Anonym

Historia von D. Johann Fausten

Erstdruck: Frankfurt am Main (Johann Spies) 1587.


Historia von D. Johann Fausten

dem weitbeschreyten Zauberer vnnd Schwartzkünstler, Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine benandte zeit verschrieben, Was er hierzwischen für seltzame Abentheuwer gesehen, selbst angerichtet vnd getrieben, biß er endlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrertheils auß seinen eygenen hinderlassenen Schrifften, allen hochtragenden, fürwitzigen vnd Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel, abscheuwlichen Exempel, vnd treuwhertziger Warnung zusammen gezogen, vnd in den Druck verfertiget.
Iacobi IIII.
Seyt Gott vnderthänig, widerstehet dem Teuffel, so fleuhet er von euch.

Cvm Gratia et Privilegio.

Den ehrnhafften, Wolachtbaren vnnd Fürnemmen Caspar Kolln, Churfürstlichem Meyntzischen Amptschreibern, Vnd Hieronymo Hoff, Renthmeistern in der Graffschafft Königstein, meinen insonders günstigen lieben Herrn vnd Freunden.

Gottes Gnad, meinen Gruß vnd Dienst zuvor, Ehrenhaffte, Wolachtbare, günstige liebe Herren vnd Freunde, Nach dem nun viel Jar her ein gemeine vnd grosse Sag in Teutschlandt von Doct. Johannis Fausti, deß weitbeschreyten Zauberers vnnd Schwartzkünstlers mancherley Abenthewren gewesen, vnd allenthalben ein grosse nachfrage nach gedachtes Fausti Historia bey den Gastungen vnnd Gesellschafften geschicht. Deßgleichen auch hin vnd wider bey etlichen newen Geschichtschreibern dieses Zauberers vnnd seiner Teuffelischen Künste vnd erschrecklichen Endes gedacht wirdt, hab ich mich selbst auch zum offtermal verwundert, daß so gar niemandt diese schreckliche Geschicht ordentlich verfassete, vnnd der gantzen Christenheit zur warnung, durch den Druck mittheilete, hab auch nicht vnterlassen bey Gelehrten vnd verständigen Leuten nachzufragen, ob vielleicht diese Histori schon allbereit von jemandt beschrieben were, aber nie nichts gewisses erfahren können, biß sie mir newlich durch einen guten Freundt von Speyer mitgetheilt vnd zugeschickt worden, mit begeren, daß ich dieselbige als ein schrecklich Exempel deß Teuffelischen Betrugs, Leibs vnd Seelen Mords, allen Christen zur Warnung, durch den öffentlichen Druck publicieren vnd fürstellen wolte. Dieweil es dann ein mercklich vnnd schrecklich Exempel ist, darinn man nicht allein deß Teuffels Neid, Betrug vnd Grausamkeit gegen dem Menschlichen Geschlecht, sehen, sonder auch augenscheinlich spüren kan, wohin die Sicherheit, Vermessenheit vnnd fürwitz letzlich einen Menschen treibe, vnd ein gewisse Vrsach sey deß Abfalls von Gott, der Gemeinschafft mit den bösen Geistern vnd verderbens zu Leib vnd Seel, hab ich die Arbeit vnd Kosten so viel desto lieber daran gewendet, vnnd verhoff hiemit allen denen, so sich wöllen warnen lassen, einen wolgefälligen Dienst zuerzeigen.

Dise Histori aber, Ehrnhaffte, wolachtbare, günstige liebe Herrn vnd Freundt, hab ich E. E. vnd A. dedicieren vnd zuschreiben wöllen, nicht der Meynung, als solt dieselbige dieser Wahrnung für andern bedürffen, denn mir, Gott lob, E. E. vnd A. sonderlicher ernst vnd Eiffer zu Gott, der waren Religion, Christlicher Bekändtnuß, vnd gehorsam auß täglicher Beywohnung vnd Erfahrung gnugsam bekandt, Sondern zu einem öffentlichen Zeugnuß der sonderlichen Lieb vnd Freundschafft, die sich zwischen vns zum theil in der Schul zu Vrsel, zum theil auß vieler Beywohnung vnd Gemeinschafft angefangen, vnd noch auff den heutigen Tag erhalten, auch, ob Gott wil, die vbrige zeit vnsers Lebens hie auff Erden vnnd in dem ewigen Vatterlandt währen vnd bestehen soll. Wie ich denn für meine Person darzu gantz geneigt bin, auch E. E. vnnd A. also gesinnet weiß, daß sie an allem dem, was zu erhaltung dieser vnser wolhergebrachten Freundschafft dienen mag, nichts werden erwinden lassen. Ich erkenne mich zwar schuldig, E. E. vnd A. in anderm vnnd mehrerm vnd mit allem dem, was ich vermag, zu willfahren vnnd zu dienen, Weil ichs aber auff dißmal besser nicht hab, auch E. E. vnnd A. durch Gottes Segen an zeitlicher Nahrung vnd leiblichen Gütern dermassen geschaffen vnd begabet weiß, daß sie meiner hierin nit bedürffen, hab ich dannoch E. E. vnd A. auß meiner Truckerey mit diesem geringen Büchlein verehren wöllen, Sonderlich dieweil mir auß vorigen Gesprächen bewust, daß E. E. vnd A. auch vor längest dieser Historien fleissig nachgefragt, Bitt derhalben, dieselbigen wollen mit diesem geringen Meßkram auff dißmal von mir für gut nemmen, vnd mein günstige Herrn vnd Freundt seyn vnd bleiben. Thue E. E. vnd A. sampt derselbigen gantzen Haußhaltung in den gnädigen Schutz vnnd Schirm deß Allmächtigen befehlen, Datum Franckfurt am Mayn, Montags den 4. Sept. Anno M.D.LXXXVII.


E. E. vnd A.
Dienstwilliger
Johann Spies,
Buchdrucker
daselbst.


Vorred an den Christlichen Leser.

Wiewol alle Sünde in jhrer Natur verdammlich sind, vnnd den gewissen Zorn vnd Straffe Gottes auff sich tragen, so ist doch von wegen der vngleichen Vmbstände jmmer eine Sünde grösser vnd schwerer, wirdt auch beydes hie auff Erden, vnnd am Jüngsten Tag ernstlicher von Gott gestrafft, denn die andern, Wie vnser HERR Christus selber saget, Matth. 11. Es werde Tyro, Sydon, vnd Sodoma am jüngsten Tag träglicher ergehen, denn Chorazim, Bethsaida vnd Capernaum. Ohn allen zweiffel aber ist die Zauberey vnd Schwartzkünstlerey die gröste vnnd schwereste Sünde für Gott vnd für aller Welt, Daher auch Samuel die grobe vnnd vielfältige Sünde deß Königs Sauls ein Zauberey Sünde, Abgötterey vnd Götzendienst nennet, 1. Sam. 15. vnd weiß der H. Geist alle Sünde Sauls nicht anders zubeschreiben, denn mit den zweyen Worten: Abgötterey vnd Zauberey, dadurch sich ein Mensch aller dings von Gott abwendet, sich den Götzen vnd Teuffeln ergibet, vnd denselben an Gottes statt mit gantzem Willen vnnd Ernst dienet. Wie denn Saul von Gott gar abtrünnig wirdt, alles wider sein Wort vnd Befelch muhtwilliger weiß vnnd wider sein eygen Gewissen fürnimmet vnd handlet, biß er endtlich gar an Gott verzweiffelt, den Teuffel selber zu Endor, bey der Warsagerin rahtsfraget, 1. Sam. 28. Ist es aber nicht ein grewlicher vnd erschrecklicher Handel, daß ein vernünfftiger Mensch, der von Gott zu seinem Ebenbild erschaffen, vnd an Leib vnd Seel so hoch geehret vnd reichlich begabet, demselbigen einigen waren Gott vnnd Schöpffer, dem er alle Ehr vnnd Gehorsam sein Lebenlang schuldig ist, so schändtlich verlassen, vnd sich an einen erschaffenen Geist, darzu nicht an einen guten vnd heyligen Geist, als die lieben heylige Engel im Himmel sind, die in jrer angeschaffenen Gerechtigkeit vnnd Reynigkeit bestanden, nicht dienen lassen, Sonder an einen bösen verfluchten Lügen vnd Mordtgeist, der in der Warheit vnd Gerechtigkeit nicht bestanden, vnnd seiner Sünde halben auß dem Himmel in den Abgrund der Hellen verstossen worden, mit Leib vnnd Seel, zu zeitlicher vnnd ewiger Verdammnuß zu eygen ergeben. Was könnte doch grewlichers vnd erschrecklichers von einem Menschen gesaget werden? Es ist auch der Teuffel nicht allein für sich ein abtrünniger, verkehrter vnd verdampter Geist, durch seinen Hoffart vnd Abfall von Gott worden, Sondern ist auch ein abgünstiger, listiger vnd verführischer Geist, Gottes vnnd des Menschlichen Geschlechts wissentlicher vnd abgesagter Feindt, der weder Gott seine Ehr bey den Menschen, noch den Menschen Gottes Huldt vnnd Seligkeit günnet, Sonder das in alle Weg nach seinem besten Vermögen hindert, vnd den Menschen von Gott abwendig machet. Wie er solches bald nach seinem Fall mit der That selbst leyder all zu geschwind an vnsern ersten Eltern erwiesen hat, in dem er nicht allein Gottes außtrücklich Gebott vbel vnd anders, als es gemeynet, deutet, vnd Gott beschuldiget, als ob er den erschaffenen Menschen die höchste Seligkeit mißgünne, Sondern reitzet auch Euam eben dardurch zum Vngehorsam gegen Gott, vnd leuget vnd treuget so lang vnd viel, biß er endlich nit allein Euam, sondern auch durch das Weib Adam selbst zu Fall bringt, vnd so viel an jm ist, nicht allein sie beyde, Sondern auch das gantz Menschliche Geschlecht ins zeitlich vnd ewig Verderben stürtzet. Vnnd ob wol hernach Gott sich wider vber die Menschen erbarmet, vnd jnen durch deß Weibs Samen zu recht geholffen, auch zwischen der Teuffelischen Schlangen eine Feindschafft gesetzt, so lässet doch der Teuffel nit nach, dem Menschlichen Geschlecht nachzustellen, vnnd sie zu allen Sünden, zeitlicher vnnd ewiger Straff zu reitzen, vnnd zu verführen, wie 1. Pet. 5. steht: Ewer Widersacher der Teuffel geht vmbher, wie ein brüllender Löuwe, vnd suchet, welchen er verschlinge. Ja wenn er gleich einmal bey einem Menschen fehlgeschlagen vnd abgewiesen, oder wider außgetrieben worden, so lässet er doch nicht nach, sondern suchet wider an, vnd wo er einen sicheren Menschen antrifft, nimmt er sieben ärgere Geister zu sich, kehret ein vnd wohnet da, vnd wirdt mit einem solchen Menschen ärger als vorhin, Luc. 11. Derhalben vns auch der getrewe Gott so treulich vnd ernstlich für deß Teuffels Griessen, Listen, vnd sonderlichen vor den Zauberischen Schwartzkünsten wahrnet, vnd vns dieselbige bey höchster vnnd eusserster Straff verbeut, daß vnter seinem Volck kein Zauberer seyn, keiner auch die Zauberer rahtsfragen soll. Leuit. 19. Ihr solt euch nicht wenden zu den Warsagern, vnnd forschet nicht an den Zeichendeutern, daß jr nicht an jnen vervnreiniget werdet. Denn ich bin der HERR ewer Gott. Deut. 18. Du solt nicht lernen thun die Grewel dieser Völcker, daß nicht vnter dir funden werde, der sein Sohn oder Tochter durchs Feuwer gehen lasse, oder ein Weissager, oder ein Tagwehler, oder der auff Vogelschrey achte, oder ein Zauberer oder Beschwerer, oder Warsager, oder ein Zeichendeuter, oder der die Todten frage, Denn wer solches thut, der ist dem HERRN ein Grewel, vnd vmb solcher Greuwel willen vertreibet sie der HERR Gott für dir her. Es dräwet auch Gott den Zauberern vnd Schwartzkünstlern vnd jren Anhängern die höchste Straff, vnnd befilcht der Obrigkeit dieselbige an jnen zuexequirn. Leuit. 20. Wenn ein Mann oder Weib ein Warsager oder Zeichendeuter seyn wirdt, die sollen deß Todts sterben, man soll sie steinigen, jr Blut sey auff jnen. Wer auch jemals Historien gelesen, der wirt befinden, wenn gleich die Obrigkeit jr Ampt hierin nit gethan, daß doch der Teuffel selbst zum Hencker an den Schwartzkünstlern worden. Zoroastres, den man für Misraim, deß Chams Sohn, helt, ist von dem Teuffel selbst verbrennet worden. Einen andern Zauberer, der sich vermessen, die Zerstörung der Statt Troia einem fürwitzigen Fürsten zu representieren vnnd für die Augen zu stellen, hat der Teuffel lebendig hinweg in die Lufft geführet, Joannes Franciscus Picus. Deßgleichen hat er auch einem Graffen von Matiscona vber seiner Zauberey gelohnet, Hugo Cluniacensis. Ein anderer Zauberer zu Saltzburg, wolt alle Schlangen in ein Gruben beschweren, war aber von einer grossen vnd alten Schlang mit in die Gruben gezogen vnd getödtet, VVierus de pærstigijs Dæmonum lib. 2. ca. 4. In Summa, der Teuffel lohnet seinen Dienern, wie der Hencker seinem Knecht, vnnd nemmen die Teuffelsbeschwerer selten ein gut Ende, wie auch an D. Johann Fausto zusehen, der noch bey Menschen Gedächtnuß gelebet, seine Verschreibung vnnd Bündtnuß mit dem Teuffel gehabt, viel seltzamer Abenthewr vnd grewliche Schandt vnd Laster getrieben, mit fressen, sauffen, Hurerey vnd aller Vppigkeit, biß jm zu letzt der Teuffel seinen verdienten Lohn gegeben, vnd jm den Halß erschrecklicher weiß vmbgedrehet. Damit ist es aber noch nicht gnug, sondern es folgt auch die ewige Straff vnnd Verdammnuß, daß solche Teuffelsbeschwerer endtlich zu jrem Abgott dem Teuffel in Abgrund der Hellen fahren, vnd ewiglich verdampt seyn müssen. Wie Paulus Galat. 5. sagt: Wer Abgötterey vnd Zau berey treibe, werde das Reich Gottes nicht ererben. Vnnd Apocal. 21. Der Zauberer, Abgöttischen vnd Lügener Theil werde seyn in dem Pful, der mit Feuwer vnd Schweffel brennet, welches ist der ander Todt. Das heisset dann sein geschertzt vnd gekurtzweilet mit dem Teuffel, vnnd das suchet der Schadenfro, daß er die Menschen durch sein Zauberey an Leib vnd Seel schände vnnd verderbe. Wie soll vnd kan es auch wol anders gehen, wann ein Mensch seinen Gott vnd Schöpffer verlassen, Christum seinen Mittler verläugnet, den im H. Tauff mit der H. Dreyfaltigkeit auffgerichten Bund vernichtiget, alle Gnaden vnd Gutthaten Gottes, vnnd sein eygen Heyl vnnd Wolfahrt zu Leib vnd Seel in die Schantz schläget, den Teuffel zu Gast lädet, Bündnussen mit jm auffrichtet, vnd also bey dem Lügen vnd Mordgeist Warheit vnd Glauben, bey einem wissentlichen vnnd abgesagten Feind guten Raht vnd Lehr, vnd bey dem verdampten Helledrachen einige Hoffnung, Glück vnd Segen suchet. Das ist ja kein Menschliche Schwachheit, Thorheit vnd vergeßlichkeit, oder, wie es S. Paulus nennet, ein Menschliche Versuchung, Sondern ein recht Teuffelische Boßheit, ein muhtwillige Vnsinnigkeit vnd grewliche Verstockung, die mit Gedancken nimmermehr ergründet, geschweige dann mit Worten außgesprochen werden kan, darob auch ein Christenmensch, wann ers nur nennen höret, sich von Hertzen entsetzen vnd erschrecken muß.

Fromme Christen aber werden sich für solchen Verführungen vnd Blendungen deß Teuffels wissen zuhüten, vnnd bey dieser Historien fleissig bedencken die Vermahnung, Jacob. 4. Seit Gott vnterthänig, widerstehet dem Teuffel, so fleuhet er von euch, nähet euch zu Gott, so nähet er sich zu euch. Vnd Eph. 6. Seit starck in dem HERREN, vnnd in der Macht seiner Stärcke, ziehet an den Harnisch Gottes, daß jhr bestehen könnet wider die listige Anläuff deß Teuffels. Sollen jhnen auch fürstellen das Exempel Christi, welcher den Teuffel mit Gottes Wort von sich treibet, vnnd alle Anfechtungen vberwindet.

Damit aber alle Christen, ja alle vernünfftige Menschen den Teuffel vnd sein Fürnemmen desto besser kennen, vnnd sich darfür hüten lernen, so hab ich mit Raht etlicher gelehrter vnd verstendiger Leut das schrecklich Exempel D. Johann Fausti, was sein Zauberwerck für ein abscheuwilch End genommen, für die Augen stellen wöllen, Damit auch niemandt durch diese Historien zu Fürwitz vnd Nachfolge möcht gereitzt werden, sind mit fleiß vmbgangen vnnd außgelassen worden die form coniurationum, vnnd was sonst darin ärgerlich seyn möchte, vnnd allein das gesetzt, was jederman zur Warnung vnnd Besserung dienen mag. Das wöllest du Christlicher Leser zum besten verstehen, vnd Christlich gebrauchen, auch in kurtzem deß Lateinischen Exemplars

von mir gewertig seyn. Hiemit
Gott befolen.


[1]

Historia vonn D. Johann Fausten, deß weitbeschreyten Zauberers, Geburt vnd Studijs.

Doctor Faustus ist eines Bauwern Sohn gewest, zu Rod, bey Weinmar bürtig, der zu Wittenberg ein grosse Freundschafft gehabt, deßgleichen seine Eltern Gottselige vnnd Christliche Leut, ja sein Vetter, der zu Wittenberg seßhafft, ein Bürger, vnd wol vermögens gewest, welcher D. Fausten aufferzogen, vnd gehalten wie sein Kind, dann dieweil er ohne Erben war, nam er diesen Faustum zu einem Kind vnd Erben auff, ließ jhn auch in die Schul gehen, Theologiam zu studieren, Er aber ist von diesem Gottseligen Jürnemmen abgetretten vnd Gottes Wort mißbraucht. Derhalben wir solche Eltern vnnd Freundt, die gern alles guts vnd das best gesehen hetten, wie solches alle fromme Eltern gern sehen, vnd darzu qualificiert seind, ohne Taddel seyn lassen, vnd sie in die Historiam nicht mischen sollen, So haben auch seine Eltern dieses Gottlosen Kindes Grewel nit erlebt noch gesehen. Denn einmal gewiß, daß diese Eltern deß D. Fausti (wie menniglich zu Wittenberg bewußt) sich gantz hertzlich erfrewet haben, daß jr Vetter jn als ein Kindt auffname, vnd als darnach die Eltern sein trefflich ingenium vnnd memoriam an jm spürten, ist gewißlich erfolget, daß diese Eltern grosse Jürsorg für jhn getragen haben, gleich wie Hiob, am I. Capit. für sein Kinder gesorget hat, damit sie sich am HERRN nicht versündigten. Es folget darneben auch offt, daß fromme Eltern Gottlose, vngerahtene Kinder haben, wie am Cain, Gen. 4. An Ruben, Genes. 43. Am Absolon, 2. Reg. 15. vnd 18. zusehen ist. Das ich darumb erzehle, dieweil jr viel gewest, so diesen Eltern viel Schuld vnnd Vnglimpff fürwerffen, die ich hiemit excusirt wil haben, daß solch Laruen die Eltern nicht allein als schmehehafft, sondern als hette Faustus von seinen Eltern gesogen, da sie etlich Artickel fürgeben, Nemlich, sie haben jm allen Mutwillen in der Jugend zugelassen, vnd jhn nicht fleissig zum studieren gehalten, das ist jnen den Eltern auch verkleinert. Item, da die Freundt seinen geschwinden Kopff gesehen haben, vnd er zu der Theologia nicht viel Lust gehabt, vnnd darzu bekandt, auch offentlich ein Ruff vnnd Sag gewest, Er gehe mit der Zäuberey vmb, jn bey zeiten solten gewarnet vnd darvon abgemahnet haben. Solches alles seyn somnia, denn sie hierinnen nicht sollen verkleinert werden, dieweil an jnen kein Schuld ist. Für eins, ad propositum.

