Weisheiten 11


Am Hechte ist der Schwanz das Beste.
fr] Dos de brochet, ventre de carpe.

Am heiligen Gallus (16.10.) der Apfel in den Sack muss.
pl] Swietego Garusza, musze do miecha vszystkie iablusza.

Am heiligen Georg (23. 4.) säe deine Gerste, Sanct-Marks (25.4.) ist's zu spät.
i] Allgemein: Der kleinste Aufschub schadet.
fr] A la saint George sème ton orge.

Am heiligen Tage soll die Arbeit ruhen.
bm] V den svatý práce mají spáti.

am hellen (o. hellichten) Tag
en] in broad daylight
fr] en plein jour
it] in pieno giorno

Am hellen Mittage eine Laterne anzünden.
i] Etwas nicht zu rechter Zeit tun; oder erläutern was an sich klar genug ist.
fr] Porter lanterne à midi.

Am hellen Tageslichte
Hab ich es anders gesehn.
Gewiss, Geschichten und Geschichte
Wachsen und wechseln im Entstehn. Th. Fontane

Am hellsten leuchtet der Menschengeist, wo Glanz der Kunst mit Glanz der Wissenschaft sich eint.
Emil Du Bois-Reymond, Reden (3. Juli 1890)

Am Herd und am Waschplatz wird alles, gut und böse, erzählt.

Am Heumarientag (Maria Heimsuchung, 2.7.) ist das Gras ausgewachsen.
Estland

Am Heumarientag nimmt man das erste Mal Honig, am Jakobstag (25.7.) das zweite Mal und am Laurentiustag (10.8.) das letzte Mal.
Estland

Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
Und aus den Wolken blutigrot
Hängt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
Schiller, Wallenstein

Am Himmel hat sich noch niemand den Kopf zerstoßen.
Russland

Am Hinken erkennt man den Lahmen.
la] E naevo cognoscere aliquem.

Am Hintern nackt und Parfümerien daran.
i] Der Bettelstolz.

Am höchsten ehren die Götter die Tugend im Geleit des Eros.
Platon, Das Gastmahl

Am Hochzeitstage schneiden Braut und Bräutigam von einem Brot je ein Brautränftel ab; wessen Ränftel zuerst vermodert, der stirbt zuerst.
Aberglaube

Am Hochzeittag flindert die Hauben, darnach fladert sie.
z] Auff Hochzeiten wird manches durchgebracht, das hernach ein lange Zeit zu bezalen ist.

Am Hofe des Königs heisst es: Jeder für sich selbst.

Am Hofe des Königs heißt es: Jeder für sich selbst. Frankreich

Am Hofe des Königs ist jeder auf sich allein gestellt.
fr] À la cour du roi, chacun y est pour soi.

Am Hofe gelten Tugend und Demut selten.
pl] Cnota i pokora niema miejsca u dwora.

Am Hofe hat man keinen Freund als sich selber.
ho] Aan 's konings hof is elk voor zich zelven alleen.

Am Hofe leben, heisst frühen Tod sich geben.
it] Chi disse corte disse morte.

Am Hofe legt man sich mit der Selbstsucht zu Bett und steht mit ihr wieder auf. Sie erfüllt einen morgens und abends, am Tag und in der Nacht, sie ist die Triebfeder im Denken, Sprechen, Schweigen, Handeln.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Am Hofe muss man tun wie am Hofe.
i] Wer unter den Wölfen ist, muss mitheulen; man soll aber vermeiden unter die Wölfe zu gehen.

Am Hofe sagt man aus zwei Gründen Gutes von jemandem: Erstens, damit er erfahre, dass wir gut von ihm sprechen, und zweitens, damit er es auch von uns tue.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Am Hofe teilt man die Menschen ein, wie ehemals die Chemiker die Metalle, nämlich in solche, die sich dehnen und strecken lassen, und in solche, die dies nicht tun.
Heinrich von Kleist, an Ulrike von Kleist, 25. November 1800

Am Hofe und im Hause des Reichen kommt man immer auf seine Kosten.
fr] A la cour (,auprès des grands), s'il n'y pleut, il y dégoutte.

Am Horn fasst man den Ochsen, beim Wort den Mann.
ho] Bij de hoornen vangt (vat, bindt) men den os, bij het woord den man.

Am Horn merkt man das Hirn.

Am Hügel versuchen wie sich der Berg ersteigt.

Am Hühnerseil stricken.
i] Etwas Unnützes und Überflüssiges tun, als wenn z.B. eine Mutter ihre Töchter in der Putzsucht und im Kokettieren unterrichtet.
z] Noch find ich frawen michel theyl, die auch stricken am hünerseyl, die jhre töchtern lerent sünden, den hünern jre schwäntz auffbinden.

Am Hungertuch nagen, macht schwächlich zu schlagen.
z] Der hungerig Wolff muss den lären Magen mit Sand füllen, dass er gewichtig sei ein Pferd niederzuziehen.

Am Hungertuche nagen.
i] Sich höchst armselig behelfen, kümmerlich leben müssen, am Notwendigsten Mangel leiden. Frisch leitet diese Redensart von dem schwarzen Tuche ab, womit in einigen Gegenden zur Fastenzeit der Altar behangen wird, was eine Anspielung auf die um diese Zeit in der katholischen Kirche übliche Enthaltung von allem Fleische sein soll. Vielleicht ist sie aber eher von der schrecklichen Erfahrung abzuleiten, welche man an bereits begrabenen Scheintoten machte, die in der wirklichen Todesangst im Sarge das Leichentuch in den Mund steckten, um nur bald aus diesem Schreckenszustande zu kommen.

Am interessantesten ist die Innenseite der Außenseiter.

Am irdenen Topfe stolz ist besser als demütig am goldenen Tische.

Am Irrwahn hängend, dass es Götter gibt,
Indes der Zufall diese ganze Welt beherrscht?
Euripides, Hekabe, 490/91

Am Jagdtag wird kein Jagdhund mit Steinen beworfen.
Afrika

Am Jakob (Jakobstag, 25.7.) ein Notbrot, am Laurits (Laurentiustag, 10.8.) ein breites Brot, am Pärtel (Bartholomäustag, 24.8.) einen Brotlaib fürs ganze Haus.
Estland

Am Jakobitag (25.7.) blüht der Schnee.
Estland

Am Jakobitag in den Acker gesteckte Stangen, die oben mit einem Spalt, in den man Knoblauch klemmt, versehen sind, wehren Unheil ab.
Estland

Am Jakobstag (25. 7.) Mehlsuppe, am Olafstag (29.7.) neues Brot.
Estland

Am Jakobstag wendet sich der Sommer schon dem Herbst zu.
Estland

Am Johannisabend werden an einem Elsenstecken geweihte Palmen, Eiben und Weghalten in den Flachsacker gesteckt.
Estland

Am Johannismorgen (24.6.) ist Gerst' und Hafer noch nicht geraten, noch nicht verdorben.
Estland

Am Johannismorgen steht der Hafer noch in Sorgen.
Estland

Am Johannistag (24.6.) die erste Kirsch nach Hause trag.
Estland

Am Johannistag muss man einen borsdorfer Apfel im Flachs verstecken können, wenn er geraten soll.
Estland

Am Josephstag (19.3.) wirft man das Licht in Bach.
i] Ende des Winters.

Am jungen Licht (Neumond) ein schwarzes Horn, im alten wird's ein Regenborn.

Am Jüngsten Gericht wird alles geschlicht't.
z] Am Jüngsten Gericht soll jeder zu seinem Recht kommen, bis dahin aber soll er gläubig und demüthig alles Unrecht ertragen. Ruge, Hallische Jahrbücher, 1842

Am jüngsten Tag wird Gott allen Blinden den Star stechen.

Am jüngsten Tag wird mancher schauen, was er hie hab für bier gebrauen.

Am jüngsten Tag wird offenbar wer hier ein guter Pilgrim (o. frommer Pilger) war.

Am jüngsten Tag, wenn die Posaunen schallen
Und alles aus ist mit dem Erdeleben,
Sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben
Von jedem Wort, das unnütz uns entfallen.
Goethe, Sonette XIII - Warnung

Am Jüngsten Tage gilt de Kauflad' so viel as 'ne Pistole.
Westfalen

Am Jüngsten Tage gilt der Beutel so viel als das Geld.
Rotttal

Am Jüngsten Tage muss man ihn totschlagen.
i] Den, der gar nicht sterben zu wollen scheint.

