Shakespeare
All's Well That Ends Well
Ende gut, alles gut

Act 4 - Scene 2

Florence. The Widow's house.
Enter BERTRAM and DIANA

Florenz. Im Hause der Witwe.
Bertram und Diana treten auf.


BERTRAM

They told me that your name was Fontibell.

Man sagte mir, Ihr heißet Fontibella?

DIANA

No, my good lord, Diana.

Nein, Diana, gnäd'ger Herr.

BERTRAM

Titled goddess;
And worth it, with addition! But, fair soul,
In your fine frame hath love no quality?
If quick fire of youth light not your mind,
You are no maiden, but a monument:
When you are dead, you should be such a one
As you are now, for you are cold and stem;
And now you should be as your mother was
When your sweet self was got.

Erhabne Göttin,
Und wert noch mehr als dies! Doch, schönstes Wesen,
Hat deine Wunderform kein Teilchen Liebe?
Belebt nicht Jugendfeuer dein Gemüt,
Bist du kein Mädchen, nein, ein Marmorbild:
Nach deinem Tod erst solltest du das sein,
Was du jetzt bist, so kalt und streng; doch jetzt
Solltest du sein, wie deine Mutter war,
Als sie dein süßes Bild erschuf.

DIANA

She then was honest.

Da war sie tugendhaft.

BERTRAM

So should you be.

Das bist du!

DIANA

No:
My mother did but duty; such, my lord,
As you owe to your wife.

Nein;
Sie tat nach ihrer Pflicht; wie Euer Weib
Von Euch sie fodert, Graf.

BERTRAM

No more o' that;
I prithee, do not strive against my vows:
I was compell'd to her; but I love thee
By love's own sweet constraint, and will for ever
Do thee all rights of service.

Still, davon nichts!
Nicht sprich dafür, wogegen ich geschworen!
Sie ward mir aufgedrungen; doch dich lieb' ich
Durch süßen Liebeszwang und weih' auf ewig
Dir meinen treuen Dienst.

DIANA

Ay, so you serve us
Till we serve you; but when you have our roses,
You barely leave our thorns to prick ourselves
And mock us with our bareness.

So dient Ihr uns,
Bis wir Euch dienen; bracht Ihr unsre Rose,
Dann ist's Euch gleich, wie uns die Dornen stechen:
Des Raubes lacht ihr dann.

BERTRAM

How have I sworn!

Was schwur ich dir?

DIANA

'Tis not the many oaths that makes the truth,
But the plain single vow that is vow'd true.
What is not holy, that we swear not by,
But take the High'st to witness: then, pray you, tell me,
If I should swear by God's great attributes,
I loved you dearly, would you believe my oaths,
When I did love you ill? This has no holding,
To swear by him whom I protest to love,
That I will work against him: therefore your oaths
Are words and poor conditions, but unseal'd,
At least in my opinion.

Nicht viele Eide sind Beweis von Treue,
Nein, nur ein einz'ger Schwur, wahrhaft gelobt.
Was ist wohl Heiliges, bei dem wir schwören,
Das uns der Höchste nicht bezeugen soll?
Doch nun sagt selbst, ich bitt' Euch:
Gelobt' ich Euch bei Amors ew'gen Kräften,
Ich liebt' Euch herzlich: glaubtet Ihr dem Schwur,
Liebt' ich, um Euch zu schaden? Wär's nicht sinnlos,
Ihm, dem ich Liebe hoch beteure, schwören,
Ich sänn' auf sein Verderben? Euer Eid
Ist drum nur Wort und Schein, schwach, ohne Siegel,
Mind'stens nach meinem Sinn.

BERTRAM

Change it, change it;
Be not so holy-cruel: love is holy;
And my integrity ne'er knew the crafts
That you do charge men with. Stand no more off,
But give thyself unto my sick desires,
Who then recover: say thou art mine, and ever
My love as it begins shall so persever.

Oh, ändr' ihn, ändr' ihn!
Sei nicht so heilig grausam! Lieb' ist heilig,
Und meine Lauterkeit kennt nicht die List,
Der du die Männer zeihst. Nicht Ausflucht mehr!
Nein, gib dich meiner kranken Sehnsucht hin,
Die dann gesundet. Sage, du seist mein,
Und so wie heut soll stets mein Lieben sein.

