<<< Weisheiten 014 >>>

An losen (falschen) Zeugen gebrach es niemand.
mhd] Loses tuges en brak nummanne.
la] Inveniet facile testem qui quaerit inanem.
ho] Looze getuigen ontbreken niemand.

An Lügen gewinnt man nicht, dann dass man jnen zunächst dester weniger glaubt.

An Lügen gewöhnt man sich wie an Regierungen.
Russland

An Lügnern gewinnt man nichts, denn dass man ihn zunächst destoweniger glaubt.
fr] Le mensonge a besoin qu'on le croie.
fr] Mentir a mestier à la fiée.

An Magd, die glei singt, und on a Hund, dâr glei bellt, sein nischt wârt.
Lusdorf bei Böhmisch-Friedland

An Magdalena (22.7.) regnet's gern, weil sie weinte um den Herrn.

An Magerkeit ist noch keiner gestorben.

An male sarta
gratia nequiquam coit et rescinditur?
Horatius, Epistulae
dt] Oder ist eure schlecht ausgebesserte Freundschaft vergeblich geschlossen und reisst wieder auseinander?

An manchem Kopf ist das beste der Zopf.
z] Da war einmal an einem Schopf ein Zopf, der hing so stattlich an dem Kopf; des freute sich der Tropf. Und als der Zopf geschnitten war vom Haar, da ward zuerst es allen klar, dass weiter nichts dahinter war.

An manchem Ort wär' volle Offenheit
Nur lächerlich und schwerlich an der Zeit.
Molière, Le Misanthrope, I, 1 (Philinte)

An Margarethen (13.7.) Regen bringt den Nüssen keinen Segen.

An Mariä Geburt (8.9.) ziehen die Schwalben fort.

An Maria Himmelfahrt (15.8.), das wisse, gibt es schon die ersten Nüsse.

An Mariä Namen (12.9.) sagt der Sommer (sein) Amen.

An Mariä Reinigung (2.2.) begegnet sich der Winter mit dem Sommer.
Russland

An Maria Verkündigung (25.3.) geht unsere liebe Frau mit einem brennenden Scheit unter der Erde hin.
Oberösterreich
z] Unter den Tagen, welche auf Zeit und Witterung, auf Saat und Ernte Bezug haben, treten gewisse besonders hervor, und es lassen sich auch, wenn man die Abstände vergleicht, öfters wiederkehrende Cyklen von Monaten und Tagen nicht verkennen. Unter den Frauentagen ist besonders Mariä Verkündigung zu nennen. Von da an gefriert es nicht mehr, weil unsere liebe Frau mit einem brennenden Scheit unter der Erde hingeht. Unter den Tagen der Heiligen sind am wichtigsten Georg, Peter und Paul, Michael, denen sich Matthias, Jakob, Bartholomäus, Matthäus, Simon und Judas anschließen. Zu erwähnen sind noch Gregor, Benedict, die vierzig Märtyrer, Mariä Heimsuchung, Laurenz; Gertrud (17.3.), welche an ihrem Namenstage zu >garteln< anfängt, fällt, was Zeit- und Natursymbolik betrifft, mit Mariä Verkündigung zusammen. Die beiden Tage schließen so zu sagen eine Octave ein. Als Haupttag des Jahres stellt sich Georgi heraus; mit ihm beginnt der Auswärts, die mildere Jahreszeit, welche mit Michaelis wieder endet. Der Abstand zwischen beiden beträgt fünf Monate und wenige Tage; nur einen Tag mehr als der von Pauli Bekehrung (halb Winter hinum, halb Winter herum) bis zum Peterstag, der mit der Sichel dasteht und die erste Hälfte der mildern Jahreszeit schließt. Von Mattheis, der's Eis bricht, bis Jakobi, wo der Schnee blüht, zieht sich ebenfalls eine Frist von fünf Monaten. Von Pauli Bekehrung bis Georgi verläuft eben ein Vierteljahr oder drei Monate; und die nämliche Zeitfrist erstreckt sich zwischen Georgi und Jakobi, zwischen Jakobi und Simon Judas, wo es den ersten Schnee anwirft, und die rauhe Jahreszeit wieder beginnt, endlich zwischen Simon Judas und zwischen Pauli Bekehrung. Auch Peter und Pauli und Michaeli liegen drei Monate voneinander ab. Von Mattheis, der's Eis bricht, bis Bartholomäi, wo alles Getreide eingebracht sein soll, gehen sechs Monate; ebenso von Benedicti, wo Hafer gebaut wird, bis Matthäus, der das Geschick der neuen Aussaat bestimmt, und von Mariä Verkündigung bis Michaeli. Von Gregori, wo der Bär das erstemal aus dem Loche geht, sind etwas mehr als vierzig Tage bis Georgi, wo er keinesfalls mehr im Loche bleibt. Mit Beginn der Woche, in die Georgi fällt, enden die vierzig kalten Tage der vierzig Märtyrer. Vierzig Regentage reichen von Mariä Heimsuchung bis Laurenzi; und der Laurenzisturm, der dem Regenwetter ein Ende macht, bleibt nicht aus.

An Mariä Verkündigung (25.3.) kommen die Schwalben wiederum.

An Maria Verkündigung (25.3.) legt man die Lampen nieder, an Maria Geburt (28.9.) holt man sie wieder.
it] Alla Madonna di Marzo si scopano, e alla Madonna di Settembre si trovano.

An Mariä Verkündigung hat das Frühjahr den Winter überwunden.
Russland

An Mariä Verkündung (25.3.) kehrt der Storch zurück mit Vespermündung (Vesperbrot).

An Mariä Verkündung hell und klar, ist ein Segen für das ganze Jahr.

An Marien (25.3.) ist gut Lein säen.

An Markus (25.4.), da versteckt die Socken, unsere Krähe im Roggen.

An Mârnemân hi hê't, an Injammân hi fê't.
Amrum
hdt] Ein Morgenmann hat's, ein Abendmann kriegt's.
i] Der Frühaufstehende ist schon im Besitz dessen, was der Spätaufstehende noch erreichen soll.

An Martina (30.1.) Sonnenschein, verheisst viel Frucht und guten Wein.

An Martini (10.11.) Sonnenschein tritt ein kalter Winter ein.

An Martinitag (10.11.) die Gans zu Hause bleiben mag.
i] Man trieb an diesem Tage die Gänse nicht ins Feld, weil jedermann das Recht besaß, sie wegzunehmen.

An mäßigem (etwas) Regen ist viel gelegen.

An Matrus hed di Nacht sin Jil ferdên. Am Marnam siad an Kriak üb a Roa an rep: Spar', spar'! To lât, to lât, Mât, sad thi Matrus.
Nordfriesland
hdt Ein Matrose hatte die Nacht sein Geld verthan. Des Morgens sass eine Krähe auf der Raa und rief: 'Spar, spar!' 'Zu spät, zu spät, Kamerad', sagte der Matrose.

An Matthäi (21.9.) die Mütz' über die Ohren zieh'.

An Matthäi hat das schöne Wetter ein Ende.
Venedig

An meinem Barte soll er das Scheren nicht lernen.
i] Ich gehöre nicht zu den Leuten, die mit sich spielen und sich misshandeln lassen.
ho] Hij zal voor niet hat scheren aan mijn baard nit leeren.

An meinem Herzen hat sich nichts angehängt (o. ist nichts hängen geblieben).
i] Um die Unschuld zu versichern.

An meinen Bildern müsst ihr nicht schnüffeln, die Farben sind ungesund.
Rembrandt, überliefert bei Goethe (Maximen und Reflexionen)

An Meinen bindet niemand sein Pferd an.

An Meinen und Glauben bindet man kein Pferd fest.

An meiner Stelle würdest du anders reden.
Terenz, Andria

An menschen oft ein schaafes wat, eins wolffe gmüt bedecket hat.
la] Pelle sub agnina, latitat mens saepe lupina.

An Menschen und Rosenstöcken muss man nie verzweifeln.
z] Der Winter entblättert diese, das Unglück beugt jene, aber pflegt sie nur die Liebe, so schießen die Knospen wieder nach. Kotzebue

An Mich und Mir und Mir und Mich kennt man Berliner sicherlich.

An Michaeli (29.9.) kauft man gut Vieh. Doch den Verkauf brech' nicht übers Knie.

An mir soll es nicht fehlen.
la] Partes meae non desiderabuntur.

An Mitgift ist noch keiner gestorben, sagte der Bräutigam.

An Mittag, wenn die Sonne scheint, sieht man keine Sterne.
fr] A midy estoile ne luit.