Am Jüngsten Tage wird man sehen, wer den größten Arsch hat.
i] Am Schluß wird abgerechnet.
mhd] Men sal wohl sein, we den grotesten êrs heft.
la] Cui maior podex refert pars ultima vitae.
ho] Men zal ten jongsten dage wel zien, wie den wijdsten aars heeft.

Am Jüngsten Tage wird's erschaut, was mancher hier für Bier gebraut.

Am Jüngsten Tage, eher nicht.

Am jünksten Middage es en Kauflatt so guet as 'ne Pistolle.

Am Kalbe erkennt man den Ochsen.

Am Kalbe erkennt man des Ochsen Hörner.

Am Kalbe schon sieht man, was für ein Ochs es werden will.

Am Kalkhuhn (kalekutischen Huhn) prüfen, wie der Fasan schmeckt.
Russland

Am kalten Eisen sterben.

Am kalten Fieber leiden.

Am kalten Mondtag, da die Frau den Beltz verbrant.
i] In dem Sinne von Nimmerleinstag.

Am kalten Ofen verbrennt man sich nicht.

Am Kamin ist es, wo die Eule (d.h. der Kahlköpfige) oft sitzt.
Hawaii

Am Kamm erkennt man den Hahn (o. die Hühner).

Am Karfreitag nüchtern ein Gänseei verzehrt, bewahrt vor Bauchschäden und Fieber.

Am Karfreitag Regen bringt dem Bauer keinen Segen.

Am Karfreitag soll der Rabe seine Kinder taufen.
Estland

Am Karfreitag soll's regnen, nicht aber am Ostertag. Luzern

Am Karfreitag trauert die Sonne bis drei Uhr Nachmittags. Schwaben

Am Karfreitag und am Ostersonntag wird der Acker vor Sonnenaufgang unter Peitschenknallen und Büchsenschießen in rasender Schnelligkeit zur Dämonenvertreibung umritten.
Aberglaube

Am Karfreitage reisen die Glocken nach Rom.
ndt] An Korfreitche rejsen de Glucken uf Roume.

Am Karnisseltag.
Oberösterreich
i] So hießen bis in die Zeiten des Kaisers Joseph II. die Bewohner des Stiftes Kremsmünster den 11. Dezember, an dem seit unvordenklicher Zeit das Andenken an den Todestag des Stifters Thassilo II., Herzogs von Bayern, durch ein sogenanntes Gespende gefeiert wurde. Jeder nämlich, der kam und verlangte, erhielt, in der Voraussetzung, dass er dem Trauergottesdienst für die Seele des Stifters andächtig beiwohne, eine Portion Brot mit Fleisch. Einmal wurden zu dem Zwecke 60 Rinder geschlachtet.

Am Karsamstag hat es neunerlei Wetter.

Am Katharinentag (25.9.) befahl das Schaf sich nicht zu scheren, es sagte, dass es in Pelz (und) Hemd in die Kirche gehen will.
Estland

Am Kellerfieber leiden.
i] An den Folgen übermäßigen Bier- oder Weingenusses kranken.
z] Dass sie eine kannen weins mehr müssen trinken, was inn bissweilen ein solch kellerfeber oder grimmen oder gegicht im Busen jaget, dass sie wohl etwa davon sterben.

Am Klange den Topf, den Narren am Kopf (o. an der Red' des Narren Kopf).

Am Klange erkennt man die Münze, an der Rede den Mann.

Am Klange erkennt man wohl, ob die Münze gut oder schlecht ist.

Am Klappern kann man nicht erkennen (o. merken), wie die Mühle mahlt.
fr] Vous ne oriez (n'entendriez pas) pas un moulin mouldre.

Am Klappern kann man nicht erkennen, wie die Mühle mahlt.

Am Klappern liegt's nicht; aber es gibt kein Mehl.

Am Kleid kennt man den Mann.

Am kleinen Riemen lernt der Hund das Leder kauen.

Am Klopf erkennt man den Topf.

Am klügsten ist es, das Schicksal und die Zeit abzuwarten.

Am Knecht kann man wohl den Herrn erkennen.
fr] Au séneschal de la maison peut-on connoistre le baron.

Am Kohlmarientag (Mariä Verkündigung, 25.3.) bindet man dem Schwein den Trog auf den Rücken und schickt es in den Wald.
Estland

Am Kohlmarientag guckt die Kuh aus dem Stall, am Georgstag (23.4.) aus dem Weidenstrauch.
Estland

Am Kohlmarientag wird der Rüssel des Schweines frei.
Estland

Am Kopf beginnt die Gesundheit.
la] A capite bona valetudo.

Am Kopf des Narren lernt der Junge scheren.

Am Kopfe der Waise macht der Chirurg Versuche.
Arabien

Am Kopfende gibt es keinen Brotlaib, wenn man nicht arbeiten will.
Estland

Am Körper lang, am Geiste krank.
i] Man will beobachtet haben, dass sehr lange Menschen weder viel Herz, noch viel Geist besitzen.

Am Kragen erkennt man den Mann.

Am Kreuzerhöhungstag (14. September) Brot und Nüsse soviel man mag.
it] Per santa Croce, pane e noce.

Am Kreuztag (d. i. zur Himmelfahrt) streut man auf die Grasspitzen Salz. Estland

Am Kreuztag (Himmelfahrt) streut man auf die Grasspitzen Salz.
Estland

Am Krieg ist nur eine Sache gut: der Frieden, der ihm folgt.
sp] La guerra sólo tiene una cosa buena: la paz que trae en pos de ella.

Am krummen Holz erkennt man den Künstler.
Sudan
i] Weil das gerade leicht zu bearbeiten ist).

Am Lachen erkennt man den Narren und den Dummkopf.
fr] Au rire connaît-on le fol et le niais.

Am Lachen hat man Spaß, aus Weinen wächst ein Mastochs.
Estland

Am Lachen und Blarren erkennt man die Narren.
dä] Latter førrader narren. Megen latter, megen daarskab.

Am Lachen und Flennen kann man die Narren erkennen.

Am Lande ist gut schiffen.

Am langen Finger bleibt die Sache haften.
Estland

Am längsten behält man, was man in der Jugend gelernt hat.

Am Lappen halten.
z] Hastu ein Löhnlein, Erbtheil, eine Besoldung, halte am Lappen, lege den Gülden nicht zu viel auf, sei ein Sparmundus.

Am lästigsten sind die geistreichen Dummköpfe.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Am Laurentiustag (10.8.) Elendsbrot, am Olafstag (29.7.) richtiges Brot.
Estland

Am Laurentiustag muss ein fauler Mann das Saatgut zum Dreschen aufgestellt haben.
Estland

Am lebenden Objekt
la] in vivo

Am leder lernt der Hund endlich das kalb gar essen.

Am Lehrling mäkelten sie,
Nun mäkeln sie am Wandrer,
Jener lernte spät und früh,
Dieser wird kein andrer.
Beide wirken im schönen Kreise
Kräftig, wohlgemut und zart,
Lerne doch jeder nach seiner Weise,
Wandle doch jeder in seiner Art.
Goethe, Zahme Xenien V

Am Leibe abstraffen und darzu schelten, ist zu viel.
en] Great boast, small roast.

Am leichtesten erträgt man noch die Gewalt, die man eines Tages selbst auszuüben hofft.
Joubert

Am leichtesten kauft man den Völkern die Freiheit mit dem Wohlstand ab.

Am leichtesten schartig werden scharfe Messer,
Doch: schneidet man deshalb mit stumpfen besser?
Bodenstedt, Die Lieder des Mirza Schaffy: Zuleikha

Am leichtesten trifft man Leute, denen man aus dem Wege gehen will.

Am leichtesten werden alte Irrtümer unter neuen Bezeichnungen für Fortschritte gehalten.

Am letzten in den Schuhen sein.

Am letzten Tag des Weihnachtsfestes (27.12.) kann man schon den Tag erkennen (= es ist heller geworden).
Estland

Am letzten Viertel ein roter Streif, der bringt gar manchen Regenstrich.

Am letzten Weihnachtstag soll der Tag schon so lang sein, dass die Kohlsuppe ordentlich fertig kocht.
Estland

Am Liachtmösstoag (Lichtmesstag, 2.2.) hoate' (heiter), troag' d' U'ress'n übe' d' Loate (Leiter); am Lichtmösstoag külb', tua d' U'ress'n hî, wo d'willst.
Unterinnthal
i] U'ress'n = Überbleibsel des Futters; külb' = bedeckt, trübe, wolkig. Wenn der Lichtmesstag klar ist, soll man die Überbleibsel des Futters aus dem Stalle wieder auf den Heuboden tragen, weil ein spätes Frühjahr und daher Heumangel droht; ist jedoch der Lichtmesstag trübe (külb), dann sind sie entbehrlich, weil ein zeitiges Frühjahr und deshalb gutes Auskommen mit den Heuvorräten in Aussicht steht.

