Shakespeare
All's Well That Ends Well
Ende gut, alles gut

Act 2 - Scene 3

Paris. The KING's palace.
Enter BERTRAM, LAFEU, and PAROLLES

Im Palast des Königs.
Bertram, Lafeu und Parolles treten auf.


LAFEU

They say miracles are past; and we have our philosophical persons, to make modern and familiar, things supernatural and causeless. Hence is it that we make trifles of terrors, ensconcing ourselves into seeming knowledge, when we should submit ourselves to an unknown fear.

Man sagt, es geschehn keine Wunder mehr, und unsre Philosophen sind dazu da, die übernatürlichen und unergründlichen Dinge alltäglich und trivial zu machen. Daher kommt es, daß wir mit Schrecknissen Scherz treiben, und uns hinter unsre angebliche Wissenschaft verschanzen, wo wir uns vor einer unbekannten Gewalt fürchten sollten.

PAROLLES

Why, 'tis the rarest argument of wonder that hath shot out in our latter times.

In der Tat, es ist die allerseltsamste Wundergeschichte, die in unsern letzten Zeiten aufgetaucht ist.

BERTRAM

And so 'tis.

Das ist sie auch.

LAFEU

To be relinquish'd of the artists,--

Aufgegeben von den Kunstverständigen -

PAROLLES

So I say.

Das sage ich eben

LAFEU

Both of Galen and Paracelsus.

Von Galenus und Paracelsus

PAROLLES

So I say.

Nun eben! -

LAFEU

Of all the learned and authentic fellows,--

Von allen diesen gelehrten und weltberühmten Doktoren ... -

PAROLLES

Right; so I say.

Nun eben! -

LAFEU

That gave him out incurable,--

Die ihn für unheilbar erklärten -

PAROLLES

Why, there 'tis; so say I too.

Da liegt's: das sag' ich auch.

LAFEU

Not to be helped,--

Für rettungslos -

PAROLLES

Right; as 'twere, a man assured of a--

Recht! Für einen, der gleichsam gefaßt sein müsse -

LAFEU

Uncertain life, and sure death.

Auf ein ungewisses Leben und einen gewissen Tod -

PAROLLES

Just, you say well; so would I have said.

Richtig und wohl gesagt: das wollte ich auch sagen.

LAFEU

I may truly say, it is a novelty to the world.

Ich darf wohl behaupten, es ist etwas Unerhörtes in der Welt.

PAROLLES

It is, indeed: if you will have it in showing, you shall read it in--what do you call there?

Das ist es auch: wenn's einer im Schauspiel sehn wollte, müßte er's nachlesen in - nun, wie heißt es doch?

LAFEU

A showing of a heavenly effect in an earthly actor.

Im »Schauspiel von der Wirkung himmlischer Gnade in einem irdischen Gefäß«.

PAROLLES

That's it; I would have said the very same.

Recht so: das meinte ich, eben das.

LAFEU

Why, your dolphin is not lustier: 'fore me, I speak in respect--

Wahrhaftig, ein Delphin ist nicht muntrer - mein' Seel', ich rede mit aller Hochachtung -

PAROLLES

Nay, 'tis strange, 'tis very strange, that is the brief and the tedious of it; and he's of a most facinerious spirit that will not acknowledge it to be the--

Nein, 's ist seltsam, sehr seltsam; das ist das Kurze und das Lange von der Sache; und der muß von höchst fasziniertem Geist sein, der nicht gestehn will, es sei die -

LAFEU

Very hand of heaven.

Unverkennbare Hand des Himmels. -

PAROLLES

Ay, so I say.

Ja, so sag' ich.

LAFEU

In a most weak-- pausing and debile minister, great power, great transcendence: which should, indeed, give us a further use to be made than alone the recovery of the king, as to be-- pausing generally thankful.

In einem sehr schwachen - Und hinfälligen Werkzeug große Macht, große Energie, wovon allerdings noch anderweitiger Gebrauch statt finden sollte, als nur zur Genesung des Königs; damit wir alle -Dankbarsein möchten.