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Als D. Faust eins gantz gelernigen vnd geschwinden Kopffs, zum studiern qualificiert vnd geneigt war, ist er hernach in seinem Examine von den Rectoribus so weit kommen, daß man jn in dem Magistrat examiniert, vnnd neben jm auch 16. Magistros, denen ist er im Gehöre, Fragen vnnd Geschickligkeit obgelegen vnd gesieget, Also, daß er seinen Theil gnugsam studiert hat, war also Doctor Theologi. Daneben hat er auch einen thummen, vnsinnigen vnnd hoffertigen Kopff gehabt, wie man jn denn allezeit den Speculierer genennet hat, Ist zur bösen Gesellschafft gerahten, hat die H. Schrifft ein weil hinder die Thür vnnd vnter die Banck gelegt, ruch vnd Gottloß gelebt (wie denn diese Historia hernach gnugsam gibt). Aber es ist ein wahr Sprichwort: Was zum Teuffel wil, das läßt sich nicht auffhalten, noch jm wehren.2 Zu dem fand D. Faustus seines gleichen, die giengen mit Chaldeischen, Persischen, Arabischen vnd Griechischen Worten, figuris, characteribus, coniurationibus, incantationibus, vnnd wie solche werden. Vnd diese erzehlte Stück waren lauter Dardaniæ artes, Nigromantiæ, carmina, veneficium, vaticinium, incantatio, vnnd wie solche Bücher, Wörter vnd Namen genennt werden mögen. Das gefiel D. Fausto wol, speculiert vnd studiert Nacht vnd Tag darinnen, wolte sich hernacher keinen Theologum mehr nennen lassen, ward ein Weltmensch, nandte sich ein D. Medicinæ, ward ein Astrologus vnnd Mathematicus, vnd zum Glimpff ward er ein Artzt, halff erstlich vielen Leuten mit der Artzeney, mit Kräutern, Wurtzeln, Wassern, Träncken, Recepten vnd Clistiern, darneben ohne Ruhm war er Redsprechig, in der Göttlichen Schrifft wol erfahren, Er wuste die Regel Christi gar wol: Wer den Willen des HERRN weiß, vnd thut jn nicht, der wirdt zwyfach geschlagen. Item, Niemand kan zweyen Herren dienen. Item, du solt Gott den HERREN nicht versuchen. Diß alles schlug er in Windt, setzte seine Seel ein weil vber die Vberthür, darumb bey jhm kein entschuldigung seyn sol. [2] Doct. Faustus ein Artzt, vnd wie er den Teuffel beschworen hat. Wie obgemeldt worden, stunde D. Fausti Datum dahin, das zulieben, das nicht zu lieben war, dem trachtet er Tag vnd Nacht nach, name an sich Adlers Flügel, wolte alle Gründ am Himmel vnd Erden erforschen, dann sein Fürwitz, Freyheit vnd Leichtfertigkeit stache vnnd reitzte jhn also, daß er auff eine zeit etliche zäuberische vocabula, figuras, characteres vnd coniurationes, damit er den Teufel vor sich möchte fordern, ins Werck zusetzen, vnd zu probiern jm fürname.3 Kam also zu einem dicken Waldt, wie etliche auch sonst melden, der bey Wittenberg gelegen ist, der Spesser Wald genandt, wie dann D. Faustus selbst hernach bekandt hat. In diesem Wald gegen Abend in einem vierigen Wegschied machte er mit einem Stab etliche Circkel herumb, vnd neben zween, daß die zween, so oben stunden, in grossen Circkel hinein giengen, Beschwure also den Teuffel in der Nacht, zwischen 9. vnnd 10. Vhrn. Da wirdt gewißlichder Teuffel in die Faust gelacht haben, vnd den Faustum den Hindern haben sehen lassen, vnd gedacht: Wolan ich wil dir dein Hertz vnnd Muth erkühlen, dich an das Affenbäncklin setzen, damit mir nicht allein dein Leib, sondern auch dein Seel zu Theil werde, vnd wirfst eben der recht seyn, wohin ich nit (wil) ich dich meinen Botten senden, wie auch geschah, vnnd der Teuffel den Faustum wunderbarlich äfft vnnd zum Barren bracht. Denn als D. Faustus den Teuffel beschwur, da ließ sich der Teuffel an, als wann er nicht gern an das Ziel vnd an den Reyen käme, wie dann der Teuffel im Wald einen solchen Tumult anhub, als wolte alles zu Grund gehen, daß sich die Bäum biß zur Erden bogen, Darnach ließ der Teuffel sich an, als wann der Waldt voller Teuffel were, die mitten vnd neben deß D. Fausti Circkel her bald darnach erschienen, als wann nichts denn lauter Wägen da weren, darnach in vier Ecken im Wald giengen in Circkel zu, als Boltzen vnd Stralen, dann bald ein grosser Büchsenschuß, darauff ein Helle erschiene, Vnd sind im Wald viel löblicher Instrument, Music vnnd Gesäng gehört worden, Auch etliche Täntze, darauff etliche Thurnier mit Spiessen vnd Schwerdtern, daß also D. Fausto die weil so lang gewest, daß er vermeynt auß dem Circkel zu lauffen. Letztlich faßt er wider ein Gottloß vnd verwegen Jürnemen, vnd beruhet oder stunde in seiner vorigen condition, Gott geb, was darauß möchte folgen, hube gleich wie zuvor an, den Teuffel wider zu beschweren, darauff der Teuffel jhm ein solch Geplerr vor die Augen machte, wie folget: Es ließ sich sehen, als wann ob dem Circkel ein Greiff oder Drach schwebet, vnd flatterte, wann dann D. Faustus seine Beschwerung brauchte, da kirrete das Thier jämmerlich, bald darauff fiel drey oder vier klaffter hoch ein feuwriger Stern herab, verwandelte sich zu einer feuwrigen Kugel, deß dann D. Faust auch gar hoch erschracke, jedoch liebete jm sein Fürnemmen, achtet jhms hoch, daß jhm der Teuffel vnterthänig seyn solte, wie denn D. Jaustus bey einer Gesellschafft sich selbsten berühmet. Es seye jhm das höchste Haupt auff Erden vnterthänig vnd gehorsam. Darauff die Studenten antworteten, sie wüßten kein höher Häupt, denn den Keyser, Bapst oder König. Drauff sagt D. Faustus, das Häupt, das mir vnterthänig ist, ist höher, bezeugte solches mit der Epistel Pauli an die Epheser, der Fürst dieser Welt, auff Erden vnd vnter dem Himmel, etc. Beschwur also diesen Stern zum ersten, andern, vnd drittenmal, darauff gieng ein Fewerstrom eines Manns hoch auff, ließ sich wider herunder, vnnd wurden sechs Liechtlein darauff gesehen, Einmal sprang ein Liechtlin in die Höhe, denn das ander hernider, biß sich enderte vnd formierte ein Gestalt eines fewrigen Manns, dieser gieng vmb den Circkel herumb ein viertheil Stund lang.4 Bald darauff endert sich der Teuffel vnd Geist in Gestalt eines grauwen Münchs, kam mit Fausto zusprach, fragte, was er begerte. Darauff war D. Fausti Beger, daß er morgen vmb 12. Vhrn zu Nacht jhm erscheinen solt in seiner Behausung, deß sich der Teuffel ein weil wegerte. D. Faustus beschwur jhn aber bey seinem Herrn, daß er jm sein Begern solte erfüllen, vnd ins Werck setzen. Welches jm der Geist zu letzt zusagte, vnd bewilligte. [3] Folget die Disputation D. Fausti mit dem Geist. Doctor Faustus, nach dem er morgens zu Hauß kame, beschiede er den Geist in seine Kammer, als er dann auch erschiene, anzuhören, was D. Fausti begeren were. Vnd ist sich zu verwundern, daß ein Geist, wo Gott die Handt abzeucht, dem Menschen ein solch Geplerr kan machen. Aber wie das Sprichwort lautet, solche Gesellen müssen doch den Teuffel endlich sehen, hie oder dort.5 D. Faustus hebt sein Gauckelspiel widerumb an, beschwur jn von newem, legt dem Geist etliche Artickel für: I. Erstlich, daß er jhm solt vnterthänig vnd gehorsam seyn, in allem was er bete, fragte oder zumuhte, biß in sein Fausti Leben vnd Todt hinein. II. Daneben solt er jm das jenig, so er von jm forschen würd, nicht verhalten. III. Auch daß er jm auff alle Interrogatorien nichts vnwarhafftigs respondiern wölle. Darauff jm der Geist solchs abschlug, wegerte sich dessen, gab sein Vrsachen für, er hette keinen vollkommlichen Gewalt, dann so ferrn biß ers von seinem Herrn, der vber jn herrschete, erlangen könnte, vnd sprach: Lieber Fauste, dein Begeren zu erfüllen, stehet nicht in meiner Kur vnd Gewalt, sondern zu dem hellischen Gott. Antwort D. Faustus darauff: Wie sol ich das verstehen, bistu nit mächtig gnug dises Gewalts. Der Geist antwort, nein. Spricht Faustus wider zu jme: Lieber, sage mir die Vrsach? Du solt wissen, Fauste, sprach der Geist, daß vnter vns gleich so wol ein Regiment vnd Herrschafft ist, wie auff Erden, dann wir haben vnsere Regierer vnd Regenten, vnd Diener, wie auch ich einer bin, vnnd vnser Reich nennen wie die Legion.6 Dann ob wol der verstossen Lucifer auß Hoffart vnd Vbermuht sich selbst zu Fall gebracht, hat diser ein Legion vnnd jhr viel der Teuffel ein Regiment auffgericht, den wir den Orientalischen Fürsten nennen, denn seine Herrschafft hatte er im Auffgang, Also ist auch eine Herrschafft in Meridie, Septentrione vnd Occidente, vnd dieweil Lucifer, der gefallene Engel, seine Herrschafft vnnd Fürstenthumb auch vnter dem Himmel hat, müssen wir vns verendern, zu den Menschen begeben, denselben vnterthänig seyn, Denn sonst köndte der Mensch mit allem seinem Gewalt vnd Künsten jhm den Lucifer nicht vnterthänig machen, es sey dann, daß er ein Geist sende, wie ich gesandt bin. Zwar wir haben dem Menschen das rechte Fundament vnserer Wohnung nie offenbaret, wie auch vnser Regierung vnd Herrschafft, dann nach Absterben deß verdampten Menschen, der es erfehrt vnd jnnen wirt. D. Faustus entsetzt sich darob, vnd sprach: Ich wil darumb nicht verdampt seyn, vmb deinet willen. Antwort der Geist: Wiltu nit, so hats doch kein Bitt, Hats denn kein Bitt, so mustu mit, Helt man dich, so weistu es nit, Dennoch mustu mit, da hilfft kein Bitt, Dein verzweiffelt Hertz hat dirs verschertzt. Darauff sagt D. Faustus, hab dir S. Veltins Grieß vnd Crisam, heb dich von dannen. Da nun der Geist entweichen wolt, ward D. Faustus von stund an eines andern zweiffelhafftigen Gemühts, vnd beschwure jn, daß er jhm auff Vesper zeit widerumb allda solte erscheinen, vnd anhören, was er jm weiter würde fürtragen, Das jm der Geist bewilligte, vnd also vor jhm verschwande7. Es ist hie zu sehen deß Gottlosen Fausti Hertz vnd Opinion, da der Teuffel seyn müste, vnd doch auff seiner Halßstarrigkeit beharret. [4] Die andere Disputation Fausti mit dem Geist, so Mephostophiles genennet wirdt. Abendts oder vmb Vesperzeit, zwischen drey vnd vier Vhren, erschien der fliegende Geist dem Fausto wider, der erbotte sich jhm in allem Vnterthänig vnd gehorsam zu seyn, dieweil jm von seinem Obersten Gewalt gegeben war, vnnd sagt zu D. Fausto: Die Antwort bring ich dir, vnnd Antwort mustu mir geben. Doch wil ich zuvor hören, was dein Beger sey, dieweil du mir aufferleget hast, auff diese Zeit zu erscheinen. Dem gab D. Faustus Antwort, jedoch zweiffelhafftig vnd seiner Seelen schändlich, denn sein Datum stunde anders nit, dann daß er kein Mensch möchte seyn, sondern ein Leibhafftiger Teuffel, oder ein Glied darvon, vnd begert vom Geist wie folgt: Erstlich, daß er auch ein Geschickligkeit, Form vnnd Gestalt eines Geistes möchte an sich haben vnd bekommen.8 Zum andern, daß der Geist alles das thun solte, was er begert, vnd von jhm haben wolt. Zum dritten, daß er jm gefliessen, vnterthänig vnd gehorsam seyn wolte, als ein Diener. Zum vierdten, daß er sich allezeit, so offt er jn forderte vnd beruffte, in seinem Hauß solte finden lassen. Zum fünfften, daß er in seinem Hause wölle vnsichtbar regiern, vnd sich sonsten von niemandt, als von jm sehen lassen, es were denn sein Will vnd Geheiß. Vnd letzlich, daß er jhm, so offt er jhn forderte, vnnd in der Gestalt, wie er jhm aufferlegen würde, erscheinen solt. Auff diese sechs Puncten antwort der Geist dem Fausto, daß er jhm in allem wolt willfahren vnd gehorsamen, so ferrn daß er jm dagegen auch etlich fürgehaltene Artickel wölle leisten, vnd wo er solches thue, sol es weiter kein noht haben, vnd seind diß darunter deß Geistes etliche Artickel gewesen: Erstlich, daß er, Faustus verspreche vnd schwere, daß er sein, deß Geistes, eygen seyn wolte.9 Zum andern, daß er solches zu mehrer Bekräfftigung, mit seinem eygen Blut wölle bezeugen, vnd sich darmit also gegen jm verschreiben. Zum dritten, daß er allen Christgläubigen Menschen wölle feind seyn. Zum vierdten, daß er den Christlichen Glauben wölle verläugnen. Zum fünfften, daß er sich nicht wölle verführen lassen, so jhne etliche wöllen bekehren. Hingegen wölle der Geist jhme, Fausto, etliche Jahr zum Ziel setzen, wann solche verloffen, soll er von jhme geholt werden, Vnd so er solche Puncten halten würde, soll er alles das haben, was sein Hertz belüste vnd degerte, vnnd soll er alsbaldt spüren, daß er eines Geistes gestallt vnnd weise haben würde. D. Faustus war in seinem Stoltz vnnd Hochmut so verwegen, ob er sich gleich ein weil besunne, daß er doch seiner Seelen Seligkeit nicht bedencken wolte, sondern dem bösen Geist solches darschluge, vnnd alle Artickel zuhalten verhiesse. Er meynet der Teuffel wer nit so schwartz, als man jhn mahlet, noch die Hell so heiß, wie mann davon sagte, etc. [5] Das dritte Colloquium D. Fausti mit dem Geist von seiner Promission. Nach dem D. Faustus dise Promission gethan, forderte er deß andern Tags zu Morgen früe den Geist, dem aufferlegte er, daß, so offt er jn forderte, er jm in gestallt vnd Kleydung eines Franciscaner Münchs, mit einem Glöcklin erscheinen solte, vnd zuvor etliche Zeichen geben, damit er am Geläut könnte wissen, wenn er daher komme. Fragte den Geist darauff, wie sein Name, vnnd wie er genennet werde? Antwortet der Geist, er hieß Mephostophiles. Eben in dieser Stundt fellt dieser Gottloß Mann von seinem Gott vnd Schöpffer ab der jhne erschaffen hatt, ja er wirdt ein Glied deß leydigen Teuffels, vnnd ist dieser Abfall nichts anders, dann sein stoltzer Hochmuth, Verzweifflung, Verwegung vnd Vermessenheit, wie den Riesen war, darvon die Poeten dichten, daß sie die Berg zusammen tragen, vnd wider Gott kriegen wolten, ja wie dem bösen Engel, der sich wider Gott setzte, darumb er von wegen seiner Hoffahrt vnnd Vbermuht von GOtt verstossen wurde, Also wer hoch steygen wil, der fellet auch hoch herab. Nach diesem richtet D. Faustus, auß grosser seiner Verwegung vnd Vermessenheit, dem bösen Geist sein Instrument, Recognition, brieffliche Vrkund vnd Be kanntnuß auff, Dieses war ein grewlich vnd erschrecklich Werck, vnd ist solche Obligation, nach seinem elenden Abschied, in seiner Behausung gefunden worden10. Solches wil ich zur Warnung vnd Exempel aller frommen Christen melden, damit sie dem Teuffel nicht statt geben, vnd sich an Leib vnd Seel mögen verkürtzen, wie dann D. Faustus baldt hernach seinen armen famulum vnnd Diener auch mit diesem Teuffelischen Werck verführt hat. Als diese beyde Partheyen sich miteinander verbunden, name D. Faustus ein spitzig Messer, sticht jhme ein Ader in der lincken Hand auff, vnnd sagt man warhafftig, daß in solcher Hand ein gegrabne vnnd blutige Schrifft gesehen worden, O Homo fuge, id est, O Mensch fleuhe vor jhme vnd thue recht, etc. [6] D. Faustus läst jhm das Blut herauß in einen Tiegel, setzt es auff warme Kolen, vnd schreibt, wie hernach folgen wirdt. Ich Johannes Faustus D. bekenne mit meiner eygen Handt offentlich, zu einer Bestettigung, vnnd in Krafft diß Brieffs, Nach dem ich mir fürgenommen die Elementa zu speculieren, vnd aber auß den Gaaben, so mir von oben herab bescheret, vnd gnedig mitgetheilt worden, solche Geschickligkeit in meinem Kopff nicht befinde, vnnd solches von den Menschen nicht erlehrnen mag, So hab ich gegenwertigem gesandtem Geist, der sich Mephostophiles uennet, ein Diener des Hellischen Printzen in Orient, mich vntergeben, auch denselbigen, mich solches zuberichten vnd zu lehren, mir erwehlet, der sich auch gegen mir versprochen, in allem vnderthenig vnnd gehorsam zuseyn. Dagegen aber ich mich hinwider gegen jhme verspriche vnd verlobe, daß so 24. Jahr, von Dato diß Brieffs an, herumb vnd fürvber gelauffen, er mit mir nach seiner Art vnd weiß, seines Gefallens, zuschalten, walten, regieren, führen, gut macht haben solle, mit allem, es sey Leib, Seel, Fleisch, Blut vnd gut, vnd das in sein Ewigkeit.11 Hierauff absage ich allendenen, so da leben, allem Himmlischen Heer, vnd allen Menschen, vnd das muß seyn. Zu festem Vrkundt vnnd mehrer Bekräfftigung, hab ich disen Receß eigner Hand geschrieben, vnderschrieben, vnd mit meinem hiefür getrucktem eygen Blut, meines Sinns, Kopffs, Gedancken vnnd Willen, verknüpfft, versiegelt vnd bezeuget, etc. Subscriptio, Johann Faustus, der Erfahrne der Elementen, vnd der Geistlichen Doctor. [7] Wider D. Fausti Verstockung, ist dieser Verß vnd Reymen wol zusagen. Wer sein Lust setzt auff stoltz vnd Vbermuht, Vnnd darinnen sucht sein Freuwd vnd Muht, Vnd alles dem Teuffel nach thut. Der Macht vber jhne ein eygen Ruht, Vnd kompt endtlich vmb Seel, Leib vnd Gut. Item: Wer allein das Zeitlich betracht, Vnd auff das Ewig hat kein acht, Ergibt sich dem Teuffel Tag vnd Nacht, Der hab auff seine Seel wol acht. Item: Wer sich das Feuwer muhtwillig läßt brennen, Oder wil in einen Brunnen springen, Dem geschicht recht, ob er schon nicht kan entrinnen. [8] Im dritten Gespräch erschiene dem Fausto sein Geist vnd famulus gantz frölich, vnd mit diesen gestibus vnd Geberden12. Er gieng im Hauß vmb wie ein feuriger Mann, daß von jm giengen lauter Fewerstramen oder Stralen, Darauff folgete ein Motter vnd Geplerr, als wann die Münch singen, vnnd wuste doch niemand, was es für ein Gesang war. Dem D. Fausto gefiel das Gauckelspiel wol, er wolte jhn auch noch nicht in sein Losament fordern, biß er sehe, was endtlich darauß wolt werden, vnd was es für ein Außgang gewinnen vnnd haben würde. Bald darnach wurd ein Getümmel gehört von Spiessen, Schwertern vnd andern Instrumenten, daß jn dunckte, man wolte das Hauß mit stürmen einnemmen. Bald widerumb wurd ein Gejägt gehört, von Hunden vnd Jägern, die Hund triben vnd hetzten einen Hirschen, biß in D. Fausti Stuben, da ward er von den Hunden nidergelegt. Darauff erschiene in D. Fausti Stuben ein Löwe vnd Drach, die stritten mit einander, wiewol sich der Löuw tapffer wehrete, ward er dannoch vberwunden, vnd vom Drachen verschlungen. D. Fausti Famulus sagt, daß er einem Lindwurm gleich gesehen habe, am Bauch geel, weiß vnd schegget, vnd die Flügel vnnd Obertheil schwartz, der halbe Schwantz, wie ein Schnecken Hauß, krumblecht, darvon die Stuben erfüllet, etc. Wider wurden gesehen hinein gehen ein schöner Pfaw, sampt dem Weiblein, die zanckten mit einander, vnd bald warden sie vertragen, Darauff sahe man einen zornigen Stier hinein lauffen, dem D. Fausto zu, der nicht ein wenig erschrack, aber wie er dem Fausto zurennt, fellet er vor jm nider, vnnd verschwindt. Hierauff ward wider gesehen ein grosser alter Aff, der bot D. Fausto die Handt, sprang auff jn, liebet jn, vnd lieff die Stuben wider hinauß. Bald geschichts, daß ein grosser Nebel in der Stuben wirdt, daß D. Faustus vor dem Nebel nicht sehen kundte, so bald aber der Nebel vergienge, lagen vor jhme zween Säck, der ein war Goldt, vnd der ander Silber. Letzlich, da erhub sich ein lieblich Instrument von einer Orgel, dann die Positiff, dann die Harpffen, Lauten, Geygen, Posaunen, Schwegel, Krumbhörner, Zwerchpfeiffen vnd dergleichen (ein jeglichs mit vier Stimmen) also daß D. Faustus nicht anderst gedachte, dann er wer im Himmel, da er doch bey dem Teuffel war. Solches wehrete ein gantze Stund, daß also D. Faustus so halßstarrig war, daß er jhme fürnam, es hette jne noch niemals gerewet. Vnd ist hie zusehen, wie der Teufel so ein süß Geplerr macht, damit D. Faustus in seinem fürnemmen nicht möchte abgekehrt werden, sonder vil mehr, daß er sein fürnemmen noch freudiger möchte ins Werck setzen, vnd gedencken: Nun hab ich doch nie nichts böses noch abscheuliches gesehen, sondern mehr Lust vnnd Freuwde. Darauff gienge Mephostophiles der Geist zu D. Fausto in die Stuben hinein, in Gestallt vnnd Form eines Münchs. D. Faustus sprach zu jhme, du hast einen wunderbarlichen Anfang gemacht, mit deinen Geberden vnd Enderungen, welches mir ein grosse Freuwd gegeben, Wo du also darinn wirst verharren, solt du dich alles guts zu mir versehen. Antwort Mephostophiles, O das ist nichts, ich soll dir in andern dienen, daß du kräfftigere vnd grössere Wirckunge vnnd Weiß an mir sehen wirst, auch alles das du von mir forderst, allein daß du mir die Promission vnnd Zusagung deines Verschreibens leistest, Faustus reichte jme die Obligation dar, vnd sagte, da hast du den Brieff, Mephostophiles name den Brieff an, vnnd wolte doch von D. Fausto haben, daß er eine Copey darvon nemme, das thät der Gottloß Faustus. [9] Von Dienstbarkeit deß Geistes, gegen D. Fausto. Als D. Faustus solchen Grewel dem bösen Geist mit seinem eignen Blut vnd Handschrifft geleistet, ist gewißlich zuvermuhten, daß auch Gott vnd alles Himmlisches Heer von jhme gewiechen. In dem hat er nun sein Thun angerichtet, nit wie ein rechter Gottseliger Haußvatter, sonder wie der Teuffel, wie Christus der HERR von jhme sagt, der ein solche Behausung vnd Tabernacul hat, wo er in einem Menschen wohnet, Der Teuffel hat bey jhme einforiert, vnd gewohnet, wie auch zwar nach dem Sprichwort D. Faustus den Teuffel zu Gast geladen hat. D. Faustus hat seines frommen Vettern Behausung jnnen, wie ers dann jme auch im Testament vermacht hatte, bey jhme hett er täglich ein jungen Schüler zum famulo, einen verwegnen Lecker, Christoph Wagner genannt, dem gefiele dieses Spiel auch wol, deßgleichen jne sein Herr tröstete, er wolte einen hocherfahrnen vnd geschickten Mann auß jhme machen, vnndt wie die Jugendt vorhin mehr zum bösen, denn zum guten geneiget, also war diesem auch13. So hat D. Faustus, wie oben gesagt, niemands in seinem Hauß, als seinen famulum, vnd seinen bösen Geist Mephostophilem, der jmmerdar in gestallt eines Mönchs vor jhme wandelte, den beschwur er in seinem Schreibstüblein, welches er jederzeit verschlossen hatte. Sein Nahrung vnd Proulandt hatt D. Faustus vberflüssig, wann er einen guten Wein wolte haben, bracht jme der Geist solchen auß den Kellern, wo er wolte, wie er sich dann selbst einmal hören lassen, er thete seinem Herrn dem Churfürsten, auch dem Hertzogen auß Bäyrn, vnd dem Bischoffen