Shakespeare
All's Well That Ends Well
Ende gut, alles gut

Act 1 - Scene 3

Rousillon. The COUNT's palace.
Enter COUNTESS, Steward, and Clown.

Roussillon.
Es treten auf die Gräfin, der Haushofmeister und der Narr.


COUNTESS

I will now hear; what say you of this gentlewoman?

Jetzt will ich Euch anhören. - Nun, was sagt Ihr von dem jungen Fräulein?

Steward

Madam, the care I have had to even your content, I wish might be found in the calendar of my past endeavours; for then we wound our modesty and make foul the clearness of our deservings, when of ourselves we publish them.

Gnädige Gräfin, ich wünschte, die Sorgfalt, die ich angewandt, Euer Verlangen zu befriedigen, möchte in den Kalender meiner früheren Bemühungen eingetragen werden; denn wenn wir selbst sie bekannt machen, verwunden wir unsre Bescheidenheit und trüben die helle Reinheit unsrer Verdienste.

COUNTESS

What does this knave here? Get you gone, sirrah: the complaints I have heard of you I do not all believe: 'tis my slowness that I do not; for I know you lack not folly to commit them, and have ability enough to make such knaveries yours.

Was will der Schelm hier? Fort mit Euch, Freund! - Ich will nicht allen Beschwerden glauben, die gegen Euch verlauten: es ist meine Trägheit, daß ich's nicht tue; denn ich weiß, es fehlt Euch nicht an Torheit, solche Schelmstücke zu unternehmen, und Ihr seid geschickt genug, sie auszuführen.

Clown

'Tis not unknown to you, madam, I am a poor fellow.

Es ist Euch nicht unbekannt, gnädige Frau, daß ich ein armer Teufel bin.

COUNTESS

Well, sir.

Nun gut!

Clown

No, madam, 'tis not so well that I am poor, though many of the rich are damned: but, if I may have your ladyship's good will to go to the world, Isbel the woman and I will do as we may.

Nein, gnädige Frau, das eben ist nicht gut, daß ich arm bin (obschon viele von den Reichen zur Hölle fahren): aber wenn Elsbeth es nur bei Euer Gnaden erreicht, daß Ihr sie unter die Haube bringen helft, so wollen wir schon sehn, wie wir als Mann und Frau zusammen fortkommen.

COUNTESS

Wilt thou needs be a beggar?

Willst du denn mit Gewalt ein Bettler werden?

Clown

I do beg your good will in this case.

Ich bettle nur um Eure gnädige Einwilligung in diese Sache.

COUNTESS

In what case?

In welche Sache?

Clown

In Isbel's case and mine own. Service is no heritage: and I think I shall never have the blessing of God till I have issue o' my body; for they say barnes are blessings.

In Elsbeths Sache und meine eigne. Dienst ist keine Erbschaft, und ich denke, ich gelange nicht zu Gottes Segen, bis ich Nachkommenschaft sehe; denn, wie die Leute sagen: Kinder sind ein Segen Gottes.

COUNTESS

Tell me thy reason why thou wilt marry.

Sag mir den Grund, warum du heiraten willst.

Clown

My poor body, madam, requires it: I am driven on by the flesh; and he must needs go that the devil drives.

Mein armes Naturell, gnädige Frau, verlangt es. Mich treibt mein Fleisch dazu, und wen der Teufel treibt, der muß wohl gehn.

COUNTESS

Is this all your worship's reason?

Und das ist alle Ursach', die Eu'r Gnaden hat?

Clown

Faith, madam, I have other holy reasons such as they are.

Die Wahrheit zu sagen, ich habe noch andre heilige Ursachen, wie sie nun so sind.

COUNTESS

May the world know them?

Darf die Welt sie wissen?

Clown

I have been, madam, a wicked creature, as you and all flesh and blood are; and, indeed, I do marry that I may repent.

Ich bin eine sündige Kreatur gewesen, gnädige Frau, gerade wie Ihr, und wie alles Fleisch und Blut; und mit einem Wort, ich will heiraten, damit ich bereuen könne.

COUNTESS

Thy marriage, sooner than thy wickedness.

Deine Heirat mehr als deine Sündhaftigkeit.

Clown

I am out o' friends, madam; and I hope to have friends for my wife's sake.

Es fehlt mir an Freunden, gnädige Frau, und ich hoffe, um meiner Frau willen Freunde zu finden.

COUNTESS

Such friends are thine enemies, knave.

Solche Freunde sind deine Feinde, Bursch!

