Weisheiten 110

Auf den Jüngsten Tag vertrösten.

Auf den Jüngsten Tag wird eine Grafschaft so viel gelten als ein Fürstentum.

Auf den Juni kommt es an, ob die Ernte soll bestahn (bestehen):
nicht zu nass und nicht zu kühl, nicht zu trocken, nicht zu schwül.

Auf den Juni kommt es an,
ob die Ernte soll bestan.
Juni, feucht und warm,
macht keinen Bauern arm.

Auf den Kamm beißen.

Auf den kann man Häuser bauen.
i] Um großes Vertrauen auszudrücken.

Auf den Kässonntag.
i] Diese Bezeichnung führt, namentlich in Tirol, der erste Sonntag in der Fasten, Invocavit. An diesem Sonntage fand in verschiedenen Ortschaften ein Fastenmarkt statt, an dem sich die Leute mit Fastenware, zu denen der Käse gehörte, versorgten. Später wurde dieser Markt und wird im Bezirksamt Meran noch jetzt am Sonnabend vor Invocavit abgehalten, der deshalb auch Kässamstag heisst.

Auf den Katerstieg gehen.

Auf den Kerbstock lossündigen.
ndt] Up de Karvstock löss sündigen.

Auf den Kern gehört der Stern.
i] Anerkennung dem, der sie verdient, dem Würdigen. Die Verschwendung von Lob verringert seinen Wert.

Auf den Kirchhof kommt man immer noch zu früh.
dä] Ondt at komme ind hvor alle komme grædende ud.

Auf den Kopf geben (bezahlen, fallen, geloben, kehren, nehmen, vergelten).
z] Alles Übel der Männer Sichem vergalt ihnen Gott auf ihren Kopf.
z] Und der Herr ihm bezahle sein Blut auf seinen Kopf. 1 Kön. 2, 32
z] Es (das Blut) falle aber auf den Kopf Joab. 2 Sam. 3, 29
z] Kehre ihre Schmach auf ihren Kopf.
z] Lügen haben wir (mit unserm Mönchsgelübde) oder wie die Deutschen reden, den Teufel und das höllische Feuer auf unsern Kopf gelobt.
Luther
z] Ich nehme die Verantwortung auf meinen Kopf.

Auf den Kopf gefallen sein.
i Um zu sagen: geistig beschränkt, dumm sein, kommt aber nur noch in der verneinenden Form vor.

Auf den Kopf springen und sich zwischen die Hörner setzen.
Luther

Auf den Kopf stellen.
i] Umkehren, das Unterste zu oberst kehren.
z] Er riskire, dass jener wüthende Despot ihn und die ganze Nation auf den Kopf stelle Goethe (Vor Wut die unsinnigste Rache ausübe)
z] Man setzte die Kegel auf den Kopf, und wollte ernten, statt dass man säen sollte. Herder, Zerstreute Blätter
z] Und so wäre denn die liebe Welt geognostisch auf den Kopf gestellt. Goethe

Auf den Kopf zielt er und die Füße schlägt er.

Auf den Krautstauden wachsen keine Seidenwürmer.
i] Wenn man sich wundert, woher ein Armer die Mittel zur Bestreitung eines Aufwandes nimmt, der seine Einnahme weit überschreitet.

Auf den Lack krieche ich nicht.
i] Hier beisse ich nicht an; so lasse ich mich nicht übertölpeln.

Auf den Lahmen schimpft man, errate es, Hinkender.
Böhmen

Auf den Latten gehen.
i] Alles durch Liederlichkeit durchgebracht haben.

Auf den letzten Eisen gehen.

Auf den Leuchter das Licht, unter den Kübel nicht.

Auf den Lilien sitzen.
i] Eine Stelle in den oberen Gerichtshöfen Frankreichs haben, ein Ausdruck, der sich auf die Sitze bezog, die in den obern Gerichtssälen mit Lilien ausgeschlagen waren.

Auf den Magen sieht man nicht, aber auf den Kragen.

Auf den man nicht wartet, von dem hält man nichts.

Auf den Markt gehört gute Ware und Gewinn mit Fug, aber kein Betrug.

Auf den Markt kommen, wenn die Kaufleute schon fort sind, macht arme Krämer.

Auf den Masttag folgt ein Fasttag.

Auf den Mehlsack klopfen.
ho] Hij klopt op den meelzak, dat het stuift.

Auf den Mehrer folgt ein Verzehrer.

Auf den Mendogsberg gehen.
i] Verhüllend für: sterben. Mendogs Berg bei Nowogrodek ist in einen Kirchhof verwandelt. In einer litauischen Ballade heisst es: 'Wohin führst du mich? Nach Haus. Fern auf Mendogs Berg es stehet. Tags ein jeder ein dort gehet, nachts nur heimlich ziehn wir aus.

Auf den Menschen abgestimmt
la] ad hominem

Auf den Menschen, die sich... nicht fügen, ruht die Zukunft der Menschheit.
Paul Ernst, Zusammenbruch und Glaube

Auf den Mist kommen.
In eine unangenehme Lage.

