Weisheiten 133

Aus der Hand in den Mund leben.
en] They have but from hand to mouth.
fr] Au jour le jour manger son blé en herbes.
fr] Journée gagnée, journée dépensée.
fr] Vivre au jour la journée.

Aus der Hand in den Mund, macht im Alter die Rippen wund, aus der Hand in den Kasten, lässt im Alter fein ruhen und rasten.

Aus der Hand in die Hand.

Aus der Hand ön den Zand (Zahn).
Trier
ho] Het is van de hand in den tand.
la] In diem vivere, ex tempore vivere.

Aus der Hand trinken.
i] Einfach oder dürftig leben.
i] Die Alten sagten in ähnlicher Weise von jemand, der auf der Reise war: Aus dem Kürbis trinken.
la] E cucumere bibere.

Aus der Hand von Hunden (od. Schelmen) und alten Leuten empfang immer alles, was sie geben.
Estland

Aus der Hände Fleiß kommt die Speis'.

Aus der Haut fahren (springen) wollen.
i] Aus Freude, Zorn, Ärgernis u.s.w. in einem hohen Grade unruhig sein.
z] Nu fohrt og nicht balde aus der haut, ihr ward schun mit mer zufrieden, sind kinnen.
z] Sie werden fahren auss der heüt vor grossem vnerhörten wunder.
fr] J'enrage dans ma peau.

Aus der Haut hupfen.
i] Nämlich vor Zorn, Ärger u.s.w. außer Fassung sein.

Aus der Höhe fällst du schwer. Estland

Aus der Höhe fällst du schwer.
Estland

Aus der Höhe scheisst du, leicht fällst du.
Estland

Aus der Höhe zu fallen ist schwerer.
Estland

Aus der Hölle gaun.
i] Sterben, diese Welt verlassen. Von Leuten, auf deren Einkommen, Erbschaft man mit Sehnsucht harrt.

Aus der Hölle her kommt man nimmermehr.
bm] Vĕčná vĕc horoucí peklo.

Aus der Hölle ins Fegefeuer.

Aus der Hölle kann kein Advocat retten.
fr] Si enfer n'est plein jamais n'y aura d'advocat sauvé.

Aus der Hölle kommt niemand zurück.

Aus der Hölle und aus Sibirien kommt keiner zurück.
Russland
dä] Af helvede er ingen forløsning.
la] Panditur ad nullas janua nigra preces. Properz

Aus der Höllen und dem Teufel aus dem Hintern farzen.
Luther

Aus der hundertsten Gebäcke 's Kleberamftel.
Warmbrunn
i] Scherzhaft von sehr entfernter Verwandtschaft. An anderen Orten heisst es: Aus der siebenten Gebäcke das Kleinbrotel. Die Franzosen sagen ähnlich: Aus sieben Suppen ein Löffel.

Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit,
Klingt ein Lied mir immerdar;
O wie liegt so weit, o wie liegt so weit
Was mein einst war.
Rückert, Des Dorfamtmanns Sohnes Kinderjahre

Aus der Kanne des Korporals ist nicht gut trinken. Schweden

Aus der Karre in den Wagen gespannt werden.
i] In eine schlimmere, üblere Lage kommen. Der Karren wird meist vom Wagen unterschieden; dieser ist vierräderig und zweispännig, jener zweiräderig und einspännig. Wer vom zweispännigen Wagen (Karren) in den Besitz eines einspännigen gelangt, der verbessert sich allerdings seine Lage, wer aber früher in einen zweiräderigen Wagen gespannt gewesen ist und soll nun einen vierräderigen, weit schwerern ziehen, dessen Los ist schwerer geworden.
z] Hie muss er Bürd des Karren tragen, dort wirt er erst ziehen im Wagen.
z] Ich fürcht, wir ziehind hie am karren und dort an des teufels wagen.
z] lch mag wohl erst vom vnfal sagen, dass ich in meinen alten tagen von dem karren kum erst in den wagen.

Aus der Karte schwatzen.
i] Die Ausführung eines Planes verraten oder die Mittel unvorsichtig nennen, mit denen man etwas zu erreichen beabsichtigt.

Aus der Käsekammer kommen (o. in die Käsekammer gehen).
i] Sprichwörtlich nur in politischem Spott von Holland, das man mit Käse und Stockfisch neckt.
z] In der Käskammer ist noch Platz auf der Staden (d.h. Staaten der Niederlande) Seiten.

Aus der Kehre fahren.
ndt] Ut de Kêre fahren (o. reiten). Holstein
i] Aus dem Wege; von kehren, wenden.

Aus der Ketzerei geht kein Weg in den Himmel nei (hinein).

Aus der Kiepe steigen.

Aus der Kirche in die Schenke.

Aus der Kirchen in die Küchen und aus der Küchen in die Kirchen.

Aus der Klarinette kommt die Musik.

Aus der Klaue auf den Löwen schließen
i] aus einem Teil aufs Ganze schließen
la] ex ungue leonem

Aus der Kleidung, Lachen und Gang erkennt man einen Mann.
la] Vestitus, risus, incessus arguunt hominis ingenium.

