L'Ambassadrice (Die Botschafterin; Scribe), opéra comique 3 Akte (21. Dez. 1836 Paris, Opéra-Comique); Deutsche Neubearbeitung als Vertauschte Rollen (Eugène Scribe/Henri de Saint Georges)
Musik von Daniel-F.-E. Auber

EA Brüssel 1837; New Orleans 1841; Rio de Janeiro 1846
deutsch von C. A. L. von Lichtenstein Berlin 1837; Graz 1838; Prag und Wien, Theater in der Josefstadt 1839; Wien, Kärntnertortheater 1840
weitere Übersetzungen von F. Ellmenreich; auch ins Dänische, Englische, Schwedische und Spanische übersetzt
WA Berlin, Deutsches Opernhaus 1930 als Vertauschte Rollen (Guttmann/Max Barthel)
mit der Titelgestalt, der Primadonna Henriette, soll H. Sontag gemeint sein

Montebello, Operndirektor - Bass
Herzog von Leuchtenberg - Tenor
Rubini, Sänger und Regisseur - Tenor
Charlotte Cavalieri, Sängerin - Sopran
Henriette Freitag, Sängerin - Sopran
Gräfin Hammerstein, Leuchtenbergs Schwester - Sopran
Madame Barneck, Henriettes Tante - Alt
München und Berlin um 1830

1. Akt: Zimmer im Hause der Frau Barneck. Zu Tante Barneck und Fräulein Henriette, die mit dem Plätten von Kostümen beschäftigt sind, kommt Charlotte Cavalieri. Sie ist ein wenig neidisch auf Henriettens letzten großen Bühnenerfolg und außerdem sehr eifersüchtig auf ihre Kollegin, weil sich nicht nur der erste Tenor des Theaters, sondern auch ein höchst vornehmer Herr von seiner Loge aus in die schöne, gefeierte Sängerin verliebt hat. Während Henriette mit ihrer Freundin das Zimmer verlässt, um ein neues Kostüm zu probieren, erscheint Operndirektor Montebello, der den Kontrakt mit seiner erfolgreichen Primadonna erneuern will. Die geschäftliche Angelegenheit erledigt die Tante; er muß sich mit einer Gage von achttausend Gulden einverstanden erklären. Doch ehe der Vertrag ausgefertigt werden kann, erscheint aus London ein Angebot über vierzigtausend Gulden.
Mit einem großen Blumenstrauß betritt Rubini das Zimmer, um Henriette zur Probe abzuholen. Er bestürmt den Direktor, die beste Kraft seines Ensembles um jeden Preis zu halten. Dann üben die beiden Partner ihr Duett aus der Oper, die in den nächsten Tagen uraufgeführt werden soll, und der Tenor fällt immer aus seiner Rolle im Stück in die Rolle des Verliebten. Zuletzt darf er - denn das steht wirklich in der Partitur - Henriette umarmen und küssen. In diesem Augenblick führt die Tante den Theateragenten Henderson aus London herein. Beide sind im ersten Augenblick ein wenig entrüstet über die Szene, die sie erblicken, aber es steht so in der neuen Oper, da lässt sich nichts dagegen einwenden. Der Agent wiederholt sein Angebot auf vierzigtausend Gulden, doch wird er gleich darauf von Charlotte als Herzog von Leuchtenburg und Gesandter des Königs von Preußen entlarvt - sie hatte vor einiger Zeit das Glück, sich seiner besonderen Gunst zu erfreuen. Der Herzog zieht sich betroffen zurück. Wenige Minuten später wird ein Brief von ihm gebracht, worin er seine ernsten Absichten beteuert und bei der Tante um die Hand Henriettens anhält, die ihr Einverständnis gibt.