DIANA

I see that men make ropes in such a scarre
That we'll forsake ourselves. Give me that ring.

Ich seh', Ihr schlingt ein Seil zur steilsten Klippe,
Uns zu gefährden. Gebt mir diesen Ring!

BERTRAM

I'll lend it thee, my dear; but have no power
To give it from me.

Ich leih' ihn dir, Geliebte: ihn verschenken
Steht nicht bei mir.

DIANA

Will you not, my lord?

Ihr wollt nicht, gnäd'ger Herr?

BERTRAM

It is an honour 'longing to our house,
Bequeathed down from many ancestors;
Which were the greatest obloquy i' the world
In me to lose.

Es ist ein Ehrenkleinod unsres Hauses,
Von vielen alten Ahnen mir vererbt,
Und mir der größte Makel auf der Welt,
Verlör' ich's.

DIANA

Mine honour's such a ring:
My chastity's the jewel of our house,
Bequeathed down from many ancestors;
Which were the greatest obloquy i' the world
In me to lose: thus your own proper wisdom
Brings in the champion Honour on my part,
Against your vain assault.

Meine Her' ist solch ein Ring:
Die Keuschheit ist das Kleinod unsres Hauses.
Von langer Ahnenreihe mir vererbt,
Und mir der größte Makel auf der Welt,
Verlör' ich sie. So führt mir Eure Weisheit
Den Kämpfer Ehre her zu meinem Schirm
Vor Euerm nicht'gen Angriff.

BERTRAM

Here, take my ring:
My house, mine honour, yea, my life, be thine,
And I'll be bid by thee.

Nimm den Ring!
Stamm, Ehre, ja mein Leben selbst sei dein,
Und ich dein eigner Knecht.

DIANA

When midnight comes, knock at my chamber-window:
I'll order take my mother shall not hear.
Now will I charge you in the band of truth,
When you have conquer'd my yet maiden bed,
Remain there but an hour, nor speak to me:
My reasons are most strong; and you shall know them
When back again this ring shall be deliver'd:
And on your finger in the night I'll put
Another ring, that what in time proceeds
May token to the future our past deeds.
Adieu, till then; then, fail not. You have won
A wife of me, though there my hope be done.

Um Mitternacht klopft an mein Kammerfenster:
Ich sorge, daß die Mutter Euch nicht hört.
Jedoch versprecht mir, wie Ihr wahrhaft seid:
Wenn Ihr mein noch jungfräulich Bett erobert,
Bleibt eine Stunde nur, und sprecht kein Wort;
Ich habe trift'gen Grund, und sag' ihn Euch,
Wenn Ihr den Ring dereinst zurückerhaltet.
Und einen andern Ring steck' ich heut nacht
An Euern Finger, der zukünft'gen Tagen
Ein Pfand sei, was mit uns sich zugetragen.
Lebt wohl, bis dahin! Fehlt nicht; ich erwarb
Ein Weib Euch, wenn auch so mein Hoffen starb.

BERTRAM

A heaven on earth I have won by wooing thee.
Exit

Des Himmels Glück auf Erdendank' ich dir!
Geht ab.

DIANA

For which live long to thank both heaven and me!
You may so in the end.
My mother told me just how he would woo,
As if she sat in 's heart; she says all men
Have the like oaths: he had sworn to marry me
When his wife's dead; therefore I'll lie with him
When I am buried. Since Frenchmen are so braid,
Marry that will, I live and die a maid:
Only in this disguise I think't no sin
To cozen him that would unjustly win.
Exit

Lebt lang'! Und dankt's dem Himmel einst und mir!
Vielleicht geschieht's dereinst. -
Ganz schilderte sein Werben mir die Mutter,
Als säß' sie ihm im Herzen: »gleiche Eide
Hat«, sprach sie, »jeder Mann.« Ist tot sein Weib,
So schwört er, mich zu frein; drum bin ich tot,
Sei er mein Mann. Wenn so Franzosen werben,
Mag frein, wer will, ich werd' als Mädchen sterben:
Doch dünkt mich keine Sünde, den betrügen.
Der als ein falscher Spieler hofft zu siegen.
Geht ab.

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