Weisheiten 15


Andern das Glück in die Hände spielen.
i] Wenn uns etwas nicht nach Wunsch gelingt, und ein anderer davon den von uns beabsichtigten Vorteil erhält. Vom Würfelspiel entlehnt, wenn man so wirft, dass man verliert und ein anderer gewinnt.

Andern die Federn vom Rocke klauben.

Andern die Schalen geben und sich den Dotter behalten.

Andern ein Vormünder, sich ein Torminder.
z] Wie solt ich andere guberniern, da ich mich selbst nit kann regiern, andern ein Vormünder, mir ein Torminder.

Andern empfiehlt er Braten und kann sich selber nicht raten.
la] Aliis prospiciens, non sibi.

Andern fängt man Ratten, sich kann man keine Maus fangen.

Andern flickt man die Säcke, die seinen lässt man die Mäuse fressen.
fr] Les cordonniers sont ordinairement les plus mal chaussés.

Andern ins Maul sehen müssen.
i] Ihrer Gnade leben müßen.

Andern ist gut predigen.

Ändern ist nicht bessern.

Ändern ist nicht bessern; und bessern ist zweierlei.

Andern Leuten flickt er den Sack, seinen lässt er die Mäuse fressen.

Andern Leuten muss der Esel Haare tragen.

Andern predigen ist leichter als selber tun.
it] Chi predica agl' altri, non si scordi di se stesso.
it] Felice chi mette in opra il ben che dice.
it] Per ben predicar, si deve prima far.

Andern putzt sie auf, aber sie selber ist eine Schlumperliese.
bm] Jiné kase (podkasává), a sám se plíhá.

Andern raten ist leichter als sich selber erkennen.
z] Stromabwärts schwimmt, wer andern rät, stromaufwärts, wer sich selbst erkennt.
la] Leve est dare consilium, arduum se noscere.

Andern raten wir immer recht und uns selber beraten wir schlecht.
z] Wir können allen andern raten, dass dies und jenes soll gehn von statten, zum öfftern aber wohl geschicht, dass wir uns können raten nicht.
la] Tria sunt necessaria: vesci absque saturitate, non refugere laborem, et abstinere a venere.

Andern soll man viel, sich selber nichts verzeihen.

Ändern und bessern ist zweierlei; viel wird in der Welt geändert, aber wenig gebessert.

Andern vergib viel, dir selbst nichts.
dä] Forlad andre, men ei dig selv.
it] Condona i falli d'altrui ma non i tuoi propri.

Andern vertreibt er die Ratten und ihn vertreiben die eigenen Mäuse.
Russland
fr] L'enseigne du logis chacun esberge et demeure à la playe.
la] Qualis vita, talis fama.

Andern will er Ratten fangen und ihn selbst fressen die Mäuse.
z] Wer andern Rat erteilt und da ihm Hülffe Not, sich allzulang verweilt, von dem heissts: Dieser Mensch wiel andern Ratten fangen und kan vor sich doch selbst nicht eine Maus erlangen.
it] Chi non sà far i fatti suoi, peggio sà far quei d'altri.
la] Nequicquam sapit, qui sibi ipsi non sapit.

Andern zum Ergötzen, sich zu Tode zu hetzen.
Wendische Lausitz

Anders benehmen sich Männer, wenn sie allein unter sich, anders, wenn sie mit Frauen zusammen sind, und wieder anders wird sich dieselbe Gesellschaft betragen, wenn ein Vornehmerer unter sie tritt, dem sie Ehrfurcht zu bezeigen Ursache haben.
Goethe, Rameaus Neffe, Anmerkungen. Geschmack

Anders denk' ich, anders tu' ich.

Anders denkt der Braune und anders der, so ihn sattelt.

Anders der Mund es redet, anders das Herz es meint.
fr] Il a dit de bouche, mais le coeur n'y touche.

Anders hat sich der Jüngling, anders der Greis zu betragen. Vom Jüngling fordert man, dass er die älteren Leute ehrt, dass er sich den Besten und Bewährtesten anschließt, um sich auf ihren Rat und ihr Ansehen zu stützen; denn die Unerfahrenheit des jugendlichen Alters bedarf zur Stütze und Leitung der Umsicht des gereiften Alters.
Cicero, Drei Bücher von den Pflichten

Anders ist der Honig, anders sein Preis.

Anders ist es mit den Franzosen (im Gegensatz zur deutschen Kolonisation), welche ihrer Anlage nach gewalttätig sind und andere Nationen ausschließen wollen, wo sie sich festsetzen.
Chamberlain zu Herbert Bismarck (1884)

Anders lebt man bei uns, anders zu Rom.

Anders machen ist nicht besser machen.
ndt] Anderschmachen äs nit Biessermâchen.

Anders reden dann im Herzen han, ist gemein bei jederman.
la] Est mens nostra suis contraria saepe loquellis.

Anders reden und anders meinen ist das schändlichst auf Erden.

Anders regiert man das Schiff, wenns gut Wetter ist, anders wanns bös und ungestümm ist.

Anders sagen die Musen, und anders sagt es Musäus.
Goethe, Physiognomische Reisen. Der Dichter

Anders singt die Krähe, anders die Nachteule.

Anders spricht der Herr, anders der Knecht.
la] Alia Leucon, alia Leuconis asinus portat.

Anders spricht er und anders denkt (tut) er.
la] Aliud in ora, aliud in corde.

Anders und doch der gleiche
la] alius et idem
Horatius, Carmen saeculare

Anders,
Begreif ich wohl, als sonst in Menschenköpfen,
Malt sich in diesem Kopf die Welt.
Schiller, Don Carlos, III, 10 (König Philipp)

Anderswo (o. anderwärts) ist auch gut Brot essen.
ndt] Annerwegen ward ok Brod backt.
ndt] Annertwäigen wärt äuk Bräoud backen.
Arnsberg
dä] Man bager saa godt bröd andensteds som her.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.
la] Omne solum forti patria est.

Anderswo gibt es (o. sind) auch Leute.
z] Sie tun nach ihrem, nicht nach deinem Willen.

Anderswo isset man auch Brot.

Anderswo ist auch gut Brot essen.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.

Anderswo ist die Welt auch nicht mit Brettern vernagelt (o.) verschlagen.

Anderswo ist's immer besser.
bm] Kde nás není, tam dobře.

Anderswo sucht er, was er zu Haus im Überfluss hat.
Böhmen
i] Nämlich zu tun und zu sorgen.

Anderswo
la] alibi

Anderthalb Mann und ein Pferdekopf.
i] Von einem Zimmer oder irgendeinem Orte, wo sich sehr wenig Menschen befinden. Aus einer Till Eulenspiegelschen Erzählung entstanden. Als Till Eulenspiegel noch als kleiner Knabe in der Wiege lag, da kam eines Morgens, als seine Eltern oben nicht anwesend waren, ein Mann zu Pferde an die Tür, die er aufstieß und fragte, ob niemand zu Hause sei. Eulenspiegel antwortete: 'Anderthalb Mann und ein Pferdekopf', weil er sich nur für einen halben Mann rechnete, der Reiter aber mit dem Leibe auf dem Kopfe des Pferdes lag und beide zum Teil im Wohnhause waren.

Änderung der Gesetze bessert niemand.

Änderung macht oft gute Ordnung.

Änderung zum Nachteil
la] reformatio in peius
[RSpW]

Änderungen im Regiment nehmen selten ein gutes End'.

Anderwärts ist auch gut Brot essen.

And'r Laits (Leute) Brûd is d'r Kend'r Säm'l.

Andre Jahr', andre Haar'; andre Zeit, andre Freud.

Andre lehren ist die größte Kunst.

Andre Leute, wenn sie springen
In die Schranken, sind gesund;
Doch wir Minnesänger bringen
Dort schon mit die Todeswund'!
Heine, Der Minnesänger

Andre Städtchen, andre Mädchen.
Ovid

Andre Zeit, andre Anfechtung.