Clown

You're shallow, madam, in great friends; for the knaves come to do that for me which I am aweary of. He that ears my land spares my team and gives me leave to in the crop; if I be his cuckold, he's my drudge: he that comforts my wife is the cherisher of my flesh and blood; he that cherishes my flesh and blood loves my flesh and blood; he that loves my flesh and blood is my friend: ergo, he that kisses my wife is my friend. If men could be contented to be what they are, there were no fear in marriage; for young Charbon the Puritan and old Poysam the Papist, howsome'er their hearts are severed in religion, their heads are both one; they may jowl horns together, like any deer i' the herd.

Ihr versteht Euch wenig auf gute Freunde, gnädige Frau; denn die Schelme werden das für mich tun, was mir zu viel wird. Wer mein Land ackert, spart mir mein Gespann und schafft mir Zeit, die Frucht unter Dach zu bringen; wenn ich sein Hahnrei bin, ist er mein Knecht. Wer mein Weib tröstet, sorgt für mein Fleisch und Blut; wer für mein Fleisch und Blut sorgt, liebt mein Fleisch und Blut; wer mein Fleisch und Blut liebt, ist mein Freund: ergo wer meine Frau küßt, ist mein Freund. Wären die Leute nur zufrieden, das zu sein, was sie einmal sind, so gäbe es keine Skrupel in der Ehe: denn Charbon. Der junge Puritaner, und Meister Poysam, der alte Papist, wie verschieden ihre Herzen auch in der Religion sind, läuft's doch mit ihren Köpfen auf eins hinaus; sie können sich mit ihren Hörnern knuffen, so gut, wie irgendein Bock in der Herde.

COUNTESS

Wilt thou ever be a foul-mouthed and calumnious knave?

Willst du immer ein frecher, verleumderischer Schelm bleiben?

Clown

A prophet I, madam; and I speak the truth the next way:
For I the ballad will repeat,
Which men full true shall find;
Your marriage comes by destiny,
Your cuckoo sings by kind.

Ein Prophet, gnädige Frau; ich rede die Wahrheit ohne Umschweif:
Gedenkt nur an das alte Lied,
Es gilt noch heut wie gestern:
Was einmal sein soll, das geschieht,
Der Kuckuck sucht nach Nestern.

COUNTESS

Get you gone, sir; I'll talk with you more anon.

Geht nur, Freund, ich will die Sache ein ander Mal mit Euch verhandeln.

Steward

May it please you, madam, that he bid Helen come to you: of her I am to speak.

Wär' es Euer Gnaden nicht gefällig, daß er Helena zu Euch riefe: ich wollte von ihr reden.

COUNTESS

Sirrah, tell my gentlewoman I would speak with her; Helen, I mean.

Freund, geh und sag dem jungen Fräulein, ich wolle sie sprechen: ich meine Helena.

Clown

Was this fair face the cause, quoth she,
Why the Grecians sacked Troy?
Fond done, done fond,
Was this King Priam's joy?
With that she sighed as she stood,
With that she sighed as she stood,
And gave this sentence then;
Among nine bad if one be good,
Among nine bad if one be good,
There's yet one good in ten.

singt.Verdient die Schöne, sprach sie dann,
Daß Troja ward zerstört?
O Narretei, o Narretei,
Herr Priam ward betört!
Worauf sie seufzt und weinen tut,
Worauf sie seufzt und weinen tut,
Und spricht: Da könnt ihr sehn,
Ist von neun Schlimmen eine gut,
Ist von neun Schlimmen eine gut,
Ist's eine doch von zehn.

COUNTESS

What, one good in ten? you corrupt the song, sirrah.

Was? Eine gut von zehn? Du verdrehst ja das Lied, Bursch.

Clown

One good woman in ten, madam; which is a purifying o' the song: would God would serve the world so all the year! we'ld find no fault with the tithe-woman, if I were the parson. One in ten, quoth a'! An we might have a good woman born but one every blazing star, or at an earthquake, 'twould mend the lottery well: a man may draw his heart out, ere a' pluck one.

Eine gute Frau unter zehnen, Gräfin, das heißt ja die Ballade verbessern. Wollte Gott nur alle Jahr so viel tun, so hätte ich über die Weiberzehnten nicht zu klagen, wenn ich der Pfarrer wäre. Eine unter zehnen? Das glaub' ich! Wenn uns nur jeder Komet eine gute Frau brächte, oder jedes Erdbeben, so stände es schon ein gut Teil besser um die Lotterie: jetzt kann sich einer das Herz aus dem Leibe ziehn, ehe er eine trifft.

