La Poupée de Nuremberg (Die Nürnberger Puppe; de Leuven / Arthur de Beauplan nach E.T.A. Hoffmanns Nachtstücke in Callots Manier, Der Sandmann, 1817), opéra comique 1 Akt (21. Febr. 1852 Opéra-National)
Musik von Adolphe Adam

EA Brüssel 1852; dt. von Hermann, Berlin Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater 1852; Wien Carltheater 1860; Stockholm 1853 (schwed.); London 1870 (engl.); Petersburg 1854 (russ.); Warschau 1855 (poln.); Kopenhagen 1861 (dän); Budapest 1863 (ung.); bis heute in Frankreich gespielt; WA Barmen 1930 (dt.); Brno 1936 (tschech.); Tel-Aviv 1938 (hebr.)

Cornelius, ein Spielwarenfabrikant - Baß
Benjamin, sein Sohn - Tenor
Heinrich, sein Neffe - Bariton
Berta, eine Näherin - Sopran
Nürnberg, 19. Jahrhundert, im Laden von Cornelius

Cornelius ist in seinen Sohn, obwohl er ein Simpel ist, vernarrt, während er seinen Neffen Heinrich, den er in seinem Erbe verkürzt hat, schlecht wie einen Sklaven hält. Sein Benjamin soll die schönste, tugendsamste Maid auf Erden zur Ehefrau bekommen. Da aber kein iridsches Wesen seinen Wünschen entspricht, hat er eine wunderbare Puppe konstruiert, der er nach Doktor Fausts Zauberbuch Leben einzuhauchen hofft. Um diesen Plan auszuführen, wartet er auf eine wilde, stürmische Nacht, lebt einstweilen munter in den Tag hinein und geht mit Benjamin, nachdem er Heinrich ohne Abendessen zu Bett geschickt, auf einen Maskenball. In ihrer Abwesenheit zitiert Heinrich, als Mephisto kostümiert, seine Braut Berta, die sich bitter darüber beklagt, daß sie nicht zum Ball gehen könne. Heinrich, von Mitleid gerührt, will seine Maske ablegen und mir ihr heimgehen, als ihm die Puppe einfällt, an der sein Ohm baut. Schnell schlüpft Berta in deren schöne Kleidung, die ihr vorzüglich paßt. Zum Unglück kommen im selben Augenblick auch Cornelius und Benjamin heim. Es ist ein Gewitter im Anzug, und der alte Geizhals will nun seinen Plan ausführen, wozu er Fausts Zauberbuch aufschlägt. Während Berta noch im Puppenkabinett steckt, hat Heinrich kaum Zeit gefunden, sich im Kamine zu verstecken. Dort heraus wird er aber, da sein Cousin Feuer anmacht, bald vertrieben. In seinem Mephistokostüm springt er in die Stube hinein, und das entsetzte Paar glaubt nun ganz bestimmt, den Teufel zu sehen. Cornelius nimmt sogleich eine Beschwörung vor und ist vor Freude außer sich, daß sich die herbeigeholte Puppe wie ein lebendiges Wesen gebärdet. Die Freude schwindet aber, als die Puppe erst alles mögliche zu essen begehrt, Vater und Sohn auf Mephistos Geheiß in die Küche rennen müssen, Speise und Trank herbeizuschaffen, und die Puppe obendrein, aufgestachelt durch Mephisto, sich wie eine richtige Satanstochter benimmt, so daß Cornelius herzlich froh ist, als sie endlich wieder in ihrem Kabinett verschwindet. Am liebsten möchte er jetzt den ganzen Teufelsspuk zerstören. Hieran verhindert ihn aber sein Neffe, der seiner Braut Gelegenheit zum Umkleiden geben will. Endlich setzt der eigennützige Greis seinen Willen, in das Kabinett zu dringen, durch, kehrt aber ebenso geschwind, und von Entsetzen gepackt, zurück, denn er ist der festen Meinung, er habe den Geust durchs Fenster, unter satanischem Gelächter, fliehen sehen. Nun gesteht ihm Heinrich, daß er hinter das Geheimnis mit der Puppe gekommen sei, daß er diese aber durch ein unglückliches Versehen zertrümmert und, um sein Missgeschick zu verbergen, ein junges Mädchen mit den Gewändern der Puppe bekleidet habe. Da sieht sich Cornelius schon wegen Mordes unter Anklage gestellt, denn er meint nicht anders, als daß dieses Mädchen bei dem Zauber umgekommen sei, steht nur noch Rettung in der Flucht und will Heinrichs Schweigsamkeiterkaufen. Dieser erklärt sich bereit, ins Auslang zu gehen, wenn ihm sein Ohm sein Erbe, 10.000 Taler, aushändigt. Nach einigem Weigern tut es der Geizhals. Cornelius Vater und Sohn erkennen zu spät, daß sie die Betrogenen sind.

- Nur einen Wunsch hab ich (Cornelius)
- Heiter ohne Sorgen (Heinrich)
- Ich bin da! (Berta, Heinrich)
- Auf denn zum Tanz (Berta, Heinrich)
- Zu meinem großen Werk (Cornelius, Heinrich, Benjamin)
- Wo bin ich? (Berta)
- Ich fühl', wie der Zorn mich erfaßt (Cornelius, Berta, Benjamin)
- Wenn ich befehle (Berta)
- Welche Lage, welche Pein (Cornelius, Benjamin)
- Ich lade euch zum Hochzeitsschmause (Berta)
- O schönes geschick (Heinrich)
- Welch Mißgeschick (Cornelius, Benjamin)

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