Andre Zeiten, andre Musen.
Uhland, Die neue Muse

Andre Zeiten, andre Vögel!
Andre Vögel, andre Lieder!
Sie gefielen mir vielleicht,
Wenn ich andre Ohren hätte.
Heine, Atta Troll

Andre zu kennen, das musst du probieren,
Ihnen zu schmeicheln oder sie zu vexieren.
Goethe, Sprichwörtlich

Andreas (30. November) hell und klar, bringt ein gutes Jahr. Eifel

Andreas (30.11.) hell und klar bringt ein gutes Jahr.
ndt] Andreas, hell on klôr bröngd e gud Jôhr. Trier
pl] Święty Andrzej jasny i pogodny będzie roczek płodny.

Andreasschnee (30.11.) bleibt hundert Tage liegen.

Andreasschnee kann lange liegen, Hubertusschnee (3.11.) im Graben versiegen.

Andreasschnee tut dem Korn weh.
pl] Śnieg na Andrzeja, dla zboża zła nadzieja.
pl] Śniegi w dzień Andrzeja gęste, żytom czynią szkody częste.

Andreasschnee tut Korn und Weizen weh.

Andreis Misse (o. Sünte Dreies Misse) bringet den Winter wisse (= gewiss).

Andrer Leute Frauen sind die besten, die eigenen Kinder sind die besten, Gemüse des eigenen Gartens schmecken nicht, die aus anderen Gärten sind die besten.
China

Andrer Leute Kreuz lehrt das eigne tragen.

Andrer Leute Schmerzen tun nicht weh.
Köthen

Andrer Lüte (Leute) Küje hend allewîl e größer Üter.

Andrer Mann, andres Glück.

Andrer Torheit bemerkt man ehere als eigene.

Andrês brängk (bringt) dä kahle Frês (die kalten Fröste).
Köln
ho] Sint Andries staat op en vringt, en laat niet af voor onze Lieur frouw Lichtmesdage.

Andres macht Pappe süß.

Andris bringt den Schnee gewiss.

Andrus (Andreastag, 30.11.), der ehrliche Mann, gibt die Weihnachten (25.12.), Toomas (Thomastag, 21.12.), der grobe Mann, bringt die Weihnachten, Nuut (Knutstag, 7. od. 13.1.), der Zapfen vom Bierfaß, bringt die Weihnachten fort.

Ane kluge Maus wêss mehr alls ee Lôch, sagte der Spitzbube, als er ins zehnte Gefängnis ging.
Schlesien

Äneas roch Lavendelduft und kannte seine Mutter.

Anerkennende Worte sind eine beliebte Einleitung für anschließenden Tadel.

Anerkennung geht in der Regel nur so weit, als sie dazu dient, dem Anerkennenden selbst Relief zu geben.
Karl Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis

Anerkennung ist das Brot der Geister.

Anerkennung ist das Wort eines Idioten, man findet sie im Lexikon, aber nicht im menschlichen Herzen.
Honoré de Balzac, Modeste Mignon

Anerkennung ist eine beliebte Friedhofspflanze.

Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst.

Anerkennung und Applaus können auch Vernichtung bedeuten.

Anerzogen ist wie angeklebt, manchmal aber verwächst das Angeklebte.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Anes, Fanes (Fenchel), Koriander ist der vin' als wi der ander.
Ulm

Anfahen ist schwer, beharren ist Kunst.
Petri, II, 16.

Anfall fällt vor sich.
[RSpW]
i] Der Erbgang ist niederwärts.
mdh] Der Anfall vellet vor sich.

Anfall stirbt der Mutter in den Schoß.
[RSpW]
i] Wird ein eheliches Kind erst nach des Vaters Tode geboren, so ist es Erbe, sobald es die Augen öffnet und die vier Wände beschreit. Stirbt es wieder, so fällt sein Anteil an die Mutter, was der Sinn des obigen Sprichwortes ist.
mhd] Daz angevelle stirbet der muter in den schoz.

Anfang flüchtig, Fortgang nichtig.

Anfang heiß, Mitte lau, Ende kalt.
la] Principium fervet, medium tepet, ultima frigent.

Anfang ist bedenkenswert.

Anfang ist dasjenige, was selbst nicht mit Notwendigkeit auf ein anderes folgt, wogegen nach ihm naturgemäß ein anderes ist oder wird; Ende im Gegenteil das, was selbst naturgemäß nach einem andern folgt, sei es mit Notwendigkeit oder bloß in der Regel, wogegen nichts andres nach ihm folgt.
Aristoteles, Dichtkunst

Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
ho] Het begin is het halve werk.
la] Principium dimidium totius. Hesiod

Anfang ist ein gut Behagen, denn das Ende die Last muss tragen.
fr] Au commencement tout est beau.
it] Il veleno sta nella coda.

Anfang ist ein gut behagen,
Das end muss den last tragen.
fr] Au commencement tout est beau.
it] Il veleno sta nella coda.

Anfang ist kein Meisterstück.
fr] Les apprentis ne sont pas maîtres.
fr] N'a pas fini qui commence.
it] Tutti i principi son deboli.
la] Inventum simul et perfectum nihil est.

Anfang und End' in allen Sachen
Muss man mit Gott dem Herren machen.

Anfang und end nicht bleiben gleich, wer heut ist arm, wirt morgen reich.

Anfang und End steht alles in Gottes Händ.

Anfang und Ende in allen Sachen muss man mit Gott dem Herren machen.

Anfang und Ende reichen sich (o. einander) die Hände.

Anfang und Ende sind selten gleich.
dä] Enden og begyndelsen vil ey gierne folges ad.
la] Flebile principium melior fortuna sequetur.
la] Non sibi concordem spondent exordia finem.

Anfang und Ende sind wohl unter sich verwandt,
Doch ist der Anfang blind, das Ende hat's erkannt.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Anfang und Ende vom Januar zeigen das Wetter fürs ganze Jahr.

Anfang und Ende wollen nicht allzeit übereinkommen.

Anfang Verstand und Rat, zum Fortgang Vorsicht, zum Vollenden Glück und Beständigkeit.

Anfang, bedenk das Ende! Wahlspruch des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (gest. 1640)
la] Pricipiis obsta.

Anfang, bedenk das Ende!
Wahlspruch des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (gest. 1640)
dä] For begyndelsen taenk paa ende.
dä] Som enden er sidst i gjerningen maae den vaere först i betragtningen.
fr] Au commencement considérez la fin.
la] Principiis obsta.

Anfang, Mitte und Ende sein.
i] Die Seele des Ganzen, alles in allem sein.
la] Principium, medium et finis.

Anfang, Mittel und End' allein, lass Gott in allen Sachen sein, denn, was mit Gott wird angefangen, ist niemals übel ausgegangen.

Anfang: der wichtigste Teil der Arbeit.
Platon

Anfangen = Afoh ist gut, aber höre (= aufhören) no besser.
Luzern

Anfangen ist ein gut Behagen, denn das Ende die Last muss tragen.
fr] Au commencement tout est beau.
it] Il veleno sta nella coda.

Anfangen ist halb, vollenden ganz.
(zit) Der Beginn ist die Hälfte des Ganzen.
Pythagoras

Anfangen ist leicht, (doch) Beharren ist Kunst.
dä] Let er at begynde, men at fare fort og fuldende, hører forstand og mod til.
fr] Il est aisé de commencer, mais pour continuer et pour finir il faut du jugement et du courage.
it] Non ci è più difficil cosa ch' il cominciare.
pl] Łatwiej jest zacząć niż skończyć.

Anfangen ist leicht, Beharren ist schwer.

Anfangen ist leichter als aufhören.
Mageligerre er den förste ende at gribe an, end den sidste at faae fast.

Anfangen lasst sich viel!

Anfangen tut's.

Anfangen und aufhören sind bei ihm eins.
la] In limine deficere.

Anfangen und Ringen
Ist bei allen Dingen.

Anfangen und Vollenden (o. Ausmachen) ist zweierlei.
fr] Commencer et finir sont deux.
fr] N'a pas fini (o. fait) qui commence. (Der hat nicht getan [das Werk vollbracht], der anfängt)
it] In limine deficere.

