Shakespeare
All's Well That Ends Well
Ende gut, alles gut

Act 1 - Scene 1

Rousillon. The COUNT's palace.
Enter young Bertram, Count of Rossillion, his mother the Countess, Helena, and Lord Lafew; all in black.

Roussillon.
Es treten auf Bertram, die Gräfin von Roussillon, Helena und Lafeu, sämtlich in Trauer.


COUNTESS

In delivering my son from me, I bury a second husband.

Indem ich meinen Sohn in die Welt schicke, begrabe ich einen zweiten Gemahl.

BERTRAM

And I in going, madam, weep o'er my father's death anew; but I must attend his majesty's command, to whom I am now in ward, evermore in subjection.

Und ich, indem ich gehe, teure Mutter, beweine meines Vaters Tod aufs neue; aber ich muß dem Befehl des Königs gehorchen, dessen Mündel ich jetzt, so wie für immer sein Vasall bin.

LAFEW

You shall find of the King a husband, madam; you, sir, a father. He that so generally is at all times good must of necessity hold his virtue to you, whose worthiness would stir it up where it wanted, rather than lack it where there is such abundance.

Ihr, gnädige Frau, werdet an dem Könige einen Gemahl finden; Ihr, Graf, einen Vater. Er, der so unbedingt zu allen Zeiten gut ist, muß notwendig auch gegen Euch sich so bewähren, denn Euer Wert würde seine Tugend erwecken, selbst wenn sie mangelte; und um so weniger wird diese Euch entstehn, da er sie im Überfluß besitzt.

COUNTESS

What hope is there of his majesty's amendment?

Was für Hoffnung hat man für die Besserung Seiner Majestät?

LAFEW

He hath abandoned his physicians, madam, under whose practices he hath persecuted time with hope, and finds no other advantage in the process but only the losing of hope by time.

Er hat seine Ärzte verabschiedet, gnädige Frau, unter deren Behandlung er die Zeit mit Hoffnung verschwendet und in ihrem Verlauf nur das gewonnen hatte, daß er mit der Zeit auch die Hoffnung verlor.

COUNTESS

This young gentlewoman had a father - O that 'had,' how sad a passage 'tis! - whose skill was almost as great as his honesty; had it stretched so far, would have made nature immortal, and death should have play for lack of work. Would for the King's sake he were living! I think it would be the death of the King's disease.

Dieses junge Mädchen hatte einen Vater - (oh, dies 'hatte'! - welcher traurige Gedanke liegt darin!), dessen Talent fast so groß war als seine Rechtschaffenheit. Wäre es ihr ganz gleich gekommen, es hätte die Natur unsterblich gemacht, und der Tod, aus Mangel an Arbeit, hätte sich dem Spiel ergeben. Ich wünschte um des Königs willen, er lebte noch; ich glaube, das würde für des Königs Krankheit der Tod sein.

LAFEW

How called you the man you speak of, madam?

Wie hieß der Arzt, von dem Ihr redet, gnädige Frau?

COUNTESS

He was famous, sir, in his profession, and it was his great right to be so: Gerard de Narbon.

Er war in seiner Kunst hochberühmt, und zwar mit größtem Recht: Gerhard von Narbonne.

LAFEW

He was excellent indeed, madam. The King very lately spoke of him admiringly, and mourningly. He was skilful enough to have lived still, if knowledge could be set up against mortality.

Allerdings war er ein vortrefflicher Mann, gnädige Frau; der König sprach noch neulich von ihm mit Bewund'rung und Bedauern. Er war geschickt genug, um immer zu leben, wenn Wissenschaft gegen Sterblichkeit in die Schranken treten könnte.

BERTRAM

What is it, my good lord, the King languishes

Und woran leidet der König, mein teurer Herr?

LAFEW

A fistula, my lord.

An einer Fistel, Herr Graf.

BERTRAM

I heard not of it before.

Davon habe ich noch nie gehört.

LAFEW

I would it were not notorious. Was this gentlewoman the daughter of Gerard de Narbon?