COUNTESS

You'll be gone, sir knave, and do as I command you.

Werdet Ihr bald gehn, Herr Taugenichts, und tun, was ich Euch befahl?

Clown

That man should be at woman's command, and yet no hurt done! Though honesty be no puritan, yet it will do no hurt; it will wear the surplice of humility over the black gown of a big heart. I am going, forsooth: the business is for Helen to come hither.
Exit

Daß ein Mann einer Evastochter gehorchen muß, und es erfolgt kein Ärgernis! Zwar ist Ehrlichkeit kein Puritaner, aber dennoch soll sie diesmal kein Ärgernis geben und den weißen Chorrock der Demut über dem schwarzen Priesterkleide ihres unmutigen Herzens tragen. Ich gehe, verlaßt Euch drauf: ich soll an Helena sagen, hieher zu kommen.
Ab.

COUNTESS

Well, now.

Nun, also?

Steward

I know, madam, you love your gentlewoman entirely.

Ich weiß, gnädige Frau, Ihr liebt Euer Fräulein von Herzen.

COUNTESS

Faith, I do: her father bequeathed her to me; and she herself, without other advantage, may lawfully make title to as much love as she finds: there is more owing her than is paid; and more shall be paid her than she'll demand.

Allerdings; ihr Vater hinterließ sie mir, und sie selbst kann, abgesehn von ihren Vorzügen, mit allem Recht auf so viel Liebe Anspruch machen, als sie bei mir findet. Ich bin ihr mehr schuldig, als ich ihr zahle, und werde ihr mehr zahlen, als sie fodern wird.

Steward

Madam, I was very late more near her than I think she wished me: alone she was, and did communicate to herself her own words to her own ears; she thought, I dare vow for her, they touched not any stranger sense. Her matter was, she loved your son: Fortune, she said, was no goddess, that had put such difference betwixt their two estates; Love no god, that would not extend his might, only where qualities were level; Dian no queen of virgins, that would suffer her poor knight surprised, without rescue in the first assault or ransom afterward. This she delivered in the most bitter touch of sorrow that e'er I heard virgin exclaim in: which I held my duty speedily to acquaint you withal; sithence, in the loss that may happen, it concerns you something to know it.

Gnädige Frau, ich war ihr neulich näher, als sie vermutlich wünschen mochte; sie war allein und sprach mit sich selbst, ihr eignes Wort ihrem eignen Ohr; sie glaubte - das darf ich wohl beschwören -, es werde von keinem Fremden vernommen. Der Inhalt war: sie liebe Euern Sohn. Fortuna, sagte sie, sei keine Göttin, weil sie eine so weite Kluft zwischen ihren Verhältnissen errichtet habe; Amor kein Gott, weil er seine Macht nicht weiter ausdehne, als auf gleichen Stand; Diana keine Königin der Jungfrauen, weil sie zugebe, daß ihre armen Nymphen überrascht werden, ohne Schutzwehr für den ersten Angriff, noch Entsatz im ferneren Kampf. Dies klagte sie mit dem Ausdruck des bittersten Schmerzes, in dem ich je ein Mädchen habe weinen hören. Ich hielt es für meine Pflicht, Euch eiligst davon zu unterrichten: sintemal, wenn hieraus ein Unglück entstehen sollte, es Euch gewissermaßen wichtig ist, vorher davon zu erfahren.

COUNTESS

You have discharged this honestly; keep it to yourself: many likelihoods informed me of this before, which hung so tottering in the balance that I could neither believe nor misdoubt. Pray you, leave me: stall this in your bosom; and I thank you for your honest care: I will speak with you further anon.
Exit Steward
Enter HELENA
Even so it was with me when I was young:
If ever we are nature's, these are ours; this thorn
Doth to our rose of youth rightly belong;
Our blood to us, this to our blood is born;
It is the show and seal of nature's truth,
Where love's strong passion is impress'd in youth:
By our remembrances of days foregone,
Such were our faults, or then we thought them none.
Her eye is sick on't: I observe her now.