An Mutters Rock- o. Schürzenzipfel hängen
en] to be tied to o's mother's apron-strings
fr] être pendu aux basques (o. au cotillon o. au jupon) de sa mère - se réfugier dans les jupes de sa mère
it] essere attaccato (o. cucito) alla gonnella (o. alle sottane) della madre

An 'n groten As gehört 'ne grote Bückse.
Iserlohn
hdt] An einen großen Arsch gehört eine große Hose.

An 'n Mund vull Aeten sitt väl Ehre.
Bremen

An narren hilft weder chrisam noch tauf.
fr] Tout est perdu ce qu'on donne à fol.

An Narren ist nirgends Mangel.
la] Stultorum plena sunt omnia.
un] Rakva vagyon e' tarka világ sokféle bolondokkal.

An Neujahr wächst der Tag um einen Hahnenschritt, am heiligen Dreikönig um einen Hirschensprung, an Sebastian um eine ganze Stund', an Mariä Lichtmess merkt man erst was drum.

An niadd'n Loppen (Lappen) gfold sain Koppen.
Steiermark
i] Auch meine Haube, setzt man in Oberösterreich hinzu.

An nichts Geliebtes musst du dein Gemüt
Also verpfänden, dass dich sein Verlust
Untröstbar machte.
Herder, Literatur und Kunst IX

An nichts gewöhnt man sich so schnell wie an des langsame Arbeiten.

An Nöösh so grat üsh an Hauberg.
hdt] Eine Nase so groß wie ein Hauberg.

An oandere Mutter hoat ah a liebs Kind.
Steiermark

An Ochs hot a lange Züng ün känn kein Schojpher (Posaune) nit blusen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Der Ochse hat zwar eine lange Zunge, aber das Posaunenblasen vermag er doch nicht; denn nicht immer gelingt, wozu man Anlagen zu haben meint.

An Ochs üm a Groschen, wenn der Groschen is nit du (da).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Im Paradiese, heisst es, kostet der Ochse einen Groschen; was nützt jedoch, fragt das Sprichwort, der billige Preis einer Ware, wenn das wenige dazu erforderliche Geld nicht vorhanden ist.

An olde Husen un olde Froens gift't immer wat to flicken.

An ole Hüser un ole Wîfer is altît wat to flicken.
hdt] An alten Häusern und alten Weibern ist stets was zu flicken.
i] Man vernimmt aber sehr oft die gegenteilige Behauptung, dass junge Frauen mehr kränkeln als alte.

An olle Wîfen un olle Hûsen is alltîd wat to lappen.
i] Lappen heisst eigentlich: flicken, ausbessern, uneigentlich: prügeln.
en] A ship and a women are ever repairing.
en] A women and a glass are ever in danger.
it] A molini, orologi e sposa manca sempre qualche cosa.

An Orden vün a Borek.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Burak, polnisch = rote Rübe. ein Orden von einer Rübe. Scherzhafte Belohnung. Man wird dafür zum Eselsritter geschlagen.

An Ort und Stelle hat die Erzählung einer wichtigen Begebenheit stets mehr Interesse.
Goethe, J. S. Grüner, 30. 8. 1821

An Ort und Stelle, in originaler Lage
i] z. B. archäologische Funde
la] in situ

An Ostern geht die Sonne hüpfend auf.

An Pauli Bekehrung (25.1.) dreht sich die Padde (Frosch) um.

An Pauli bekerungtag (25.1.), des Wetters solche rechnung trag: so die Sonne tut scheinen klar, das bedeutet ein gutes Jar; ein nebel auch, groß oder klein, der bringt ein sterben allgemein. Nimpt aber der wind überhand, darauf eruolget krieg im land; durch regen aber oder schnee soltu ein theure zeit versteh.
la] Clara dies Pauli, bona tempora denotat anni, si fuerint nebulae pereunt animalia quaeque; si fuerint uenti nascuntur praelia genti: si nix aut pluuia designat tempora cara.

An Paulus Einsiedel (10.1.) Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.

An Petri Kett (1.8.), da sollt' scheinen die Sonne von A bis Zett.

An Petri Kettenfeier (1.8.) geh'n die Störche fort.

An Pfaffen solt nicht kehren dich, die gelehrten seynt die besten nicht.
la] Clericus edoctus non est semper sale coctus.

An Pflaumenpfingsten.
ndt] Op Plumepingste.
i] Nimmerleinstag

An Philippi (1.5.) säet unser Herrgott dem Korn unter.
Oberösterreich
i] Philipp flickt das Getreide aus. Nach dem Volksglauben in Oberösterreich soll man am Philippitage, der mit dem Jakobitage zusammenfällt, nicht flicken, man bekomme sonst den Wurm am Finger, den das Volk, mit Vermeidung des eigentlichen Namens, häufig das >Beistad< nennt; auch soll man am Philippitage nicht nähen und stricken, weil unser Herrgott dem Korn untersäet, überhaupt nicht arbeiten, weil Philippi das Getreide >ausflickt<

An Purpurmänteln und Bauernkitteln, ist's dem Winde gleich zu schütteln.

An putzsüchtigen Weibern und schlechten Zigarren ist das Deckblatt das beste.

An Quargk sillt 'r kriegen, sagte Jockel zu den Flöhen, die ihn bissen, und löschte das Licht aus, dass sie ihn im Bett nicht finden sollten.
Schlesien

An Rat gebrach es nie einem Mann, der vor- und umwärts schauen kann.
ho] Aan raad ontbreekt het niemand.

An Rauschign und a Fua Hai muisst aus'n We gain.
i] Einem Berauschten und einem Fuder Heu musst du aus dem Wege gehen.

An rechnung machen, an worten, an duncken und gespante tuch gehet viel ab.

An Rechten und Kriegen gewinnt niemand viel.

An rechter Stelle Schande, an rechter Stelle Mut.

An Rheumatismus und an wahre Liebe glaubt man erst, wenn man davon befallen wird.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

An ringen Bedler, thiar egh ian dör amgungkân.
Nordfriesland
hdt] Ein schlechter Bettler, der nicht eine Tür umgehen, meiden kann.

An ritterschaft ist frommen und freiheit.
i] Der Deutsche des Mittelalters dachte sich nur den Freien als edel und hielt den Unfreien für einen Schalk, wie er später auch den Teufel nannte. Nur der Freie konnte die Ritterwürde erwerben.

An Romanus (28.2.) und Lupizinius - unsere Sonne scheinen muss.

An Ross und an Mann stehts Scheiße schön an.
Oberösterreich
i] Vernehmbare Winde.

An runzeln ists alter leicht abzunemen.

An Salz kann man sich nicht satt essen und mit Gedanken sich nicht von seinen Sorgen befreien.
Russland

An salzigem Wasser sieht man keinen Durstigen.

An Sankt Afra (7.8.) Regenkommt dem (o. ist für den) Bauern ungelegen.

An Sankt Agathe (5.2.) Sonnenschein, bringt recht viel Korn und Wein.

An Sankt Agnes (21.1.) die Hälfte Heu und die Hälfte Ausgabe (o. Arbeitslohn).
Venetien

An Sankt Andreas (30.11.) ist's die ganze Zeit Nacht.

An Sankt Andreas ist's die ganze Zeit Nacht.

An Sankt Ann' fangen die kühlen Morgen an.
pl] Od świętej Anki zimne poranki.

An Sankt Anton (17.1.) nehmen die Tage zu um eine Mönchsruh'.

An Sankt Benedikt (21.3.) acht wohl, dass man Hafer säen soll.

An Sankt Cyprian (15.9.) zieht man oft schon Handschuh' an.

An Sankt Gall' (16. Okt.) flieg auf den Berg und sä' im Tal.

An Sankt Gall (16.10.) ernte man die Rüben all!

An Sankt Gall flieg auf den Berg und sä' im Tal.

An Sankt Gall führe die Ochsen aufs Feld und unterlass es nicht.
Italien

An Sankt Gall säe, säe, tue es ja.
Italien

An Sankt Galli (Sankt-Gallus, 16. Okt.), wann die Rübe reif ist.
Oberlausitz

An Sankt Johann gafft man hinein.
Picardie (Wenn es regnet, in die leeren Nüsse)

An Sankt Johann geht der Sorgo ins Korn.
Venetien (Sie haben wie alle Bewohner Oberitaliens den Glauben, dass wie in der Johannisnacht der Most in die Traube, am Johannistage der Sorgo oder Mohnhirse in die Körner geht)

An Sankt Joseph fliegen die Schwalben übers Dach, sie fliegen oder fliegen nicht, die Kälte verlässt uns.
Venetien

An Sankt Joseph legt man den Bettwärmer weg.
Mailand

An Sankt Katharina entweder Schnee oder Reif.
Toskana

An Sankt Katharina ist Schnee auf den Hügeln.
Mailand

An Sankt Katharina nimmt man den Kohlentopf.
Venetien (Sowohl den Topf zum Wärmen der Hände und Füße wie die Wärmflasche zum Auswärmen des Bettes)

An Sankt Katharina wird die Kälte schärfer.
Lombardei

An Sankt Katharina ziehe den Wärmetopf heraus.
Mailand

An Sankt Kilian (8. Juli) säe Rüben an.