Ich wollte, es wüßte niemand davon! - War dies junge Mädchen die Tochter Gerhards von Narbonne? -

COUNTESS

His sole child, my lord, and bequeathed to my overlooking. I have those hopes of her good, that her education promises her dispositions she inherits - which makes fair gifts fairer; for where an unclean mind carries virtuous qualities, there commendations go with pity: they are virtues and traitors too. In her they are the better for their simpleness. She derives her honesty and achieves her goodness.

Sein einziges Kind, Herr Ritter, und meiner Aufsicht anvertraut. Ich hoffe, sie wird durch ihre Güte erfüllen, was ihre Erziehung verspricht; ihre Anlagen sind ihr angeerbt, und dadurch werden schöne Gaben noch schöner: denn wenn ein unlautres Gemüt herrliche Fähigkeiten besitzt, so lobt man, indem man bedauert: es sind Vorzüge und zugleich Verräter; in ihr aber stehen sie um so höher wegen ihrer Reinheit. - Ihre Tugend ist ihr angestammt, ihre Herzensgüte hat sie sich erworben.

LAFEW

Your commendations, madam, get from her tears.

Eure Lobsprüche, gnädige Frau, entlocken ihr Tränen! -

COUNTESS

'Tis the best brine a maiden can season her praise in. The remembrance of her father never approaches her heart but the tyranny of her sorrows takes all livelihood from her cheek. No more of this, Helena; go to, no more, lest it be rather thought you affect a sorrow than to have't.

Das beste Salz, womit ein Mädchen ihr Lob würzen kann. Das Gedächtnis ihres Vaters kommt nie in ihr Herz, ohne daß die Tyrannei ihres Kummers alle Farbe des Lebens von ihrer Wange nimmt. Nicht mehr so, meine Helena! Nicht so! Damit man nicht glaube, du pflegst traurig zu scheinen, ohne es zu sein!

HELENA

I do affect a sorrow indeed, but I have it too.

Allerdings pflege ich meine Trauer, aber ich bin auch traurig.

LAFEW

Moderate lamentation is the right of the dead, excessive grief the enemy to the living.

Gemäßigte Klage ist das Recht des Toten; übertriebener Gram der Feind des Lebenden.

COUNTESS

If the living be enemy to the grief, the excess makes it soon mortal.

Wenn der Lebende dem Gram erst feind ist, wird diesem das Übermaß bald tödlich werden.

BERTRAM

Madam, I desire your holy wishes.

Teure Mutter, ich bitte um Euer Gebet für mich.

LAFEW

How understand we that?

indem er Helena ansieht
Wie verstehn wir das?

COUNTESS

Be thou blessed, Bertram, and succeed thy father
In manners as in shape! Thy blood and virtue
Contend for empire in thee, and thy goodness
Share with thy birthright! Love all, trust a few,
Do wrong to none. Be able for thine enemy
Rather in power than use, and keep thy friend
Under thy own life's key. Be checked for silence,
But never taxed for speech. What heaven more will,
That thee may furnish and my prayers pluck down,
Fall on thy head! Farewell. - My lord,
'Tis an unseasoned courtier: good my lord,
Advise him.

Dich segn' ich, Bertram! Gleiche deinem Vater
An Sinn wie an Gestalt; Blut so wie Tugend
Regieren dich gleichmäßig: deine Güte
Entspreche deinem Stamm! Lieb' alle, wen'gen traue;
Beleid'ge keinen; sei dem Feinde furchtbar,
Durch Kraft mehr als Gebrauch; den Freund bewahre
So wie dein Herz! Laß dich zum Schweigen tadeln,
Doch nie um Reden schelten! Was der Himmel
Dir sonst an Segen spenden, und mein Beten
Erflehn mag, fall' auf dieses Haupt! Leb wohl! -
Mein Herr, noch nicht gereift zum Hofmann ist er:
Beratet ihn!-

LAFEW

He cannot want the best
That shall attend his love.

