Weisheiten 215

Bleibt vor Martin (10.11.) Schnee schon liegen, wird man gelinden Winter kriegen.

Bleich wie die Wand.

Bleich wie ein Spinnenfresser.

Bleich, wie der Berliner Mondschein.

Bleichen Sonnen und lachenden Frauen ist nicht zu vertrauen.

Bleicher Mann ist Weiberart.

Bleicher Mond regnet gern, rötlicher windet und weißer bedeutet schön Wetter.
la] Palida luna pluit, rubicunda flat alba serenat.

Bleicher Mond regnet, roter weht und weißer klärt.
Römer
fr] La lune pasle fait la pluye et la tourmente, l'argentine temps clair et la rougeastre vente.
fr] Quand la lune se fait dans l'eau deux jours après il fait beau.

Bleierne Pillen sind schwer zu verdauen.

Bleierne Vögel fliegen nicht, wenn man ihnen auch den Schwanz vergoldet.
i] Von der Faulheit, die sich auch von Geld nicht locken lässt.

Bleierner Regen geht auch durch eisernen Harnisch.

Blenden verblendet am Ende den Blender.

Blendung geht vor Schendung.

Blendwerk der Hölle.
Schiller, Die Braut von Messina, 1900 (Don Cäsar)

Bletsche (belfernde) Höngchere (Hündchen) bieße net.
Aachen

Bleu ihm den rücken, weil er klein.
la] Tunde eins latera, dum puer est.

Blick einem Weibe, das dich liebt,
Ins Auge, und dein Gram zerstiebt.
Nikolaus Lenau, Faust (Isenburg)

Blick' erst auf dich, dann richte mich!

Blick hell und licht,
misstraun erregt verändert Angesicht.
en] Only look up clear,
To alter favour ever is to fear.
Shakespeare, Macbeth I, 5

Blick in die Ferne, blick nicht zurück. Es ist Unsinn, immer die Gründe kennen zu wollen.
Francis M. de Picabia, Aphorismen

Blick nicht hinter dich.
la] Noli respicere post tergum.

Blick nicht zurück, wenn der Tod im Rücken steht!

Blick niemals einem Pferd oder einem Hund oder einem Kind länger als für ein paar Sekunden ins Auge, das beschämt sie.
Thornton Wilder, Der achte Schöpfungstag, Von Illinois nach Chile

Blick um a Aug.
i] Im Moment, im Augenblick.

Blick und Händedruck, und Küsse, gemütliche Worte,
Silben köstlichen Sinns wechselt ein liebendes Paar.
Da wird Lispeln Geschwätz, wird Stottern liebliche Rede:
Solch ein Hymnus verhallt ohne prosodisches Maß.
Goethe, Römische Elegien XIII

Blicke erst auf dich,
Dann richte mich!

Blicke in dich. In deinem Innern ist eine Quelle, die nie versiegt, wenn du nur zu graben verstehst.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Blicke nach innen. Von keiner Sache entgehe dir die eigentümliche Beschaffenheit und der Wert.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Blicke nicht auf deine Vorderseite, sondern auf deine Rückseite.
Italien

Blicke nicht zurück.
Es kann dir nichts mehr helfen. Blicke vorwärts!
Schiller, Wallensteins Tod, II, 2 (Wallenstein)

Blicket auf zum Retterblick,
Alle reuig Zarten,
Euch zu seligem Geschick
Dankend umzuarten.
Werde jeder beßre Sinn
Dir zum Dienst erbötig!
Jungfrau, Mutter, Königin,
Göttin, bleibe gnädig!
Goethe, Faust II AV, Bergschluchten (Doctor Marianus) Vs 12096f.

Blickt auf die Weite, die Festigkeit, die Raschheit des Himmels und hört einmal auf, Wertloses zu bewundern!
Anicius Manlius Torquatus Severinus Boethius, Trost der Philosophie

Blickt man bis in die äußerste Tiefe der sozialen Konstruktion, so ist es, als schalte man den Kontakt eines riesigen Motors ein, der Pläne entwirft, Fundamente legt und das Gebäude einer neuen Welt errichtet. Begreift man das alles, so muss man einfach den großartigen Entschluß fassen, alles zu verändern, den Boden umzupflügen und neuen Samen zu säen.
Fucik, Der Köhlerglaube

Blieb der Mensch für ewig hier, er wäre gar ein armes Tier.
ho] Ach bleef de mensch voor eeuwig hier, soo waer hij doch een arem dier.

