Shakespeare
All's Well That Ends Well
Ende gut, alles gut

Act 2 - Scene 5

Paris. The KING's palace.
Enter LAFEU and BERTRAM

Im Palast des Königs.
Lafeu und Bertram treten auf.


LAFEU

But I hope your lordship thinks not him a soldier.

Ich hoffe doch, Euer Gnaden hält ihn nicht für einen Soldaten?

BERTRAM

Yes, my lord, and of very valiant approof.

Ja, edler Herr, und von sehr bewährter Tapferkeit.

LAFEU

You have it from his own deliverance.

Ihr habt's aus seiner eignen Überlieferung?

BERTRAM

And by other warranted testimony.

Und von manchen andern verbürgten Zeugen.

LAFEU

Then my dial goes not true: I took this lark for a bunting.

So geht meine Sonnenuhr nicht richtig; ich hielt diese Lerche für einen Spatz.

BERTRAM

I do assure you, my lord, he is very great in knowledge and accordingly valiant.

Ich versichre Euch, gnädiger Herr, er ist von tiefer Einsicht und eben so vieler Tapferkeit.

LAFEU

I have then sinned against his experience and transgressed against his valour; and my state that way is dangerous, since I cannot yet find in my heart to repent. Here he comes: I pray you, make us friends; I will pursue the amity.
Enter PAROLLES

So habe ich denn gegen seine Erfahrung gesündigt und mich gegen seine Tapferkeit vergangen, und mein Zustand erscheint um so gefährlicher, als ich noch zu keiner Reue in meinem Herzen gelangen kann. Hier kommt er: ich bitte Euch, versöhnt uns wieder, ich will diese Freundschaft kultivieren.
Parolles tritt auf.

PAROLLES

[To BERTRAM] These things shall be done, sir.

Alles soll besorgt werden, Herr.

LAFEU

Pray you, sir, who's his tailor?

Ich bitt' Euch, Herr, wer ist sein Schneider?

PAROLLES

Sir?

Herr? -

LAFEU

O, I know him well, I, sir; he, sir, 's a good workman, a very good tailor.

Oh, ich kenne ihn schon; ja, Herr, er ist ein guter Nadelführer, ein sehr guter Schneider.

BERTRAM

[Aside to PAROLLES] Is she gone to the king?

beiseit. Ist sie zum König gegangen?

PAROLLES

She is.

Soeben.

BERTRAM

Will she away to-night?

Will sie heut abend fort?

PAROLLES

As you'll have her.

Wie Ihr's verlangt habt.

BERTRAM

I have writ my letters, casketed my treasure,
Given order for our horses; and to-night,
When I should take possession of the bride,
End ere I do begin.

Die Briefe sind bereit, mein Geld verpackt,
Bestellt die Pferde, - und in dieser Nacht,
Anstatt Besitz zu nehmen von der Braut,
Und eh' ich noch begann -

LAFEU

A good traveller is something at the latter end of a dinner; but one that lies three thirds and uses a known truth to pass a thousand nothings with, should be once heard and thrice beaten. God save you, captain.

LAFEU. Ein verständiger Reisender gilt etwas gegen das Ende der Mahlzeit; aber einen, der drei Dritteile lügt und eine bekannte Wahrheit als Paß für tausend Windbeuteleien braucht, sollte man einmal anhören und dreimal abprügeln. Gott behüte Euch, Hauptmann!

BERTRAM

Is there any unkindness between my lord and you, monsieur?

BERTRAM. Gibt es irgendeine Mißhelligkeit zwischen diesem edlen Herrn und Euch, Monsieur?

PAROLLES

I know not how I have deserved to run into my lord's displeasure.

PAROLLES. Ich weiß nicht, wie ich's verdient habe, in Seiner Gnade Ungnade zu fallen.

LAFEU

You have made shift to run into 't, boots and spurs and all, like him that leaped into the custard; and out of it you'll run again, rather than suffer question for your residence.

LAFEU. Ihr seid Hals über Kopf mit Stiefeln und Sporen hinein gerannt, wie der Bursch, der in die Mehlpastete sprang, und Ihr werdet wohl eher wie der herauslaufen, als Rede stehn, warum Ihr drin verweilt.

BERTRAM

It may be you have mistaken him, my lord.

BERTRAM. Ihr habt ihn wohl nicht recht gewürdigt, edler Herr.

LAFEU

And shall do so ever, though I took him at 's prayers. Fare you well, my lord; and believe this of me, there can be no kernel in this light nut; the soul of this man is his clothes. Trust him not in matter of heavy consequence; I have kept of them tame, and know their natures. Farewell, monsieur: I have spoken better of you than you have or will to deserve at my hand; but we must do good against evil. Exit

LAFEU. Das wird auch nie geschehn, selbst wenn ich ihn beim Hochwürdigsten träfe. Lebt wohl, Herr Graf, und glaubt mir, in dieser tauben Nuß kann kein Kern stecken; die Seele dieses Menschen sitzt in seinen Kleidern. Traut ihm nicht[154] in wichtigen Angelegenheiten; ich habe solches Volk zahm gemacht und kenne seine Art. Gott befohlen, Monsieur! Ich habe besser von Euch gesprochen, als Ihr's um mich verdient habt oder verdienen werdet: aber man soll Böses mit Gutem vergelten. Ab.