Was meine Lieb' vermag, sei ihm gewährt.

COUNTESS

Heaven bless him! Farewell, Bertram.
Exit.

Der Himmel segne dich! Bertram, leb wohl!
Ab.

BERTRAM

The best wishes that can be forged in your thoughts be servants to you!
(To Helena)
Be comfortable to my mother, your mistress, and make much of her.

zu Helena:
Die besten Wünsche, die in der Werkstatt Eurer Gedanken reifen können, mögen Euch dienstbar sein!
Seid der Trost meiner Mutter, Eurer Gebieterin, und haltet sie wert! -

LAFEW

Farewell, pretty lady. You must hold the credit of your father.
Exeunt Bertram and Lafew.

Lebt wohl, schönes Kind! Ihr müßt den Ruhm Eures Vaters aufrecht erhalten.
Bertram und Lafeu gehn ab.

HELENA

O, were that all! I think not on my father,
And these great tears grace his remembrance more
Than those I shed for him. What was he like?
I have forgot him. My imagination
Carries no favour in't but Bertram's.
I am undone: there is no living, none,
If Bertram be away. 'Twere all one
That I should love a bright particular star
And think to wed it, he is so above me.
In his bright radiance and collateral light
Must I be comforted, not in his sphere.
Th' ambition in my love thus plagues itself:
The hind that would be mated by the lion
Must die for love. 'Twas pretty, though a plague,
To see him every hour, to sit and draw
His arched brows, his hawking eye, his curls,
In our heart's table - heart too capable
Of every line and trick of his sweet favour.
But now he's gone, and my idolatrous fancy
Must sanctify his relics. Who comes here?
Enter Parolles.
One that goes with him. I love him for his sake,
And yet I know him a notorious liar,
Think him a great way fool, solely a coward,
Yet these fixed evils sit so fit in him
That they take place when virtue's steely bones
Look bleak i'th' cold wind. Withal, full oft we see
Cold wisdom waiting on superfluous folly.

Ach, wär's nur das! Des Vaters denk' ich kaum;
Und jener Großen Träne ehrt ihn mehr,
Als seiner Tochter Gram. - Wie sah er aus?
Vergessen hab' ich ihn; kein andres Bild
Wohnt mehr in meiner Phantasie als Bertram.
Ich bin verloren! Alles Leben schwindet
Dahin, wenn Bertram geht. Gleichviel ja wär's,
Liebt' ich am Himmel einen hellen Stern,
Und wünscht' ihn zum Gemahl; er steht so hoch!
An seinem hellen Glanz und lichten Strahl
Darf ich mich freun; in seiner Sphäre nie.
So straft sich selbst der Ehrgeiz meiner Liebe:
Die Hindin, die den Löwen wünscht zum Gatten,
Muß liebend sterben. O der süßen Qual,
Ihn stündlich anzusehn! Ich saß und malte
Die hohen Brau'n, sein Falkenaug', die Locken
In meines Herzens Tafel, allzu offen
Für jeden Zug des süßen Angesichts!
Nun ist er fort, und mein abgöttisch Lieben
Bewahrt und heiligt seine Spur. - Wer kommt? -
Parolles tritt auf.
Sein Reisefreund. - Ich lieb' ihn seinethalb,
Und kenn' ihn doch als ausgemachten Lügner,
Weiß, er ist Narr im Haufen, einzeln Memme:
Doch dies bestimmte Böse macht ihn schmuck
Und hält ihn warm, indes stahlherz'ge Tugend
Im Frost erstarrt. Dem Reichtum, noch so schlecht,
Dient oft die Weisheit arm und nackt als Knecht.

PAROLLES

Save you, fair queen!

Gott schütz' Euch, meine Königin!

HELENA

And you, monarch!

Und Euch, mein Sultan!

PAROLLES

No.

Der? Nein! -

HELENA

And no.

Und ich auch nicht.

PAROLLES

Are you meditating on virginity?

Denkt Ihr über das Wesen des Jungfrauentums nach?

