Le Brasseur de Preston (Der Brauer von Preston; de Leuven / Brunswick), opéra comique 3 Akte (31. Okt. 1838 Paris)
Musik von Adolphe Adam

Erstaufführungen

Antwerpen 1839; Brüssel 1839; Amsterdam 1839; New Orleans 1842; dt. von J. Cornet Hamburg 1839; Berlin Königstädtisches Theater 1839; Berlin Königliche Oper 1839 (dt. von C.A.L. von Lichtgenstein) sowie Prag 1839; Riga 1839; Petersburg 1840 (Dirigent Adam); Basel 1840; Wien Theater in der Josefstadt 1844; New York 1855; auch ins Dän., Schwed., Poln. (Warschau 1841), Engl. und Tschech. übersetzt

Solisten

- Daniel Robinson, ein Bierbrauer - Tenor
- Effie, seine Braut - Sopran
- George Robinson, Offizier, Daniels Zwillingsbruder - Bariton
- Toby, ein Sergeant - Baß
- Lord Mulgrav, Generaladjutant - Bariton
- Lovely, Adjutant des kommandierenden Generals - Tenor
- Kapitän Oliver Jenkins - Baß
- Anna Jenkins, seine Schwester - Alt
- Bob, ein Brauer - Tenor

Chor

Der König von England, Damen und Herren vom Hofe. Offiziere. Königliche Dienerschaft. Soldaten. Wachen. Brauer. Freunde und Bekannte Daniels. Aufwärter. Bevölkerung.

Ort und Zeit

England - erster Aufzug in Preston, zweiter im Lager der königlichen Armee, dritter im Schlosse zu Windsor um 1745

Einführung

Nächst 'Postillon von Lonjumeau' ist vorliegende Oper diejenige, in welcher sich das eigentümliche Talents Adams am deutlichsten ausspricht. Alle andern Opernwerke des fruchtbaren, französischen Altmeisters der Spieloper stehen hinter den beiden Opern 'Postillon' und 'Brauer von Preston' weit zurück. Zwar erreicht auch letzteres Werk nicht ganz die geniale Höhe des 'Postillons', jedoch offenbart sich im 'Brauer von Preston' eine sehr bedeutende komische Kraft, die stets mit wenigen Mitteln das Richtige zu treffen weiß, um der vollen Wirkung sicher zu sein.

1. Akt - Robinsons Brauhof. Der Chor und Bob werden von Daniel Robinson mit Geld beschenkt, ohne zu erfahren, welch' freudiges Ereignis ihn dazu veranlasst; seine Arie: „Wenn ich glücklich bin”. Bob erhält von ihm den Auftrag, alles zu einer großen Festtafel herzurichten. Danach tritt Effie in höchstem Putz aus dem Hause; ihr saft Daniel schelmisch, dass er sich noch heute mit der Tochter seines Hopfenhändlers zu verheiraten gedenke, und lässt sie in tiefster Trauer zurück, da sie selbst ihn liebt. Bei dem nun beginnenden Mahl, zu welchem Tische usw. hereingetragen werden, entdeckt aber Daniel den versammelten Gästen, daß keine andere als Effie selbst seine auserkorene Braut ist. Brauerlied: „Brauer heraus! ” mit Chor. Neckisches Duett zwischen Daniel und Effie. Es wird durch Toby unterbrochen, der die Schreckensnachricht bringt, dass Daniels Zwillingsbruder, Leutnant George, verschwunden sei und als Deserteur vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt werden wird. Edelmütig beschließen Daniel und Effie, den Bruder suchen zu helfen, hier alle Vorbereitungen im Stich zu lassen und sofort nach Carlisle zu fahren, wo Daniel den Brudeer bestimmt zu finden hofft.

