Weisheiten 19


Ärzte und Advokaten haben Sarg und Bettelstab erfunden.

Ärzte und Advokaten wollen geschmiert werden.

Ärzte und Juristen haben den besten Nutzen von anderer Leute Schaden.

Ärzte und Juristen sind selten gute Christen.
z] Man sagt, gut ärtzt und gut juristen seind gemeinlich böse christen.

Ärzte und Lehrer kann man nie zu gut bezahlen.
it] Nè co' maestri, nè co' medici va adoperata la lesina.

Ärzte und Pflasterer bedecken ihren Pusch mit Erde.

Ärzte von Valencia, lange Röck' und wenig Wissen.
Spanien
fr] De jeune docteur argument cornu.

Ärzte werden gehasst aus Überzeugung oder aus Ökonomie.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Ärzte wollen den Menschen flicken, reißen ihn aber oft in Stücken.

Ärzten und Advokaten muss man nichts verschweigen.

Ärzten und Fürsten sind viel Tote eine Schande.

Ärztlich betrachtet ist der Antisemitismus eine zyklische Psychose, an der manisch depressive Völker von Zeit zu Zeit leiden...
Werfel, Der Arzt von Wien

As (wenn) a Kind verliert jüngerheit die Mütter, is ihm nebbich sehr bitter.
Warschau
i] Nebbich = Ausruf des Mitleids = leider

As (wenn) a Narr worft (wirft) a Stein in den Garten, können ihn zehn Klüge nischt herausholen.
Jüdisch-deutsch, Brody

As (wenn) dü lernst, Chasergüt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wortspiel mit Chaser = Schwein, und dem Zeitworte chasern = wiederholen.

As (wenn) man gehet in Mitten, hot man a goldenen Schlitten; as man gehet im Eck, esst (isst) man a Schüßel mit Dreck.
Jüdisch-deutsch, Brody
i] Empfiehlt kluges Maßhalten und Vermeidung der Extreme.
bm] Nevychyluj se ku předu, nezůstávej téz pozadu, středku se drz.

As (wenn) man nicht kann hinüber, muss man hinunder.
Jüdisch-deutsch, Brody
i] Man muss sich in Zeit und Umstände fügen.

As (wenn) man schert die Schäfalech, zittern die Lämelech.
Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Wenn man die Schäfchen schert, zittern die Lämmchen.

As (wenn) man stellt nischt ein (nichts ein), nemt ma nischt aus.
Jüdisch-deutsch, Brody

As (wenn) man sugt (sagt) gestorben, glaüb.
Jüdisch-deutsch, Brody

As (wenn) 't klappen schull, harr der 'n Ule set'n. Rastede
i] Hat da eine Eule gesessen, misslingt es.

As a Lahmer lauft ün a Narr kauft, kümmen beide gleichzeit un.
i] Wenn Unfähige etwas tun, so ist kein großer Erfolg zu erwarten.

As a Pauer esst a Hühn (Huhn) is der Pauer krank oder die Hühn (Henne).
Jüdisch-deutsch, Warschau.
i] Wenn der Bauer ein Huhn isst, muss er oder das Huhn krank sein: er ist zu wirtschaftlich, um Hühnerfleisch zu essen, er zieht das wohlfeilere Rindfleisch vor. Auch in Westfalen sagt man: De Biur schlachtet kein Hauhn, entweder dat Hauhn ist krank oder der Biur.

As an urem Mann seht a Groschen, springt er vün der Haut heraus.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] So erpicht soll der Arme aufs Geld sein. Einer armen Frau, die sich in schweren Kindesnöten befand, riet daher ein Witzling, dem Kinde einen Groschen vorzuhalten, dann werde die Geburt sofort erfolgen.

As ba-Agule is a Wugen, is bi-Smarkurew a Schlitten.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Das in chaldäischer Sprache abgefasste Kaddeschgebet enthält die Stelle: 'Möge deine (Gottes) Herrschaft sich befestigen in Bälde (ba Agulu) und in kurzer Zeit (bi Sman kurew).' Da aber im Hebräischen 'Agulu' ein Wagen heisst, so schließt der Unwissende daraus, dass das daraufolgende 'bi Sman kurew' einen Schlitten bedeuten müsse.

As bî de saest, asou bist de ain éaten.
hdt] Als wie du säest, also wirst du ernten.

As dat Diep verlopen, versett men de Baken.

As de Boom, so de Beem, as de Fru, so de Deem.

As de Buyk opgaet, brickt dat Speelken uyt.
ho] Als de buik opengaat, dan breekt het spel uit.

As de Düwel to'n eerstenmal de Bibel seeg, sä he: Door mööt ick de Minschen van afbringen. Do erfund he dat Kortenspäl.

As de een utsieht, heet de anner.
Mecklenburg-Schwerin
i] Sie sind einander ganz gleich, der eine dreißig, der andere ein halb Schock.

As de Mann is, wart em de Wust brat.

As de Olen sung'n, so pipen die Jung'n.

As de Oolen sungen, so piept de Jungen.

As de Rü'e wässet, wässet ock de Klüppel.
Grafschaft Mark
i] Rüë, Ruië, mittelhochdeutsch rüde, ursprünglich der Hetzhund, steht bei uns ohne Unterschied für jeden Hund, kommt aber nur in den westfälischen Mundarten vor.

As de Smîed van Bêilefeld.
i] Dem Wirt von Bielefeld wurde durch seine Gäste, eine Räuberbande, das Stehlen so verlockend dargestellt, dass er mitging; aber er wurde auch mitgefangen und mitgehangen.
ho] Hij slendert meê als de waard van Bielefeld.

As de Vater, as de Su'n.

As de Wagen nich slêt un 't Perd nich frêt, weer gôt Fôrmann wes'n.
i] slêt = schliss, d.h. riss, splitterte, sich abnutzte.

As de wind weiet, so rûsken de böme.
Lübben

As de Wind weiht, so de Möhl (Mühle) geiht.
Schleswig-Holstein

As den Himmel infellt, sind alle Mössen (Sperlinge) dôd.
Kleve

As der Mugen (Magen) is leer, is der Schluf (Schlaf) schwer.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Mit leerem Magen schläft sich's nicht gut.

As der Schabbes-kojdesch (der heilige Sabbat) geht a-hin, kümmt die liebe Woch a-her.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Kaum ist der Ruhetag hin, so beginnt die Woche wieder mit ihren Sorgen.

As der Wugen (Wagen) fallt, sennen (sind) die Räder zü schwer.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Es genügt eine Kleinigkeit, um den vom Schicksal Verfolgten vollends niederzudrücken.

As die Kalle (Braut) schämt sich, müssen die Ünterführers (Brautführer) weggehen.
i] Wenn die Braut im Brautgemache sich schämt in Anwesenheit der Brautführer sich zu entkleiden (wie es sonst Sitte ist), dann müssen diese sich entfernen.

As die Moid (Maid) känn nit tanzen, sugt sie, die Klesmer (Musikanten) können nit spielen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Man pflegt gern die eigene Schuld auf andere zu schieben.

As die mus is satt, is ihr dus Mehl zü bitter.
Warschau
z] Junge Leute sollen auch hier das Verslein merken: Mus satur insipidam dijudicat esse farinam, wenn die mauss des Mehls überdrüssig ist, so wird's ihr bitter.
i] Jede Sattheit führt zum Ekel.
bm] Syta-li mys, hořka jí mouka.
dä] Naar musen er mæt, er meelet beesk.
en] To a full belly all meat is bad.
fr] A merle soûl cerises sont amères.
fr] A ventre soûl, cerises amères.
fr] Pour ventre plein il n'y a plus de ragoût.
ho] Als de muis zat is, wordt het meel bitter.
it] A ventre pieno ogni cibo sembra amaro.
it] Abbondanza genera fastidio.
it] Al gusto guasto non è buon alcun pasto.
it] Colombo pasciuto ciriegia amara.
la] Cibi copia fastidium parit.
la] Mel nimium saturo muri censetur amarum.
la] Mus satur insipidam dijudicat esse farinam.
la] Satietas parit nauseam.
pl] I mysz kiedy się maki objé, tedy się jéj gorzka widzi.
sd] När råttan är mätt är mjölet bäskt.
sp] Al gusto dañado lo dulce le es amargo.

As die Reifen springen, zerfallt dus Fass.
i] Wenn in einem Haus- oder Gemeinwesen keine Ordnung herrscht, so geht es aus Rand und Band.