Blieb der Wolf im wald, so würd er nit beschrien.
mhd] Bleve de wulf in dem busche, he en worde nicht angeropen.
la] Dum lupus antra colit, non inclamatur ab ullo.
ho] Liet die wolf sijn lopen, dat volc liet sijn roepen.

Bliebe dem Armen nicht der Wunsch, würde er verrückt, und sein Verstand flöge davon.

Bliebe der Wolf im Walde und der Mönch in der Klausur, würden beide nicht beschrien.
i] Durch seine räuberischen Streifzüge zieht er sich selbst die üble Nachrede zu.

Blies d' Sankt Aegidius ön d' Hor, sied de Bauer sei' Kor. Trier

Bliese das Pferd nicht auch den Hafer, müsste es viel Staub hinunterschlucken.
Russland

Bliesen die Wünsche wie Winde, dann hätten die Müller es gut.
i] Die Wünsche der Menschen sind sehr verschieden.
it] Non è ogni cosa da desiderare a ciascuna.

Bliev bin'n Grund, so fallst Du nich.

Blîf (bleib), wo de bist, du weist, wat de hier verlaten hest.
i] Mahnung gegen Auswanderung, was die Heimat bietet, weiß man, was man Fremden bieten wird, weiss man in der Regel nicht.

Blîf bî de Grund, sô fallst du nich.
Ostfriesland

Blif gesund, Landsmann, wenn 't denn ok Stakelforken hagelt.
Mecklenburg
i] Man unterscheidet Messfork, die dreizinkige, und Stakelfork, die zweizinkige Gabel, mit sehr langem Stiel, mit welcher die Garben vom Erntewagen abgebracht werden.

Blif te Hus (Haus) un kuok den Bri, dann küemste nitt in Täggeri (Zänkerei).
Iserlohn

Blimp versus Zeppelin.
en] Confusing Words

Blind an Wänden gehen.

Blind ankommen.

Blind as a Bat.
en] Idiom

Blind as 'n Ûl (Eule).

Blind Date.
en] Idiom

Blind Käse und sehend Brot ist gut.

Blind Leading the Blind.
en] Idiom

Blind Luck.
en] Idiom

Blind man, arm man.
Luther

Blind nämlich wird im Hinblick auf das Geliebte der Liebende.
Platon, Gesetz

Blind sei das Weib, taub (o. lahm) sei der Mann, soll Lieb' und Ehe lang bestahn.
i] Die Frau soll nicht alles sehen wollen, was der Mann Fehlerhaftes tut oder was an ihm Mangelhaftes ist, der Mann soll nicht zu schnell zürnen.

Blind sind die Augen, wenn der Geist sich mit anderem beschäftigt.
la] Caeci sunt oculi, cum animus alias res agit.

Blind wie eine Fledermaus.
z] Das Sprichwort: Blind wie eine Fledermaus, wird durch Tatsachen nicht gerechtfertigt. Zwar sind die Augen der Fledermaus keine der größten, allein sie entsprechen allen notwendigen Zwecken. Das Tier kann aber, wie durch eine Reihe grausamer Versuche nachgewiesen ist, seinen Weg auch ohne Augen finden.

Blind wie Pfarrers alte Henne.
Frankenwald

Blind, alt und arm - dass Gott erbarm'.
ho] Blind, arm en oud is een Joden-vloek.
ho] Het is kwaad, oud en arm te zijn.

Blinde Bache, schlimme Sache.
la] Saepe vindicta obfuit.

Blinde Furcht, von sehender Vernunft geführt, geht sichrer zum Ziel als blinde Vernunft, die ohne Furcht strauchelt. Das Schlimmste fürchten, heilt oft das Schlimmste.
en] Blind fear, that seeing reason leads, finds after footing than blind reason stumbling without fear: to fear the worst oft cures the worst.
Shakespeare, Troilus und Cressida III,2

Blinde Gewalt wird nicht alt.
z] Blind stürzt die blinde Macht, ohn' alle Feindes Müh, die eigne Last zertrümmert sie.
la] Vis mole praeceps it sua, expers consilii.

Blinde Kuh mit einem spielen.