Anfangen zu bemerken, und bemerkt zu werden, ist ein kurioser Punkt unsers Lebens, geliebter Freund.
Goethe, An J. L. Hetzler (Konzept), 28.9.1770

Anfangen zu verstehen heisst anfangen zu sympathisieren.
Stevenson, Die Geschichte der Lüge

Anfangen, fortfahren und hinausführen gehören zusammen.
dä] At beginde, fare fort og fuldende hörer sammen.
fr] N'a pas fait qui commence.

Anfang'n un tolang'n.'
z] Beide Hann' in beide Taschen, will dat Spillwerk doch nie flaschen.

Anfangs bedenk das End.

Anfangs eine Sache zum Lachen, später wird es Ernst.
Estland

Anfangs fällt die Gestalt im Grabe ein, dann schleift sich sogar ihr Bildnis auf dem Grabsteine hinweg, - was bleibt? Was beide erschuf, die Seele!
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Anfangs geht man ins Wasser und glaubt, man wolle wohl durchwaten, bis es immer tiefer wird, und man sich zum Schwimmen genötigt sieht.
Goethe, An Schiller, 21.12.1804

Anfangs halt gute maß, spar, was noch ist im Fass, sonst, wenn du am end erst sparen wilt, so ists zu spat, es ist verspilt.

Anfangs Hauses.
i] In der ersten Zeit des Ehestandes.

Anfangs holt man Wasser mit dem Sieb, später nicht mal mit dem Eimer.
Estland

Anfangs Honigwochen (= Flitterwochen), später Tränenwochen.
Estland

Anfangs immer groß und berühmt, später scheint (es) nicht mal aus der Wandritze heraus.
Estland

Anfangs immer so gut und teuer, später wird man mit der Hundepeitsche weggejagt.

Anfangs macht man immer die ganze Welt, später nicht mal ein einziges Hemd.

Anfangs nimmt der Mann einen Schnaps, später nimmt der Schnaps den Mann.
Estland

Anfangs verbreiten sich die Räuden zwischen den Fingern, aber später kratzt man sich schon den Arsch.
Estland

Anfangs wollt' ich fast verzagen,
Und ich glaubt', ich trügt es nie,
Und ich hab' es doch getragen, -
Aber fragt mich nur nicht wie.
Heine, Buch der Lieder
i] Diese Zeilen verdanken ihre Entstehung einem höchst prosaischen Umstande. Heine dichtete sie auf einem Balle mit Bezug auf seine Schuhe, die ihn fürchterlich drückten.

Anfangs zog Aegina die besten Kinder.
i] Von allem, was einen guten Anfang nimmt, allmählich aber schlechter wird.

Anfangstermin
la] dies a quo

Anfank un Enne sint selten glück.
Sauerland

Anfechtung ist der Seele eine Artzeney und dem Leibe Gifft.

Anfechtung ist ein Salz, welches die Tugend würzt.
la] Virescit vulnere virtus.

Anfechtung lehrt aufs Wort merken.
i] Auf die Stimme Gottes, sie tue sich kund in der Natur, Vernunft oder Bibel

Anfechtung lehrt, dass man Gott hört.

Anfechtung macht einen Mann.

Anfechtung macht gute Christen, sagte der Handwerksbursch auf der Landstraße.

Anfechtung macht gute Christen.
i] Bewährung macht stark

Anfragen steht frei.

Anführerin bei den Übeltaten aber ist die Frau, in Verbrechen ist sie Künstlerin.
Lucius Annaeus Seneca, Hippolytus

Anführungszeichen sind oft nichts als faule Ausrede, mittels deren der Autor die Verantwortung für eine Banalität, die ihm in die Feder kam, oder für die ihm nichts besseres einfiel, dem schlechten Geschmack seiner Zeitgenossen aufzubürden versucht.
Arthur Schnitzler

Angeben und Ertz schatzen trifft selten zu.

Angeber sind des Teufels Netzweber.

Angeber sind Sprachriesen, in denen sich Denkzwerge verstecken.

Angeber und Zwischenträger sind das erbärmlichste Gesindel, das Gottes Erdboden trägt.
Roderich Benedix, Die Dienstboten

Angeboren Blut queint, wenn's gleich nur ein Tröpflein wäre.
i] Blutsfreunde treten ans Herz.

Angeboren ist besser als angelernt.

Angeboren ist unverloren.
it] Quel che vien dalla natura, fino alla fossa dura.

Angeborene Weise geht schwer aus ihrem Gleise.
la] Difficile est tacitos naturae abscondere mores, ponere difficile est, quae placuere diu.

Angeborene weise ist schwer zu verbergen.
la] Difficile est ingenitos mutare mores.

Angeborne mängel kan man nicht aus und ein setzen wie der Glaser die Fenster.
z] Gewisse Mängel sind nothwendig zum Dasein des einzelnen. Es würde uns unangenehm sein, wenn alte Freunde gewisse Eigenheiten ablegten.

Angebotene Dinge sind niemanden eben.

Angebotene Hilfe hat keinen Lohn.

Angebotene Ware gilt nichts.

Angebotene Ware hat lahme Füße.

Angebotene Ware stinkt.
en] Proffer'd ware stinks.
ho] Aangeboden waar is verdacht.
it] Mercanzia offerta è spesso 'guastata.
it] Mercanzia offerta hà mal odore.
la] Merx ultronea putet.

Angebotener (aufgedrungener) Rat trägt keinen (wenig) Dank.
z] Geh nicht zu rath, man heiss dich dann, dann wann man dich dabei will han, wird man dir einen Boten schicken und dich zu ihm heißen rücken.
mhd] Chom nymma an den ratt, daran man dich nicht beten hatt.

Angebotener Dienst ist henkenswert (o. unwert, halb umsonst).
ndt] Angebotten dienst ward nie werdt.
en] Proffer' d service stinks.
ho] Aangeboden dienst is onwaard.
ho] Aangeboden dienst is zelden aangenaam.
ho] Gheboden dienst is onweert.
la] Dicitur oblatum fore servitium male gratum.
la] Merx ultronea putet.
la] Officium oblatum saepe ingratum.

Angebotener Dienst ist selten angenehm.
i] Wer zur Unzeit gefällig sein will, ist lästig.
it] Servitù offerta non è mai stimata.
la] Intempestiva benevolentia nihil a simultate differt.

Angebotener Dienst stinkt.

Angebotne Dinger sind selten viel was gut.

Angebotner Dienst ist henkenswert.

Angebotner Dienst ist unwert (o. halb umsonst).

Angebrannt Holz geht bald wieder an.
i] Von verwitweten Personen.

Angebrannte Suppen riechen weit.

Angebrochener Taler, ausgegebener Taler.
fr] Écu changé, écu mangé.

Angedenken an das Gute
Hält uns immer frisch bei Mute.
Angedenken an das Schöne
Ist das Heil der Erdensöhne.
Angedenken an das Liebe,
Glücklich! wenn's lebendig bliebe.
Angedenken an das Eine
Bleibt das Beste, was ich meine.
Goethe, Zahme Xenien VIII, Angedenken

Angefailt gut verdenckt man.

Angefälle ist kein Lehen.

Angefangen ist noch nicht getan.
fr] N'a pas fait qui commence.

Angefangen war's, sagte der Pfaff', aber ich machte den Kopf dran.

Angefangen Werk ist halb getan.
fr] Besogne commencée est plus qu'à demi faite.

Angefangene Arbeit ist halb getan.
fr] Besogne commencée est à moitié faite.
fr] Besogne qui plaît est à moitié faite.

Angefangene ding endet Gott.

Angefangene Reise ist halb getan.

Angeführt mit Löschpapier.
Oberharz

Angeführt, mit Butter geschmiert.

Angehalten erlaufft den Hasen.

Angekohlte Holzstücke gelten als Schutzmittel des Ackers.
Aberglaube
i] Im Jahre 1653 verbietet der Rat zu Nürnberg, solche Brände vom Johannisfeuer in die Äcker zu stecken.

Angekohltes Holz ist leicht in Brand zu setzen.

Angel und Netz müssen stets fertig sein.
i] Es ist keine Gelegenheit zu versäumen.