Auf den Mönch, der ein Weib nimmt, wartet die Hölle; auf den Mönch, der auf einem Esel reitet, wartet der Schlamm.

Auf den Nagel trinken.
i] Die Probe eines völlig ausgetrunkenen Weinglases machen, indem man es umgekehrt auf den Nagel setzt und die letzten Tropfen davon abschlürft, nach der Altvordern Sitte.
fr] Boire rubis sur l'ongle.

Auf den Nimmerleinstag, wenn die Otter mit dem Fisch eins wird.

Auf den Ohren sitzen.
ndt] Up de Ôren sitten.
i] Nicht hören wollen, was gesagt wird.

Auf den Pfennig scheißen.
Ostpreußen
i] Knickerei.

Auf den Pfennig sehen und den Dreier fahren lassen.

Auf den Pflüger folgt der Säer, auf den Pflanzer der Mäher.

Auf den Plotz verkaufen.
i] Soviel als in Bausch und Bogen.
la] Summaria indicatura.

Auf den Plutz.
i] Zu ergänzen: geschah es oder wird es erfolgen. D.i. plötzlich.

Auf den Priester folgt der Küster.

Auf den Propf setzen.
i] Zum Schweigen bringen.

Auf den Quast hauen.
i] Hans Quast ist die Bezeichnung für einen albernen, närrischen Menschen.

Auf den Rat und den Einsatz eines Pflegers hin muss nicht nur das Vermögen des nicht Zurechnungsfähigen geschützt werden, sondern auch sein Leben und Wohlergehen. [RSpW]
la] Consilio et opera curatoris tueri debet non solum patrimonium, sed et corpus ac salus furiosi.

Auf den Rauch folgt bald das Feuer.
la] Flamma fumo est proxima.

Auf den Rausch folgt der Katzenjammer.

Auf den Rausch folgt immer der Katzenjammer.

Auf den Reichen wie den Armen sind viel Augen gerichtet.
dä] De rige og de revne holde de alle paa.

Auf den Ruck wird no keh Durchbruch.
Oberlausitz
i] Vom Laxieren entlehnt.

Auf den Ruck wird noch nichts.
Oberlausitz

Auf den Sack schlägt man (o. er) und den Esel meint man (o. er).
i] Oft wird eine Injurie nicht geradezu jemandem zugefügt, sondern mittelbar, indem man Personen, die mit ihm in genauer Verbindung stehen, beleidigt oder ihm zugehörige Sachen beschimpft.

Auf den Salat einen Trunk schad't dem Doktor genung.

Auf den Sand bauen.
Matth. 7, 26
ndt] Dat were up Sand buwet.
Pommern
dä] At bygge paa sand (paa en klippe).
ho] Hij bouwt en toren op het zand.
ho] Hij bouwt op een zandgrond.
ho] Hij timmert op het zand.
la] In harena aedificas.

Auf den Sand geraten.
z] Der deutsche Fremde, welcher mit seinen Sprachkenntnisen (in Paris) irgendwo auf der Straße auf den Sand gerät.

Auf den Sankt Nimmer(mehr)stag verweisen.

Auf den Sankt-Benediktentag (21.3.) säe Erbsen, Bohnen und Zwiebeln.

Auf den Sattel fallen und 's Pferd nehmen.

Auf den Schalk ein Hütlein decken.

Auf den Schergen folgt der Henker.

Auf den Schlitten die Last hinten, auf den Wagen vorne.
Estland

Auf den Sims gehören.

Auf den sollte man mit vier Füßen treten.
Oberösterreich
i] Von jemandem, welcher nur durch wiederholte nachdrückliche Worte oder Strafen u.s.w. zur Ordnung angehalten werden kann.

Auf den Sommer über acht Tage.
Breslau
i] So viel wie auf den Nimmermehrstag.
ho] Te zomer als de kalveren op het ijs dansen.

Auf den Sonntag folgt gern der blaue Montag.
fr] Il n'y a pas de bonne fête, sans lendemain.

Auf den Sparer folgt der Zehrer.

Auf den Speck von Versprechungen beisst kein Jude an.

Auf den Stapel schüttet die Ernten der Erde der Kaufmann.
Schiller, Der Spaziergang

Auf den Stich kommen.
i] Plötzlich, unangemeldet.

Auf den Stolz gehört Schand.

Auf den Strauch schlagen.

Auf den Streit folgt wieder Einigkeit.
pl] Po swadzie lepsza zgoda, po wojnie smaczniejszy pokój, po gorzkiém cukrowniejísza słodyvcz.

Auf den Strich gehen
en] to walk (o. go on) the streets
fr] faire le trottoir (o. l'asphalte) - aller aux asperges (argot)
it] battere il marciapiede

Auf den Stuhl kommen.
i] Ein Landesamt bekommen.

Auf den Stump gehen.
i] In Nordamerika von politischen Rednern, die zur Zeit der Staats- oder Unionswahlen herumreisen, um in Versammlungen für den Candidaten der Partei zu sprechen.