As du kümmst (kommst), so geist du.
Mecklenburg
i] Wie gewonnen, so zerronnen.

As dü willst dich hängen, häng dich auf a großen Baum.
Jüdisch-deutsch, Warschau.
i] Wenn man sich einmal einer Autorität unterordnet, so soll es eine hervorragende sein.

As dus Brot fallt mit der Pütter (Butter) herub, is die Kalle (Braut) hungerig.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wird gesagt von einem Knaben, dessen Butterbrot aus der Hand und zwar auf die Butterseite fällt.

As dus Herz is vüll, gehen die Augen über.
Jüdisch-deutsch, Warschau

As dus Weib is a Kimpeturen, is der Mann a Kimpetur.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn die Frau Kindbetterin ist, so ist der Mann Kindbetter. Während des Wochenbettes der Frau lässt sich auch der Mann die für die Frau bestimmten kräftigen Brühen wohl schmecken. Wenn übrigens die Frau eines Doctors Frau Doktor tituliert wird, so kann auch wohl einmal ein umgekehrtes Verhältnis stattfinden.

As dus Weib is a Seigerin, is der Mann a Seiger.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Seigerin = Säugerin, Amme; Seiger = Wortspiel mit Säuger und Seiger = für Uhr. Scherzhafte Rechtfertigung eines Mannes, der seine Frau schlägt, da der Seiger ja gewöhnlich schlägt.

As ein Jud stellt sich pischen, stellen sich die übrige auch.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Scherzhafter Vorwurf über das Zusammenhalten der Juden.

As em sine Sêle un Êre lêv is.
hdt] So lieb ihm Leben und Ehre ist.

As ene Gitzi gids mit der Zit e Geiß.
Luzern
i] Gitzi = Junge Ziege ohne Unterschied des Geschlechts.

As ennen Plakeheuer eten.
Meurs
i] Rasenhauer, d.i. sehr stark. In Schlesien sagt man: Essen wie ein Scheundrescher.

As es geht, lauft es.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wird gesagt, wenn einem das Glück lächelt.

As es helft nit kein Patsch (Ohrfeige), müss män nehmen die Batsch (Peitsche).
Jüdisch-deutsch
i] Wenn eine leichte Ermahnung nicht hilft, so muss man zu einer stärkern schreiten.

As es kümmen die Meies, kümmen die Deies ün der Geies.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Mit den Mêes kummen die Gées. Gar oft wird der plötzlich Reichgewordene, der Parvenu, andern Sinnes und Wesens. Wenn die Hunderte (hebräisch meoth) gekommen sind, d.h. wenn man zu Vermögen gelangt ist, da kommen auch Ansichten, Einbildungen, Meinungen, der Stolz (die Gées). Der Reichtum erzeugt Launen (Capricen) und Stolz, der sich über andere erhebt.
en] Honours change manners.
la] Honores mutant mores.

As et was im Beginn, da was ick noch nich drinn, as et was im Beschlut, do was ick nier ut.
Osnabrück
hdt] Ich bin spät in die Kirche gekommen und früh wieder herausgegangen)

As et was inn Ginn, do was ik noch nich drin, as et was in Slut, do was ik al darut.

As Gott git Brot, geben die Menschen Putter.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Um zu sagen: Wen das Glück begünstigt, dem kommt's von allen Seiten.

As Gott git mit Löffel, geben die Menschen mit Scheffel.
Warschau
i] Dem Glücklichen strömt das Gute von allen Seiten zu.

As ik denk' un do, mät ik annern to.
Süderdithmarschen
hdt] Wie ich denk' und tu', mess' ich anderen zu.

As ik wennt bün (gewohnt), möt ik dôn, säd' de Bûr, dôr kloppt he sînen Jungen.

As ikr kamm an, so kamm ikr wedder van.

As mä thüt a Besem schön, un is er auch schön.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Angenehmes Äußere ist ein guter Empfehlungsbrief.

As Maidlech könen nischt tanzen, suchen sie, die Kleismorein (Musikante) könne nischt spielen.
Jüdisch-deutsch, Brody
i] Wenn der Zimmermann nichts taugt, gibt er der Axt die Schuld. Mädchen, die nicht tanzen können, sagen, die Musik sei schlecht.

As män bluset (bläst), wert's (wird) kalt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Mit Bezug auf das Schopherblasen am Neujahr, welches in den Monat September fällt und der Vorbote des Herbstes ist.

As män braucht den Gannev (Dieb), schneidt män ihn üb vün den Tlüje (Galgen).
Jüdisch-deutsch, Warschau

As man bricht sich ab auf heißen, bluft man auf kalten.
Jüdisch-deutsch
i] Wenn man den Körperteil verbrennt hat, bläst man auch das kalte.

As man de Hand umkeert, liggt een Minsch upp'n annern, sä de Deern, as ehr Till up't Hemde kneet.

As man en Hand ümkîrt, ligt en Minsch up den annern, har jene lütj Diern seggt.

As män esst Chaser (Schweinefleisch) soll es schon rinnen über 'n Maul (oder über den Burd = Bart).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn man etwas Unrechtes tun will, so muss der Vorteil ein sehr großer sein.

As män fallt herein, fallt män auch heraus.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Beim Kartenspiel gebraucht.

As män geht gleich, fallt man nit.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Der gerade Weg der beste.

As män hat die(se) Welt, hot män jene Welt au.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wer sein jetziges Leben dem Guten zuwendet, wird auch das künftige genießen.

As män hot Brot, soll män kein Semmel nit süchen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Man soll mit dem Guten vorlieb nehmen und nicht Besseres verlangen.

As män hot kein' Hand, känn män kein Faust mit machen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Von ohnmächtigen Drohungen.

As män hot nit auf Schabbes, hot män nit auf Süntag.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn man am Sonnabend nichts hat, so hat man auch am Sonntag nichts; weil am Sonnabend keine Geschäfte gemacht werden dürfen und man also auch nichts erwerben kann.

As man int Holt (Holz) roppt, so roppt hett wedder herut.

As man ist faul, hat man nicht im Maul.
Jüdisch-deutsch, Warschau

As män känn nit herüber, müss män herünter.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Man muss sich in die Verhältnisse fügen.

As män klaubt zu viel, fall män in a Blote herein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Bloto, polnisch = Strassenkot. Wird meist angewandt auf Personen, die sehr wählerisch bei Ehepartien sind.

As män kloppt auf'n Tisch, rüft sich um die Scher.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Auf wen man anspielt, der fühlt sich betroffen. Die Schneider pflegen auf den Tisch zu klopfen, um die versteckte Schere zu finden.

As man kommt hinter die Planken, kriegt man andere Gedanken.
Jüdisch-deutsch

As män lasst a Sucher (Männchen) ün a Nekeiwe (Weibchen) allein in Haus, kümmt kein Güt's nit heraus.

As män lebt, derlebt sich alles.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn man lebt, erlebt man vieles.

As män leient drei Tug, regnet es.
Warschau
i] Aus der Torarolle vorlesen. - Kalenderregel.

As män macht a Mädel nit Chassem (Hochzeit), macht sie sich allein Chassem.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Die Töchter verheiraten sich selber, wenn es die Eltern nicht tun.

As män macht dus Maul nit auf, flieht (fliegt) kein Flieg nit herein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wer sich von öffentlichen Geschäften fern hält, den trifft auch kein Vorwurf für die schlechte Ausübung derselben. Wer schweigt, hat das öffentliche Urteil nicht zu fürchten.

As män meint, genarrt män sich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wird man zum Narren, täuscht sich. Antwort auf die Redensart: 'ich meinte'.

As män nemmt herub die S'metene, bleibt die Sauermilch.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Vom polnischen Smietana = Rahm, Sahne. Um zu sagen: Wenn das Gute ausgeschieden wird, bleibt das Schlechte zurück.

As män paukt, lass män weiter pauken.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Ist man im Begriff eine Sache durchzuführen, darf man sich von Störungen und Schwierigkeiten nicht abhalten lassen.

As män red' a S'ach (viel), red't män vün sich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Schwätzer reden, wenn ihnen anderer Stoff gebricht, gern von sich selbst.

As man redt vom Malech, kimmt der Galach.
Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Wenn man vom Engel (Malach) redet, kommt der Pfaff (Galag).

As män schickt a Narr auf'n Mark, freuen sich die Krämer.
Jüdisch-deutsch

As män schlugt, schlugt män sich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Die Schande einer Schlägerei fällt auch auf den Angreifer zurück. Auch beim Kartenspiel angewandt.