An Sankt Kilian (8.7.) säe Rüben an.

An Sankt Laurenti (10.8.) Sonnenschein bedeutet ein gut Jahr für Wein.
fr] Quand il pleut en aout, il pleut bien et bon moust.

An Sankt Lorenz blickt man hinein und an Sankt Rochus knackt man sie auf.
Picardie (Nuss- und Mandelernte)

An Sankt Lorenz die große Hitze, an Sankt Antoni die große Kälte; die eine oder die andere währt nicht lange.
Sardinien

An Sankt Lorenz kommen die Nüsse mit dem Stocke, an Sankt Rochus verlieren sie die grüne Schale.
Venetien

An Sankt Lucia (23/25.12.) ist der Abend dem Morgen nah.
i] Die Tage sind da am kürzesten, der Abend grenzt an den Morgen.
dä] Dagen er kan to stumpede ender; er som stumpede lys, der har kan øjne og ender.

An Sankt Lucia beisst die Kälte.
Mailand

An Sankt Lucia martert die Kälte.
Toskana

An Sankt Lucia wachsen die Tage um den Sprung eines Flohs, an Sankt Thomas um den Schritt eines Pferdes.
Picardie

An Sankt Magdalena, ist die Nuss voll oder noch nicht voll, unsere Kinder wollen sie aufmachen.
Lombardei

An Sankt Martha (29.7.) hängt man das Licht unter den Rauchfang.
i] In Venetien soll man an diesem Tage wieder anfangen abends bei Licht zu spinnen.
it] Da Santa Marta se taca la luse sota la nappa.

An Sankt Martin der Winter im Kamin.
Venedig

An Sankt Martin lege Holz ins Kamin.
Mailand
Sankt Martin feiern. (Ein gutes Mahl bereiten, genießen)
Sankt Martin führt die Schlüssel zu jeder Seele auf dem Pfad zum letzten Urteil. (Bezieht sich auf die drei großen Gerichtszeiten (Dinge) im Jahr. Eins dieser Dinge fiel in die Zeit um Ostern (Frühling), das andere in den Anfang des Herbstes; und als drittes echtes Ding war der Martinstag bezeichnet. Nachdem das Christentum Eingang gefunden, wurde der Sonne rechtseinschließende Kraft auf die Heiligen übertragen. Die Dreizahl bildet die Regel beim echten Dinge)
Sankt Martin gab den Mantel; ein Spieler gibt Hosen, Wams und Hemd, darum weil er wohl heiliger ist, wenn er nackt seinem Herrn, dem Teufel, nachrennt.
Sankt Martin macht Feuer ins Kamin; dann, o Mädel, greif' zum Rädel. Nassau
Sankt Martin Miss is de Winter wiss.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank zum Wärmen auf die Ofenbank.
Sankt Martin war ein milder Mann, trank gerne cerevisiam; und hatt' er nicht pecuniam, so ließ er seine tunicam.
Sankt Martin weiß nichts mehr von heiß.
Sankt Martin, du vol Liebe, du wonst vnter Diebe, die geben dir ein Pfennig und stelen dir ein Pferd; wer die Diebe hengte, des weren sie wohl wert.
Sankt Martins breckt dat Is, man find he gên, so mâkt he ên.
Sankt Martinus zu Pährd macht de Bauer allährd. Trier (allährd = munter, flink, rührig, vom französischen alerte. Auf den Martinstag, trierisch Meerdestag, fallen gewöhnlich für den Landmann die Zahltermine von gepachteten Grundstücken und geliehenen Kapitalien)
altfries] Sinte Martine da sloetelin feert to iwer siele in dat paed ti da lesta ordele.
fr] Faire la Saint-Martin.
fr] Saint-Martin boit le bon vin et laisse l'eau courre au molin.
la] Post Martinum bonum vinum.

An Sankt Martin scherzt der Winter nicht bald, Schnee und Frost kommen mit Gewalt.
Tschechien

An Sankt Martins Tag (10.11.) lobe unsrer Frauen Fasten.

An Sankt Matthäi ist das schöne Wetter vorüber.
Italien

An Sankt Mattheis (24.2.) geht kein Fuchs mehr übers Eis.

An Sankt Mattheis (24.2.) trinkt die Lerch' aus'm Gleis.

An Sankt Matthias (24.2.) erste Frühlingshoffhung.
Oberschlesien

An Sankt Medardus (6.8.) wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht.

An Sankt Medardus (8. Juni) wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht.

An Sankt Michael siehe gut zu, ob der Himmel heiter ist.
Venetien

An Sankt Paul Bekehr (25.1.) wendt sich der Winter halb hin, halb her.

An Sankt Philippstag die Linsen zum Felde trag.

An Sankt Urban (25.5.) setzt die Frucht die Körner an.
it] Per Sant' Urbano il frumento è fatto grano.

An Sankt Urbanstag (25.5.) ist Baum- und Weingarten verdient.
i] Da die Pflege der Baum- und Weingärten den Wirtschafter nicht das ganze Jahr in Anspruch nimmt, so war bestimmt, dass mit dem Sankt- Urbanstage, als der Zeit, da die Weingärten und Baumpflanzungen aus der Pflege des Gärtners traten und ihrer eigenen Entwickelung überlassen wurden, der Ertrag verdient sein solle.

An Sankt Valentein (14. Feb.) friert's Rad mitsamt der Mühle ein.

An Sankt Valentin (14.2.) die Hälfte Brot, die Hälfte Wein, und die Hälfte Heu fürs Vieh.
i] Die Italiener gehen sogar in der Vorsicht noch weiter, indem sie die andere Hälfte des Winters erst mit dem 14. Februar beginnen lassen.

An Sankt Vinzent (22.1.), da hat der Winter noch kein End'.

An satten Eers kan föl bitheenk. Nordfriesland (Ein sitzender Arsch kann viel erdenken)

An Säuen fehlt es nicht, wenn der Teufel aus Besessenen fährt.

An Saukauf ist wenig zu gewinnen.
i] Schädlicher Einfluss schlechter Gesellschaft.
z] Vnd fecht ein schedlichs spil jn (den Schelm, hier ein Mensch von unanständigem Betragen, pöbelhaftem Charakter, der in bessere Geaellschaft gekommen ist) an, damit sie all zu schaffen han, mit leib und leben kaum entrinnen, an sawkauf wenig nutz gewinnen.

An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken.

An schlechten Bissen kauen.

An schlüpfrigen Händen bleibt leicht etwas kleben.

An schmierigen Händen bleibt viel hängen.
en] Benefits bind.
fr] Qui prend s'engage.
fr] Qui prend, se vend.
it] Chi ha preso resta preso.
la] Munera capiunt hominesque deosque.
sp] Quien prende su cuerpo vende.

An Schnittern fehlt es nicht, wenn nur erst zu ernten ist.

An schönes (teueres, kostbares) Holz gehängt werden.
i] Ein Unglück ist erträglicher, wenn es von Schande frei ist. Für den der hängt, dürfte es allerdings keinen schönen Baum geben; eine hohle Weide möchte für ihn wohl mit einem Lorberbaume in gleichem Range stehen.

An Schönheit und an Leim bleibt man sehr leicht kleben.
z] Schönheit ist ein Vogelleim, jeder hänget gern daran, wer nur fleugt, wer nur schleicht, wer nur manchmal kriechen kann.

An schönne Gruß, und wear net laufe könn', deam fehl's am Fuß.
Bietigheim

An Schorf soll man nicht tasten.
i] Verharschte, wunde Stellen soll man nicht berühren.
ho] Schurft is ligt geraakt. - Schurft will niet geraakt zijn.

An schwarzen Kesseln kann man sich nicht weiß brennen.
ndt] Am e ruessige Kessel kammer sich nidd sufer rywe. Strasburg
la] Luto lutulentior.

An seine Träume glauben heisst, sein Leben im Schlaf verbringen.
China

An seinem eigenen Schopfe kann sich niemand aus der Grube ziehen, in die er gefallen ist.

An seinem Ort
la] suo loco

An seinem Stricke spinnen.
i] Auf dem Wege zum Galgen sein.

An seinem Todestage kräht kein Hahn.