PAROLLES

I would have said it; you say well. Here comes the king.
Enter KING, HELENA, and Attendants. LAFEU and PAROLLES retire.

Das wollt' ich auch sagen; Ihr sagtet recht. Hier kommt der König.
Der König, Helena und Gefolge treten auf.

LAFEU

Lustig, as the Dutchman says: I'll like a maid the better, whilst I have a tooth in my head: why, he's able to lead her a coranto.

Lustik, wie der Holländer spricht. Ich will allen Mädchen dafür noch einmal so gut sein, solange ich noch einen Zahn im Kopfe habe. Wahrhaftig, er ist imstande und fodert sie zu einer Courante auf.

PAROLLES

Mort du vinaigre! is not this Helen?

Mort du vinaigre! Ist das nicht Helena?

LAFEU

'Fore God, I think so.

Beim Himmel! Das glaub' ich auch.

KING

Go, call before me all the lords in court.
Sit, my preserver, by thy patient's side;
And with this healthful hand, whose banish'd sense
Thou hast repeal'd, a second time receive
The confirmation of my promised gift,
Which but attends thy naming.
Enter three or four Lords
Fair maid, send forth thine eye: this youthful parcel
Of noble bachelors stand at my bestowing,
O'er whom both sovereign power and father's voice
I have to use: thy frank election make;
Thou hast power to choose, and they none to forsake.

Geht, ruft uns alle Ritter meines Hofs!
Du, sitz' bei deinem Kranken, holder Arzt;
Und diese neu genes'ne Hand, durch dich
Begabt mit längst verbannter Kraft, bestät'ge
Nochmals dir jene zugesagte Gabe,
Dein, wie du sie nur nennst.
Einige Hofleute treten auf.
Nun, schönes Kind, schau' um: dies muntre Volk
Von wackern Jünglingen folgt meinem Willen,
Gehorsam meinem königlichen Spruch
Und Vaterwort: so nenne frei dir einen;
Du darfst dir wählen, jene nicht verneinen.

HELENA

To each of you one fair and virtuous mistress
Fall, when Love please! marry, to each, but one!

Ein fromm und schönes Fräulein send' euch allen
Der Liebe Gunst, - euch allen, bis auf einen.

LAFEU

I'ld give bay Curtal and his furniture,
My mouth no more were broken than these boys',
And writ as little beard.

Ich gäb' den braunen Bleß mit samt dem Zeug,
Hätt' ich so frische Zähn' als diese Knaben,
Und auch vom Bart nicht mehr.

KING

Peruse them well:
Not one of those but had a noble father.

Betrachte sie:
Nicht einer, der nicht stammt aus edlem Blut.

HELENA

Gentlemen,
Heaven hath through me restored the king to health.

Geehrte Herrn,
Gott hat durch mich den König hergestellt.

All

We understand it, and thank heaven for you.

Wir hörten's, und wir danken Gott für Euch.

HELENA

I am a simple maid, and therein wealthiest,
That I protest I simply am a maid.
Please it your majesty, I have done already:
The blushes in my cheeks thus whisper me,
'We blush that thou shouldst choose; but, be refused,
Let the white death sit on thy cheek for ever;
We'll ne'er come there again.'

Ich bin ein einfach Mädchen; all mein Reichtum
Ist, daß ich einfach mich ein Mädchen nenne. -
Mit Eurer Hoheit Gunst, ich bin zu Ende:
Die Wangen, schamgerötet, flüstern mir:
»Wir glühen, daß du wählst; wirst du verworfen,
Wird bleicher Tod für immer auf uns thronen:
Nie kehrt das Rot zurück.«

KING

Make choice; and, see,
Who shuns thy love shuns all his love in me.

Dein Wahlrecht übe;
Wer dich verschmäht, verschmäht auch meine Liebe.

HELENA

Now, Dian, from thy altar do I fly,
And to imperial Love, that god most high,
Do my sighs stream. Sir, will you hear my suit?

