La Neige ou Le Nouvel Eginard (Der Schnee; Eugène Scribe/Germain Delavigne), opéra comique 4 Akte (9. Okt. 1823 Paris, Opéra-Comique)
Musik von Daniel-François-Esprit Auber

Herzog von Lothringen - Bass
Prinzessin Elise, seine Tochter - Sopran
Edwin, Graf von Lahnstein, ihr Gatte - Tenor
Prinz von Nassau - Bariton
Gräfin Drusenheim, Oberhofmeisterin - Mezzosopran
Adele von Lauterburg, Hoffräulein - Sopran
Baron von Botweiler, Kämmerer - Bass
Wilhelm, Gärtner - Bass
Hofstaat, Bediente
Auf einem herzoglichen Lustschloss, 19. Jahrhundert

1. Akt - Gothischer Saal, Tisch mit Schreibgerät. Fräulein Adele und Graf Lahnstein, beide Zöglinge und Günstlinge des Hofes, unterhalten sich über eine Schlittenpartie, bei welcher der Graf heute morgen die Prinzessin vor einem Unfall bewahrte, dann über den Prinzen von Nassau, einem verdienten General, der sich, wie es scheint, um die Prinzessin bewirbt; Duett, in welchem den Grafen diese Fortschritte des Prinzen sehr verdrießen. Er geht, und die Prinzessin erscheint mit der Oberhofmeisterin, wieder ganz erholt. Jetzt wird Graf Lahnstein gemeldet, gleich darauf der Prinz mit seinem Hofstaat. Ensemble. Der sehr linkische Prinz hat von dem tapferen Oberst schon gehört und löst für ihn einen Orden von der Brust. Andeutungen lassen erraten, dass Lahnstein heimlich mit der Prinzessin vermählt ist, während Adele, als sie nun alle gehen, ihre Liebe zu dem Grafen bekennt; Arie: „Himmlische Freundschaft.” Sehr aufgeregt stürmt der Graf wieder herein. Er hat in Gegenwart des Herzogs gewagt, dem Prinzen, welcher der Prinzessin die Hand küsste, unziemlich zu begegnen, und Botweiler, der im gefolgt, kündigt ihm sechs Monate Verbannung an. Er möchte die Prinzessin gern noch sprechen; doch das geht nicht, und nun sagt er nur Adele noch Lebewohl.

2. Akt - Festlich geschmückter Saal, an dessen Schmuck Burschen und Mädchen noch letze Hand legen. Wilhelm nacht den Vorschlag, dass sie alle, während die Herrschaften hier den Ball abhalten, draußen eine Schlittenfahrt machen können; Lied „Wenn sich mit Eis bedeckt der Teich”. Alle ab, denn der Herzog kommt mit dem Prinzen. Dieser hat bei dem Fürsten um Verzeihung für Lahnstein gebeten, und gern erlässt der Herzog seinem Liebling die ihm zudiktierte Strafe. Die Prinzessin schien verstimmt, und so soll ihr nun der Prinz ein paar verbindliche Zeilen schreiben. Der Herzog geht, und nun kommt dem Prinzen Lahnstein zurecht. Der soll für ihn schreiben, und der eben eintretende Gärtner das Billet in einem Rosenstrauß der Prinzessin überreichen. Diese kennt Lahnsteins Handschrift, nicht aber die des Prinzen, und so wird sie die Bitte um eine Unterredung, als deren Gewährung sie den Strauß vor den Füßen des Bittstellers fallen lassen soll, hoffentlich von dem Rechten kommend halten. Nachdem sie gegangen, treten die Prinzess und die Oberhofmeisterin ein, und Wilhelm überreicht den Strauß. Die Prinzessin entdeckt das Billet, und während sie die Gräfin nach einem anderen Fächer sendet, liest sie es. Dann erscheint der ganze Hof, und das große Final-Ensemble gibt einerseits der Hoffnung auf gutes Gelingen, andererseits der Hoffnung Ausdruck, den Günstling unmöglich zu machen, denn die Oberhofmeisterin und der Kämmerer Botweiler sind Lahnsteins entschiedene Gegner.