Am Lichtmesssonnabend (l. 2.) sind die Nüsse im Schuß.
Estland

Am Lichtmesstag (2.2.) sieht kaum der Bär 'nen Sonnenblick, kehrt er in seine Höhl' zurück.

Am Lichtmesstage umtanzen die Kinder auf dem Acker angezündete Holz- und Strohhaufen mit dem Ruf: 'Lank Flaß!'

Am liebsten erinnern sich die Frauen an die Männer, mit denen sie lachen konnten.
Anton Tschechow

Am liebsten ist mir denn aber doch, was ich in der Seele mitnehme und was, immer wachsend, sich immer vermehren kann.
Goethe, Italienische Reise I, 13.2.1787

Am liebsten prophezeit, wer nichts tun will in der Zeit.

Am liebsten werd' ich Amme, sagte die Konfirmandin.
Hamburg

Am Lucientag (13.12.) ist die Nacht so lang, dass der Adler vom Baum herunterfällt.
Estland

Am Mädchen und an der Erbse darf man vorbeigehen, wenn man sie mit dem Finger berührt hat.
Estland

Am Magdalenentag ist die Nuss voll.
Frankreich

Am Magdalenentage sind die Haselnüsse voll.
Picardie

Am Magdalenentage wird die Maulbeere reif.
Frankreich

am Mahl der Götter teilnehmen
la] epulis accumbere divum

Am Maitag steckt man in jede Ackerecke ein Kreuz, das aus dem am Karsamstag geweihten 'Osterbengel' gefertigt wird.

Am Margarethentage (13.7.) ist Regen eine Plage.

Am Marientag (Mariä Verkündigung, 25.3.) bekommt man Wasser für eine Krähe.
Estland

Am Marientag geht der Tag in die Schneewehe und bleibt dort neun Tage und Nächte, von dort geht er ins Wasser und bleibt dort wieder neun Tage und Nächte, kommt dann aus dem Wasser heraus und beginnt die Erde zu trocknen.
Estland

Am Marientag gibt man den Burschen und Mädchen den Schlüssel in die Hand.
Estland

Am Marientag gibt man den Schweinen den Schlüssel ab.
Estland

Am Marientag legt die Krähe das erste Ei.
Estland

Am Marientag müssen die Wasserströme einander schon treffen.
Estland

Am Marientage im März legt man sie (die Lampe) nieder; am Marientage im September (8.) holt man sie wieder.
Mailand (Die Marientage werden vielseitig zu wirtschaftlichen und andern Zeitbestimmungen und Einteilungen gebraucht)

Am Markt lernt man die Leute kennen.
i] Am Markt = beim Handel.

Am Markt und Handel erkennt man den Wandel.

Am Marterholz nagen.
z] Der freisinnige Geschichtschreiber verliert gewöhnlich ein Amt; entweder eins, das er schon hat, oder eins, das er noch bekommen könnte. Daher vertuscht der Vorsichtige, der das Marterholz des Mangels fürchtet, die männliche Offenheit seiner Meinung und lässt zwischen den Zeilen lesen.

Am Martinsfeste (10.11.) zapft man den Wein an für die Gäste.
i] Es ist dies Fest ein Überbleibsel des Altertums. Die alten Griechen pflegten nach beendigter Weinlese und Weingärung ein Bacchusfest zu feiern, wobei die Weinbehälter zum erstenmal geöffnet wurden.
it] Da San Martin, si spilla la botte del buon vin.

Am Martinstag (10.11.) soll Mart(in) mit dem Sieb Bier brauen.
Estland

Am Martinstag (11. Nov.) beißt jung und alt den Gänsebraten warm und kalt.

Am Maß erkennt man den Kaufmann.
ho] Aan de maat kent men den koopman.

Am Matthiastag (24.2.) dreht sich alles Ungeziefer auf die andere Seite.
Estland

Am Matthiastag beginnen die Halme den Schnee zu hassen.
Estland

Am Matthiastag dreht sich die Schlange auf die andere Seite.
Estland

Am Matthiastag fängt der Neuschnee an, den alten zu essen.
Estland

Am Matthiastag ist der halbe Schnee im Himmel.
Estland

Am Matthiastag müssen alle den Winterschlaf schlafenden Tiere erwachen.
Estland

Am Matthiastag müssen die Fliegen, Schlangen und alle anderen kleinen Tiere erwachen.
Estland

Am Matthiastag wird den Hühnern der Schlüssel in die Hand gegeben.
Estland

Am Matthiastag wird die Zunge der Lerche losgeschnitten, damit sie bald zu singen anfängt.
Estland

Am Maul stirbt der Fisch.
sp] Por la boca muere el pez.

Am Meer wartet man nicht auf (gutes) Wetter.
Estland

Am Meer wohnen und Wasser suchen.

Am Meere wohnen auch noch andere Leute als Schiffer.
Russland

Am Mehlbrei beisst sich niemand die Zähne entzwei.
dä] Meel-grød og kaal er bondens lægedom.

Am Meinen und Glauben bindet man kein Pferd fest.
ho] Aen meinen en bint nieman peerde vast.
la] Ancipiti posti committit nemo caballum.

Am meisten entzückte uns [bei Lessing] die Schönheit jenes Gedankens, dass die Alten den Tod als den Bruder des Schlafs anerkannt, und beide, wie es Menächmen geziemt, zumVerwechseln gleich gebildet.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,8

Am meisten freut mich jetzo das Pflanzenwesen, das mich verfolgt, und das ists recht wie einem eine Sache zu eigen wird. Es zwingt sich mir alles auf, ich sinne nicht mehr darüber, es kommt mir alles entgegen, und das ungeheure Reich simplifiziert sich mir in der Seele, dass ich bald die schwerste Aufgabe gleich weglesen kann.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 9.7.1786

Am meisten fühlt man sich von Wahrheiten getroffen, die man sich selbst verheimlichen wollte.

Am meisten gilt das beste.

Am meisten lieb ich mir die vollen, frischen Wangen.
Goethe, Faust, Prolog im Himmel
Mephisto Vs 320

Am meisten Platz ist zu Hause.
Kroatisch

Am meisten schadet böser Rat demselben, der ihn geben hat.

Am meisten überschätzt sich der, der sich zur produzierenden Klasse rechnet, da er zur genießenden gehört.
Goethe, Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts 4

Am meisten Unkraut trägt der fetteste Boden.
Shakespeare, König Heinrich IV., 2. Teil, IV, 4 (König Heinrich)

Am meisten wird das Kind geliebt, das jung ist, bis es heranwächst, das krank ist, bis es gesund ist, oder abwesend, bis es nach Hause kommt.
Arabien

Am Menschen muss man für ein gut Stück fünf böse abrechnen.
fr] Tout homme est menteur.
ho] Alle menschen zijn leugenaars.
la] Omnis homo mendax.

Am Mentig (Montag) ist der Hebean, am Zeinstig thu ich, was i ma; am Miggta ist der Wochamarkt, am Donnstig schaff i au nit stark, am Freitig lass i Freitig sein, am Samstig hilf i am Sonntig 'rein.

Am Michaelsabend werden die Fohlen aus dem Wald gebracht und das Wolfsmaul wird zerrissen.
Estland

Am Michaelstag (29.9.) wird Butter mit dem Löffel gegessen.
Estland

Am Michaelstag geht der Bär auf sein Lager, zur Lichtmess (2.2.) dreht er sich auf die andere Seite, am Marientag (Mariä Verkündigung, 25.3.) kommt er vor Tagesanbruch heraus.
Estland

Am Michaelstag muss geschlachtet werden.
Estland

Am Michaelstag näht man dem Wolf die Augen zu, damit er die Herde nicht sieht.
Estland

Am Misstrauen ist das unheimlichste seine Rechtfertigung.

Am Misthaufen derkennt ma 'n Bauern.

Am Mittwoch in der zwölften Stund ändert sich das Wetter.

Am Mittwoch wechselt selbst die Maus nicht das Loch.

Am Mondschein ist noch keine Traube reif geworden.
i] Um zu sagen, diese Hilfe reicht nicht.
dä] Druen modnes ikke ved maaneskin.
la] Lunae radiis non maturescit botrus.

Am Mondschein wird keine Traube reif.