Angeln ist die einzige Philosophie, von der man satt wird.
Peter Bamm

Angeln legen.
i] jemanden mit List zu berücken suchen.
la] Mellitus gladius.

Angeln und Fischen bringt's Brot von den Tischen.

Angeln und Vogelstellen verderben manchen jungen (o. braven) Gesellen.
i] Man hat unter allen Arten der Jagd die mittels der Angelschnur als die des Menschen unwürdigste bezeichnet.

Angemessene Last überfordert keinen.
la] Pari pondere nemo fatigabitur.

Angemessener Lohn, richtiger Knüppel.
Estland

Angenehm ist der Krieg nur für den, der ihn nicht kennt; wer ihn kennt, fürchtet ihn.
la] Dulce bellum inexpertis, expertus metuit.

Angenehm sind die erledigten Arbeiten.
la] Jucundi acti labores. (Cicero, de finibus)

Angenehm wird die Mühsal für den, der sie wacker bestanden!
Aischylos, Agamemnon

Angenehm, dass es auf der Welt doch immerhin Cognac gibt.
Thomas Mann, Der Kleiderschrank

Angenehme Geschichten brechen des Jünglings Knie.
Surinam
i] Angenehme Unterhaltung macht junge Leute träge, hält sie von der Arbeit ab. Anziehende Gesellschaft ist ihr Unglück.

Angenehme Sache kommt nie zu früh.
dä] Det man adlyster kommer ikke for snart.

Angenehme Stunden gehen schnell vorüber.
en] Pleasant hours fly fast.

Angenehme Worte sind nicht wahr, wahre Worte nicht angenehm.
Laotse

Angenehmes (o. süßes) Gespräch macht angenehme Tage und Nächte.
England
la] Comes facundus in via pro vehiculo est.

Angenomen weiß geht bald unter eis.

Angenomen weiß zerschmiltzt wie ein eiss.
i] Unter 'angenommener Weise' versteht man in Bayern eine fehlerhafte Art, den Körper zu tragen. Die Gebräuche und Sitten der Vorzeit hören nach und nach auf und werden mit andern vertauscht.
bm] Dejz bůh s moudrým i najíti i ztratiti.
bm] Radĕj s moudrým plakati, nezli s bláznem zpívati.
la] Ficta cito recidunt in naturam suam. Nemo potest diu personam ferre fictam.

Angenommen das Christentum würde abgeschafft, so würden sich die Menschen nicht wohl fühlen, bis sie eine andere Art der Anbetung gefunden haben, die ebenso unausbleiblich zum Aberglauben führt, wie der Aberglauben in Papisterei endet.
Jonathan Swift, Eine Abhandlung... (über) die Abschaffung des Christentums

Angenommene Weis' zerschmilzt wie Eis.

Angepumpt, wir haben keinen Keller.

Angerührt - heimgeführt.
i] In Bezug auf 'Buhlschaft' zu Gunsten der Dirnen.

angesäuselt, leicht beschwipst, beduselt, benebelt sein

Angeschlagenes Geschirr hält zwei Menschenalter.

Angesehen wie ein Spieß in den Augen.

Angesicht die Tat ausspricht.
la] Efficiunt tetrum teterrima crimina vultum.

Angesicht falsch bericht't.

Angesicht, falscher Wicht.

Angesicht
Die Tat ausspricht.
la] Efficiunt tetrum teterrima crimina vultum.

Angesichts des Todes endet aller Streit.
Zola, Wie man stirbt

Angesichts einer Schöpfung, in der alle Geschöpfe fressen und gefressen werden, liegt die Vermutung nahe, dass auch der Urheber frisst.
Hans Henny Jahnn, Die Niederschrift des Gustav Anias Horn

Angestochen kommen.

Angestrichen ist nicht gemalt.
la] Cacatum non est pictum.
C. J. Weber, Demokritos VI. 76

Angetrieben in der Jugend macht hurtig im Alter.

Angewohnheit wird zur zweiten Natur.
ho] Aanwenst wordt eene tweede natuur.

Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

angina pectoris.
dt] Brustbeklemmung
i] Schmerzen auf Grund von Durchblutungsstörungen im Herzen

Angle, willst du Fische fangen.
i] Treibe dein Geschäft mit Eifer.

Angreifen kann jeder, aber der Mutige erwartet's.

Angriff bedeutet im allgemeinen strategischen Sinne das Ergreifen der Initiative in einem Scharmützel, einem Gefecht, einem Treffen oder in einer regelrechten Schlacht.
Engels, The New American Cyclopaedia

Angriff bedeutet im allgemeinen strategischen Sinne das Ergreifen der Initiative in einem Scharmützel, einem Gefecht, einem Treffen oder in einer regelrechten Schlacht.
Engels, The New American Cyclopaedia

Angriff ist Betätigung des Machttriebes.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Angriff ist die beste Verteidigung.

Angriff ist mächtiger als Verteidigung
i] Wille zur Macht höher als Kampf ums bloße Dasein.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Angriffskrieg
la] bellum offensivum

Angst (und Not) macht auch den Alten laufen.
mhd] Anxt unde vruchte maken den olden man lopen.
la] Grandaevus tremula fugit anxietate metuque.
la] Si timor in mente, currit vetus ipse repente.

Angst beschwört Gefahr herauf.

Ängst di nich ver e Pogg (Kröte), öss ok e Vagel ohne Zagel.

Angst einzugestehen - dazu gehört Mut.

Angst erfasst des Diebs Gemüt,
Wenn er viel Leute flüstern sieht.
Freidank, Bescheidenheit

Angst habe ich nicht, aber laufen kann ich schnell.
ndt] Bange bin ick nich, abers lopen kann ick fix.

Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: wovor?

Angst hat immer große Augen.

Angst hat Zukunft.

Angst hilft der Tugend auf die Beine.

Angst hilft nicht gegen den Tod.

tü] Korkunun ecele faydası yoktur.

Angst hört das Gras wachsen und die Steine schreien.
[ASpW]

Angst ist dennoch von größerer Schnelligkeit als Zorn.
Titus Livius, Römische Geschichte

Angst ist der Preis, den wir für unsere Beweglichkeit zahlen. Pflanzen und Steine kennen keine Angst.

Angst ist der Schwindel der Freiheit.
Sören Kierkegaard

Angst ist der Vater des Mutes und die Mutter der Sicherheit.
England

Angst ist die Hauptquelle des Aberglaubens und eine der Hauptquellen der Grausamkeit.
Bertrand Russell

Angst ist die Triebfeder des Krieges.
Shaw, Der Mann des Schicksals

Angst ist die Voraussetzung fürs Überleben.

Angst ist die Wirklichkeit der Freiheit vor der Möglichkeit.
Sören Kierkegaard

Angst ist ein schlechter Ratgeber
en] Fear is a bad counselor.
en] Don't act out of fear.

Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper.
Gorki, Tagebuchnotizen und Erinnerungen

Angst kann man in sich immer finden. Man muss nur tief genug suchen.
Malraux, So lebt der Mensch

Angst lehrt recht beten.

Angst macht auch den Alten laufen.

Angst macht Mut.
it] La paura fa coraggio.

Angst und bange werden.
Jer. 50, 43 'Es packt ihn die Angst, das Zittern wie eine Gebärende'

Angst und Not macht ein alt Weib traben.
ho] Die angst heeft van de bladeren, die jage niet in het bosch.
la] Adversus necessitatem ne dii quidem resistunt.

Angst und Not
Währt bis in' Tod!
Spruch auf einer Münze von 1552

Angst und Schrecken bringen den Lahmen auf die Beine.

Angst verleiht Flügel.
Gustave Flaubert, Wörterbuch der Gemeinplätze

Angst verwirrt die Sinne und lässt die Dinge anders erscheinen, als sie in der Tat sind.
Cervantes, Don Quijote

Angst vor dem Gut ist größer als Angst vor dem Tod.
Estland

Angst, Elend, Kreuz und Not ist der Christen täglich Brot.