As män spielt sich bei Nacht mit Feuer, bepischt (bepisset) män sich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Warnung an kleine Kinder, mit Feuer zu spielen.

As man sugt Meschige (verrückt), glaübe.
Jüdisch-deutsch, Brody

As män sugt: 'gestorben', gläub!
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Will sagen: Glückliche Nachrichten sind selten wahr, dagegen bestätigen sich Unglücksfälle in der Regel.

As män tüt mit'n Schwär, schluft män mit'n Bär.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] tüt = tun bezeichnet hier (Heirats-) Partie eingehen; Schwär = Schwäher altdeutsch für Schwiegervater. Sinn: Wer eine sogenannte Konvenienzheirat macht, weil etwa der Vater der Braut reich oder angesehen ist, hat wenig Ehefreuden zu hoffen.

As män wert (verliert) un dus Geld, wert män un dem S'eichel (Verstand).
Jüdisch-deutsch
i] Hat man das Geld verloren, so sagt die Welt, dass man auch den Verstand verloren hat.

As män will nit den Behelfer (Unterlehrer) warft man sein Päckel heraus.
Jüdisch-deutsch
z] Will man den Behelfer nicht länger behalten und will ihm auch nicht unmittelbar kündigen, so gibt man es ihm dadurch kund, dass man seine Sachen vor die Tür setzt. (Um jemanden indirekt abzufertigen)

As män will sich ausschlugen die Hojzues (=Unkosten), schlugt män sich aus die Zähn.
jüdisch-deutsch, Warschau
i] Oft will man die Unkosten eines Geschäftes herausschlagen, was den ganzen Gewinn verschlingt.

As man wohnt mit a Bojer, bekomt men sein natojer.
Jüdisch-deutsch. Brody
i] Wenn man mit einem Bauer zusammenwohnt, bekommt man seine Natur.

As män zertret dem Worem (Wurm), krümmt er sich auch.
Jüdisch-deutsch, Warschau
en] Even a worm will turn.
en] Tread on a worm, and it will turn.
fr] Il n'y a pas de si petit ver qui ne se recoquille quand on marche dessus.
fr] Un ver se rebèque, quand on le presse.
it] Anche la mosca ha la sua collera.
la] Et formicae sua bilis est.
la] Non solum taurus ferit uncis cornibus hostem, verum etiam iustanti laesa repugnet ovis.
la] Tam parvum nihil est, cui sit defensio nulla.
pl] I robak piśnie, gdy go kto przyciśnie.

As män zuhlt Geld, is wert Geld.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Die gute Ware ist den hohen Preis wert.

As me in't Holt (Holz) räupet, so krigt me Antwort.
Büren

As men kann nischt schmecken Pülver, soll man nischt gein in die Milchume.
Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Wenn man kein Pulver riechen kann, soll man nicht in den Krieg gehen.
i] Wer einer Sache nicht gewachsen ist, soll sie nicht unternehmen.

As min Koh (Kuh) starben däd, da kêm ôk ni ên von min Nawers un wull mi sin Koh oder ôk man en Kalw geben, säd Hans Buer, nu aber mîn Fru dôt is, will mi jeder sîn Dern ansnaken.
ho] Toen mijne koe stierf, bood niemand mij eene andere aan, zei de boer; maar mijne vroow was pas dood, of elk wist mij eene nieuwe te bezorgen.

As mün hot a S'ach (viel) zü thün, geht män in Bud (herein).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Oft greift man, wenn man gerade recht viel Geschäfte hat, zum unnötigsten, macht gerade das, was man gar nicht beabsichtigte.

As se nog Vâr un Môr (Vater und Mutter) segden (sagten), kunnen se Karken un Tôrens (Türme) bôen; man (aber) as Pa un Ma segen, kunnen se kêne mêr underholden.

As sik hört un bört.

As 't fallt, säd' Úlenspegel, so êt ik.
Hamburg
i] Ich esse, wie's kommt, sagte Eulenspiegel, ich richte mich nach den Umständen. Eine alte Frau hatte ihn gefragt, ob er mitessen wolle. Als er ein Tröpflein an ihrer Nase sah, gab er die obige Antwort.
ho] Naar het valt, zei Uilenspiegel, en besjes neus droop over het beslag.

As 't Höi blöit.
Kleve
i] Um zu sagen; niemals, weil das Heu nicht blüht.

As 't Kalf (Kalb) versopen is, meckt (macht) men de Pött (Brunnen) tu.
Kleve

As 't wäst is (gewesen ist), schall 't blieb'n.

As wan's d' Tauben z'samtragng hed'n.
Oberösterreich

As wenn am auss a Oogen geschnieten wär.

As wenn de dwatsche Liis' (Liese) na Jungfer geit.
i] Wenn jemand einen Umweg macht. Jungfer ist ein Dorf im Kreise Marienburg.

Asbi de da pêtst (bettest), asou bist (wirst) de lîgen.

Asch' vor, Asch' nach.

Asche auf sein Haupt streuen.

Asche sammeln und das Mehl verstreuen.
la] Omissa hypera, pedem insequeris.

Asche sind des Mächtigen Gebeine
Tief im dunkeln Erdenschoße nun.
Matthisson, Elegie in den Ruinen eines alten Bergschlosses

Asche wird schon dicht machen (d. i. stützen) und Wasser weiß ziehen (d. i. alles reinwaschen).
Estland

Aschermittwoch
la] dies cinerum

Aschkenes wird fehle'.
i] Der Deutsche wird seine Art und Weise nicht verleugnen. Bei den alten Juden galt Aschkenas für Deutschland.

Asen (also) fängt man die Hasen.
Schweiz

Asen fängt man d' Hasen.
i] Ase = also, so. Ich will's nîd ase mache = ich will es nicht so machen.

Asen Härgot (Herrgott) af der Zang, den Déiwel an der Lang.

Aser Härgod (Unserem Herrgott) äs em jêde Mâdchen en Mân oders tousend (hangdert) Gälde schäldig.
Siebenbürgisch-sächsisch

Aser Härgod äss schtark uch än de Schwachen.
Siebenbürgisch-sächsisch

Aser Härgot äss rieh, hie git uch den Uormen.

Aser Härgot fält nit mät der Dîr än't Houss.

Aser Härgot git de Wäinchter, woa de Likt det ha hunt.

Aser Härgot huot fir är vil ze sorgen.
Siebenbürgisch-sächsisch

Aser Härgot kâ Nîmesten en Extra-Wurscht brôden.
Siebenbürgisch-sächsisch

Aser Härgot kit net äinjde mät dem Danerwäder.

Aser Härgot let sich nit schpôten.
Siebenbürgisch-sächsisch

Aser Härgot schlît nit met dem Kläpel.
Siebenbürgisch-sächsisch

Aser Härgot sorcht fir de uormen Wîsen (Waisen).

Asien ist ehrlicher als Afrika, der August heißer als der März.

Asmus (ein Unbekannter), der all seine Habe mit sich trägt
i] Werktitel von Matthias Claudius
la] Asmus omnia sua secum portans

As'n besnijet (beschneieter) Hund gan.

Aso lang man lebt, thur (darf) män nit reden; as män starbt, känn män nit reden.
Jüdisch-deutsch, Warschau

Aso wie es nit du (da) kein Besen uhn (ohne) Rüther, aso is nit du kein güte Stiefmütter.
Jüdisch-deutsch, Warschau.

Ass du das salver, das du wakker bleist.
Oberharz
i] Wenn einer dem anderen schlechten Rat gibt, so erhält er zur Antwort: Iss du das selbst, damit du wacker (schön) bleibst.

Ass ick minen Rock holl, sitt he in de Foll.
Mecklenburg
hdt] Wie man sich den Rock hält, so sitzt er.

Äß lieber selbst 'nen guten Fisch,
Statt dass mich Fische fressen.
Uhland, Gedichte: König Karls Meerfahrt

Assa (Essen) Se, an (und) trinka Se, Herr Pforr, sagte der Bauer, 's kriegt's sunst de Kitsche (Katze).
Schlesien

Asse fromm und alt!
Jüdisch-deutsch
i] Zu einem Niesenden, meist zu Kindern. Assjer heisst auf Aramäisch der Arzt, assuta die Gesundheit. In früherer Zeit soll einmal nach der Sage das Niesen so heftig aufgetreten sein, dass in vielen Fällen der Tod erfolgte, und darauf soll sich das Sprichwort gründen.

