utrosque parietes linere (beide Wände streichen)

Auf beiden Seiten
la] ab utroque latere

Auf bekanntem Wege ermüdet man nicht.

Auf bekanntem Wege und mit alten Freunden geht man wohl.
la] Calles antiquos serves, veteres et amicos.

Auf Bergen geht der Wind heftiger als im Tal.

Auf Bergen, in der reinsten Höhe,
Tief Rötlichblau ist Himmelsnähe. -
Du staunest über die Königspracht,
Und gleich ist sammetschwarz die Nacht.
Goethe, Gott, Gemüt und Welt

Auf Bergesgipfeln fehlt Nebel nicht, von des Helden Haupt bleibt Argwohn nicht fern.
Türkei

Auf Bergspitzen werden in der Neujahrsnacht Strohbündel ausgedroschener Garben angezündet, zum Schluß der Fastnacht auf dem Felde Wein, Schnaps und Brot verbrannt.
Aberglaube

Auf besagten Hammel kommen.
i] Wenn jemand von allem Möglichen redet, nur nicht von dem Gegenstande, von dem er reden soll. Sie scheint aus einem Schwank entstanden, den Fontenelle in der Einleitung zum Leben Corneille's erzählt. Evtl. entstammt sie einer berühmten Farce des 15. Jahrhunderts: L'Avocat Pathelin, deren Verfasser nach den neuesten Untersuchungen wahrscheinlich Pierre Blanchit ist. Ein Tuchhändler hat seinen Schäfer verklagt, weil er Schafe unterschlagen hat. Anstatt aber dem Richter über die Hammel Antwort zu erteilen, spricht er von dem Tuche, um das ihn ein Mann betrogen, den er im Gerichtslokal zu erblicken glaubt.
z] Aber lasst vns den Wider auff vnsere Hämmel widerbringen, darvon vns der Bock gebracht hat.
z] Wir kommen wiederum zu vnserm Schafstall und zu den Lemmern und Schafen, die vns befohlen sein.
fr] Revenir à ses moutons.

Auf Beschwer folgt Ehr'.

Auf Besserung hat schon unser Großvater gewartet, und wir warten immer noch.

Auf betretenem Wege geht man am sichersten.
fr] Dans bien des choses il faut toujours suivre le chemin battu.
fr] Il n'y a rien de si sûr que de toujours suivre le chemin battu.

Auf Billigung der Menschen muss man nicht rechnen. Sie errichten heute Ehrensäulen und brauchen morgen den Ostrazismus für den nämlichen Mann und für die nämliche Tat. Seume, Spaziergang nach Syrakus, Einleitung

Auf Blitz folgt Donner.
i] Auf Worten folgen Taten, auf Drohungen Strafen.
fr] Aprés l'escler vient le tonnerre.
provenz] Après l'uiau lou tron.
it] Dopo il lampo viene il tuono.
it] Rade volte balena che non tuoni.

Auf bloßen Strümpfen gehen.
i] Sehr arm sein.

Auf bloßes Versprechen ist wenig zu rech(n)en.

Auf blut'ge Schlachten folgt Gesang und Tanz,
Durch alle Straßen tönt der muntre Reigen.
Schiller, Die Jungfrau von Orleans, IV, 1 (Johanna)

Auf bös köpff (Kopf) gehört ein scharpffe laug.

Auf böse (faule) Wunden gehört ein scharfes Pflaster.
it] A cattiva piaga herba cattiva.
sp] A mala llaga, mala gerva.

Auf böse Worte gehören taube Ohren.

Auf böse Wunden böse Krauter.

Auf bösem Wege muss man sich fördern.

Auf bösen rat folget großer schad.

Auf Böses folgt Böses.
ho] Na kwaad komt kwaad.

Auf Brautschau geh in dieses Haus, wo ein wohlgenährter Hund und ein großer Reisighaufen sind.
Estland

Auf breitem Stein stehen.
i] In der Kirche zur Trauung.

Auf breiten Füßen stehen.

Auf Briefe Briefe, auf Worte, Worte.
sp] A cartas, cartas, y a palabras, palabras.

Auf Buhlschafft mag niemand borgen.

Auf Cumpermiss (Kompromis) zu pürschen ist jedem erlaubt.

Auf d' Nacht uma neune, geaht a jedr zua da seina - und wer koane hat, nimmt d' Katz in' Arm - die kratzt aa und macht warm.

Auf da Alm, da gibt's ka Sünd!
Aus einem oberbayr. Jodlerlied

Auf das angenehme Jucken folgt ein brennender Schmerz.
ndt] Op en söd Jöken folgt en sur Swären.

Auf das Buch Genesis folgt das Buch Exodus.
z] Kaum dass du das Leben empfangen hast, bist du schon in Gefahr, dass der Tod das la mi fare singt. Judas, der Erzschelm, Salzburg 1688

Auf das Dach halten.
i] Beim Schießen nach dem Kopfe zielen.

Auf das dritte Mal kommt es an.

Auf das Eis bauen.

Auf das empfindsame Volk hab ich nie was gehalten, es werden,
Kommt die Gelegenheit, nur schlechte Gesellen daraus.
Goethe, Vierjahreszeiten - Herbst 61

Auf das erste Wort muss man achtgeben.

Auf das Gelage folgt die Zeche.

Auf das gemeine Geschrei ist nicht allzeit zu sehen.

Auf das Gewette kann der Richter kein Gewette fordern.

Auf das Gloria in excelsis folgt manchmal das dumpfe De profundis.

Auf das Glück zu warten ist dasselbe wie auf den Tod zu warten.
Japan

Auf das Haupt des Kahlen hagelt's gern.

Auf das Hinken der Hunde und die Tränen der Frauen ist wenig zu bauen.

Auf das kannst du zählen jederzeit, dass es am 30. Februar nicht schneit.

Auf das la mi auslaufen.
Königsberg
i] Diese sehr gebräuchliche Redensart wird aus einem Magistratsschreiben von 1685 angeführt und bedeutet 'ein trauriges Ende nehmen', weil eine Folge der sechsten Tonstufe (la) und der dritten (mi), die in sehr alten Gesängen als Schlussformel gebraucht wurde, sehr traurig klang.

Auf das Leben der Menschen und den Tod der Fische!
Insel Man (Toast)

Auf das politisch-soziale Gebiet übertragen heisst Revolution die Verdrängung eines Staats-, Regierungs-, Gesellschafts-, Wirtschaftssystems durch ein anderes, höheres, weiterentwickeltes Staats-, Regierungs-, Gesellschafts-, Wirtschaftssystem.
W. Liebknecht, Anarchismus, Sozialdemokratie und revolutionäre Taktik

Auf das Sagen folgt Weinen oder Behagen.
i] Es kommt sehr viel darauf an, wie man es darstellt; es kann eine widerwärtige, aber auch eine erheiternde Wirkung haben.
fr] Bien dire fait rire; bien faire fait taire.

Auf das schönste Fleisch setzen sich gern Schmeissfliegen.
ho] Het schoonste vleesch is 't kwaadst voor de vliegen te bewaren.

Auf das Szepter gehört ein Auge.
i] Regentenweisheit.

Auf das U folgt das W, das ist die Ordnung im Abc.

Auf das Urteil des Narren braucht niemand zu warten.

Auf das Urteil des Narren darf (o. braucht) niemand harren (o. zu warten).
i] Ein Narr ist bald mit seinem Urteil fertig.
fr] De fou juge briève sentence.

Auf das Wilde folgt das Milde.

Auf das Wissen soll sogleich folgen das Können.