An seinem Umgang erkennt man den Menschen.

An seinem Umgange (seiner Gesellschaft) erkennt man den Menschen.

An seinen Blüten erkennt man den Baum der Früchte trägt.

An seinen Früchten erkennt man jeden Baum.

An seinen Früchten erkennt man, was für ein Baum es ist.
la] Fructibus ex propriis arbor cognoscitur omnis. Beda Venerabilis, Proverbiorum liber
la] Fructibus ipsa suis, quae sit, cognoscitur arbor. Panfilus

An seinen Gewohnheiten hängt man.

An seinen Idealen zu Grund gehen können heisst lebensfähig sein.
Peter Altenberg

An seinen Nachkommen erkennt man den Mann.
la] In extremis suis agnoscitur vir.

An seinen Räten erkennt man den Fürsten.
bm] Po radcĕ krále poznati jest.

An seinen Scherzen erkennt man den Menschen.
fr] Au plaisanter on connaît l'homme.

An seinen Vertrauten soll man nicht zweifeln; einmal Bezweifelten nicht trauen.

An seiner ewigen Ängstlichkeit erkennt man den Philister und 'Bürger' (im übelsten Wortsinne).
J. M. Verweyen, Der Edelmensch

An seiner Nase findet jeder Fleisch.
i] Er ziehe sich also daran, und bekümmere sich nicht um die Nasen (Angelegenheiten) anderer.

An seiner Rübe erkennt man den Trunkenbold.
fr] À la trogne connaît-on l'ivrogne.

An seiner Sprache erkennt man das Regime.
Heinrich Mann, Der Weg der deutschen Arbeiter

An seiner Uhr ist's nie zu spät.
i] Vom Trägen.
fr] Il n'est jamais tard à son horloge.

An Septemberregen ist dem Bauern viel gelegen.

An Septemberregen
Für Saaten und Reben ist dem Bauern gelegen.

An sich denken gibt wenig Glück. Wenn man aber viel Glück dabei hat, liegt es daran, dass man im Grunde nicht an sich, sondern an sein Ideal denkt.
Friedr. Nietzsche, Wir Philologen, 2, Plan und Gedanken zur Ausführung

An sich denken, ist ganz recht; nur an sich denken, das ist schlecht.

An sich ist das Leben nichts Gutes und nichts Böses, es ist der Hintergrund, auf dem ihr selbst Gutes und Böses anbringen könnt.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

An sich ist es ja gleichgültig, ob man sein Geld spart oder ausgibt, gut oder schlecht kann nur genannt werden, was wir damit wollen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.
William Shakespeare, Hamlet (Hamlet)

An sich rapsen und dapsen.

An sicherem Ort
la] in solido

An sichern Dingen ist der Zweifel gut.

An sieben Dingen (Stücken) wird eines Menschen Weisheit erkannt: wenn er in Gegenwart Verständigerer schweigt, niemandem in die Rede fällt, nicht unbedachtsam antwortet, gern hört und lernt, nach des Gesprächs Veranlassung fragt, in seinen Reden Ordnung hält und die Wahrheit sagt.

An Silber bin ich äußerst interessiert.
la] In argento plane studiosus sum.

An silbernen Wocken spinnt man das feinste Garn.

An sîne Rede ess weder Klack noch Schmack. Lippe

An Sittensprüchen hat der Arge sein Vergnügen,
Nicht um danach zu tun, doch um damit zu trügen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

An Skelm, diar sin bâst ep dê.
Amrum
hdt] Ein Schelm, der sein Bestes nicht tut.

An skürw'd Schep kan an hian Hokfal umstegh.
Nordfriesland
i] Ein räudig Schaf kann eine ganze Hürde voll anstecken.

An slacht Müs, diar man ian Hâl hea.
Nordfriesland
hdt] Eine schlechte Maus, die nur eine Höhle, ein Loch hat.

An slachten Föggel, thiar sin anj Neast egh onnerhoal kaan.
Nordfriesland
hdt] Ein schlechter Vogel, der sein eigenes Nest nicht unterhalten kann.

An so ein Leben, in dem man nie allein ist, gewöhnt man sich nicht, man lebt es bitter zu Ende.
Tucholsky, Nie allein

An solchem Kaufe solches Geld.
it] Tanto è mercante colui che perde quanto colui che guadagna.

An solchen Vorfrühlingstagen, wo der Geist die Last des Winters noch nicht ganz abgeschüttelt hat, ist's, wo die Sehnsucht nach der Ferne uns am mächtigsten ergreift. Es ist ein sonderbares Ding um diese Sehnsucht, die wir nie verlieren, so alt wir sein mögen.
Wilhelm Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse

An Sorgen muss mancher erworgen.
ho] De zorgen verworgen.

An Steckn muss ma sich richten in jungen Jahrn, dass ma a Heb' (= Stütze) hat für die alten Tag.

An Stelle des Siegels
i] auf Kopien, Beglaubigung
la] loco sigilli (l. s.)

An stinckendem (faulem) Fleisch ists saltz verlohren.

An Stockfisch- un Erdäpfelsdâg (Freitag) sagen de ärm Lück, esse mêr de Erdäpfel met gekreiztem Olg (Öl) un de Stockfesch' setzen dröm eröm.
Köln

An Stricke bindet man die Ochsen, an Unterschriften die Bauern.

An Sünden gewinnet man nichts.

An Tand'lmoarkt z'sammenkaufen.
z] Was hast denn da für an Tand'lmaorkt z'sammen kauft?
i] Altes Zeug aller Art, Plunder, ein Durcheinander von unbedeutenden Dingen.

An Terno mach'n.
i] Glück haben, ein gutes Geschäft machen.
z] Mid sein Weib had er an Terno g'machd. Mit dem Kuf had er an Terno g'machd.

An Tiefe sowie an Fleiß hat es dem Deutschen nie gefehlt. Nähert er sich anderen Nationen an Bequemlichkeit der Behandlung und übertrifft sie an Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, so wird man ihm früher oder später die erste Stelle in Wissenschaft und Kunst nicht streitig machen.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 2. Abt. - Farbenlehre und Farbenbehandlung

An Titeln soll man nicht sparen, man kauft sie ja nicht auf der frankfurter Messe.
la] Qui vents volnut pasci, indigni sunt alimento alio.

An Titeln soll man nicht sparen, sagte die Braut zum Pfarrer, als sie das Aufgebot bestellte; ich bitte um den Ehrentitel Weiland vor Jungfrau, den die selige Amtmännin bekam.

An Tröghal, hä egh mannar üsch tau Earmer.
Nordfriesland
hdt] Ein Bettler hat nicht weniger als zwei Gewerbe.
i] Will sagen, dass er nicht mit einer Gabe zufrieden ist.

An trübem Teich sammelt der Fischer leicht Reichtümer an.

An Tuch und Worten geht viel ein.

An übel gewonnenem Gut hat der dritte Erbe weder Freude noch Mut.
la] Et male partorum non gaudit tertius haeres.

An überstandene Leiden erinnert man sich gern.
la] Meminisse laborum suave qui servatus est.

An überwundene Leiden denkt man mit Siegesfreuden.
it] Quel che fù duro a patire, è dolce a ricordare.

An überwundenes Missgeschick denkt man gern zurück.
la] Jucunda est memoria praeteritorum malorum.

An und für sich; von selbst
la] per se

An und in dem Boden findet man für die höchsten irdischen Bedürfnisse das Material, eine Welt des Stoffes, den höchsten Fähigkeiten des Menschen zur Bearbeitung übergeben...
Goethe, Wanderjahre III,14

An Undankbaren ist alle Wohlthat verloren.

An ungebetnen Gast steckt man untern Ofen.

An ungetanem Werk ist nichts zu meistern.
sd] För ogjord gjärning bötes oföd fä.
sd] Hät är med ingo bött.
sd] Ogjord blijr ospord.

An unmöglichen Dingen soll man selten verzweifeln, an schweren nie.
Goethe, Italienische Reise II, Paralipomena

An Unmögliches ist niemand gebunden. [RSpW]
la] Ad impossibile nemo tenetur.

An Unmögliches ist niemand gebunden.
la] Ad impossibile nemo tenetur.
[RSpW]

An unser früheres Leben können wir uns deswegen nicht erinnern, weil Erinnerung eine Eigenschaft nur dieses Lebens ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1905)

An unverschuldeter Aufregung gestorben, erklärte der Totenschauer, als er einen Mann tot mit drei Kugeln im Kopfe fand.

An unverstendigen Leuten kan niemand Meister werden.

An Urban (25. Mai) die Hirse gut geraten kann.

An Urban (25. Mai) und Pankrazius (12. Mai) der Winzer die Ernte bemessen muss.