Äßest du auch einen Ochsen auf, aber nicht in Gemeinschaft, so hilft das nicht.
pl] Choćbyś zjadł i wołu a nie pospołu, to nieświadczy.

Ast af de lank Bank loßen.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Etwas bis zum Tode verschieben.

Astern (Austern) is de Hâmel ernêrt.
hdt] Ostern ist der Hammel ernährt.
i] Eine unbestimmte Schäferregel.

Ästhetische Eklektiker sind in dem Grade gut, in welchem philosophische schlecht.
Jean Paul, Vorschule der Ästhetik

Ästhetischer Genuss ist ein Genuss niederer Ordnung. Daher lässt uns höchster ästhetischer Genuss unbefriedigt.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1896)

Asthma, Schwindsucht, Wind, Würmer und Verstopfung sind Krankheiten, die weder die Götter noch die Feen heilen können.
China

Astrachan ist reich an Strömen, Sibirien an Zobeln.

Astrologie ist Aberglaube aus zweiter Hand.
Theodor W. Adorno

Asû gihts uff dr Welt, dr êne hôd a Beutel, dr andr s Geld.

At Bier un a Man an at Wat un a Kân.
Nordfriesland
hdt] Das Bier im Manne und der Verstand in der Kanne.

At iäm gatt de Backen, so mäut iüm ock goan de Hacken.
Iserlohn

At Jil as trinj.
Amrum
hdt] Das Geld ist rund.

At Schmêr wal boaven drîw, al as't uk man fân an ualen Hüünj.
Amrum
hdt] Das Schmer will oben sein, ist es auch von einem alten Hunde.

At Skan bat ham.
Amrum

At Ugh wal sin uk ha.
Nordfriesland
hdt] Das Auge will sein auch (o. auch etwas) haben.

Atem feil tragen (verkaufen).
i] Von einem Lügner.

Atheismus ist der Versuch, die Erde ohne die Sonne zu erklären.
Sigismund von Radecki, Als ob das immer so weiter ginge

Atheismus ist Selbstmord der Seele.
fr] L'athéisme est le suicide de l'âme.
Jean Antoine Petit-Senn, Geistesfunken und Gedankensplitter (1865)

Atheismus kann als das Laster der weniger intelligenten Menschen gelten, der Aberglaube aber als das Laster der Toren.
Voltaire

Atheismus, Zeichen eines starken Geistes - aber nur bis zu einem gewissen Grade.
Pascal, Gedanken

Atmet die Erde ein, so zieht sie den Dunstkreis an sich, so dass er in die Nähe ihrer Oberfläche herankommt und sich verdichtet bis zu Wolken und Regen. Diesen Zustand nenne ich die Wasserbejahung, dauerte er über alle Ordnung fort, so würde er die Erde ersäufen. Dies aber gibt sie nicht zu, sie atmet wieder aus und entläßt die Wasserdünste nach oben, wo sie sich in den ganzen Raum der hohen Atmosphäre ausbreiten und sich dergestalt verdünnen, dass nicht allein die Sonne glänzend herdurchgeht, sondern auch sogar die ewige Finsternis des unendlichen Raumes als frisches Blau herdurch gesehen wird. Diesen Zustand der Atmosphäre nenne ich die Wasserverneinung.
Goethe, Eckermann, 11.4.1827

Ats macht, Hans macht nicht; Ats sieht, Hans sieht nicht.

Ätsch, ätsch, hest 'n Theerbötting (Teerbutterbrot) kregen.
Mecklenburg
i] Wenn ein Kind ein anderes angeklagt hat, aber abgewiesen, vielleicht gar selbst mit Schlägen regaliert worden ist.

Atte (as de) Gaus (Gänse), män nit so wackelig.
Grafschaft Mark
i] Antwort auf die Frage, wie es gehe.

Ätte, lass die Gojeh gehn! Mämme, lass die Kuchel stehn.
Jüdisch-deutsch
i] Gojeh = Nichtjuden. Bezieht sich auf einen Vorgang, wobei Mann und Frau sich gegenseitig ermahnen und drückt den Sinn aus: Wie Mann, so Frau.

Ätte, steh' uf, loss de Hund sitze!
jüdisch-deutsch
i] Als strafender Ausruf gegen einen lieblosen Sohn. Von einem Sohne, der den Vater vom Stuhle vertrieben, damit der Hund Platz gewinne.

Ätte, worum deckt mer die Sicke nit mit Sand.
Jüdisch-deutsch
i] Sicke = Laubhütte. Zur Bezeichnung altkluger Kinder, die nach Dingen fragen, die sich von selbst verstehen.

Attila, die Gottesgeißel; die Franzosen, seine Brüder. Italien

Attische Treue
la] Attica fides

Attisches Salz
i] feiner Witz
la] sal Atticus

Ätzen tut ergetzen.

Au an der Kirbe (Kirmes) wurds Nacht.
i] Jedes Vergnügen hat seine Grenze.

Au der besst' Dokter cha nit für alle Preste.
Aargau

Au der Herrgott kann's nid alle recht mache.
Luzern
bm] Ani bůh nemůz vsechnĕm vyhovĕti.
bm] Ani pán bůh se vsem nezachová.
pl] Pan bóg ludziom niedogodzi, a cóż człowiek.

Au der mis'rabligst Bettler cha e Hus mide.

Au guten Bissen verdirbt man sich den Magen zuerst.

Au kluge Hinder schäissen sich äs Nâst.
i] Wenn kluge Leute irgendein Versehen machen.

Au soleil ne porte lumiere. [fr]
i] Man soll nichts Überflüssiges tun, insbesondere einen Überfluss nicht noch vermehren, nicht 'Eulen nach Athen tragen'.

Au weih, ich hab's gewonnen.
i] Von nachteiligem Gewinn.

Auch aber aller, selbst noch so wohlgemeinter, korrektioneller Bemerkungen soll man, im Gespräch, sich enthalten: denn die Leute zu kränken ist leicht, sie zu bessern schwer, wo nicht unmöglich.
Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen

Auch abgesehen von der Liebe neigen die Frauen dazu, sich ihrer Phantasie, ihren gewohnten Schwärmereien zu überlassen, darum übersehen und vergessen sie die Fehler des Geliebten so rasch.
Stendhal, Über die Liebe

Auch Allermanns Knecht kann's nicht jedem machen recht.
i] Schwierige Stellung der Gemeindediener.

Auch allzu lang gelebt zu haben schadet.
Ovid, Metamorphosen

Auch als Freundschaft dringt heimlich die Liebe ins Herz.
Ovid, Die Liebeskunst

Auch alte Böcke lecken gern Salz.
Estland

Auch alte leute laufen schnell, wann sie forcht anstosst und vngefell.

Auch alte Leute verderben sich den Magen.

Auch alte Leute wundern sich.
la] Nemo celerius opprimitur, quam qui nihil timet.
la] Si timor in mente, currit uetus ipse repente.

Auch alte Pferde fressen noch Hafer.

Auch alte Störche lassen das Reisen nicht.

Auch am längsten Tage sinkt die Sonne.

Auch Ameisen haben Galle.

Auch an deinen Rivalen
Sollst du glänzend finden die Sonnenstrahlen!
Heinrich Vierordt, Deutsche Hobelspäne

Auch an den Kreuzwegen der Geschichte versucht die Polizei den Verkehr zuregeln.
Stanislaw Jerzy Lec

Auch an den Vögeln merkt man es, je kleiner, je ärger.

Auch an des Zaren Fuß klebt der Schatten.
Russland

Auch an jähen (o. steilen) Felsen wächst Moos.

Auch an steilen Felsen wächst Moos.

Auch anderswo wachsen die Bäume nicht in den Himmel.
i] Es lässt sich überall leben.

Auch Arme haben Beine.

Auch Arzt und Advokaten brauchen fremden Rat.

Auch Ärzte täuschen sich oft.
la] At medici quoque saepe falluntur.

Auch Asketen, Weinverächter lieb' ich, wenn mit ihrem Treiben
Sie nur hundert Farasangen weit mir stets vom Leibe bleiben.
Aus dem Persischen von Omar Chijam (um d. 12. Jahrhundert), Vierzeiler

Auch auf breitem Wege kann man sich verirren.
la] Compita sunt plura fausti quibus actio pura.
sd] Widh, aero waegha moth sael aer thaen som wael gör.

Auch auf das Schrecklichste, was geschehen, muss ja die Menschheit sich wieder einrichten, ihre noch heilen Kräfte herbeibringen und weiterbauen.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Auch auf dem besten Feld gibt's Unkraut.