Auf das Wohl der elftausend Jungfrauen trinken.
i] Scherzhaft von jemandem, der in einer Gesellschaft, wenn die Hochs nach allen Seiten erschöpft sind, gern noch irgend jemand möchte 'leben lassen'.
pl] Za zdrowie Kaczkosi, co źydom wodę nosi. (Auf das Wohl der Kaczkosi, die den Juden Wasser trägt. Kaczkosi war eine Edelfrau von gutem Namen gewesen; allein durch Trunksucht kam sie so weit herab, dass sie um ein Gläschen Branntwein den Juden allerlei Dienste verrichtete)

Auf das, was die Hühner ausscharren, muss man nicht von vorne harren.

Auf das, was die Oberen lieben, sind die Unteren versessen.

Auf dass er das Ungewöhnliche daraus ans Licht bringe... Gogol, Ein paar Worte über Puschkin

Auf dass mein Haus voll werde! Luc. XIV, 23

Auf de Schellekönig nei lobe(n).
i] Über die maßen.

Auf dein eigen Haupt.
la] In tuum ipsius caput.

Auf dein Leben dich nicht verlass', der Tod macht bald ein'n Menschen blass.
fr] En ta vie ne te fie, la mort l'a trop-tôt ravie.

Auf dein Wort geh' ich ins Gefängnis.

Auf deine Weise magst du essen, aber auf anderer Leute Art musst du dich kleiden.

Auf deine Weise magst du essen, aber nach (o. auf) anderer Leute Art musst du dich kleiden.

Auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang.
1. Mose 3,14

Auf deinem Felde.
la] In tua ipsius arena.

Auf deinem Grabstein wird man lesen,
Das ist fürwahr ein Mensch gewesen.
Goethe, Epigrammatisch: Grabschrift

Auf deiner Nase eine Torfniederlage, dann hast du weder (Torf-)Stall noch Boden nötig.
i] Zu jemandem, der meint, dass er ohne weiteres seine Wünsche erreichen oder seine Plane ausführen könne.

Auf deiner Stirn ist Blut.
en] There's blood upon thy face.
Shakespeare, Macbeth III, 4

Auf dem (rechten) Wege sein.
i] Etwas recht anfangen.

Auf dem Abstellgleis stehen (ohne Einfluss sein)

Auf dem Acker des Frommen ist gut Ährenlesen.

Auf dem Acker ist kein besserer Mist, als der an des Herren Stiefeln ist.

Auf dem Anstande sein, o. auf den Anstand gehen.
i] die Gelegenheit zur Erreichung eines bestimmten Zwecks abwarten.

Auf dem Aschenhaufen seines Glücks sitzen.

Auf dem Ast sitzen.
i] Im Freien, ohne Haus sein.

Auf dem Baume ist kein Blatt, das nicht seinen Nutzen hat.
it] Non vi è cosa per vile che sia, che a qualche cosa utile non sia.

Auf dem Baume sitzen.
i] Der Baum ist ein Gefängnis in Hamburg für Schuldner und andere nicht kriminelle Verbrecher.

Auf dem Baumwollenmarkt ist keine Oweische.
i] Wenn jemand in seiner unmittelbaren Umgebung auch noch so angesehen ist, so verliert er sich doch unter dem Haufen auf dem großen Schauplatze der Welt. - Oweische heisst man in Ägypten diejenigen Kinder, welche die Lieblinge ihrer Ältern oder Bekannten sind. Sobald sie aber auf den Baumwollenmarkt kommen, was in Kairo jeden Morgen nach Sonnenaufgang geschieht, um das den Tag vorher gesponnene Garn zu verkaufen, verlieren sie sich unter der Menge, ohne von den Käufern bevorzugt zu werden.

Auf dem Berge stehet der Herr.
i] Er wacht und sorgt für alles.

Auf dem besten Lande ist der schlechteste Weg.

Auf dem betretenen Wege bleiben.
i] Von eingeführtem Gebrauche, von der alten Weise nicht abgehen.

Auf dem Bett der Ehre haben viel tausend Platz, ohne einander beschwerlich zu fallen.

Auf dem Bett der Ehre sterben.
i] Auf dem Schlachtfelde.
ho] Hij is op het bed van eer gestorven.

Auf dem Boden der Heiterkeit (im höheren Sinn) und Zufriedenheit erhaben zu sein, gibt den Begriff der Majestät des Göttlichen, das der Mensch nur in seltenen bevorzugten Zeiten und Gestalten schwach widerstrahlt.
Bismarck, Brief an die Braut, 17. 2. 1847

Auf dem Boden des Sackes findet man die Rechnung.
Niederlande

Auf dem Brotkorbe sitzen und Hunger schreien.

Auf dem Dache sitzt ein Greis,
Der sich nicht zu helfen weiß.
J. Friedrich Hansen, Studentenlied: In der großen Seestadt Leipzig

Auf dem darfst Holz kliebn, der leidts.
Rott-Tal

Auf dem Dieb ruht ja nicht Gottes Segen.
Estland

Auf dem Dorfe ist gut predigen.

Auf dem Dornbusch wächst die Rose.
i] Es kommt vor, dass auch ein gottloser Vater einen braven Sohn hat.

Auf dem Ehrenberge pfeifen scharfe Winde.

Auf dem eigenen Herde aufräumen.
i] Bei sich selbst anfangen mit Besserung, Ordnung u.s.w. Wenn die Alten ihre Erstlinge den Hausgöttern (Laren) opferten; so sagten sie, um den Gedanken auszudrücken, bei sich zu beginnen oder von der Wiege an: Ab ipso lare. Plato

Auf dem eigenen Kopf bemerkt er nicht einmal ein Kamel, doch auf dem Kopf des anderen sieht er selbst eine Nadel.

Auf dem Eis hat man alles gemeinsam, wer kein Mädchen hat, wählt sich eins.

Auf dem Eise fischen.
i] Etwas verkehrt treiben.

Auf dem Eise ist nicht gut gehen.

Auf dem Eisen nachfolgen.
Wien
i] Jemand, besonders einem Reiter in verfolgender Absicht nachsetzen.

Auf dem Esel- und Pferdemist selten ein guter Vogel ist.

Auf dem Estrich des Fürsten ist man nur in silbernen Schuhen vor dem Ausgleiten sicher.

Auf dem eyse ist nicht gut gehen, denn es hat keine balcken.

Auf dem Fasse sitzen.
z] Die Kerle sitzen alle auf dem Fasse. Goethe

Auf dem Feld des faulen Mannes wachsen Unkraut und Nesseln.
Estland

Auf dem Felde geht auf, was du selbst hineinwirfst, aber im Felde fault, was der Knecht sät.
Estland

Auf dem Feuer bereiten alle ihre Mahlzeit. Gibt es aber Feuer im Dorf, schreien alle.

Auf dem Fichtelgebirge wirft der Bauer einen Stein nach der Kuh und der Stein ist mehr wert als die Kuh.
i] Nach dem Volksglauben soll jeder, auch der gemeinste Feldstein auf dem Fichtelgebirge edle Metalle enthalten. Leider findet sich das Gold nicht in den Steinen, sondern nur im Glauben, in einem reichen Sagenkreise über versunkene Goldschätze.

Auf dem Finsterarhorn holzen.

Auf dem flachen Lande empfängt man gutes und böses Wetter, wenn es schon fertig geworden, im Gebirge ist man gegenwärtig, wenn es entsteht.
Goethe, Italienische Reise I, 8.9.1786

Auf dem flammenden Altar, wo der Suppentopf brodelt, wird Jugend und Unbefangenheit, Schönheit und frohe Laune geopfert, und wer erkennt in der alten, kummergebeugten, triefäugigen Köchin die einst blühende übermütige, züchtigkokette Braut in dem Schmucke ihrer Myrtenkrone?
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Auf dem Floß unserer Irrtümer rudern wir von Halbwahrheiten zu Halbwahrheiten.

