Weisheiten 217

Blut aus einer Rübe pressen.
i] Ein eben so lohnendes Geschäft wie: den Bock melken, oder wie man auch in Italien sagt: Öl aus der Romagna ziehen, weil dort der Oelbaum nicht gedeiht.
it] Cavar sangue da una rapa.
it] Cavar l' olio di Romagna.

Blut fordert Blut, Tod kettet Tod, ist es nicht durch Henkershand, so ist's durch Gotteshand.
z] Das ist ein wahrer Spruch, der schon zu meines Großvaters und dessen Vaters Zeiten gegolten hat. (Volksbote von Friedrich Friedrich, Prag 1859)

Blut fordert Blut.
la] Quicunque effuderet humanum sanguinem, fundetur sanguis illius.

Blut gerinnt selten, Wasser gerinnt nie.
Estland

Blut hasst Blut.
Estland

Blut im Herzen, Wasser im Auge.
Estland

Blut ist dicker als Tinte (o. Wasser).
i] Die Stimme des Blutes lässt sich nicht verleugnen, die Liebe zu den Blutsverwandten kommt immer wieder zum Durchbruch, wenn zuweilen auch eine Verstimmung eintreten kann.
dä] Blodet er aldrig saa tyndt, det er jo tykkere end vand.
en] Blood is thicker than water.
en] True blood will show itself.
fr] Bon coeur et bon sang ne sauraient mentir.
it] Il sangue non è acqua.
it] Il sangue non fu mai acqua.
it] L'acqua corre, e il sangue tira.
it] La carne della affinità tira.
katalan] La sang no s' pod tornar aigua.
provenc] Lou sang es pas dàigo.
provenc] Lou sang tiro mai que li cordo.
rätorom] Sang non ais (o. es) aua. Engadin
rätorom] Sanc n'è betg ava. Oberhalbsteinisch
rum] Sângele apă nu se face. (Blut wird nicht Wasser)
sp] Más vale onza de sangre que libra de amistad.

Blut ist dicker als Wasser, Krach ist dicker als Blut, und stärker als alle drei beide ist die Gewöhnung.
[ASpW]

Blut ist dicker als Wasser; Krach ist dicker als Blut, und stärker als alle drei beide ist die Gewöhnung. [ASpW]

Blut ist ein ganz besondrer Saft.
Goethe, Faust I, Studierzimmer
Mephisto Vs 1740

Blut ist immer Blut, Wasser (immer) Wasser.
Estland

Blut ist nicht (o. kein) Wasser.
en] Blood will tell.
fr] Le sang n'est pas de l'eau.
fr] Bon sang ne peut mentir.

Blut kann man erben, die Tugend kann man erwerben.
Spanien

Blut kann nicht mit Blut prozessieren.
Estland

Blut kennt des Blutes Mühe.
Estland

Blut kocht ohne Feuer.
sp] La sangre sin fuego hierve.

Blut kriecht, wo es nicht fließen kann.
Afrikaan

Blut kriecht, worin es nicht gehen kann.

Blut lassen müssen.
i] Kürzer: bluten, einen Verlust leiden müssen. Wenn bei den Alten die Soldaten etwas Großes verbrochen hatten, so wurde ihnen eine Ader geöffnet, was man 'Blut lassen' nannte.

Blut macht das Blut warm.
Estland

Blut mag dünn sein, es bleibt doch dicker als Wasser.
dä] Blodet er aldrig saa tynd, at det jo er tykkere end vand.
en] Blood is said never to be so thin, il is still said to be thick than water.

Blut muss fließen.
i] Mit dieser seither auch mit dem Zusatz: wie zu Doperloch sprichwörtlich gewordenen Redensart drang auf der Wahlversammlung zum ersten deutschen Zollparlament zu Doperloch bei Nicktgard. 1868 die österreichische Partei mit Messern auf die Kandidaten der deutschen Partei ein. Niederschlesische Zeitung, 1868

Blut muss ich sehen.
i] Beim Kartenspiel, um zu sagen: Trümpfe müssen fallen.

Blut neigt sich immer Blut zu.
Estland
i] Den Verwandten zu.

Blut rinnt zusammen, hat der Geißbock gesagt.

Blut rinnt zusammen, hat der Schneider gesagt, hat den Geissbock in die Multen gestochen.

Blut ruft (o. schreit) nach Blut.
en] Blood will have blood.

Blut und bloß sein.
Elsass
i] Ganz nackt sein.

Blut und Eisen.

Blut und Qual kleben an unseren schmerzlichen Erkenntnissen, und ein Kind lernt das alles nachmittags flink aus der Fibel.
Günther Weisenborn, Memorial

Blut und Tränen ist.
Th. Mann, Nov. 1940, Radiosendung nach Deutschland

Blut und Wasser schwitzen. (Sich aufs äußerste anstrengen, viel leiden)

Blut vergießen wie Wasser.