Ängste bleiben nie dieselben an einem Menschen: Die einen entstehen, die anderen vergehen.
Platon, Das Gastmahl
Diotima

Ängste erlebt, wer Sünde auf Sünde häuft.
Ben Sira

Angsthase
en] scaredy-cat

Ängstige dich nicht über die Leiden von morgen; denn du weisst nicht, was das Heute erzeugt.
Hebräer

Ängstlich aber ist es anzusehen, wenn ein starker Charakter, um sich selbst getreu zu bleiben, treulos gegen die Welt wird und um innerlich wahr zu sein, das Wirkliche für eine Lüge erklärt [...]+ Demungeachtet bleibt der Charakter immer Charakter, er mag das Rechte oder das Unrechte, das Wahre oder das Falsche wollen und eifrig dafür arbeiten.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 6. Abt. - Newtons Persönlichkeit

Ängstlich ist es, immer zu suchen, aber viel ängstlicher, gefunden zu haben und verlassen zu müssen.
Goethe, Lehrjahre VIII,7

Ängstlich zu sinnen und zu denken, was man hätte tun können, ist das Übelste, was man tun kann.
Lichtenberg, Aphorismen

Ängstlichkeit wird dem beigelegt, dessen Begierde eingeschränkt wird durch die Furcht vor einer Gefahr, der sich andere seinesgleichen zu unterziehen wagen.
Baruch de Spinoza, Ethik

Angstopöner Brotdêw (Brotdieb). Memel
i] So sagen die auf den Schiffen (beim Stauen) tätigen Arbeitsleute zu den vom Lande, namentlich aus dem Dorfe Angstupönen herbeikommenden Mitbewerbern.

Angst't euch bei leibe nicht, der Magen kimmt.
Breslau
i] Wenn sich jemand ohne Ursache Sorge macht.

Anhalten nutzt und zwingt, was trutzt.
Brünn

Anhänger: ein Mitläufer, der noch nicht alles erhalten hat, worauf er rechnet.
Ambrose Bierce

Anhängischer als eine Schaflaus.
i] Von einem Menschen, dessen Zudringlichkeit man sich nicht erwehren kann.

Anheben und Ringen ist ob allen Dingen.

Anheben, fortfahren und hinausführen, gehören zusammen.

Anheren Mêster (Meister), anher Wetten.
Franz. Flandern
i] Andere Herren, andere Gesetze, Rechte.

Anhollen winnt (anhalten gewinnt).
Münsterisch

Anholn deit krign.

Anholn geit vör't krign.

Animal Farm: Es gibt arme und reiche Schweine.

Aniske löfft 't, Kämelke dröfft.
Alt-Pillau.
hdt] Ein Schnäpschen Anis lüftet, macht Luft, erleichtert das Atmen, Kümmel treibt Blähungen ab.

Anj Swöb an fream Hingstar.
Nordfriesland
hdt] Eigene Peitsche und fremde Pferde.
i] Swöpe, Swepe = Peitsche, holländisch zweep, schlesisch Schwuppe, eine dünne, schwanke Gerte. Dazu schwappen, schwappern, schwupen u.s.w.

Ankemilch usem Chübel vertreibt alle Übel.
Luzern
i] Die Milch, welche übrig bleibt, wenn die Butter aus der Nidel (dem Milchrahm) geschieden wird, Buttermilch, in Bündten Schlagmilch.

Ankemoers (= Ahnmutters) Höke (= Frauenmantel) hewt up Bestevars (= Großvaters) Kiste leagen. (Von sehr weitläufiger Verwandtschaft)

Ankemoer's Hoike heft up Grootvaers Kiste legen.
Osnabrück
i] Die Verwandtschaft ist sehr weitläufig, denn der Großmutter Kleider haben auf Großvaters Kiste gelegen.

Ankemoers Höke (Frauenmantel) hewt up Bestevars (Großvaters) Kiste leagen.
i] Von sehr weitläufiger Verwandtschaft.

Anken und knurren ist halbes Bören.
Göttingen
i] Anken = ächzen, stöhnen.

Anker werfen (an-, aus-, einwerfen).
fr] Jetter l'ancre.
la] Jactare anchoram.

Anklag ist eine halbe red, man muss die Theil verhören bed.

Anklagen ist mein Amt und meine Sendung,
Es ist mein Herz, was gern beim Lob verweilt.
Schiller, Piccolomini (1799), II, 7 (Questenberg)

Anklagen mit Recht ist besser denn argwöhnen mit Unrecht.

Anklagen: die Schuld oder Unwürdigkeit eines anderen beteuern, gewöhnlich, um uns selber dafür zu rechtfertigen, dass wir ihm Unrecht getan haben.
Ambrose Bierce

Ankommen ess erst dat Besste (oder auch: Ankommen es auch dat Abkommen).
Lippe
i] Eine Arbeit anfangen.

Ankommen wie der Fuchs unter den Hühnern.
fr] Il a été reçu comme un chien dans un jeu de quilles.

Ankommen wie die Eule unter den Krähen.

Ankommen wie die Katze unter den Mäusen.

Ankommen wie die Sau in der Judengasse (im Judenhause).
i] Also sehr übel.

Ankona, die Stadt des schönen Hafens.
i] Es hat den besten Hafen des Adriatischen Meeres.
it] Ancona del bel porto. (Giani, 1477.)

Anlagen entwickeln sich zwar auch naturgemäß, müssen aber erst durch den Willen geübt und nach und nach gesteigert werden.
Goethe, Maximen und Reflexionen 423

Anlagen und Charaktereigenschaften können durch Erziehung und Beispiel der Umgebung gefördert oder gehemmt, ja bis zu einem gewissen Grade unterdrückt werden. Es hängt alsdann von den Verhältnissen im späteren Leben, öfter auch von der Energie der betreffenden Persönlichkeit ab, ob und wie fehlerhafte Erziehung oder unterdrückt gewesene Eigenschaften sich Geltung verschaffen.
August Bebel (1840-1913), Aus meinem Leben

Anlehen muss lautlos heimgehen.
dä] Laan bör at gaae lydeslös (lakkelös) hiem.

Anlocken die Kundschaft tut nur das Schild.
fr] L'enseigne fait la chalandise.
La Fontaine, Fabeln

Anlocker gibt es viele, aber Zaumanleger wenige.
Estland

Anmaßlich find ich, dass zur schlechtesten Frist
Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
Goethe, Faust II A II, Gotisches Zimmer
Baccalaureus, Vs 6774

Anmaßung bei Verdiensten beleidigt noch mehr als Anmaßung von Menschen ohne Verdienst: denn schon das Verdienst beleidigt.
Nietzsche, Menschliches Allzummenschliches

Anmaßung geht niemals aus einem Dasein, sondern nur stets aus einem Mangel hervor.
Adalbert Stifter, Über Stand und Würde des Schriftstellers

Anmaßung ist der Kopf der Schlange.
Martin Luther, Tischreden

Anmaßung ist eine Herrschaft ohne Krone.

Anmaßung ist unsere eigentliche angeborene Krankheit.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Anmaßung und Dünkel blähen sich im kleinsten Winkel.

Anmut ahmt die Schamhaftigkeit nach wie Höflichkeit die Güte.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Anmut bringen wir ins Leben,
Leget Anmut in das Geben!
Leget Anmut ins Empfangen!
Lieblich ist's, den Wunsch erlangen.
Und in stiller Tage Schranken
Höchst anmutig sei das Danken.
Goethe, Faust II A I, Weitläufiger Saal
Die Grazien Vs 5299

Anmut geht über Schönheit. Jiddisch
la] Gratior est pulchro veniens in corpore virtus.

Anmut geht über Schönheit.
la] Gratior est pulchro veniens in corpore virtus.