Auf dem Flugbret sitzen.
i] Einen Wechsel in einem bisherigen, besonders Amts- oder Dienstverhältnis erwarten oder beabsichtigen.
z] In Wien sitzen vier Botschafter auf dem Flugbret. Schlesische Presse 1878

Auf dem Gannev brennt das Hütel.
Jüdisch-deutsch, Warschau
hdt] Dem Diebe brennt der Hut auf dem Kopfe.
dt] Das böse Gewissen glaubt sich stets verfolgt.

Auf dem Gebiet der Liebe verachtet der Sohn den Vater, auf dem des Geschäfts verachtet der Vater den Sohn.
Peru

Auf dem Gebiete der Kunst wird die Angst vor dem Leben zur Angst vor dem Gefühl.
Henry Bordeaux, La peur de vivre, Vorwort

Auf dem gefallenen Manne will jeder herumtreten.

Auf dem Gesicht des Diebes wächst kein Gras.
Togo
i] Er ist an äußeren Merkzeichen nicht zu erkennen.

Auf dem Gesicht des Menschen steht seine Geschichte.
Russland

Auf dem Gipfel der Zustände hält man sich nicht lange.
Goethe, Dichtung und Wahrheit IV, 17

Auf dem Gipfel des Namera gedeihen die Palmen nicht.
Russland

Auf dem Gipfel ist immer (noch) Platz.
USA
en] There is always room at the top.

Auf dem Glück der Fabel beruht freilich alles, man ist wegen des Hauptaufwandes sicher, die meisten Leser und Zuschauer nehmen denn doch nichts weiter mit davon, und dem Dichter bleibt doch das ganze Verdienst einer lebendigen Ausführung...
Goethe, An Schiller, 5.4.1797

Auf dem Grabe des Feindes duften die Blumen betörend.

Auf dem Grabstein sind alle Juden schön.
Jiddisch

Auf dem Grund unserer Seele liegt so viel kleinliche, schäbige Eigenliebe in jeder Gestalt verborgen, so viel widerliche und höchst empfindliche Ehrsucht.
Gogol, Vier an verschiedene Personen gerichtete Briefe, die 'Toten Seelen' betreffend

Auf dem Grunde bleibt der Stein, der Fluss mag noch so stürmisch sein.

Auf dem Grunde sind die Hefen.
ho] Op den grond van het vat vindt men de hef.

Auf dem Gurkenblatte steht's geschrieben: wer die Nacht über wacht, schläft den Tag über.
Ägypten

Auf dem Gut laß die Hände gehen.
Estland
i] Man darf stehlen.

Auf dem Haupte der Ehrlichkeit hausen die Götter.
Japan

Auf dem Herde des Reichen gefriert kein Wasser.

Auf dem Herrendienst arbeitet sich niemand zu tot.

Auf dem Himmelswege steht kein Korn, da wächst nur Disteln und Dorn.

Auf dem hohen Pferde sitzen.

Auf dem hohen Westerwalde brauchen die Kirschen zwei Jahre Zeit, um reif zu werden.
i] Im ersten Jahre werden sie auf dem einen, im folgenden auf dem andern Backen rot. Mit diesem Worte zeichnet der Volkswitz die ganze Obstkultur des genannten Landstrichs.

Auf dem Holzweg (o. schief gewickelt) sein
i] Auf einem Irr- oder Abwege. Auf dem falschen Dampfer sitzen
en] to be an the wrong tack
en] to be barking up the wrong tree
en] to be off the rails (o. the track)
en] to be quite afield
en] to be quite off the mark
fr] faire fausse route
fr] se mettre (o. se fourrer) le doigt dans l'oeil (jusqu'au coude)
it] essere fuori strada
la] a lineis excidere (Tertullianus, Adversus Hermogenem)

Auf dem Hunde sein.
i] In schlechten Umständen sein.

Auf dem ist kein Segen, der schlecht von seiner Familie spricht.
Jiddisch

Auf dem jetzigen Grade der Kultur kann Lessings 'Emilia Galotti' nicht mehr wirksam sein. Untersuchen wirs genau, so haben wir davor den Respekt wie vor einer Mumie, die uns von alter, hoher Würde des Aufbewahrten ein Zeugnis gibt.
Goethe, An Zelter, 27.3.1830

Auf dem Katzenbänklein (o. Katzenstühlchen) sitzen.
i] Platz der Strafe oder Zurücksetzung, Missachtung.
z] ... In dem ersah ich einen Poeten dort auf dem Katzenbänklein sitzen.
z] Das ist ein fein Katzenstülchen, sie meinen, sie wollen die ganze heilige Schrift hinein und hinausziehen.
Luther

Auf dem Kerbholz stehen.
i] Schulden haben.

Auf dem Kirchhof holen auch die Jungen die Alten ein.
Estland

Auf dem Kirchhof muss man nicht schlafen.
ho] Op een kerkhof moet men niet slapen.

Auf dem Kirchhof treffen alle Wege zusammen.

Auf dem Kirchhof werden alle Händel verglichen.

Auf dem Kissen erzogen sein.
i] Von verweichlichter Erziehung.
z] Als thund die jungen burgerskind, die auf dem küssen zogen sind, nie in kein zucht gesehen handt, kein sitt gelernt in frembden landt.

Auf dem Kissen sitzen wollen.
i] Es bequem haben oder geehrt sein wollen.
z] Ich dorfft kein schelmen nit beschweren, baizen, gerben, oder leeren; sie hond so viel dückischer witzen, das sie wöln auf eim küssen sitzen.
z] Sie könnent sich so dückisch weren, denn sie viel rincken rancken wissen und wölend sitzen auf eim küssen.

Auf dem Kissen sitzen.
i] Hochangesehen sein, ein Staatsamt bekleiden, den Ehrenplatz haben.
z] Die schelmen hand hiendurch gerissen, dass sie sitzen auf dem küssen und brangen oben an dem brett.

Auf dem Kleide eines ehrlichen Mannes haftet kein Flecken lange.

Auf dem könnt' man Rüben anbauen.
Troppau
i] So schmutzig ist er.

Auf dem Kopfe der Riesen sind Zwerge große Leute.

Auf dem Kopfe des Schelmen brennt die Mütze.
it] In conca macca pagu durat berritta.
pl] Na złodzieja czapka gore.
ruth] Na złodija szopka horyt.

Auf dem Kopfe gehen (o. stehen).
i] Etwas der Gewohnheit Entgegenlaufendes tun.
z] Der, dem du (Bacchus) steckst im Kopf, vergisst der Liebespflicht; er gehet auf dem Kopfe und kennt sich selber nicht.
z] Ist einer betrunken wie ein Schwein, dass er auf dem Kopfe zu Bett geht.
z] I ha müesse ufe chopf sta, da ni das gsee ha. Schweiz (Um den höchsten Grad von Erstaunen auszudrücken)

Auf dem Kopfe Putz, an den Füssen Schmutz.
pl] Na głowie koło, na dupie goło.

Auf dem Kopfe stehen und den Beinen einen Feiertag machen.
Breslau
i] Antwort auf die Frage: Was soll ich machen?

Auf dem Kopfe stehen und mit den Hühneraugen denken.

Auf dem Kopfe tanzen.
i] Von höchster Verkehrtheit oder außerordentlicher Kunst.
fr] Se mettre au-dessus des préjuges.

Auf dem Krautmarkt gilt ein Kopf so viel als der andere.
i] Aber im Weltleben ist es mit Menschenköpfen anders, diese werden gewogen, nicht gezählt; wenigstens von einer klugen Regierung und in schwierigen Angelegenheiten

Auf dem Kummte reiten.

Auf dem Lande ist die Rübe billiger als auf dem Markt.
Estland

Auf dem Leihhause Gevatter stehen.
i] Sachen gegen ein Darlehn verpfändet haben.

Auf dem Lotterbett liegen.
la] Herculani lecti.

Auf dem Markt glaubt niemand an höhere Menschen.
Nietzsche

Auf dem Markt hilft kein Weinen.
fin] Ei auta itku markkinoilla.