Auf den Stumpf einer Fichte wächst nie eine Birke.
Estland

Auf den Suppen armer Leute schwimmen nicht viel Fettaugen.

Auf den Tag Sankt Gallus (16.10.)
die Weidekuh in den Stall muss,
und der Apfel in den Sack muss.

Auf den Thunersee Erbsen setzen.

Auf den Tisch des Bäckers kommt selten Weißbrot.

Auf den Tisch gehört mehr als ein Decktuch.
it] Altro vuol la tavola, che tovaglia bianca.

Auf den Tisch verweisen.
i] Aus dem nordamerikanischen Parlamentsleben entlehnt, in dem Petitionen, Anträge u.s.w. durch die Redeform: 'Sie auf den Tisch legen' zurückgewiesen werden. 'Auf den Tisch verweisen' heisst im gewöhnlichen Leben dort: eine Bitte nicht gewähren, abschlagen u.s.w.

Auf den Tod eines andern warten.
i] Wie z.B. Substituten und solche, die Altenteile u. dgl. zahlen müssen.
dä] En vente-død.
ho] Het is een dwaas, die zich betrouwt op eens andermans dood.
ho] Het is niet goed, op eens anders dood te hopen, want de een sterft zoo ras als de ander.
ho] Hij wacht lang, die naar eens anders dood wacht.

Auf den Traum ist nicht zu bauen.

Auf den Traum ist nicht zu bau'n.

Auf den Triebs geben.
i] Einem den letzten Rest geben.

Auf den trüben Morgen kommt ein heitrer Tag und aus der netten Jungfer, da wird ein Schlumpersack.

Auf den Tupfen treffen.

Auf den Weg der Wahrheit bringen
la] in viam veram inducere

Auf den Weg zurückbringen.

Auf den Wegen der Freundschaft soll man kein Gras wachsen lassen.
Marie-Therese Geoffrin, auch französisches Sprichwort

Auf den Wein schleicht Armut ein.

Auf den Weinmonat folgt der Wintermonat.
i] Auf vieles ungezähmtes Weintrinken geht es gemeiniglich kühl her und schleicht die Armut ein.

Auf den Wellen ist alles Welle,
Auf dem Meer ist kein Eigentum.
Friedrich Schiller, Die Braut von Messina (Chor)

Auf den werde ich keinen Toast ausbringen.
z] Ursprünglich war der Toast materiell und hatte nichts mit Empfindung zu tun; er war das Stückchen braunen Zwiebacks, welches in jeder Bowle Punsch schwamm. Als in König Wilhelm's oder König Anna's Tagen die modischen Nichtsthuer in Bath sich im heißen Wasser bewegten, ihre Chocolade von schwimmenden Korkbretern einnahmen oder auf unsichtbaren Sesseln sitzend, die Gazette lasen, wurden sie durch die Erscheinung einer Nymphe entzückt und in Staunen gesetzt, welche in einem höchst koketten Anzuge in das Bad kam und glänzend wie Amphiterite selbst aussah, wenn sie im Meer einherschwamm. Die feinen Herren ganz besonders ehrten sie in der derben Art und Weise jener Zeit. Sie tauchten ihre Tassen in das Wasser so nahe als möglich der Stelle, wo die entzückende Nymphe stand und tranken es zu ihrer Ehre und ihrem Ruhm aus. Unter den eifrigen Zuschauern der Galerie befand sich ein junger Mensch im gländzendsten aller Geburtstagsanzüge, mit Schönheitspflästerchen, Puder und Degen, und rief, diesen ziehend, mit allen Blumen und Figuren der Redekunst, die damals gang und gäbe waren, aus, dass er sich einen Kuckuck aus der Flüßigkeit mache, dass er aber entschlossen sei, den Toast darin kosten zu wollen. Damit meinte er die Dame im Bade, welche der Stutzer in solcher Weise mit dem größten Zwieback verglich, der damals zum Punsch gehörte. Da der Sprecher aussah, als wolle er seine Rede zur Tat machen, so entstand ein allgemeines Auseinanderstieben der Wassernymphen mit obligatem Geschrei und Atemloser Pause in der Flucht, eben sowohl zur Verfolgung einladend, als anscheinend sie fürchtend. Die Geschichte verbreitete sich in der Stadt und von dem Tage an wurde das Wort Toast auf die Dame angewandt, zu deren Ehre man trinken wollte, bis es nach und nach die Worte bezeichnete, in denen diese Ehre ausgedrückt wurde. Athenäum

Auf den Wind nicht wette, weil er lang geweht,
Dass er länger werde wehn.
Lieber wette, weil er lang sich nicht gedreht,
Dass er bald sich werde drehn.
Rückert, Vierzeilen

Auf den Wink bedient werden.
fr] Être servi au doigt et à l'oeil.

Auf den Winter folgt (wieder) ein Sommer, aber alte Leute werden nie (ein Alter wird nicht) wieder jung.

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LATEINISCH
1 2 3 4

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