So flieh' ich, Diana, deine Weihaltäre,
Und meine Seufzer richt' ich an die hehre
Hochheil'ge Liebe. - Kennt Ihr mein Gesuch? -

First Lord

And grant it.

Ja, und gewähr's.

HELENA

Thanks, sir; all the rest is mute.

Habt Dank! Damit genug!

LAFEU

I had rather be in this choice than throw ames-ace for my life.

Ich möchte lieber hier zur Wahl stehn, als alle Ass' um mein Leben werfen.

HELENA

The honour, sir, that flames in your fair eyes,
Before I speak, too threateningly replies:
Love make your fortunes twenty times above
Her that so wishes and her humble love!

Der Stolz, der Euch im edlen Auge flammt,
Hat mich, noch eh' ich sprach, zu streng verdammt:
Euch sei ein zehnfach höh'res Glück beschert,
Das höh're Lieb' als meine Euch gewährt.

Second Lord

No better, if you please.

Kein beßres wünsch' ich.

HELENA

My wish receive,
Which great Love grant! and so, I take my leave.

Mög' Euch nimmer fehlen
Cupidos Gunst: so will ich mich empfehlen.

LAFEU

Do all they deny her? An they were sons of mine,
I'd have them whipped; or I would send them to the
Turk, to make eunuchs of.

Schlagen alle sie aus? Wenn das meine Söhne wären, ich ließe sie peitschen, oder schickte sie zu den Türken, um Verschnittne draus zu machen.

HELENA

Be not afraid that I your hand should take;
I'll never do you wrong for your own sake:
Blessing upon your vows! and in your bed
Find fairer fortune, if you ever wed!

Sorgt nicht, ich lasse Eure Hand schon fahren,
Ich will Euch die Verlegenheit ersparen.
Heil Eurer Wahl! Eu'r Lieben zu beglücken,
Mög' ein schönre Braut Eu'r Lager schmücken!

LAFEU

These boys are boys of ice, they'll none have her: sure, they are bastards to the English; the French ne'er got 'em.

Das junge Volk ist von Eis, keiner will sie. Ganz gewiß sind sie englische Bastarde; Franzosen haben sie nicht gezeugt.

HELENA

You are too young, too happy, and too good,
To make yourself a son out of my blood.

Ihr seid zu jung, zu glücklich, und zu gut,
Ich wünsch' Euch keinen Sohn aus meinem Blut.

Fourth Lord

Fair one, I think not so.

Schöne, so denk' ich nicht.

LAFEU

There's one grape yet; I am sure thy father drunk wine: but if thou be'st not an ass, I am a youth of fourteen; I have known thee already.

Da ist noch eine Traube; ich weiß gewiß, dein Vater trank Wein: wenn du aber nicht ein Esel bist, so bin ich ein Junge von vierzehn. Ich kenne dich schon.

HELENA

[To BERTRAM] I dare not say I take you; but I give
Me and my service, ever whilst I live,
Into your guiding power. This is the man.

Ich sage nicht, ich nehm' Euch; doch ich gebe
Mich selbst und meine Pflicht, solang' ich lebe,
In Eure edle Hand. Dies ist der Mann. -

KING

Why, then, young Bertram, take her; she's thy wife.

Nimm sie denn, junger Bertram, als Gemahlin!

BERTRAM

My wife, my liege! I shall beseech your highness,
In such a business give me leave to use
The help of mine own eyes.

Gemahlin, gnäd'ger Herr? Mein Fürst, vergönnt,
In solcherlei Geschäft laßt mich gebrauchen
Die eignen Augen!

KING

Know'st thou not, Bertram,
What she has done for me?

Bertram, weißt du nicht,
Was sie für mich getan?

BERTRAM

Yes, my good lord;
But never hope to know why I should marry her.

Ja, großer König;
Doch folgt daraus, daß ich mich ihr vermähle?

KING

Thou know'st she has raised me from my sickly bed.

Du weißt, sie half mir auf vom Krankenbett.