Auf dem Markt lernt man die Leute kennen.

Auf dem Markt sind mehrere Dumme.
Estland

Auf dem Markt und im Handel hat jeder frei Wandel.
it] In piazza e in mercato ognuno è licenziato.

Auf dem Markt werden mehr Heringe als Seezungen verkauft.
fr] On vend au marché plus de harengs que de soles.

Auf dem Markte gibt es mehr Kälber als Ochsen.

Auf dem Markte gibt es nur zweierlei Kühe: tragende und solche, die eben gekalbt haben.

Auf dem Markte ist nur, was man dahin bringt.
fr] Il n'y a au marché que ce que l'on y met.

Auf dem Markte lernt man die Leute besser kennen, als in der Kirche (o. im Tempel).
la] Fraus sublimi regnat in aula.

Auf dem Markte lernt man kaufen.
en] Buy at a market, but sell at home.
sp] Comprar en feria, y vender en casa.
un] Meg tanít, a' piatz vásárlani.

Auf dem Markte muss jeder auf seine Bude (Ware) achten.
bm] Trhový den hled kazdy svého.
pl] Targowy dzień, pilnuj każdy swego.

Auf dem Markte tanzen, macht viel Staub.

Auf dem Markte verkauft man mehr Heringe als Seezungen.
Frankreich

Auf dem Marmor wächst kein Haar.

Auf dem Maul liegen bleiben.
Schlesien
i] Vor Anstrengung, Ermattung.

Auf dem Meer nach Wasser gucken.

Auf dem Meer sagt niemand zu dir: 'O du mit dem ehrwürdigen Bart!'
Jemen
i] Die Angst macht alle gleich.

Auf dem Meer und im Kriege lässt sichs nicht zweimal umwerfen.

Auf dem Meere gibt es keine Herren.

Auf dem Meere jagen.

Auf dem Meere kann man übel entlaufen.

Auf dem Meere säen.
i] Eine vergebliche Arbeit tun.
la] Arare littus. Aethiopem lavare.

Auf dem Meere schwört man es, und auf dem Lande hält man es nicht.
Russland

Auf dem Messer könnte man bis Rom reiten.
i] So stumpf ist es.
en] A good knife, it was made five miles beyond Cutwell.

Auf dem Mist der Lerche wächst ja kein Brot, wenn man den Mist der Kuh nicht bekommt.
Estland

Auf dem Miste geboren und aus Dreck zusammengesetzt.
i] So schildert Tacitus (homines stercore nati lutoque compositi) den römischen Pöbel.

Auf dem Miste sterben.
In den elendesten Umständen.
fr] Il mourra sur un fumier.

Auf dem Nullpunkt (o. einem Tiefpunkt) angelangt sein
en] to have reached zero level (o. rock bottom o. an all-time low)
fr] être au point zéro
it] essere a zero

Auf dem obrigkeitlichen Schimmel herumreiten.
i] Die Boten der Eidgenossen, wenn sie in oder außer dem Lande Geschäfte hatten, ritten ehemals. Zu ihrem Dienste wurden auf öffentliche Kosten Pferde gehalten. Als auch später diese Einrichtung aufgehoben ward, behielt man doch das Sprichwort bei. Der obrigkeitliche Schimmel blieb aber ein Lieblingspferd, das noch heute überall geritten wird.

Auf dem Ofen sitzend wird man kein General.

Auf dem Ohr hört er nicht.
i] Ton auf 'dem', um zu sagen, gegen diese Bitte bin ich taub, davon will ich nichts wissen. Von der Seite muss man ihn nicht anfassen, von dieser Sache will er nichts wissen.
en] He cannot hear on tat ear.
fr] Parlez-lui du côté de sa bonne oreille.

Auf dem Pferde des heiligen Franciscus reisen.
i] Zu Fuß, wie die armen Franciscanermönche im Gegensatz zu den reichen Benedictinern, die zu Pferde reisten.
it] Andare sul cavallo di San Francesco.

Auf dem Pferde sitzen und es suchen.

Auf dem Pferde sitzen, heisst nicht reiten.

Auf dem Pferdemarkt verkauft man auch Esel.

Auf dem Pflaster nimm die Zügel in die Hand.
i] Empfiehlt langsames Reiten auf dem Pflaster.
fr] Bride en main sur le pavé.

Auf dem Polster wird kein großer Mann.
bm] Na mĕkkých polstářich se jména nedobývá.

Auf dem Präsentierteller stehen.
i] Sich auf den Präsentirteller stellen.

Auf dem Rade sein.
i] Große Angst, Marter und Pein leiden.

Auf dem Rande des Glases tanzen böse Geister.

Auf dem Rasen, wo man geboren, lebt man am liebsten.

Auf dem rechten Trumm sein.
la] Sine capite fabula.

Auf dem rechtschaffenen (d.i. rechten) Wege stolpert der Fuß nicht.
Estland

Auf dem Rehfüsschen stehen.
i] Nicht Stand halten wollen.

Auf dem richtigen Weg wird die natürliche Veranlagung Weisheit.

Auf dem rollenden Stein wächst kein Moos.
i] Anerkennend von Fleißigen.

Auf dem Rücken kann man einen Zentner tragen, auf der Nase nicht ein Pfund.
i] Nach Filanghieri verhält es sich mit den Steuern wie mit den Gewichten; ein Mensch kann einen Zentner auf dem Rücken tragen und unterliegt der Last eines Pfundes auf der Nase. Auf der Entwicklung dieses einzigen Grundsatzes beruht die ganze Kenntnis der verwickelten Theorie der Finanzen.

Auf dem Rücken liegen.
la] Incubare petasonem.

Auf dem Rücken wächst ja kein Hafer.
Estland

Auf dem Rücken zur Messe (Kirche) gehen.
Leipzig

Auf dem Rückwege sind die Lahmen die Vordersten.

Auf dem Salzfluss rudern (fahren).
i] In den Vereinigten Staaten, um eine politische Niederlage zu bezeichnen. (To row up Salt river.) Der Salt River in Kentucky ist wegen seines gewundenen Laufs und seiner vielen seichten Stellen sehr schwer zu befahren.

Auf dem saubersten Kattun zeigt sich der Schmutz am schnellsten.
Schwarze in den USA

Auf dem Schaumlöffel liegen bleiben.
i] Vom Gesinde, das seit Michaelistag noch nicht verdingt worden ist.

Auf dem Schiff der neuen Zeit,
auf dem Schiff der Zukunft seid
ihr Soldaten! Ihr Matrosen!
Ihr - die grauen Arbeitslosen!
Tucholsky, Arbeit für Arbeitslose

Auf dem Schiffe gilt kein Stand, alt der Matrosenstand.
Russland

Auf dem Schiffe sind die Matrosen Trumpf.

Auf dem Schimpel sitzt der Neid.
Oberösterreich
z] Wessen Heiratsbrot zuerst zu schimpeln anfängt, der Teil stirbt zuerst.

Auf dem Schlitten ist englisch Fahren und teuflisch Umwerfen.
pl] Na saniach anielskie wożenie, ale djabelskie wywrócenie.

Auf dem Schnappbänkel sein.
Elsass
i] Am Rande, zum Überschlagen bereit, auf dem Entscheidungspunkte.

Auf dem Schnee und auf dem Eber wird mir mein Sach' wäger.
i] Alter Weidspruch.

Auf dem Schutthaufen liegen die Porzellanscherben einer Vase zusammen mit den Tonscherben einer Schüssel.

Auf dem schwarzen Rocke sieht man jedes Stäublein.
ho] Op een zwarten rok ziet men zoo ligt een wit pluisje.

Auf dem Schwarzwald wächst wenig Wein dies Jahr.