Auch auf dem Grund jeder richtigen Komödie, tief verborgen in vermauerten Räumen, ruht ein tragisches Geheimnis - mag auch oft der Meister selbst, der das Gebäude aufgerichtet hat, nichts davon ahnen.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Auch auf dem Trockenen ertrinkt der Arme.

Auch auf den Pfennig sehen.

Auch auf den schönsten Disteln schläft man nicht gut.

Auch auf der Mühle kann man nur Mehl mahlen, wenn man Korn einschüttet.

Auch auf einem kleinen Berge kann ein großer Fluss entspringen.

Auch auf hinkendem Pferde kann man musterhaft reiten.

Auch auf kurzer Reise fährt der Fuhrmann aus dem Gleise.

Auch auf Parteien, wie sie heißen,
Ist heutzutage kein Verlaß,
Sie mögen schelten oder preisen,
Gleichgültig wurden Lieb und Haß.
Goethe, Faust II A I, Saal des Thrones
Schatzmeister Vs 4841f.

Auch auf rote Kirschen kann Schnee fallen.
tü] Al kiraz üstüne kar yağar.

Auch auf Thronen kennt man häuslich Glück.
Königin Luise, Stammbuchblatt

Auch auf unserer Straße wird einmal Festtag sein.
Russland

Auch aufgeputzt mit Seide wie ein Laffe
Bleibt ein Affe stets ein Affe.
sp] Aunque sea vestida de seda, mona mona queda.

Auch aufrichtige Menschen können irren, das steht außer Zweifel, aber solche Irrtümer richten weniger Übel an als vorausberechnete Unaufrichtigkeit, Vorurteile oder politisches Kalkül.
Anton P. Tschechow, An A. S. Suworin, 6.2.1898

Auch aus dem Munde von Kindern kommt manchmal eine Prophezeiung.
Arabien

Auch aus einem kleinen Loche sieht man den Himmel.

Auch aus einem Missgeschick lässt sich Nutzen ziehen, wenn man es drei Jahre lang aufhebt.

Auch aus einem Weinstock wächst zuweilen ein Dornstrauch.

Auch aus einer blühenden Blume kann man leicht Asche machen.
i] Flüchtigkeit des menschlichen Lebens.

Auch aus einer großen Blume flicht man keinen Kranz.

Auch aus englischem Tuch werden Deckmäntel gemacht.
i] Von solchen, die mit dem Schein äusserer Frömmigkeit ihr sündhaftes Treiben verdecken.

Auch aus entwölkter Höhe
Kann der zündende Donner schlagen;
Darum in deinen fröhlichen Tagen
Fürchte des Unglücks tückische Nähe!
Schiller, Die Braut von Messina, 2314/15 (Chor)

Auch aus gutem Wein wird Essig.

Auch aus härener Tasche fällt zuweilen ein fetter Kuchen.

Auch aus Honigbissen kann man Galle saugen.

Auch aus Staub können sich Berge auftürmen.
Japan

Auch aus Stroh gemacht bliebe ein Mann ein Mann.

Auch außerhalb unsrer Sphäre leben andre Leute ein Leben: das ihre.
Tucholsky, Schnipsel

Auch bei dem Ehestande ist es nur diese entschiedene ewige Dauer zwischen so viel Beweglichem in der Welt, die etwas Ungeschicktes an sich trägt.
Goethe, Wahlverwandtschaften I,10

Auch bei der Religion muss man auf den Urgrund zurückgehn. Dieser ist ewig, aber er tritt nur in vergänglicher Erscheinung hervor, und darin, dass diese sich zu lange behaupten will, liegt hier, wie überall, der tragische Fluch.
Hebbel, Tagebücher, 21. 11. 1856

Auch beim Tanzen kommt man (immer) voran.
fr] Toujours va qui danse.

Auch Berge und Felsen vergehen.
la] Mors etiam saxis mormoribusque venit.

Auch Besiegte packt manchmal tapfere Wut.
la] Aliquando etiam victis ira virtusque.

Auch billich, strafft man disen Man,
Der ein greifft hinderwertig an.
Joh. Friedr. Fischart, Flöh Hatz, Weiber Tratz (1573). D. Nütwendige u. Böständige Verantwortung d. Weiber

Auch bis aufs vierte Glied.
i] Unterschrift im 6. Felde der Königsberger Kaufmannsbörse. Das Gemälde stellt vier an einem Tische sitzende Männer dar: Sohn, Vater, Groß- und Urgroßvater, von denen die drei ersten Karten spielen. Die Unterschrift weist auf den endlichen Untergang des Spielers hin.

Auch bissige Pferde lassen sich das Maul stopfen.

Auch Bittres kann aus süßem Samen entsprießen.
Dante

Auch böse Leute helffen dazu, dass man ein Schiff erhalten tu.
la] Declinans nauis, releuatur in aequore prauis.

Auch bösen Eltern soll man danken.
la] Persolvi gratia non potest nec malo patri. Quint.

Auch bösen Leuten muss man zuweilen eine Maien stecken.

Auch Branntwein hat seine Romantik. Menschen, die vom Dämon des Alkohols besessen sind, vermögen nicht selten wahre Großtaten zu vollbringen.
Andersen Nexö, Erinnerungen

Auch Bücher haben ihr Erlebtes, das ihnen nicht entzogen werden kann.
Goethe, Maximen und Reflexionen 231

Auch Bücher haben ihre Schicksale.
la] Habent sua fata libelli.

Auch Buddha war zuerst nur ein gewöhnlicher Mensch.
Japan

Auch da, wo der Floh gebissen hat, bleiben Spuren.
Estland

Auch dagewesen?
i] Musst du auch deine Bemerkung dazugeben? Was willst du hier?
Jüdisch-deutsch] Aach do weest?
i] Es ist Alles schon dagewesen, sagt in Gutzkow's Uriel Acosta der greise Ben Akiba mit einer solchen Hartnäckigkeit, dass am Schluss des 5. Aktes die Zuschauer dem Rabbi schon deshalb Glauben schenken, um endlich nach Hause gehen zu können.

Auch darf man ja nicht alles wissen.
Nec scire fas est omnia.
Horaz, Oden

Auch darf nicht geleugnet werden, dass wir persönlich einem Buche gar manchen Druckfehler verzeihen, indem wir uns durch dessen Entdeckung geschmeichelt fühlen.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Revision

Auch darf nicht vergessen werden, dass jeder Gedanke etwas von seiner Reinheit verliert, sobald er sich zu verwirklichen strebt.
Renan, Das Leben Jesu

Auch das Alltagsleben kann eine Tragödie sein.
Hans Christian Andersen, Bilderbuch ohne Bilder

Auch das Alter hat seine Freuden.
la] Non omnia grandior aetas, quae fugiamus, habet. Ovid

Auch das Angeln ist eine Kunst.

Auch das Auge des Teufels weint manchmal.
Japan

auch das Äußerste versuchen
la] extrema omnia experiri

Auch das beste Pferd kann nicht zwei Sättel tragen.

Auch das beste Pferd stolpert einmal.
i] Als der Präsident eines Gerichtshofs dies Sprichwort einmal gegen Voltaire anwandte, der sich gegen denselben über das widersinnige Verfahren des Gerichts in einem Prozesse beklagt hatte, bemerkte Voltaire: 'Das gebe ich zu; aber ein ganzer Stall voll Pferde sollte nicht stolpern.'
fr] Il n'y a cheval si bien ferré qui ne glisse.
fr] Il n'y a cheval si bon qui ne bronche.

Auch das Bettstroh wird ihm nicht bleiben.
ho] Hij zal zijn bedstroo nog moeten verkoopen.

Auch das blinde Pferd weiß, wann der Trog leer ist.
Schwarze in den USA

Auch das Chaos gruppiert sich um einen festen Punkt, sonst wäre es nicht einmal als Chaos da.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Auch das Denken kennt einen dreidimensionalen Raum.

Auch das Edelste kann der Gemeinste verhöhnen.
Auch das Gemeinste kann ein Edler verschönen.

Auch das Erz widersteht nicht der Zeit; doch, Diogenes, dein Ruhm
Bleibt für immer bestehen, trotzend dem Zahne der Zeit;
Denn du wurdest uns Führer zum selbstgenügsamen Leben,
Zeigtest den leichtesten Pfad, der zu dem Ziele uns führt.
Inschrift des Denkmals für Diogenes d. Kyniker

Auch das Falsche wirkt ansteckend. Das Aufdecken der Fehler, das Lernen aus diesen Fehlern, das ansteckend Positive: das ist das, was wir brauchen.
Johannes R. Becher, Unsere Wendung

Auch das freie Feld birgt Tücken.
la] Insidias et campus habet.