Am Montag bekommt man nichts, am Dienstag bekommt man für die anderen, am Mittwoch bekommt man für alle.
i] Beim Kohlpflanzen.

Am Montag legt man sich nieder.
i] Die Arbeitsperiode beginnt nicht am Montag.

Am Morgen der Lichtmess (2.2.) soll der Rabe den ersten dürren Zweig ins Nest bringen.
Estland

Am Morgen des Georgstages (23.4) kommt der Kuckuck heraus, um zu rufen.
Estland

Am Morgen des Marientags (Mariä Verkündigung, 25.3.) soll der Rabe das erste Ei ins Nest legen.
Estland

Am Morgen des Marientags soll im Nest des Raben ein goldenes Ei liegen.
Estland

Am Morgen des Matthiastages (24.2.) schneit es Fische, am Nachmittag Schlangen.
Estland

Am Morgen ein Junker, am Abend ein Bettler.

Am Morgen erkennt man den Gast, am Mittag den Wirt.

Am Morgen erkennt man den Tag.

Am Morgen fängt man die Heuschrecke.
Haussa, Afrika
i] Wenn die Sonne heiß wird, fliegen sie fort.

Am Morgen frisch, am Abend müde, das hält das Haus aufrecht.
Finnland

Am Morgen geistlich, am Mittag weltlich; am Morgen sursum corda, am Mittag aber gefüllte Schnürbrust, sagen die Pfaffen.

Am Morgen Gras und z' Obe Heu.
ho] 'S Morgens bont, 's Avonds stront.

Am Morgen ins Gebirge und am Abend ins Bad, so wirst du nicht malad.
it] La mattina al monte, e la sera al fonte.

Am Morgen ist der Himmel golden.
it] Di novello tutto par bello.

Am Morgen ist der Käse wie Gold, zu Mittag wie Silber und zur Nacht wie Blei.
Oberaargau

Am Morgen mit dem Hahn, am Abend mit dem Hund.

Am Morgen mit dem Holzlöffel, am Abend mit der Schöpfkelle.

Am Morgen musst du so früh aufstehen, dass du noch einen weißen Spatz fängst.

Am Morgen rot (am Himmel), am Abend Kot (auf der Straße).
Brusiotal

Am Morgen rot, am Abend tot.
la] Quem dies veniens videt superbum, hunc dies videt fugiens jacentem. Seneca

Am Morgen sei fleißig, am Abend schwindet die Kraft aus den Nieren.

Am Morgen sind wir am klügsten, aber auch am sorglichsten, denn auch die Sorge ist eine Klugheit, wiewohl nur eine passive. Die Dummheit weiß von keiner Sorge.
Goethe, Eckermann, 16.8.1824

Am Morgen Sorgenkuckuck, am Mittag Trauerkuckuck, am Abend Glückskuckuck.

Am Morgen sur, zu Mittag mit der Montur, zu Nacht geschwellt und hingestellt.
Schweiz
i] Die Kartoffel in verschiedenen Zubereitungsarten als Frühstück, Mittag- und Abendgericht.

Am Morgen toll und voll tut den ganzen Tag, wohl.
i] Wahlspruch der Saufbrüder.

Am Morgen werden die Sorgen, am Abend das Glück hinausgefegt.

Am Morgen wird Gold gesät.

Am Moste erkennt man, wie der Wein schmecken wird.
z] Schönes Kindlein, lass dich küßen; bist zum Kusse nicht zu klein. Schmeckt der Kenner doch im Moste, wie ihm schmecken wird der Wein.

Am Munde erkennt man den, der gegessen, am Auge den, der Böses gethan hat.
Finnland

Am Muster erkennt man das Tuch.
sp] Por la muestra se conoce el paño.

Am Mute hängt der Erfolg.
Fontane, Stine

Am Muttermal erkennen.
la] E naevo cognoscere.

Am nächsten besten Baume aufknüpfen.

Am Nâisten san a êrgsten.
Amrum
hdt] Am nächsten sind am ärgsten.

Am Narrenbart lernt man scheren.

Am Narrenseil hängen (o. tragen).
i] Wer ohne Mittel will zum Zweck gelangen, der bleibt am Narrenseile hangen.

Am Narrenseil ziehen.
i] Närrisch handeln.
z] Jeder Junggesell muss sieben Jahre am Narrenseile ziehen, und so oft von vorn anfangen als er eine Stunde drüber versäumt.

Am Nest sieht man schon, welche Art Vögel drin ist.
ndt] An't Nest kann einen söchen, wat för'n Vogel drin woahnt.
i] Die Wohnung, sowie das ganze Äußere eines Menschen verrät schon seinen Charakter, sein ganzes Innere.

Am nest wird man leichtlich innen, was für ein Vogel war darinnen.

Am Neste kann man sehen, was für ein Vogel darin wohnt.

Am Nestrand des Hühnerhabichts gedeihen die Hühner nicht.

Am Netze nagen.
i] In Verlegenheit sein.
la] Casses rodere.

Am Neuen sehen die gewöhnliche Menschen nur das Seltsame, im Seltenen jedoch alsobald das Bedeutende zu erblicken, dazu gehört schon mehr.
Goethe, Wanderjahre III,3

Am Neujahrstage Sonnenschein, lässt das Jahr uns fruchtbar sein.

Am Neujahrstage werden im freien Felde Waffen gezeigt, um Hagel abzuwehren.

Am Nimmerleinstage(, wenn die Eulen bocken, wenn der Karfreitag auf den Gründonnerstag fällt, wenn die Kuh einen Batzen gilt).
z] Wenn ich auch Campe den Auftrag gebe, das Buch Ihnen zu senden, so bekommen Sie es gewiss erst an dem Tage, wo auch der Messias eintrifft, wenn er, der alten Tradition nach, auf einem Esel kommt und nicht die Eisenbahn benutzen will. H. Heine
z] Das Urteil soll auf nechste Griechische Kalendas, d.i. auf der Juden Christtag und der Genffer Liechtmess ausgesprochen werden.
z] Wann die Sternenplacker und Prockdickprocker der lügen eins werden; wenn man einen Koler, Schlotfeger, Kolfactor find, der nie ist russig und rauchig worden; Bettler, die gute Kleider tragen; Mamelucken die recht glauben; Juden und Wechssler, die nie durch Wucher rauben; Kauflaut, die nimmer bös Gelt nemen, Schreiner, Müntzer u.s.w. die nimmer nebenaussstemmen; Fassbinder und Steinmetzen, die sich nie auf die Finger haben geklopfft. Wann die Sonn in die Höll scheint. Wann die Hennen vor sich scharren. Wann die Schaben ins Salz kommen. Wann de wyden prumen dregen. Wann der Teufel von Aachen kommt. Wenn der Teufel im Weihwasser ertrinkt. Wenn der Hund den Hasen fleucht und der Dumme den Juden betreugt, wenn die Gans einen Wolf wird jagen und Frauen keine Kinder werden tragen, wenn der Frosch den Storch verschlückt und kein Bettler Kleider flickt. Wenn es Gulden regnet. Wenn mir Haar in der Hand wächst Zu Ostern, wenn die Bôcke lammen. Wenn die Katzen Ganseier legen; am letzten Bohnenmarkt; am Nimmerlistag, wenn die Schnecken bellen. Zu Martini, wann die Störch und Schwalben kommen. Wenn der Teufel stirbt, wenn mir Haar auf den Zähnen wächst, wenn die Maulesel Junge werfen. Auf der Juden Christtag. Zu Weihnachten in der Ernte (im Schnitt, im Sommer); wenn der Schneekönig (Gustav Adolf von Schweden) kommt, wenn es schwarzen Schnee gibt; wenn die Kühe lachen. Übermorgen wenns Heu blüht. In Preußen sagt man: Es geschieht am zweiunddreissigsten, auf weiße Pfingsten, op Plumepingste; in Holstein: Pingsten um de Iistid (Eiszeit); in Siebenbürgen: wenn die Katz en Oache liegt; wenn der Teufel im Weiher ertrinkt, oder af den Gorrfoatstoag, auf Pferdepfingsten. Im Oberharz: Wenn die Elbe brennt und die Gänse Wasser tragen. In Tirol: Wenn zwei Staupbesen zusammenkommen. Zu Pfingsten auf dem eiss. Zu Sankt-Martin, wann die störck kommen. Wann ein Maulesel junge hat. Wann die Sonn still steht. Wann der reich herbst Platonis kommt. Wann Sankt Claus widerkompt. Zu den Heiligen, denen der Sankt-Nimmerstag gewidmet ist kommt noch in der Romagna San-Guacara, im Primat San-Mai und in Nordfrankreich Saint-Loion, zu dessen Ehren man 'die Kälber schert'. In der Romagna vertröstet man auf das Jahr mit zwei Carnevals (l'aun di du Carnaval oder l'aun dëméi), das nie kommt; in Sicilien auf die Woche ohne Samstag (la simiana senza sabatu); in Neapel auf die Zeit, 'wenn es Rosinen und Feigen regnet' (quanno chiovettero passe a fico cecche) o. 'wenn die Lebern Haare und die Affen Schwänze haben'; in der Provence auf die Woche mit vier Donnerstagen (A la semano deis quatre dijous); in der Picardie: 'wenn die Frösche Schwänze oder die Hühner Zähne haben' (quand chés guernoules [glaines] iz [az] avont des queues [deints]); in Northamptonshire auf Tib's eve, der weder vor noch nach Weihnachten kommt, o. When we have a month o' Sundays. In Norwegen sagt man: Naar han Sant-Olav kjem atter nordantil (wenn Sankt-Olav wieder nach Norden kommt). In der Schweiz sagt man auch: Jo jo de muest ha, aber nöd, bis der Ahau kalberet ond d' Saue ûfflügid. Muest g'ha ha am Nümmerlistag. ( 21.) In Warschau jüdisch-deutsch: Dus wett sein in'm zweiten Gilgel; d.h. die Erfüllung dessen steht nicht in naher Aussicht. Gilgel ist ein Grad der Seelenwanderung. In ähnlichem Sinne sagt man auch: Morgen, nuch'n Kügel, oder nach der Kuchel. Ferner: Wenn drei Tage Rosch Choodesch is. D.h. das kann geschehen, das will ich man, wenn drei Tage nacheinander Neumondfest ist, was aber nie vorkommt. Wenn Schabbes-Nachme uf Mittwoch fallt.
en] At latter lammas when the devil is blind.
en] When two sundays come together.
fr] Cela se fera la semaine des trois jeudis, trois jours après jamais.
fr] Quand tous asnes auront longues oreilles.
fr] Renvoyer quelqu'un au calendes grecques.
ho] Te Sint-Jutmis, als de kalveren op het ijs dansen.
ho] Te Sint-Jutmis, als men de muilen melkt.
la] Ad graecas Calendas.
la] Anno magno Platonis.
la] Cum mula peperit fiet.
la] Cum Nybas coccyssaverit.
la] Per Harma aliquid facere.
la] Plenilunio fiet.