Aus der Kôtlak'n (Kotlache) sein, oder kommen.
i] Die Innsbrucker Vorstadt St. Nikolaus heisst nie anders als die Kôtlak'n, und ihre Bewohner sind Veranlassung einen groben, schmähsüchtigen Menschen mit dem Ausdrucke 'Kôtlakter' zu bezeichnen.

Aus der Kräfte schön vereintem Streben
Erhebt sich wirkend erst das wahre Leben.
Friedrich Schiller, Huldigung der Künste

Aus der Krähe wird keine Taube.
ndt] Ous der Krô wird nichen Douf. Siebenbürgen/Sachsen

Aus der Krô wit nigen Dauw.
Schässburg

Aus der Krümme in die Beuge kommen.
i] In einen andern ebenso schlimmen oder noch schlimmern Zustand geraten.

Aus der Laus ein Kamel machen.
Luther

Aus der Leere (d. i. aus nichts) kann man kein Bauerntuch und aus zwei Fellen keinen Pelz machen.
Estland

Aus der Leere (d. i. dem Mangel) bekommt man nichts.
Estland

Aus der Liebe wird oft so viel Wesens gemacht, dass vernünftige Leute ungeduldig werden können.
Brecht, Von der Liebe

Aus der Lüge kann kein Leben erblühen, und Gott kann nicht gerettet werden durch den Teufel.
Heine, Die Romantische Schule

Aus der Lungen und nicht aus dem Herzen reden.

Aus der Lust in den Wust ist nur ein Schritt.

Aus der Mahlmühle in die Salzmühle.
Rumänien

Aus der Mätresse eines Mannes läßt sich viel auf den Mann schließen, man sieht in ihr seine Schwachheiten und seine Träume.
Lichtenberg, Aphorismen

Aus der Maus wird ein Haus.
Böhmen
i] Aus Kleinem Großes.

Aus der Natur, nach welcher Seite hin man schaue, entspringt Unendliches.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1409

Aus der Nessel Gefahr pflücken wir die Blume Sicherheit.
en] Out of this nettle, danger, we pluck this flower, safety.
Shakespeare, König Heinrich IV., 1. Teil, II, 3 (Percy)

Aus der neunten Suppe ein Schnidl (Schnittchen, Brocke).
Oberösterreich
i] Von sehr entfernter Verwandtschaft.

Aus der neunten Suppe ein Tünklein.
jüdisch-deutsch] Küh-Batsch-Ferds- Stöckele. (Gleichsam eine Verwandtschaft zwischen der Peitsche, womit die Kuh, und dem Stock, womit das Pferd angetrieben wird)

Aus der Not ein Tugend machen.
i] Eine jüdisch- deutsche Redensart in Podolien drückt denselben Gedanken, besonders wenn sich jemand bei einer feierlichen religiösen Zermonie eines Formfehlers schuldig macht, so aus: 'Leiser kocybiewker benscht (verrichtet den Segenspruch) Chanüke-Licht mit der Schicksl (Christenmädchen).' Die Redensart wird von folgendem Vorgang abgeleitet: ein Jude Namens Leiser aus Kocybiewka, kam an einem Freitagabend spät nach Hause. Da erinnerte er sich, dass er noch keine Chanuka-Lichte 'gebenscht' habe. Seine Verlegenheit wuchs, als er bemerkte, dass der Sabbat bereits herangebrochen war, und er kein Licht mehr anrühren dürfe. Da ergriff er das anwesende Christenmädchen, nahm es auf seine Arme und verrichtete mit ihr diese Zeremonie.
z] Macht eine Tugend aus der Not.
en] To make a virtue of necessity.
fr] Faire de nécessité vertu.
ho] Van de nood eene deugt maken.
it] Bisogna fare della necessità virtù.
la] facere de necessitate virtutem. Hieronymus, Epistulae
la] Necessitate parere.
sd] Göra en dygd af nödwändigheten.
sp] Cede á la borrasca que no se puede disipar.
sp] Hacer de la necesidad virtud.
sp] Hacer de tripas corazón.

Aus der Not hilft kein Schreien (Handeln).

Aus der Not in den Tod.

Aus der Nuss fahren.

Aus der Pfanne bin ich in die Kohlenglut gefallen.
it] Sono caduto dalla padella nella brace.

Aus der Pfanne in die Kohlen kommen.

Aus der Pfanne ins Feuer fallen.
z] Ich fiel nun aus der Pfanne in das Feuer, nach jenem Sprichwort, das bei dem Volke gilt. Ariost, Rasender Roland
fr] Sauter (tomber) de la poêle dans la braise.
ho] Hij is uit de pan gerold, om op de kolen gebraden te worden.
ho] Uit de pan in het vuur springen.
it] Sono caduto dalla padella nella brace.
sp] Caer de la freidara en las brazus.

Aus der Physiognomie lassen sich keine festen Regeln für die Beurteilung des menschlichen Charakters herleiten: sie gestattet Vermutungen.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Aus der Quelle soll man schöpfen.

Aus der Raupe wird ein Schmetterling.