Auf dem Seil gehen (tanzen).
z] Sollet euch hüten für Häusern, wo die Frau der ehren nicht fromb ist, hilft mit Helen und Platzhalten, auf dem Seil gehen, den Beeren führen, kuppelt, trägt nur Mundmähre und böse Botschafft.
la] Ire per extentum funem. Horaz

Auf dem Sinai redet man nur mit Donner und Blitz.
z] Auf dem Berg Sinai zu Rom redet man anders nicht, als mit Donner und Blitzen, zu verstehen gebende den Bann des Papstes.

Auf dem Sofa kann man nicht schmieden lernen.
Estland

Auf dem Spiel gilt alles.
i] So werden z.B. mindergehaltige Münzen im Spiel für voll berechnet und angenommen.

Auf dem Sprunge stehen.
i] Im Begriff zu gehen sein.
ho] Hij staat op den sprong.

Auf dem Stecken pfeifen.
i] Müßig gehen, unnütze Dinge treiben.
z] Geyget auf der Nussschale, pfiff auf den stecken.

Auf dem Stephansplatze (in Wien) ist's entweder kotig oder windig.
i] Nach einer alten Sage hat der Teufel, um die Vollendung des Turmes zu hindern, Wind und Regen in Dienst genommen, ist, da ihm seine Absicht nicht gelungen, verdrießlich im Turm hinaufgefahren, ohne zuvor Wind und Regen, die auf ihn auf dem Plane warten sollten, zu entlassen.

Auf dem Stipfl.
i] Punkt. - Schnell, aufs Genaueste, aufs Härchen.

Auf dem Stumpf einer Fichte wächst nie eine Birke.

Auf dem Teufel reiten.
z] Alle Schwüre muss bereits der Teufel versiegeln und glaubt man, die Wahrheit könne nicht gehen, sie müße auf dem Teufel reiten.

Auf dem Theater sollen wir nicht lernen, was dieser oder jener einzelne Mensch getan hat, sondern was ein jeder Mensch von einem gewissen Charakter unter gewissen gegebenen Umständen tun werde.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Auf dem Trockenen ist gut segeln und gut baden.

Auf dem trockenen Lande ist es schwer zu ertrinken.

Auf dem Trockenen sitzen.
i] In Verlegenheit sein. Von Schiffen, die das Fahrwasser verloren haben, entlehnt. So sagen aber auch die Studenten, wenn sie kein Geld haben.
ho] Hij zit op het drooge.

Auf dem Trocknen ist nicht gut fischen.

Auf dem Turf sind alle Menschen gleich, und unter ihm auch.
England
i] Turf kann sowohl Rennplatz wie Rasen bedeuten.

Auf dem vergifteten Baume der Welt voll bitterer Früchte
Blühn zwo Blüten, vom Tau himmlischer Güte betaut.
Dichtung die eine, sie labet den Geist mit Wasser des Lebens;
Freundschaft die andre, sie stärkt, heilt und erquicket das Herz.
Herder, Stimmen der Völker in Liedern (Indisch)

Auf dem Wagen vorn, auf dem Schiff hinten.

Auf dem Weg der Freundschaft soll man kein Gras wachsen lassen.
fr] Il ne faut pas laisser croître l'herbe sur le chemin de l'amitié.

Auf dem Weg nach Rom führe kein hinkendes Maultier und keine volle Börse mit dir.
sp] Camino de Roma, ni mula coja, ni bolsa floja.

Auf dem Weg zum Herrgott fressen dich die Heiligen.Rumänien

Auf dem Weg, den viele gehen, wächst kein Gras.

Auf dem Wege der Marxschen Theorie fortschreitend, werden wir uns der objektiven Wahrheit mehr und mehr nähern (ohne sie jemals zu erschöpfen); auf jedem anderen Wege aber können wir zu nichts anderem gelangen als zu Konfusion und Unwahrheit.
Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus

Auf dem Wege schultert man die Bürde. (Einmal begonnen, lässt sich alles leichter vollbringen)

Auf dem Wege schultert man die Bürde.
i] Wenn man nur erst Hand an die Sache gelegt hat, so kann man während der Ausführung noch manches daran verbessern. Einmal begonnen, lässt sich alles leichter vollbringen.
it] Per camino s'acconciano le some.

Auf dem Wege sieht man, ob man gut gepackt hat.

Auf dem Wege zu den Gelben Quellen gibt es weder Alte noch Junge.
i] Gelbe Quellen bezeichnen das Totenreich.

Auf dem Wege zum Heile steht: Wanderer, eile!

Auf dem Wege zum Himmel muss man sich biegen und schmiegen.
ho] De weg naar den hemel is zoo naauw, dat het hemd nog uit moet.

Auf dem Wege, den viele gehen, wächst kein Gras.

Auf dem weichen Polster sitzen.
i] Gute Tage haben.
z] Gott will nicht, dass wir alle Tage auf dem weichen Polster sitzen.

Auf dem wiener Portale stehen nur Vokale.
i] Über dem Portale der Burg stehen nämlich die Buchstaben A.E.I.O.V. (U); und jeder kann sich nun nach Belieben einen Vers dazu machen. Es gibt deren auch bereits eine Menge, die vorherrschend von viel Selbstgefühl Zeugnis geben, doch mit den wirklichen Verhältnisen wenig im Einklang stehen, z.B.: Alles Erdreich Ist Österreich Unterthan. Aller Ehren Ist Österreich Voll. Austriae Est Imperare Orbi Universo (Österreich gehört der Welt Herrschaft). Austria Erit In Orbi Ultima (Bis zuletzt wird Österreich auf Erden sein). Austriaci Erunt Imperatores Orbis Ultimi (Die letzten Kaiser der Erde werden die österreichischen sein).

Auf dem wohlfeilsten Markte kaufen.
i] Von wertlosen Sachen sagt man, sie sind auf dem 'wohlfeilsten Markte' gekauft.

Auf dem Wunderstuhl (Präsentierteller) sitzen.
z] Auf dem Wunderstuhl sitzen ist eigentlich ein beliebtes Gesellschaftsspiel.

Auf dem zahn ausgohn.
z] Der mag wohl seyn ein thorecht man, der nicht waiss auf welchem zan sein eigen sach müg aussher gan.

Auf dem Zahnfleisch laufen.
i] Wenn jemand die Sohlen von den Schuhen verloren hat oder verliert.
ho] Hij loopt op zijn tandvleesch.

Auf dem Zaune reiten.
i] In Nordamerika soviel, als in politischen Dingen sich neutral halten.

Auf dem, der unterliegt (o. unten liegt), soll man nicht sitzen.
pl] Nie goń tego co sam ucieka.

Auf dem, der unterliegt, soll man nicht sitzen.

Auf demselben Esel reiten.

Auf den Aalfang gehen.
i] Von denen, die ihres eigenen Nutzens wegen Zwietracht und Aufruhr erregen. Wenn das Wasser still ist, fangen die Aalfischer nichts, erst wenn es tüchtig gerührt wird) [la] Anguillam captare. [z] Alss man nicht lichtlich die Ale venge, men hebbe dan tho vorn dat Water gewlomet. (Wlomen, jetzt flöwen = trüben.) (Neocorus, II, 163.)

Auf den Abend soll man den Tag loben.
la] A solis occasu, non abortu, describe diem. - Diem vesper commendat.

Auf den alten Kaiser beten.
z] So bat (betete) ich weder umb das Zeitliche noch ewige, sondern betete auf den alten Kaiser hinein wie ein viehe.

Auf den alten Kaiser borgen (o. zechen, zehren).
i] Ohne an das Bezahlen zu denken.
fr] Emprunter pour ne pas rendre.
fr] Manger et boire à bon compte.

Auf den alten Kaiser dahinleben.
z] Jetzt glaub' ich erst recht, dass er ein kühnes Soldatenherz habe, sein Leben wacker dranzuwagen, weil er gleichsam ohne Religion und Gottesdienst auf den alten Kaiser hinein dahinleben und seine Seligkeit in die Schanz schlagen darf.
fr] Vivre au jour la journée.