BERTRAM

But follows it, my lord, to bring me down
Must answer for your raising? I know her well:
She had her breeding at my father's charge.
A poor physician's daughter my wife! Disdain
Rather corrupt me ever!

Und soll ich deshalb selbst zum Tod erkranken,
Weil sie Euch hergestellt? Ich kenne sie,
Mein Vater ließ als Waise sie erziehn:
Des armen Arztes Kind mein Weib! - Weit lieber
Verzehre mich die Schmach!

KING

'Tis only title thou disdain'st in her, the which
I can build up. Strange is it that our bloods,
Of colour, weight, and heat, pour'd all together,
Would quite confound distinction, yet stand off
In differences so mighty. If she be
All that is virtuous, save what thou dislikest,
A poor physician's daughter, thou dislikest
Of virtue for the name: but do not so:
From lowest place when virtuous things proceed,
The place is dignified by the doer's deed:
Where great additions swell's, and virtue none,
It is a dropsied honour. Good alone
Is good without a name. Vileness is so:
The property by what it is should go,
Not by the title. She is young, wise, fair;
In these to nature she's immediate heir,
And these breed honour: that is honour's scorn,
Which challenges itself as honour's born
And is not like the sire: honours thrive,
When rather from our acts we them derive
Than our foregoers: the mere word's a slave
Debosh'd on every tomb, on every grave
A lying trophy, and as oft is dumb
Where dust and damn'd oblivion is the tomb
Of honour'd bones indeed. What should be said?
If thou canst like this creature as a maid,
I can create the rest: virtue and she
Is her own dower; honour and wealth from me.

Den Stand allein verachtest du, den ich
Erhöhn kann. Seltsam ist's, daß unser Blut
Vermischte man's - an Farbe, Wärm' und Schwere
Den Unterschied verneint, und doch so mächtig
Sich trennt durch Vorurteil. Ist jene wirklich
Von reiner Tugend, und verschmähst du nur
Des armen Arztes Kind, - so schmähst du Tugend
Um eines Namens willen. Das sei fern!
Wo Tugend wohnt, und wär's am niedern Herd,
Wird ihre Heimat durch die Tat verklärt.
Erhabner Rang bei sündlichem Gemüte
Gibt schwülstig hohle Ehre: wahre Güte
Bleibt gut auch ohne Rang, das Schlechte schlecht;
Nach innerm Kern und Wesen fragt das Recht,
Nicht nach dem Stand. Jung, schön, und ohne Tadel,
Schenkt ihr Natur unmittelbaren Adel,
Der Ehre zeugt, wie Ehre den verdammt,
Der sich berühmt, er sei von ihr entstammt,
Und gleicht der Mutter nicht. Der Ehre Saat
Gedeiht weit minder durch der Ahnen Tat,
Als eignen Wert. Das Wort frönt wie ein Sklav'
Jeglicher Gruft, auf jedem Epitaph
Lügt es Trophäen; oft schweigt's, und dem Gedächtnis
Ehrwürd'ger Namen läßt es als Vermächtnis
Vergessenheit und Staub. Folg' meinem Ruf!
Liebst du dies Mädchen, wie Natur sie schuf,
Das andre schaff' ich: Weisheit, Reiz und Zier
Hat sie von Gott; Reichtum und Rang von mir.

BERTRAM

I cannot love her, nor will strive to do't.

Sie lieb' ich nicht und streb' auch nie danach.

KING

Thou wrong'st thyself, if thou shouldst strive to choose.

Unglück dir selber, strebst du mir entgegen!

HELENA

That you are well restored, my lord, I'm glad:
Let the rest go.