Auch das ganz kleine Übel wird zum großen Übel, wenn es vernachlässigt wird.
Pompejanische Inschrift

Auch das Gerede der Leute dauert nur fünfundsiebzig Tage.

Auch das geringste Schaffen steht höher als das Reden über Geschaffenes.
Nietzsche, Wir Philologen

Auch das glücklichste Leben endet der Tod.

Auch das Gold ist nur ein Erz.
Russland
fr] Nul or sans escume.
la] Auri natura non sunt splendentia pura.

Auch das Gold will gewaschen sein.

Auch das Gras bäumt sich, wenn der Wind darübergeht.
Russland

Auch das Gras hat seinen Feind an den Schafen.
Russland

Auch das große Los verdient es nicht, dass man bis an seinen Tod darauf hofft.
Russland
la] Expecta, aliquid continget.

Auch das größte Maul wird am Ende mit Erde gestopft.

Auch das Haus steht nicht auf einem einzigen Pfahl.

Auch das Hauskreuz? fragte Johann, als der Herr ihm befahl, die sämmtlichen Orden auf die Uniform zu heften.

Auch das Herz hat Ohren. Estland

Auch das hohe Alter hat seine Blüte...
Goethe, Schriften zur Literatur - Zu brüderlichem Andenken Wielands

Auch das ist Lüge und oft die kläglichste von allen: sich anzustellen, als wenn man einem Lügner seine Lüge glaubte.
Schnitzler

Auch das Katzengold glänzt.

Auch das Kleine muss man verehren, denn die Nadel (Feder) kann einen Schneider (Schreiber) ernähren.
z] Klein ding sol man verachten nicht, da es zuletzt auch viel ausricht.
la] Ex nuce fit corylus, ex glande fit ardua quercus, ex paruo puero saepe peritus homo.

Auch das Kleine wird im Großen groß.
Becher, Das poetische Prinzip

Auch das kleinste Gebüsch bringt Schatten.

Auch das kürzeste Leben enthält Jahrhunderte des Schmerzes.
China

Auch das lange Herumtragen und Betrachten der Träume ist kindisch, und während man auf eine Menge schöne Empfindungen, die man bei Gelegenheit solcher Träume hat, bei hellem Tag auf eine geträumte Weise stolz wird, vergisst man eine Menge zu tun, was wirklich, wahr und Pflicht ist.
C. Brentano, an Bettine

Auch das längste Lied hat ein Ende.
bm] I ta nejdelsí písnička má svůj konec.

Auch das Leben verlangt ruhige Blätter im Kranz.
Goethe, Der neue Pausias und sein Blumenmädchen

Auch das Leichte wird zur Last, wenn man's nicht mit Lieb erfasst.
la] Nihil tam facile, quin difficile fiat, si invitus facias. Terenz

Auch das leidige protestantische Sektenwesen wird aufhören und mit ihm Haß und feindliches Ansehen zwischen Vater und Sohn, zwischen Bruder und Schwester.
Goethe, Eckermann, 11.3.1832

Auch das Lesen will gelernt sein...
Becher, Das poetische Prinzip

Auch das Licht hat seine Tücke, darum versengt sich dran die Mücke.

Auch das Meer schlägt aus, wenn der Frühling kommt, aber am Tanz merkt man, wie die Blüten sind.

Auch das noch musst du lernen, dankbar froh
Den guten Augenblick genießen.
Friedr. Halm (Frz. Jos. Freiherr von Münch-Bellinghausen), Der Sohn der Wildnis (1842), V (Parthenia)

Auch das Pferd des Kaisers hebt den Schwanz.

Auch das Ross des Kaisers hebt den Schwanz.

Auch das schärfste Ohr kann die Ameise nicht singen hören. Sudan

Auch das schlechteste Fleisch findet einen Käufer.
ho] Nimmer blijft er vleesch in het vleeschhuis, hoe slecht het ook is.

Auch das Schlimmste hat ein Gutes.

Auch das Schmeicheln ist eine Kunst.
z] Gott hat uns die Zunge gegeben, damit wir unsern Mitmenschen etwas Angenehmes sagen. Heine
en] There is a craft in dawbing.

Auch das schnellste Pferd hat nur vier Beine.

Auch das Schöne muss sterben!
Schiller, Nänie

Auch das schönste Grün wird einmal Heu.

Auch das schönste Kleid kann man nicht essen.

Auch das Schweigen ist für dich von Nutzen, wenn nämlich deine Umgebung besser ist als du.
Epicharm, Fragmente

Auch das Schwein ist drei Tage im Nest.
Estland

Auch das seidene Hemd umhüllt nur einen nackten Körper.

Auch das Sich-Eingestehen, einen Fehltritt getan zu haben, birgt schon den Fortschritt in sich...
Becher, Macht der Poesie

Auch das stolzeste Werk, ins Leben gestellt, ist vergänglich;
Was man im Herzen gebaut, reisst keine Ewigkeit um.
Th. Körner, Erinnerung an Karlsbad 1811

Auch das Übel ist nicht von Dauer.

Auch das Unnatürlichste ist Natur, auch die plumpste Philisterei hat etwas von ihrem Genie. Wer sie nicht allenthalben sieht, sieht sie nirgendwo recht.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Fragment über die Natur

Auch das Versprechen ist (schon) eine Schuld.
Estland

Auch das Vieh denkt. Im Menschen.

Auch das Waisenkind hat sein Glück.
Estland

Auch das Waisenkind wird wohl ein Obdach finden.
Estland

Auch das war eitel! eitel Eitelkeit!
Am ird'schen Abglanz hing mein töricht Herz,
An dem vergänglichen des ew'gen Lichtes.
Nun faßt um Eitles mich ein eitler Schmerz!
Chamisso, Sonette und Terzinen: Ein Kölner Meister zu Ende des römisch 14. Jahrhunderts

Auch das Weinen bietet eine gewisse Lust.
Ovid, Tristien

Auch das welsche Huhn legt die Eier nicht gebraten.

Auch das Wollene wird zornig, das Wergige schwer zugänglich.
Estland

Auch das Wort hat seine Zeit.

Auch das Würmlein krümmt sich, wenn man's tritt.
la] Inest et formicis sua bilis.

Auch das Zölibat ist eine Form von Empfängnisverhütung.

Auch das Zuckerwerk, das die Schwiegermutter schickt, ist bitter, sagte die Schnur.

Auch das Zufälligste ist nur ein auf entfernterem Wege herangekommenes Notwendiges.
Schopenhauer, Parerga u. ParaIipomena

Auch das, was man das hohe Alter nennt, ist nur eine Spanne sehr weniger Jahre.
Lucius Annaeus Seneca, Trostschrift an Marcia

Auch dein Schwert muss sich regen, zieht der Feind den Degen.

Auch dem Arzt hilft kein Mittel, wenn der bleiche Tod am Bett steht.

Auch dem Beherztesten
Dünkt alles grauenvoll, wenn er den Fuß
in Feindesland gesetzt.
Schiller, Szene aus den Phönizierinnen des Euripides (Polynices)

Auch dem besten Hirten frisst der Wolf ein Schaf.
i] Alles Ungemach, jede Ungehörigkeit kann die wachsamste Aufsicht, die kräftigste Regierung nicht abwenden.

Auch dem Bettler soll man zu seinem Vaterunser Zeit lassen.

Auch dem edlen Menschen ist die Tugend nicht angeboren. Wie alle anderen Menschen muss er sie erlernen.

Auch dem Ehrlichen darf man kein Loch offen lassen.

Auch dem Einfältigsten gedeiht eine prächtige Ernte, wenn sein Feld gut ist, ob die Reishalme reich an Körnern sind, hängt nicht von den Vorzügendes Sämanns ab.

Auch dem Geschicktesten fährt der Karren einmal zu tief in die Pfütze.
fr] Qui art a par tout part a.

Auch dem guten Fischer entschlüpft der Aal.

Auch dem guten Reitpferd darf nie Ruhe gegeben werden.

Auch dem Hahn obliegt es, die Küken zu ernähren.

Auch dem Herkules stiehlt man seine Ochsen, wenn er schläft.