Auf den alten Kaiser heiraten.
z] Ein jeglicher Rotz- und Bettelbub, ein jeglicher armer Tagewerker muss ein Weib haben; sie heurathen auf den alten Kaiser hinein.

Auf den alten Kaiser hinein stehlen.

Auf den alten Kaiser sündigen.
i] Ohne an Strafe und Bezahlung zu denken. Wenn ein Regierungswechsel in Aussicht steht, ist die Verwaltung in der Regel schlaff. Der neue Kaiser pflegte beim Antritt seiner Regierung eine Amnestie zu erlassen, auf deren Rechnung man sich manches erlaubte.

Auf den alten Kaiser warten.
ndt] Uf da alta Kaiser warta.
i] Auf jemand warten, der nicht mehr kommt, oder auf etwas, für dessen Kommen es an jedem Grunde fehlt. Es scheint, als sei diese schwäbische auf den alten Kaiser bezüglichen Redensarten aus dem Glauben an die Wiederkehr des alten Kaisers Friedrich entsprungen.

Auf den alten Mann bauen, ist misslich.

Auf den Altenteil gehen.
i] Ins Ausgedinge, sich von der öffentlichen Tätigkeit zurückziehen.

Auf den armen Hausmann kommt alles.

Auf den Ball gehen.

Auf den Bauer den Stock, auf den Adel das Schwert.
Polen
i] Die Sprichwörter, die vom Bauer handeln, fordern zum Vergleich des jetzigen Zustandes der ländlichen Bevölkerung mit dem frühern auf, sie schildern, was der Bauer in einem unfreien Zustande gewesen, wie sklavische Verhältnisse den Charakter verderben, sie zeigen, als was man den Bauer betrachtet, wie man über ihn gedacht und wie man ihn behandelt hat. Wenn wir den jetzigen Bauer unter freiern Verhältnissen mit dem frühern Bauer, wie er uns in den Sprichwörtern überliefert wird, vergleichen, so finden wir wol, dass ihm noch ein Rest dessen, was die feudalen Verhältnisse aus ihm gemacht haben, anklebt, allein wir sehen auch, wie vortheilhaft er durch die Freiheit umgebildet ist.

Auf den Bäumen fischen wollen.
ho] Het is kwaad visschen op de boomen.

Auf den Befehl von Müttern öffnet sich das Paradies.
Ägypten

Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte.
Friedrich Schiller, Die Braut von Messina IV, 8 (Chor)

Auf den Blocksberg reiten.
i] Den Hexentanz halten, sich bei einer Hexen- oder Zauberversammlung einfinden.
fr] Aller (venir) au Labat.

Auf den Boden sehen, wie die Hexe vor dem Kirchentor.

Auf den Brandsohlen gehen.

Auf den Bratwürstelsonntag.
i] So heisst im Volksmunde in Oberösterreich der erste Sonntag im Advent. Es ist alte Sitte, dass zu Mittag Bratwürste auf den Tisch kommen, hier und da pflegen auch die Fleischer ihren Kunden dergleichen zum Geschenk ins Haus zu senden.

Auf den bruch gewonnen, auff dem Meer entrunnen.

Auf den Busch klopfen.
i] Auf etwas so raten, als wisse man es schon, durch Fragen etwas herauszulocken suchen, besonders einen Tatbestand, der verheimlicht oder geleugnet wird, oder jemand vorsichtig erst aushorchen, ehe man ihm ein Gesuch vorträgt. Wohl vom Jäger entlehnt, der auf den Busch klopft, um ein Wild aufzujagen. In Franken 'schlöcht' man 'in Busch'.
fr] Battre les buissons.

Auf den dritten Ukas warten.
i] Man glaubt in Russland, wie an vielen andern Orten, genug getan zu haben, wenn etwas anbefohlen worden ist; um die Ausführung kümmert man sich wenig. Man wartet bis es zum zweiten oder dritten mal angeordnet wird.

Auf den Erbsensack knien müssen.

Auf den ersten besten Zopf anbeißen.
i] Sich leicht täuschen, anführen lassen.

Auf den ersten Hieb (o. Streich) fällt kein Baum.
fr] Au premier coup ne tombe (o. choit) pas l'arbre.

Auf den ersten Hieb fällt kein Baum.
fr] Au premier coup ne chet pas l'arbre.

Auf den ersten sichern Blick kommt alles an, das übrige gibt sich...
Goethe, An Charlotte v. Stein, 29.12.1786

Auf den ersten Streich fällt kein Baum.
fr] Au premier coup ne tombe (o. choit) pas l'arbre.

Auf den Esel sitzen vnd denselben suchen.

Auf den esel sitzen.
Luther

Auf den Fehler.
Rottenburg

Auf den Fischmarkt früh, in die Fleischbank spät.
Italien

Auf den französischen (hier: leichtsinnigen) Wandel folgt das spanische Rohr.

Auf den Frühling folgt der Sommer.

Auf den Fürzen des Zaren reiten.
Russland

Auf den Füßen sein wie eine Gans.
i] Sehr wackelig einhergehen.

Auf den Fußspitzen herumschleichen.
i] Heimlich und sehr vorsichtig etwas tun, Geräusch und Aufsehen vermeidend.

Auf den Geist muss man schauen. Denn was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele wohnt.
Euripides, Fragmente

Auf den Geiz wuchern.
Niederlausitz
i] Wenn jemand eine Zigarre so kurz abraucht, dass ihm das Feuer in den Mund zu kommen droht.

Auf den Gekränkten fällt im Munde der Leute
Das Unrecht, wie gewöhnlich.
Dante, Paradies, XVII, 52

Auf den Geldbeutel und ein junges Mädchen muss man ein wachsames Auge haben.

Auf den glogauischen Brand betteln.
i] Großglogau hat mehrere beträchtliche Brände erlitten. Man machte früher sehr häufig Volkslieder auf dergleichen Unglücksfälle. Die Melodien derselben waren natürlich traurig und jammernd. Man will daher mit der obigen Redensart einen klagenden, die Ohren nicht erquickenden Gesang bezeichnen.

Auf den Gräbern wachsen die schönsten Rosen.

Auf den großen Haufen scheißen.

Auf den größten Schiffen sind die meisten Mäuse.

Auf den Grund der Dinge sehen heisst, ein und dieselbe Sache sehen.

Auf den Grund gehen.
i] Etwas gründlich untersuchen oder betreiben.

Auf den guten Kopf paßt auch eine zerrissene Pelzmütze.
Rumänien

Auf den hab ich einen Zahn.
i] In feindlichem Sinne: er hat mich beleidigt, ich hasse ihn, ich habe ein Hühnchen mit ihm zu pflücken.

Auf den Hadermarkt gehen.

Auf den Hals kommen.
z] Wie es nun also überbund hergieng, kam indessen die gantze Kriegslast dem Churfürsten von Sachsen auff den Halss.

Auf den Hals treten (o. schlagen) oder auf den Nacken ist eins.
ho] Het is al een, sla mij aan den nek of aan den hals.

Auf den Hefen sitzen.
i] Sehr heruntergekommen sein.
fr] Il est bien bas, est bas percé.

Auf den heiligen Joseph überhaupt haben es die Künstler abgesehen. Die Byzantiner, denen man nicht nachsagen kann, dass sie überflüssigen Humor anbrächten, stellen doch bei der Geburt den Heiligen immer verdrießlich vor.
Goethe, Maximen und Reflexionen 64

Auf den hellsten Tag folgt eine dunkle Nacht.

Auf den Herkules schelten, kann nicht viel gelten.
la] Frustra Herculi.

Auf den Höhen ist es wärmer, als man in den Tälern meint, namentlich im Winter. Der Denker weiß, was all dies Gleichnis besagt.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Auf den Hund bringen.
i] Unglücklich machen.