HELENA

Ay. You have some stain of soldier in you: let me ask you a question. Man is enemy to virginity; how may we barricado it against him?

Ja, eben. Ihr seid so ein Stück von Soldaten; laßt mich Euch eine Frage tun. Die Männer sind dem Jungfrauentum feind: wie können wir's vor ihnen verschanzen?

PAROLLES

Keep him out.

Weist sie zurück!

HELENA

But he assails, and our virginity, though valiant, in the defence yet is weak. Unfold to us some warlike resistance.

Aber sie belagern uns, und unser Jungfrauentum, wenn auch in der Verteidigung tapfer, ist dennoch schwach; - lehrt uns einen kunstgerechten Widerstand!

PAROLLES

There is none. Man setting down before you will undermine you and blow you up.

Alles vergeblich; die Männer, sich vor euch lagernd, unterminieren euch und sprengen euch in die Luft.

HELENA

Bless our poor virginity from underminers and blowers-up! Is there no military policy how virgins might blow up men?

Der Himmel bewahre unser armes Jungfrauentum vor Minierern und Luftsprengern! Gibt's keine Kriegspolitik, wie Jungfrauen die Männer in die Luft sprengen könnten?

PAROLLES

Virginity being blown down, man will quicklier be blown up; marry, in blowing him down again, with the breach yourselves made you lose your city. It is not politic in the commonwealth of nature to preserve virginity. Loss of virginity is rational increase, and there was never virgin got till virginity was first lost. That you were made of is mettle to make virgins. Virginity, by being once lost, may be ten times found; by being ever kept it is ever lost. 'Tis too cold a companion. Away with't!

Läßt sich denn ein vernünftiger Grund im Naturrecht nachweisen, das Jungfrauentum zu bewahren? Verlust des Jungfrauentums ist vielmehr verständige Zunahme; und noch nie ward eine Jungfrau geboren, daß nicht vorher ein Jungfrauentum verloren ward. Das, woraus Ihr besteht, ist Stoff, um Jungfrauen hervorzubringen. Euer Jungfrauentum, einmal verloren, kann zehnmal wieder ersetzt werden; wollt Ihr's immer erhalten, so geht's auf ewig verloren; es ist ein zu frostiger Gefährte: weg damit!

HELENA

I will stand for't a little, though therefore I die a virgin.

Ich will's doch noch ein wenig behaupten, und sollt' ich darüber als Mädchen sterben.

PAROLLES

There's little can be said in't; 'tis against the rule of nature. To speak on the part of virginity is to accuse your mothers, which is most infallible disobedience. He that hangs himself is a virgin; virginity murders itself, and should be buried in highways out of all sanctified limit, as a desperate offendress against nature. Virginity breeds mites, much like a cheese, consumes itself to the very paring, and so dies with feeding his own stomach. Besides, virginity is peevish, proud, idle, made of self-love which is the most inhibited sin in the canon. Keep it not; you cannot choose but loose by't. Out with't! Within ten year it will make itself two, which is a goodly increase, and the principal itself not much the worse. Away with't!

Dafür läßt sich wenig sagen; es ist gegen die Ordnung der Natur. Die Partei des Jungfrauentums nehmen, heißt, seine Mutter anklagen; welches offenbare Empörung wäre. Einer, der sich aufhängt, ist wie solch eine Jungfrau: das Jungfrauentum gleicht einem Selbstmörder, und sollte an der Heerstraße begraben werden, fern von aller geweihten Erde, wie ein tollkühner Frevler gegen die Natur. Das Jungfrauentum brütet Grillen, wie ein Käse Maden, zehrt sich ab bis auf die Rinde und stirbt, indem sich's von seinem eignen Eingeweide nährt. Überdem ist das Jungfrauentum wunderlich, stolz, untätig, aus Selbstliebe zusammengesetzt, welches die verpönteste Sünde in den zehn Geboten ist. Behaltet's nicht; Ihr könnt gar nicht anders, als dabei verlieren. Leiht es aus, im Lauf eines Jahrs habt Ihr zwei für eins; das ist ein hübscher Zins, und das Kapital hat nicht sehr dadurch abgenommen. Fort damit!