Auch dem ist wohl, der Silber hat.

Auch dem Kaiser scheisst die Fliege auf die Nase.

Auch dem Kleinen muss man nicht unrecht tun.

Auch dem Klugen kann ein Unglück begegnen, der Dumme aber hat's in der andern Hand.

Auch dem Reichen scheint nach dem Tode keine Sonne mehr.

Auch dem Schnabel eines jungen Raubvogels ist nicht zu trauen.

Auch dem Sozialismus wohnt eine Tugend inne: die gleichmäßige Verteilung des Elends.
Winston Churchill

Auch dem Spatz gefällt sein Gefieder.

Auch dem Teufel das Seine.
en] Give the devil his due.

Auch dem Teufel muss man sein Recht lassen.

Auch dem Teufel zündet man wohl ein Lichtlein an.

Auch dem ungeschickten Schwertschmied gelingt einmal ein gutes Schwert.

Auch dem Wasser darf es in Kanälen
Nie am Laufe, nie an Reine fehlen...
Goethe, Divan - Buch des Pansen - Vermächtnis altpersischen Glaubens

Auch dem Weisen fügt behäglich
Sich die Torheit wohl zur Hand,
Und so ist es gar verträglich,
Wenn er sich mit euch verband.
Goethe, Der Kölner Mummenschanz

Auch dem Wolf ist sein Junges lieb.

Auch dem Zaren würden die Flügel abfallen, wenn Gott ihn fangen wollte.
Russland

Auch dem zufälligen Gast erweise einen guten Empfang.

Auch den alten armen Adel kan man mit eim Judenspiess erobern.

Auch den gelehrten Kopf nimmt der Tod beim Schopf.

Auch den kleinen Feind darf (o. muss) man nicht verachten, wenn man ihn lässt, ohne sich zu kümmern, stiehlt er einem das Reich.

Auch den kleinen Feind darf man nicht verachten; wenn man ihn lässt, ohne sich zu kümmern, stiehlt er einem das Reich.

Auch den schlimmsten Feind gewinnst du durch Brot.

Auch den schlimmsten Hecht muss man nicht lebendig schuppen. (Recht auf Menschenwürde)

Auch den schlimmsten Hecht soll man nicht lebendig schuppen.
i] Man soll den Verbrecher strafen, aber nicht quälen. Recht auf Menschenwürde.

Auch den schönen Balg stoßt der Falk.

Auch den stärksten Grund zerstört, manch Aber und Und.

Auch den Stärksten kann man treiben, dass er muss liegen bleiben.

Auch den Strick des Hundes muss man unberührt lassen.

Auch den teuersten Falken erkennt man erst wenn man ihn auf den Reiher loslässt.

Auch den Verdruß müsse man sich zunutze machen, denn er sei ja auch ein Teil, und zwar ein großer, des Lebens.
Goethe, F. v. Müller, 26.1.1825

Auch den vertrautesten Freund verschone mit deinem Geheimnis! Forderst du Treu von ihm, die du dir selber versagst?
Johann Gottfried Herder, Blumenlese aus morgenländischen Dichtern

Auch den weisen Mann bellen Hunde an.

Auch den weisen Mann ein Narr barbieren kann.
mhd] Von tumper ougen blicke wirt vil wîser man betrogen.

Auch den Wolf jagt der Hunger aus dem Wald.

Auch den Zaren und die Zarin nimmt der Tod auf den Rücken, wenn es ihm beliebt.
Russland

Auch den, der eine schöne Bücherei besitzt, zählt man zu den Gelehrten.
Comenius Labyrinth der Welt

Auch denen, die uns lieben und verehren, wird nicht eher in unserer Nähe wohl, als bis sie entdeckt haben, wo wir sterblich sind.
A. Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Auch denkt niemand daran, sich von einem Werk der Poesie auf seinem eigenen Wege fördern zu lassen, sondern jeder will sogleich wieder dasselbige machen.
Goethe, Eckermann, 20.4.1825

Auch der Aar hat erst auf der Erde geflattert, eh' er sich zum Himmel erhob.

Auch der Aberglaube profitiert vom jeweiligen Stand der Wissenschaft.
Goethe

Auch der Adel braucht die Nadel.
i] Der Höchste bedarf der Dienste der Niedern.

Auch der Adler fliegt nicht höher als die Sonne.

Auch der Allbezwinger Schlaf
Löst, wenn er fesselt, und umfängt nicht ewig uns.
Wie sollten wir nur weisem Maß nicht huldigen?
Sophokles, Aias, 642/44 (Aias)

Auch der Alte lebt, so lange Gott will.
dä] End lever gammel, men god vil.

Auch der alte Pfahl hofft bei Frühlings Wiederkehr, dass er grünen werde.
Finnland

Auch der Ameise ist Galle gegeben.
bm] Ano i mravenec umí se huěvati.
fr] La fourmi a sa colère.
ho] Ook de mieren hebben hare koppen.
it] Anche la moscha ha la sua collera.
it] Anche le piccole mosche hanno il loro pungiglione.
la] Et formicae sua bilis inest.
la] Habet et muscula splenem.
la] Inest et fortnicae bilis.
pl] I macha ma źółi w sobie.
pl] I mrówka ma swój gniew.
pl] I mucha ma żółć w sobie.
pl] I robak piśnie, gdy go kto przyciśnie.
pt] Cada formiga tem sua ira.
sp] Cada hormiga tiene su ira.
un] Még a bárányban is vagyon harag.

Auch der arme Kiesel gibt Funken, wenn der reiche Stahl sie lockt.
i] Gegen die Verachtung der Armen, deren gute Eigenschaften nur der Entwickelung seitens ihrer günstiger gestellten Mitmenschen bedürfen.

Auch der Arme, der gern reich sein möchte, redet unaufhörlich vom Missbrauch des Geldes und den Lastern des Reichen, wodurch er aber nichts anderes erzielt, als dass er sich ärgert und anderen zeigt, wie er nicht bloß über seine eigene Armut, sondern auch über der anderen Reichtum Unmut hegt.
Spinoza, Ethik

Auch der armseligste Mensch, mag er noch so eingeschüchtert und heruntergekommen sein, ist ein Mensch und unser Bruder.
Fjodor M. Dostojewski, Erniedrigte und Beleidigte

Auch der Aufschub hat seine Freuden.
Goethe, Götz von Berlichingen (1773), A. 1, Jaxthausen (Maria)

Auch der Aufwand für wissenschaftliche Studien, der noch der edelste ist, hat nur so lange Berechtigung, als er vernünftiges Maß hält. Wozu unzählige Bücher und Bibliotheken, deren Besitzer sein ganzes Leben lang kaum die Titelverzeichnisse durchliest? Ihre Menge belästigt den Lernenden, statt ihn zu unterrichten, und viel besser ist es, wenn du dich wenigen Schriftstellern widmest, als wenn du unter vielen herumirrst.
Seneca, Von der Gemütsruhe

Auch der Bauer isst nicht ungesalzen.
i] Was ihm indessen von seinem Schulzen, Landrat oder Pfarrer vorgepredigt wird, ist in der Regel nicht mit attischem Salze überfüllt.

Auch der Bauer sät nicht bei Altmond, weil die Aussaat bei Altmond herabrieselt.
Estland

Auch der Baum gibt sich beim Wachsen Mühe.
Estland

Auch der Baum, auch die Blume warten nicht bloß auf unsere Erkenntnis. Sie werben mit ihrer Schönheit und Weisheit aller Enden um unser Verständnis.
Christian Morgenstern

Auch der Baum, unter dem man Schutz sucht, lässt das Wasser durch.
Japan

Auch der beste Acker bringt allein keine Frucht.

Auch der beste Gaul stolpert einmal.
en] A good marksman may miss.
en] It's a good horse that never stumbles.
en] The best horse stumbles.
fr] Il n'est si bon cheval qui ne bronche.
fr] Il n'y a si bon charretier qui ne verse.
it] Sbaglia il prete all'altare e il contadino all'aratro.

Auch der beste Gaul wird steif geritten.

Auch der beste Hund verliert zuweilen die Spur.

Auch der beste Jäger kann nur Rehe schießen, wenn (o. wo) es welche (o. deren) gibt.
Russland

Auch der Beste kann fehlen.

Auch der beste Krug geht einmal entzwei.

Auch der beste Schreiber macht ab und zu einen Tintenklecks.

Auch der beste Schreiber macht einen Klecks.
sp] A quen millor escribe, caille un borrón.