Anmut ist das natürliche Gewand der Schönheit, Kraft ohne Anmut ist wie ein wunder Körper.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Anmut ist ein Ausströmen der inneren Harmonie.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Anmut ist ein großer Glanz von innen.
Rainer Maria Rilke

Anmut ist eine bewegliche Schönheit...
Schiller, Über Anmut und Würde

Anmut ist eine Schönheit, die nicht von der Natur gegeben, sondern von dem Subjekte selbst hervorgebracht wird.
Schiller, Über Anmut und Würde

Anmut ist köstlicher denn Schönheit.
Johann Heinrich Zschokke, Stunden der Andacht (1809-1816)

Anmut machet schön das Weib
Das macht die 'Schönheit nimmermher, sie leihet Anmut nie dem Leib.
mhd] Liebe machet schoene wîp
Desn mac diu schoene niht getuon, sin machet niemer lieben lîp.
Walther v. d. Vogelweide (1170-1230)

Anmut macht eine schöne Frau noch schöner, eine entzückende Frau noch entzückender, Anmut macht eine alte Frau jung und eine hässliche schön. Anmut bringt Gefühle hervor und bezaubert auf unmerkliche Art.
LiYu

Anmut macht keine Suppe (fett).

Anmut muss angeboren sein.
en] Grace must be natural.

Anmut ohne Schönheit ist ein Magnet, der heimlich, aber fest zieht, ein Glanz, der nicht blendet, aber wohltut, ein Zauber, der nicht überrascht, aber beseligt.
Moritz Gottl. Saphir, Nachtschatten der Zeit und des Lebens (1832)

Anmut ohne Ungezwungenheit ist undenkbar.
Jean-Jacques Rousseau, Émile

Anmut umgibt die Eleganz und kleidet sie.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Anmut und Würde stehen in einem zu hohen Werte, um die Eitelkeit und Torheit nicht zur Nachahmung zu reizen.
Schiller, Über Anmut und Würde (1793)

Anmut, die dem Geiste eigen,
Muss in Werk und Wort sich zeigen,
Nicht von außen, nur von innen
Ist die Anmut zu gewinnen.
Friedrich Martin von Bodenstedt, Aus dem Nachlasse Mirza-Schaffys (1874)

Anmut, die uns entgegenlacht,
Ist des Weibes höchste Macht.
L. Jakoby, bei Sanders, Zeitschrift für deutsche Sprüche

Anmutig werden selbst alltägliche Sentenzen
Im Silbenwasserfall melodischer Kadenzen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Ann (Annentag) hat sehr schmächtige Schamteile (= es kann bald anfangen, zu regnen).

Ann (Annentag, 26.7.) harnt (= es regnet).

Ann de Binätsch verlesen.
Durlach
i] Einen tüchtig heimschicken, ausfilzen. In Elsass Binätsch = Spinat.

Ann Koahle, du bleibst.
Schlesien
i] Diese Redensart ist neuern Ursprungs. Eine Gemeinde hatte aus den Probepredigern nicht den Kandidaten gewählt, der einigen einflussreichen Persönlichkeiten angenehm war. Die Wahl wurde bemängelt, und es wurde versucht, seitens des Patrons oder eines Kreisbeamten in einer Gemeindeversammlung der Stimmung der Gemeinde eine andere Richtung zu geben. Ein Mitglied der Gemeinde, Namens Kahl, sprach seine Meinung dagegen aus. Der anwesende Patron drohte, ihn hinausbringen zu lassen. Da riefen Stimmen: 'Ann Koahle, du bleibst!' (Und Kahl, du bleibst!) Das Wort wurde nochmals im Chor wiederholt und ward sofort nicht blos am Orte selbst, sondern auch in der Umgegend, wo man von dem Vorgange Kenntniss erhielt, sprichwörtlich angewandt, um jemand zum Dableiben zu nötigen.

Anna (26. Juli) warm und trocken, macht den Bauer frohlocken.

Anna (26.7.) warm und trocken, macht den Bauer frohlocken.

Anna ist als Jungfrau gestorben, weil sie nicht gefragt wurde.

Annaberg die liebste, Freiberg die größte, Chemnitz die höchste, Leipzig die beste.

Anne ähs, bi di Wärr' hoatt gebrahnt.
Henneberg
i] Anno eins, als die Werra gebrannt, d. i. vor sehr langer Zeit. Die Franzosen sagen, wenn sie ausdrücken wollen, dass etwas vor uralter Zeit gewesen sei: Zur Zeit, als man sich die Nase an die Ärmel wischte. Namentlich um eine gute alte Zeit auszudrücken.
fr] Du temps qu'on se mouchait sur la manche.

Anne bêse Schwegermutter îs's Toifels Underfutter.
hdt] Eine böse Schwiegermutter ist des Teufels Unterfutter.
i] Man hat sogar behauptet: Der Teufel dürfte sich ihrer oft als Überzug nicht schämen. Die Spanier sagen: Eine Schwiegermutter ist bitter und wäre sie auch von Zucker. In Hindostan heisst es, um das Glück einer jungen Frau zu preisen, die mit ihrem Manne allein ist: Es ist weder Mutter noch Schwiegerin da, sie ist glücklich. Man lässt dort aber auch die Schwiegertochter Hunger leiden, wenn die Schwiegermutter nicht daheim ist, indem man sagt: Die Schwiegermutter ist nach ihrem Dorf gegangen und die junge Frau fragt: was soll ich essen? Dagegen klagt diese über Ansprüche jener: Die Schwiegermutter hat nicht einmal Beinkleider und die junge Frau verlangt ein Zelt und Schirme. Bei den Russen hat die böse Schwiegermutter auch hinten Augen. Die Albanesen bezeichnen das Wohnen in der Nähe einer Schwiegermutter als unangenehm und gefährlich, indem sie sagen: Die Schwiegermutter nahe bei der Tür ist wie der Mantel beim Dornbusch.

Anne Froge (Frage) stieht frey: Jungfer, set er anne Hure?

Annehmen ist nicht geben.
en] To take is not to give.
Shakespeare, König Richard III. I,2

Annem (einem) Langsamen ies ke woarmer Bissen beschert.

Anner Jâr (Jahre), anner Hâr.

Anner Lü(de) (Leute) Gôd is anner Lü(de) Sorge.
Ostfriesland

Anner Lüd' (Leute) sind ôk Lüd', se(de) Klâs Steffens, dô lewte (lebte) he noch.
Ostfriesland

Anner Lüde Kôl is ümmer fetter.
i] Was andere Leute haben, scheint immer besser als das, was man selbst besitzt.

Annere Heerens (Herren) settet annere Suulen.

Annerwegen ward ok Brot backt.
ndt] Annertwäigen wärt äuk Bräoud backen.
Arnsberg

Annika, schürze das Kleid, wenn du durch die Furth watest.
Russland

Anno achtundvierzig haben sie uns beschossen, achtundfunfzig beschissen.
i] Der erste Teil bezieht sich auf die Revolution und der andere (Prag) auf die Einführung der österreichischen Verfassung, wodurch faktisch alles im Preise stieg.

Anno dazumal.
i] Vor langer Zeit.

Anno Een (eins), as de Döwel junk weer.
Ostfriesland

Anno Eins, als der große Wind ging.
ho] In het jaar één, als de uilen preken.

Anno Eins, wie die Elbe brannte und mit Stroh gelöscht wurde.
Chemnitz

Anno ên ass de Düfel jung was.

Anno ent (= eins) als de grote Wind wär (= war).
Königsberg
i] Wenn man keine genaue Zeitangabe machen kann. Man meint damit den am 3. Nov. 1801 in Königsberg wütenden Orkan, der große Verwüstungen anrichtete und an den noch heute eine Denkmünze erinnert. Man sagt abgekürzt: Anno Wind.
i] Man bedient sich für dergleichen Zeitbezeichnung auch der Ausdrücke: Anno dazumal, Anno Kruck, Anno Schnee, Anno Schniefke. Von Anno Schneife her, von Anno Tobak.

Anno neng, dea di däck Schnî fäl.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Anno neun, als der dicke Schnee fiel.

Anno Tekli.
Siebenbürgen/Sachsen
i] Emmerich Graf von Tököly wurde im Jahre 1690 mit Hilfe der Türken zum Fürsten von Siebenbürgen ausgerufen, aber schon im folgenden Jahre wieder vertrieben. Um zu sagen, vor sehr langer Zeit.

Anno Toback, als der alte Fritz Gefreiter war.

Anno Tuback, und jetzt schreibt ma Zundel.
Schwaben

Anno Vierzig, als die Elbe brannte und die Hunde das Feuer mit Strohwischen löschten.