Am nördlichen Baum reiten.
i] So hieß im Mittelalter der Galgen. Das Gesicht des Verbrechers wurde gegen Norden gerichtet.

Am obersten wird die Hullefrau verbrannt.
Henneberg
i] Unter dem 'obersten' ist der Dreikönigstag gemeint, eine Benennung die auch in Süddeutschland gehört wird. Am Dreikönigstage wird nun in Eisfeld alljährlich Frau Holle verbrannt. Alt und Jung zieht nach beendigtem Nachmittagsgottesdienst mit Musik auf den Markt. Man singt ein geistliches Lied und ruft dann einander zu: 'Frau Holle wird verbrannt.' Zur Erklärung dieses Volkbrauchs erzählt man, dass die Äbtissin eines ehemaligen dort befindlichen Klosters, weil sie mit dem Teufel Buhlschaft getrieben habe, verbrannt worden sei. Es scheint dies aber nur eine ungeschickte, kirchliche Übertünchung eines altheidnischen Gebrauchs.

Am Ochsen gehîrt Hê (Heu).
Schlesien

Am Olafstag (29.7.) endet die Heuernte und beginnt die Kornernte.
Estland

Am Olafstag geht der Mond so niedrig, dass auch das Schwein ihn sieht.
Estland

Am Olafstag muss das Messer blutig gemacht werden.
Estland

Am Olafstag sagt man: 'Ochsen ins Joch, Wallache ins Geschirr'.
Estland

Am Olafstag wurden die ersten Lämmer geschlachtet, da nun, von diesem Tage an, dem Fleisch kein Heugeschmack mehr anhaftete.
Estland

Am Osterabend Fischhändler werden.
i] Sich zu einer Zeit in einen Handel einlassen, in der kein Vorteil mehr zu erwarten ist. Der Fischhandel blüht während der Fastenzeit; von Ostern ab wird wieder Fleisch gegessen.
ho] Een vischkooper worden op paaschavond.

Am Ostersonntag geht man beim 'ums Korn singen' früh aufs Feld und singt Osterlieder.

Am Ostertage sehen die Vlamingen gern Ost- und Nordostwind, wenn andere Winde nicht den Karfreitag verderben.

Am Pâl (Pfahl) stân.
i] Am Pranger, an der Straf- oder Schandsäule; auch öffentlich beschämt werden.

Am Palmbaum des Ruhms vertrocknet die Dattel der Bescheidenheit.
Abessinien
fr] Quand vient la gloire s'en va la mémoire.

Am Palmsonntage Sonnenschein soll ein gutes Zeichen sein.
ndt] Up Palmsöndag Sônnenschîn, soll en ganz gut Teken sîn.
Westfalen
pl] W niedziele kwietna dzien iasný, jest to dla lata znak krasný.

Am Palmsonntagsfest baut der Vogel sein Nest.
it] La domenica dell' ulivo, ogni uccello fa il suo nido.

Am Paulstag (10.1.) erhält das Meer einen Riß, am Antoniustag (17.1.) (kriecht) die Zecke auf des Ochsen Rücken.
Estland

Am Peetri-Paavlitag (29.6) schweigt der Kuckuck.
Estland

Am Pentstag (Benediktustag, 21.3.) wendet der Fisch den Kopf dem Ufer zu.
Estland

Am Pferd wird oft gerochen, was der Kutscher hat verbrochen (o. was den Kutscher hat gestochen).

Am Pfingstmontag umreiten Dorfrichter und Dorfgenossen auf schönen Pferden langsam und mit Andacht, singend und betend die Äcker, um guten Saatenstand zu erlangen.
Aberglaube

Am Piitrestag (29.6.) beginnt der Sommer schon den Schwanz einzuziehen.
Estland

Am Piitrestag (29.6.) regnet es jedes Jahr.
Estland

Am polnischen Kriege schuld sein.

Am Poornatag (am ersten Sonntag nach Fastnacht) kann der Ochse schon unter der Traufe trinken.
Estland

Am Pranger stehen.
i] Der Beschämung bloßgestellt, der öffentlichen Schande preisgegeben worden.
fr] Être attaché au pilori.
la] In eo ipso stas lapide, in quo praeco praedicat.

Am Probierstein erkennt man das Gold.
it] Al paragone si conosce l'oro.

Am Purim (Purimfeste) sind alle Schickerim (Trunkenbolde) nüchtern.
Jüdisch-deutsch, Brody.

Am Quaken und an der Gosch erkennt man den Frosch.
z] Man sieht an Quacken und der Gosch, dass du bist ein Frosch.

am Rand (einer Tafel/eines Buchs)
la] in margine

am Rand des Abgrunds stehen
en] to be an the verge (o. brink) of ruin
fr] être au bord de l'abîme
it] essere sull'orlo del precipizio

Am Rande des Glases tanzen böse Geister.

am Rande des Grabes (o. mit einem Fuß o. Bein im Grabe) stehen
en] to have a foot in the grave - to be at death's door
fr] avoir un pied dans la tombe - être à deux doigts de la mort
it] avere (o. essere con) un piede nella fossa

Am Rande des Grabes wirst du klug, aber dann ist es zu spät.

Am Rande des Todes hinzuschweben, ein Fehltritt, und die Tiefe hat uns für immer, das ist des Lebens höchster Reiz.
Fontane, Unwiederbringlich

Am Rathsuter sugunt viele Chalber.
Schweiz
hd] Am Ratseuter saugen viele Kälber.

Am Rausch ist nicht der Wein schuld, sondern der Trinker.
China

Am rechten Seil ziehen.

Am Reden erkennt man den Menschen, am Geschmack den Wein, am geruch die blumen.

Am Reichen streiche gern, am Armen fern vorüber.
Osmanien

Am reinen Glanz will ich die Perle kennen;
Doch ihren Namen kann ich dir nicht nennen.
Schiller, Die Braut von Messina, 1469/70 (Don Cesar)

Am Reuel kauen müssen.
z] Vnd wenn man sich will oft verrewen, muss man zuletst am rewel kewen.

Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben.
M. Claudius, Rheinweinlied, Str. 8

Am Rhein, am tobenden, schäumenden Rhein,
Da möcht ich sein!
Wolff, Erzählung eines deutschen Improvisators, Wo?