Ihr habt dies mit Redlichkeit ausgerichtet; behaltet's nun für Euch! Schon vorher hatten mich manche Vermutungen hierauf geführt; sie hingen aber so schwankend in der Waagschale, daß ich weder glauben noch zweifeln konnte. Ich bitte Euch, verlaßt mich nun! Verschließt dies alles in Eurer Brust, und ich danke Euch für Eure redliche Sorgfalt; ich will hernach weiter mit Euch darüber sprechen.
Haushofmeister ab.
Helena tritt auf.
So mußt' ich's, als ich jung war, auch erleben:
Natur verlangt ihr Recht; der scharf Dorn
Ward gleich der Jugendrose mitgegeben,
Die Leidenschaft quillt aus des Blutes Born.
Natur bewährt am treusten ihre Kraft,
Wo Jugend glüht in starker Leidenschaft;
Und denk' ich jetzt der Fehl' in vor'gen Stunden,
Hab' ich den Irrtum damals nicht gefunden. -
- Es macht ihr Auge krank, ich seh' es wohl.

HELENA

What is your pleasure, madam?

Was wünscht Ihr, gnäd'ge Frau?

COUNTESS

You know, Helen, I am a mother to you.

Du weißt, mein Kind, ich bin dir eine Mutter.

HELENA

Mine honourable mistress.

Meine verehrte Herrin!

COUNTESS

Nay, a mother:
Why not a mother? When I said 'a mother,'
Methought you saw a serpent: what's in 'mother,'
That you start at it? I say, I am your mother;
And put you in the catalogue of those
That were enwombed mine: 'tis often seen
Adoption strives with nature and choice breeds
A native slip to us from foreign seeds:
You ne'er oppress'd me with a mother's groan,
Yet I express to you a mother's care:
God's mercy, maiden! does it curd thy blood
To say I am thy mother? What's the matter,
That this distemper'd messenger of wet,
The many-colour'd Iris, rounds thine eye?
Why? that you are my daughter?

Eine Mutter -
Warum nicht Mutter? Bei dem Worte: Mutter
Schien's, eine Schlange sähst du: wie erschreckt dich
Der Name Mutter? Ich sage, deine Mutter;
Und trage dich in das Verzeichnis derer,
Die ich gebar. Wetteifern sehn wir oft
Pflegkindschaft mit Natur, und wundersam
Eint sich der fremde Zweig dem eignen Stamm;
Mich quälte nie um dich der Mutter Ächzen,
Doch zahlt' ich dir der Mutter Liebe dar -
Um's Himmels willen, Kind! Erstarrt dein Blut,
Weil ich dich grüß' als Mutter? Sag, wie kommt's,
Daß dir die kranke Heroldin des Weinens,
Die mannigfarb'ge Iris, kränzt dein Auge? -
Weil du mir Tochter bist?

HELENA

That I am not.

Das bin ich nicht! -

COUNTESS

I say, I am your mother.

Bin ich nicht deine Mutter?

HELENA

Pardon, madam;
The Count Rousillon cannot be my brother:
I am from humble, he from honour'd name;
No note upon my parents, his all noble:
My master, my dear lord he is; and I
His servant live, and will his vassal die:
He must not be my brother.

Ach, verzeiht! -
Graf Roussillon kann nie mein Bruder sein;
Ich bin von niederm, er vom höchsten Blut;
Mein Stamm gering, der seine hochberühmt:
Er ist mein Herr und Fürst: mein ganzes Leben
Hab' ich als Dienerin ihm treu ergeben:
Nennt ihn nicht meinen Bruder; -

COUNTESS

Nor I your mother?

Und mich nicht Mutter?

HELENA

You are my mother, madam; would you were,--
So that my lord your son were not my brother,--
Indeed my mother! or were you both our mothers,
I care no more for than I do for heaven,
So I were not his sister. Can't no other,
But, I your daughter, he must be my brother?

Ja, meine Mutter seid Ihr; wärt Ihr doch
- Müßt' Euer Sohn nur nicht mein Bruder sein! -
Ganz meine Mutter; wärt uns beiden Mutter:
Das wünscht' ich, wie ich mir den Himmel wünsche:
Nur ich nicht seine Schwester! Ist's nur dann vergönnt,
Wenn er mir Bruder wird, daß Ihr mich Tochter nennt?

COUNTESS

Yes, Helen,
You might be my daughter-in-law:
God shield you mean it not! daughter and mother
So strive upon your pulse. What, pale again?
My fear hath catch'd your fondness: now I see
The mystery of your loneliness, and find
Your salt tears' head: now to all sense 'tis gross
You love my son; invention is ashamed,
Against the proclamation of thy passion,
To say thou dost not: therefore tell me true;
But tell me then, 'tis so; for, look thy cheeks
Confess it, th' one to th' other; and thine eyes
See it so grossly shown in thy behaviors
That in their kind they speak it: only sin
And hellish obstinacy tie thy tongue,
That truth should be suspected. Speak, is't so?
If it be so, you have wound a goodly clew;
If it be not, forswear't: howe'er, I charge thee,
As heaven shall work in me for thine avail,
Tell me truly.