Blut ward auch sonst vergossen, schon von alters,
Eh menschlich Recht den frommen Staat verklärte.
en] Blood hath been shed ere now, i'th' olden time,
Ere human statute purg'd the gentle weal.
Shakespeare, Macbeth III, 4

Blut wäscht Blut nicht ab.

Blut wäscht den Schmutz nicht fort.
Afrika, Haussa

Blut weinen.
Altgriechisch
i] Sprichwörtliche Hyperbel. Von sehr schmerzlichen Tränen. Man brauchte diese Redensart vor alters auch, um zu bezeichnen, dass sich jemand durch keine unserer Bitten bewegen lasse. Er würde es nicht tun, auch wenn man Blut (Blutstränen) weine.

Blut will Blut haben.
USA

Blut wird nicht mit Blut ausgewaschen, sondern mit Wasser.

Blut wird nicht Wasser.
Rumänien

Blut zieht nicht, Liebe hält nicht.
Estland

Blut, das fließen soll, bleibt nicht in den Adern.
tü] Akacak kann damarda durmaz.

Blut, du behältst dein Recht;
Schreibt 'guter Engel!' auf des Teufels Hörner,
Drum ward's noch nicht sein Wappenschmuck (o. So sind sie nicht sein Zeichen mehr).
Shakespeare, Maß für Maß, II, 4 (Angelo)

Blut, sagt man, fordert Blut.
Schiller, Macbeth, III, 9 (Macbeth)

Blüte edelsten Gemütes ist die Rücksicht; doch zuzeiten
Sind erfrischend wie Gewitter goldne Rücksichtslosigkeiten.
Storm, Für meine Söhne

Blüte schnell und ohne Regen, verspricht beim Obste großen Segen.

Blutedel - gutarm.

Blutegel lieben den Schwamm.

Blüten sind keine Früchte, aber sie verheißen welche.
dä] Blomster er frugtens faeott-penge.

Blüten sind noch keine Früchte.
ho] Bloemen zijn geene vruchten.

Bluten wie eine Sau.
Steiermark
i] Wenn sie geschlachtet oder geringelt wird.
ndt] Hä blöd as 'ne Suege. Grafsch. Mark

Blut'ger Krieg bringt schönen Sieg.

Blutig ist ja dein Amt, o Schlächter, drum übe es menschlich;
Schaffe nicht Leiden dem Tier, das du zu töten bestimmt.
Leit es mit schonender Hand und töte es sicher und eilig,
Wünschest du selber ja auch: käme doch sanft mir ein Tod.
Wandinschrift im Schlachthaus zu Siegen in Westfalen

Blutige Hand mag kein Erbgut empfahen.

Blutige Hand nimmt kein Erbe.
[RSpW]
i] Der Mörder kann den Ermordeten nicht beerben.

Blutige Zähren weinen.

Blutiger Kopf ist Schlichtfrieds Lohn.
i] Menge dich nicht in die Händel anderer.

Blutsauger an den Staatsfinanzen
la] hirudo aerarii

Blutsfreunde sind oft die ärgsten Herzeleider.

Blutstropfen schwitzen.

Blutsverwandschaft lässt sich nicht verleugnen.
en] Blood will tell.

Blutwurst und Sauerkraut sind das Leibessen der Schwaben.

B-moll singen.
Ostpreußen
i] Soviel als klein beigeben oder Abbitte tun.
i] Der Thorner Rat entschied im Jahre 1605 in Injuriensachen zwischen dem Schulkollegen Andres und dem Kantor: Der Magister solle sein Maul eine andere Zeit besser in Acht nehmen und der Cantor künftig auch B-moll singen, sonst würde ein etc. Rath das Finale halten. Neue preuss. Provinzialblätter, 1853

Bo de Düwel (Teufel) nit selwer hinne kann, do schicket hei sînen Afgesandten hîn.
Waldeck

Bo de Kôrten up dem Dischke sîd, dô is de Düwel drunger.
Waldeck

Bo de lêwe Gott enne Kerke hät, dô hät de Düwel enne Kapelle.

Bo hei nit kratzen konnte, do hâkelde hei.

Bo me sick nit sâtt ittet (isst), do lecket me sick aug nit sât.

Bo me wot Lêwes (Liebes) hät, dô geit me noh.

Bo Müse (Mäuse) sied, dô sied auk Katten.

Bo 'ne Bückse (Hose) is, do gilt ken Rock.

Bo net gehauwe ward getts a ke Spö.
Schwalmgegend in Kurhessen
hdt] Wo nicht gehauen wird, gibt's auch keine Späne.

Bo nix te kriemen is, dô is auk nix te kratzen.

Boa de Düwel nitt selwer kuemen kann, doa schicket he en oalt Wîf.
Grafschaft Mark

Boad ed neids, da schoad neids.
Trier
ndt] Bat't et nit, et schadt ok nit.
fr] C'est de l'onguent miton mitaine qui ne fait ni bien ni mal.
ho] Baal het niet, het schaadt niet, zei Jaap, en hij gaf zijne vrouw nog een' zoen, toen ze al dood was.