Auf den Hund kommen.
i] Um das Herabkommen eines Menschen in seinen Vermögensverhältnissen zu bezeichnen.

Auf den Jüngsten Tag vertrösten.

Auf den Jüngsten Tag wird eine Grafschaft so viel gelten als ein Fürstentum.

Auf den Juni kommt es an, ob die Ernte soll bestahn (bestehen):
nicht zu nass und nicht zu kühl, nicht zu trocken, nicht zu schwül.

Auf den Juni kommt es an,
ob die Ernte soll bestan.
Juni, feucht und warm,
macht keinen Bauern arm.

Auf den Kamm beißen.

Auf den kann man Häuser bauen.
i] Um großes Vertrauen auszudrücken.

Auf den Kässonntag.
i] Diese Bezeichnung führt, namentlich in Tirol, der erste Sonntag in der Fasten, Invocavit. An diesem Sonntage fand in verschiedenen Ortschaften ein Fastenmarkt statt, an dem sich die Leute mit Fastenware, zu denen der Käse gehörte, versorgten. Später wurde dieser Markt und wird im Bezirksamt Meran noch jetzt am Sonnabend vor Invocavit abgehalten, der deshalb auch Kässamstag heisst.

Auf den Katerstieg gehen.

Auf den Kerbstock lossündigen.
ndt] Up de Karvstock löss sündigen.

Auf den Kern gehört der Stern.
i] Anerkennung dem, der sie verdient, dem Würdigen. Die Verschwendung von Lob verringert seinen Wert.

Auf den Kirchhof kommt man immer noch zu früh.
dä] Ondt at komme ind hvor alle komme grædende ud.

Auf den Kopf geben (bezahlen, fallen, geloben, kehren, nehmen, vergelten).
z] Alles Übel der Männer Sichem vergalt ihnen Gott auf ihren Kopf.
z] Und der Herr ihm bezahle sein Blut auf seinen Kopf. 1 Kön. 2, 32
z] Es (das Blut) falle aber auf den Kopf Joab. 2 Sam. 3, 29
z] Kehre ihre Schmach auf ihren Kopf.
z] Lügen haben wir (mit unserm Mönchsgelübde) oder wie die Deutschen reden, den Teufel und das höllische Feuer auf unsern Kopf gelobt.
Luther
z] Ich nehme die Verantwortung auf meinen Kopf.

Auf den Kopf gefallen sein.
i Um zu sagen: geistig beschränkt, dumm sein, kommt aber nur noch in der verneinenden Form vor.

Auf den Kopf springen und sich zwischen die Hörner setzen.
Luther

Auf den Kopf stellen.
i] Umkehren, das Unterste zu oberst kehren.
z] Er riskire, dass jener wüthende Despot ihn und die ganze Nation auf den Kopf stelle Goethe (Vor Wut die unsinnigste Rache ausübe)
z] Man setzte die Kegel auf den Kopf, und wollte ernten, statt dass man säen sollte. Herder, Zerstreute Blätter
z] Und so wäre denn die liebe Welt geognostisch auf den Kopf gestellt. Goethe

Auf den Kopf zielt er und die Füße schlägt er.

Auf den Krautstauden wachsen keine Seidenwürmer.
i] Wenn man sich wundert, woher ein Armer die Mittel zur Bestreitung eines Aufwandes nimmt, der seine Einnahme weit überschreitet.

Auf den Lack krieche ich nicht.
i] Hier beisse ich nicht an; so lasse ich mich nicht übertölpeln.

Auf den Lahmen schimpft man, errate es, Hinkender.
Böhmen

Auf den Latten gehen.
i] Alles durch Liederlichkeit durchgebracht haben.

Auf den letzten Eisen gehen.

Auf den Leuchter das Licht, unter den Kübel nicht.

Auf den Lilien sitzen.
i] Eine Stelle in den oberen Gerichtshöfen Frankreichs haben, ein Ausdruck, der sich auf die Sitze bezog, die in den obern Gerichtssälen mit Lilien ausgeschlagen waren.

Auf den Magen sieht man nicht, aber auf den Kragen.

Auf den man nicht wartet, von dem hält man nichts.

Auf den Markt gehört gute Ware und Gewinn mit Fug, aber kein Betrug.

Auf den Markt kommen, wenn die Kaufleute schon fort sind, macht arme Krämer.

Auf den Masttag folgt ein Fasttag.

Auf den Mehlsack klopfen.
ho] Hij klopt op den meelzak, dat het stuift.

Auf den Mehrer folgt ein Verzehrer.

Auf den Mendogsberg gehen.
i] Verhüllend für: sterben. Mendogs Berg bei Nowogrodek ist in einen Kirchhof verwandelt. In einer litauischen Ballade heisst es: 'Wohin führst du mich? Nach Haus. Fern auf Mendogs Berg es stehet. Tags ein jeder ein dort gehet, nachts nur heimlich ziehn wir aus.

Auf den Menschen abgestimmt
la] ad hominem

Auf den Menschen, die sich... nicht fügen, ruht die Zukunft der Menschheit.
Paul Ernst, Zusammenbruch und Glaube

Auf den Mist kommen.
In eine unangenehme Lage.

Auf den Mönch, der ein Weib nimmt, wartet die Hölle; auf den Mönch, der auf einem Esel reitet, wartet der Schlamm.

Auf den Nagel trinken.
i] Die Probe eines völlig ausgetrunkenen Weinglases machen, indem man es umgekehrt auf den Nagel setzt und die letzten Tropfen davon abschlürft, nach der Altvordern Sitte.
fr] Boire rubis sur l'ongle.

Auf den Nimmerleinstag, wenn die Otter mit dem Fisch eins wird.

Auf den Ohren sitzen.
ndt] Up de Ôren sitten.
i] Nicht hören wollen, was gesagt wird.

Auf den Pfennig scheißen.
Ostpreußen
i] Knickerei.

Auf den Pfennig sehen und den Dreier fahren lassen.

Auf den Pflüger folgt der Säer, auf den Pflanzer der Mäher.

Auf den Plotz verkaufen.
i] Soviel als in Bausch und Bogen.
la] Summaria indicatura.

Auf den Plutz.
i] Zu ergänzen: geschah es oder wird es erfolgen. D.i. plötzlich.

Auf den Priester folgt der Küster.

Auf den Propf setzen.
i] Zum Schweigen bringen.

Auf den Quast hauen.
i] Hans Quast ist die Bezeichnung für einen albernen, närrischen Menschen.

Auf den Rat und den Einsatz eines Pflegers hin muss nicht nur das Vermögen des nicht Zurechnungsfähigen geschützt werden, sondern auch sein Leben und Wohlergehen. [RSpW]
la] Consilio et opera curatoris tueri debet non solum patrimonium, sed et corpus ac salus furiosi.

Auf den Rauch folgt bald das Feuer.
la] Flamma fumo est proxima.

Auf den Rausch folgt der Katzenjammer.

Auf den Rausch folgt immer der Katzenjammer.

Auf den Reichen wie den Armen sind viel Augen gerichtet.
dä] De rige og de revne holde de alle paa.

Auf den Ruck wird no keh Durchbruch.
Oberlausitz
i] Vom Laxieren entlehnt.

Auf den Ruck wird noch nichts.
Oberlausitz

Auf den Sack schlägt man (o. er) und den Esel meint man (o. er).
i] Oft wird eine Injurie nicht geradezu jemandem zugefügt, sondern mittelbar, indem man Personen, die mit ihm in genauer Verbindung stehen, beleidigt oder ihm zugehörige Sachen beschimpft.

Auf den Salat einen Trunk schad't dem Doktor genung.