Am richtigsten werden wir das Leben fassen als (...) eine Enttäuschung: Darauf ist, sicherlich genug, alles abgesehn.
Arthur Schopenhauer, Nachträge zur Lehre von der Nichtigkeit des Daseins

Am Riemlein lernt der Hund Leder kauen.

Am Rochustag (16.8.) viel Sonnenschein, der bringt Zucker in den Wein.

Am Rock erkennt man den Müller.

am Ruder o. an den Schalthebeln der Macht sein
en] to be at the helm
fr] tenir le gouvernail - être à la barre
it] avere in mano le leve del potere

Am Ruheplatz der Toten, da pflegt es still zu sein,
Man hört nur leises Beten bei Kreuz und Leichenstein.
Uhland, Graf Eberhard der Rauschebart

Am runzligen Halse trauert die Perle.

Am Sahlende erkennt man das Tuch.
la] E fimbrio de telo judico.

Am Salbende (o. Salbande) erkennt man das Tuch.

Am Samstagabend bekommt man (drei) gute warme Sachen: eine warme Sauna, warmen Brei und ein warmes Weib.
Estland

Am Sankt Bartholomäi (24.8.) ziehen die Schwalben mit Gott.
Venedig

Am Sankt Gall'(us) (Sankt-Gallus, 16.10.) pflüg auf dem Berg und sä' im Tal.
it] Da San Gal ara il monte e semina la val.

Am Sankt Johannistag (24.6.) hat der Teufel keine Macht.

Am Sankt Lukastag (18.10.) soll das (Winter)Korn schon in die Stoppeln gesät sein.

Am Sankt-Gallustag (Sankt-Gallus, 16.10.) den Nachsommer man erwarten mag.

Am Sankt-Lukas Brot und Brei in Mass.
Böhmen

Am Sankt-Lukas das Vesperprot in die Grube und die Mispeln geschält.
Toskana

Am Sankt-Lukas nimm die Rüben heraus und stecke die Kürbisse.
Mailand

Am Sankt-Lukas säe stark oder gar nicht mehr.
Picardie

Am Sankt-Lukas spanne die Ochsen an, es sei nass oder trocken.
Mailand

Am Sankt-Lukas tödte dein Schwein und spunde deine Tonne zu.
Spanien

Am Sankt-Magdalenentage schneidet man den Hafer.
Bergamo

Am Sankt-Michel steigt die Hitze auf zum Himmel.
Mailand

Am Sankt-Thomastag (16.12.) wächst der Tag um einen Hahnenschritt.

Am Schädel sieht man niemals recht, wer war der Herr, wer war der Knecht.
i] Die Grabschrift auf einen Junker und seinen alten Knecht lautet: 'Gott ist wahrhaftig und gerecht. Hier liegt der Herr und auch der Knecht. Ihr Weltweisen, tretet nur herbei und sagt, wer Herr, wer Knecht da sei.'

Am schalcksberge (auch: in den Schalksberg) hawen.
Luther
i] Ein Schalk sein.

Am Schall erkennt man das Metall.

Am Scheiden liegt der Dank.

am Scheideweg (o. an einem Kreuzweg) stehen
en] to be at the crossroads (o. at the parting of the ways)
fr] être (o. se trouver) à la croisée des chemins
it] trovarsi a un bivio

Am Schelmen sterben.

Am Schilde erkennt man die Gilde (den Kram, den Wirt).
ho] Aan de mars kent men den kramer.

Am Schilde erkennt man die Gilde.

Am Schiss ist es zu sehen, was einer verschluckt hat.
ho] Men zal aan het sch .... wel zien, wie scheermessen gegeten heeft.

Am Schlangenmarientag (Mariä Geburt, 8.9.) verschwinden Schlangen, Fliegen, Käfer, der Mund der Schlange wird zugestopft.
Estland

Am schlechten Wochentage wird mancher ausgezahlt.

Am schlechtesten zahlen, die am meisten prahlen.

Am schlimmsten wirkt sich der technische Fortschritt da aus, wo er die Mittel zur Vernichtung von Menschenleben und mühsam erzeugten Produkten der Arbeit liefert.
Albert Einstein, Mein Weltbild

Am Schlingen gehen mehr zugrunde als am Ringen.

Am Schluß wird abgerechnet.

Am schmerzlichsten
Sind jene Qualen, die man frei sich selbst erschuf.
Sophokles, König Oedipus, 1204/5 (Der Diener)

Am schnellsten ist der Gedanke, am süßesten der Morgenschlaf, am kostbarsten die Erde.
Slowenien

Am schnellsten kommt man auf dem Steckenpferd seines Vorgesetzten voran.
Rumänien

Am schönen weißen zeug siehet man bald ein Flecken.

Am schönsten kleiden gute Sitten.

Am schönsten Seidenkleid sieht man die Flecken zuerst.
en] The fairest silk is soonest stained.

Am schönsten sind die Frauen so, wie Gott sie erschaffen hat - die Schneider können sie nur verderben.
Paul Gauguin

Am Schreien erkennt man den Esel.

Am Schustersonntag.
i] In dem Sinne des Nimmerleintags.

Am Schwanz ist er stecken blieben.
la] Toto devorato bove in cauda defecit.

Am Schwanze kann man's sehen, was für ein Vogel es ist.

Am Schwarzwald begegnete der Teufel dem Satan.
i] Das Verwandte findet sich leicht zusammen.
bm] Svůj svého poznal, i na pivo pozval. Pod černým lesem potkal se čert s bĕsem.

Am schwefflichstem Wein und pichichtem Bier gewohnen die seuffer des hellischen Trancks oder Feuers.

Am schwersten sind für den jungen Menschen nicht die Enttäuschungen, die er aus unerfüllten Hoffnungen, fehlgeschlagenen Unternehmungen und dem Versagen einzelner geschätzter Personen erfährt, sondern jene, die ihm, so nimmt er übertreibend an, die Menschheit bereitet.
Ehm Welk, Mein Land, das ferne leuchtet

Am schwersten zu bergen ist ein Gedicht,
Man stellt es untern Scheffel nicht.
Hat es der Dichter frisch gesungen,
So ist er ganz davon durchdrungen,
Hat er es zierlich nett geschrieben,
Will er, die ganze Welt soll's lieben.
Goethe, Divan - Buch des Sängers - Geständnis

Am schwierigsten ist es, die Meinung geheimzuhalten, die man von sich selber hat.
Pagnol

Am Selbende erkennt man das Tuch.

Am Septemberregen ist dem Bauer viel gelegen.

Am sichersten macht man Karriere, wenn man anderen den Eindruck vermittelt, es sei für sie von Nutzen, einem zu helfen.
Jean de La Bruyère

Am Simonitag feiern die Pantoffelhelden oder Siemanndl den Namenstag.
Oberösterreich
i] In einer solchen Ehe ist 'sie Mann', sie hat die Hosen an. Wortspiel von Simon und Siemann in der Voraussetzung, dass das o und a nicht rein, sondern als Mittellaut gesprochen werden. Nach Grimm mussten unterworfene Fürsten den Schuh des Siegers als Zeichen des Gehorsams tragen. Der Simonistag, an dem das Fest der Apostel Simon und Juda trifft, fällt auf den 28. Oktober.

Am Soldaten ist nicht in acht zu nehmen, ob er ein Bart habe, wann er nur Hände hat, damit er einem andern den Bart kann ausrupfen.

Am Sonnabend fließt der Festtag wie ein Fluss hinein, am Sonntagabend fließt er wie ein Bach hinaus.
Estland

Am Sonnabend kommt die Sonne immer für so lange hinter der Wolke hervor, dass der Mann aufs Pferd springen kann.
Estland

Am Sonntag bet' und sing', am Werktag schaff' dein Ding'.

Am Sonntag graben öss kein Sünd, denn öck heww e Krîz väre on e Krîz hinge.
i] Es ist der Spaten mit der Krücke und der Rücken gemeint.

Am Sonntag ist die Frau wie ein Kornfeld im Tau.
sp] Así es la mujer el domingo como trigo en el rocío.

Am Sonntag lacht Gott auch nach der anderen Seite.
i] Der Unglücklichen.

Am Sonntag pflücken die Hexen solsequium, am Montag lunaria (Mondviole), am Dienstag verbena, am Mittwoch mercurialis (Bingelkraut), am Donnerstag barba Jovis (Donnersbart), am Freitag capelli Veneris (Frauenhaar) und am Sonnabend mischen sie die höllische Salbe.
i] Unter Angabe über die Bereitung der Hexensalbe.