2. Akt: Der Herzog hat, während er dienstlich nach Wien reisen musste, seine Braut Henriette in das Haus seiner Schwester, der Gräfin von Hammerstein, gebracht und sie ihr gegenüber als Baronin ausgegeben. Von seiner Dienstreise zurückgekehrt, will er in einigen Tagen Hochzeit machen. Es fällt ihm sehr schwer, bis dahin das Geheimnis zu bewahren, denn die Gräfin schwärmt sehr für Musik, bildet sich sogar ein, gut singen zu können und will die Braut ihres Bruders in der Gesangskunst ausbilden, wobei es Henriette nur mit großer Mühe gelingt, falsche Töne zu markieren, um für dieses Fach völlig unbegabt zu erscheinen. Montebello wird gemeldet und verkauft dem Herzog, der ständiger Gast seines Theaters ist, auch für die nächste Saison zwei Logen. Unglücklicherweise ist der Direktor mit Charlotte gekommen, die er im Wagen vor dem Haus warten lässt; die Zeit wird ihr dabei zu lang; sie kommt herauf, um ihn zu holen. Weniger diskret als Montebello klärt sie die Gräfin sofort darüber auf, wer diese vermeintliche Baronin in Wahrheit ist, und verläßt triumphierend den Schauplatz, den Direktor mit sich ziehend. Zuvor hat der Herzog seine Schwester hinausgeleitet, um sie draußen zu beruhigen.
Rubini, der gekommen ist, um für seinen Benefizabend dem Brautpaar eine Loge anzubieten, trifft mit Henriette zusammen, die soeben einen Brief mit dem Heiratskonsens erhalten hat. Wehmütige Erinnerungen bemächtigen sich der beiden. Sie erfährt von ihm, daß Montebellos Gastspiel in Wien großen Beifall gefunden hat und auch Charlotte sehr gcfeiert wurde, dass aber die Sängerin Henriette in Wien unvergessen geblieben ist. Die Gräfin kehrt zurück; sie erklärt, die Mesalliance mit einer "Komödiantin" nur unter Bedingungen zuzulassen, die Henriettes Stolz nicht hinnehmen kann. Als diese gar aus einem Schreiben Charlottes entnehmen muss, dass zwischen ihrem Verlobten und der Konkurrentin ein Liebesverhältnis bestanden hat, entschließt sie sich kurzerhand, das Verlöbnis aufzuheben und zur Kunst zurückzukehren. Ganz verzweifelt stürmt Montebello herein: die große Oper, die er zur Uraufführung angenommen hat, und die das Publikum schon mit Spannung erwartet, kann nicht aufgeführt werden, da die Trägerin der weiblichen Hauptrolle, Charlotte, in letzter Stunde abgesagt hat. Allein Henriette vermag ihn zu trösten; sie hat einen Plan, durch den die Aufführung trotz allem noch ermöglicht werden kann.

3. Akt: Eine Loge im Theater. Charlotte hat sich Zutritt zu der Loge des Herzogs verschafft; hier trifft sie mit ihm zusammen, erinnert ihn an ihre Liebesschwüre und beginnt mit ihm zu kokettieren, während sie sich schon auf den Skandal freut, den ihre Absage hervorrufen wird. Nur wundert sie sich im stillen sehr, daß trotz dieser Absage die Vorstellung stattfinden soll. Das Publikum verlangt ungeduldig den Beginn der Oper; der Direktor tritt hervor und verkündet, daß wegen plötzliches Heiserkeit der Demoiselle Charlotte Cavalieri die Rollen vertauscht werden mussten, eine soeben aus dem Münchener Königlichen Theater angekommene berühmte Sängerin wird die Primadonna vertreten. Als Charlotte dies hört, ist sie außer sich, ebenso außer sich ist die Tante, die zum Herzog in die Loge dringt und ihn nach dem Verbleib ihrer Nichte fragt, die spurlos verschwunden ist. Das Stück beginnt: auf der Bühne sieht man den Tenor Rubini als Sultan, der eine schöne Odaliske ansingt. Als diese den Schleier fallen läßt, erkennen die drei in der Loge Henriette. Der Herzog ist empört über die Schande, dass seine Braut öffentlich auftritt, die Tante begreift nicht, wie das geschehen konnte, Charlotte tobt vor Wut und Eifersucht. Auf der Bühne geht der erste Akt zu Ende, das Publikum klatscht begeistert Beifall.
Vor der Loge trifft der Herzog mit Henriette zusammen - sie erklärt ihm, er habe in ihr ja doch nur die berühmte Künstlerin geliebt, und das wolle sie fortan bleiben. Nur in ihrer Kunst könne sie wahres Glück finden. Wie recht sie damit hat, erweist sich alsbald; denn Rubini teilt ihr freudestrahlend mit, dass der Londoner Theateragent Henderson - diesmal der wirkliche - der Vorstellung beigewohnt habe und ihnen beiden ein Bombenengagement für England anbiete. Entzückt und tief beglückt reichen sich Sänger und Sängerin die Hand zum Bund fürs Leben.

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