Mich freut, mein Fürst, daß Ihr genesen seid;
Das andre laßt! -

KING

My honour's at the stake; which to defeat,
I must produce my power. Here, take her hand,
Proud scornful boy, unworthy this good gift;
That dost in vile misprision shackle up
My love and her desert; that canst not dream,
We, poising us in her defective scale,
Shall weigh thee to the beam; that wilt not know,
It is in us to plant thine honour where
We please to have it grow. Cheque thy contempt:
Obey our will, which travails in thy good:
Believe not thy disdain, but presently
Do thine own fortunes that obedient right
Which both thy duty owes and our power claims;
Or I will throw thee from my care for ever
Into the staggers and the careless lapse
Of youth and ignorance; both my revenge and hate
Loosing upon thee, in the name of justice,
Without all terms of pity. Speak; thine answer.

Zum Pfand steht meine Ehre: sie zu retten,
Mag denn der König sprechen. Nimm sie hin,
Hochmüt'ger Jüngling, unwert solches Guts,
Der du in schnöder Mißachtung verkennst
So meine Gunst wie ihr Verdienst; nicht träumst,
Daß wir, gelegt in ihre leichte Schale,
Dich schnellen bis zum Balken; nicht begreifst,
An mir sei's, deine Ehreda zu pflanzen,
Wo uns ihr Wachsen frommt. Brich deinen Trotz!
Folg' unserm Willen, der dein Wohl bezweckt;
Mißtraue deinem Stolz, und augenblicks
Füg' dich zu eignem Glück dem Lehnsgehorsam,
Den deine Pflicht und unsre Macht erheischt;
Sonst schleudr' ich dich aus meiner Gunst für immer
In den ratlosen Absturz und den Schwindel
Der Jugend und der Torheit; Haß und Rache
Loslassend wider dich im Lauf des Rechts,
Taub jeglichem Erbarmen. Sprich! Gib Antwort! -

BERTRAM

Pardon, my gracious lord; for I submit
My fancy to your eyes: when I consider
What great creation and what dole of honour
Flies where you bid it, I find that she, which late
Was in my nobler thoughts most base, is now
The praised of the king; who, so ennobled,
Is as 'twere born so.

Verzeiht mir, gnäd'ger Herr, denn meine Neigung
Soll Euerm Wink sich fügen. Überleg' ich,
Welch große Schöpfung, welches Maß von Ehre
Folgt Euerm Wort, so find' ich sie, noch jüngst
Gering in meinem Wahne, jetzt gepriesen
Vom König selbst, und so durch ihn geadelt,
Als wär' sie ebenbürtig.

KING

Take her by the hand,
And tell her she is thine: to whom I promise
A counterpoise, if not to thy estate
A balance more replete.

Reich' die Hand ihr.
Und nenne sie dein Weib, und ich verheiße
Vollwichtigen Ersatz, der deinen Reichtum
Noch überbieten soll.

BERTRAM

I take her hand.

Gib mir die Hand! -

KING

Good fortune and the favour of the king
Smile upon this contract; whose ceremony
Shall seem expedient on the now-born brief,
And be perform'd to-night: the solemn feast
Shall more attend upon the coming space,
Expecting absent friends. As thou lovest her,
Thy love's to me religious; else, does err.
Exeunt all but LAFEU and PAROLLES

Freundliches Glück und deines Königs Gunst
Lächeln auf diesen Bund; des Heiligung,
Rasch folgend diesem plötzlichen Verlöbnis,
Vor Nacht vollzogen sei. Das Hochzeitmahl
Verschieben wir auf spätre Zeit, erwartend
Die fernen Freunde. Wenn dein Herz sie ehrt,
So ist's von echter Treu', sonst höchst verkehrt.
Alle gehn ab, bis auf Lafeu und Parolles.

LAFEU

[Advancing] Do you hear, monsieur? a word with you.

Hört doch, Monsieur, ein Wort mit Euch! -

PAROLLES

Your pleasure, sir?

Was steht zu Dienst?

LAFEU

Your lord and master did well to make his recantation.

Euer Herr und Gebieter tat wohl, daß er sich zur Abbitte entschloß.

PAROLLES

Recantation! My lord! my master!

Zur Abbitte? Mein Herr? Mein Gebieter?

LAFEU

Ay; is it not a language I speak?

Freilich: ist das keine Sprache, die ich rede?