Wohl, Helena!
Du könntest meine Schwiegertochter sein. -
Hilf Gott! Du denkst es wohl? Mutter und Tochter
Stürmt so auf deinen Puls: nun wieder bleich?
Mein Argwohn hat dein Herz durchschaut; nun ahnd' ich
Das Rätsel deiner Einsamkeit, die Quelle
Der bittern Tränen: offenbar nun seh' ich,
Du liebst ihn, meinen Sohn: Verstellung schämt sich,
Dem lautern Ruf der Leidenschaft entgegen,
Mir nein zu sagen; darum sprich die Wahrheit:
Sag mir, so ist's; denn deine Wangen, Kind,
Bekennen's gegenseitig; deine Augen
Sehn es so klar in deinem Tun geschrieben,
Daß sie vernehmlich reden; nur die Zunge
Fesseln dir Sünd' und höll'scher Eigensinn,
Die Wahrheit noch zu hehlen. Ist's nicht so?
Wenn's ist, so schürztest du 'nen wackern Knoten!
Ist's nicht, so schwöre: Nein; doch wie's auch sei,
Wie Gott mir helfen mag dir beizustehn,
Ich fodre, daß du Wahrheit sagst.

HELENA

Good madam, pardon me!

Verzeihung!

COUNTESS

Do you love my son?

Sprich! Liebst du Bertram?

HELENA

Your pardon, noble mistress!

Teure Frau, verzeiht!

COUNTESS

Love you my son?

Liebst du ihn?

HELENA

Do not you love him, madam?

Liebst du ihn?

COUNTESS

Go not about; my love hath in't a bond,
Whereof the world takes note: come, come, disclose
The state of your affection; for your passions
Have to the full appeach'd.

Das frag' ich nicht. Ich habe Pflicht und Grund
Vor aller Welt für mein Gefühl. Nun wohl!
Entdecke mir dein Herz; denn allzu laut
Verklagt dich deine Unruh'.

HELENA

Then, I confess,
Here on my knee, before high heaven and you,
That before you, and next unto high heaven,
I love your son.
My friends were poor, but honest; so's my love:
Be not offended; for it hurts not him
That he is loved of me: I follow him not
By any token of presumptuous suit;
Nor would I have him till I do deserve him;
Yet never know how that desert should be.
I know I love in vain, strive against hope;
Yet in this captious and intenible sieve
I still pour in the waters of my love
And lack not to lose still: thus, Indian-like,
Religious in mine error, I adore
The sun, that looks upon his worshipper,
But knows of him no more. My dearest madam,
Let not your hate encounter with my love
For loving where you do: but if yourself,
Whose aged honour cites a virtuous youth,
Did ever in so true a flame of liking
Wish chastely and love dearly, that your Dian
Was both herself and love: O, then, give pity
To her, whose state is such that cannot choose
But lend and give where she is sure to lose;
That seeks not to find that her search implies,
But riddle-like lives sweetly where she dies!

So bekenn' ich
Hier auf den Knieen vor Euch und Gott dem Herrn,
Daß ich vor Euch und nächst dem Herrn des Himmels
Ihn einzig liebe. Arm, doch tugendhaft
War mein Geschlecht: so ist mein Lieben auch.
Seid nicht erzürnt, es bringt ihm keine Kränkung,
Von mir geliebt zu sein: nie offenbart' ich
Ein Zeichen ihm zudringlicher Bewerbung;
Ich wünsch' ihn nicht, eh' ich ihn mir verdient,
Und ahnde nicht, wie ich ihn je verdiente!
Ich weiß, ich lieb' umsonst, streb' ohne Hoffnung;
Und doch, in dies unhaltbar lockre Sieb
Gieß' ich beständig meiner Liebe Flut,
Die nimmer doch erschöpft wird: gleich dem Indier,
Gläubig in frommem Wahne flehend, ruf' ich
Die Sonne an, die auf den Beter schaut,
Ohne von ihm zu wissen. Teure Herrin,
Laßt Euren Haß nicht meine Liebe treffen,
Weil sie dasselbe liebt wie Ihr. Nein, habt Ihr
Eu'r würdig Alter bürgt die lautre Jugend -
Jemals in solcher reinen Glut der Neigung
Treulich geliebt und keusch gehofft - daß Diana
Eins schien mit Eurer Lieb' - oh, dann hegt Mitleid
Für sie, die ohne Wahl und Hoffnung liebt,
Alles verlierend, stets von neuem gibt;
Nie zu besitzen hofft, wonach sie strebt,
Und rätselgleich in süßem Sterben lebt.