von Saltzburg, viel Leyds in den Kellern, So hatte er täglich gekochte Speiß, dann er kundte ein solche zauberische Kunst, daß so bald er das Fenster auffthete, vnd nennet einen Vogel, den er gern wolt, der floge jhme zum Fenster hinein.14 Deßgleichen brachte jhme sein Geist von allen vmbligenden Herrschafften, von Fürsten oder Graffen Höfen, die beste gekochte Speiß, alles gantz Fürstlich, Er vnd sein Jung giengen stattlich gekleydet, welches Gewand darzu jhme sein Geist zu Nachts, zu Nürmberg, Augspurg oder Franckfurt einkauffen oder stehlen muste, dieweil die Krämer deß Nachtes nicht pflegen im Kram zusitzen, So müssen sich auch die Gerber vnnd Schuster also leiden. In Summa, es war alles gestolne vnd entlehnete Wahr, vnnd war also ein gar erbare, ja Gottlose Behausung vnd Narung, Wie Christus der HERR durch Johannem, den Teuffel auch einen Dieb vnd Mörder nennet, der er auch ist. Noch hat jme der Teuffel versprochen, er wölle jme Wochentlich 25. Kronen geben, thut das Jahr 1300. Kronen, das ward sein Jars Bestallung. [10] D. Faustus wolte sich verheyrathen. Doctor Faustus lebt also im Epicurischen Leben Tag vnd Nacht, glaubet nit daß ein GOTt, Hell oder Teuffel were, vermeinet Leib vnd Seele stürbe miteinander, vnnd stach jhn seine Aphrodisia Tag vnd Nacht, daß er jhm fürname sich Ehelich zuverheyraten vnd zu weiben. Fragte darauff den Geist, welcher doch ein feind deß Ehelichen stands, so Gott geordnet vnnd eingesetzt hat, ist, ob er sich verheyrathen möchte? Antwortet jhme der böse Geist, was er auß jhme selbs machen wölle? Item, ob er nicht an seine Zusage gedencke? Vnnd ob er dieselbige nicht halten wölle? da er verheissen, Gott vnd allen Menschen feind zuseyn.15 Zu dem, so könnte er in keinen Ehestandt gerahten, dieweil er nicht zweyen Herrn, als Gott vnd jhme, dem Teuffel, dienen könnte. Dann der Ehestand ist ein Werck deß Höchsten, wir aber seind dem gar zuwider, denn was den Ehebruch vnd Vnzucht betrifft, das kommt vns allen zu gutem. Derohalben, Fauste, sehe dich für, wirst du dich versprechen zuverehelichen, soltu gewißlich von vns zu kleinen Stücken zerrissen werden. Lieber Fauste, bedencke selbsten, was vnruh, Widerwillen, Zorn vnd Vneinigkeit auß dem Ehelichen standt folget? D. Faustus gedacht jhme hin vnnd wider nach, wie aller Gottlosen Hertzen nichts guts gründen können, vnd der Teuffel dieselbigen leytet vnd führet, Endtlich im nachdencken forderte er seinen Münch, da ohne das der München vnd Nonnen art ist, sich nit zuverehrlichen, sondern verbieten vielmehr dieselbige, Also auch D. Fausti Münch trieb jhn stetigs davon ab. Darauff sagt D. Faustus zu jhme: Nun wil ich mich Verehlichen, es folge drauß gleich was es wölle. In solchem Fürhaben gehet ein Sturmwindt seinem Hauß zu, als wolte es alles zu Grunde gehen, Es sprangen alle Thüren auff auß den Angeln, in dem wirt sein Hauß voller Brunst, als ob es zu lauter Aschen verbrennen wolte. D. Faustus gab das Fersengelt die Stiegen hinab, da erhaschet jn ein Mann, der wirfst jn wider in die Stuben hineyn, daß er weder Hände noch Füsse regen kundt, Vmb jhn gieng allenthalben das Feuwer auff, als ob er Verbrennen wolte, Er schrey seinen Geist vmb Hülff an, er wolte nach allem seinem Wunsch, Raht vnd That leben. Da erschiene jhm der Teuffel Leibhafftig, doch so grawsam vnd erschrecklich, daß er jn nicht ansehen kundt, Im antwort der Teuffel, sagende: Nun sage an, was Sinns bistu noch? D. Faustus antwortet jhm kürtzlich, Er habe sein Versprechen nicht geleystet, wie er sich gegen jhm verlobt, vnnd habe solches so weit nicht außgerechnet, bate vmb Gnad vnnd Verzeihung, Der Satan sagt zu jhm mit kurtzen Worten: Wolan so beharre hinfort darauff, Ich sage dirs, Beharre darauff, vnd verschwande. Nach diesem kame der Geist Mephostophiles zu jme, vnd sagte zu jhme: Wo du hinfüro in deiner Zusagung beharren wirst, sihe, so wil ich deinen Wollust anders ersättigen, daß du in deinen Tagen nichts anders wünschen wirst, vnd ist dieses: So du nit kanst Keusch leben, so wil ich dir alle Tag vnd Nacht ein Weib zu Bett führen, welche du in dieser Statt, oder anderßwo ansichtig, vnd die du nach deinem Willen zur Vnkeuscheit begeren wirst, In solcher Gestalt vnnd Form sol sie bey dir wohnen.16 Dem D. Fausto gieng solchs also wol ein, daß sein Hertz für frewden zitterte, vnd rewte jn, was er anfänglich hatt fürnemmen wöllen, Geriehte auch in eine solche Brunst vnd Vnzucht, daß er Tag vnnd Nacht nach Gestalt der schönen Weiber trachtete, daß, so er heut mit dem Teuffel Vnzucht triebe, Morgen einen andern im Sinn hatte. [11] Frag D. Fausti an seinen Geist Mephostophilem. Nach solchem, wie oben gemeldt, Doct. Faustus die schändtliche vnd greuwliche Vnzucht mit dem Teuffel triebe, vbergibt jhme sein Geist bald ein grosses Buch, von allerley Zauberey vnnd Nigromantia, darinnen er sich auch neben seiner Teuffelischen Ehe erlustigte, Diese Dardanias artes, hat man hernacher bey seinem famulo, Christoff Wagner, funden. Bald sticht jn der Fürwitz, fordert seinen Geist Mephostophilem, mit dem wolte er ein Gespräch halten, vnd sagt zum Geist: Mein Diener, sage an, Was Geists bistu? Ihme antwort der Geist, vnd sprach: Mein Herr Fauste, Ich bin ein Geist, vnnd ein fliegender Geist, vnter dem Himmel regierendt. Wie ist aber dein Herr Lucifer zu Fall kommen? Der Geist sprach: Herr, Wie mein Herr, der Lucifer, ein schöner Engel, von GOtt erschaffen, ein Geschöpff der Seligkeit gewest ist, so weiß ich so viel von jhme, daß man solche Engel Hierarchias nennet, vnnd jrer waren drey: Seraphin, Cherubin, vnnd der Thron Engel, der erst Fürsten Engel, der regieret das Ampt der Engel, der ander die erhalten vnd regieren oder schützen die Menschen, der dritte, die wehren vnnd stewren vnserer Teuffel Macht, vnd sind also Fursten Engel vnnd Krafft Engel genennet, Man nennet sie auch Engel grosser Wunderwerck, Verkünder grosser Ding, vnd Engel der Sorgfältigkeit Menschlicher Wart.17 Also war auch Lucifer der schönen vnd Ertz Engel einer vnter jnen, vnd Raphael genannt, die andern zween Gabriel vnd Michael. Vnnd also hast du kürtzlich mein Bericht vernommen. [12] Ein Disputation von der Hell vnnd jhrer Spelunck. Dem Doct. Fausto, wie man zusagen pflegt, Traumete von der Helle, vnd fragte darauff seinen bösen Geist, auch von der Substantz, Ort vnnd Erschaffung der Hellen, wie es darmit geschaffen seye. Der Geist gibt Bericht, So bald sein Herr in Fall kam, vnd gleich zur selbigen Stunde war jhme die Helle bereit, die da ist ein Finsternuß, allda der Lucifer mit Ketten gebunden, vnnd also verstossen vnnd vbergeben ist, daß er zum Gericht behalten werden solle, darinnen nichts anders zu finden als Nebel, Feuwer, Schwefel, Bech, vnnd ander Gestanck, So können wir Teuffel auch nit wissen, was gestalt vnd weiß die Helle erschaffen ist, noch wie sie von Gott gegründet vnd erbauwet seye, denn sie hat weder End noch Grund, Vnd diß ist mein kurtzer Bericht. [13] Ein ander Frag D. Fausti vom Regiment der Teuffel vnnd jhrem Principat. Der Geist muste Faustum auch berichten von der Teuffel Wohnung, Regiment vnd Macht. Der Geist respondierte, vnnd sprach: Mein Herr Fauste, die Hell vnd derselben Refier ist vnser aller Wohnung vnd Behausung, die begreifst so viel in sich, als die gantze Welt, vber der Hell vnd vber der Welt, biß vnter den Himmel, hat es zehen Regiment vnnd Königreich, welche sind die Obersten vnter vns, vnd die Gewaltigsten vnter sechs Regimenten, vnnd sind nemlich die: 1 Lacus mortis. 2 Stagnum ignis. 3 Terra tenebrosa. 4 Tartarus. 5 Terra obliuionis. 6 Gehenna. 7 Herebus. 8 Barathrum. 9 Styx. 10 Acheron. In dem regieren die Teuffel, Phlegeton genannt. Diese vier Regiment vnter jhnen sind Königliche Regierung, als Lucifer in Orient, Beelzebub in Septentrione, Belial in Meridie, Astaroth in Occidente, vnnd diese Regierung wirdt bleiben, biß in das Gericht Gottes. Also hastu die Erzehlung von vnserm Regiment. [14] Frag, in was Gestalt die verstorbenen Engel gewest. Doct. Faustus name jm widerumb ein Gespräch für, mit seinem Geist zu halten, er solte jm sagen, In was gestalt sein Herr im Himmel geziert gewest, vnd darinnen gewohnet. Sein Geist bath jhn auff dißmal vmb drey Tag auffzug, Am dritten Tage gab jm der Geist diese Antwort: Mein Herr Lucifer, der jetzunder also genennt wirt, wegen der Verstossung auß dem hellen Liecht deß Himmels, der zuvor auch ein Engel Gottes vnnd Cherubin war, der alle Werck vnd Geschöpff Gottes im Himmel gesehen hat, Er war in solcher Zierd, Gestalt, Pomp, Authoritet, Wirde vnd Wohnung, daß er vber alle andere Geschöpff Gottes vber Gott vnd Edelgestein, vnnd von Gott also erleuchtet, daß er der Sonnen Glantz vnd Stern vbertreffen thäte. Dann so baldt jhn Gott Erschuff, setzte er jhn auff den Berg Gottes, vnd in ein Ampt eines Fürstenthumbs, daß er vollkommen war in allen seinen Wegen, Aber so bald er in Vbermut vnd Hoffart stiege, vnd vber Orient sich erheben wolte, ward er von Gott auß der Wohnung deß Himmels vertilget, vnd von seinem Sitz gestossen in einen Fewrstein, der ewig nit erlischt, sonder jmmerdar quellet, Er war gezieret mit der Kronen aller Himmlischen Pomp. Vnd dieweil er also wissentlich vnd vermessentlich wider Gott gewesen ist, hat sich Gott auff seinen Richterstuel gesetzt, vnd jn auch gleich zur Hellen, darauß er in Ewigkeit nit mehr entrinnen mag, vervrtheilet vnnd verdammet. D. Faustus, als er den Geist von disen dingen hatte gehört, Speculiert er darauff mancherley Opiniones vnd Gründe, gieng auch also darauff stillschweigendt vom Geist in seine Kammer, leget sich auff sein Beth, hub an bitterlich zu weinen vnd seufftzen, vnd in seinem Hertzen zu schreyen, Betrachtete auff diese erzehlung deß Geistes, wie der Teuffel vnd verstossene Engel, von GOtt so herrlich gezierdt war, vnd wenn er nit so Trotzig vnd Hochmütig wider Gott gewesen, wie er ein ewiges Himmlisches wesen vnnd wohnung gehabt hette, vnd aber jetzunder von GOtt ewig verstossen seye, vnd sprach: O weh mir jmmer wehe, also wirt es mir auch gehen, denn ich bin gleich so wol ein Geschöpff Gottes, vnnd mein vbermühtig Fleisch vnd Blut hat mich, an Leib vnd Seel, in Verdammlicheit gebracht, Mich mit meiner Vernunfft vnd Sinn gereitzt, daß ich als ein Geschöpff Gottes von jme gewichen bin, vnd mich den Teuffel bereden lassen, daß ich mich jhme mit Leib vnd Seele ergeben, vnd verkaufft habe, Darumb kan ich keiner Gnade mehr hoffen, Sondern werde wie der Lucifer in die ewige Verdammnuß vnd Wehe verstossen, Ach wehe jmmer wehe, was zeihe ich mich selbst? O daß ich nie geboren were worden? Diese Klage führte D. Faustus, Er wolte aber keinen Glauben noch Hoffnung schöpffen, daß er durch Buß möchte zur Gnade Gottes gebracht werden18. Denn wenn er gedacht hette: Nun streicht mir der Teuffel jetzt eine solche Farbe an, daß ich darauff muß in Himmel sehen, Nun so wil ich wider vmbkehren, vnd Gott vmb Gnade vnd Verzeihung anruffen, Denn nimmer thun, ist ein grosse Buß, hette sich darauff in der Christlichen Gemein in die Kirchen verfügt, vnnd der heyligen Lehre gefolget, dardurch also dem Teuffel eine widerstand gethan, ob er jm schon den Leib hie hette lassen müssen, so were dennoch die Seele nom erhalten worden, Aber er wardt in allen seinen opinionibus vnnd Meynungen zweiffelhafftig, vngläubig vnd keiner Hoffnung. [15] D. Faustus disputirte ferners mit seinem Geist Mephostophile, von Gewalt deß Teuffels. Doctor Faustus, nach dem jhme sein Vnmuht ein wenig vergienge, fragte er seinen Geist Mephostophilem von Regierung, Raht, Gewalt, Angriff, Versuchungen vnd Tyranney deß Teuffels, vnnd wie er solches anfänglich getrieben habe? Darauff der Geist sagte: Diese Disputation vnd Frage, so ich dir erklären solle, wirt dich, mein Herr Fauste, etwas zu Vnmuht vnd Nachdencken treiben, zu dem soltu solchs von mir nicht begert haben, denn es trifft vnser Heimligkeit an, wiewol ich nicht hinüber kan, So soltu wissen, daß so bald der verstossene Engel in Fall kam, ist er Gott vnnd allen Menschen Feind worden, vnd sich, wie noch, vnterstanden allerley Tyranney am Menschen zu vben, wie dann noch alle Tage Augenscheinlich zusehen, daß einer zu Todt fällt, ein ander Erhenckt, Ertränckt, oder Ersticht sich selbs, der Dritte wirt erstochen, Verzweiffelt vnd dergleichen. Wie darneben auch zusehen ist, als der erste Mensch von Gott vollkömmlich erschaffen ward, mißgönnet jhm solchs der Teuffel, sätzte an jn, vnd bracht also Adam vnnd Euam mit allen jhren Nachkommen in Sünde vnd Vngnade Gottes. Diß sind, lieber Fauste, Angriff vnd Tyranney deß Sathans, Also thäte er auch mit Cain, vnd brachte zuwegen, daß das Israelitische Volck frembde Götter anbetete, denselben opfferte, vnnd mit den Heydnischen Weibern Vnkeuscheit triebe. So haben wir auch einen Geist, der den Saul getrieben hat, vnnd in die Vnsinnigkeit gebracht vnnd gereitzt, daß er sich selbst getödtet. Noch ist ein Geist Asmodeus genannt, der hat sieben Mann in Vnkeuschheit getödtet, Deßgleichen der Geist Thagon, welcher 30000. Menschen in Vnfall brachte, daß sie erschlagen, vnnd die Arche Gottes gefangen wurde, Wie auch Belial, der dem Dauid sein Hertz reitzte, daß er sein Volck begundte zu zehlen, darüber 60000. Menschen sturben, So thät auch vnser Geist einer dem König Salomon ein solchen Reitz, daß er die Abgötter anbettet, etc. Vnd sind also vnser der Geister vnzehlich vil, die den Menschen beykommen, sie zu Sünden reitzen vnd bringen, Also theilen wir vns noch in alle Welt auß, versuchen allerley List vnd Schalckheit, werffen die Leuth abe vom Glauben, vnd reitzen sie zu Sünden, vnd stärcken vns auff das beste wir können vnd mögen, sind wider Jhesum, durchächten jm die seinen, biß in den Todt, Besitzen die Hertzen der Könige vnnd Fürsten der Welt, wider Jesu Lehr vnd Zuhörer. Vnd diß kanstu, Herr Fauste, bey dir abnemmen. D. Faustus sprach zu jm: So hastu mich auch Besessen? Lieber sage mir die Warheit? Der Geist antwortet, Ja, warumb nicht? Denn so bald wir dein Hertz besahen, mit was Gedancken du vmbgiengest, vnd wie du niemands sonsten zu deinem solchen Fürnemmen vnnd Werck köndtest brauchen vnd haben, dann den Teuffel, Sihe so machten wir deine Gedancken vnd Nachforschen noch frecher vnd kecker, auch so begierlich, daß du Tag vnnd Nacht nicht Ruhe hettest, Sondern alle dein Tichten vnnd Trachten dahin stunde, wie du die Zäuberey zu wegen bringen möchtest, Auch da du vns Beschwurest, machten wir dich so Frech vnd Verwegen, daß du dich ehe den Teuffel hettest hinführen lassen, ehe du von deinem Werck werest abgestanden. Hernach behertzigten wir dich noch mehr, biß wir dir ins Hertz pflantzten, daß du von deinem Fürnemmen nicht mochtest abstehen, wie du einen Geist möchtest zu wegen bringen. Letzlich brachten wir dich dahin, daß du dich mit Leib vnd Seel vns ergabest, das kanstu alles, Herr Fauste, bey dir abnemmen. Es ist war, sagt D. Faustus, nun kan ich jm nimmermehr thun, Auch habe ich mich selbst gefangen, hette ich Gottselige Gedancken gehabt, vnd mich mit dem Gebett zu Gott gehalten, auch den Teuffel nicht so sehr bey mir einwurtzeln lassen, so were mir solchs Vbel an Leib vnnd Seel nicht begegnet, Ey was hab ich gethan? Antwort der Geist: Da sihe du zu. Also gieng Doct. Faustus trawrig von jme. [16] Ein Disputation von der Hell, Gehenna genandt, wie sie erschaffen vnd gestalt seye, auch von der Pein darinnen. Doctor Faustus hatte wol jmmerdar eine Rew im Hertzen, vnd ein Bedencken, was er sich doch geziegen hette, daß er sich seiner Seelen Seligkeit begeben, vnddem Teuffel also vmb das Zeitliche zu eigen verlobt hatt, Aber sein Rew war Cains vnnd Jude Reuw vnd Buß, da wol ein Rew im Hertzen war, aber er verzagte an der Gnade Gottes, vnnd war jm ein vnmöglich Ding, daß er wider zur Hulde GOttes kündte kommen. Gleich wie Cain, der also verzweiffelte, Seine Sünde weren grösser, denn daß sie jhme verziehen möchten werden, Also auch mit Judas, etc. Dem D. Fausto war auch also, er sahe wol gen Himmel, aber er kondte nichts ersehen, Es Träumete jme, wie man pfleget zu sagen, vom Teuffel oder von der Hellen, das ist, er gedachte was er gethan hatte, vnd meynet jmmerdar durch offt vnd viel disputieren, Fragen vnd Gespräch mit dem Geist, wölle er so weit kommen, daß er einmal zur Besserung, Rew vnd Abstinentz gerahten möchte, Aber es war vergebens, denn der Teuffel hatt jn zu hart gefangen. Hierauff nam D. Faustus jm widerumb für, ein Gespräch vnd Colloquium (dann jme abermals von der Hellen geträumet hatt) mit dem Geist zu halten. Fragte derwegen den Geist, was die Helle sey? Zum andern, wie die Helle beschaffen vnd erschaffen seye? Zum dritten, was für Wehe vnd Klagen der Verdampten in der Helle seye? Zum vierdten vnnd letzten, ob der Verdampte wider zur Hulde Gottes kommen könne, vnd von der Hellen erlöset möchte werden? Dem gab der Geist auff keine Frage Antwort, vnd sprach: Herr Fauste, dein Fragen vnd Disputation von der Hell vnd jrer Wirckung, möchstu wol vnterlassen, Lieber was machstu auß dir selbs? Vnd wenn du gleich in Himmel steigen köndtest, wolte ich dich doch wider in die Helle hinunter stürtzen, denn du bist mein, vnnd gehörest auch in diesen Stall. Darumb lieber Fauste, laß anstehen, viel von der Helle zu fragen, frage ein anders dafür, Dann glaube mir darumb, da ich dirs erzehle, wirdt es dich in solche Rew, Vnmuht, Nachdencken vnnd Kümmernuß bringen, daß du woltest, du hettest die Frage vnterwegen gelassen, Ist derhalben noch meine Meynung, du lassest es bleiben. Doctor Faustus sprach: So wil ichs wissen, oder wil nicht leben, du must mirs sagen. Wolan sagt der Geist, Ich sage dir, es bringt mir wenig Kummer. Du fragest, was die Helle seye?19 Die Hell hat mancherley Figur vnd Bedeutung, dann einmal wird die Helle genannt Hellig vnnd Durftig, dann der Mensch zu keiner Erquickung vnnd Labung kommen kan, Man sagt auch recht, daß die Helle ein Thal genannt wirt, so nicht weit von Jerusalem ligt, Die Helle hat ein solche Weite vnd Tieffe deß Thals, daß es Jerusalem, das ist, dem Thron deß Himmels, darinnen die Einwohner deß Himmlischen Jerusalems seyn vnd wohnen, weit entgegen ligt, also daß die Verdampten im Wuste deß Thals jmmer wohnen mussen, vnd die Höhe der Statt Jerusalem nicht erreichen können. So wirdt die Helle auch ein Platz genannt, der so weit ist, daß die Verdampten, so da wohnen müssen, kein Ende daran ersehen mögen. So ist die Helle auch genannt die brennende Hell, da alles angehen vnd brennen muß, was dahin kompt, gleich wie ein Stein in einem feuwrigen Ofen, ob wol der Stein vom Feuwer glüendt wirdt, so verbrennt oder verzehrt er sich dennoch nicht, vnnd wirt nur härter davon. Also wird die Seel deß Verdampten jmmerdar brennen, vnd sie doch das Fewer nit verzehren können, sondern nur mehr Pein fühlen. So heißt die Hell auch ein ewige Pein, die weder Anfang, Hoffnung noch Ende hat, Sie heißt auch ein Finsternuß eines Thurns, da man weder die Herrligkeit Gottes, als das Liecht, Sonn oder Mond sehen kan, Wann dennoch allda nur ein Helle oder Liecht, wie bey euch die finstere dicke Nacht, so hette man doch die hoffnung eines Scheins. Die Helle hat auch eine Klufft, Chasma genannt, gleich eins Erdbidems, da er denn anstösset, gibet er eine solche Klufft vnnd Dicke, das vnergründlich ist, da schüttet sich das Erdreich von einander, vnd spüret man auß solcher Tieffe der Klufften, als ob Winde darinnen wehren, Also ist die Helle auch, da es ebenmässigen Außgang hat, Jetzt weit, dann eng, dann wider weit, vnd so fortan. Die Hell wirdt auch genannt Petra, ein Felß, vnnd der ist auch etlicher massen gestalt, als ein Saxum, Scopulus, Rupes vnd Cautes, also ist er. Dann die Helle also befestiget, daß sie weder Erden noch Steine vmb sich hat, wie ein Felß, Sondern wie Gott den Himmel befestiget, also hat er auch einen Grundt der Hellen gesetzt, gantz hart, spitzig vnd rauch, wie ein hoher Felß. Sie wirdt auch Carcer genannt, da der Verdampte ewig Gefangen seyn muß: Weiter wirt sie genennet Damnatio, da die Seele in die Helle, als in ewige Gefängnuß, Verurtheilt vnnd Verdampt wirt. Dann die Vrtheil also, wie an öffentlichem Gericht, vber die Vbelthäter vnnd Schuldigen gesprochen wirdt. So heißt sie auch Pernicies vnd Exitium, ein Verderbnuß, da die Seelen ein solchen Schaden leyden, der sich in Ewigkeit erstreckt. Also auch Confutatio, Damnatio, Condemnatio, vnd dergleichen, ein Verwerffung der Seelen, da sich der Mensch in eine solche Klufft vnnd Tieffe selbs hinab wirfft, gleich wie einer, der vff einem Felsen oder Höhe gehet, vnnd zu Thal herab sihet, daß jme schwindelt. Es gehet aber der Mensch, der Verzweiffelt ist, nicht dahin, daß er die Gegend besehen möchte, doch je höher er auffsteiget, vnnd begert sich herab zu stürtzen, je tieffer herab er fallen muß, Also hat es mit den verdampten Seelen auch eine Gestalt, die in die Helle geworffen werden, je mehr einer sündiget dann der ander, je tieffer er hinunter fallen muß. Endtlich ist die Helle also beschaffen, daß es vnmöglich, sie außzuspeculieren, vnd zubegreiffen, Wie Gott seinen Zorn also gelegt habe, in ein solchen Orth, der da ein Gebäuw vnnd Erschaffung für die Verdampten ist, also daß sie viel Namen hat, Als ein Schandtwohnung, ein Schlund, Rach, Tieffe vnnd vnderste der Helle, dann die Seelen der Verdampten müssen nit allein in Wehe vnd Klag deß ewigen Feuwers sitzen, sondern auch Schand, Spott vnd Hohn tragen gegen Gott vnd seinen Heyligen, da sie in Wohnung deß Schlunds vnd Rachens seyn müssen. Dann auch die Helle ein solcher Schlund ist, der nit zu sättigen, sondern giennet