An Urban (25.5.) die Hirse gut geraten kann.

An Urban (25.5.) und Pankrazius (12.5.) der Winzer die Ernte bemessen muss.

An urem Mann is a Wattren (Freigebiger) auf a fremden Beutel.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn jemand auf Kosten anderer mildtätig ist.

An urem-Mann is wie a Hojker.
i] Höcker, Buckliger. Beide tragen, was sie besitzen, auf dem Rücken.

An urm Mann is wie a löchriger Sack.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Schwer zu füllen.

An urm Mann steht bei der Tür.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wer Gefälligkeiten oder Wohltaten beansprucht, muss bescheiden sein.

An Ursula (21.10.) muss das (o. brings) Kraut herein, sonst schneien (noch) Simon und Juda (28.10.) hinein.'

An Ursula (21.10.) muss das Kraut herein, sonst schneien Simon und Jude (28.10.) drein.

An verdächtigen Orten halte dich nicht auf und sei nie Gefährte eines Menschen, der ein Wegweiser zum bösen Ort ist, damit er dich nichts Böses lehre. Dergleichen Leute fliehe und bleibe ihnen fern.
Buch des Kabus

An vergangenes Unglück ist gut denken.
la] Jucunda malorum praetoriorum memoria.

An verlegenem Fleisch kauft man allzeit zu teuer.

An verlorenem Appetit stirbt man nicht.
sp] Dejar de comer por haber comido no es enfermedad de peligro.

An Versprechungen ist jeder so reich, wie er will.
Ovid, Die Liebeskunst

An Versprechungen und rohem Tuch geht viel ein (zurück).
dä] Løfte og raat klæde løber meget ind.

An viel reden kennt man einen Narren.

An viel reden ohne Verstand wird der Narr erkannt.
ho] In woorden zonder slot is't kenmerk van een' zot.

An viel Rühmen soll man sich nicht kehren.
fr] De se vanter doit l'en prendre garde.

An vielem Fragen erkennt man einen Narren.
z] In den Hospitälern bemerkt man, dass die Narren vorzüglich gern Tabak schnupfen. In der Gesellschaft erkennt man sie an dem vielen Fragen.
it] Chi troppo dimanda ha testa di matto.

An vielem Lachen erkennt man den Hachen
i] Oft wird man fragen können, wer der Narr ist, der welcher lacht, oder der, über den gelacht wird.

An vielem Lachen sollst du den Narren erkennen (o. erkennt man den Narren).
la] Per risum multum debes cognoscere stultum.

An vielem Schwatzen erkennt man den Mann.
la] Qui multum fatur, stultissimus esse probatur.

An vielen Höfen essen die Esel der Gelehrten Brot und die Narren besitzen die Ehrenstellen.

An vier Dingen erkennt man den Franzosen: wenn die Uhr schlägt, wenn er jemand fragt, wenn er Versprechungen macht und wenn er von seinen Liebschaften redet.

An vier Dingen erkennt man einen Narren: sich selbst loben, sich leicht erzürnen, ungefragt viel reden und wegleihen ohne Sicherheit.
en] By six qualities may a fool be known: Anger without cause, speech without profit, change without motive, inquiry without an object, putting trust in a stranger and wanting the capacity to discriminate between a friend and a foe.

An vier Dingen geht viel ab: an Rechnungen, an Worten, Dünken und gespanntem Tuch.

An vier Dingen wird ein Mensch erkannt: in seinem Geschäft, in seinem Trinken, in seinem Zorn und seinem Spiel.

An vier Zeichen erkennet man den Mann: seine Weisheit, wenn er in Rechten ist; seine Geduld, wenn er in Not ist; seine Demut, wenn er groß ist, seinen Reichtum, wenn er tot ist.

An viererlei Leuten ist Mangel auf Erden: an Pfaffen, sonst dürfte einer nicht sechs bis sieben Pfründen haben; an Adeligen, sunst wollte nit jeder Bauer ein Junker sein; an Huren, sonst würden Eheweiber und Nonnen das Handwerk nicht treiben, und an Juden, sonst würden Christen nicht wuchern.

An Vinzenzi (22.1.) voller Sonnenschein, der lässt uns hoffen auf Korn und Wein.

An Vorwand fehlt es keinem, wenn er betrügen will.

An Wänden gehen.

An Wanj, thiar knarket, thi healt laang.
Nordfriesland
hdt] Ein Wagen, welcher knarrt, hält lange.
i] Um zu sagen, dass die, welche stets über ihre Gesundheit klagen, in der Regel am längsten leben.

An Waren und grauem Tuch geht viel ein.

An Wedwüf her iarst Mân mut altidj üübh baasel dânsi.
Nordfriesland
hdt] Der erste Mann einer wieder verheirateten Witwe muss allezeit auf dem Tische tanzen.
i] Er wird bei jedem Anlass gelobt.

An Weibern ist keine Ehre zu erjagen.

An Weibern liegt keine Macht.
i] Der Ehemann wird als der natürliche Vormund seiner Frau betrachtet, in dessen Hand auch die Verwaltung des gesammten Vermögens ruht.
mhd] An wiben liget keyne macht niet.

An Weibern und Melonen kauft man allzeit mit Gefahr.

An Weibern und Unglück ist niemals mangel gewest.

An Weibertreue und Wunder ist schwer glauben.

An Weiberweinen, Metzgerschwören und Hundehinken darf sich niemand kehren.
la] Neve puellarum lachrymis moveare caveto, ut flerent, oculos erudire suos.

An Weihnacht die Hälfte Brot, die Hälfte Wein.
Toskana

An wenig Gegenständen erscheint die Farbe in ihrer ursprünglichen Reinheit, selbst im vollsten Lichte, sie wird mehr oder minder durch die Natur der Körper, an denen sie erscheint, schon modifiziert...
Goethe, Schriften z. Kunst - Diderots Versuch ü. d. Malerei

An wessen Gewinn jemand beteiligt war, an dessen Verlust soll er auch teilhaben.
[RSpW]
la] Cuius participavit lucrum, participet et damnum.

An Willen und Worten ist kein Zwang.
i] Im Allgemeinen sollen nicht bloß die Gedanken, sondern auch die Worte, insofern in diesen nicht selbst schon, wie bei Ehrenkränkungen, das vollendete Unrecht liegt, von strafrechtlicher Ahndung verschont bleiben, da dadurch allein noch niemand Gewalt angetan wird.
mhd] An willen noch an worden i's nen gedvang.

An williger Armut hat Gott kein Schuld.

An witjen Hingst skal föl Streilis ha.
Amrum
hdt] Ein weißer Hengst (Pferd) soll viel Streu haben.
i] Wird in Bezug auf eitle Hausfrauen gebraucht.
ndt] Di wit Hingster skel fuul Streils haa. Sylt

An Witwen und Jungfrauen, an Rüben und Schoten am Wege rupft jedermann.
bm] Usklubná semena, v poli hrách ařepa, vlidech vdova a panna kazdému jsou na ránĕ.

An Witwen und Waisen will jeder ziehen und zerren.

An Witwen und Waisen will jedermann den Arsch wischen.
ho] Aan weduwen en weezen will elk trekken en plakken.

An wohlen Tagen geht er auf dem Eis tanzen.

An wohlfeiler Ware ist teuerer Kauf.
it] Guardati delle derrate di buono mencato.

An Wort und Schritten erkennt man den Mann und seine Sitten.

An Worten und an Werken kann man den Heuchler merken.
it] Per l' opere non per il vestito vien conosciuto l' hipocrita.

An worten und grauem (ungenetztem) tuch geht viel ein.
ho] Aan woorden en laken, neem altijd wat tegen het krimpen.

An Worten und Laken muss man immer etwas gegen die Krümme haben.

An Wüüf kaan onnar a Skortelduk muar wechbring, üüs sööwen Hingster tji kôn.
Nordfriesland
hdt] Ein Weib kann unter der Schürze mehr wegbringen, als sieben Pferde ziehen können.
i] Heimlich, hinter dem Rücken des Mannes.

An Zeichen erkennt man die Herberge.
ho] Het teeken wijst de zaak.

An Zerstreuungen lässt es uns die Welt nicht fehlen; wenn ich lese, will ich mich sammeln und nicht, wie jener Sultan von Indien, durch abgerupfte Märchen hingehalten sein.
Goethe, Schriften zur Literatur - Literarisches Konversationsblatt

An Zornigen ist kein Ehr zu erjagen.

An Zusagen und rohem Tuch gehet viel ein.

An zuviel Wurst kann ein Hund ersticken.