PAROLLES

A most harsh one, and not to be understood without bloody succeeding. My master!

Eine sehr herbe, und kaum verständlich ohne blutige Explikation. Mein Herr?

LAFEU

Are you companion to the Count Rousillon?

Seid Ihr nicht der Begleiter des Grafen Roussillon?

PAROLLES

To any count, to all counts, to what is man.

Jedes Grafen; aller Grafen; aller Leute.

LAFEU

To what is count's man: count's master is of another style.

Aller Leute des Grafen: des Grafen, Herr, will schon mehr sagen.

PAROLLES

You are too old, sir; let it satisfy you, you are too old.

Ihr seid zu alt, Herr, laßt Euch genügen; Ihr seid zu alt!

LAFEU

I must tell thee, sirrah, I write man; to which title age cannot bring thee.

Ich muß dir sagen, Bursch, ich heiße Mann; das ist ein Titel, zu dem das Alter dich nie bringen wird.

PAROLLES

What I dare too well do, I dare not do.

Was ich allzu leicht wage, wag' ich nicht.

LAFEU

I did think thee, for two ordinaries, to be a pretty wise fellow; thou didst make tolerable vent of thy travel; it might pass: yet the scarfs and the bannerets about thee did manifoldly dissuade me from believing thee a vessel of too great a burthen. I have now found thee; when I lose thee again, I care not: yet art thou good for nothing but taking up; and that thou't scarce worth.

Ich hielt dich nach zwei Mahlzeiten für einen leidlich vernünftigen Burschen; du machtest erträglichen Wind von deinen Reisen, das mochte hingehn; aber die Wimpel und Fähnchen an dir brachten mich doch mehr als einmal davon ab, dich für ein Schiff von zu großer Ladung zu achten. Ich habe dich nun gefunden; wenn ich dich wieder verliere, gilt mir's gleich; du bist doch des Aufhebens nicht wert.[148]

PAROLLES

Hadst thou not the privilege of antiquity upon thee,--

Trügst du nicht den Freibrief der Antiquität an dir. ...

LAFEU

Do not plunge thyself too far in anger, lest thou hasten thy trial; which if--Lord have mercy on thee for a hen! So, my good window of lattice, fare thee well: thy casement I need not open, for I look through thee. Give me thy hand.

Stürze dich nicht kopfüber in Ärger, du möchtest sonst deine Prüfung beschleunigen; und wenn ... Gott schenke dir Gnade, du armes Huhn! Und so, mein gutes Gitterfenster, leb wohl! Du brauchst mir deine Laden nicht zu öffnen, ich sehe dich durch und durch. Gib mir deine Hand!

PAROLLES

My lord, you give me most egregious indignity.

Gnädiger Herr, - Ihr bietet mir das Sublimierte der Beleidigung!

LAFEU

Ay, with all my heart; and thou art worthy of it.

Ja, von ganzem Herzen, und du bist ihrer wert.

PAROLLES

I have not, my lord, deserved it.

Ich habe das nicht verdient, gnädiger Herr!

LAFEU

Yes, good faith, every dram of it; and I will not bate thee a scruple.

Ja, weiß Gott, jeden Gran davon, und ich erlasse dir keinen Skrupel.

PAROLLES

Well, I shall be wiser.

Gut, ich will klüger werden.

LAFEU

Even as soon as thou canst, for thou hast to pull at a smack o' the contrary. If ever thou be'st bound in thy scarf and beaten, thou shalt find what it is to be proud of thy bondage. I have a desire to hold my acquaintance with thee, or rather my knowledge, that I may say in the default, he is a man I know.

Das tu', sobald du kannst, denn du schmeckst mir sehr nach dem Gegenteil. Wenn sie dich nächstens einmal mit deiner eignen Sphäre binden und prügeln, so sollst du sehn, was es heißt, auf seine Verbindungen stolz sein. Ich habe Lust, meine Bekanntschaft mir dir fortzusetzen, oder vielmehr meine Kenntnis von dir; damit ich im Notfall sagen könne, den Menschen kenne ich.