Anonym sind wir schon - jetzt werden wir Alkoholiker.

Anpacken und zu Ende führen.
la] Suscipere et finire.

Anpassung ist der Kerkermeister der Freiheit und der Feind des Wachstums.
en] Conformity is the jailer of freedom and the enemy of growth.
John F. Kennedy

Anpassung ist die Stärke der Schwachen.

Anpumpft, Herr Vetter (oder Herr Pfarrer).

Ans brennende Haus läuft auch der feindselige Nachbar, um zu löschen.
Rumänien

Ans Brett müssen.

Ans Herz drück ich den Feind, doch um ihn zu ersticken.
Jean Racine, Britannicus

Ans Kreuz geschlagen sein.
i] Scherzhaft von denen, die einen Orden erhalten haben.
la] Alligari ad gladium.

Ans Licht zeuch nicht, sollen sie bleiben hold: Mädchen, Leinwand und Gold.

Ans Meer gehen, um seine Hände zu waschen.
fr] Pour laver ses mains on ne vend pas sa terre.

Ans Nehmen ist so viel Freude gehängt, als wenn vom Mann das Weib empfängt; doch Wiedergeben tut beschweren, als sollten wir ein Kind gebären.

Ans Rad hängt sich Dreck, wie Rost ans Eisen.
dä] Der hænger altid skarn ved hiulet og rust ved jernet.

ans Ruder kommen
en] to take the helm
fr] prendre le gouvernail (o. la barre)
it] salire al potere

Ans Schienbein stoßen macht helle (o. wache) Augen.

Ans Sterben denkt man zu spät.
fr] On s'arise tard en mourant.

Ans Übel hat sich noch keiner gewöhnt.
Spanien

Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an,
Das halte fest mit deinem ganzen Herzen.
Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft,
Dort in der fremden Welt stehst du allein,
Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.
Schiller, Wilhelm Tell, II, 1 (Attinghausen)

Ans Wahre wie ans Falsche sind notwendige Bedingungen des Daseins gebunden.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 4. Abt. - Zwischenbetrachtung

Ans Werk!
i] letztes Wort des Kaisers Septimius Severus
la] Laboremus.

Ans Ziel gelangen.
i] Bis zum Kalke kommen: das Ziel war mit Kalk bezeichnet.
la] Ad calcem pervenire.

Anschauen können wir uns nicht, das Ich verschwindet uns dabei immer. Denken können wir uns aber freilich. Wir erscheinen uns dann zu unserm Erstaunen unendlich, da wir uns doch im gewöhnlichen Leben so durchaus endlich fühlen.
Friedrich Schlegel, Philosophische Vorlesungen

Anschauen macht Gedanken.

Anschauen macht Liebe und Gelegenheit Diebe.

Anschauliche Reiseberichte machen die Entwicklung der Unkultur vom Männnergesang zum Männergebrüll fühlbar. Je lauter der Lärm und je schlechter die Luft, desto klarer die Erkenntnis, dass in dem Kampf um das Freiheitsrecht, der Zeit ihre Phrase zu prägen, Bier fließt.
Kraus, Fahrende Sänger

Anscheinend haben Europäer anstatt Blut laue Milch in den Adern.
Voltaire, Candide oder Die beste der Welten

Anschläg haben oft ein gestalt der Riesen und sind doch nur ein Rauch.

Anschläg kluger Leut ohne Gott stehen vffen Sand und gehen für sich als hetten sie's von Krebsen gelernt.

Anschläg sind für augen gross, in Worten ein rauch und ganz krafftlos.

Anschlag, der nicht Fortgang hat, ist ein Wagen ohne Rad.
Friedr. von Logau, Deutsche Sinn-Getichte (1654)

Anschläge gehen mit der Sonne auf und nieder.
ho] Alle anslagen gelukken niet even wel.

Anschläge in hohen Sachen lassen sich in keinen Sack packen.

Anschläge macht er, es könnt's kein Hund verrennen.
Rottenburg

Anschläge ohne Gott stehen auf Sand und gehen, als hätten sie es von den Krebsen gelernt.
dä] Mange anslag tillige gaaer krebsgang.
fr] Plusieurs projets à la fois avancent à reculons.

Anschläge sind (oft) in den Augen groß, im Werk aber ein Rauch und kraftlos.

Anschläge und Blaubeeren geraten nicht alle Jahre.

Anschläge verschmelzen oft wie Schnee.
la] Ut sunt rerum eventus, sic sunt hominum mentes.

Anschläge, die listig und frech, sind im Anfange lieblich, in die Länge beschwerlich, im Ausgange verderblich.
dä] Listige (o. dristige) anslag ere i begyndelsen yndelige, i længen besværlige, i enden fordærvelige.
it] Disegni non riuscone sempre.

Anschläge, so nicht fortgesetzt werden, sind so nütz wie ein Wagen ohne Räder.

Anschlege bestehn, wann man sy mit rath füret, und Krieg solle man mit vernunfft füren.

Anschuldigungen gegenüber muss man schwerhörig sein.
la] Difficilem oportet aurem habere ad crimina.

Anschuldigungen muss man überhören.
la] Difficilem oportet aurem habere ad crimina.

Ansehen deit gedenken, schrivt de Becker in Hadersleven.
i] Dies holsteinische Sprichwort rührt daher, dass ein Bäcker in Hadersleben, dessen Haus sehr vor dem Anlauf der Reisenden lag, über verschiedene an die Vorderseite seines Hauses gemalte Brotwaren das: Ansehen thut gedenken, als Inschrift und Lockspeise hatte malen lassen.
flämisch] Anzien doet gedenken.
ho] Aanzien doet gedenken, sprak de man, en hij zette een' geschilderden oven op het venster.
ho] Aanzien doet gedenken, zei de vos tegen de hoenderen, toen noodde hij haar op een ont bijt.

Ansehen der Person macht schele Augen.

Ansehen ist leichter als machen (o. ausführen, tun).
i] Um auszudrücken, dass etwas beim ersten Anblick nicht schwer erscheint, bis man dazukommt.
fr] Il semble qu'il n'y ait qu'à se baisser et prendre.)

Ansehen kostet kein Geld.

Ansehen kostet nichts.

Ansehen macht (o. tut) freien.
it] Dov' è l'amore, la è l'occhio.
la] Ex aspectu nascitur amor.

Ansehen macht gedenken.

Ansehen tut alles, und Gold macht das Ansehen.

Ansehen tut mehr denn Macht

Ansehen tut nicht unrecht.

ansehnlicher Schaden
la] speciosum damnum

Ansichten, die vom herrschenden Zeitgeist abweichen, geben der Menge stets ein Ärgernis.
Germaine de Staël, Über Deutschland

Ansonsten hege ich keinen Zweifel am Siegeszug des Lebens. Alles Lumpige wird vergehen. Die Niedertracht wird verschwinden. Kränkungen, Schmerz, Tränen und Kümmernisse wird man vergessen. Die Kinderchen werden lachen. Die Erwachsenen applaudieren. Und man wird die ganze alte Welt, die ganze Vergangenheit ansehen als ein trauriges Missverständnis im Morgengrauen der Menschheit.
Sostschenko, Das Himmelblaubuch

Anspannen kostet viel.
Estland
i] Ein selbständiges Leben beginnen kostet viel Geld.

Anspielungen auf persönliche Beziehungen in literarischer Polemik halte ich für unzulässig.
Block, an Andrej Bely, 6. 8. 1907

Ansprake hebbe.

Anspruch einer Sache
i] Herausgaberecht
la] rei vindicatio

Ansprüche machen stumpf den Geist.
Fjodor M. Dostojewski, Das Dorf Stephantschikowo und seine Bewohner

Anspruchslosigkeit fordert die Philosophie, nicht Selbstbestrafung: Es braucht nicht ungepflegt zu sein die Anspruchslosigkeit.
Lucius Annaeus Seneca, an Lucilius

Anspruchslosigkeit ist freiwillige Armut.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Anspruchslosigkeit ist Seligkeit.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Anstand ist die Hauptsache.
la] Caput artis est, decere, quod facias.