Am Sonntag Ruh', am Montag Müh'.

Am Sonntag schaffen ist besser als am Werktag gaffen.
dä] Heller-dags syssel er mangen saa behagelig som uge-dags arbeyde.

Am Sonntag zum schwarzen Rössl, am Mondtag zum blauen Kessl, am Erchtag zum gulden Lampel, am Mittwoch zum grünen Kampel, am Donnerstag zur gulden Sonn, am Freytag zum wilden Mann, am Samstag zur schönen Linden lass ich mich beym Saufen finden.

Am Spiegel ist keine Frau hässlich, keine alt.
i] Jede glaubt, es liege am Spiegel, wenn das Gesicht nicht zusagt.

Am Spiel erkennt man, was in einem steckt.

Am Spieltisch enthüllt sich die Seele eines Menschen bis in ihre tiefsten Winkel.
Japan

Am Spötter rächt sich die Kunst.

Am St. Lukastag (18. Okt.) soll das Korn schon in die Stoppeln gesät sein,

Am St.-Agathastage rieselt das Wasser den Weg herab, am Matthiastage (24. Feb.) lass deine Bienen heraus und am Martinstage (11.11.) bringe die Kuh in den Stall.
fr] A la St.-Adietta, l'ivué avô la tzerreiretta, a la St.-Matthias, bouna féna, djita téja, a la St.-Martin, la vatse vu liu.

Am St.-Nimmerleins-Tag
la] ad calendas Graecas. Suetonius
la] ad Graecas kalendas. Suetonius, De vita Caesarum, Augustus

Am starken Gericht spürt man des Kaisers Gerechtigkeit.
i] An einer durchgreifenden unparteiischen Rechtspflege erkennt man eine gute Regierung.
mhd] An dem starken gerichte spuret me des keysers gerechtikeyt.

Am Stephan (26.12.) muss es windstill sein, sonst fällt die erste Hoffnung auf den Wein.

Am Steuermann hängt das Schiff.

Am stillen Herd in Winterszeit,
Wenn Burg und Hof mir eingeschneit,
Wie einst der Lenz so lieblich lacht'
Und wie er bald wohl neu erwacht,
Ein altes Buch, vom Ahn' vermacht,
Gab das mir oft zu lesen:
Herr Walther von der Vogelweid!
Der ist mein Meister gewesen.
Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, 1 (Walther Stolzing)

Am Stirnhaar lasst den Augenblick uns fassen,
Denn - unsre schnellsten Schlüsse
Beschleicht der unhörbare, leise Fuß
Der Zeit, eh' sie vollzogen sind.
Shakespeare, Ende gut, alles gut
König V. 3

Am Stirnhaar lasst den Augenblick uns fassen.
Shakespeare, Ende gut, alles gut / König

Am Stock kaufen.
i] In Weingegenden den Wein kaufen, wenn er noch als unzeitige Traube am Stock hängt.

Am Strande ist das Seewasser billig.

Am Strande ist der Damm stolzer, als wo er ins Meer ausläuft.
Russland

Am Strande ist man freilich weise, wenn auf der See ein Schaden geschieht.

Am Strande stehen und nach dem Meere fragen.'

Am Strick müssen sterben, die mehr verzehren als erwerben.

Am Stumpf erkennt man den Holzfäller.
Estland

Am Sunnta' san alle Leut schön, die Kropfaten (= Kropfigen), Krumpn (= Krummen) und die Gschiagelten (= Schielenden) aa!

Am Tag der heiligen Lucie trinkt sie schon die Nächte ab.
Tschechien

Am Tag der heiligen Magdalen (22.7.) kann man schon volle Nüsse sehn.
it] Per Santa Maria Maddalena, la noce è piena.

Am Tag der vierzig Märtyrer (9.3.) wendeten vierundvierzig Vögel den Mund (d.i. den Schnabel) zum Sommer hin.
Estland

Am Tag des heiligen Simeon (28.10.) legt man beiseite den Fächer schon.
it] A San Simone il ventaglio si ripone.

Am Tag ein Bettler, (zu) nachts ein Dieb.

Am Tag erkennen, das sind Possen,
Im Finstern sind Mysterien zu Haus.
Goethe, Faust II A I, Saal des Thrones
Mephisto Vs 5031

Am Tag ist die Eule blind, bei Nacht die Krähe. Wen aber die Liebe blendet, der ist blind bei Tag und Nacht.

Am Tag, an dem du deine Frau heiratest, heiratest du auch deine Kinder.

Am Tag, da einer alles weiß, lass ihn ruhig sterben!

Am Tage Allerheiligen kleiden sich die Großen warm, an Sankt-Martin tut es Groß und Klein.
Mailand

Am Tage Arbeit, abends Gäste; schwere Wochen, frohe Feste.

Am Tage den Mond und des Nachts die Sonne suchen.

Am Tage der heiligen Katharina muss man sich unter das Federbett stecken.
Tschechien

Am Tage der heiligen Magdalen (22.7.) kann man schon volle Nüsse sehn.

Am Tage der Schlacht marschiert alles nach dem Kanonendonner.
i] Das Wichtigste kommt zuerst.
z] Die alte Soldatenregel: Am Tage der Schlacht marschirt alles nach dem Kanonendonner, ist tief in das preussische Blut übergegangen.

Am Tage der sommerlichen Sonnenwende wurde wieder gesagt, dass die Nacht anfangs nur um einen Hahnenschritt länger wird.
Estland

Am Tage des Erfolges ist man immer überrascht über die Zahl derer, die plötzlich entdeckt haben, dass sie unsere Freunde sind.
André Maurois, Die drei Dumas

Am Tage des Sankt Valentein (14.2.), da friert das Rad samt Mühle ein.

Am Tage des Sieges denkt man nicht länger an die Wunden, in der Todesstunde nicht länger an die Arznei.
Bengali, Indien

Am Tage des Sieges lässt man sich keine Strapaze verdrießen.

Am Tage des Todes schämt sich die Liebe.
Haussa, Afrika

Am Tage erleiert (erdreiert), des nachts verdreiert (verleiert).
i] Was man bei Tage mit der Leier verdient, das geht des Nachts wieder in den Wind.

Am Tage errungen, am Abend verschlungen.

Am Tage fliegen die Vögel überallhin, in der Nacht aber kehren sie zurück ins Nest.

Am Tage herrscht die Frau über den Mann, aber in der Nacht der Mann über die Frau.
Estland

Am Tage läuft er vor des Büffels Zorn, den Teufel fasst er in der Nacht am Horn.

Am Tage Licht ist Augengift.
Braunschweig

Am Tage nach den Sternen schauen.

Am Tage nach der Wohltat weiß man, wer ein Herz hat.

Am Tage Pauli Bekehr (25.1.) - der halbe Winter hin, der halbe Winter her.

Am Tage Portiuncula (2.8.) ist's leicht, den Kapuzinern zum Tanze pfeifen.

Am Tage Sankt Paul's bricht der Winter das Genick.
Frankreich

Am Tage schlaf nicht, in der Nacht trink kein Wasser, dann brauchst du keinen Arzt.

Am Tage siehst du nichts und in der Nacht schwatzest du.
Griechenland

Am Tage sind die Sterne nicht zu sehen, nachts scheint nicht die Sonne.

Am Tage von Sankt Valentin (14.2.) gehen Eis und Schnee dahin.

Am Tage vor Sanct-Lorenz esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. Sept.) esst hundert Nüsse.
Sardinien

Am Tage vor Sankt Kilian (8.7.), da säe deine Wicken an.

Am Tage, als Kunz Saudreck gen Pfingsten reut.

Am Tage, an dem du nackt herumläufst, wirst du bestimmt deine Schwiegermutter treffen.
Suaheli

Am Tage, an dem ich mein Haus nicht fegte, kamen unerwartete Gäste.
Spanien

Am Tage, da ich meinen Pass verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde.
Stefan Zweig, Erinnerungen

Am Takte erkennt man den Organisten (o. Spieler).
z] Auch noch vieles andere; denn Takt ist der Verstand des Herzens.

Am Tanztag beweint niemand seinen (verstorbenen) Angehörigen.
Kosi, Afrika
i] Man soll alles zu seiner Zeit tun.

Am Thersites krankt ein jeder Held.
Paul Heyse, Das Feenkind

Am Thomastag (21.12.) wächst der Tag um einen Hahnenschritt.
it] San Tomé cresce il dì quanto il gallo alza un piè.