HELENA

How might one do, sir, to lose it to her own liking?

Was aber tun, um es anzubringen nach eignem Wohlgefallen?

PAROLLES

Let me see. Marry, ill, to like him that ne'er it likes. 'Tis a commodity will lose the gloss with lying; the longer kept, the less worth. Off with't while 'tis vendible; answer the time of request. Virginity, like an old courtier, wears her cap out of fashion, richly suited but unsuitable, just like the brooch and the toothpick, which wear not now. Your date is better in your pie and your porridge than in your cheek; and your virginity, your old virginity, is like one of our French withered pears: it looks ill, it eats drily; marry, 'tis a withered pear; it was formerly better; marry, yet 'tis a withered pear. Will you anything with it?

PAROLLES. Laßt sehn! Ei nun, leiden vielmehr, um dem wohlzugefallen, dem es gefällt. Es ist eine Ware, die durchs Liegen allen Glanz verliert; je länger aufbewahrt, je weniger wert: fort damit, solange es noch verkäuflich ist. Nutzt die Zeit der Nachfrage! Das Jungfrauentum, wie eine welke Hofdame, trägt eine altmodische Haube, ein Hofkleid, dem keiner mehr den Hof macht; wie die Schleife am Hut und der Zahnstocher, die jetzt veraltet sind. - -

HELENA

Not my virginity yet...
There shall your master have a thousand loves,
A mother, and a mistress, and a friend,
A phoenix, captain, and an enemy,
A guide, a goddess, and a sovereign,
A counsellor, a traitress, and a dear;
His humble ambition, proud humility,
His jarring concord, and his discord dulcet,
His faith, his sweet disaster; with a world
Of pretty, fond, adoptious christendoms
That blinking Cupid gossips. Now shall he -
I know not what he shall. God send him well!
The court's a learning-place, and he is one -

Nun warten tausend Liebsten deines Herrn,
Eine Mutter, - eine Freundin, - eine Braut, -
Ein Phönix, - eine Feindin und Monarchin, -
Göttin, und Führerin, und Königin,
Ratgeberin, Verräterin, und Liebchen,
Demüt'ger Ehrgeiz und ehrgeiz'ge Demut,
Harmon'sche Dissonanz, verstimmter Einklang,
Und Treu', und süßer Unstern; und so nennt er
'ne Unzahl art'ger, holder Liebeskinder,
Die Amor aus der Taufe hebt. - Nun wird er -
Ich weiß nicht, was er wird, - Gott send' ihm Heil;
Es lernt sich viel am Hof; und er ist einer -

PAROLLES

What one, i' faith?

Nun, was für einer?

HELENA

That I wish well. 'Tis pity -

Mit dem ich's gut gemeint; - und schade ist's, -

PAROLLES

What's pity?

Um was? -

HELENA

That wishing well had not a body in't
Which might be felt, that we, the poorer born,
Whose baser stars do shut us up in wishes,
Might with effects of them follow our friends,
And show what we alone must think, which never
Return us thanks.
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Daß unserm Wunsch kein Körper ward verliehn,
Der fühlbar sei; damit wir Ärmeren,
Beschränkt von unserm neid'schen Stern auf Wünsche,
Mit ihrer Wirkung folgten dem Geliebten,
Und er empfände, wie wir sein gedacht,
Wofür uns kaum ein Dank wird.
Ein Page tritt auf.

PAGE

Monsieur Parolles, der Graf läßt Euch rufen.
Ab.

Monsieur Parolles, my lord calls for you.
Exit.

PAROLLES

Little Helen, farewell. If I can remember thee I will think of thee at court.

Kleines Helenchen, leb wohl! Wenn ich mich auf dich besinnen kann, will ich deiner am Hofe gedenken.

HELENA

Monsieur Parolles, you were born under a charitable star.