jmmer noch mehr auff die Seelen, die nit Verdampt, daß sie auch Verführet vnd Verdampt möchten werden. Also mustu es D. Fauste verstehen, dieweil du es je hast haben wöllen. Vnnd mercke, daß die Helle ist ein Helle deß Todes, ein Hitz deß Feuwers, ein Finsternuß der Erden, ein Vergessung alles Guten, der Enden nimmermehr von GOtt gedacht, sie hat Marter vnd Wehe, vnd ewig vnerleschlich Fewer, ein Wohnung aller Hellischen Drachen, Würme vnd Vngeziffer, Ein Wohnung der verstossenen Teuffel, Ein Stanck vom Wasser, Schwefel vnnd Pech, vnnd aller hitzigen Metall. Vnd diß sey mein erster vnd anderer Bericht. Zum dritten, so bannest du mich, vnnd wilt von mir haben, dir einen Bericht zu thun, was für Wehe vnd Klage die Verdampten in der Hell haden oder haben werden. Da soltu etwan, mein Herr Fauste, die Schrifft ansehen, denn es mir verborgen ist. Aber wie die Helle jämmerlich anzusehen vnd qualificiert, also ist auch darinnen ein vnträgliche Pein vnd Marter, Darumb ich dir desselben bericht thun wil, Es wirdt den Verdampten, wie ich oben mit allen Vmbständen erzehlet habe, also begegnen. Denn es ist war, wie ich dir versprich: Die Helle, der Frawen Bauch, vnd die Erden werden nimmer satt, Also wirdt kein Ende noch Auffhören nimmer da seyn, darauff werden sie Zittern vnnd Weheklagen vber jre Sünde vnnd Boßheit, Auch vber den Verdampten vnnd Hellischen Grewel deß Stancks, verhindernuß vnd Schwachheit, Schreyen vnd Weheklagen. Da wirt ruffen zu GOtt seyn, mit Wehe, Zittern, Zagen, Gilssen, Schreyen, mit Schmertzen vnnd Trübsall, mit Heulen vnd Weinen, Denn solten sie nit Wehe schreyen, Zittern vnd Zagen, dieweil alle Creaturen vnnd Geschöpff Gottes wider sie seyn werden, vnd sie ewige schmach, hergegen aber die Heyligen ewige Ehr vnd Frewde tragen werden? Vnd es wirt doch ein Wehe vnd Zittern viel grösser vnd schwerer seyn, als das ander, vnd das daher, dieweil die Sünde vngleich, seyn auch die Strassen vngleich. Die Verdampten werden auch klagen vber die vnleidenliche Kälte, vber das vnaußleschliche Fewer, vber die vnträgliche Finsternuß, Gestanck, vber die ewige Ruten, vber die Gesichter der Teuffel, vber die Verzweiffelung alles Guten. Sie werden Klagen mit weinenden Augen, Knirschen der Zänen, Stanck der Nasen, Jämmern der Stimme, Erschreckung der Ohren, Zittern der Händ vnd Füß. Sie werden für grossem Schmertzen jre Zungen fressen, sie werden jhnen den Todt wündschen, vnnd gerne Sterben wöllen, Sie mögen aber nit, denn der Todt wirdt von jnen fliehen, jhre Marter vnnd Pein wirt täglich grösser vnnd schwerer. Also, mein Herr Fauste, hastu hiemit die dritte Frage, die mit der Ersten vnnd Andern vberein stimmet. Zum vierdten vnnd letzten, wiltu von mir auch eine Frage haben, die zu GOtt stehet, Ob Gott die Verdampten wider zu Gnaden auffnemme oder nicht? Aber dem sey nun wie jhm wölle, so wil ich auff deine Frage bericht zu thun, zuuor die Helle vnd jr Substantz ansehen, vnd wie sie von Gottes Zorn erschaffen ist, was melden, vnd sehen, ob wir auch etliche Fundamenta gründen kundten. Wiewol lieber Herr Fauste, solches deiner Promission vnd Gelübdnuß stracks zu wider seyn wirt, Sey dir doch hierauff dieser Bericht gethan. Du fragest letzlich, ob die Verdampten wider zur Hulde vnnd Gnade Gottes kommen können? Darauff antworte ich, Neyn. Denn alle, die in der Helle sind, so Gott verstossen hat, die müssen in Gottes Zorn vnnd Vngnade ewig brennen, darinnen bleiben vnd verharren, da keine Hoffnung nimmermehr ist, Ja wenn sie zur Gnade Gottes kommen köndten, wie wir Geister, die wir alle Stund hoffen vnd warten, so würden sie sich freuwen, vnnd nach solcher Zeit seufftzen. Aber so wenig die Teuffel in der Helle können jhren Vnfall vnnd Verstossung verhoffen zur Gnade zu kommen, So wenig können die Verdampten auch, dann da ist nichts zu hoffen, es wirt weder jr Bitten, Anruffen noch Seufftzen erhört werden, vnd wirdt jnen jr Gewissen auffwachen, vnd jmmer vnter die Augen schlagen, Als ein Keyser, König, Fürst, Graff oder sonsten Regenten, werden Klagen, wann sie nur nit Tyrannisiert hetten, vnd hie im Leben nit allen Mutwillen getrieben, so wolten sie zur Hulde Gottes kommen. Ein Reicher Mann, wenn er nur nicht Gegeitzet hette, Ein Hochfertiger, wenn er nur nit Pracht getrieben, Ein Ehebrecher vnnd Buler, wenn er nur nit Vnzucht, Ehebruch vnd Vnkeuschheit geübet, Ein Weinsäuffer, Fresser, Spieler, Gotteslästerer, Meyneydiger, Ein Dieb, Strassenräuber, Mörder, vnd dergleichen, wird gedencken, Wann ich nur mein Bauch nicht täglich mit Vppigkeit, Wollust vnnd Vberfluß der Speiß vnd Tranck gefüllet, wenn ich nur nicht Gespielet, Gott Gelästert, ein Meyneydt gethan, Gestolen, Geraubet, Gemordt, oder dergleichen Laster getrieben hette, so köndte ich noch Gnade hoffen, Aber meine Sünde sind grösser, denn daß sie mir köndten vergeben werden, darvmb ich diese Hellische wol verdiente Straff vnd Marter leyden, ewiglich Verdampt seyn muß, vnd kein Huld oder Gnade bey Gott zu erlangen, zuhoffen habe. Darumb soltu, mein Herr Fauste wissen, daß die Verdampte auff kein Ziel oder Zeit zuhoffen haben, darinnen sie auß dieser Quaal erlößt werden möchten, Ja wann sie nur eine solche Hoffnung haben köndten, daß sie täglich nur ein Tropffen Wasser auß dem Meer herauß schöpffen, biß das Meer gar trucken würde, Oder da ein Sandhauff so groß were biß an Himmel, vnd ein Vögelein alle Jahr nur ein Körnlein einer Bonen groß darvon hinweg trüge, daß alsdann nach verzehrung desselbigen, sie erlößt werden möchten, so würden sie sich dessen erfreuwen. Aber da ist keine Hoffnung, daß Gott an sie gedencken, oder sich jrer Erbarmen werde, Sondern sie werden in der Hellen liegen wie die Todtenbein, der Todt vnnd jhr Gewissen wirdt sie nagen, jhr hart Zuversicht vnnd Vertrauwen, so sie erst zu Gott haben, wirt nicht erhört, noch an sie gedacht werden. Ja wenn du dich schon in der Helle köndtest verbergen, biß daß alle Berge zusammen vber einen hauffen fielen, vnd von einem ort zum andern versetzt würden, Ja biß alle Stein im Meer trucken würden, So wenig ein Elephant oder Cameel durch ein Nadelöhr gehen kan, Vnnd alle Tropffen deß Regens gezehlt werden mögen, so ist doch kein Hoffnung der Erlösung vorhanden. Also kürtzlich, mein Herr Fauste, hastu den vierdten vnnd letzten Bericht, Vnnd solt wissen, fragstu mich ein ander mal mehr von solchen Dingen, so soltu kein Gehör bey mir haben, denn ich bin dir solches zusagen nit schüldig, vnnd laß mich nur mit solchen Fragen vnnd disputationibus weiter zu frieden. D. Faustus gieng abermals gantz Melancholisch vom Geist hinweg, wardt gar Verwirret vnd Zweiffelhafftig, gedacht jetzt da, dann dorthin, trachtete diesen dingen Tag vnnd Nacht nach, Aber es hatte kein bestandt bey jme, Sondern wie oben gemeldet, hat jhn der Teuffel zu hart Besessen, Verstockt, Verblendt vnd Gefangen. Zu dem, wann er schon allein war, vnd dem Wort GOttes nachdencken wolte, schmücket sich der Teuffel in gestalt einer schönen Frawen zu jme, hälset jn, vnd trieb mit jm all Vnzucht, also daß er deß Göttlichen Worts bald vergaß, vnd in Windt schluge, vnnd in seinem bösen Fürhaben fartfuhre. [17] Ein andere Frag, so Doct. Faustus mit dem Geist gehabt. Doct. Faustus berüffte seinen Geist wider, vnnd begerte von jme ein Frage, die solt er jne auff dißmal geweren. Dem Geist war solches gar zu wider, jedoch wolt er jhm dießmal gehorchen, vnnd wie er vorgesagt, so habe er jm diß gantz vnd gar abgeschlagen, jetzt komme er widerumb, Jedoch wölle er jhn dißmal noch gewehren, vnd das zum letzten mahl. Nun was begerstu von mir, sprach er zu Fausto? Ich wil, sagt Faustus, dein Antwort oder eine Frage von dir anhören als nemlich: Wann du an meiner statt, ein Mensch von Gott erschaffen werest, was du thun woltest, daß du Gott vnnd den Menschen gefällig würdest? Darüber lächelte der Geist, vnd sagt, Mein Herr Fauste, Wann ich ein Mensch erschaffen were, wie du, wolte ich mich biegen gegen Gott, allweil ich einen Menschlichen Athem hette, vnnd mich befleissen, daß ich Gott nicht wider mich zu Zorn bewegte, seine Lehr, Gesetz vnnd Gebott, so viel mir möglich, halten, jn alleine Anruffen, Loben, Ehren vnnd Preisen, darmit ich Gott gefällig vnd angeneme were, vnnd wüste, daß ich nach meinem Absterben, die ewige Frewde, Glori vnd Herrligkeit erlangte. D. Faustus sagt hierauff: So hab ich aber solchs nicht gethan. Ja freylich, sagte der Geist, hastu es nit gethan, Sondern deinen Schöpffer, der dich erschaffen, dir die Sprach, Gesicht vnnd Gehör gegeben hat, daß du seinen Willen verstehen, vnnd der ewigen Seligkeit nachtrachten soltest, den hastu verleugnet, die herrliche Gab deines Verstands mißbraucht, Gott vnd allen Menschen abgesaget, darvmb du niemandt die Schuldt zu geben hast, als deinem stoltzen vnd frechen Muthwillen, dardurch du also dein bestes Kleinot vnnd Zierde der Zuflucht Gottes verloren, Ja diß ist leyder war, sagt Doctor Faustus, woltestu aber, mein Mephostophiles, daß du ein Mensch an meiner statt werest. Ja, sagte der Geist seufftzendt, vnnd were hierinnen nicht viel disputierens mit dir, Denn ob ich schon gegen GOTT also gesündiget, wolte ich mich doch widerumb in seinen Gnaden erholen. Dem antwort D. Faustus, So were es mit mir auch noch früh gnug, wann ich mich besserte. Ja, sagte der Geist, Wann du auch vor deinen groben Sünden zur Gnade Gottes kommen köndtest, aber es ist nun zu spat, vnnd ruhet Gottes Zorn vber dir. Laß mich zu frieden, sagt Doctor Faustus zum Geist. Antwort der Geist, So laß mich forthin auch zu frieden mit deinem Fragen. Folget nun der ander Theil dieser Historien, von Fausti Abenthewren vnd andern Fragen. [18] Doct. Faustus, als er von Gottseligen Fragen vom Geist keine Antwort mehr bekommen kondte, mußt ers auch ein gut Werck seyn lassen, Fienge demnach an Calender zu machen, ward also derselben zeit ein guter Astronomus oder Astrologus, gelehrt vnd Erfahren, von seinem Geist in der Sternkunst, vnd Practicken schreiben, wie änniglichen wol bewust, daß alles, was er geschrieben, vnter den Mathematicis das Lob darvon gebracht20. So stimpten auch seine Practicken, die er Fürsten vnnd grossen Herren dedicierte, vbereyn, Denn er richtet sich nach seines Geistes Weissagungen vnnd Deutungen zukünfftiger ding vnd Fäll, welche sich auch also erzeigten. So lobte man auch seine Calender vnd Allmanach vor andern, denn er setzte nichts in Calender, es war jhm also, als wann er setzte Nebel, Windt, Schnee, Feucht, Warm, Donner, Hagel, etc. hat sichs also verlossen. Es waren seine Calender nit, als etlicher Vnerfahrnen Astrologen, so im Winter Kalt vnnd Gefroren, oder Schnee, vnd im Sommer in den Hundstagen, Warm, Donner oder Vngewitter setzen. Er machte auch in seinen Practicken Zeit vnd Stunde, wann was Künfftiges geschehen solt, warnete ein jede Herrschafft besonder, als die jetzt mit Theuwrung, die ander mit Krieg, die dritte mit Sterben, vnnd also forthan, solte angegriffen werden. [19] Ein Frag oder Disputatio von der Kunst Astronomia oder Astrologia. Als nun D. Faustus seine Practicam vnd Calender zwey Jahr gerichtet, vnd gemacht hatte, fragt er seinen Geist, was es für eine gelegenheit hab mit der Astronomia oder Astrologia, wie die Mathematici zustellen pflegen? Dem antwortet der Geist, vnnd sprach: Es hat ein solch Judicium, daß alle Sternseher vnnd Himmelgucker nichts sonderliches gewiß Practicieren können, Denn es sind verborgene Werck GOTtes, welche die Menschen nicht, wie wir Geister, die wir im Lufft, vnter dem Himmel schweben, die Verhängnuß Gottes sehen, vnd abnemmen, ergrunden können. Dann wir seyn alte vnnd erfahrne Geister in deß Himmels Lauff, Ich köndte dir auch, Herr Fauste, Practica vnd Calender zuschreiben oder von der Natinitet zu erforschen, ein ewige Auffzeichnung thun, vnd also ein Jahr vmb das ander, wie du gesehen hast, daß ich dir nie gelogen hab. Es ist wol war, daß die vor alten Zeiten, so 5. oder 600. jar erlebt, solche Kunst gründlich erfahren vnnd begriffen haben. Dann durch so viel verloffene Jahr wirdt das grosse Jar erfüllet, daß sie solches Erklären, vnnd Cometen mittheilen können, Aber alle Junge vnd Vnerfahrne Astrologi machen jhre Practica nach gutem Wohn vnd Gutduncken. [20] Vom Winter vnd Sommer. Es gedauchte den Faustum seltzam seyn, daß Gott in, dieser Welt Winter vnd Sommer erschaffen, Nimpt jhme derhalben für den Geist zu fragen, woher der Sommer vnnd Winter jhren Vrsprung haben? Antwort der Geist gar kurtz darauff: Mein Herr Fauste, Kanst du solches als ein Physicus, nicht selbsten sehen, vnnd abnemmen nach der Sonnen? So soltu wissen, daß von dem Mond an, biß an das Gestirn, alles Feuwrig ist, Dargegen ist die Erden kalt vnnd erfroren, Dann je tieffer die Sonne scheinet, je heisser es ist, das ist der Vrsprung des Sommers, Stehet die Sonnen hoch, so ist es Kalt, vnd bringet mit sich den Winter. [21] Von deß Himmels Lauff, Zierde vnnd Vrsprung. Doctor Faustus dorffte (wie vorgemeldt) den Geist von Göttlichen vnd Himmlischen dingen nicht mehr fragen, das thäte jhm wehe, vnd gedacht jhm Tag vnd Nacht nach, damit er von Göttlicher Creatur vnnd Erschaffung besser gelegenheit hette eine Farbe anzustreichen, vnnd mit glimpff herumb zu kommen, Fragte er nicht mehr, wie zuvor, von der Freuwde der Seelen, von den Engeln, vnnd von dem Wehe der Hellen, Denn er wußte, daß er hinfüro von dem Geist kein Audientz mehr würde erlangen, muste derhalben fingieren was jhn gedauchte, das er erlangen möchte. Nimpt jm derwegen fur, den Geist zu fragen, vnter einem glimpff, als ob es zu der Astronomia oder Astrologia den Physicis dienstlich seye, vnnd nötig zu wissen. Fragte den Geist hierauff, wie folget, Nemlich, von deß Himmels Lauff, Zierd, vnnd desselben Vrsprung, das solt er jhn berichten. Mein Herr Fauste, sagt der Geist: Der GOtt, der dich erschaffen hat, hat auch die Welt, vnnd alle Elementa vnter dem Himmel erschaffen, Dann Gott machte anfänglich den Himmel auß dem Mittel deß Wassers, vnd theilet die Wasser vom Wasser, hieß das Firmament den Himmel, So ist der Himmel Kuglecht vnnd Scheiblecht, auch beweglich, der vom Wasser geschaffen, zusammen gefüget, vnd also befestiget ist, wie Cristall, vnnd sihet auch oben im Himmel wie ein Cristall, darinnen ist gehefft das Gestirn, vnd durch solche ründe deß Himmels, wird die Welt in vier Theil getheilet, als nemlich, in den Auffgang, Nidergang, Mittag vnnd Mittnacht, vnnd wirdt der Himmel so schnell vmbgeweltzt, daß die Welt zerbreche, wo es die Planeten mit jhrem Gang nicht verhinderten. Der Himmel ist auch mit Feuwer erschaffen, daß, wo die Wolcken nit mit der Kälte deß Wassers vmbgeben weren, wurde das Feuwer oder Hitze die vntern Element anzunden, jnnerhalb deß Firmaments, da das Gestirn deß Himmels ist, sind die sieben Planeten, als Saturnus, Jupiter, Mars, Sol, Venus, Mercurius vnnd Luna. Vnnd bewegen sich alle Himmel, allein der Fewrige ruhet, Vnnd wirdt also die Welt in vier Theil getheilet, als deß Feuwers, Lufft, Erden vnnd Wassers, also ist diese Sphær vnnd Creatur formiert, nimpt ein jeglicher Himmel sein Materi vnnd Eigenschafft darauß, nemlich der Oberste Himmel ist Feuwrig, der Mittel vnd Vnterst sind Liecht, als der Lufft, der ein Himmel ist scheinlich, der Mittel vnnd Vnterst sind Lüfftig, In dem Obersten ist die Wärme, vnnd das Liecht von nähe wegen der Sonnen, der Vnterst aber von Widerscheins wegen deß Glantzes, von der Erden, vnd wo jn der schein deß Glantzes nicht erreichen kan, ists Kalt vnnd Tunckel. In diesem tunckeln Lufft wohnen wir Geister vnnd Teuffel, vnnd sind in diesen tunckeln Lufft verstossen. In diesem tunckeln Lufft, da wir wohnen, sind Vngestümmigkeit, Donner, Schlag, Hagel, Schnee vnnd dergleichen, da wir dann die zeit deß Jahrs, vnd wie es Wittern sol, wissen können, Vnd hat also der Himmel zwölff Vmbkreiß, welche die Erde vnnd das Wasser vmbringen, so alle mögen Himmel genannt werden.21 Es erzehlete jhm auch der Geist, wie ein Planet nach dem andern regierte, vnnd wie viel gradus ein jeglicher Planet vber den andern habe. [22] Ein Frage Doctor Fausti, wie Gott die Welt erschaffen, vnd von der ersten Geburt deß Menschen, darauff jme der Geist, seiner art nach, ein gantz falsche Antwort gab. Doctor Fausto, in seiner Trawrigkeit vnd Schwermut, ist sein Geist erschienen, jhn getröstet, vnnd gefraget, was fur Beschwernuß vnnd Anliegen er hett. Doctor Faustus gab jme keine Antwort, also daß der Geist hefftig an jhn setzte, vnnd begeret jhm grundtlich sein Anliegen zu erzehlen, wo möglich, so wolte er jhme hierinnen vehülfflich seyn. Doctor Faustus antwortet: Ich habe dich als einen Diener auffgenommen, vnnd dein Dienst kompt mich theuwer an, dennoch kan ich von dir nicht haben, daß du mir zu Willen werdest, wie einem Diener geziemet. Der Geist sprach: Mein Herr Jauste, du weißt, daß ich dir nom nie zu wider gewesen, Sondern ob ich dir wol offtermals auff deine Frage zu antworten nicht schüldig war, bin ich dir doch jederzeit zu willen worden. So sage nun, mein Herr Fauste, was dein Begeren vnd Anliegen seye? Der Geist hette Doctor Fausto das Hertz abgewonnen, da fragte D. Faustus, er solte jhme Bericht thun, wie GOtt die Welt erschaffen hette, vnd von der ersten Geburt deß Menschen. Der Geist gab Doctor Fausto hierauff ein Gottlosen vnd falschen Bericht, sagte, die Welt, mein Fauste, ist vnerboren vnnd vnsterblich, So ist das Menschliche Geschlecht von Ewigkeit hero gewest, vnd hat Anfangs kein Vrsprung gehabt, so hat sich die Erden selbsten nehren müssen, vnnd das Meer hat sich von der Erden zertheilet, Sind also freundtlich mit einander verglichen gewest, als wenn sie reden köndten22. Das Erdreich begerte vom Meer seine Herrschafft, als Ecker, Wiesen, Wälde, vnd das Graß oder Laub, vnnd dargegen das Wasser die Fisch, vnd was darinnen ist, Allein GOtt haben sie zugeben, den Menschen vnnd den Himmel zu erschaffen, also daß sie letzlich Gott vnderthänig seyn müssen. Auß dieser Herrschafft entsprungen vier Herrschafften, der Lufft, das Feuwer, Wasser vnd Erdreich. Anders vnnd kürtzer kan ich dich nicht berichten. Doctor Faustus speculierte dem nach, vnnd wolte jhme nicht in Kopff, Sondern wie er Genesis am Ersten Capitel gelesen, daß es Moyses anders erzehlet, also daß er Doct. Faustus nicht viel darwider sagte. [23] Doct. Fausto wurden alle Hellische Geister in jhrer Gestalt fürgestellet, darunter sieben Fürnembste mit Namen genennet. Doct. Fausti Fürst vnd rechter Meister kame zu D. Fausto, wolte jhn visitieren. Doct. Faustus erschrack nit ein wenig vor seiner Grewlichkeit. Denn vnangesehen, daß es im Sommer war, so gienge jedoch ein solcher kalter Lufft vom Teuffel, daß Doctor Faustus vermeinte, er müßte erfrieren. Der Teuffel, so sich Belial nannte, sprach: Doct. Fauste, vmb Mitternacht, als du erwachste, habe ich deine Gedancken gesehen, vnd seind diese, daß du gern etliche der furnembsten Hellischen Geister sehen möchtest, so bin ich mit meinen fürnembsten Rähten vnnd Dienern erschienen, daß du sie auff dein begeren besichtigen soltest. D. Faustus antwortet, Wolan, wo sind sie nun? Daraussen, sagt Belial. Belial aber erschien Doctor Fausto in gestalt eines zotteten vnd gantz kolschwartzen Bären, alleine daß seine Ohren vber sich stunden, vnd waren die Oren vnd Rüssel gantz brennend Roht, mit hohen schneeweissen Zänen, vnd einem langen schwantz, drey Elen lang vngefehrlich, am Halß hatte er drey fliegender Flügel. Also kam zu D. Fausto ein Geist nach dem andern, in die Stuben, da sie nicht alle sitzen kundten. Der Belial aber zeigte Doctor Fausto einen nach dem andern, wer sie weren, vnd wie sie genennet würden. Es giengen aber erstlich hineyn sieben fürnemme Geister, als Lucifer, Doctor Fausti rechter Herr, dem er sich verschrieben, in gestalt eines Manns hoch, vnnd war Härig vnd Zottig, in einer Farb wie die roten Eychhörnlein seind, den Schwantz gantz vbersich habend, wie die Eychhörnlein. Darnach der Beelzebub, der hatt ein Leibfarbs Haar, vnnd einen Ochsenkopff, mit zweyen erschrecklichen Ohren, auch gantz Zottig vnnd Härig, mit zweyen grossen Flügeln, vnd so scharpff, wie die Disteln im Felde, halb Grün vnnd Gelb, allein daß vber den Flügeln Fewerstromen herauß flogen, hatt einen Kühschwantz. Asteroth, dieser kam hineyn in Gestalt eines Wurmbs, vnd gienge auffm schwantz auffrecht hineyn, hatte keinen Fuß, der schwantz hatt ein Farb wie die Blindschleichen, der Bauch war gar dick, oben hatt er zween kurtzer Füß, gar gälb, vnd der Bauch ein wenig weiß vnnd gälblicht, der Rücke gantz Kestenbraun, eines Fingerslang spitzige Stachel vnd Borsten daran, wie ein Igel. Darnach kam Satanas, gantz weiß vnd graw, zottig, vnd hatte ein Eselskopff, vnd doch der schwantz wie ein Katzenschwantz, vnnd Klauwen einer Elen lang. Anubis, dieser hatte ein Hundskopff, schwartz vnd weiß, im schwartzen weisse Täpsslen, vnd weissen schwartze, Sonsten hatt er Fuß vnnd hangende Ohren, wie ein Hund, er war vier Elen lang. Nach diesem Dythicanus, war auch bey einer Elen lang, sonsten gestalt wie ein Vogel vnd Rephun, allein der Halß war Grün vnnd Schattiert. Der letzte war Drachus, mit vier kurtzen Füssen, Gelb vnd Grün, der Leib oben Braun, wie blaw Fewr, vnd der Schwantz rötlicht. Die siben mit dem Belial, deren Redelführer der achte, waren also mit gemeldten Farben gekleidet. Die andern erschienen auch gleicher Gestalt, wie die vnuernünfftige Thier, als wie die Schwein, Rähe, Hirschen, Beeren, Wölffe, Affen, Biber, Böffel, Böck, Geissen, Eber, Esel, etc. vnd dergleichen. Solcher Farb vnnd Gestalt erschienen sie jme, also daß etliche auß der