Auf den Sand bauen.
Matth. 7, 26
ndt] Dat were up Sand buwet.
Pommern
dä] At bygge paa sand (paa en klippe).
ho] Hij bouwt en toren op het zand.
ho] Hij bouwt op een zandgrond.
ho] Hij timmert op het zand.
la] In harena aedificas.

Auf den Sand geraten.
z] Der deutsche Fremde, welcher mit seinen Sprachkenntnisen (in Paris) irgendwo auf der Straße auf den Sand gerät.

Auf den Sankt Nimmer(mehr)stag verweisen.

Auf den Sankt-Benediktentag (21.3.) säe Erbsen, Bohnen und Zwiebeln.

Auf den Sattel fallen und 's Pferd nehmen.

Auf den Schalk ein Hütlein decken.

Auf den Schergen folgt der Henker.

Auf den Schlitten die Last hinten, auf den Wagen vorne.
Estland

Auf den Sims gehören.

Auf den sollte man mit vier Füßen treten.
Oberösterreich
i] Von jemandem, welcher nur durch wiederholte nachdrückliche Worte oder Strafen u.s.w. zur Ordnung angehalten werden kann.

Auf den Sommer über acht Tage.
Breslau
i] So viel wie auf den Nimmermehrstag.
ho] Te zomer als de kalveren op het ijs dansen.

Auf den Sonntag folgt gern der blaue Montag.
fr] Il n'y a pas de bonne fête, sans lendemain.

Auf den Sparer folgt der Zehrer.

Auf den Speck von Versprechungen beisst kein Jude an.

Auf den Stapel schüttet die Ernten der Erde der Kaufmann.
Schiller, Der Spaziergang

Auf den Stich kommen.
i] Plötzlich, unangemeldet.

Auf den Stolz gehört Schand.

Auf den Strauch schlagen.

Auf den Streit folgt wieder Einigkeit.
pl] Po swadzie lepsza zgoda, po wojnie smaczniejszy pokój, po gorzkiém cukrowniejísza słodyvcz.

Auf den Strich gehen
en] to walk (o. go on) the streets
fr] faire le trottoir (o. l'asphalte) - aller aux asperges (argot)
it] battere il marciapiede

Auf den Stuhl kommen.
i] Ein Landesamt bekommen.

Auf den Stump gehen.
i] In Nordamerika von politischen Rednern, die zur Zeit der Staats- oder Unionswahlen herumreisen, um in Versammlungen für den Candidaten der Partei zu sprechen.

Auf den Stumpf einer Fichte wächst nie eine Birke.
Estland

Auf den Suppen armer Leute schwimmen nicht viel Fettaugen.

Auf den Tag Sankt Gallus (16.10.)
die Weidekuh in den Stall muss,
und der Apfel in den Sack muss.

Auf den Thunersee Erbsen setzen.

Auf den Tisch des Bäckers kommt selten Weißbrot.

Auf den Tisch gehört mehr als ein Decktuch.
it] Altro vuol la tavola, che tovaglia bianca.

Auf den Tisch verweisen.
i] Aus dem nordamerikanischen Parlamentsleben entlehnt, in dem Petitionen, Anträge u.s.w. durch die Redeform: 'Sie auf den Tisch legen' zurückgewiesen werden. 'Auf den Tisch verweisen' heisst im gewöhnlichen Leben dort: eine Bitte nicht gewähren, abschlagen u.s.w.

Auf den Tod eines andern warten.
i] Wie z.B. Substituten und solche, die Altenteile u. dgl. zahlen müssen.
dä] En vente-død.
ho] Het is een dwaas, die zich betrouwt op eens andermans dood.
ho] Het is niet goed, op eens anders dood te hopen, want de een sterft zoo ras als de ander.
ho] Hij wacht lang, die naar eens anders dood wacht.

Auf den Traum ist nicht zu bauen.

Auf den Traum ist nicht zu bau'n.

Auf den Triebs geben.
i] Einem den letzten Rest geben.

Auf den trüben Morgen kommt ein heitrer Tag und aus der netten Jungfer, da wird ein Schlumpersack.

Auf den Tupfen treffen.

Auf den Weg der Wahrheit bringen
la] in viam veram inducere

Auf den Weg zurückbringen.

Auf den Wegen der Freundschaft soll man kein Gras wachsen lassen.
Marie-Therese Geoffrin, auch französisches Sprichwort

Auf den Wein schleicht Armut ein.

Auf den Weinmonat folgt der Wintermonat.
i] Auf vieles ungezähmtes Weintrinken geht es gemeiniglich kühl her und schleicht die Armut ein.

Auf den Wellen ist alles Welle,
Auf dem Meer ist kein Eigentum.
Friedrich Schiller, Die Braut von Messina (Chor)

Auf den werde ich keinen Toast ausbringen.
z] Ursprünglich war der Toast materiell und hatte nichts mit Empfindung zu tun; er war das Stückchen braunen Zwiebacks, welches in jeder Bowle Punsch schwamm. Als in König Wilhelm's oder König Anna's Tagen die modischen Nichtsthuer in Bath sich im heißen Wasser bewegten, ihre Chocolade von schwimmenden Korkbretern einnahmen oder auf unsichtbaren Sesseln sitzend, die Gazette lasen, wurden sie durch die Erscheinung einer Nymphe entzückt und in Staunen gesetzt, welche in einem höchst koketten Anzuge in das Bad kam und glänzend wie Amphiterite selbst aussah, wenn sie im Meer einherschwamm. Die feinen Herren ganz besonders ehrten sie in der derben Art und Weise jener Zeit. Sie tauchten ihre Tassen in das Wasser so nahe als möglich der Stelle, wo die entzückende Nymphe stand und tranken es zu ihrer Ehre und ihrem Ruhm aus. Unter den eifrigen Zuschauern der Galerie befand sich ein junger Mensch im gländzendsten aller Geburtstagsanzüge, mit Schönheitspflästerchen, Puder und Degen, und rief, diesen ziehend, mit allen Blumen und Figuren der Redekunst, die damals gang und gäbe waren, aus, dass er sich einen Kuckuck aus der Flüßigkeit mache, dass er aber entschlossen sei, den Toast darin kosten zu wollen. Damit meinte er die Dame im Bade, welche der Stutzer in solcher Weise mit dem größten Zwieback verglich, der damals zum Punsch gehörte. Da der Sprecher aussah, als wolle er seine Rede zur Tat machen, so entstand ein allgemeines Auseinanderstieben der Wassernymphen mit obligatem Geschrei und Atemloser Pause in der Flucht, eben sowohl zur Verfolgung einladend, als anscheinend sie fürchtend. Die Geschichte verbreitete sich in der Stadt und von dem Tage an wurde das Wort Toast auf die Dame angewandt, zu deren Ehre man trinken wollte, bis es nach und nach die Worte bezeichnete, in denen diese Ehre ausgedrückt wurde. Athenäum

Auf den Wind nicht wette, weil er lang geweht,
Dass er länger werde wehn.
Lieber wette, weil er lang sich nicht gedreht,
Dass er bald sich werde drehn.
Rückert, Vierzeilen

Auf den Wink bedient werden.
fr] Être servi au doigt et à l'oeil.

Auf den Winter folgt (wieder) ein Sommer, aber alte Leute werden nie (ein Alter wird nicht) wieder jung.

<<< operone >>>

DEUTSCH
001 002 003 004 005 006 007 008 009 010 011 012 013 014 015 016 017 018 019 020 021 022 023 024 025 026 027 028 029 030 031 032 033 034 035 036 037 038 039 040 041 042 043 044 045 046 047 048 049 050 051 052 053 054 055 056 057 058 059 060 061 062 063 064 065 066 067 068 069 070 071 072 073 074 075 076 077 078 079 080 081 082 083 084 085 086 087 088 089 090 091 092 093 094 095 096 097 098 099 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599
ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
FRANZÖSISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49
ITALIENISCH
1 2 3 4
LATEINISCH
1 2 3 4
PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10