Aus der Red kent man den Toren, wie die Esel bei den Ohren.
la] Plurima edens, permulta bibens, mala plurima dicens.

Aus der Rede erkennt man das Leben.
mhd] Rede âne got sint toren spel.
ho] Uit de reden kent men de zeden.
la] Oratio est index animi.
la] Nemo suis verbis praestantior.

Aus der Reihe tanzen
en] to do o's own thing
fr] faire bande à part - n'en faire qu'à sa tête
it] fare di testa propria
la] extra chorum saltare. Erasmus, Adagia

Aus der Rose entsteht der Dorn, und aus dem Dorn entsteht die Rose.
it] Dalla rosa nasce la spina e dalla spina nasce la rosa.

Aus der schlechtesten Hand kann Wahrheit mächtig noch wirken;
Bei dem Schönen allein macht das Gefäß den Gehalt.
Schiller, Votivtafeln

Aus der Schnur schreiten.

Aus der Schuld, aus der Gefahr.
en] Out of debt, out of danger.

Aus der Schule darf man nichts verraten und würde man in Teer gebraten.

Aus der Schule der Weisheit gehen viele unbefriedigt nach Hause; aus der Schule der Narrheit tritt jeder mit voller Zufriedenheit.
Russland

Aus der Schule plaudern (schwatzen, waschen)
i] Sachen, die geheim gehalten werden sollen, ausplaudern.
ndt] Ut de Schôl pludern. Pommern

Aus der schwarzen Wolke regnet es nicht, sie erschrecken nur, aber wohl aus den grauen.
Finnland

Aus der See, Salz, aus der Frau, Bosheit.

Aus der Situation wird sich das Weitere finden.
var] Kommt Zeit, kommt Rat.
la] Consilium nobis resque locusque dabunt.

Aus der Sklaverei geht nur der eigentliche dominus hervor, niemals der Despot oder, wie er auch heisst, der Tyrann.
Goethe, Riemer, 20.2.1809

Aus der Sprache kann man auf Bildung und Charakter eines Menschen schließen.
Polen
en] Speek, tat I may see thee.
it] Apri boca, e fa ch' io ti conoscan.
it] Parla, se vuoi esser conosciuto.
la] Ut te videam, aliquid et loquere.

Aus der Spreu kann man den Staub nicht vertreiben.

Aus der Stolzenau weht ein schädlicher Wind.

Aus der Stuben ist gut tüdigen.

Aus der Suppn schaun die lachatn Gsichter.
i] Beim Essen soll man fröhlich sein.

Aus der Tat entsteht Recht.
la] Ex facto ius oritur.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr.
la] De profundis clamavi ad te, Domine.

Aus der Tiefe rufe ich, schrie der Bauer, als er in die Mistgrube gefallen war.

Aus der Trippe in den Schlagregen kommen.
Quedlinburg

Aus der Tugend deiner Ahnen
Musst du deine Burgen bau'n.
Aug. Heinr. Hoffmann von Fallersleben, Unpolitische Lieder. Gedichte a. Gent. An Vlämsch-Belgien (1839)

Aus der vollen Flasche in die leere gießen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Schiller, An die Freude.

Aus der Weisch erkennt man das Getreide, aus den Scherben den Hafen.
la] Spicam e culmo coniicere.

Aus der Weite ist gut lügen.
it] Egli ha bel dir bugie, chi viene da lontano.
un] A' meszszünnen jöttek néha sekut hazudnak.

Aus der Welt nach Polen.

Aus der Wolke nimm die Feuchtigkeit nicht fort.

Aus der Wolke quillt der Segen,
Strömt der Regen;
Aus der Wolke ohne Wahl,
Zuckt der Strahl.
Schiller, Das Lied von der Glocke

Aus der Zarin Brüsten fließt auch kein Wein.
Russland

Aus der Zeche fallen.
i] In Dönhoffstädt, sich einen Rausch antrinken, aber auch in dem Sinn: aus der Ordnung kommen.

Aus der Zuia kriecht immer eine Schlange.
i] Einem geweihten Orte mit Moschee und Schule. Ein Sprichwort der Dschuads (arabischer Schwertadel), womit sie den Marabouts (dem arabischen Religionsadel) zum Vorwurfe machen, was man in allen Ländern von dem geistlichen Stande sagt; man beschuldigt sie des Ehrgeizes, des Ränkemachens, des unaufhörlichen Begehrens nach den Gütern dieser Erde, welches sich unter die heuchlerische Liebe zu Gott versteckt.

Aus derselben Ackerkrume wächst das Unkraut wie die Blume
und das Unkraut macht sich breit.
Friedrich v. Bodenstedt

Aus derselben Blume zieht die Schlange Gift und die Bienen Honig.
Armenien
ho] De bloem daar de bij honig uit zuigt, zuigt de spin venijn uit.

Aus des Armen Fohlen wird schnell ein Pferd und aus des Reichen Tochter wird schnell eine Braut.
Estland

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ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
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ITALIENISCH
1 2 3 4
LATEINISCH
1 2 3 4
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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10