Monsieur Parolles, Ihr seid unter einem liebreichen Stern geboren.

PAROLLES

Under Mars, I.

Unterm Mars!

HELENA

I especially think under Mars.

Das hab' ich immer gedacht: unterm Mars.

PAROLLES

Why under Mars?

Warum unterm Mars?

HELENA

The wars have so kept you under that you must needs be born under Mars.

Der Krieg hat Euch immer so herunter gebracht, daß Ihr notwendig unterm Mars müßt geboren sein.

PAROLLES

When he was predominant.

Als er am Himmel dominierte.

HELENA

When he was retrograde, I think rather.

Sagt lieber, als er am Himmel retrogradierte.

PAROLLES

Why think you so?

Warum glaubt Ihr das?

HELENA

You go so much backward when you fight.

Ihr geht immer so sehr rückwärts, wenn Ihr fechtet!

PAROLLES

That's for advantage.

Das geschieht um meines Vorteils willen.

HELENA

So is running away, when fear proposes the safety. But the composition that your valour and fear makes in you is a virtue of a good wing, and I like the wear well.

So ist's auch mit dem Weglaufen, wenn Furcht die Sicherheit empfiehlt. Aber die Mischung, die Eure Tapferkeit und Eure Furcht in Euch hervorbringen, ist eine schönbeflügelte Tugend, und die Euch wohl ansteht.

PAROLLES

I am so full of businesses I cannot answer thee acutely. I will return perfect courtier, in the which my instruction shall serve to naturalize thee, so thou wilt be capable of a courtier's counsel, and understand what advice shall thrust upon thee; else thou diest in thine unthankfulness, and thine ignorance makes thee away. Farewell. When thou hast leisure, say thy prayers; when thou hast none, remember thy friends. Get thee a good husband, and use him as he uses thee. So, farewell.
Exit.

Ich bin so voller Geschäfte, daß ich dir nicht gleich spitzig antworten kann. Ich kehre zurück als ein vollkommner Hofmann; dann soll mein Unterricht dich hier naturalisieren, wenn du anders für eines Hofmanns Geheimnis empfänglich bist und begreifen willst, was weiser Rat dir mitteilt; wo nicht, so stirb dann in deiner Undankbarkeit, und deine Unwissenheit raffe dich hinweg! Leb wohl! Wenn du Zeit hast, sprich dein Gebet; wenn du keine hast, denk' an deine Freunde! Schaff' dir einen guten Mann und halte ihn, wie er dich hält, und so leb wohl!
Ab.

HELENA

Our remedies oft in ourselves do lie,
Which we ascribe to heaven. The fated sky
Gives us free scope, only doth backward pull
Our slow designs when we ourselves are dull.
What power is it which mounts my love so high,
That makes me see, and cannot feed mine eye?
The mightiest space in fortune nature brings
To join like likes, and kiss like native things.
Impossible be strange attempts to those
That weigh their pains in sense, and do suppose
What hath been cannot be. Who ever strove
To show her merit that did miss her love?
The King's disease - my project may deceive me,
But my intents are fixed, and will not leave me.
Exit.

Oft ist's der eigne Geist, der Rettung schafft,
Die wir beim Himmel suchen. Unsrer Kraft
Verleiht er freien Raum, und nur dem Trägen,
Dem Willenlosen, stellt er sich entgegen.
Mein Liebesmut die höchste Höh' ersteigt,
Doch naht mir nicht, was sich dem Auge zeigt.
Des Glückes weitsten Raum vereint Natur,
Daß sich das Fernste küßt wie Gleiches nur.
Wer klügelnd abwägt und dem Ziel entsagt,
Weil er vor dem, was nie geschehn, verzagt,
Erreicht das Größte nie. Wann rang nach Liebe
Ein volles Herz, und fand nicht Gegenliebe?
Des Königs Krankheit - täuscht mich nicht, Gedanken;
Ich halte fest und folg' Euch ohne Wanken.
Ab.

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