Stuben musten hinauß gehen. Doct. Faustus verwunderte sich sehr ob dem, vnd fragte die siben Vmbstehende, warumb sie nit anderer Gestalt erschienen weren? Sie antworten jm, vnd sprachen: daß sie sich in der Helle anders nicht verändern könnten. Darumb seyen sie Hellische Thier vnnd Würm, wiewol sie grewlicher vnd scheußlicher seyen, dann da, Jedoch köndten sie beydes Menschen Gestalt vnd Geberd an sich nemmen, wie sie wöllen. D. Faustus sagte hierauff, Es were gnug, wann sie siben da weren, vnd bate, den andern Vrlaub zu geben, das geschahe. Darauff begerte Faustus, sie solten jm ein Prob sehen lassen, deß ward er gewehret, Vnd also verändert sich einer nach dem andern, wie sie zuvor gethan haben, in aller Thier gestalt, auch wie die grossen Vögel, Schlangen vnd kriechende Thier, vier vnd zweyfüssige. Das gefiel D. Fausto wol, vnnd fragte, ob ers auch könnte, sie sagten Ja, vnd wurffen jm ein Zauberbüchlin dar, er solte seine Prob auch thun, das thät er. Nun kundte D. Faustus nit fürüber, zuvor als sie wolten Vrlaub nemmen, sie zu fragen, wer dann das Vnziffer erschaffen hett?23 Sie sagten, nach dem Fall deß Menschen sey auch erwachsen das Vnziffer, damit es den Menschen Plagen vnd Schaden thun soll. So können wir vns eben so wol zu mancherley Vnzifer verwandeln, als zu andern Thieren. D. Faustus lacht, vnd begert solchs zusehen, das geschach. Als sie nun vor jm verschwunden, da erschiene in deß D. Fausti Gemach oder Stuben allerley Vnzifer, als Omeissen, Egel, Kühfliegen, Grillen, Heuwschrecken, etc. Also, daß sein gantzes Hauß voller Vnzifer ward, Sonderlich war er vber diß erzürnt, verdrossen vnd vnwillig, daß vnter anderm Vnzifer jhn auch etlichs plagte, als die Omeissen beseichten jhn, die Bienen stachen jhn, die Mücken fuhren jm vnter das Angesicht, die Flöhe bissen jn, die Immen die flogen vmb jhn, das er zu wehren hatt, die Läuß vexierten jn auff dem Kopff vnd Hembd, die Spinnen fuhren auff jn herab, die Raupen krochen auff jn, die Wespen stachen jn. In summa, er wardt allenthalben genug mit Vnzifer geplagt, als daß er recht sagte, Ich glaube daß jr alle junge Teuffel seyt. Derhalben D. Faustus in der Stuben nicht bleiben konnte. Als bald er auß der Stuben gienge, da hette er keine Plage noch Vnzifer mehr an jm, vnd verschwanden auch stracks drauff zugleich mit einander. [24] Wie Doct. Faustus in die Hell gefahren. Doct. Faustus war auff das achte Jar kommen, vnd erstrecket sich also sein Ziel von Tag zu Tag, war auch die zeit deß meisten theils mit Forschen, Lernen, Fragen vnd Disputiern vmbgangen. Vnter dem träumete oder grauwete jm aber vor der Helle. Er fordert also seinen Diener, den Geist Mephostophilem, er solte jm seinen Herrn Belial oder Lucifer fordern vnd kommen lassen. Sie schickten jm aber einen Teuffel, der nannte sich Beelzebub vnter dem Himmel, der fragte D. Faustum, was sein begeren oder anliegen were? Ob er nicht vermöchte, daß jhn ein Geist in die Hell hineyn führete vnd wider herauß, daß er der Hellen Qualitet, Fundament vnd Eygenschafft, auch Substantz möchte sehen, vnd abnemmen. Ja, antwortet jm Beelzebub, vmb Mitternacht wil ich kommen, vnnd dich holen. Als nun in der Nacht, vnd stick Finster war, erschiene jm Beelzebub, hatt auff seinem Rücken einen Beinen Sessel, vnnd rings herumb gantz zugeschlossen, darauff saß D. Faustus vnd fuhr also davon. Nu höret, wie jn der Teuffel verblendet, vnnd ein Affenspiel macht, daß er nit anders gemeinet, denn er seye in der Helle gewest. Er führet jhn in die Lufft, darob D. Faustus entschlieff, als wann er in einem warmen Wasser oder Bad sesse. Bald darnach kompt er auff einen hohen Berg, einer grossen Insel hoch, darauß Schwebel, Pech vnd Fewrstralen schlugen, vnnd mit solcher Vngestümb vnd Prasseln, daß D. Faustus darob erwachte. Der Teuffelische Wurmb schwang in solche Klufft hineyn mit D. Fausto. Faustus aber, wie hefftig es brannte, so empfunde er kein Hitze noch Brunst, sondern nur ein Lüfftlin, wie im Meyen oder Frühling, er hörte auch darauff allerley Instrumenta, deren Klang gantz lieblich war, vnd konnte doch, so hell das Fewer war, kein Instrument sehen, oder wie es geschaffen24. So dorffte er auch nit fragen, wie es damit eine Gestalt hette denn jme solches zuvor ernstlich verbotten war, daß er nit fragen noch reden soll. In dem schwungen sich zu diesem Teuffelischen Wurmb vnd Beelzebub noch andere drey, auch solcher gestalt. Als D. Faustus nom besser in die Klufft hinab kame, vnd die drey benannte dem Beelzebub vorflogen, begegenete D. Fausto in dem ein grosser fliegender Hirsch, mit grossen Hörnern vnd Zincken, der wolte Doct. Faustum in die Klufft hinab stürtzen, darob er sehr erschracke. Aber die drey vorfliegende Würme vertrieben den Hirsch. Als nun D. Faustus besser in die Spelunck hinab kam, da sahe er vmb sich herumb seyn nichts, dann lauter Vnzieffer vnd Schlangen schweben. Die Schlangen aver waren vnsäglich groß. Ihm kamen darauff fliegende Bären zu hülff, die rangen vnd kämpfften mit den Schlangen, vnd siegten ob, also daß er sicher vnd besser hindurch kame, vnd wie er nu weiter hinab kompt, sahe er ein grossen geflügelten Stier auß einem alten Thor oder Loch herauß gehen, vnd lieff also gantz zornig vnd brüllend auff D. Faustum zu, vnd stieß so starck an seinen Stuel, daß sich der Stuel zugleich mit dem Wurm vnnd Fausto vmbgewendet. D. Faust fiel vom Stuel in die Klufft jmmer je tieffer hinunter, mit grossem Zetter vnd Wehgeschrey, dann er gedachte, nun ist es mit mir auß, weil er auch seinen Geist nicht mehr sehen konnte. Doch erwüscht jn letzlich widerumb im hinunter fallen ein alter runtzlechter Affe, der erhielt vnd errettet jn. In dem vberzoge die Hellen ein dicker finster Nebel, daß er ein weil gar nichts sehen kondte, auff das thäte sich eine Wolcken auff, darauß zween grosser Drachen stiegen, vnd zogen einen Wagen nach jhnen, darauff der alte Aff D. Faustum setzte. Da folget etwan ein viertel Stundt lang ein dicke Finsternuß, also daß D. Faustus weder den Wagen, noch die Drachen sehen oder begreiffen kondte, vnd fuhr doch jmmer fort hinvnter. Aber so bald solcher dicker, stinckender vnd finsterer Nebel verschwandt, sahe er sein Rossz vnd Wagen widerumb. Aber in der Lufft herab schossen auff D. Faustum so viel Straal vnd Blitzen, daß der Keckest, wil geschweigen D. Faustus, erschrecken vnd zittern müssen, In dem kompt D. Faustus auff ein groß vnd vngestümb Wasser, mit dem sencken sich die Drachen hinvnter, Er empfand aber kein Wasser, sondern grosse Hitz vnnd Wärme, Vnd schlugen also die Stromen vnnd Wällen auff Doct. Faustum zu, daß er Rossz vnd Wagen verlohr, vnd fiel jmmer tieffer vnd tieffer in die Grauwsamkeit deß Wassers hinein, biß er endlich im fallen ein Klufft, die hoch vnd spitzig war, erlangte. Darauff saß er, als wann er halb todt were, sahe vmb sich, kundte aber niemand sehen noch hören. Er sahe jmmer in die Klufft hinein, darob ein Lüfftlin sich erzeigte, vmb jn sahe er Wasser. D. Faustus gedacht, nu wie mustu jm thun, dieweil du von den Hellischen geistern verlassen bist, entweder du must dich in die Klufft oder in das Wasser stürtzen, oder hieoben verderben. In dem erzürnet er sich darob, vnnd sprang also in einer rasenden vnsinnigen Forcht in das fewrige Loch hineyn, vnd sprach: Nun jhr Geister, so nemmet mein wolverdientes Opffer an, so meine Seel verursachet hat. In dem er sich also vberzwergs hinein gestürtzet hat, wirt so ein erschrecklich Klopffen vnd Getümmel gehört, davon sich der Berg vnd Felsen erschüttet, vnnd so sehr, daß er vermeynt, es seyen lauter grosse Geschütz abgangen. Als er nun auff den Grund kam, sahe er im Fewr viel stattlicher Leut, Keyser, Könige, Fürsten vnnd Herrn. Item, viel tausent geharnischte Kriegßleut, Am Fewer flosse ein küles Wasser, darvon etliche trancken, vnd sich erlabeten vnd Badeten, etliche liessen vor Kühle in das Feuwer, sich zu wärmen D. Faustus trat in das Feuwer, vnd wolte ein Seel der Verdampten ergreiffen, vnd als er vermeynte er hett sie in der Hand, verschwande sie jm widerumb. Er kondte aber vor Hitze nicht länger bleiben, vnd als er sich vmbsahe, sihe so kompt sein Drach oder Beelzebub mit seinem Sessel wider, vnd saß er drauff, fuhr also wider in die Höhe. Dann Doct. Faustus kondte vor dem Donner, Vngestümb, Nebel, Schwefel, Rauch, Fewer, Frost vnd Hitz in die länge nicht verharren, sonderlich da er gesehen hatt das Zettergeschrey, Wehe, Grißgrammen, Jammer vnd Pein, etc. D. Faustus, der nu eine gute Zeit nicht anheimbs gewesen, auch sein Famulus nicht anders gemeinet, vnd abnemmen können, weil er die Hell hat begert zusehen, er werde mehr gesehen haben dann jm lieb sey, vnd ewig aussen bleiben. In solchem Wohn kompt in der Nacht D. Faustus widerumb zu Hauß, Weil er nu seithero auff dem Sessel geschlaffen, wirfft jhn der Geist also schlaffendt in sein Bett hineyn. Als aber der Tag herbey kam, vnd D. Faustus erwachte, das Liecht des Tages sahe, ward jm nit anders, als wann er ein zeitlang in einem finstern Thurn gesessen were. Dann er seythero nichts von der Hellen gesehen hatt, als die Fewerstromen, vnd was das Feuwer von sich geben hatt. D. Faustus im Bett ligend, gedachte der Hellen also nach, Einmal nam er jm gewißlich für, er were drinnen gewest, vnd es gesehen, das ander mal zweiffelt er darab, der Teuffel hette jhm nur ein Geplerr vnnd Gauckelwerck für die Augen gemacht, wie auch war ist, Dann er hatte die Hell noch nicht recht gesehen, er würde sonsten nicht darein begert haben. Diese Historiam vnd Geschicht, was er in der Helle vnd Verblendung gesehen, hat er, Doct. Faustus, selbs auffgeschrieben, vnd ist nach seinem Todt solch schreiben in einem Zettel, seiner eigenen Handtschrifft, vnnd in einem Buch verschlossen liegendt, hinder jm gefunden worden. [25] Wie Doct. Faustus in das Gestirn hinauff gefahren. Diese Geschicht hat man auch bey jm funden, so mit seiner eygen Handt concipiert vnd auffgezeichnet worden, welches er seinem guten Gesellen einem Jonæ Victori, Medico zu Leiptzig, zugeschrieben, welches schreibens Innhalt war, wie folgt: Insonders lieber Herr vnd Bruder, Ich weiß mich noch, deßgleichen jr auch, zu erjnnern vnsers Schulgangs von Jugendt auff, da wir zu Wittenberg mit einander Studierten, vnnd jhr euch anfänglich der Medicinæ, Astronomiæ, Astrologiæ, Geometriæ beflissen, wie jhr dann auch ein guter Physicus seydt, Ich aber euch vngleich war, vnd wie jhr wol wißt, Theologiam studierte, so bin ich euch doch in dieser Kunst noch gleich worden, demnach jr mich etlicher sachen vmb Bericht rahts gefragt. Dieweil ich nun, wie auß ewerm schreiben zur Dancksagung vernommen, nie nichts hab geweigert, noch zu berichten versagt, bin ich dessen noch vrbietig, sollet mich auch allzeit also finden vnd heimsuchen, Ewers Ruhms vnd Lobs, so jr mir zumeßt vnd gebt, thu ich mich gleichsfalls bedancken, nemlich daß mein Calender vnd Practicken so weit in das Lob kommen, daß nit geringe Priuat Personen, oder gemeine Bürgerschafft, sondern Fursten, Graffen vnd Herren meiner Practica nachfragen, dieweil alles, was ich gesetzt vnd schreiben meldet jhr auch bittweiß von meiner Himmelfart vnter das Gestirn, so jr, wie jr mir zuschreibt erfaren, euch zuberichten, ob jm also seye oder nicht, vnd euch solchs gantz vnmöglich dünckt, so es doch einmal geschehen ist. Ihr auch dabey setzet, es müsse etwan durch den Teuffel oder Zäuberey geschehen seyn. Ja wett Fritz: Es sey jhm aber wie jhm wölle, ist es endlich geschehen, vnd solcher gestalt, wie ich euch auff ewer bitt nachfolgends berichte. Als ich einmal nit schlaffen kondte, vnd daneben an meine Calender vnd Practica gedachte, wie doch das Firmament am Himel qualificiert vnd beschaffen were, daß der Mensch oder die Physici solches hierunten abnemmen könten, ob sie gleich solchs nicht sichtbarlich, sonder nach gutdüncken, vnd den Büchern oder den opinionibus, disponiern vnd erforschen köndten. Sihe, so hört ich ein vngestümb brausen vnd Wind meinem Hauß zugehen, der mein Laden vnd Kammerthur alles auffschlug, darob ich nit ein wenig erschrack. In dem höret ich eine brüllende Stimm, die sagt: Wolauff, deins Hertzen Lust, Sinn vnd Begierligkeit wirstu sehen25. Darauff sagt ich: Wann diß zusehen ist, so ich erst gedacht, vnd dißmal mein gröste begierde ist, so wil ich mit. Er antwort wider, so schawe zum Laden herauß, so wirstu die Fuhr sehen. Das thät ich, vnd sahe ein Wagen mit zweyen Drachen herab fliegen, der war Hellischer Flammenweiß zu sehen. Als aber der Mond dasselbige mal am Himmel schiene, besahe ich auch meine Rossz vnd Wagen. Diese Würme waren an Flügeln braun vnd schwartz, mit weiß gesprengteten tüpssien, der Rück auch also, der Bauch, kopff vnd halß grünlecht, gelb vnd weiß gesprengt. Die Stimm schrey wider, so sitz auff vnd wandere. Ich sagt, Ich wil dir folgen, doch daß ich alle Vmbstände fragen dörffe. Ja, antwort die Stimm, es sey dir dißmal erläubt. Darauff stiege ich auff den Kammerladen, sprang auff meine Kutschen, vnd fuhr davon. Die fliegende Drachen führten mich empor, der Wagen hatt auch 4 Räder, vnd rauschten, als wenn ich auff dem Lande führe, doch gaben die Räder im vmbher lauffen jmmer Fewrstromen, vnd je höher ich kame, je finsterer die Welt war, vnnd gedauchte mich nicht anders, als wenn ich vom hellen Sonnentag in ein finsters Loch führe. Sahe also vom Himmel herab in die Welt. In solchem fahren rauschte mein Geist vnnd Diener daher, vnnd sitzt zu mir auff den Wagen. Ich sagte zu jm: Mein Mephostophiles, wo muß ich nu hinauß? Das laß dich nicht jrren, sprach er, vnnd fuhre also noch höher hinauss. Nu wil ich euch erzehlen, was ich gesehen hab, Dann am Dinstag fuhr ich auß, vnnd kam am Dinstag wider zu Hauß, das waren acht Tag, darinnen thät ich nie kein Schlaff, war auch kein Schlaff in mir, vnnd fuhr gantz vnsichtbar. Als es nu am Morgens früh am Tag vnnd hell wardt, sagt ich zu meinem Geist Mephostophili: Lieber, wie weit seyn wir schon gefahren, daß kanstu wissen? Dann ich wol an der Welt abnemmen kan, daß ich diese Nacht zimlich gefahren hab, auch so lang ich aussen war, keinen Durst noch Hunger gehabt. Mephostophiles sagt: Mein Fauste, glaub mir, daß du bißhero schon 47. Meilen in die Höhe gefahren bist. Darnach sahe ich am Tag herab auff die Welt, da sahe ich viel Königreich, Fürstenthumb vnnd Wasser, also daß ich die gantze Welt, Asiam, Aphricam vnnd Europam, gnugsam sehen kondte. Vnnd in solcher Höhe sagt ich zu meinem Diener, So weise vnd zeige mir nu an, wie diß vnd das Land vnd Reich genennet werde. Das thät er, vnnd sprach: Sihe, diß auff der lincken Hand ist das Vngerlandt. Item, diß ist Preussen, dort schlimbs ist Sicilia, Polen, Dennmarck, Italia, Teutschland. Aber Morgen wirstu sehen Asiam, Aphricam, Item, Persiam vnd Tartarey, Indiam, Arabiam. Vnd weil der Wind hinder sich schlägt, so sehen wir jetzund Pommern, Reussen vnd Preussen, deßgleichen Polen, Teutschlandt, Vngern vnd Osterreich. Am dritten Tag sahe ich in die grosse vnnd kleine Türckey, Persiam, Indiam vnd Aphricam, Vor mir sahe ich Constantinopel, vnd im Persischen vnnd Constantinopolitanischen Meer sahe ich viel Schiff vnd Kriegßheer hin vnnd wider schweben vnd fahren, Es war mir aber Constantinopel anzusehen, als wenn kaum drey Häuser da weren, vnd die Menschen als einer Spannen lang. Ich fuhr im Julio auß, war gar Warm, warff auch mein Gesicht jetzt hier, jetzt dorthin, gegen Auffgang, Mittag, Nidergang vnd Mittnacht, da es dann an einem ort Regnete, an dem andern Donnerte, hie schlug der Hagel, am andern Ort war es schön, sahe auch endtlich alle ding, die gemeiniglich in der Welt sich zutrugen. Als ich nun 8. Tage in der Höhe war, sahe ich hinauff von ferrne, daß der Himmel so schnell fuhr vnd wältzte, als wenn er in tausend Stücken zerspringen, oder die Welt zerbrechen wolte. So war der Himmel so hell, daß ich nit weiters hinauff sehen konnte, vnd so hitzig, wann mein Diener keine Lufft gemacht hette, daß ich verbrennen mussen. Das Gewnicke, so wir vnten in der Welt gesehen, ist so fest vnd dick, wie eine Mawer vnnd Felsen, klar wie ein Cristall, vnd der Regen, so darvon kompt, biß er auff die Erden fället, so klar, daß man sich darinnen ersehen kan. So bewegt sich das Gewülck am Himmel so kräfftig, daß es jmmer laufft, von Osten biß gen Westen, nimpt das Gestirn, Sonn vnd Mond mit sich. Daher (wie wir sehen) kompt, daß sie vom Auffgang zum Nidergang laufft, vnnd gedauchte mich, die Sonne bey vns were kaum eines Faßbodems groß, Sie war aber grösser dann die gantze Welt, dann ich kondte kein End daran sehen. So muß der Mond zu Nacht, wenn die Sonne vntergehet, das Liecht darvon empfangen, darumb scheint er zu Nacht so hell, wie es auch am Himmel hell ist, Vnnd also zu Nacht der Tag am Himmel, vnnd auff Erden finster vnd Nacht ist. Ich sahe also mehr dann ich begerte. Der Stern einer war grösser dann die halbe Welt, Ein Planet so groß als die Welt, vnd wo der Lufft war, da waren die Geister vnter dem Himmel. Im herab fahren sahe ich auff die Welt, die war wie der Dotter im Ey, vnd gedauchte mich die Welt were nicht einer Spannen lang, vnd das Wasser war zwey mal breiter anzusehen. Also am 8. Tag zu Nachts kam ich wider zu hauß, vnd schlieff drey Tag nach einander, richtet hernach alle meine Calender vnd Practica darnach. Diß hab ich euch, auff ewer begeren, nicht wöllen verhalten, vnnd besehet also euwer Büchere, ob meinem Gesicht nach diesem nicht also seye. Vnd seyt von mir freundlich gegrüsset. Doctor Faustus der Gestirnseher. [26] D. Fausti dritte Fahrt in etliche Königreich vnnd Fürstenthumb, auch fürnembste Länder vnd Stätte. Doct. Faustus nimpt im 16. jar ein Reyß oder Pilgramfahrt fur, vnd befihlt also seinem Geist Mephostophili, daß er jn, wohin er begerte, leyte vnd führe. Derhalben sich Mephostophiles zu einem Pferde verkehret vnnd veränderte, doch hatt er flügel wie ein Dromedari, vnd fuhr also, wohin jn D. Faustus hin ländete. Faustus durchreisete vnd durchwandelte manch Fürstenthumb, als das Landt Pannoniam, Osterreich, Germaniam, Behem, Schlesien, Sachssen, Meissen, Düringen, Franckenlandt, Schwabenlandt, Beyerlandt, Littauw, Liefflandt, Preussen, Moscowiterlandt, Frießland, Hollandt, Westphalen, Seelandt, Brabandt, Flandern, Franckreich, Hispaniam, Portugall, Welschland, Polen, Vngern, vnnd dann wider in Düringen, war 25. Tag aussen, darinnen er nit viel sehen kondte, darzu er Luft hette. Derhalben name er ein Widerfuhr, vnd ritte auff seinem Pferde auß, kam gen Trier, dann jm diese Statt erstlich einfiel zusehen, weil sie so altfränckisch anzusehen war, da er nichts sonderlichs gesehen, dann einen Pallast, wunderbarlichs Wercks, welcher auß gebacken Ziegeln gemacht, vnd so fest, daß sie keinen feind zu furchten haben26. Darnach sahe er die Kirchen, darinnen Simeon vnd der Bischoff Popo begraben war, welche auß vnglaublichen grossen steinen mit Eysen zusammen gefüget, gemacht ist. Darnach wendet er sich gen Pariß in Franckreich, vnd gefielen jm die Studia vnnd hohe Schul gar wol27. Was nu dem Fausto für Stätt vnd Landschafften in Sinn fielen, die durchwandert er. Als vnter andern auch Meyntz28, da der Mayn in Rhein fleußt, er die Statt Neapolis29, darinnen er vnsäglich viel Klöster vnd Kirchen gesehen, vnd so grosse hohe vnd herrliche gezierte Häuser, daß er sich darob verwundert, Vnnd darinnen ist ein herrlich Castell oder Burg, so new gebawet, welches für allen anderen Gebäwen in Italia den preiß hat, der höhe, dicke vnd weite halb, mit mancherley Zierd der Thürn, Gemäuwer, Palläst vnnd Schlaffkammern30. Dabey ein Berg ligt, Vesunius genannt, der voller Weingärten, Oelbäum vnd etlicher andern fruchtbaren Bäume, vnd solchen Wein, den man den Griechischen Wein nennet, so herrlich vnd gut31. Bald fällt jm Venedig ein, verwundert sich, daß es gerings herumb im Meer lag, da er dann alle Kauffmanschafft vnd Notturfft zur Menschlichen Vnterhaltung gesehen, dahin zu schiffen sahe, vnd wundert jn, daß in einer solchen Statt, da schier gar nichts wächßt, dennoch ein Vberfluß ist, Er sahe auch ab die weite Häuser vnd hohen Thürn vnd Zierde der Gottshäuser vnd Gebäw mitten in dem Wasser gegründet vnd auffgerichtet. Weiters kompt er Welschlandt gen Padua, die Schul da zu besichtigen32. Diese Statt ist mit einer dreyfächtigen Mawer befästiget, mit mancherley Gräben, vnnd vmblauffenden Wassern, darinnen ist eine Burg vnd Veste, vnd jr Gebäw ist mancherley, da es auch hat eine schöne Thumbkirch, ein Rahthauß, welches so schöne ist, daß keines in der Welt diesem zuvergleichen seyn sol. Ein Kirche S. Anthonij genannt, ist allda, daß jres gleichen in gantz Italia nit gefunden wirt. Fürters kam er gen Rom, welche ligt bey einem Fluß Tyberis genannt, so mitten durch die Statt fleußt, vnd jenseyt der rechten Seyten, begreifst die Statt sieben Berg vmb sich, hat eilff Pforten vnd Thor, Vaticanum, ein Berg, darauff S. Peters Munster oder Thumb ist. Dabey ligt deß Bapsts pallast, welcher herrlich mit einem schönen Lustgarten vmbfangen, dabey die Kirchen Lateranensis, darinnen allerley Heylthumbs, vnd die Apostolische Kirch genannt wirt, welche auch gewiß eine köstliche vnnd berühmte Kirchen in der Welt ist33. Deßgleichen sahe er viel Heydnische verworffene Tempel. Item, viel Seulen, Steigbogen, etc. welches alles zu erzehlen zu lang were, also daß D. Faustus sein Lust vnnd kurtzweil dran sahe. Er kam auch vnsichtbar für deß Bapsts Pallast, da sahe er viel Diener vnd Hoffschrantzen, vnd was Richten vnd Kosten man dem Bapst aufftruge, vnd so vberflüssig, daß D. Faustus darnach zu seinem Geist sagte: Pfuy, warumb hat mich der Teuffel nicht auch zu einem Bapst gemacht. Doct. Faustus sahe auch darinnen alle seines gleichen, als vbermut, stoltz, Hochmut, Vermessenheit, fressen, sauffen, Hurerey, Ehebruch, vnnd alles Gottloses Wesen deß Bapsts vnd seines Geschmeiß, also, daß er hernach weiters sagte: Ich meynt, ich were ein Schwein oder Saw deß Teuffels, aber er muß mich länger ziehen. Diese Schwein zu Rom sind gemästet, vnd alle zeitig zu Braten vnd zu Kochen. Vnd dieweil er viel von Rom gehört, ist er mit seiner Zauberey drey tag vnnd Nacht, vnsichtbar, in deß Bapsts Pallast blieben, vnnd hat der gute Herr Faustus seythero nicht viel Guts gessen, noch getruncken. Stunde also vor dem Bapst vnsichtbar einmal, wann der Bapst essen wolt, so macht er ein Creutz vor sich, so offt es dann geschahe, bließ D. Faustus jhm in das Angesicht. Einmal lachte D. Faustus, daß mans im gantzen Saal hörete, dann weynete er, als wenn es jm ernst were, vnd wusten die Auffwarter nit was das were. Der Bapst beredet das Gesinde, es were ein verdampte Seele, vnd bete vmb Ablaß, Darauff jhr auch der Bapst Busse aufferlegte. Doct. Faustus lachte darob, vnd gefiel jm solche Verblendung wol. Als aber die letzte Richten vnd kosten auff deß Bapsts Tisch kamen, vnd jn, D. Faustum, hungert, hub er, Faustus, seine Hand auff, als bald flogen jm Richten vnd Kosten, mit sampt der Schüssel in die hand, vnd verschwand also damit sampt seinem Geist, auff einen Berg zu Rom, Capitolium genannt, asse also mit Luft. Er schickte auch seinen Geist wider dahin, der must jm nur den besten Wein von deß Bapsts Tisch bringen, sampt den silbern Bechern vnd Kanten. Da nun der Bapst solchs alles gesehen, was jm geraubt worden, hat er in derselbigen Nacht mit allen Glocken zusammen leuten lassen. Auch Meß vnd fürbit für die verstorbene Seel lassen halten, vnd auff solchen Zorn deß Bapsts, den Faustum, oder verstorbenen Seel in das Fegfeuwer condemniert vnd verdampt. D. Faustus aber hette ein gut fegen mit deß Bapstes Kosten vnd Tranck. Solchs Silbergeschirr hat man nach seinem Abschiedt hinder jhm gefunden. Als es nun mit Mittnacht ward, vnd Faustus sich von solcher speiß gesättigt hatt, ist er mit seinem Geist widerumb in die Höhe auffgeflogen, vnd gen Meyland34 in Italiam kommen, welches jn eingesunde Wohnung dauchte, dann es ist da kein anzeigung der hitze, auch sind da frische Wasser, vnd 7. gar schöne See, auch hat er da viel ander schöne Flüß vnd Wasser gezehlet vnd abgenommen. Es sind auch darinnen schöne feste wol erbauwete Tempel vnnd Königliche Häuser, doch altfränckisch. Ihme gefiele auch die hohe Burg oder das Schloß mit jren Vesten, der köstliche Spital zu vnser Frawen35. Florentz besichtiget er auch, er wunderte sich dieses Bisthumbs, der künstlichen Zierdt von den schönen Schwibbogen vnd Gewelben, deß schönen gezierten Baumgarten zu S. Maria. Der Kirchen, so allda im Schloß ligt, mit schönen köstlichen Vmbgängen bekleidet, auch einen gantz auffgerichten Marmelsteinen Thurn, das Thor, dadurch man gehet, mit Glocken oder Ertzspeiß gemacht, darinnen die Historien deß alten vnd newen Testaments gegraben, die Gegend darumb trägt guten Wein, auch künstliche Leut vnd Handtierung darinnen36. Item, Leon in Franckreich, zwischen zweyen Bergen ligend, vnd zweyen Flüssen vmbfangen, dabey ein Tempel trefflicher würdigkeit, daneben auch ein herrliche Seul, mit schönen gehawen Bildern. Von Leon wendt er sich gen Cölln am Reinstrom gelegen, darinn ist ein Stifft, das hohe Stifft gennant, da die 3. König, so den Stern Christi gesucht, begraben ligen37. Als D. Faustus solchs sahe, sagt er: O jr gute Männer, wie seyt jhr so jrr gereiset, da jr solt in Palestiuam gen Bethlehem in Judea ziehen, vnd seyt hieher kommen, oder seyt villeicht nach ewerm todt ins Meer geworffen, in Reinstrom geflöst, vnd zu Cölln auffgefangen, vnd allda deqraden worden. Alda ist auch der Teufel zu S. Vrsula mit den 11000. Jungfrawen. Sonderlich gefiel jm da die schönheit der Weiber. Nit weit davon ligt die Statt Ach, ein stuel deß Keysers, in dieser Statt ist ein gantz Marmelsteiner Tempel, so der groß Keyser Carolus sol gebawt haben, vnd geordnet, daß alle seine Nachkommen die Kron darinnen empfangen sollen38. Von Cölln vnd Ach lendt er sich wider ins Welsche Land gen Genff, die Statt zu besichtigen, welche ist ein Statt in Saphoy, ligt in der gegend deß Schweitzerlands, ein schöne vnd grosse Gewerbstatt, hat gute fruchtbare Weinwachß, vnd wont ein Bischoff da. Er kam auch gen Straßburg, vnd hat D. Faustus erfaren, warumb es Straßburg genannt wirt, nemlich, von vile der Wege, Eingäng vnd Strassen, davon sie den Namen bekommen, hat allda ein Bisthumb. Von Straßburg kame er gen Basel in Schweitz, da der Rhein schier mitten durch die Statt rinnet, vnd wie er von seim Geist berichtet, sol diese Statt den Namen von einem Basilißken, so allda gewont, haben39. Die Mawr ist mit Zigelsteinen gemacht, vnd mit tieffen Gräben gezieret. Es ist auch ein weit fruchtbar Land, da man noch viel alte Gcbäuwe sihet, da ist auch eine hohe Schul, vnnd gefiel jhm kein schöne Kirch darinnen, denn das Carthäuer Hauß. Von dannen kam er gen Costnitz, da ist ein schöne Brücken von der Statt Pforten vber den Rein gemacht40. Diser See, sagt der Geist zu Fausto, ist 20000. schritt lang, vnd 15000. schritt breit, dise Statt hat von dem Constantino den Namen empfangen. Von Costnitz gen Vlm, der Namen Vlma ist vom Feldgewächß entsprungen, dahin die Donaw fleußt, aber durch die Statt geht ein fluß, die Blaw genannt, hat ein schöns Münster, vnd Pfarrkirchen zu S. Maria, hat Anno 1377. angefangen ein zierlich, köstlich vnd künstlich Gebäuw, dergleichen kaum gesehen wirt, darinnen sind 52. Altär, vnd 52. Pfrunden, so ist auch ein kunstlich vnd köstlich Sacrament Hauß darinnen41. Als nu D. Faustus von Vlm wider vmbkeren, vnd weiter wolt, sagte sein Geist zu jm: Mein Herr, sehet die Statt an, wie jr wöllet, sie hat drey Graffschafften mit barem Gelt an sich bracht, vnd mit allen jren Priuilegien vnd Freyheiten erkaufft. Von Vlm auß, als er mit seinem Geist in die Höhe kam, sahe er von ferrnen viel Landschafften vnd Stätte, darunter auch eine grosse Statt, vnd dabey ein grosses vnnd festes Schloß, dahin ländt er sich, vnd war Wurtzburg, die Bischoffliche Hauptstatt in Francken, daneben der Fluß Mayn her fleust, da wächßt guter starcker wolschmackender Wein, vnd sonsten von Getreyde auch Fruchtbar.42 In diser Statt har es viel Orden, als Bettel Orden, Benedictiner, Stephaner, Carthäuser, Johanser vnnd Teutschen Orden. Item, es hat allda drey Carthäuserische Kirchen, on die Bischoffliche Thumbkirchen, 4. Bettel Orden, 5. Frawen Klöster, vnd 2. Spital zu S. Maria, die dann am Thor ein wunderbarlich Gebäw hat. D. Faustus, als er die Statt vberall besichtiget, ist er zu Nachts in deß Bischoffs Schloß auch kommen, das allenthalben besehen, vnd allerley Prouiant darinnen gefunden. Als er nu die Felsen besichtiget, sahe er ein Capellen darinnen gehawen, vnnd als er allerley Wein versuchte, ist er widerumb davon gefahren. Vnd gen Nürenberg kommen, da sagt jhm der Geist vnterwegen: Fauste, wisse, daß Nürnberg der name von Claudio Tyberio Nerone entspringt, vnd von Nero Nürnberg genannt worden.43 Darinnen sind 2. Pfarrkirchen, S. Seboldt, der da begraben ligt, vnd S. Lorentz Kirchen, darinnen hangt deß Keysers Zeichen, als der Mantel, Schwerdt, Scepter, Apfel vnd Kron, deß grossen Keysers Caroli. Es hat auch drinnen ein schönen vbergulten Brunnen, der schön Brunn genannt, so auff dem Marckt steht, darinnen ist oder sol seyn der Sper, so Longinus Christo in die Seyten gestochen, vnd ein stück vom H. Creutz. Diese Statt hat 528. Gassen, 116. Schöpffbrunnen, 4. grosser vnd 2. kleiner Schlagvhrn, 6. grosser Thor, vnd 2. kleiner Thörlin, 11. steinern Brücken, 12. berge, 10. geordnete Märckt, 13. gemeiner Badstuben, 10. Kirchen darinn man predigt. In der Statt hat es 68. Mülräder, so das Wasser treibt, 132. Hauptmannschafft, 2. grosse Ringmawrn vnd tieffe Gräben, 380. Thürne, 4. Pasteyen, 10. Apotecken, 68. Wächter, 24. Schützen oder Verrähter, 9. Stattknecht, 10. Doctores in Jure, vnd 14. in Medicina. Von Nürnberggen Augspurg, da er morgens früe, als der tag erst anbrach, hinkame, fraget er seinen Diener: Wo Augspurg jren namen her habe44. Er sprach: Augspurg die Statt hat etliche namen gehabt, dann sie erstlich, als sie erbawen, Vindelica genannt worden, darnach Zizaria, dann Eysenburg, vnd endlich von Augusto Octauiano, dem Keyser, Augusta genannt worden. Vnd dieweil sie D. Faustus zuvor auch gesehen, ist er fürüber gefahren, vnd sich gelendt gen Regenspurg. Dieweil D. Faustus auch fürüber wolte reysen, sagt der Geist zu jhm: Mein Herr Fauste, dieser Statt hat man 7. namen geben, als nemlich Regenspurg, den namen, so sie noch hat, sonst Tyberia, Quadrata, Hyaspolis, Reginopolis, Imbripolis, vnd Ratisbona, das ist, Tyberius Augusti Sone45. Zum 2. die vierecket Statt. Zum 3. von wegen der groben Sprach, der nachgehenden Nachbarschafft. Zum 4. Germanos, Teutschen. Zum 5. Königsburg. Zum 6. Regenspurg. Zum 7. von Flössen vnd schiffen daselbsten. Dise Statt ist fest, starck vnd wol erbawt, bey jr läufft die Donaw, in welche bey 60. flüß kommen, schier alle schiffreich. Da ist Anno 1115. ein künstliche, berümbte, gewälbte Brück auffgerichtet worden, wie auch ein Kirch, die zu rühmen ist, zu S. Remigien, ein künstlich werck. D. Faustus ist aber bald wider fortgeruckt, vnd sich nit lang da geseumbt, allein hat er einen Diebstall gethan, vnd einem Wirt zum hohen Busche den keller besucht, darnach sich gewend, vnd kommen gen München ins Beyerland, ein recht Fürstlich Land46. Die Statt ist new anzusehen, mit schönen weiten Gassen, vnd wolgezierdten Häusern. Von München auß gen Saltzburg, ein Bischoffliche Statt im Beyerland ligend, welche auch anfangs etliche namen gehabt47. Dise Gegend hat Weyer, ebene Bühel, See, Berge, darvon sie Weydvögel vnd Wildprät bekommen. Von Saltzburg gen Wien in Osterreich48. Dann er sahe die Statt von ferrne, vnd wie jn der Geist bericht, sol nit bald ein älter Stat gefunden werden, vnd vom Flauio dem Landvogt also genennt seyn. Diese Statt hat einen grossen weiten graben, mit einem Vorschutt, hat auch im vmbkreiß der Maurn 300. schrit vnd wol befestigt, die Häuser sind gemeiniglich all gemalt, vnd neben der Keyserlichen wonung ein hohe schul vssgericht. Dise Statt hat zur Oberkeit nur 18. Personen. Item, man braucht zum weinlesen 1200. Pferdt, so hat diese Statt auch weite vngegründte keller, die gassen mit harten steinen, die Häuser mit lüstigen gemachen vnd stuben, weit an stallungen, vnd sonst mit allerley gezierden. Von Wien reiset er in die höhe, vnd sihet von der höhe herab ein Statt, die doch ferrn lag, das war Prag, die Hauptstatt in Behem, diese Statt ist groß, vnd in drey Theil getheilt, nemlich alt Prag, new Prag vnd klein Prage, klein Prag aber begreifst in sich die lincke seyten, vnd der Berg, da der königliche Hoff ist, auch S. Veit, die Bischoffliche Tumbkirchen49. Alt Prag ligt auff der ebne, mit grossen gewaltigen Gräben geziert, Auß dieser Statt kompt man zur kleinen Statt Prag vber ein Brücken, dise Brück hat 24. schwibbogen. So ist die new Statt von der alten Statt mit eim tieffen graben abgesöndert, auch rings vmb mit Mawren verwart, daselbst ist das Collegium der hohen Schule, die Statt ist mit einem Wall vmbfangen. D. Faustus reiset auff Mitternacht zu, vnd sihet wider ein andere Statt, vnd da er sich von einer ebne herab ließ, war es Crackaw, die Hauptstatt in Polen, eine schön vnd gelehrte schul allda50. Dise Statt ist die Königliche Wonung in Polen, vnd hat von Craco dem Polnischen Hertzogen den Namen empfangen. Dise Statt ist mit hohen Thürnen, auch mit Schütt vnnd Gräben vmbfangen, derselbigen Gräben sind etliche mit Fischwassern vmbgeben. Sie hat 7. Pforten, vnd viel schöner grosser Gottshäuser. Dise gegend hat grosse mächtige hohe Felsen vnd Berge, drauff sich D. Faustus herunter gelassen, deren einer so hoch ist, daß man meynet, er halte den Himmel auff, allda D. Faustus auch in die Statt hat sehen können, hat also D. Faustus in dieser Statt nit einkehret, sonder vnsichtbar vmb die Statt herumbgefahren. Von diesem Bühel, darob D. Faustus etliche Tag geruhet, begibt er sich wider in die höhe, gen Orient zu, vnd reiset für vil Königreich, Stätt vnd Landschafften, wandelte also auch auff dem Meer etliche Tage, da er nichts dann Himmel vnd Wasser sahe, vnd kame in Thraciam oder Griechenlandt, gen Constantinopel, die jetzundt der Türck Teucros nennet, allda der Türckische Keyser Hoff helt, vnd vollbracht daselbst viel Abenthewr, wie hernach etlich erzehlt werden, so er dem Türckischen Keyser Solimanno zugefugt.51 Constantinopel hat jren Namen von dem grossen Keyser Constantino. Diese Statt ist mit weiten Zinnen, Thürnen vnd Gebäwen auffgericht vnd geziert, daß mans wol new Rom mag nennen, vnd fleußt neben an beyden orten das Meer52. Dise Statt hat 11. Pforten, 3. Königliche Häuser oder wonungen. D. Faustus besahe etliche tage deß Türckischen Keysers macht, gewalt, Pracht vnd Hofhaltung, vnd auff einen Abend, als der Türckische Keyser vber der Tafel saß vnd asse, macht jm D. Faustus ein Affenspiel vnd Abenthewr, denn in deß Türckischen Keysers Saal herumb giengen grosse Fewerstromen, daß ein jeglicher zulieff zu leschen, in dem hub es an zu Donnern vnd Blitzen. Er verzaubert auch den Türckischen Keyser so sehr, daß er weder auffstehen oder man jn von dannen tragen kondt. In dem wurde der Saal so hell, als wann die Sonnen darinnen wohnete, Vnd D. Fausti Geist tratt in gestalt, zierd vnd geschmuck eins Bapsts für den Keyser, vnd spricht: Gegrüsset seystu Keyser, der je so gewürdiget, daß ich dein Mahomet vor dir erscheine. Mit solchen kurtzen Worten verschwandt er. Der Keyser fiel nach dieser Bezauberung auff die Knie nider, rüfft also seinen Mahomet an, lobt vnd preißt jn, daß er jn so gewürdiget, vnd vor jm erschienen were. Morgen am andern Tage fuhr D. Faustus in deß Keysers schloß ein, darinnen er seine Weiber vnd Hurn hat, vnd niemand daselbst jnnen wandeln darff, als verschnittene Knaben, so dem Frawenzimmer auffwarten. Dieses Schloß verzauberte er mit einem solchen dicken Nebel, daß man nichts sehen kundte. D. Faustus, wie auch vor sein Geist, namen solche gestalt vnd wesen an, vnd gab sich vor den Mahomet auß, wonet also 6. tag in diesem Schloß, so war der Nebel so lang da, als lang er da wonete. Wie auch der Türck dißmal sein volck vermanet, diese Zeit mit viel Ceremonien zubegehen. D. Faustus der assz, tranck, war gutes muts, hatt seinen Wollust, vnd nach dem er solchs vollbracht, fuhre er im Ornat vnd Ziede eines Bapsts in die Höhe, daß jhn männiglich sehen kondte. Als nun D. Faustus widerumb hinweg, vnd der Nebel vergangen war, hat sich der Türck in das Schloß verfüget, seine Weiber gefordert, vnnd gefragt, wer allda gewesen were, daß das schloß so lang mit einem Nebel vmbgeben gewest, Sie berichten jn, es were der Gott Mahomet gewest, vnd wie er zu Nacht die vnd die gefordert, sie beschlaffen, vnnd gesaget: Es wurde auß seinem Samen ein groß Volck vnd streitbare Helden entspringen. Der Türck nam solchs für ein groß Geschenck an, daß er jm seine Weiber beschlaffen, fraget auch hierauff die Weiber, ob er auch eine gute Prob, als er sie beschlaffen, bewiesen? Ob es Menschlicher weise were zugangen? Ja antworten sie, es were also zugangen, er hett sie geliebet, gehälset vnd were mit dem Werck wol gestaffiert, sie wolten solches alle Tage annemmen, Zu deme, so were er nackendt bey jnen geschlaffen, vnd in gestalt eines Mannsbilds, allein sein Sprach hetten sie nit verstehen können. Die Priester beredten den Türcken, er solte es nit glauben, daß es der Mahomet were, sonder ein gespänst. Die Weiber aber sagten: Es seye ein gespänst oder nit, er hette sich freundtlich zu jnen gehalten, vnd zu Nacht einmal oder sechs, vnd je mehr sein Prob meisterlich bewiesen, vnd were in summa wol gestaffiert, etc. Solchs machte dem Türckischen Keyser viel nachdenckens, daß er in grossem zweiffel stunde. D. Faustus wendet sich gegen Mitternacht zu in die grosse Hauptstatt Alkair, die vormals Chayrum oder Memphis genannt worden, darinnen der Egyptische Soldan sein Schloß oder Hoffhaltung hat53. Da theilet sich der Fluß Nilus in Egypten, ist der gröste Fluß in der gantzen Welt, vnd so die Sonne im Krebs geht, so begeußt vnd befeuchtigt er das gantze Land Egypten. Darnach wendet er sich wider gegen Auffgang vnnd Mitternacht werts gen Ofen, vnnd Sabatz in Vngern54. Ofen diese Statt ist vnd war die Königliche Hauptstadt in Vngern, diß ist ein fruchtbar Land, allda hat es Wasser, wann man Eysen darein senckt, so wirdt es zu Kupffer. Es hat gruben allda von Goldt, Silber vnd allerley Metall. Die Statt nennen die Vngern Start, welchs auff Teutsch Ofen genannt, ein grosse Veste, vnd mit einem trefflichen schönen Schloß gezieret. Von dannen wandte er sich gen Magdeburg vnd Lübeck in Sachssen. Magdenburg ein Bischofflicher Stuel, in dieser Statt ist der 6. Krüg einer auß Cana in Galilea, darinnen Christus Wein auß wasser machte55. Lübeck ist auch ein Bischofflicher Stul in Sachsen, etc. Von Lübeck kam er in Düringen gen Erfurt, da ein hohe Schul ist. Von Erfurt lendet er sich widerumb auff Wittemberg zu, vnd kam also da er anderhalb jar aussen war, wider heim, vnd hatt also viel Landschafften gesehen, so nit alle zubeschreiben sind56. [27] Vom Paradeiß. Doctor Faustus, als er in Egypten war, allda er die statt Alkair besichtiget, vnnd in der höhe vber viel Königreich vnd Länder reisete, als Engelland, Hispaniam, Franckreich, Schweden, Polen, Dennemarck, Indiam, Aphricam, Persiam, etc. Ist er auch in Morenland kommen, vnd neben jmmerdar auff hohe Berg, Felsen vnd Jnsulen sich gelendt vnd geruhet, ist sonderlich auch in dieser fürnemmen Insel Britannia gewest, darinn viel wasserflüß, warme brunnen, menge der Metall seyn, auch der stein Gotts, vnd viel andere, so D. Faustus mit sich herauß gebracht57. Orchades sind Insel deß grossen Meers, jnnerhalb Britannien gelegen, vnd sind deren 23. in der Zal, deren 10. sind wüst, vnd 13. wonhafft. Caucasus zwischen India vnd Scythia, ist die höchste Insel mit seiner höhe vnd gipffel58. Darob D. Faustus vil Landschafft vnd weite deß Meers vbersehen, allda sind so vil Pfefferbäume, wie bey vns die Wachholder Stauden. Creta die Insel in Griechenlandt, ligt mitten im Gandischen Meer, den Venedigern zuständig, da man Maluasier machet59. Diese Insel ist voller Geissen, vnnd mangelt der Hirschen. Sie gebiert kein schädlich Thier, weder Schlangen, Wölff noch Füchß, allein grosse gifftige Spinnen werden allda gefunden. Diese vnd viel andere Inseln mehr, so jhme der Geist Mephostophiles all erzehlte, vnd gewiesen, hat er außgespehet vnd besehen. Vnd damit ich ad propositum komme, ist diß die vrsach gewest, daß D. Faustus sich auff solche Höhen gethan, nit allein daß er von dannen etliche Theils deß Meers, vnnd die vmbligende Königreich vnd Landschafften vbersehen, etc. Sondern vermeynet, dieweil etliche hohe Jnsulen mit jhren Gipffeln so hoch seyen, wölle er auch endlich das Paradeiß sehen können, dann er hatt seinen Geist nit darumb angesprochen, noch ansprechen dörffen, vnd sonderlich in der Insel Caucasus, welche mit jren Gipffeln vnd Höhe alle andere Inseln vbertrifft, vermeinte, es solt jm nit fehlen das Paradeiß zusehen. Auff diesem Gipffel der Insel Caucasi, sihet er gar das Land Indiam vnd Scythiam, vnd gegen Auffgang, sahe er von ferrne von der höhe hinauff, biß zu der Mitnächtigen Linien ein Helle, gleich wie ein hellescheinende Sonne, ein Fewerstromen als ein Fewr auffgehen, von der Erden biß an den Himmel vmbgeschrencket auff der Erden, gleich einer kleinen Insel hoch, er sahe auch in dem Thal vnd auff dem Lande vier grosser wasser springen, eins gegen Indien zu, das ander gegen Egypten, das dritte gegen Armenien, vnd das 4. auch dahin. In solchem, so er gesehen, hett er gern sein Fundament vnd Vrsprung gewist, derhalben jhm fürname, den Geist drumb zu fragen, das thät er doch mit erschrockenem hertzen, vnd fragt also seinen Geist was es were? der Geist gab jm gute antwort, vnd sagt: Es were das Paradeiß, so da lege gegen Auffgang der Sonnen, ein Gart, den GOtt gepflantzet hette, mit aller Lustbarkeit, vnd diese feuwrige Strömen were die Mawr, so Gott dahin gelegt, den Garten zuverwahren vnd vmbzuschrencken, Dort aber (sagte er weiter) sihestu ein vberhelles Liecht, das ist das feuwrige Schwerdt, mit welchem der Engel disen Garten verwart, vnd hast noch so weit dahin, als du jmmer je gewest bist, du hast es in der Höhe besser sehen können, aber nit war genommen, etc. Dieses Wasser, so sich in 4. theil zertheilet, sind die Wasser, so auß dem Brunnen der mitten im Paradeiß steht, entspringen, als mit namen Ganges oder Phison, Gihon oder Nilus, Tygris vnd Euphrates, vnd sihest jetzt, daß er vnter der Wag vnd Widder ligt, reicht biß an Himmel, vnd auff diese fewrige Mawren ist der Engel Cherubin mit dem flammenden Schwert, solches alles zuverwaren geordnet, Aber weder du, ich, noch kein Mensch kan dazu kommen. [28] Von einem Cometen. In Eißleben ist ein Comet gesehen worden, der wunder groß war. Da fragten etliche seine gute Freundt D. Faustum, wie das zugieng. Antwort er jnen, vnd sagt: Es geschicht offt, daß sich der Mond am Himmel verwandelt, vnd die Sonne vnterhalb der Erden ist. Wann dann der Mond nahe hinzu kompt, ist die Sonne so kräfftig vnd starcke, daß sie dem Mond seinen schein