PAROLLES

An idle lord. I swear.

PAROLLES. Ein sehr müßiger Schwätzer, auf Ehre! -

BERTRAM

I think so.

BERTRAM. Das scheint so.

PAROLLES

Why, do you not know him?

PAROLLES. Wie, Ihr kennt ihn nicht?

BERTRAM

Yes, I do know him well, and common speech
Gives him a worthy pass. Here comes my clog.
Enter HELENA

O ja, ich kenn' ihn wohl, und allgemein
Steht er in gutem Ruf. - Da kommt mein Kreuz! -
Helena tritt auf.

HELENA

I have, sir, as I was commanded from you,
Spoke with the king and have procured his leave
For present parting; only he desires
Some private speech with you.

Ich habe, Herr, wie Ihr mir's anbefahlt,
Den König schon gesehn, und seinen Urlaub
Erhalten, gleich zu reisen. Nur verlangt er
Ein Wort mit Euch allein.

BERTRAM

I shall obey his will.
You must not marvel, Helen, at my course,
Which holds not colour with the time, nor does
The ministration and required office
On my particular. Prepared I was not
For such a business; therefore am I found
So much unsettled: this drives me to entreat you
That presently you take our way for home;
And rather muse than ask why I entreat you,
For my respects are better than they seem
And my appointments have in them a need
Greater than shows itself at the first view
To you that know them not. This to my mother:
Giving a letter
'Twill be two days ere I shall see you, so
I leave you to your wisdom.

Ich folge dem Gebot.
Nicht wundr' Euch dies Betragen, Helena,
Das nicht die Farbe trägt der Zeit, noch leistet,
Was mir nach Pflichtgefühl und Schuldigkeit
Zunächst obliegt. Ich war nicht vorbereitet
Auf diesen Fall; drum bin ich überrascht
Durch solch Verhältnis; deshalb bitt' ich Euch,
Daß Ihr alsbald nach Haus Euch hinbegebt
Und lieber sinnt als fragt, warum ich's fodre.
Was mich bestimmt, ist besser, als es scheint,
Und mein Geschäft drängt mich mit ernsterm Zwang,
Als Euch beim ersten Blick bedünken mag,
Da Ihr's nicht überseht. - Dies meiner Mutter.
Gibt ihr einen Brief.
Zwei Tage noch, dann treff' ich Euch - und so
Lass' ich Euch Eurer Klugheit.

HELENA

Sir, I can nothing say,
But that I am your most obedient servant.

Ich kann nichts sagen, Herr,
Als daß ich Eure treuergebne Magd -

BERTRAM

Come, come, no more of that.

O laßt! Nichts mehr davon!

HELENA

And ever shall
With true observance seek to eke out that
Wherein toward me my homely stars have fail'd
To equal my great fortune.

Und stets bemüht
Mit treuer Sorglichkeit Euch zu ersetzen,
Was mir ein niedriges Gestirn versagt,
Um wert zu sein so großen Glücks.

BERTRAM

Let that go:
My haste is very great: farewell; hie home.

Genug!
Denn meine Hast ist groß. Lebt wohl, und eilt!

HELENA

Pray, sir, your pardon.

O lieber Herr! Verzeiht. ...

BERTRAM

Well, what would you say?

Nun sagt, was meint Ihr?

HELENA

I am not worthy of the wealth I owe,
Nor dare I say 'tis mine, and yet it is;
But, like a timorous thief, most fain would steal
What law does vouch mine own.

Ich bin nicht wert des Reichtums, der mir ward,
Noch darf ich mein ihn nennen, und doch ist er's;
Doch wie ein scheuer Dieb möcht' ich mir stehlen,
Was mir nach Recht gehört.

BERTRAM

What would you have?

Was wünscht Ihr noch?

HELENA

Something; and scarce so much: nothing, indeed.
I would not tell you what I would, my lord:
Faith yes;
Strangers and foes do sunder, and not kiss.

Etwas - und kaum so viel - im Grunde nichts -
Ungern nenn' ich den Wunsch: doch ja!
So wißt,
Nur Fremd' und Feinde scheiden ungeküßt.

BERTRAM

I pray you, stay not, but in haste to horse.

Ich bitt' Euch, säumt nicht, setzt Euch rasch zu Pferd!

HELENA

I shall not break your bidding, good my lord.

Ich füge dem Befehl mich, teurer Herr.
Helena ab.

BERTRAM

Where are my other men, monsieur? Farewell.
Exit

Sind meine Leute da? - Leb wohl!

HELENA

Go thou toward home; where I will never come
Whilst I can shake my sword or hear the drum.
Away, and for our flight.

Geh du nach Haus, wohin ich nimmermehr will kehren,
Solang' ich fechten kann und Trommeln hören.
Nun fort, auf unsre Flucht!

PAROLLES

Bravely, coragio!
Exeunt

Bravo! Corraggio!
Sie gehn ab.

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