Am Thomastag heiratet der schwarze Thomas seine erste Tochter, am Antoniustag (17.1.) die zweite, zur Lichtmess (2.2.) die dritte.
Estland

Am Thomastag kommt (von) der Sonne eine Staubschicht ab, die Sonne wird klarer.
Estland

Am Thomastag stöbert es immer.
Estland

Am Thomastag werden die Weihnachtstore vom Himmelsvater geöffnet.
Estland

Am Thomastag wird der rußige Thomas hinausgebracht.
Estland

Am Throne gibt es fast für niemand Geheimnisse als für den, der daruf sitzt.
Jean Paul, Titan

Am Tisch sei frölich, nicht hader mach, zu afterred sey nicht Ursach.
la] Absint a mensa, detractio, murmur et ira, sed cum laedicia, sumatur potus et esca.

Am Tisch soll man keines Haders gedenken.

Am Tisch und im Bett gehört die rechte Seite dem Mann.

Am Tische hat das Weib recht, im Bett der Mann.

Am Tische sei frölich, frisch und freundlich.

Am Tische soll man keines Haders gedenken.

Am Tische, den ein andrer gedeckt, das Essen meist am besten schmeckt.

Am Tor handelt man um ein Füllen, auf der (Dorf)straße um einen Hengst.
Estland

Am Trillern erkennt man die Lerche.

Am trockenen Busen hält sich Weißbrot, am feuchten Gerstenbrot.
Estland

Am trockenen Stamm ist gut Feuer machen.

Am Trompetentisch sitzen.
i] Am Bei- oder Nebentisch. Wohl daher, dass bei Gastmählern, besonders der Offiziere, die Trompeter oder Musiker, welche die Tafelmusik besorgen, an einen besondern Tische ihren Platz haben. Die Musiker genossen früher keine besondere Achtung, was sich noch in der Benennung Trompeten- oder Musikantentisch für Neben- oder Katzentisch zeigt.

Am Übeltäter zittert selbst der Rock.
Tschechien

Am Ufer ist die Sicherheit, im Heer der Reichtum.

Am Ufer stehen nützt nichts, wenn der Fluss vertrocknet ist.

Am unbarmherzigsten im Urteil über fremde Kunstleistungen sind die Frauen mittelmäßiger Künstler.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Am unglücklichsten ist nicht der Mann, der keine Freunde, sondern der keine Feinde hat.
Spanien

Am unterspülten Ufer ist bös baden.
bm] Koupej se drze se břehu.

Am Vater erkennt man den Sohn, an der Mutter die Tochter.

Am Vater kennt man gemeiniglich die Kinder.

Am Verbrechen eines einzelnen lern alle kennen.
la] Crimine ab uno / disce omnes.

Am Veronatag soll's vormittags regnen und nachmittags die Sonne scheinen.
Luzern

Am Verstande trägt man nicht schwer.

Am vielen Fragen erkennt man den Narren.

Am vielen Lachen (o. Fragen) erkennt man den Narren.
en] A loud laugh bespeaks a vacant mind.
fr] Au rire on connaît le fou.
fr] Qui rit trop a nature de sot.
it] I matti si conoscono dal molto ridere.
la] Risu inepto res ineptior nulla est.
sp] La olla en sonar y el hombre en hablar.

Am vielen Lachen kann man den Narren erkennen.
en] A loud laugh bespeaks a vacant mind.
fr] Au rire on connaît le fou.
fr] Qui rit trop a nature de sot.
it] I matti si conoscono dal molto ridere.
la] Per risum multum debes cognoscere stultum.
la] Risu inepto res ineptior nulla est.
sp] La olla en sonar y el hombre en hablar.

Am vierten Tag vom Hochzeitsschmaus trollt der Hochzeitsbitter sich nach Haus.

Am Vorabende großer Ereignisse stehen.
i] Meist ironisch gebrauchte Redensart, um auszudrücken, dass nichts von Bedeutung geschehen werde.
z] Lassen Sie in Paris bekannt machen, dass wir am Vorabende eines großen Ereignisses, à la veille d'un grand évenement, stehen. Napoleon

Am vorderen Tor wehrt man den Tiger ab, durch das hintere kommt der Wolf ins Haus.
China

Am vorsichtigsten sei man beim Ratgeben in Heiratsangelegenheiten!
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Am Wachstum hindert den Menschen oft das eigene Dach überm Kopf.

Am wahren Spötter lächelt das ganze Gesicht, der Mund ausgenommen.
Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen

Am Walde hätte nicht die Axt so leichtes Spiel,
Hätt' ihr der Wald nicht selbst geliefert ihren Stiel.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Am Wams kann man nicht sehen, wer ein Brandmal trägt.
ho] Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt.

Am Wappen erkennt man die Münzen.
ho] Aan de wapens kent men de munten.

Am warmen Ofen (v)erfriert man nicht.
Rheinpfalz

Am Wege enden alte Pferde und alte Soldaten ihr Leben.
ho] Aan den weg en aan de straat rekken oude paarden en trouwe veteranen hun leven.

Am Weibe schlägt der Mann seine Schande.

Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Georg Trakl, De Profundis

Am Weiser kann man sehen, was an der Glocke ist.
ndt] Hä is wie de Wîser an de Klock, hä geiht, we ein'n 'n stellt.
ho] Men kan aan den wijzer wel zien, wat de klok heeft.

Am wenigsten sicher sind die Menschen vor dem, was das Schicksal nicht befürchten lässt.
la] Ad id, quod, ne timeatur, fortuna facit, minime tuti sunt homines.

Am wenigsten stützt Religion und Sittlichkeit auf Gründe. Eben die Menge der Pfeiler verfinstert und verengt die Kirchen.
Jean Paul

Am Werk der Nacht findet der Tag immer etwas auszusetzen.
Irland

Am Werk sieht man zu aller Frist, was meisters drob gewesen ist.
fr] A l'ouvre on connaît l'artisan (l'ouvrier).
fr] C'est à la muraille qu'on connaît les maçons.
ho] Aan het werk kent men den meester.

Am Werke erkennt man den Meister.
La Fontaine, Fabeln

Am Werke erkennt me den Werkmann (Arbeiter).
la] Indicat artificem res operata suum.

Am Werktag schaffe alle Ding,
Am Sonntag bete, hör und sing!

Am Widerrist erkennt man ein gutes Pferd, am Maul einen guten Esser.
Estland

Am widerwärtigsten sind die kricklichen Beobachter und grilligen Theoristen; ihre Versuche sind kleinlich und kompliziert, ihre Hypothesen abstrus und wunderlich.
Goethe, Maximen und Reflexionen 566

Am Wildfangen ist kein Gewinn.

Am Windeskreuztag (d.i. Jürgenstag) bekam das Pferd seinen Schlüssel in die Hand.
Estland

Am Winterfirsttag (12. März od. 14.1.) wird der Hahn über den Dachfirst geworfen, denn er hat unter dem einen Fuß Körner, unter dem anderen Schnee.
Estland

Am Wissen trägt man nicht schwer.

Am Wohlgebornen übel steht, wenn er der Tugend Weg nicht geht.
la] Bene natis turpe est male vivere.
la] Honeste natis turpe est male vivere.

Am wohlsten fühlt sich ein Brunnenfrosch im Brunnen.
China

Am wünschenswertesten wäre jedoch, dass man die Sprache, wodurch man die Einzelnheiten eines gewissen Kreises bezeichnen will, aus dem Kreise selbst nähme, die einfachste Erscheinung als Grundformel behandelte und die mannigfaltigem von daher ableitete und entwickelte.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 5. Abt. - 755

Am würdigen Alten in Treue halten, am kräftigen Neuen sich stärken und freuen, wird niemand gereuen.

Am zähesten wird verteidigt, was nicht existiert.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte

Am Zapfen sparen und am Spundloche wieder herauslaufen lassen, das spart nicht.

Am Zaum erkennt man das Pferd.
pl] Uzda konia, język człowieka, smak potrawę pokazać ma.

Am zehnten Januar Sonnenschein
Bringt viel Korn und Wein.

Am Zeichen erkennt man die Warenballen, und an den Reden die bösen Zungen.
fr] Aux marques l'on connoit les bâles, et au parler les langues males.

Am Zeiger kann man sehen, ob die Uhr verrückt ist.
i] Vom Antlitz und äußern Betragen ist leicht ein Schluss auf den innern Menschen zu machen.

Am Zeiger kann man sehen, wie spät es (o. was an der Zeit) ist.

Am zweiten Weihnachtstag (26.12.) wird der Tag um einen Hahnenschritt länger.
Estland

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