PAROLLES

My lord, you do me most insupportable vexation.

Gnädiger Herr, Ihr molestiert mich auf eine höchst verwundende Art.

LAFEU

I would it were hell-pains for thy sake, and my poor doing eternal: for doing I am past: as I will by thee, in what motion age will give me leave.
Exit

Ich wollte, ich könnte dir die ewige Höllenpein schaffen, obgleich die Zeit des Schaffens bei mir vorüber ist; doch so viel verschafft mir mein Alter noch, daß ich dich verlassen kann.
Lafeu geht ab.

PAROLLES

Well, thou hast a son shall take this disgrace off me; scurvy, old, filthy, scurvy lord! Well, I must be patient; there is no fettering of authority. I'll beat him, by my life, if I can meet him with any convenience, an he were double and double a lord. I'll have no more pity of his age than I would of--I'll beat him, an if I could but meet him again.
Re-enter LAFEU

Nun, du hast einen Sohn, der diesen Schimpf von mir abnehmen soll, schäbiger, alter, filziger, schäbiger Herr! - Wohl, ich muß Geduld haben; Ansehn läßt sich nicht in Fesseln legen. Ich will ihn prügeln, bei meinem Leben, wenn ich ihm auf irgend eine passende Art begegnen kann, und wär' es doppelt und dreifach ein vornehmer Herr. Ich will nicht mehr Mitleid mit seinem Alter haben, als mit. .... Ich will ihn prügeln, wenn ich ihm nur wieder begegnen kann.
Lafeu kommt zurück.

LAFEU

Sirrah, your lord and master's married; there's news for you: you have a new mistress.

He, Freund! Euer Herr und Gebieter ist verheiratet: da habt Ihr etwas Neues für Euch; Ihr habt eine neue Gebieterin.

PAROLLES

I most unfeignedly beseech your lordship to make some reservation of your wrongs: he is my good lord: whom I serve above is my master.

Ich ersuche Euer Gnaden höchst unumwunden, mit Euern Beleidigungen etwas an sich zu halten. Er ist mein guter Herr; der, dem ich dort oben diene, ist mein Gebieter.

LAFEU

Who? God?

Wer? Gott?

PAROLLES

Ay, sir.

Ja, Herr.

LAFEU

The devil it is that's thy master. Why dost thou garter up thy arms o' this fashion? dost make hose of sleeves? do other servants so? Thou wert best set thy lower part where thy nose stands. By mine honour, if I were but two hours younger, I'ld beat thee: methinks, thou art a general offence, and every man should beat thee: I think thou wast created for men to breathe themselves upon thee.

Der Satan ist's, der ist dein Gebieter. Was schürzest du deine Arme so auf? Sollen deine Ärmel Hosen vorstellen? Tun das andre Bediente? Du solltest lieber dein Unterteil dahin setzen, wo dir die Nase sitzt. Bei meiner Ehre, wär' ich nur zwei Stunden jünger, ich prügelte dich; mir scheint, du bist ein allgemeines Ärgernis, und jedermann sollte dich prügeln. Ich glaube, du wurdest geschaffen, damit man sich an dir eine Motion machen könne.

PAROLLES

This is hard and undeserved measure, my lord.

Das ist ein rauhes und unverdientes Verfahren, gnädiger Herr!

LAFEU

Go to, sir; you were beaten in Italy for picking a kernel out of a pomegranate; you are a vagabond and no true traveller: you are more saucy with lords and honourable personages than the commission of your birth and virtue gives you heraldry. You are not worth another word, else I'ld call you knave. I leave you.
Exit

Geht doch, Freund! Ihr wurdet in Italien geprügelt, weil Ihr einen Kern aus einem Granatapfel stahlt; Ihr seid ein Landstreicher, und kein echter Reisender: Ihr betragt Euch viel unverschämter mit Edelleuten und Vornehmen, als das Patent Eurer Geburt und Vorzüge Euch die Ahnenprobe gibt. Ihr verdient kein Wort mehr, sonst nennt' ich Euch noch Schurke. Ich verlasse Euch! Er geht.
Bertram tritt auf.

