Weisheiten 206

Biederleute sind dünn gesäet.

Biedermann soll Krümme schlichten und Arme als die Hohen richten.

Biedermanns Erbe liegt in allen Landen.

Bieg den Baum heute gerade.
Estland

Bieg den Baum, solang er jung ist.

Biege das Krummholz, wenn es jung und schwach ist.
Estland

Biege den Baum, soviel du magst, er wächst doch immer nach oben.

Biege dich mit dem Baum, der sich mit dir biegt.
Irland

Biege die Äste gerade, solang es noch geht.

Biege die Rute, solange sie noch grün ist.

Biege die Rute, wenn die Rute sich (noch) biegt.
Estland

Biege jung des Sohnes Rücken.
Estland

Biegst du ihn langsam, so krümmt sich nachgiebig der Zweig an dem Baume,
aber du brichst ihn entzwei, brauchst du rohe Gewalt.
Ovid, Die Liebeskunst

Bielbrief geht vor Bodmereibrief.
[RSpW]
i] Unter Bielbrief wird ein Schuldschein für Gelder verstanden, die zum Ausrüsten eines Schiffe gegen dessen Verpfändung, aber unter der Bedingung dargeliehen worden sind, dass dasselbe nicht eher vom Stapel laufe, bis die Rückzahlung erfolgt sei. Der Bodmereibrief nimmt an, dass das Schiff in See geht.
fr] On endure tout hors le trop aise.
ho] Bijlbrief gaat voor bodmeriebrief.
it] Ogni cosa si opporta, eccetto il buon tempo.

Bienen bezahlen ihre Hausmiete wohl.
dä] Bien giver nytte og lyst, gavner meget, kost er lidet, thi intet creatur betaler bedre sin huuse-lye.

Bienen haben ihren König, Fliegen und Mücken schweben vmbher ohn Herren.
dä] Bierne have deres viisere, og storke deres anförere.

Bienen haben kurze Schnäbel und scharfe Säbel, und machen kleine Wunden, die schmerzen etliche Stunden.

Bienen kleiden dich in Samt und Seide, das Schwein frisst dir sogar die Augen aus dem Kopf.
Estland

Bienen kommen so weit als Bären.
i] Weil die Mettrinker eben so viel vermögen, als die Fleischesser.

Bienen ohne Königin sind ein verlorener Stock.

Bienen ohne Mutter sind verdorbene Kinder.

Bienen Sie sind voll Honig, die Blumen;
Aber die Biene nur findet die Süßigkeit aus.
Goethe, Der neue Pausias

Bienen sind wohl gute Tierlein, aber sie bleiben bei schönem Wetter nicht gerne daheim.
dä] Bien er godt goaeg, dog onde at forvare thi man kand ey baare forden.

Bienen und Schafe ernähren den Mann (o. Menschen) im Schlafe.
Hannover

Bienen und Schafe stehen nicht zugleich.
z] Wenn es viel regnet, so schwitzen die Blumen viel Honig, die Bienen stehen gut, aber die Schafe werden faul.

Bienen und Wespen fliegen (wohnen) nicht mit einander (beisammen).
fr] Les abeilles ne deviennent point frelons.

Bienen wollen nicht beim Abtritt stehen.
z] Warum nicht? Die Bienen lieben den Abtritt und suchen in den Exkrementen das Salz, das ihnen gesund ist.

Bienenwachs ist reines Geld.
Estland

Bier auf Wein, das lass sein, doch Wein auf Bier rat' ich dir (o. behaget schier).
ho] Eens wijn, en dan geen bier meer.

Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat ich dir.

Bier bringt große Worte herfür.
i] Verleitet zu Prahlerei und Großsprecherei.
la] Certat magnopere cerevisia verba mouere.
sd] Öl rörir (gör) stoor ordh.

Bier gemach, Wein frisch.
i] Nämlich: schenke ein!

Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps.

Bier ist ein böser Koch, es schlägt einen vor's Loch.