Anstand tut's, sage Säuberlich, da putzt er an der Tafel seine Nägel aus.

Anstand und Lüge sind Geschwisterkinder.

Anstand ziert und kostet nichts.

Anständige Frauen haben eine Scheu vor Heftigkeiten und Unberechenbarkeiten, die indessen zum Wesen der Leidenschaft gehören, aber auch wo kein Ungestüm ihr Schamgefühl verletzt, setzen sie sich zur Wehr.
Stendhal, Über die Liebe

Anständige und prächtige Kleidung verleiht den Menschen Ansehen.
var] Kleider machen Leute.
la] Cultus concessus atque magnificus addit hominibus auctoritatem.

Anständigen im wahren Sinne begegnet man nur unter Menschen, die feste Überzeugungen haben, konservative oder liberale, die so genannten Gemäßigten neigen zu sehr zu Belohnungen, Beihilfen, Kreuzen, Gehaltszulagen.
Anton P. Tschechow, Notizbücher

Anständigkeit ist die Verschwörung der Unanständigkeit mit dem Schweigen.
George Bernhard Shaw

Anstatt aber das Einfachere sich und anderen fruchtbar zu entwickeln, dreht man sich um den Anfang herum, dem man doch eher nichts abgewinnt, als wenn man auf ein lebendiges Fortschreiten aufmerkt.
Goethe, An E. Meyer, 23.4.1829

Anstatt dass ihr bedächtig steht,
Versucht's zusammen eine Strecke,
Wisst ihr auch nicht, wohin es geht,
So kommt ihr wenigstens vom Flecke.
Goethe, Zahme Xenien VII

Anstatt deine Feinde zu lieben, behandle deine Freunde ein wenig besser.
Edgar W. Howe

Anstatt der Liebe, dieser Vision,
Habt ihr den Hass nicht als solide Feurung?
Hass ist die längste Freude, die es gibt;
Gehasst wird langsam, aber schnell geliebt.
Byron, Don Juan

Anstatt des Federspitzens den Degen schleiffen.

Anstatt des Zaums braucht man oft Sporen.

Anstatt die Teufel zu fürchten, fürchte die Menschen!

Anstatt meinen Worten zu widersprechen, sollten sie nach meinem Sinne handeln.
Goethe, Maximen und Reflexionen 114

Anstatt verständig zu belehren und ruhig einzuwirken, streut man willkürlich Samen und Unkraut zugleich nach allen Seiten, kein Mittelpunkt, auf den hingeschaut werde, ist mehr gegeben, jeder Einzelne tritt als Lehrer und Führer hervor und gibt seine vollkommene Torheit für ein vollendetes Ganze.
Goethe, Schriften zur Literatur - Geistes-Epochen nach Hermanns Mitteilungen

Anstatt zu klagen, dass die Rosen Dornen haben, Freude solltest du haben, dass der Dornstrauch Rosen trägt!

Anstatt zum Huhn ksch-ksch zu sagen, zerbrich ihm gleich die Füße.

anstelle des Titels
la] pro titulo

anstelle einer Zahlung (bzw. Leistung) (annehmen oder geben)
la] in solutum (accipere aut dare)

anstelle eines Elternteils
la] in loco parentis

Anstelle von Fleisch iss Bohnenkäse - du wirst satt und sparst dein Geld.
China
i] Bohnenkäse entsteht aus Sojamilch, einer aus gequollenen, zerkleinerten Sojabohnen gewonnenen Flüssigkeit, gehört zu den typischen Zutaten der chinesischen Küche.

Anstifter und Aufwiegler zum Aufstand
la] seditionis quidem instimulator et concitator

Anstrengendes nehmen wir uns vor, doch ohne Anstrengung gibt es keinen Erfolg.
la] Ardua molimur, sed nulla, nisi ardua, virtus.

Anstrengung ist für edle Geister eine Stärkung.
Lucius Annaeus Seneca, an Lucilius

Anstrengungen machen gesund und stark.
Martin Luther, Tischreden

Anteilnahme ist die allseitige Bestätigung der Einsamkeit.

Anteilnahme ist die gesellschaftliche Form der Zudringlichkeit.

Antichristus kann Christum nicht predigen.

Antike Tempel konzentrieren den Gott im Menschen, des Mittelalters Kirchen streben nach dem Gott in der Höhe.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1034

Antilope und Hyäne schließen keine Freundschaft.

Antipathie gegen irgendeine Nation sollte sich der Einzelne gar nicht erlauben, denn dieselbe ist unbedingt eine Beschränktheit. Der gebräuchliche Vorbehalt der Ausnahmen, so dass man zwar einem Volke im allgemeinen alle schwarzen Farben nachsagt, aber den Einzelnen für einen weißen Raben anerkennt, ist keine Genugtuung und kann nicht für Billigkeit angenommen werden, denn nur ein Kind oder ein Irrsinniger dürfte eine ausnahmslos gute oder schlechte Nation für möglich halten.
Spitteler, Politische Tagesberichte

Antiquitäten sind das einzige Feld, auf dem das Gestern noch Zukunft hat.
Harold Wilson

Antje, bede, 't Speck wart uns stâlen (= gestohlen)

Anto (nahebei) is noch nicht half.
Oldenburg

Anton, das verstehst du nicht.

Anton, steck'n Degen ein!
i] Beruhigungsformel.
i] Der Titel einer Posse von Kalisch, die 1859 in Berlin auf Aschers Narrenfest aufgeführt wurde und als Anspielung auf die Kriegsgelüste des französischen Kaisers Napoleon III. betrachtet wurde. Wurde als Sprichwort gebraucht, um im Ernst oder auch scherzhaft die Angriffs- und Streitlust zu dämpfen.

Antoni, vergiss den Lein nie.
i] Der dem Anton von Padua gewidmete 13. Juni wird als ein zum Leinsäen günstiger Tag bezeichnet.

Antonios Tod
Ist nicht ein einzeln Sterben; denn so hieß
Die halbe Welt.
Shakespeare, Antonius und Cleopatra V, 1

Antwort auf eine schwere Beleidigung: Ach! Das sagen Sie doch nur, um mich zu decken.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht. Aus dem Tagebuch von Jules Renard

Antwort, die nicht zur Frage passt, ist eine Last.
la] Responsio debet fieri secundum interrogationem.

Antworte dem Narren nach seiner Narrheit, auf dass er sich klug dünke.
Acerra philologica

Antworte dem Narren nach seiner Narrheit, das er sich nit weyse lasse duncken.
Agricola

Antworte dem Narren nicht nach seiner Narrheit, dass du jm nicht auch gleich werdest.
Agricola

Antworte dem, der dich ruft.

Antworte nicht, man frage dich denn.

Antworten finden heisst: vom Fragen ermüdet sein.

Antworten wie ein Normann.
i] Normännisch, d. i. unbestimmt, zweideutig.
fr] Répondre en Normand.

Antwortet die Hölle oder das Tollhaus?
Schiller, Fiesko 5,17
Zenturione

Antwortet man nicht, so ist man überwunden.
[RSpW]
i] Wer sein Recht nicht verteidigt, oder bei gerichtlichen Verhandlungen gar nicht, oder nicht rechtzeitig erscheint, geht seines Rechts verlustig.
ndt] Antwortet he nicht, so is he verwunnen.
Schlesien

Anvertrautes Gut hat ein kurzes Leben.
tü] Emanetin ömrü kısadır.

Anwalt des Teufels
i] einer, der die Einwände - gegen eine Seligsprechung - vorträgt
la] advocatus diaboli

Anwalt Gottes
i] einer, der die Gründe für eine Seligsprechung vorträgt
la] advocatus Die

Anwälte müssen den Prozessierenden so Rechtsbeistand leisten, dass sie in der Freiheit zu schimpfen und der Unbesonnenheit zu schmähen nicht weiter gehen, als der Nutzen für den Prozeß es verlangt.
la] Advocati ita praebeant patrocinia iurgantibus, ut non ultra, quam litium poscit utilitas, in licentiam conviciandi et maledicendi temeritatem prorumpant.

Anwälte und Ärzte erteilen nur Rat, wenn sie gefragt werden.

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