Auch der beste Trinker muss Atem holen.

Auch der beste Wein hat sein Lager.

Auch der beste Wind kann's nicht allen Schiffen recht machen.

Auch der Bissen ist nicht dein eigen, er fällt aus dem Mund auf den Boden.
Estland

Auch der böseste Hund wedelt mit dem Schwanze.
i] Freundlichkeit ist keine Bürgschaft für Güte.

Auch der demütigste Mensch glaubt und hofft innerlich immer mehr, als er auszusprechen wagt.
Gottfried Keller, Glauben, Hoffnung

Auch der Dieb betet zu Gott, dass man (ihn) nicht faßt.
Estland

Auch der Dilettant hat zuweilen Einfälle, die selbst den Anspruchsvollen zu verblüffen imstande sind. Aber im Gegensatz zum Künstler vergisst er meistens, dass der Einfall nichts ist als notwendige Voraussetzung und oft nichts anderes bedeutet als eine Versuchung, die auch in den Abgrund führen kann.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Auch der Dumme hat manchmal einen gescheiten Gedanken. Er merkt es nur nicht.

Auch der dümmste Klosterbruder weiß den Vorteil, einen Ungerochsen im Fluge zu schießen.

Auch der ehrlichste Denker wird es ohne Humor niemals zum Philosophen, sondern immer nur zum Pedanten bringen.
Arthur Schnitzler, Ungedrucktes, Wien 1928

Auch der einfachste Arbeiter fühlt, dass sich künstlich nichts schaffen lässt, dass das, was werden soll, sich entwickeln muss, und zwar mit dem Ganzen durch das Ganze, nicht getrennt und isoliert von ihm.
August Bebel (1840-1913), Charles Fourier

Auch der Erfinder der Schrift hat Schreibfehler gemacht.
Japan

Auch der erste Schritt gehört zum Wege.
Arthur Schnitzler, Aphorismen und Betrachtungen aus dem Nachlass

Auch der Esel, auf dem Jesus ritt, kommt nicht in den Himmel.

Auch der Esel, der zur Mühle geht, dient dem Herrn.
i] Keine Gattung Last- und Zugtiere war in Betreff der Dienste, die der Bauer dem Gutsherrn zu leisten hatte, ausgenommen.

Auch der Falke fliegt nicht höher als die Sonne.

Auch der Faule wird schon seine Kinder ernähren, der Spätling sich verpflegen.
Estland

Auch der Fisch hat in der Tiefe keinen Gefallen.

Auch der Freund hat seinen Freund.
Estland

Auch der Friede ist 'ne Frage der Macht!
Friedrich Wolf, Die Matrosen von Cattaro

Auch der Frosch quakt, wenn man auf ihn tritt.
Estland

Auch der Geist hat seine Hygiene. Er braucht, wie der Körper, seine Gymnastik.
Honoré de Balzac

Auch der Geist kann eine erogene Zone sein.

Auch der Geizige öffnet den Schrank, dauert das Bitten zu lang.
it] L'importuno vince l'avaro.

Auch der Geringste kann dir einst von Nutzen sein.
Lafontaine, Der Löwe und die Maus

Auch der größte Fluss muss dem Meer sein Wasser geben.
it] Ogni gran fiume porta tributo al mare.

Auch der größte König muss zum Schluß mit einer Schaufel ins Bett gehen.
England

Auch der gute Apfel verdirbt, wenn er neben dem verfaulten liegt.
Russland

Auch der Hahn kräht nicht, wenn man befiehlt.
Finnland

Auch der Hahn, wenn er über den Zaun geflogen, kratzt Körner aus.

Auch der Haken wird einmal ein Loch finden.

Auch der hässliche Mensch ist ein Mensch Gottes.
Russland

Auch der hässlichste Mensch ist ein Mensch.

Auch der Haushahn ist kampffertig auf seinem Mist.

Auch der Heilige wendet das Haupt um, wenn die schmucke Dirne nackt bei ihm vorübergeht.
Russland
bm] I svatí jsou hresili, jen ze se odhreresli.

Auch der Hering gewöhnt sich an seine Tonne.
i] Wird als Trostwort einem überzähligen Passagier zugerufen.

Auch der heutige Tag hat seinen Abend.
Litauen
i] Darum säume nicht!

Auch der hinterste Ochse erreicht den Kral.
Afrikaan

Auch der Honig erzeugt Übersättigung.
Griechenland
dä] For meget hunning smager bitter.
fr] Au desgouté le miel amer est.
la] Mel invenisti, comede quod sufficit tibi, ne forte satiatus evomas illud.
la] Sicut qui mel multum comedit, non est ei bonum.

Auch der Hund des Zaren bellt, wenn er einen Knochen sieht.
Russland
ho] Als de hond een been heeft, dan heeft hij zijn' staart op.

Auch der Hund hebt den Fuß zur Hochzeit.

Auch der Hund scharrt den Knochen ein, wenn er satt ist.
Estland

Auch der Kahn, in welchem Väterchen Zar sitzt, bedarf des Ruders.

Auch der Kaiser hat sein Bein, woran er nagen muss.
Russland
ho] Wij kunnen allen geene keizers wezen.

Auch der Kaiser herrscht nur im Saal, denn seine Kammerdiener herrschen im Vorsaal.
Russland

Auch der Kaiser schüttelt sich, wenn er das Fieber hat.
Russland

Auch der Kater lebt nicht immer in der Butterwoche, sondern bisweilen in den großen Fasten.

Auch der Katze kann man hinten gescheit stecken.

Auch der Kluge nimmt Schaden.
fin] Vahinko tulee viisaallekin.

Auch der Kluge reitet manchmal einen Narren an.
Nordböhmen
i] Macht einen dummen Streich.

Auch der Kluge tritt manchmal in des Lammes Dreck.
Estland

Auch der Kluge wird betrogen, auch der Falsche kann in Netze geraten.
Finnland

Auch der Klügste kann fehlen.
fr] Les plus doctes sont sujets à faillir.
fr] Il n'est si bon charretier qui ne verse.
fr] Il n'est si bon tireur qui ne manque.

Auch der Klügste kann irren.

Auch der Klügste kann irren.
bm] Nejmoudřejsí můze chybití.
fr] Les plus sages faillent souvent en bon chemin.
kroat] Najpametnéji faleti more.

Auch der Klügste kann sich irren.

Auch der Kohl gehört zu den Gemüsen.
i] Altgriechisch, von einem unbedeutenden Menschen, der für viel gehalten sein will.

Auch der Köhler ist daheim der Herr.

Auch der kommt vorwärts, der mit Ochsen fährt.

Auch der König hat zu beichten.

Auch der König isst den Honig nicht mit Löffeln.
bm] Král veliký pan, a lopatou cukru nejí dá.
pl] Król wielki pan, a łopatą cukru niejada.

Auch der König ist ein Mensch.
fr] Le roy est home, come vng aultre.
la] Rex etiam homo est.

Auch der Körper muss fest sein und darf nicht hin und her geworfen werden, weder bei der Bewegung noch bei der Ruhehaltung.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Auch der Krähe angetane Ungerechtigkeit kann bestraft werden.
Estland

Auch der Krebs bleibt nicht immer in einer Schere.

Auch der Kropf ist dem Liebenden eine Zierde.

Auch der Kuckuck ruft zu seiner Zeit.
Estland

Auch der Langsame wird sich ernähren, der Unbeholfene seinen Kopf verspeisen.

Auch der längste Krieg führt endlich zum Frieden.
fr] On ne fait la guerre que pour faire enfin la paix.

Auch der längste Mai reicht nicht in den Juni hinein.
Russland
ho] Ten duurde nie mei seven maende.
la] Non stat per menses maius septem redolentes.

Auch der längste Tag erreicht einmal den Abend.
Estland

Auch der Leu hat einer Maus vonnöten.
i] Aus einer bekannten Fabel entstanden.

Auch der liebe Gott schläft zuweilen.
Russland

Auch der Lorbeer sollte längst unter Naturschutz stehen.
Stanislaw Jerzy Lec, Unfrisierte Gedanken

Auch der Löwe muss sich der Mücke wehren.
fr] Il ne faut pas mépriser les petites choses.
fr] Il ne faut pas négliger les petites choses.

Auch der Marmor ist erst glatt, wenn er poliert ist.

<<< operone >>>


DEUTSCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79


ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


FRANZÖSISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49


ITALIENISCH
1 2 3 4


LATEINISCH
1 2 3 4


PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10