Bier ist ein seliges Getränk, Branntwein ein abgetragener Bastschuh (d.i. ein Lumpenkerl).
Estland

Bier ist verrückt, Kwaß klug, Branntwein aber der wahre Höllentrank.
Estland

Bier ist zum Trinken für Männer gemacht, Kwaß aber für Frauen zu einer Semmel.
Estland

Bier klebt nicht am Rockschoß, Kwaß springt nicht an den Hals.
Estland

Bier macht aus einem Worte vier.
dä] Öll gjör store ord.

Bier mit Blut reizt nicht zur Wut.
i] Diese Worte soll die ränkevolle polnische Königin Bona auf die Vorstellungen, Drohungen und Beschlüsse ihres Volks erwidert haben.

Bier nährt, Wein zehrt.

Bier oder Wein, es muss getrunken sein.

Bier ohne Hopfen braucht (verdient) keinen Pfropfen.

Bier soll man gemachsam, Wein frisch einschenken.

Bier trinken - selig werden, Kwaß trinken - in den Himmel kommen.
Estland

Bier und Brot im Haus ist besser als Gsottnes und Bratens draus.
la] Melius est vacare ad olera cum gaudio, quam ad vitulum saginatum cum odio.

Bier und Brot ist gut für Hungersnot.

Bier und Brot macht (die) Wangen rot.

Bier und brot macht manchen schalck groß.

Bier und Mädchen haben viel Glück, das Bier trinkt man ohne Durst und die Mädchen heiratet man ungeprüft.
Finnland

Bier und Schnaps, die Getränke der Völker, denen Nebel und Regen vertraut sind.

Bier und Wein folgt dem Zapfen.

Bier und Wein sind gut, so lange sie machen heitern Mut.
dä] Det öll og viin er godt, som gjör glad. (Prov. dan., 447.)

Bier wird ohne Durst getrunken, Weißbrot ohne Appetit gegessen.
Estland

Bier, die vil gehren, haben vil hefen.

Bierchen, das setzt (schlägt) an's Nierchen.

Bierfiedler sind auch Musikanten (Künstler).

Bierfiedler sind auch Söhne der Musen.

Bierschenk verdurstet nicht.
ho] Bier tappen is de laatste nering voor den broodzak.

Biete das halb, so wirst du nicht betrogen.
la] Dimidium offer, et non decipieris.

Biete deine Ehre nicht dem anderen an.
Estland

Biete dem Bauer den Finger, so will er die ganze Hand.

Biete dem Juden tausend Rubel für sein Weib; er bittet noch um einen mehr und übergibt dir auch seine Tochter.
Russland

Biete der Katze schon Fisch an.

Biete einem Juden tausend Rubel für seine Frau, er wird einen weiteren verlangen und dir seine Tochter noch dazu geben.
Russland

Biete ihnen Brötchen, und sie verlangen sicher auch Honig darauf.

Biete wohl dem Kinde des Bäckers Weißbrot an.
Estland

Bieten und Handeln macht ein Geschäft.

Bieten und Wiederbieten macht den Kauf.
i] Bei Kauf und Verkauf kommt es auf die Einwilligung der Unterhandelnden an, wozu nichts weiter erfordert wird, als dass der Verkäufer erklärt: ich will die Sache verkaufen und dies dafür haben, der Käufer aber, ob er sie für den angesetzten Werth annehmen will. Es bezieht sich das Sprichwort besonders auf solche Gegenstände, bei denen es eines gerichtlichen Kaufcontracts nicht bedarf, sondern die Einigung der Contrahenten über das Kaufgeld zur gültigen Abschliessung des Kaufs hinreichend ist.
fr] A marchander on vend et l'on achète.
ho] Met loven en bieden vergaderen de kooplieden.
ho] Met loven en bieden komen de kooplieden bij elkander.

Bigamie bedeutet eine Frau zuviel zu haben, Monogamie bedeutet dasselbe.
en] Bigamy is having one wife too many, monogamy is the same.
Oscar Wilde

Biggen un Balgen.
hdt] Ferkel und Kinder.

Bikelworte (Stichelrede) geben.

Bilde deine Urteilskraft sorgfältig aus. Das ist das wirksamste Mittel, dass keine Meinungen in dir entstehen, die der Natur und ebenso einem vernünftigen Geschöpf widersprechen. Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Bilde dich selbst, und dann wirke auf andere durch das, was du bist. W. v. Humboldt, Lebensmaxime

Bilde dir eine Meinung über einen Mann mehr von seinen Fragen als von seinen Antworten.

Bilde, Künstler! rede nicht!
Nur ein Hauch sei dein Gedicht.
Goethe, Kunst - Motto

Bilden wir uns nicht ein, wir könnten unsere Freiheit bewahren und auf die Sitten verzichten, durch die wir sie uns erworben haben.
Jean-Jacques Rousseau, Brief an d'Alembert

Bilden wohl kann der Verstand, doch der tote kann nicht beseelen,
Aus dem Lebendigen quillt alles Lebendige nur.
Goethe, Tabulae votivae 36 - Verstand

Bilder malen lernt man ja ganz von selbst, aber wie man Bilder verkauft, das sollten sie einem auf der Akademie beibringen.
Olaf Gulbransson

Bilder sind der Laien Schrift und Bücher.
dä] Bildere og malning laere de eerfoldige.

Bilder sind die Bücher der Ungebildeten.
England

Bilder so wie Leidenschaften
Mögen gern am Liede haften.
Goethe, Elegien II - Motto

Bilder verschönern die Vernunft, und Gefühl überredet sie.
Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Bildet bei unseren gemeinsamen Bedürfnissen das gleiche Interesse das Band der Vereinigung, so wird bei unserem gemeinsamen Elend wieder die Liebe das Bindemittel. Der Anblick eines glücklichen Menschen flößt den andern weniger Liebe als Neid ein; man hätte Lust, ihm den Vorwurf zu machen, dass er sich ein ausschließliches Glück bereitet, sich ein Recht anmaße, welches ihm nicht gebühre, und selbst die Eigenliebe leidet darunter, indem sie es uns recht fühlbar macht, dass dieser Mensch unser nicht bedürfe.
Rousseau, Emile

Bildete doch ein Dichter auch mich, und seine Gesänge,
Ja, sie vollenden an mir, was mir das Leben versagt.
Goethe, Elegien II - Euphrosyne

Bildlich
la] in effigie

Bildliche Vorstellung: Reich der Poesie, hypothetische Erklärung: Reich der Philosophie.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1003

Bildsam ändre der Mensch selbst die bestimmte Gestalt. [...]
Denke, wie mannigfach bald diese, bald jene Gestalten,
Still entfaltend, Natur unsern Gefühlen geliehn!
Goethe, Gott und Welt - Metamorphose der Pflanzen

Bildschöne Frauen sind selten charmant, weil sie es nicht nötig haben, charmant zu sein. Charme setzt kleine Fehler voraus, die man überdecken muss.
Boleslaw Barlog

Bildstock weiset anderen den Weg und geht ihn selbst nicht.
i] Von einem Tugendlehrer ohne Tugend.

Bildung bessert Geist und Herz.
it] A cuor maligno non giova dottrina.

Bildung bringt die sittlichen Kräfte eines Menschen nur zur Entfaltung, aber sie verleiht sie nicht.
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1847

Bildung der Menschen zur Wahrheit, du bist Bildung ihres Wesens und ihrer Natur zu beruhigender Weisheit.
Pestalozzi, Die Abendstunde eines Einsiedlers

Bildung des Geistes ist Mitbildung des Weltgeistes - und also Religion.
Novalis, Fragmente

Bildung hilft zur Klugheit nichts!
[ASpW]

Bildung ist das Leben im Sinne großer Geister mit dem Zwecke großer Ziele. Nietzsche, Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten

Bildung ist das, was die meisten empfangen, viele weitergeben und wenige haben. Kraus, Aphorismen

Bildung ist die Fähigkeit, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden und jenes ernst zu nehmen.
De Lagarde, Deutsche Schriften

Bildung ist die süße Frucht einer bitteren Wurzel.
la] Doctrina est fructus dulcis radicis amarae.

Bildung ist ein durchaus relativer Begriff. Gebildet ist jeder, der das hat, was er für seinen Lebenskreis braucht. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Hebbel, Tagebücher

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