Ino (Johann Christian Brandes), Melodram 1 Akt (1779; 4. Aug. 1779 Leipzig)
Musik von Johann Friedrich Reichardt

Ino
Athamas, ihr Gemahl
Learch, Melizert, ihre Kinder
Juno
Chor der Nereiden
Chor der Tritonen
Die Szene ist auf einer wüsten Insel, dem einzigen Aufenthalt der verlassnen und verfolgten Ino, und ihrer Söhne

Vorbericht.
Wie grausam und ungöttlich sich Juno an allen ihren Nebenbuhlerinnen zu rächen gesucht hat, erhellt daraus, daß sie Semelen, welche schwach und eitel genug war, alles für aufrichtige Freundschaft anzunehmen, was ihr die verstellte Juno sagte, den Rath gab: vom Jupiter eine göttliche Umarmung, wie er seine unsterbliche Gattinn zu umarmen pflege, zu erflehen. Zeus erschien. - Semele, vom Stolz übermannt, bat, was ihre Feindinn rieth. Der Donnerer weigerte sich dieser Bitte zu willfahren, weil er Semelens Verderben voraus sah, war aber doch galant genug, um seinem Liebchen etwas abzuschlagen. Das nächstemal erschien er in seiner Maiestät mit Blizz und Donner; umarmte Semelen, welche unsterblich zu werden hoffte - und als Mensch vom Blizze getödtet war. Zeus erkannte nun die Rache seines Weibes, nahm das schon lebende Kind aus dem Schoosse der Sterbenden heraus; sicherte es vor der Verfolgung Junos, indem er es Inon, der Tochter des Kadmus, zur Pflege und Erziehung anvertrauet hatte.
Juno erfuhr es, und suchte sich an der Pflegemutter dieses kleinen Aftergottes nachdrükklich zu rächen. Sie kränkte sie vorzüglich dadurch, daß sie ihr ihren Gemahl Athamas auf den Weg der zügellosesten Ausschweifung - in die Arme der Nephele führte, aus welchen er nur zuspät für Inos Ruhe zurükkkehrte. Wahnsinn ergrief ihn, - er zerschmetterte seinen Sohn Learch, eilte seiner Gattinn nach, - welche aber den Wink der Gortheit erfüllte, und sich nebst ihrem Sohne Melizert in die Fluthen warf.
Nur auf diese Art konnte Juno versöhnt werden!

operone