2. Akt - Vorraum eines Marketenderzeltes, im Hintergrunde das Lager der englischen Armee. Zechende Soldaten an den Tischen. Toby erzählt ihnen, dass von ihrem Leutnant sich keine Spur gezeigt. Unter den Ausdruck der Teilnahme verlassen die Soldaten die Bühne, und zu Toby kommen Effie und Daniel, die bei dem General um Gnade für George bitten wollen. Begnadigung scheint aber umso weniger wahrscheinlich, als nun auch Jenkins auftritt, der für seine betrogene Schwester Rache an dem Leutnant nehmen will. Als nun die Soldaten wieder erscheinen, halten sie Daniel, der seinem Bruder zum Verwechseln ähnlich sieht, für ihren Leutnant in Zivil, und Toby fasst rasch den Plan, diesen Umstand zu benutzen, seinen Herrn zu retten oder doch Aufschub des Urteils zu gewinnen. Tobys Soldatenlied mit Chor. Nachdem die Soldaten gegangen, tritt Daniel in Uniform aus dem Zelt, und Toby rückt ihn zurecht. Komisches Exerzizium; Terzett: „Ihr müsst euch als Soldat ein rechtes Ansehn geben”. Es geht alles nach Wunsch, und der Adjutant kündigt dem vermeintlichen Leutnant an, dass das Kriegsgericht sich zwar aufgelöst, der General aber Arrest über den säumigen Offizier verhängt habe, der an der bevortehenden Schlacht nun nicht teilnehmen solle. Das kommt dem Brauer sehr gelegen, während Toby davon stürmt, um diese Schande von seinem Herrn abzuwenden. Schon kann Daniel den hereintretenden und ihn zum Duell fordernden Jenkins anbweisen, da er ja keine Waffen habe, da erscheint Toby wieder mit dem Degen, und hinter ihm marschiert die Kompanie auf, ihren Leutnant zur Schlacht abzuholen. Effie bleibt allein; Arie: „Von Kriegern umgeben”. Während der Szene hört man draußen die Schlacht toben. Siegesjubel schließt sich an, und Daniel hat Wunder der Tapferkeit getan, in Wahrheit hat ihn aber nur seines Bruders feuriger Rappen willenlos in das dichteste Getümmel getragen. Für den anscheinenden Löwenmut ist er nun ausersehen, dem Könige in Windsor die erbeuteten Trophäen zu überbringen.

3. Akt - Galerie im Schloss zu Windsor. Die Hofgesellschaft ist versammelt; dahinter versteckt Effie und Toby. Jubelnd wird Daniel mit den Fahnen empfangen und in das Innere geführt. Die Hofgesellschaft und die Dienerschaft folgen. Effie und Toby bleiben zurück. Effie ist ängstlich, denn sie hat in einem Wagen, der ihnen stetig folgte, den racheschnaubenden Jenkins erkannt. Auch um ihren Bräutigam ängstigt sie sich; Ariette: „Käm' ich zum König”. Sie scheint Recht zu behalten, denn Daniel stürzt verzweifelt heraus, weil der König in seiner Gegenwart ein Schreiben erhalten, das ihn zornig machte, so dass er ihm befahl, den Palast nicht zu verlsassen, und so glauben die drei nun alles verraten. Da tritt Lod Mulgrave ein; Toby und Effie müssen in ein anderes Zimmer treten, und nun erfährt Daniel, dass gerade er, zum Major ernannt, ausersehen sei, die rebellischen Irländer zu Paaren zu treiben. Höchst komische Entwicklung des Feldzugplanes; aber dem angeblichen Major bleibt nichts übrig, als sich in sein Schicksal zu ergeben. Doch ist ihm sehr übel zu Mute, um so mehr, als nun auch Jenkins wieder erscheint. Auch diesen weiß er zu beschwichtigen, indem er scheinbar in alles, auch in die Hochzeit mit dessen Schwester willigt, denn Zeit gewonnen, scheint ihm alles gewonnen. Sein Duettino mit Effie: „Es lächelt das Geschick” wird von Toby unterbrochen, der triumphierend hereinstürzt und Daniel in ein anderes Zimmer führt, während Effie, alles verloren wähnend, ohnmächtig in einen Stuhl sinkt. Da tritt aus einer kleinen Tür der rechte George Robinson. Gleichzeitig öffnet sich die Rückwand, und der Thronsaal wird sichtbar, in welchem der König den Mittelpunkt bildet. Neben ihm Miss Anna Jenkins als Braut, der Jenkins nun den echten Major zuführt. Während der Zeremonie drinnen beschäftigt sich Toby mit der erwachenden Effie und teilt ihr mit, dass George vom Feinde gefangen gehalten worden sei, nun aber voll in die Rolle, die Daniel bisher so unfreiwllig spielen musste, eintrete. Zu ihnen kommt Daniel, nun wieder als Brauer, und alle drei schleichen, als drinnen der Zug unter dem Jubel des Chors sich ordnet, still davon.

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