An zwei Ankern steht ein Schiff fester als an einem.
en] Good riding at two anchors, men have told, for if one break the other may hold.
la] Ancoris duabus niti bonum est.
un] Két istáphoz jó támaszkodni.

An zwei Dinge muss man sich gewöhnen, um das Leben erträglich zu finden: Die Unbilden der Zeit und die Ungerechtigkeiten der Menschen.
Chamfort, Maximen und Gedanken

An zwei Dingen fehlt immer etwas: an einer Mühle und an einer Braut.

An zwei Dingen ist immer was zu flicken: an alten Häusern und alten Weibern.

An zwei Dingen ist verloren der Safran und die goldnen Sporen: an Kuhfleisch in gelber Brüh' und einem Ritter ohne Müh'.

An zwei Dingen ist wenig zu erwischen: an Träumereien und Backfischen.

An zwei Tagen zitterst du umsonst vorm Tod:
Wo ihn Gott bestimmt, wo Gott ihn nicht bestimmt.
Denn am ersten hilft kein Arzt in deiner Not
Und am letzten dir kein Mensch das Leben nimmt.
Rückert, Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande

An zwei Tischen wird ein Fraß erzogen.
ndt] A zwé Tische wird en Frass erzoge.
Schweiz

An zwei wichtigen Merkmalen erkennt man den echten Kritiker: Erstens schreibt er gut und lebendig, er steht mit seiner Sprache auf du und du, er missbraucht sie nicht. Zweitens hat er das Bedürfnis und BestrebenPestalozzi, seine Subjektivität... so klar zur Darstellung zu bringen, dass der Leser eben diese Subjektivität benutzen kann, wie man ein Metermaß benutzt.
Hesse, Notizen zum Thema Dichtung und Kritik

Analogie oder auch nur Gleichnis haben wir in der Musik: das was dort gleichschwebende Temperatur ist, wozu die Töne, die sich nicht genau untereinander verhalten wollen, so lange gebogen und gezogen werden, dass kaum einer seine vollkommene Natur behält, aber sich alle doch zu des Tonkünstlers Willen schicken.
Goethe, An Louise Seidler? (Konzept)

Analphabeten können am besten zwischen den Zeilen lesen.

Analphabeten müssen diktieren.

Analyse ist nicht die Sache des Dichters. Sein Beruf ist, zu malen, nicht zu sezieren.
Macaulay, Kritische u. historische Essays, Milton

Ananas schmeckt wie Wurst, sagte der Bauerjunge.
i] Friedrich Wilhelm III. erhielt diese Antwort, als er einst in Sanssouci einem Knaben Ananas zu kosten gab.

Anarchie ist die größte aller Utopien.

Anarchie ist die schlimmste Despotie.

Anarchie ja, aber bitte nicht zuviel.

Anarchie wäre der wünschenswerte Zustand, wenn die Menschen Maschinen oder Götter wären. Aber dann müsste sie nicht erst gepredigt werden. Sie wäre eben da.
Arthur Schnitzler, Aphorismen und Betrachtungen aus dem Nachlass

Anarchismus ist der Versuch, das kleinere Übel durch das größere zu ersetzen.

Anarchismus ist umgestülpter bürgerlicher Individualismus.
Lenin, Anarchismus und Sozialismus

Anarchisten sind objektiv die besten Helfer der Reaktionäre. Vielleicht wollen sie das sogar sein.
Gustav Heinemann

Anatomie leistet am organisierten Wesen, was Chemie am unorganisierten.
Goethe, Vergleichende Anatomie I

Anaxagoras lehrt, dass alle Tiere die tätige Vernunft haben, aber nicht die leidende, die gleichsam der Dolmetscher des Verstandes ist.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1191

Anbete du das Feuer hundert Jahr,
Dann fall hinein - dich frissts mit Haut und Haar.
Goethe, Zahme Xenien V

Anblick der Liebe
la] imago pietatis

Ancho hat eine Seele voll Erbarmen, die Füße des gestohlenen Schweines gibt er den Armen.
Basken
it] Rubar il porco, e darne i piedi per l'amor di Dio.

Andacht - Andaucht.
i] Ein Wortspiel der Alten in der Neuzeit, um das Wort Andacht durch Vergleich mit Andaucht (Abzugskanal) herabzusetzen.

Andacht durch Vergleich mit Andaucht (Abzugskanal) herabzusetzen)

Andacht gebiert Reichtum, aber die Tochter frisst die Mutter.

Andacht ist das beste Sonntagskleid.

Andacht ist ein Stern der Frühe,
Der das Herz mit Gott vermählt,
Dass es preisend, dankend glühe,
Fromm bekennend den Dreieinen.
Ludwig Bechstein, Der Sonntag (1833)

Andacht steht nicht wohl auf einem vollen Bauch.

Andacht, die Demut nicht begleitet, wird unfehlbar Stolz.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Andächtig gebet und weise räth können vil verhindern.

Andächtige Ohren finden.
ho] Hij vond aandachtige ooren.

Andalusien ist Spaniens Keller und Kornkammer.
z] Es galt auch als Mittelpunkt der spanischen Jalousie.

Andauernde Treue gegen das Alte macht die Treue gegen das Neue nahezu zur Unmöglichkeit...
Fontane, Cecile

Andauerndes Fieber bringt den Löwen um.
Italien

Andauerndes Schlagen tötet die Schlange.
Afrika

Andel und Kandel machen einen bösen Wandel.
i] Andel = Diminutiv von Anna. Liebe und Trunk verführen sehr häufig.

Ander Amt, andere Sorge.
la] Non est eadem cura oratoribus, quae phonascis. Quinct.

Ander dag Abend is noch nich e kommen.
Braunschweig

Ander Handel, ander Wandel.
ho] Andere nering, andere tering.

Ander Holz her.

Ander Jahr, ander Glück.

Ander Jahr, ander Haustock.
Franken
mhd] Ander jâr, ander guot.

Ander Jahr, ander War'.
dä] Et andet aar kommer der en anden jule aften.

Ander Land Schwarzbeere, eigen Land Erdbeere.
Finnland

Ander Land, ander Glück.
i] Dem, der in ein ander Land kommt, kann es besser oder schlechter ergehen als an seinem frühern Wohnsitz.
it] Chi muta paese, muta ventura.

Ander Land, ander Leute.

Ander Land, ander Litt, hat dr Schwyzer gsit, wia a Goaßbock zum Fenster rausgschaut hat.

Ander Land, andere Leute.

Ander leut brot schmeckt allzeit besser.

Ander leut creutz lehrt das deine tragen.
la] Aliorum exemplo patiens.

Ander Leut fehl sehen und sein eigen nicht, das ist der Toren sitt.

Ander Leut gelt, ander Leuth sorg.

Ander Leut Gut, ander Leut Sorge.

Ander leut haben auch hände.
la] Et meum telum cuspidem habet.
la] Et mihi sunt vires et mea tela nocent. Ovid

Ander Leut haben auch heut.

Ander Leut häuser sein besser als vnsers.

Ander Leut Hilff nit mehr bedürffen.
la] Sine cortice nare.

Ander Leut Küh geben immer mehr Milch alss vnsere.

Ander Leut Schad ist guter Rat.

Ander Leut(e) Brot schmeckt allzeit besser.

Ander lude (Leute) breve, büdels unde tavelen en sal men nicht ansein.
la] Alterius chartas, loculum, non inspice mensam.

Ander Mann, ander Glück.
i] Auch wohl mit dem Zusatz: denn Gottes Wunder erben nicht.

Ander Städtchen, ander Mädchen (o. ander Städtel, ander Mädel).
i] Zur Schilderung der Soldaten- und Gesellenliebschaften. Von denen, die sich ein Verdienst daraus machen, an jedem neuen Orte ihres einstweiligen Aufenthalts eine neue leichtgläubige Schöne zu täuschen.
bm] Holka bez hocha, ryba bez vody.
bm] Kde obĕd tu milá, kde večeře tu jiná.
en] Other cities, other girls.
fr] Autres villes, autres filles.
ho] In elk steedken een ander meedken.
it] Città che vai ragazza che trovi.
sp] Amor trompetero: cuantas veo tantas quiero.
sp] En cada puero un amor.

Ander Sünd kreucht zu Winkel, Hoffart will allzeit am Licht stehn.

Ander' Wind - ander' Wetter.

Ander Wohltat vergisst man bald, Gottes am ersten.

Ander Zeit, ander Anfechtung.

Ander zeit, ander Gott, ander Jahr, ander Glück.

Andere (fremde, neue) Weide ist der Kühe Freude.
i] Wie fremdes Brot der Kinder Semmel ist, so lieben auch die Tiere Veränderung der Kost, und die Kühe gehen gern auf des Nachbarn Brache und Wiesen.