Boasiekranke erkennt man an ihren Fußstapfen.
i] Weil die Krankheit, wie die Finger, so wahrscheinlich auch die Zehen raubt. DieSchwarzen in Surinam wollen damit sagen: Wir brauchen uns voreinander nicht zu verstellen, wir kennen uns.

Boass sich bezwäht, bedrett sich.
Henneberg
i] Was zweimal geschehen ist, geschieht wohl auch dreimal. Wird am häufigsten auf Mädchen angewandt, welche schon zweimal ins Wochenbett kamen.

Boben bunt, unne Strunt.
i] Mit Bezug auf diejenigen, von denen man annimmt, dass sie unter schönen Oberkleidern Lumpen und Schmutz, oder unter einer glänzenden Außenseite nur Armut und Bettelhaftigkeit verbergen. Schambach nimmt an, dass bunt nicht als Adjektiv, sondern als Substantiv in der Bedeutung von Pelzwerk stehe, wie es auch im Mittelhochdeutschen und Holländischen feines Pelzwerk bezeichnet, wie auch Strunt (Dreck) auf ein Substantiv als Gegensatz schliessen lasse.

Boben fix, unnen nix.

Böcke melken
la] mulgere hircos

Böcke sind leichter zu regieren als Mönche.

Böcke und Beester sind ein Gesindel (o. Volk).
ho] Bokken en beesten zijn een volk.

Bocken ist leicht, Lammen ist schwer.

Bödder (bitter) iver de Mond, öss dem Herze gesonnd.
Trier

Bodenlos wie des Pfarrers Sack und lang wie ein Hungerjahr.
Finnland

Bodmer, Johann Jakob] Der alte Bodmer ward hiebei vorzüglich beachtet, und wir mussten uns auf den Weg machen ihn zu besuchen und jugendlich zu verehren. [...] Wir wurden eine Stiege hoch in ein ringsgetäfeltes Zimmer geführt, wo uns ein munterer Greis von mittlerer Statur entgegenkam. Er empfing uns mit einem Gruße, mit dem er die besuchenden Jüngern anzusprechen pflegte: wir würden es ihm als eine Artigkeit anrechnen, dass er mit seinem Abscheiden aus dieser Zeitlichkeit so lange gezögert habe, um uns noch freundlich aufzunehmen, uns kennen zu lernen, sich an unsern Talenten zu erfreuen und Glück auf unsern fernern Lebensgang zu wünschen.
Goethe, Dichtung und Wahrheit IV, 18

Bodmerei ist kein Gegenstand der Haverei.

Bodmerei trägt keine Haverei.

Bödther waart egh begen un Aan.
Nordfriesland
hdt] Butter wird nicht gebacken im Backofen.

Boheme ist eine Eigenschaft, die tief im Wesen eines Menschen wurzelt, die weder erworben oder anerzogen werden, noch durch die Veränderung der äußeren Lebenskonstellation verlorengehen kann.
Mühsam, Boheme

Böhmen ist der Kurfürsten Obermann.
i] Von der deutschen Kaiserwahl.
z] Ich bin der Kurfürsten Obermann,
Wenn man nicht wohl eins werden kann,
Wem ich dann gebe die Stimme mein,
Der muss allein der Kaiser sein.

Böhmische Lieb und Treu zerstübt in der Luft wie Spreu; deutsches Gelübd ist das best, es hält stets eisern und fest.

Böhmischer Wind, böhmischer Wind, bitte schön, bitte schön, lass mir meinen Weizen am Berge stehn.

Bohne auf Bohne wird der Sack voll.

Bohne und Erbse haben Brot im Schoß.
Estland

Bohnen leg so flach, dass sie hörn den Glockenschlag.

Bohnen lege dir erst an, ist (o. wenn) vorbei Sankt Gordian (10.5.).

Bohnen sind anders als Pilze. Wer davon ernten will, muss zuvor gesteckt haben.

Böhnke, stremm di!
Königsberg
i] Eine bei Prügeleien sehr gebräuchliche Redensart, nicht selten mit dem Zusatze: Geff (gib) emm von unde, hau emm under Kiewe (Kiemen = Schlund). Die Redensart hat folgenden Ursprung. Ein Schauspieler, Böhnke, bei der königsberger Bühne angestellt, war einem Fleischer allmählich eine nicht unbeträchtliche Summe schuldig geworden. Um seinen Gläubiger in guter Laune gegen sich zu erhalten, gab er ihm öfter ein Galeriebillet. In einem Ritterschauspiel hatte Böhnke einen Kampf mit seinem Gegner zu bestehen. Böhnke war nach Vorschrift der Rolle dem Unterliegen nahe, da erfasst den Fleischer auf der Galerie Todesangst, und seinen Schuldner anfeuernd, ruft er: 'Böhnke, stremm di! Geff emm von unde!'

Bohre die Löcher, ich werde die Nägel einschlagen.
i] Frage an, mich sollst du bereit finden. Nur zu, ich werde dabei sein. Probiere es, ich werde meinen Mann stellen.

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