Blinde lieb für schön erkennt, was auch hässlich und geschendt.
z] Der blinden Liebe verzeiht man die Verblendung, aber der sehenden nicht. L. Börne
la] Urit amor caecus, non est amor arbiter aequus; nam deforme pecus indicat esse decus.

Blinde Lust ist die Lockspeise des Bösen.
la] Voluptas malorum esca.

Blinde Passagiere sind verboten, sä de Postmeister, do nehm he 'n Mann de Lus von 'n Puckel.

Blinde Pferde straucheln.

Blinde Rache, schlimme Sache.

Blinde Rosse stolpern gern.

Blinde Selbstliebe
la] caecus amor sui

Blinde Tauben finden auch zuweilen eine Erbse.

Blinde tragen die Nase hoch.

Blinde und Lahme kommen zuletzt.
ho] Kreupelen en blinden komen altijd achter.

Blinde, weiß ich wohl, fühlen und Taube sehen viel schärfer,
Aber mit welchem Organ philosophiert denn das Volk?
Goethe, Xenien 55 - Die Stockblinden

Blinde: Furcht, von sehender Vernunft geführt, geht sichrer zum Ziel als blinde Vernunft, die ohne Furcht strauchelt.
Shakespeare, Troilus und Cressida

Blinded by Love.
en] Idiom

Blinden Kauf tut niemand gern.
i] Jeder will erst die Sache sehen, kennen, ehe er sie kauft.

Blinder als blind ist der Ängstliche.
Max Frisch

Blinder als ein Maulwurf
la] talpa caecior

Blinder Eifer schadet nur.
en] More haste, less speed.
fr] Qui se hâte trop se fourvoie.
fr] Trop de zèle nuit.
it] Zelo cieco porta solo danno.

Blinder Gaul geht geradezu.

Blinder Glaube führet irre.

Blinder Glaube hat einen bösen Blick.

Blinder Knabe (Amor), seine Blinden
Lohnet er mit Reu' und Binden.
Joh. Gottfr. Herder, Stimmen der Völker in Liedern (1807). Die Sorge

Blinder Mann, armer Mann, hat er auch Pelzwerk an.

Blinder Mann, ein armer Mann, hätt' er auch Seid' und Sammet an.
mhd] Ein blint man, arm man, al heft he bunte Kleider an.
la] Quam miser est caelus, tectus sit murice quamvis.
i] Bunte d.h. teure Kleider, denn das Wort 'bunt' bezeichnete früher nicht bloß verschiedene Farben, sondern mit dem im Neuhochdeutschen ausgestorbenen vêch kostbares Pelzwerk.
dä] En blind-mand er en arm mand, bær han end silke og fløiel.

Blinder Mann, ein armer Mann; noch ist das ein ärmer Mann, der sein Weib nicht zwingen kann.

Blinder tu' die Augen auf, Heiraten ist kein Pferdekauf.

Blinder Zufall
la] caecus casus

Blinder, sachst nich det Kränzke?
Oberland
i] Wenn man etwas Augenfälliges nicht wahrnimmt.

Blinder, sist de Marjeborg nich.

Blinder, sperr' oculos.

Blinkend Geld deckt faul Gesäß.
ho] Schoon geld kan veel vuil dekken.
la] Nullus emptor difficilis bonum emit obsonium.

Blinn Hess, kannst 'n Pötten nich sehn?
Pommern
i] Zum Anrennenden, Stolpernden.

Blinn' Oss, kast'n Pütten nich sehn?
Pommern
hdt] Blinder Ochs, kannst du den Brunnen nicht sehen?
z] Dies soll wohl eine Verhöflichung in Anlehnung an den sprichwörtlich blinden Hessen sein. Wie aber das Wort besonders einem Stolpernden zugerufen wird, ließe es sich in dieser Anwendung noch anders deuten, da Hess die Achillessehne bezeichnet, Hessknoaken das Wadenbein. Ursprünglich steht trotzdem wohl der Ochse in der Redensart, die auch nicht nur auf den Stolpernden angewandt wird, sondern auf jemand, der ein Ding sucht, das ihm nahe liegt.

Blinne Hasen Excremente.
Grafschaft Mark

Blinne Henne finn't uck woll mal 'n Arfke (Erbse).
Rastede

Blinnekippen, sint dat Lü oadder Flaigen?
Grafschaft Mark

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ITALIENISCH
1 2 3 4
LATEINISCH
1 2 3 4
PORTUGIESISCH
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SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10