Andere Bäume, andere Holzhauer.
Litauen

Andere Beeren, schmutzige Beeren, Johannisbeeren, schlechte Beeren, Vogelbeerbaumbeeren, kräftige Beeren, da kannst du Trauben kauen, so hat der Bär gesungen.
Estland

Andere beglücken, es ist das reinste Glück auf dieser Erde. - Nur schwer ist es, wenn wir selbst nicht glücklich sind, und andere doch grade in unserm Glück das ihrige setzen.
Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 10. 10. 1801

Andere büezt er d' Seck, und sîn lot er d' Müs frässe.
hdt] Andern flickt er die Säcke, die seinen lässt er die Mäuse fressen.
i] Er ist gegen andere dienstfertig und vernachlässigt dabei seine eigenen Angelegenheiten.
it] Un gobbo vede la gobba del compagno e non la sua.
la] Aliena vitia in oculis habemus, a tergo nostra.

Andere Büsche, andere Pilze.

Andere Dinge bezeugt man mit anderen Leuten.
[RSpw]
i] Zur Bestätigung oder Aufklärung verschiedener Fragen sind in der Regel verschiedene Zeugen erforderlich.

Andere erkennt man klar, sich selbst nicht.

Andere feist machen und selbst Hunger leiden, ist beherzten Leuten zuwider.

Andere für lauter Gänse halten und Meister Klügel sein, der's Pferd im Hintern zeumt.
Luther

Andere Gedanken kommen über Nacht.

Andere gurrt er auf und er selber schläft.
Lettland
bm] Zvon do kostela lidi prizývá, a sám v kostele nikdy nebývá.
fr] Les cloches appellent à l'église, mais n'y entrent pas.
ho] Hij slacht de klokken die het volk ter kerke luiden, en er buiten blijven.
ho] Hij slacht den bakker, die het brood in den oven steekt en er zelf buiten blijft.
it] Non entra a messa la campana, e pur ognuno ci chiama.
pl] Dzwon do kosciola ludzi zwolywa, a sam w kosciele nigdy niebywa.
sp] No entra en misa la campana, y á todos llama.

Andere Hand, anderes Glück.

Andere Hände haben immer die fettesten Schnitte.
i] Neid vergrößert.
bm] V cizích rukou vzdy vetsí krajíc.

Andere Hauer, andere Fuhrleute.

Andere Hund sind zum Hasen-, andere zum Bärenfangen.

Andere Hütten, andere Sitten.
la] Diversi diversa putant.

Andere jahr, andere haar; andere zeit, andere freud.
i] Die großen Veränderungen, die oft ein einziges Jahr im Leben eines Menschen bewirkt.

Andere Jahre, andere Leute, andere Glocken, ander Geläute.
bm] Mnoho let, a mnohých nevidĕt.

Andere Jahre, andere Schuhe.

Andere Kinder sind Schleppsäcke, willst du auch einer sein?
i] Findet seine Erklärung in einem Kinderspiel. Die Kinder fragen der Reihe nach die Mutter: Darf ich auf die Gasse? Mutter: Nein. Kind: Andere Kinder sind auch gegangen. Mutter: Die andern Kinder sind Schleppsäcke; willst du auch einer sein?

Andere kommen und gehn, es werden dir andre gefallen,
Selbst dem großen Talent drängt sich ein größeres nach.
Goethe, Euphrosyne

Andere Krankheit, andere Arznei.
dä] Ny syger, ny liegedom.
la] Aliud est alio morbo remedium.

Andere Länder, andere Sitten.
en] Other countries, other manners.
en] So many countries, so many customs.
fr] Autres pays, autres mours.
fr] Vérité en-deçà, erreur au-delà.
it] Paese che vai usanze che trovi.
la] Alia vita, alii mores.
ndt] Ander Land, andre Sitten.
sp] En cada pueblo su uso y en cada su costumbre.

Andere Länder, andere Sitten; andere Mädchen, andere Titten.
fr] Autres pays, autres moeurs.

Andere Leut gebrechen haben wir vor vns, die vnsern aufm rucken.

Andere Leut muss man nicht mit der Hausselen, sondern mit Krämer Elen messen.

Andere Leut' tragen auch Schälk in der Häut.

Andere Leute haben auch einen Kopf.
sp] Necio es, quien piensa que otro no piensa.

Andere Leute haben auch Fäuste.
ho] Andere lieden hebben ook handen.

Andere Leute haben auch Häute.
i] Sie sind auch empfindlich.

Andere Leute haben auch Nägel unter den Stiefeln.

Andere Leute haben auch Spieße und Schilder, Helme und Harnische.

Andere Leute kochen auch (nur) mit Wasser.
i] Auch wenn sie tun, als kochten sie alles in Rebensaft.

Andere Leute sind auch keine Narren.
z] On dencke desholben nich, dass andre Leute Narren seyn; a mêent wul, ich bin ihm gerade gutt genug.

Andere Leute wollen auch leben.

Andere Leute, andere Fehler.
la] Aliud aliis vitii est.

Andere Leute, andere Sitten und Gebräuche.
ndt] Oeödar Lidj, öödar Wetten.
Nordfriesland

Andere mögen darüber klagen, dass unsere Zeit böse sei; ich klage darüber, dass sie armselig ist. Es gibt keine Leidenschaft mehr. Die Gedanken der Menschen sind dünn und schwach wie ein Spitzengewebe, sie selbst erbärmliche Geschöpfe wie Spitzenklöpplerinnen. Ihre Gedanken sind zu elend, um sündhaft zu sein.
Sören Kierkegaard, Entweder-Oder

Andere müssen Dich loben!
Sprüche Salomon 27, 2
i] Der Fremde lobe dich, und nicht Dein Mund, ein anderer, und nicht Deine Lippen!

Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
en] There are plenty of other fish in the sea.

Andere nach seinem Kopf richten.
fr] Mesurer les autres à son ause.

Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst strebt, ist Größe.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Ändere nicht deinen Stand, du habest denn einen bessern bei der Hand.
la] Maritimus cum sis, ne velis fieri terrestris.
la] Nil cito mutabis, donec meliora videbis.

Andere Pfeifen ziehen.
i] In dem Sinne wie: andere Saiten aufziehen.

Andere pflanzten, was ich essen soll - ich pflanze, was andere essen mögen.
Iran

Andere richten ist leicht.

Andere Saiten aufziehen.
i] Andere, mildere oder ernstere Mittel anwenden, Maßregeln ergreifen.
fr] Changer de batterie.
fr] Changer de ton.
fr] Changer de gamme.
fr] Mettre de l'eau dans son vin.
ho] Hij strijkt eene andere snaar aan.

Andere sehen zu, er hat zugegriffen.

Andere sieht man in einem klaren Licht, sich selbst aber nicht.

Andere Städtchen, andere Mädchen.
v. Schlippenbach, in der Ferne (vertont von Friedr. Silcher)

Andere Tiere, andere Köder (Lockspeise).
i] Den einen gewinnt man durch Lob, den andern durch Geschenke.

Andere trösten macht kein Kopfwehe.
it] A buon confortatore non dolse mai il capo.

Andere Wälder, anderes Wild. Andere Büsche andere Pilze.

Andere Zeit, (zeugt) andere Leut.
dä] Anden tid giver andre folk.
fr] En temps et lieu on doibt tout faire.
sp] Tal el tiempo, tal el tiento. Don Quixote

Andere zeit, andere freud.
bm] Jiné doby, jiné způvoby.
dä] Anden tid, anden fryd.
ho] Andere tijden, andere zeden.
ill] Druga doba, druge ćudi.
la] Alia vita, alia diaeta.

Andere Zeit, andere Lehre.
i] Eine Zeit hatte das Priestertum, eine andere das Fürstentum; jetzt arbeitet das Volkstum an der Lösung seiner Aufgabe.

Andere Zeit, andere Leut'.

Andere Zeit, andere Weise.
la] Tempora mutantur, nos et mutantur in illis.

Andere Zeit, anderes Geschmeid.
isl] Adhra tidh annadh smidh.

Andere Zeiten andere Sorgen!
Goethe, Benvenuto Cellini, Anhang

Andere Zeiten, andere Gedanken.

Andere Zeiten, andere Lieder.
z] Andere Zeiten, andere Lieder! Heute bauen die Enkel jener Heiligen den Schweizern für gutes eidgenössisches Geld die Eisenbahn.

Andere Zeiten, andere Musen (o. Saiten, Städte).