nimpt, daß er aller roht wirt, wann nu der Mond widervmb in die höhe steigt, verwandelt er sich in mancherley Farben, vnd springt ein Prodigium vom höchsten drauß, wirt alsdenn ein Comet, vnd seyn der figur vnd bedeutung, so Gott verhängt, mancherley. Einmal bringet es Auffruhr, krieg oder sterben im Reich, als Pestilentz, Gehentod, vnd ander feuchten. Item, wassergüß, wolckenbruch, brunst, thewrung vnd dergleichen. Durch solche Zusammenfügungen vnd verwandelungen deß Monds vnd der Sonnen wirt ein Monstrum als ein Comet, da denn die bösen Geister, so die verhängnuß Gottes wissen, mit jren Instrumenten gerüst sind, diser Stern ist gleich wie ein Hurenkind vnter den andern, da der Vatter ist, wie oben gemeldt, Sol & Luna. [29] Von den Sternen. Ein fürnemmer Doctor N. V. W. zu Halberstatt, lude, D. Faustum zu Gast, vnd ehe das essen zugerüst war, sahe er ein weil zum fenster hinauß an Himmel, der dann dazumal als im Herbst voller Sterne war. Vnd dieser Doctor war ein Medicus, darneben ein guter Astrologus, der vrsachen er, vnd daß er von D. Fausto etliche verwandlung der Planeten vnd Stern erkündigen möchte, D. Faustum sonderlichen beruffen hatt, leynete sich derhalben zu D. Fausto vnter das Fenster vmb die helle deß Himmels, vnd vile der Stern von jm zuerkündigen, vnd als er sahe, wie sie sich butzten vnd herab fielen, fragt er D. Faustum, wie es ein Condition vnd gelegenheit damit habe. D. Faustus antwortet: Mein Herr vnd lieber bruder, jr wist zuvor, daß der kleinest stern am Himmel, so vns hierunden kaum wie vnsere grosse Wachßliechter geduncket, grösser ist als ein Fürstenthumb. So ist es gewiß, wie ichs auch gesehen hab, daß die weite vnd breite deß Himmels, grösser ist, dann 12. Erdbodem, wie dann am Himmel kein Erden zusehen ist, so ist mancher Stern grösser, denn diß Land, einer so groß als die Statt, jenseyt ist einer so groß, als das gezircke deß Röm. Reichs, diser so groß als die Türckey, vnd die Planeten, da ist einer so groß als die gantze Welt. [30] Ein Frage von gelegenheit der Geister, so die Menschen plagen. Das ist war, saget dieser D. mein Herr Fauste, Wie hat es aber ein Gestalt vmb die Geister, dieweil man spricht, daß sie nit allein zu tag, sonder auch zu Nacht die Menschen plagen. Antwort D. Jaustus: Die Geister, dieweil sie der Sonnen nicht vnterworffen seyn, so wohnen vnd wandeln sie vnter dem Gewülcke, vnnd je heller die Sonne scheint, je höher die Geister jre wonung haden, vnd suchen, denn das Liecht vnd der schein der Sonnen, ist jhnen von Gott verbotten, vnd nit gegönnt noch zugeeignet, aber zu Nacht, da es gestickt finster ist, wonen sie vnter vns Menschen, dann die helle der Sonnen, ob sie schon nit scheint, macht den ersten Himmel so hell wie der tag, daß also in der dicke der Nacht, ob die Stern schon nit scheinen, dennoch wir Menschen den himmel ersehen können. Daher denn folgt, daß die Geister, dieweil sie den anblick der Sonnen, welcher in die höhe vffgestiegen, nit erdulden noch leiden können, sie sich nahe zu vns auff die Erden thun bey vns menschen wonen, dieselbigen mit schweren träumen, schreyen vnd erscheinen grausamer vnd erschrecklicher gestalt ängstigen, dann wan jr finster vnd one Liecht hinauß geht, so fällt euch vil schrecken zu, so habt jr bey nacht auch viel phantaseyen, welches bey dem Tag nicht geschiehet. Zu dem, so erschrickt einer im Schlaff, meynendt, es seye ein Geist bey jhm, er greiffe nach jm, gehe im Hause, oder im Schlaff vmb, vnd ander dergleichen. Dieses alles begegnet vns darumb, dieweil vns die Geister deß Nachts nahe seind, vnd vns mit allerley Bethörung vnnd Verblendung ängstigen vnd plagen. [31] Ein ander Frag, von den Sternen, so auff die Erden fallen. Vmb der Stern Wirckung so sie erleuchtet, vnd herab fallen auff die Erden, ist es nichts newes, sondern begibt sich alle Nacht. Wann es nun also Funcken oder flammen gibt, seind es Zeichen, so von den Sternen fallen, oder wie wirs butzen nennen, die seind zeh, schwartz vnd halb grünlicht. Aber daß ein Stern fallen solt, ist allein der Menschen gedüncken, vnd sihet man offt ein grossen Fewrstrom bey Nacht herab fallen, das seind nicht, wie wir vermeynen, fallende Stern. Dann ob wol ein Butzen viel grösser ist als der ander, vervrsacht solches, daß auch die Stern ein ander vngleich seyn. Vnd fällt kein Stern, one Gottes sondere verhengnuß, vom Himmel, es wölle dann Gott Landt vnd Leut straffen, alsdann bringen solche Stern das Gewölck deß Himmels mit sich, dardurch folget groß Gewässer, oder Brunst, vnd verderbung Land vnd Leut. [32] Vom Donner. Im Augstmonat war zu Wittenberg Abendts ein grosses Wetter entstanden, daß es kisselte vnd sehr Wetterleuchtet, vnd Doctor Faustus ob dem Marckt bey andern Medicis stunde, die von jhm Vrsach vnd Gelegenheit dieses Wetters zu wissen begerten. Denen gab er Antwort: Ist jm nicht also, je zu zeiten, wann ein Wetter einfallen wil, so wirt es zuvor windig, Aber letzlich wenn es ein weil gewittert hat, erheben sich grosse Platzregen. Solches kompt daher, wann die vier Wind deß Himmels zusammen stossen, wirdt das Gewölck dardurch zusammen getrieben, oder bringt das Gewölck zu erst daher, vnd mischet also an einem ort, einen Regen oder schwartz Gewölck, wie denn da auch zu sehen, daß vber die Statt so ein schwartz Gewölck gehet. Darnach wenn das Gewitter sich erhebt, mischen sich die Geister darvnter, vnd fechten mit den vier orten deß Himmels, also daß der Himmel die Stöß erweckt, vnd das nennen wir Donnern oder boldern. Wann dann der Wind so groß ist, wil der Donner nirgend fort, stehet an, oder aber es treibet geschwind fort, darnach merckt an welchem End sich der Wind erwecket, der treibet das Gewitter, also daß offt von dem Mittag ein Gewitter daher kompt, je im Auffgang, Nidergang vnnd Mitternacht. Folgt der dritt vnnd letzte Theil von D. Fausti Abenthewer, was er mit seiner Nigromantia an Potentaten Höfen gethan vnd gewircket. Letzlich auch von seinem jämmerlichen erschrecklichen End vnnd Abschiedt. [33] Ein Historia von D. Fausto vnd Keyser Carolo Quinto. Keyser Carolus der Fünfft dieses Namens, war mit seiner Hoffhaltung gen Inßbruck kommen, dahin sich D. Faustus auch verfüget, vnnd von vielen Freyherrn vnd Adelspersonen, denen sein Kunst vnd Geschickligkeit wol bewust, sonderlich diesen so er mit Artzney vnnd Recepten von vielen namhafften Schmertzen vnd Kranckheiten geholffen, gen Hof zum Essen geladen vnd beruffen, gaben jhm das Geleydt dahin, Welchen Keyser Carolus ersehen, vnnd Achtung auff jn gegeben, wer er seye? Da ward jm angezeigt, es were D. Faustus. Darauff der Keyser schwige, biß nach Essens zeit, diß war im Sommer nach Philippi vnd Jacobi. Darnach forderte der Keyser den Faustum in sein Gemach, hielte jm für, wie jhm bewust, daß er ein erfahrner der schwartzen Kunst were, vnnd einen Warsager Geist hette, were derhalben sein begern, daß er jn ein Prob sehen lassen wolt, es solte jhm nichts widerfahren, daß verhiesse er bey seiner Keyserlichen Kron. Darauff D. Faustus jrer Key. May. vnterthänigst zu willfahren sich anbotte, Nun so höre mich, sagt der Keyser, daß ich auff ein zeit in meinem Läger in Gedancken gestanden, wie vor mir meine Voreltern vnd Vorfahren in so hohen Grad vnd Authoritet gestiegen gewesen, dann ich vnd meine Nachkommene noch entspringen möchten, vnd sonderlich daß in aller Monarchey der großmächtige Keyser Alexander Magnus, ein Lucern vnd Zierd aller Keyser, wie auß den Chronicken zubefinden, grosse Reichthumb, viel Königreich vnd Herrschaften vnter sich gebracht, welches mir vnd meinen Nachkommen wider zu wegen zu bringen schwer fallen wirdt. Demnach ist mein gnediges begern, mir sein Alexanders, vnd seiner Gemählin Form, Gestalt, Gang, Geberde, wie sie im Leden gewesen fürzustellen, damit ich spüren möge, daß du ein erfahrner Meister in deiner Kunst seyest. Allergnädigster Herr, sagte Faustus, Ewr Keys. May. begern, mit fürstellung der Person Alexandri Magni vnd seines Gemahls, in Form vnd Gestalt, wie sie in jhren Lebzeiten gewesen, vnterthänigste Folg zu thun, wil ich, so viel ich von meinem Geist vermag, dieselbige sichtbarlich erscheinen lassen, doch sollen Ew. May. wissen, daß jre sterbliche Leiber nicht von den Todten aufferstehen, oder gegenwertig seyn können, welches dann vnmüglich ist. Aber die vhralte Geister, welche Alexandrum vnd sein Gemählin gesehen, die können solche Form vnnd Gestalt an sich nemen, vnd sich darein verwandelen, durch dieselbige wil ich jr May. Alexandrum warhafftig sehen lassen. Darauff Faustus auß deß Keysers Gemach gieng, sich mit seinem Geist zu besprechen, nach diesem gieng er wider zum Keyser hinein, zeigt jm an, wie er jm hierinnen willfahren wolte, jedoch mit dem geding, daß jr Key. May. jhn nichts fragen, noch reden wolten, welches jhm der Keyser zusagte. D. Faustus thete die Thür auff, Bald gieng Keyser Alexander hinein, in aller Form vnnd Gestalt, wie er im Leben gesehen, Nemlich, ein wolgesetztes dickes Männlein, rohten oder gleichsalben vnd dicken Barts, roht Backen, vnd eines strengen Angesichts, als ob er Basiliscken Augen hett. Er trat hinein in einem gantzen vollkommen Harnisch, zum Keyser Carolo, vnd neigt sich mit einer tieffen Reuerentz. Der Keyser wolt auch vffstehn, vnd jn empfangen, aber D. Faustus wolte jm solches nit gestatten. Bald darauff, nach dem sich Alexander wider neiget, vnd zu der Thür hinauß gieng, gehet gleich sein Gemahl gegen jm herein, die thet dem Keyser auch Reuerentz, sie gieng in einem gantzen blawen Sammat, mit gülden Stücken vnd Perlen gezieret, sie war auch vberauß schön vnnd rohtbacket, wie Milch vnnd Blut, lenglicht, vnd eines runden Angesichts. In dem gedachte der Keyser, nun hab ich zwo Personen gesehen, die ich lang begert habe, vnd kan nicht wol fehlen, der Geist wirdt sich in solche gestalt verwandelt haben, vnd mich nit betriegen, gleich wie das Weib den Propheten Samueln erweckt hatt. Vnd damit der Keyser solchs desto gewisser erfahren möchte, gedachte er bey jm, Nun hab ich offt gehört, daß sie hinden im Nacken ein grosse Wartzen gehabt, vnd gieng hinzu zu besehen, ob solche auch an diesem Bild zu finden, vnd sandt also die Wartzen, denn sie jhm, wie ein stock still hielte, vnd hernacher widerumb verschwandt, hiemit ward dem Keyser sein Begeren erfüllt. [34] D. Faustus zauberte einem Ritter ein Hirsch Gewicht auff sein Kopff. Als Doct. Faustus dem Keyser sein Begeren, wie gemeldt, erfüllet, hat er sich Abendts, nach dem man gen Hof zu Tisch geblasen, auff eine Zinne gelegt, das Hofgesind auß vnd eingehen zu sehen. Da sihet nun Faustus hinüber in der Ritter Losament, einen schlaffendt vnter dem Fenster liegen (denn es denselben Tag gar heiß war) die Person aber so entschlaffen, hab ich mit Namen nicht nennen wöllen, denn es ein Ritter vnd geborner Freyherr war, ob nun wol diese Abenthewer jm zum spott gereicht, so halff doch der Geist Mephostophiles seinem Herrn fleissig, vnd treuwlich darzu, vnd zauberte jhm also schlaffendt, vnter dem Fenster ligend, ein Hirschgewicht vff den Kopff60. Als er nu erwachte, vnd den Kopff vnter dem Fenster neigende, empfandt er die Schalckheit, wem war aber banger dann dem guten Herrn. Dann die Fenster waren verschlossen, vnd kondte er mit seinem Hirschgewicht weder hindersich, noch für sich, welches der Keyser warname, darüber lacht, vnd jm wol gefallen liesse, biß endtlich D. Faustus jhm die Zauberey widerumb aufflösete. [35] Wie sich gemeldter Ritter an D. Fausto wider rechen wolte, jhme aber mißlunge. Doctor Faustus name seinen Abschiedt wider von Hofe, da jhme beneben der Keyserlichen, vnnd anderer mehr Schanckungen, aller guter Willen bewiesen worden, als er nuhn auff anderhalb Meyl wegs gereiset, nimpt er siben Pferdt, in einem Wald haltend, gewahr, die auff jn streiffeten, Es war aber der Ritter, dem die Abentheuwr mit dem Hirschgewicht zu Hof widerfahren war, diese erkannten D. Faustum, darumb eyleten sie mit Spohrenstreichen, vnnd auffgezogenen Hanen auff jhn zu, Doctor Faustus nimpt solches wahr, thut sich in ein Höltzlein hinein, vnnd rennet baldt widerumb auff sie herauß, alsbaldt nemmen sie acht, daß das gantze Höltzlein voller Geharrnischten Reuter war, auff sie dar rennten, derhalben das Fersen Gelt geben müßten, wurden aber nichts desto weniger auffgehalten vnd vmbringet, derhalben sie D. Faustum vmb gnad hatten, D. Faustus ließ sie loß vnnd verzauberte sie, daß sie alle Geißhörner an den Stirnen hatten, ein Monat lang, die Gäul aber mit Kühhörnern, das war jhr Straff, vnd wurd also deß Ritters mächtig, mit den verzauberten Reutern. [36] D. Faustus frist einem Bawern ein fuder Häw, sampt dem Wagen vnd Pferden. Er kam einmal gen Gotha in ein Stättlein, da er, zn thun hatte, als nun die zeit im Junio war, vnd man allenthalben das Häw einführte, ist er mit etlichen seinen Bekandten spatzieren gangen, am Abend wol bezecht. Als nun D. Faustus, vnd die jm Gesellschafft gelei stet, für das Thor kamen, vmb den Graben spatzierten, begegnet jm ein Wagen mit Häw. D. Faustus aber gieng in den Fahrweg, daß jn also der Bauwer nothhalben ansprechen muste, er solte jm entweichen, vnnd sich neben dem Fuhrweg enthalten. D. Faustus, der bezecht war, antwort jm: Nun will ich sehen, ob ich dir oder du mir weichen mussest. Hörstu Bruder, hastu nicht gehört, daß einem vollen Mann, ein Häuw Wagen außweichen sol. Der Bawer ward darüber erzürnet, gab dem Fausto viel trötziger wort. Dem D. Faustus widervmb antwortet: Wie Bawer, woltestu mich erst darzu bochen? mach nicht viel Vmbstendi, oder ich friß dir den Wagen, das Häw, vnd die Pferd. Der Bauwer sagt darauff, Ey, so friß mein Dreck auch. D. Faustus verblendet jn hierauff nicht anderst, denn daß der Bauwer meynete, er hette ein Maul so groß als ein Zuber, vnnd fraß vnnd verschlang am ersten die Pferdt, darnach das Häw vnd den Wagen. Der Bawer erschracke, vnd war jm angst, eylet bald zum Bürgermeister, berichtet jn mit der warheit, wie alles ergangen were. Der Bürgermeister gieng mit jme, lächelte, dieses Geschicht zubesehen. Als sie nun für das Thor kamen, fanden sie deß Bauren Roß vnd Wagen im Geschirr stehen, wie zuvor, vnd hatt jhn Faustus nur geblendet. [37] Von dreyen fürnemmen Graffen, so D. Faustus, auff jhr begeren, gen Munchen, auff deß Beyerfürsten Sohns Hochzeit, dieselbige zubesehen, in Lufften hinführete. Drey furnemer Grafen, so aber allhie nicht zunennen seind, vnd dazumal zu Wittenberg studierten, die kamen auff ein zeit zusammen, redten mit einander von herrlichem Pracht, so auff der Hochzeit zu München, mit deß Beyerfürsten Sohn seyn würde, vnd wunschten also, daß sie nur ein halbe Stund allda seyn möchten. Vnder solchem Gesprech fiel dem einen Herrn ein, vnd sprach zu den andern Grafen: Meine Vettern, so jhr mir wolt folgen, wil ich euch ein guten rath geben, daß wir die Hochzeit sehen können, vnd dann zu nacht wider allhie zu Wittenberg seyn. Vnd ist diß mein fürschlag, daß wir zu D. Fausto schicken, jme vnser fürhaben eröffnen, ein Verehrung thun, vnd ansprechen, daß er vns hierinnen verhülflich seyn wolte, er wirdt vns das gewiß nit abschlagen. Dieser meinung wurden sie einig, schickten nach Fausto, hielten jhm solches fur, theten jm ein Schanckung, vnd hielten jm ein stattlich Pancket, darmit er wol zufriden war, vnd hierinnen zu dienen zusagte. Als nun die zeit vorhanden war, daß deß Fursten auß Bäyern Sone Hochzeit halten solte, beruffte D. Faustus dise Grafen in sein Hauß, befahl jnen, sie solten sich vff das schönest kleyden, mit allem Ornat, so sie hetten, Nimpt hernach einen breiten Mantel, breitet jne in seinen Garten, den er neben seinem Hauß hatte, vnd setzte die Grafen darauff, vnnd er mitten hinein, befilcht jnen höchlich, daß keiner, so lang sie aussen seyn würden, kein Wort reden solt, vnd ob sie schon in deß Hertzogen auß Bäyern Pallast seyn würden, vnd jemand mit jnen reden, oder sie was fragen wolte, sie niemandt kein Antwort geben solten, dem allen verhiessen sie zu gehorsamen. Auff solch versprechen setzte sich D. Faustus nider, hebt seine coniurationes an, bald kompt ein grosser Wind, der bewegt den Mantel empor, führte sie also in Lufften dahin, daß sie zu rechter zeit gen München in deß Bäyer Fürsten Hof kamen. Sie fuhren aber vnsichtbar, daß jrer niemandts warname, biß sie kamen ins Bäyersürsten Hof vnd Pallast, vnd das der Marschalck warname, zeigt ers dem Fursten in Bäyern an, wie alle Fursten, Graffen vnd Herrn schon zu Tisch gesetzt weren, draussen aber stünden noch drey Herrn mit einem Diener, die erst kommen waren, sie zu empfahen, das thete nun der alt Fürst, sprach jnen zu, sie aber wolten nichts reden, das geschach am Abend, als man zu nacht essen wolt. Dann sie sonsten, durch deß Fausti Kunst den gantzen Tag solchem Pracht der Hochzeit vnsichtbar, vnd ohne alle Hindernuß zugesehen hatten. Als nun, wie gemeldt, jnen D. Faustus ernstlich verbotten, den Tag mit niemandt zureden, auch so bald er sprechen würde, wolauff, sie alle zugleich an den Mantel greiffen solten, würden sie augenblicklich widerumb darvon wischen. Wie nun der Hertzog von Beyern mit jhnen redet, vnd sie jme kein Antwort gaben, reichet man jhnen doch vnter dessen das Handwasser, vnnd dieweil da der eine Grase wider das Gebott D. Fausti thun wil, hebt D. Faustus anzuschreyen, Wolauff, bald wischen die zwen Grafen vnd D. Faustus, so sich an den Mantel gehalten, darvon, der dritt aber, so sich versäumet, wurde auffgefangen, vnd in ein Gefängnuß geworffen. Die andern zween Graffen kamen also vmb Mitternacht widervmb gen Wittemberg, die sich vbel gehuben, wegen jhres andern Vettern, darauff sie D. Faustus vertröstete, jhne auff Morgen frühe zuerledigen. Nun war der gefangene Graf höchlich erschrocken vnnd betrübt daß er also verlassen seyn solte, vnd darzu in verhafftung geschlossen, vnnd mit Hütern verwahrt, da wurde er befragt, was das für ein Gesicht gewest, vnnd wer die andern drey weren, so verschwunden seyen. Der Grase gedacht, verrahte ich sie, so wirdt es einen bösen Außgang gewinnen. Gabe derohalben niemandt kein Antwort, also, daß man diesen Tag nichts auß jme bringen kondte, vnd ward jm letzlich der Bescheid, daß man jn Morgen peinlich fragen, vnd wol zu Red bringen wölle. Der Graff gedachte, vielleicht mich D. Faustus heut noch nit erledigt, vnd ich Morgen gepeinigt vnd gestreckt werden solte, muß ich nothalben mit der Sprach herauß, Getröstet sich doch jmmerdar, seine Gesellen würden bey D. Fausto starck vmb sein Erledigung anhalten, wie auch geschahe. Dann ehe der Tag anbrach, war D. Faustus schon bey jhme, verzauberte die Wächter dermassen, daß sie in einen harten Schlaff fielen. Darnach thete er mit seiner Kunst Thür vnnd Schlösser auff, brachte also den Grafen zeitlich gen Wittenberg, da dann dem D. Fausto ein stattliche Verehrung presentiert wurde. [38] Wie D. Faustus Gelt von einem Jüden entlehnet, vnd demselbigen seinen Fuß zu Pfand geben, den er jhm selbsten, in deß Juden beyseyn, abgesäget. Man spricht, Ein Vnhold vnnd Zauberer werden ein Jahr nicht vmb drey Heller reicher, das widerfuhr dem Doctori Fausto auch, die Verheissung war groß mit seinem Geist, aber viel erlogen ding, wie dann der Teuffel ein Lügen Geist ist, Wurffe Doctori Fausto für die Geschicklichkeit, darmit er durch jhnen begabet seye, Darmit solte er sich selbsten zu Reichthumb schicken, dann jhme dardurch kein Gelt zerrinnen wurde, so seyen auch seine Jar noch nicht auß, sondern die Versprechung mit jhme erstrecke sich erst auff vier Jahr nach dem Außgang seiner Verheissung, da er mit Gelt vnd Gut kein Mangel haben würde. Item, er habe auch essen vnd trincken zubekommen mit seiner Kunst, auß allen Potentaten Höfen, wie obgemeldt, dessen muste jhme D. Faustus dißmal recht geben, vnd sich jhme nicht widersetzen, gedachte jhme derohalben selbsten nach, wie erfahren er were. Nach solcher Disputation vnd Erklärung deß Geistes, ist er mit guten Gesellen zu pancketieren gangen. Als er nun nicht bey Gelt war, ist er vervrsacht worden, bei den Juden Gelt auffzubringen, dem setzte er auch nach, name bey einem Juden sechtzig Thaler auff einen Monat lang, Als nun die zeit verlauffen, vnd der Jud seines Gelts, sampt dem Interesse, gewertig war, D. Faustus aber nicht im Sinn hatte, dem Juden was zubezahlen, kompt der Jud auff solche Zeit zu jhme ins Hauß, thut sein anforderung. D. Faustus spricht zu jhme: Jud, ich hab kein Gelt, vnnd weiß auch keins auffzubringen, Darmit du aber der Bezahlung versichert seyest, so wil ich mir ein Gliedt, es seye ein Arm oder Schenckel abschneyden, vnd dir zum Vnderpfandt lassen, doch mit dem außtrücklichen Geding, so ferrn ich zu Gelt kommen, vnnd dich widerumb bezahlen würde, daß du mir mein Glied widerumb zustellen wöllest. Der Jud, so ohne das ein Christen feind war, gedachte bey sich selbsten, das müste ein verwegener Mann seyn, der seine Glieder fur Gelt zu Pfand setzen wolt, war derohalben mit dem Pfand zufrieden. D. Faustus nimpt ein Sägen, vnd schneidet seinen Fuß damit abe, gibt jn dem Juden (Es war aber lauter Verblendung) mit der Condition, so baldt er zu Gelt käme, jhn zubezahlen, daß er jhm sein Schenckel wider zustellen solte, Er wolte jm denselben wol wider ansetzen. Der Jud war mit diesem Contract wol zufrieden, zeucht mit dem Schenckel darvon. Als er nun darob verdrossen vnd müd war, darneben gedacht, was hilfft mich ein Schelmen Bein, trage ich es heym, so wirdt es stinckendt, so ist es auch mißlich wider anzuheylen, vnd ist dieses ein schwer Pfandt, daß er sich nicht höher verbinden hette können, dann mit seinem eygen