3. Akt - Zimmer der Prinzessin, Beleuchtung durch Armleuchter. Die Prinzessin ist bei der Nachttoilette und entlässt ihre Damen, dann schließt sie die Tür; Lied: „In fürstlichem Palast”. Sie hat Adelen ihr Geheimnis bekannt, dass Lahnstein ihr Gemahl ist, und treu hat Adele diesem den Schlüssel in die Hände gespielt. Schritte nahen, herein tritt aber, als die Prinzessin öffnet, ihr Vater. Er will über die Werbung des Prinzen mit ihr sprechen, in ihrer Verwirrung hört sie gar nicht, was der Herzog spricht, und dieser glaubt, dass sie in alles gewilligt habe. Plötzlich aber erfasst sie die Angst, und als nun Adele hereintritt, die infolge eines Geräusches gekommen zu sein vorgibt, merkt der Herzog, dass hier ein Geheimnis waltet; doch geht er und denkt, morgen mehr zu erfahren. Adele glaubt den Grafen schon hier versteckt, denn sie hat den Schlüssel dem Gärtner zugesteckt mit der Weisung, ihn der Person zu geben, von welcher der Rosenstrauch gekommen, denn beide Damen vermuten ja nur auf Lahnstein. Rasch geht nun Adele, damit der Graf den Weg nicht verfehle. Während der Zeit erscheint Lahnstein aber schon am Fenster, das die Prinzessin schnell öffnet, und steigt ein. Glück des Wiedersehens, Trauer um das notwendige Geheimnis, doch die Prinzessin will dem Prinzen, der ein linkischer, aber redlicher Mann ist, offen bekennen, warum sie nicht die Seine werden kann, und hofft in ihm einen Beschützer und Fürsprecher bei dem Vater zu finden. Da eilt Adele herein und ist bestürzt, den Grafen zu sehen, denn es folgt ihr jemand und sie meinte, er sei es. Rasch schließt sie die Tür, drängt die Prinzessin durch eine andere, den Grafen durch eine dritte Tür und wirft sich in einen Sessel. Nun tritt der Prinz herein, denn ihm hat Wilhelm ja den Schlüssel gebracht. In dem Gespräch ergibt sich, dass der Prinz, was ein Liebender fühlen soll, nicht für die Prinzessin, sondern für Adele empfindet, und obwohl sie nichts zusagt, ist er doch sofort entschlossen, bei dem Herzog selbst seine Bewerbungen zurückzuziehen. Er geht ab und die Gatten erscheinen wieder. Als es zum Abschied kommt, zeigt sich, dass inzwischen Schnee gefallen ist und die Fußtritte sofort alles verderben würden. Da entdeckt Adele unter dem Fenster einen stehengebliebenen Schlitten und beschließt, den Grafen selbst darin fortzuschaffen.

4. Akt - Gothischer Saal wie im ersten Akt. Der Graf ist allein und glücklich; Arie: „Dies Starren der Natur”. Zu ihm kommt Wilhelm, der ein Geheimnis entdeckt hat, welches er nur dem Herzog mitteilen will; doch da er für seinen Hals fürchtet, soll Lahnstein ihm bei der Unterredung die nötigen Zeichen machen. Da naht der Herzog, der Gärtner tritt zur Seite. Der Herzog gibt Lahnstein den Auftrag, nachzuspüren, denn er hat diese Nacht nicht schlafen können und gesehen, wie zwei Frauen einen Mann im Schlitten über den See fuhren. Dasselbe Geheimnis bringt nun auch der Gärtner, der zwar durch die Zeichen des Grafen so verwirrt wird, dass aus ihm niemand klug werden kann, dann aber, nachdem der Herzog den Grafen mit einem Auftrage fortgeschickt, berichtet, dass er alles belauscht habe, das Einsteigen eines Mannes in das Fenster der Prinzessin sowohl wie die sonderbare Schlittenpartie, dass eine der Damen und der Mann verheiratet sein müssten und die Dame von ihrem Vater gesprochen habe; zugleich überreicht er den Hausorden des Prinzen, den der Mann bei dieser Gelegenheit verloren haben müsse. Und nun klärt sich rasch alles auf, denn der Herzog hat das Verhältnis zwischen seiner Tochter und Lahnstein längst geahnt, und da letzterer der Sohn seines Bruders aus heimlicher Ehe ist, was Lahnstein selbst nicht wusste, proklamiert der Herzog nun vor dem ganzen Hofe die Vermählung der Gatten.

Handlung
Faksimile
Opernführer Johannes Scholtze, ca. 1920 (PDF)

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