COUNTESS

Had you not lately an intent,--speak truly,--
To go to Paris?

Warst du nicht neulich Willens, nach Paris
Zu reisen? Sprich die Wahrheit!

HELENA

Madam, I had.

Gnäd'ge Frau, das war ich.

COUNTESS

Wherefore? tell true.

Und in welcher Absicht? Sag mir's!

HELENA

I will tell truth; by grace itself I swear.
You know my father left me some prescriptions
Of rare and proved effects, such as his reading
And manifest experience had collected
For general sovereignty; and that he will'd me
In heedfull'st reservation to bestow them,
As notes whose faculties inclusive were
More than they were in note: amongst the rest,
There is a remedy, approved, set down,
To cure the desperate languishings whereof
The king is render'd lost.

So hört: ich schwör's Euch bei der ew'gen Gnade!
Ihr wißt, mein Vater ließ Vorschriften mir
Von seltner Wunderkraft, wie seiner Forschung
Vielfache Prüfung als untrüglich sie
Bewährt erfand: die hat er mir vererbt,
Sie in geheimster Obhut zu bewahren,
Als Schätze, deren Kern und innrer Wert
Weit über alle Schätzung. Unter diesen
Ist ein Arkan verzeichnet, viel erprobt,
Als Gegenmittel jener Todeskrankheit,
An der der König hinwelkt.

COUNTESS

This was your motive
For Paris, was it? speak.

Dies bestimmte
Dich nach Paris zu gehn?

HELENA

My lord your son made me to think of this;
Else Paris and the medicine and the king
Had from the conversation of my thoughts
Haply been ent then.

Der junge Graf ließ mich daran gedenken,
Sonst hätten wohl Paris, Arznei und König
In meiner Seele Werkstatt keinen Eingang
Gefunden.

COUNTESS

But think you, Helen,
If you should tender your supposed aid,
He would receive it? he and his physicians
Are of a mind; he, that they cannot help him,
They, that they cannot help: how shall they credit
A poor unlearned virgin, when the schools,
Embowell'd of their doctrine, have left off
The danger to itself?

Glaubst du wirklich, Helena,
Wenn du ihm dein vermeintes Mittel böt'st,
Er werd' es nehmen? - Er und seine Ärzte
Sind eines Sinns: Er, keiner könn' ihm helfen,
Sie: keine Hülfe gäb's. Wie trauten sie
'nem armen Mädchen, wenn die Schule selbst
In ihrer Weisheit Dünkel die Gefahr
Sich selber überläßt?

HELENA

There's something in't,
More than my father's skill, which was the greatest
Of his profession, that his good receipt
Shall for my legacy be sanctified
By the luckiest stars in heaven: and, would your honour
But give me leave to try success, I'ld venture
The well-lost life of mine on his grace's cure
By such a day and hour.

Mich treibt ein Glaube
Mehr noch als meines Vaters Kunst (des größten
In seinem Fach), daß sein vortrefflich Mittel,
Auf mich vererbt, von glücklichen Gestirnen
Geheiligt werden soll: und will Eu'r Gnaden
Mir den Versuch gestatten, setz' ich gern
Mein Haupt zum Unterpfand für unsres Herrn
Genesung zur bestimmten Zeit.

COUNTESS

Dost thou believe't?

Das glaubst du?

HELENA

Ay, madam, knowingly.

Ja, gnäd'ge Frau, gewißlich.

COUNTESS

Why, Helen,
Thou shalt have my leave and love,
Means and attendants and my loving greetings
To those of mine in court: I'll stay at home
And pray God's blessing into thy attempt:
Be gone to-morrow; and be sure of this,
What I can help thee to thou shalt not miss.
Exeunt

Nun, wohlan!
So geb' ich Urlaub dir und Liebe mit,
Geld und Gefolg' und Gruß an meine Freunde
Am Hofe dort; ich bleib' indes daheim
Und fleh' um Gottes Segen für dein Werk.
Auf morgen geh, und glaub' mit Zuversicht:
Wo ich's vermag, fehlt dir mein Beistand nicht.
Beide gehn ab.

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