Glied, es wirt mir doch nichts mehr darfür. Mit solchen vnd andern Gedancken (wie dieser Jud hernach selbst bekennt hat) gehet er vber einen Steg, vnd wirfst den Fuß hinein. Dieses wuste nun D. Faustus gar wol, schickte derohalben D. Faustus vber drey Tag nach dem Juden, er wolte jn bezahlen. Der Jud kompt, D. Faustus fragt wa er das Pfandt habe, er solle jhms widerumb zustellen, so wolte er jhn bezahlen. Der Jud sagte, dieweils niemand nichts genützt, hette ers hinweg geworffen. D. Faustus aber wolte kurtzumb sein Pfand vnd Schenckel widerumb haben, oder der Jud solte jme seinen Willen darvmb machen, Wolte der Jud seiner loß werden, muste er jhme noch 60. Thaler darzu geben, vnnd hatte doch D. Faustus seinen Schenckel noch. [39] D. Faustus betreugt einen Roßtäuscher. Gleicher weiß thete er einem Roßteuscher auff einem Jahrmarckt, dann er richtet jhme selbsten ein schön Jahrmarckt, Pfeiffering genannt, vnnd hatt viel Kauffer darumben, letzlich wirdt ers vmb 40. Fl. loß, vnd sagte dem Roßtäuscher zuvor, er solte jhn vber kein Träncke reiten. Der Roßtäuscher wolte sehen, was er doch mit meynete, ritte in ein Schwemme, da verschwand das Pferd, vnd saß er auff einem Bündel Stro, daß er schier ertruncken were. Der Kauffer wuste noch wol wo sein verkauffer zur Herberg lage, gieng zornig dahin, fand D. Faustum auff einem Betth ligen, schlaffendt vnnd schnarchend, der Roßtäuscher name jhne beym Fuß, wolt jn herab ziehen, da gieng jhme der Fuß aussem Arß, vnnd fiel der Roßltäuscher mit in die Stuben nider. Da fienge Doctor Faustus an Mordio zuschreyen, dem Roßtäuscher war angst, gab die Flucht, vnd machte sich auß dem Staub, vermeinte nicht anderst, als hette er jhme den Fuß auß dem Arß gerissen, also kam D. Faustus wider zu Gelt. [40] D. Faustus frist ein Fuder Häuw. Doctor Faustus kam in ein Statt, Zwickaw genannt, da jhme vil Magistri Gesellschafft leisteten. Als er nun mit jhnen nach dem Nachtessen spatzieren gieng, egegnete jme ein Baur, der fuhrte ein grossen Wagen voll Grummats, den sprach er an, was er nemmen wolte, vnd jhne genug essen lassen, Wurden also einig miteinander, vmb ein Creutzer oder Löwenpfenning, dann der Bauwer vermeynet, er triebe nuhr sein Gespött mit jhme. D. Faustus hub an so geitzig zn essen, daß alle Vmbstehende sein lachen musten, verblendete also den Bauwern, daß jhm bang wurde, dann er es schon auff den halben theil hinweg gefressen hatte. Wolte der Bauwer zufrieden seyn, daß jhme das halbe theil vollendt bliebe, muste er dem Fausto seinen Willen machen, als nun der Bauwer an sein Ohrt kame, hatt er sein Hew widerumb wie vor. [41] Von einem Hader zwischen 12. Studenten. Zv Wittenberg, vor seinem Hauß, erhub sich ein Hader mit 7. Studenten, wider 5. das gedauchte D. Faustum sichter, daß keiner den andern mehr sehen kundt, schlugen also im Zorn blinder weiß ein ander, daß die so zusahen, ein groß Gelächter ab diesem seltzamen Scharmützel hetten, vnd muste man sie alle zu Hauß führen, so bald jeder in sein Hauß kame, ward er wider sehend. [42] Ein Abentheuwr mit vollen Bauwern. Doctor Faustus zechete in einem Wirtshauß, darinnen viel Tisch voller Bauren fassen, die deß Weins zu viel zu sich genommen hatten, derhalben mit singen vndschreyen, ein solch getummel anhuben, daß keiner sein eigen Wort darvor hören kundte. D. Faustus sagt zu dem, der jhn beruffen hatte, habt acht, ich wil jnen das bald wehren. Als nu die Bauwern jmmer je mehr grösser Geschrey vnd Gesäng machten, verzauberte er sie, daß allen Bauwren das Maul auff das aller weitest offen stunde, vnd es keiner mehr zubringen kundte. Da ward es baldt gar still, sahe ein Bawr den andern an, wusten nicht wie jnen geschehen war, So baldt aber ein Bawr für die Stuben hinauß kame, hatte er sein Sprach widervmb, also daß jhrs bleibens nicht länger allda war. [43] D. Faustus verkauffte 5. Säw, eine vmb 6. Fl. Doctor Faustus fängt wider ein Wucher an, rustet jhme 5. gemester Schwein zu, die verkaufft er eine vmb 6. Fl. doch mit dem Pact, daß der Säwtreiber vber kein Wasser mit jnen schwemmen solte. D. Faustus zog widerumb heim, Als sich nu die Säw im Kath vmbwaltzten oder besudelten, treib sie der Säwtreiber in ein Schwemme, da verschwanden sie, vnnd schwammen lauter Strohwisch empor. Der Kauffer muste also mit schaden dahin gehen, dann er wuste nit wie das zugangen war, oder wer jme die Schwein zukauffen gegeben hette. [44] Was D. Faustus für Abendthewer an deß Fürsten zu Anhalt Hof getriben. Doct. Faustus kame auff ein Zeit zu dem Grafen von Anhalt, so jetzundt Fürsten seind, der jhme allen gnedigen Willen erwiese, das geschach im Jenner. Am Tisch name er wahr, daß die Gräfin groß schwanger war, Als man nuhn das Nachtessen auffgehaben hett, vnd Specerey aufftruge, Sagt D. Faustus zu der Gräfin: Gnedige Frauw, ich hab alle zeit gehört, daß die schwangere Weibsbilder zu mancherley dingen Luft vnd Begierdt haben, Ich bitt E. Gn. wöllen mir nicht verhalten, warzu sie lust zu essen hette. Sie antwortet jhme: Herr Doctor, ich wils euch warlich nicht verhalten, was ich jetzunder wünschen möchte. Nemlich, daß es im Herbst Zeit were, wolte ich frische Trauben vnd Obs mir genug essen. D. Faustus sagt darauff: gnedige Fraw, das ist mir leichtlich zuwegen zubringen, vnd in einer halben Stund soll E. G. Luft gebüst werden, Name alsbaldt zwo silberne Schüssel, setzte die fürs Fenster hinauß Als nun die zeit vorhanden war, grieffe er fürs Fenster hinauß, vnd langt die Schüsseln widerumb herein, darinnen waren rote vnd weisse Trauben, deßgleichen in der andern Schüssel Oepffel vnd Birn, doch frembder vnd weiter Landsart hero, setzte die der Gräfin für, vnd sagt, jr Gn. wöllen sich darob nicht entsetzen zu essen, dann sie auß frembder Landsart weit herokommen, der Enden der Sommer sich enden wil. Also aß die Gräfin von allem Obs vnd Trauben mit Lust vnd grosser Verwunderung. Der Fürst von Anhalt kundte nicht fürvber zufragen, wie es ein gestallt vnnd gelegenheit mit den Trauben vnd Obs gehabt. D. Faustus antwortet: Gnediger Herr, E. Gn. sollen wissen, daß das Jahr in zween Circkel der Welt getheilt ist, daß, wann es bey vns jetzt Winter, in Orient vnnd Occident Sommer ist, dann der Himmel rund, vnd jetzunder die Sonne am höchsten gestigen ist, daß wir der zeit die kurtzen Tag vnd den Winter bey vns haben, In Orient vnd Occident aber, als in Saba India, vnnd recht Morgenland, da steigt die Sonne nider, vnnd haben sie daselbsten den Sommer, vnd im Jahr zweymal Frücht vnd Obs, Item, es ist bey vns nacht, bey jhnen hebt der Tag an. Dann die Sonne hat sich vnder die Erden gethan, vnd ist dessen ein Gleichnuß, das Meer ist vnnd läufft höher dann die Welt stehet, wann es nun dem Höchsten nit gehorsam were, kündte es die Welt in einem Augenblick verderben, vnd steigt jetzunder die Sonne bey jnen auff, vnd gehet bey vns nider. Auff solchen Bericht, Gnediger Herr, hab ich meinen Geist dahin gesandt, der ein fliegender vnd geschwinder Geist ist, sich in einem Augenblick, wie er wil, verändern kan, der hat diese Trauben vnd Obs erobert. Solchem hörte der Furst mit grosser Verwunderung zu. [44a] Von einer andern Abenthewer, so auch diesem Grafen zu gefallen durch D. Faustum geschehen, da er ein ansehenlich Schloß auff ein Höhe gezaubert. Ehe D. Faustus vrlaub name, bate er den Grafen, er wolte mit jme für das Thor hinauß gehen, da er jhne ein Castell oder Schloß wolt sehen lassen, so er diese Nacht auff sein Gut vnd Herrschafft gebawet. Dessen sich der Grase sehr verwunderte, gehet also mit D. Fausto, sampt seiner Gemählin vnnd dem Frawen Zimmer hinauß für das Thor, da er auff einem Berg, der Rohmbühel genannt, nit weit von der Statt gelegen, ein wolerbawtes Hauß vnd Castell sahe, das D. Faustus gezaubert hatte, bate derohalben den Grafen vnd sein Gemählin, daß sie sich vollend dahin verfügen, vnd bey jme zu Morgen essen wolten, welches jme der Graf nicht abschlug. Diß Schloß war mit Zauberey also formiert, daß rings herumb ein tieffer Wassergraben gienge, darinnen allerley Visch zusehen waren, vnd mancherley Wasservögel, als Schwanen, Enten, Reyger vnd dergleichen, welches alles lustig anzusehen. In disen graben stunden funff Steinern Thürn, vnd zwey Thor, auch ein weitter Hof, darinn allerley Thier gezaubert waren, sonderlich die, so in Teutschland nicht viel zusehen, Als Affen, Bern, Büffel, Gembsen vnd dergleichen frembder Thier. Sonsten waren wolbekannte Thier auch darbey, Als Hirschen, wilde Schwein, Reh, auch allerley Vögel, so man je erdencken mag, die von einem Baum zum andern hüpfften vnd flogen. Nach solchem allem setzte er seine Gäste zu Tisch, reichete jnen ein herrlich vnd Königlich mal, mit Essen vnd allerley Geträncke, so man erdencken mögen, Setzt jedes mal neun Trachten zugleich auff, das muste sein famulus, der Wagner, thun, der es vom Geist vnsichtbar empfienge, von allerley Kosten, von Wild, Vögeln, Vischen vnnd anderm. Von heymischen Thieren (wie es dann D. Faustus alles erzehlete) setzte er auff, von Ochsen, Buffeln, Böcken, Rindern, Kälbern, Hämeln, Lämmern, Schafen, Schweinen, etc. Von wilden Thiern gab er zu essen, Gembsen, Hafen, Hirschen, Reh, Wild, etc. Von Vischen gab er Aäl, Barben, Bersing, Bickling, Bolchen, Aschen, Forell, Hecht, Karpffen, Krebs, Moschel, Neunaugen, Platteissen, Salmen, Schleyen vnd dergleichen. Von Vögeln ließ er aufftragen, Capaunen, Dauch Enten, Wildenten, Tauben, Phasanen, Auhrhanen, Indianisch Göckel, vnd sonst Hüner, Rebhüner, Haselhüner, Lerchen, Crammeisvögel, Pfawen, Reiger, Schwanen, Straussen, Trappen, Wachteln, etc. Von Weinen waren da, Niderländer, Burgunder, Brabänder, Coblentzer, Crabatischer, Elsässer, Engelländer, Frantzösische, Rheinische, Spanische, Holänder, Lützelburger, Vngerischer, Osterreicher, Windische, Wirtzburger oder Francken Wein, Rheinfall vnd Maluasier, in summa von allerley Wein, daß bey hundert Kanten da herumb stunden. Solch herrlich Malhzeit nam der Grase mit Gnaden an, zog nach dem essen wider gen Hof, vnd dauchte sie nit, daß sie etwas gessen oder getruncken solten haben, so öd waren sie. Als sie nu wider gen Hof kamen, da giengen auß gemeldts Doct. Fausti Schloß grausame Büchsenschüß, vnd branne das Fewer im Sloß in alle höhe, biß es gantz verschwande, das sie alles wol sehen kundten, Da kam D. Faustus wider zum Grafen, der jn hernach mit etlich hundert Thalern verehrt, vnd widerumb fortziehen liesse. [45] Wie D. Faustus mit seiner Bursch in deß Bischoffen von Saltzburg Keller gefahren. Nach dem D. Faustus widerumb vom Grafen Abschied, vnd gen Wittenberg kame, ruckete die Faßnacht herbey. D. Faustus war der Bacchus, beruffte zu jhm etliche Studenten, vnd nach dem sie von jm D. Fausto wol gespeiset worden, vnd sie den Bacchum gern vollend celebrieren wolten, vberredet sie D. Faustus, sie solten mit jm in einen Keller fahren, vnd allda die herrliche Trnucke, so er jnen reichen vnd geben würde, versuchen, dessen sie sich leichtlich bereden liessen, darauff D. Faustus in seinem Garten ein Leiter name, vnd jeglichen auff ein Sprossen setzte, vnd mit jnen daruon fuhre, daß sie noch dieselbige Nacht in deß Bischoffs von Saltzburg Keller kamen, da sie allerley Wein kosteten, vnd nur den besten trancken, Wie dann dieser Bischoff ein herrlichen Weinwachß hat. Als sie nu samptlich guts muths im Keller waren, vnd D. Faustus ein Fewrstein mit sich gnommen hette, damit sie alle Fesser sehen könnten, kame deß Bischoffs Keller vngefehr daher, der sie für dieb, so eingebrochen hetten, außschreyen thet. Das verdroß D. Faustum, mante sein Gesellen auffzusein, nam den Keller beym Haar, fuhr mit jhm daruon, vnd als sie zu einer grossen hohen Tannen kamen, setzte er den Keller, so in grossen ängsten vnd schrecken war, darauff, vnd kam also D. Faustus mit seiner Bursch wider zu Hauß, da sie erst das Valete miteinander hielten mit dem Wein, so er, D. Faustus, in grosse Fläschen gefüllet hatte in deß Bischoffs Keller. Der Kellner aber, so sich die gantze nacht auff dem Baum halten mussen, daß er nicht herab fiel, vnd schier erfroren war, als er sahe, daß es war Tag worden, die Tannen aber so hoch, daß es jme vnmüglich herab zusteigen, dieweil er keinen Ast hatte, weder oben noch vnden, Ruffte er etlichen Baurn zu, so fürvber fuhren, zeiget jnen an, wie es jhme ergangen were, vnd bate, daß sie jme herunder helffen wolten, Die Baurn verwunderten sich, zeigten es zu Saltzburg am Hof an, da war ein groß zulauffen, vnnd er mit grosser Muhe vnd Arbeit mit Stricken herab gebracht. Noch konnte der Keller nicht wissen, wer die gewesen, so er im Keller funden, noch der, so jhn auff den Baum geführet hatte. [46] Von der andern Faßnacht am Dinstage. Diese siben Studenten, darunter vier Magistri waren in Theologia, Iurisprudentia vnd Medicina studierend, als sie die Herren Faßnacht celebriert hatten in D. Fausti Behausung, waren sie am Dinstag der Faßnacht wider beruffen (dann sie wolbekannte vnnd angeneme liebe Gäst deß Fausti waren) zum Nachtessen, vnnd als sie erstlich mit Hünern, visch vnd Bratens, doch schmal gnug tractiert worden, tröstete D. Faustus seine Gäst solcher gestalt: Liebe Herrn, jhr sehet hie meine geringe Tractation, damit solt jr für gut nemmen, es wirt zum Schlaff Trunck besser werden. Nun wisset jr, daß in vielen Potentaten Höfen die Faßnacht mit köstlichen Speisen vnd Geträncken gehalten wirdt, dessen solt jhr auch theilhafftig werden, vnd ist diß die Vrsach, daß ich euch mit so geringer Speiß vnd tranck tractiere, vnd jr kaum den Hunger gebüsset, daß ich drey Fläschen, eine fünff, die ander acht, vnd widerumb eine acht Maß haltend, vor zwo stunden in meinen Garten gesetzt habe, vnd meinem Geist befohlen, einen Vngerischen, Italianischen vnd Hispanischen Wein zuholen. Deßgleichen hab ich fünffzehen Schüssel nacheinander auch in meinen Garten gesetzt, die allbereit mit allerley Speiß versehen seind, die ich widerumb warm machen muß, vnnd solt mir glauben, daß es keine Verblendung seye, da jhr meynet jhr esset, vnd seye doch nicht natürlich. Als er nuhn seine Rede zum Ende gefuhret, befilcht er seinem famulo, dem Wagner, ein newen Tisch zubereiten, das thete er, vnd truge hernach fünffmal Speiß auff, alle mal drey Trachten auff einmal, die waren von allerley Wildbret, Bachens vnd dergleichen. Zum Tischwein brachte er Welschwein, Ehrwein, Vngerischen vnd Hispanischen, vnnd als sie nun alle Voll vnd Doll waren, jedoch noch viel Speiß vberbliebe, fiengen sie letzlich an zusingen vnnd zuspringen, vnnd giengen erst gegen Tag zu Hauß, Worgens aber wurden sie auff die rechte Faßnacht beruffen. [47] Am Aschermitwochen der rechten Faßnacht. Am Aschermittwochen der rechten Faßnacht, kamen die Studenten als beruffen Gäste, widerumb in D. Fausti Hauß, da er jnen ein herrlich Mahl gab, vnd sie tapffer sangen, sprangen, vnd alle Kurtzweil trieben. Als nu die hohe Gläser vnd Becher herumb giengen, hebt D. Faustus sein Gauckelspiel an, also daß sie in der Stuben allerley Seitenspiel hörten, vnd doch nit wissen kundten, woher es kame. Dann so bald ein Instrument auffhörete, kam ein anders, da ein Orgel, dort ein Positiff, Lauten, Geigen, Cythern, Harpffen, Krumbhörner, Posaunen, Schwegel, Zwerchpfeiffen, in Summa allerley Instrumenta waren vorhanden, in dem huben die Gläser vnd Becher anzuhüpffen. Darnach name D. Faustus einen Hafen oder zehen, stellete die mitten in die Stuben, die huben alle an zutantzen, vnd an einander zustossen, daß sie sich alle zertrümmerten, vnd vndereinander zerschmetterten, welches ein groß Gelächter am Tisch gabe. Bald hebt er ein ander kurtzweil an. Dann er ließ einen Göcker im Hof fangen, den stellt er auff den Tisch. Als er jm nun zutrincken gab, hube er natürlich an zupfeiffen. Darnach hub er ein ander Kurtzweil an, setzte ein Instrument auff den Tisch, da kam ein alter Aff in die Stuben, der machte viel schöner Täntze darauff. Als er nun solche Kurtzweil triebe, biß in die Nacht hinein, bat er die Studenten, sie wolten bey jhme bleiben, vnd mit jhme zu Nacht essen, er wolte jhnen ein essen Vögel geben, hernach mit jhnen in der Mummerey gehen, welches sie jhme auch leichtlich bewilligten. Da name D. Faustus ein stangen, reckte die für das Fenster hinauß, alsbald kamen allerley Vögel daher geflogen, vnd welche auff die stangen fassen, die musten bleiben, da er nun ein guten theil der Vögel gefangen hette, halffen die Studenten jme dieselbigen würgen vnd ropffen. Das waren Lerchen, Krammatsvögel, vnd vier Wildenten, als sie nun abermals tapffer gezecht, seind sie miteinander in die Mummerey gangen. D. Faustus befahle, daß ein jeder ein weiß Hembd anziehen solte, vnd jn alsdann machen lassen. Solches geschah. Als nun die Studenten einander ansahen, gedäuchte einen jeglichen, er hette keinen Kopf, giengen also in etliche Häuser, darob die Leut sehr erschracken. Als nun die Herrn, bey welchen sie das Küchlein geholet, zu Tisch gesetzt, da hatten sie jren schein widerumb, vnd kennete man sie darauff alsbald. Baldt darnach verenderten sie sich widerumb, vnd hatten natürliche Eselsköpff vnd Oren, das triben sie biß in die mitternacht hinein, vnd zogen alsdann ein jeder wider in sein Hauß, machten auff diesen Tag ein end an der Faßnacht, vnd giengen schlaffen. [48] Von der vierten Faßnacht am Donnerstag. Die letzten Bacchanalia waren am Donnerstag, daran ein grosser Schne war gefallen. D. Faustus war zu den studiosis beruffen, die jhme ein stattliche Malzeit hielten, da er sein Abenthewr wider anfieng, vnd zauberte 13. Affen in die stuben, die gauckelten so wunderbarlich, daß dergleichen nie gesehen worden, dann sie sprangen auff einander, wie man sonst die Affen abricht, so namen sie auch ein ander in die süß, tantzten einen gantzen Reyen vmb den Tisch herumb, darnach zum Fenster hinauß vnd verschwanden. Sie satzten dem Fausto ein gebraten Kalbskopff für, als jhn nun der Studenten einer erlegen wolt, fieng der Kalbskopff an Menschlich zuschreyen, Mordio, helffio, O weh, was zeuhest du mich, daß sie darob erschracken, vnd dann wider anfiengen zu lachen, verzehrten also den Kalbskopff, vnd gieng D. Faustus noch zeitlich am Tage zu Hauß, mit versprechung wider zu erscheinen. Bald rüstete er jm mit Zauberey ein Schlitten zu, der hatt ein gestalt wie ein Drach, auff dem Haupt saß er D. Faustus, vnd mitten innen die Studenten. So waren 4. verzauberte Affen auff dem schwantz die gauckelten auff einander gantz lustig, der ein bließ auff der Schalmeyen, vnd lieff der Schlitten von jm selbsten, wohin sie wolten, das werete biß in die Mittnacht hinein, mit solchem Klappern, daß keiner den andern hören kundte, vnd gedauchte die Studenten, sie hetten im Lufft gewandelt. [49] Am weissen Sonntag von der bezauberten Helena. Am weissen Sonntag kamen offtgemeldte Studenten vnversehens wider in D. Fausti behausung zum Nachtessen, brachten jhr Essen vnd Tranck mit sich, elche angeneme Gäst waren. Als nu der Wein eingienge, wurde am Tisch von schönen Weibsbildern geredt, da einer vnder jnen anfieng, daß er kein Weibsbildt lieber sehen wolte, dann die schöne Helenam auß Græcia, derowegen die schöne Statt Troia zu grund gangen were, Sie müste schön gewest seyn, dieweil sie jrem Mann geraubet worden, vnd entgegen solche Empörung entstanden were. D. Faustus antwurt, dieweil jhr dann so begirig seidt, die schöne gestalt der Königin Helenæ, Menelai Haußfraw, oder Tochter Tyndari vnd Lædæ, Castoris vnd Pollucis Schwester (welche die schönste in Græcia gewesen seyn solle) zusehen, wil ich euch dieselbige fürstellen, damit jhr Persönlich jren Geist in form vnd gestalt, wie sie im Leben gewesen, sehen sollet, dergleichen ich auch Keyser Carolo Quinto auff sein begeren, mit fürstellung Keysers Alexandri Magni vnd seiner Gemählin, willfahrt habe. Darauff verbote D. Faustus, daß keiner nichts reden solte, noch vom Tisch auffstehen, oder sie zuempfahen anmassen, vnd gehet zur Stuben hinauß. Als er wider hinein gehet, folgete jm die Königin Helena auff dem Fuß nach, so wunder schön, daß die Studenten nit wusten, ob sie bey jhnen selbsten weren oder nit, so verwirrt vnd innbrunstig waren sie. Diese Helena erschiene in einem köstlichen schwartzen Purpurkleid, jr Haar hatt sie herab hangen, das schön, herrlich als Goldfarb schiene, auch so lang, daß es jr biß in die Kniebiegen hinab gienge, mit schönen Kollschwartzen Augen, ein lieblich Angesicht, mit einem runden Köpfflein, jre Lefftzen rot wie Kirschen, mit einem kleinen Mündlein, einen Halß wie ein weisser Schwan, rote Bäcklin wie ein Rößlin, ein vberauß schön gleissend Angesicht, ein länglichte aufsgerichte gerade Person. In summa, es war an jr kein vntädlin zufinden, sie sahe sich allenthalben in der Stuben umb, mit gar frechem vnd bübischem Gesicht, daß die Studenten gegen jr in Liebe entzundet waren, weil sie es aber für einen Geist achteten, vergienge jhnen solche Brunst leichtlich, vnd gienge also Helena mit D. Fausto widerumb zur Stuben hinauß. Als die Studenten solches alles gesehen, baten sie D. Faustum, er solte jhnen so viel zugefallen thun, vnnd Morgen widerumb fürstellen, so wolten sie einen Mahler mit sich bringen, der solte sie abconterfeyten, Welches jhnen aber D. Faustus abschlug, vnd sagte, daß er jhren Geist nicht allezeit erwecken könnte. Er wolte jhnen aber ein Conterfey darvon zukommen lassen, welches sie die Studenten abreissen möchten lassen, welches dann auch geschahe, vnd die Maler hernacher weit hin vnd wider schickten, dann es war ein sehr herrlich gestalt eins Weibsbilds. Wer aber solches Gemäld dem Fausto abgerissen, hat man nicht erfahren können. