Weisheiten 20

Aeinmoal (einmal) is alle Dage nit, un tweimoal is nit faken (oft).
Arnsberg

Aeirst de Pype (Pfeife) ân un dan 't Piärd iuten Grâwen, sach de Biur, doa was iäm sin Piärd 'rin fallen.

Aem a Krîn sâlzn.
Österreich-Schlesien
i] Ihn zurechtweisen, züchtigen.

Aem a Kunza gaija.
Österreich-Schlesien
i] Heimleuchten

Aem aus 'm Salze lâsa.
i] Eine derbe Zurechtweisung erteilen.

Aem de Gehannesdoag (24.6.).
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Um den Johannistag.
i] Um die Zeit des Sommers zu bestimmen, was auch durch folgende Redensarten geschieht: Won em bôd (wenn man badet); Aem Aren (um die Ernte). Won en sich af't Hîwt trit (wenn man sich aufs Haupt tritt, nämlich im Schatten). Won der Heangd de Zeang hê lêt (wenn der Hund die Zunge hängen lässt). Won em än de Kirschebeangert zecht (wenn man in die Kirschenbaumgärten zieht). Won em Kukurutz (türkischen Weizen, Mais, walachisch: Gugoritza) drist.

Aem de Gürgendoag (23.4.).
Siebenbürgen-Sachsen
i] Diese Redensart wird zur Bestimmung der Frühlingszeit gebraucht. Für denselben Zweck hat man in Siebenbürgen auch die folgenden Redensarten: Aen Ausdägen, d.h. in den Endtagen des ausgehenden Frühlings. Won et grän wît (grün wird). Won der Kukuk kreischt. Won de Schwalwe kun (kommen). Won de blésch Nôhtegôle sangen = wenn die walachischen Nachtigallen (scherzhaft für Frösche) singen.

Aem de Mächelsdog (29.9.).
Siebenbürgen/Sachsen
i] Um die Herbstzeit zu bestimmen, wofür man auch folgende Redensarten hat: Aen Aendagen (in den Eintagen, d.h. in der Zeit, da das Jahr einwärts, seinem Ende, oder dem kürzesten Tage zugeht). Won em list (wenn man Weinlese hält). Won de Schwalwen zän (wenn die Schwalben ziehn). Won der Bäsch der wît (wenn der Busch, Wald dürr wird).

Aem de Sattel det Ruoss (geben).
Siebenbürgen/Sachsen

Aem März wirt der Schni madig.
Siebenbürgen/Sachsen

Aen ai Krênôbs (Kreenobst) nâma.
i] In strenge Behandlung.

Aen de Gass gohn.
Siebenbürgen-Sachsen
i] Zur Geliebten gehen.

Aen de Mônscheng (Mondschein) teanken (tunken).
Siebenbürgen/Sachsen
i] Nichts zu essen haben.

Aen krähend Huhn äs nit gut.
Waldeck

Aen ollen Lüning (Sperling) fängt me nit mit Koff.
Sauerland

Aen 't oald Eise kun.
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Ins alte Eisen kommen.
i] Wertlos werden.

Aene brave Mann, de get (gibt), wat he kann.
Aachen

Aene domme Mann, de mieh get, as he kann.
Aachen

Aeneas roch Lavendelduft und kannte seine Mutter.

Aere perennius.
zit] Exegi monumentum aere perennius. Horaz, Oden (Ein Denkmal, dauernder als Erz, habe ich (mir) errichtet)

Aerme Manns Rinder un rîche Manns Kinder sin bâl bestât (untergebracht).
Köln

Aes der Mierz (März) hîs ug drêch, se môcht hie de Gebouer rech.
Siebenbürgen/Sachsen

Aes 'e 't (als er es) balle verstund, da verreckte de Hund, hadde de Buer sagt; dei hadde dem Iesel willt dat Fasten lehren.
Westfalen

Aesen isch, wenn Späck und Fläsch im Hafen isch.
i] Gehört zu den in der Schweiz sehr häufigen Sprichwörtern, die mit einer alltäglichen Gewohnheitsrede beginnen, an welche sich ein scherzhafter, gern reimender Nachsatz anschließt, wie: Jo jo, säll glaub' ich, die Müller sind staubig. Ase, fangt me d' Hase bi der Nase, we me 's überchunnt. So isch es, so goht's, wenn's bricht, so loot's. Jo, liebi Frau Bas, wenn's rägnet, wird me nass; wenn's schneit, wird me wiss; wenn's g'friert, so git's Is. So goht's i der Welt, der eint het de Sekel der ander 's Gelt.

Aest af der Gass afklauwen.
Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Etwas auf der Gasse auflesen.

Aest än't Drech brangen.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Etwas ins Trockene bringen, versorgen.

Aest un de grîs Klôek hên.
Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Etwas an die große Glocke hängen, d.i. ausposaunen.

Aet es êns, wie de Koh (Kuh) hêsch, wan se äkkersch (nur) gôt Melch git.
Düren

Aet es gôt, dat kot Köh stuppe Höere hant.
Düren
hdt] Es ist gut, dass böse Kühe stumpfe Hörner haben.

Aet es kê Pöölche su klôr, of (oder) ät mührt (trübt) sich alt ens.
Düren
i] Pöölche = Pfühlchen, Pfützchen. Von Pool (Pôl) stehendes vom Land eingeschlossenes, kleines Wasser: hochdeutsch Pfuhl (Pfütze, Sumpf).

Aet es kêne Mann äsu gôt, of 'â hät 'ne Wolfzank onger dem Hôt.
Düren
i] Es ist kein Mann so gut, er hat einen Wolfszahn unter dem Hut.

Aeten (Essen) unn Drinken holt Liw un Seel tosamen, bäter as'n isern Band.

Aever't ganze Lîv (Leib) gahn laten.
i] Einen Verweis oder eine Strafe abschütteln.

Af den oalde Kaiser lôs lîwen.
Siebenbürgisch-sächsisch

Af der Hochzet wêch Brît, nô der Hochzet Koamer uch Nît.
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Auf der Hochzeit weißes Brot, nach der Hochzeit Kummer und Not.

Af det Doach (Dach) klôpen.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Anspielung machen, auf den Strauch schlagen.

Af Mutters Fülli rite.
Luzern
i] Zu Fuß gehen.

Aff zwee Beenen wie die Gänse.
Hirschberg
i] Antwort auf die Frage, wie jemand hergekommen sei.

Affatim si quoi fortuna est, longe interitum non habet.
Publilius Syrus, Sententiae
dt] Wer Glück im Übermaß hat, ist nicht weit vom Untergang.

Affe bleibt Affe, auch wenn er goldenes Geschmeide trägt.
Altgriechisch

Affe, was hast du für schöne Jungen!
i] Ironische Bewunderung von hässlichen Kindern und widerwärtigen Taten.

Affectus cito cadit, aequalis est ratio.
Seneca, De ira
dt] Die Leidenschaft lässt schnell nach, die Vernunft bleibt sich gleich.

Affectus non punitur, nisi sequatur effectus.
Rechtsregel
dt] Die Absicht wird nicht bestraft, wenn sie unausgeführt bleibt.

Affectus quidem tam mali ministri quam duces sunt.
Seneca, De ira
dt] Die Leidenschaften sind ebenso schlechte Diener wie Führer.

Affectus tuus nomen imponit operi tuo.
Ambrosius, De officiis
dt] Erst die Absicht gibt deinem Werk seinen Namen.

Affekt! dein Ahnen bohrt zum Mittelpunkt,
Das machst du möglich, was unmöglich schien,
Verkehrst mit Träumen.
en] Affection, thy intention stabs the centre;
Thou dost make possible, things not so held,
Communicat'st with dreams.
Shakespeare, Das Wintermärchen, I, 2 (Leontes)

Affekte hindern Herz und Mut, dass man nicht sieht, was recht und gut.

Affekte sind böse Ratgeber; in Gerichts- und Ratsstuben muss man sie in den Winkel stoßen.

Affekte sind Erregungen, infolge deren die Menschen ihre Stimmung ändern und verschiedenartig urteilen, Erregungen, die mit Lust- und Unlustgefühlen verbunden sind, wie Zorn, Mitleid, Furcht und andere der Art sowie ihre Gegensätze.
Aristoteles, Psychologie

Affekten regieren das ganz Hauss eines Menschen, und haben zu Dienern alle Sinn und Glieder.

Affekten und Begierden sind wie Zunder, glimmen und brennen von einem Wort, und hilft kein habitus darvor.

Affekten und Leidenschaften unterworfen zu sein, ist wohl immer Krankheit des Gemüts; weil beides die Herrschaft der Vernunft ausschließt.
Immanuel Kant, Anthropologie in moralischer Hinsicht

Affektiertheit bei einer Person ist eigentlich eine zeitweilige gekünstelte oder so erscheinende Wesensart, die einen auffallenden Kontrast zur gewöhnlichen Wesensart dieser Person oder der anderen Menschen bildet.
Diderot, Affektiertheit

Affel (so viel) ond e Chrätli voll. Appenzell
i] Chrätli = kleiner, milchtopfförmiger Korb, den die Kinder beim Beereneinsammeln gebrauchen. Eine Redensart, die nichts heisst; als: 'so viel', und die man nur als scherzhafte Zugabe beim Geben oder Bezeichnen gebraucht, oder als Antwort auf die Frage: Wie viel? anwendet, wofür auch die Redensart: Sibezähni und es Chrättli voll, üblich ist. Man hat in der Schweiz fast auf jedes Fragewort derartige sprichwörtlich gewordene Antworten; a.a.O. findet sich eine Zusammenstellung der dort üblichen Fragen mit den Redensarten und Ausdrücken, die als Erwiderungen im Volksmunde gebraucht zu werden pflegen: Wie? Chrüzwiis und überzwerch. Wie wît? Bis in alten Kaiser in Basel. Wie alt? Der Kopf ist so alt as es F., und 's F. het noch nie zehnet. Warum? Nienerum. Asdorum. Wenn i pfîfe so chumm. Auch: Vo wäge vui und nesba. Worom? Wägen Färber im Schönagrond.

Affen aufm hohen Baum machen sich so wercklich, das die zuseher lachen müssen.

Affen ausnehmen.
i] Etwas Törichtes unternehmen.

Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Seide, Sammet und Scharlach kleidet.
i] Die geschmückte Außenseite macht keinen Unwürdigen achtungswert. So, sagt Erasmus, bleibt ein Weib ein Weib, was für eine Rolle sie auch immer spiele.

Affen brauchen nicht auf reife Zwetschgen zu warten.

Affen fängt man in Stiefeln und hängt sie dann an Ketten.

Affen fängt man mit großen Bundschuhen.
i] Bundschuh heisst auch Verschwörung.

Affen fängt man nicht mit Stricken.
i] Von Schlauen, die sich nicht auf plumpe Weise bestricken lassen.
la] Simia non capitur laqueis.

Affen feil haben.
i] Maulaffen feil halten.

Affen können wohl Menschengebärden nachtun, aber nicht den Verstand.

Affen scheren.

Affen sind Affen, wenn sie auch Chorröcke anhaben (o. tragen).

Affen sind nie tierischer, als wenn sie Menschenkleider tragen.
England

Affen und Esel lieben ihre Jungen am meisten.

Affen und gaffen.

Affen und Pfaffen frei sind der Strafen.

Affen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.

Affen und Pfaffen machen viel zu schaffen.

Affen und Pfaffen.

Affen und Pudel lassen sich nur einmal (auf dieselbe Weise) anführen.

Affen unter sich lachen über des anderen tiefe Augenhöhlen.
Bantu

Affen verspotten sich gegenseitig.

Affen warten nicht auf reife Früchte.

Affen weisen.

Affen zu Affen und Meerkatzen zu Meerkatzen.
i] Auf der früheren Unterscheidung von Affen und Meerkatzen beruhend.

Affen zur Hölle führen.
Shakespeare
i] Für alte Jungfern.

Affen, Frauen, trunkner Mann, kein Ding lang heimlich halten kann.

Affenartige Beweglichkeit.
i] Wurde dem Preussischen Heere Ende Juni 1866 von der Wiener Zeitung Die Presse zum Vorwurf gemacht. Sehr häufig wird der Ausdruck in affenmäßige Geschwindigkeit verändert.

Affenartige Geschwindigkeit

Affengeil.
i] Jugendsprache = 'sehr gut'. Mittelhochdeutsch 'geil' = froh.
en] Right on. - Safe. - Wicked - Ace - Magic - Cool - Brill - Fucking brilliant. - Really really good.

Affenmäßige Geschwindigkeit.

Affenrat und Buhlerwerk treibt der Aff' von Heidelberg.

Affenrespekt (vor jemandem) haben.
i] Sehr wenig, da der Affe ein possierliches, lächerliches Tier ist.
la] Non pluris quam simias.

Affenschmeer haben.
i] Allerhand Täuschungsmittel, Überredungskünste besitzen und anwenden.

Affenvolk hört keinen Rat, es komm' ihm denn ein großer Schad'.

Äffst du mich, so äff' ich dich.
en] Claw me and I'll claw thee.

Afgunst (Abgunst) der lüde kann nich schaden, watt Gott will det mot wohl geraden.
Hildesheim

Aflâte (ablassen) kömmt ömmer tomât.
Königsberg
i] Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.

Afn Hund keme.
Oberösterreich

Afoh (= Anfangen) ist gut, aber höre (= aufhören) no besser. Luzern

Afrika bringt immer etwas Neues.
i] Auf Neuigkeitskrämer, die seltsame, aber oft unglaubliche Dinge auftischen. Weil man früher aus diesem Erdteile, als dem unbekanntesten, die fabelhaftesten Dinge erzählte.
la] Ex Africa semper aliquid novi.

Afrika fängt bei den Pyrenäen an.
Spanien
i] Man will dadurch die Unkenntnis schildern, die im übrigen Europa über die inneren Zustände Spaniens, die für uns gleichsam afrikanisch sind, herrscht.
Danach gebildet: Der Balkan fängt hinter Wien an.

Af's Gassel gian.
Tirol
i] Nächtliche Besuche bei der Geliebten abstatten - fensterln.

Af't Hierdâk (Herdecke) schlôn.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Ein Gericht (Essen) herbeizaubern.

After the carriage is overturned, there are many who would show the way.
i] People love to tell a person what he should have done.

Afterei, Murren und Zorn über Tisch sich nicht gehor'n.

Afterred' und Zorn gehören sich nicht über Tisch.
i] Über die Beherrschung des Zorns.

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ITALIENISCH
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LATEINISCH
1 2 3 4

PORTUGIESISCH
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SPANISCH
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