Andere Zeiten, andere Sitten.
en] Other times, other manners.
fr] Autre temps, autre mours.
it] Altri tempi, altri costumi.
it] I tempi mutano.
la] Alia vita, alii mores.
la] Mores secundum tempus.
la] Quae placuere prius, displicuisse solent.
sd] Andra tider, andra zeder.
sp] Otros tiempos, otros costumbres.

Andere Zeiten, andere Sorgen.
it] Altri tempi, altre cure.

Andere zu durchforschen ist schwer; aber man muss diese Kunst notwendig verstehen, sich selbst dagegen undurchdringlich machen. Dazu gehört das Dissimulieren, d. h. die Zurückhaltung seiner Fehler, und jener äußere Schein.
Kant, Über Pädagogik, Von der praktischen Erziehung

Andere zu erkennen ist Weisheit, sich selbst zu erkennen ist Erleuchtung.

Anderen gefällt mehr das Unsere, uns das anderer.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.

Anderen gibt er weisen Rat, aber die Trauben isst er selber.
tü] Ele verir talkını, kendi yutar salkımı.

Anderen kannst du oft entkommen, dir selbst niemals.
la] Alios effugere saepe, te numquam potes.

Anderen verzeih alles, aber dir selbst nichts.
Estland

Anderer (Leute) Fehler sind gute Lehrer. Estland

Anderer Fehler sind unsere (o. gute) Lehrer.
la] Optimum est, aliena insania frui.

Anderer Gefähr sei deine Lehr'.
fr] Belle doctrine met en lui qui se châtoye par autrui.

Anderer Hände können nicht kratzen, wo es dich juckt.
Slowakei

Anderer Himmel, ander Glück.

Anderer Hof, anderer Kwaß.
Estland

Anderer Kopf, andere Gedanken.

Anderer Kreuz lehre dich das dein tragen.
dä] Andres kors lære dig at bære dit.
dä] Lær du af andres kors hvorledes du skal bære dit.

Anderer Leid tut uns nicht leid.

Anderer Leut Kühe haben allzeit die größten Euter.
la] Parvus semper tuus pullus.

Anderer Leut Torheit sey dein Weissheit.

Anderer Leut Unglück, der Landsknechte höchstes Glück.

Anderer Leute Bettdecke schützt mich nicht vor Kälte.
i] Es ist ein schlechter Trost, zu hören, dass andere etwas haben.

Anderer Leute Briefe, Beutel und Tisch soll man nicht ansehen.
i] Nicht die Augen in den Briefen, noch die Hände in den Taschen (anderer).
Italien

Anderer Leute Brot schmeckt allzeit besser.

Anderer Leute Bücher sind schwierig zu lesen.
Niederlande

Anderer Leute Eier haben zwei Eigelb.
Bulgarien

Anderer Leute Ernte abmähen.

Anderer Leute Esel dreht die Mühle am besten, der Priester aus der Ferne liest den Gottesdienst am besten.
China

Anderer Leute Fehler sind die besten (o. gute) Lehrer.
sd] Andras feel lära bäst.
sd] Bäst lära aff annars skada.

Anderer Leute Geld ist auch kein Blei.

Anderer Leute Häuser löschen und das eigene brennen lassen.
z] Wir reden von disen, so ander leut fürdern und sich versaumen, oder so ander leut häuser löschen und lassen das jrig brennen.

Anderer Leute Höcker (Buckel) sehen wir besser als unsere eigenen.
la] Sed non videmus id manticae, quod in tergo est.

Anderer Leute Kreuz lehrt das eigene tragen.

Anderer Leute Kühe haben immer ein größeres Euter. Schweiz

Anderer Leute Kühe haben immer größere (o. ein größeres) Euter.
Schweiz
mhd] Frembd brot schmeckt wol.
en] The largest udders are found on other people's cows.
fr] Pain d'autrui réveille l'appétit.
ho] Vreemd brood smaakt wel.
it] Il pane degl' altri par sempre più saporito.
it] La moglie del compagno pare più bella.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.
la] Fertilior seges est alienis semper in agris, vicinumque pecus grandius uber habet.
la] Juvat inconcessa voluptas. Ovid
sp] La gallina del vecino más huevos pone que la mía.

Anderer Leute Kühe haben immer größere Euter.

Anderer Leute Sachen ordnen ist nicht ratsam.

Anderer Leute Schaden ist der Juristen und Ärzte Gewinn.

Anderer Leute Schmerzen tun nicht weh.
i] Aber desto mehr die eigenen.

Anderer Leute Sorge hängt man an den Nagel.

Anderer Leute Speck ist immer fetter.
i] Neid vergrößert.

Anderer Lob hat Rosenduft für uns, Selbstlob hat Kotgeruch für andere.
Russland

Anderer Lüe Abend is âk noch nich ekômen.
i] Dem Schadenfrohen und Spötter ruft man zu: Anderer Leute Abend ist auch noch nicht gekommen, um ihm zu sagen, dass auch er vor Widerwärtigkeiten nicht sicher sei, dass auch ihm vor seinem Tode noch Ähnliches begegnen könne.

Anderer Meinung soll man hören und mit Verstand sich daran kehren.
bm] Přijímej cizí zdání, a drz se svĕho uznání.
pl] Kazdego zdanie przyjmuj, a swego się rozumu trzymaj.

Anderer Schaden auf sich laden, ist auf sich laden größern Schaden.

Anderer Stand, andere Sitten.
en] Honours change manners.
fr] Les honneurs changent les moeurs.
it] Chi muta lato, muta stato.
la] Honores mutant mores.
la] Permutant mores hominis, cum dantur honores.

Anderer Tag, andere Plag'. Innsbruck

Anderer Torheit bemerkt man eher als die eigene.

Anderer Torheit sei deine Weisheit.

Anderer Übel sind uns nur ein Traum, wir bemerken sie kaum.
fr] Mal d'autrui n'est que songe.

Anderer Unglück ist für den Neidischen gut.

Anderer Unglück ist uns nur ein Traum.

Anderer Unglück warnet uns vor gleicher Tück.
bm] Cizi nestĕstí druhdy vhod.
bm] St'astný, kdoz cizí příhodou vystříhá se před svou skodou.
bm] St'astný jest ten, kdo cizím nestĕstim umí se kátí.
la] Aliena periclitatio, nostra emendatio.
pl] Cudze nieszezęście podczas gwoci.

Anderer Würde ist dem Neidischen eine Bürde.

Andererseits braucht eine neue, noch ungefestigte Gesellschaft das Wissen. Sie hat den dringendsten Bedarf an Menschen, die viel gelernt haben, innerlich feststehn, streng geprüft sind und ein für alle Male geistige Zucht halten.
Heinrich Mann, Geheime Schulen

Andererseits ist aber, wie längst bekannt, jede Kunst ideal.
Kurt Badt, Kunsttheoretische Versuche

Andererseits ist die Frau von Natur aus impulsiver als der Mann, sie reflektiert weniger als dieser, sie ist selbstloser, naiver, daher ist sie von größerer Leidenschaftlichkeit beherrscht, die sich in der wahrhaft heroischen Aufopferung, mit der sie für ihr Kind eintritt im schönsten Lichte zeigt.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Andererseits ist echte Wissenschaft oft mit sehr unangenehmer, widerlicher Arbeit verbunden.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Andererseits, sagte der Pfarrer, ist die Akustik jetzt besser.
[ASpW]

Anderes Brot hat sieben Rinden.
it] Il pane degli altri ha sette croste.

Anderes Brot ist sehr gesalzen.
it] Il pane degli altri è troppo salato.

Anderes ist Versprechen, anderes ist Geben (o. Halten).
fr] Autre est promettre, autre est donner (o. tenir).

Anderes Leben - andere Lebensweise.
la] Alia vita alia diaeta.

Anderes lesen sich Knaben, anderes Männer, anderes Greise heraus.
la] Aliud legent pueri, aliud viri,aliud senes.Terenz, Grotius

Anderes Sinnes werden.
i] Seine Meinung ändern, sein Vorhaben aufgeben.

Anderes werden Knaben lesen, anderes Männer, anderes Greise.
Terenz

Anderland: Schwarzbeere, Eigenland: Erdbeere.
Finnland

Anderleut Gut - anderleut Sorge.

Anderleut Gut ist groß (schön) Gut.
ho] Anderer goed behaagt ons 't meest.

Anderm die Netze flicken und seine eigenen zerrissen lassen.
Russland

Andermann Geld macht keinen reich.
fr] Argent d'autrui nul n'enrichit.

Andermanns Gut gehört dir nicht.

Andern altert das Herz zuerst und anderen der Geist.
Und einige sind greis in der Jugend: aber spät jung erhält lang jung.
Friedr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Andern beim Essen zusehen, macht keinen satt.

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