PAROLLES

Good, very good; it is so then: good, very good; let it be concealed awhile.
Re-enter BERTRAM

Gut, sehr gut; mag's drum sein! Gut, sehr gut; es mag eine Zeit lang geheim bleiben! -

BERTRAM

Undone, and forfeited to cares for ever!

Verloren! Ew'gem Unmut preis gegeben!

PAROLLES

What's the matter, sweet-heart?

Was gibt es, lieber Schatz?

BERTRAM

Although before the solemn priest I have sworn, I will not bed her.

Obgleich ich's freilich dem Priester schwur,
Will ich die Ehe nicht vollziehn.

PAROLLES

What, what, sweet-heart?

Was gibt's? Was gibt's, mein Kind?

BERTRAM

O my Parolles, they have married me!
I'll to the Tuscan wars, and never bed her.

O mein Parolles, sie haben mich vermählt!
Ins Feld nach Florenz! Nie mit ihr zu Bett!

PAROLLES

France is a dog-hole, and it no more merits
The tread of a man's foot: to the wars!

Ein Loch für Hund' ist Frankreich, und verdient nicht,
Daß Helden es beschreiten. Auf, ins Feld! -

BERTRAM

There's letters from my mother: what the import is,
I know not yet.

Hier schreibt mir meine Mutter: was sie meldet,
var] Weiß ich noch nicht.

PAROLLES

Ay, that would be known. To the wars, my boy, to the wars!
He wears his honour in a box unseen,
That hugs his kicky-wicky here at home,
Spending his manly marrow in her arms,
Which should sustain the bound and high curvet
Of Mars's fiery steed. To other regions
France is a stable; we that dwell in't jades;
Therefore, to the war!

Das zeigt sich schon. Ins Feld, mein Sohn, ins Feld!
Dem bleibt die Her' unsichtbar in der Tasche,
Der hier zu Hause herzt den Seelenschatz,
In dessen Arm sein männlich Mark vergeudend,
Das den Galopp und hohen Sprung von Mars'
Feurigem Roß aushalten soll. Hinaus!
In ferne Zonen! Frankreich ist ein Stall,
Und wir die Mähren drin: drum fort ins Feld!

BERTRAM

It shall be so: I'll send her to my house,
Acquaint my mother with my hate to her,
And wherefore I am fled; write to the king
That which I durst not speak; his present gift
Shall furnish me to those Italian fields,
Where noble fellows strike: war is no strife
To the dark house and the detested wife.

So soll's geschehn: ich sende sie nach Haus,
Der Mutter offenbar' ich meinen Abscheu,
Und was mich trieb von hier; dem König schreib' ich,
Was ich zu sagen fürchte. Seine Mitgift
Schafft mir die Mittel zum toskan'schen Krieg,
Wo Ritter kämpfen. Krieg wird Zeitvertreib
Bei solchem Hauskreuz und verhaßtem Weib.

PAROLLES

Will this capriccio hold in thee? art sure?

Und bleibt dir solch Capriccio auch gewiß?

BERTRAM

Go with me to my chamber, and advise me.
I'll send her straight away: to-morrow
I'll to the wars, she to her single sorrow.

Geh mit mir auf mein Zimmer, rate mir!
Sie soll sogleich hinweg; ich gehe morgen
Ins Feld; sie lass' ich einsam ihren Sorgen.

PAROLLES

Why, these balls bound; there's noise in it. 'Tis hard:
A young man married is a man that's marr'd:
Therefore away, and leave her bravely; go:
The king has done you wrong: but, hush, 'tis so.
Exeunt

Heissa, wie springt der Ball und lärmt! Dein Eh'stand,
Mein armer Knabe, ward dir früh zum Wehstand!
Drum fort! Verlaß sie, männlich dich zu zeigen -
Der König kränkt dich - still! Wir müssen schweigen.
Sie gehn ab.

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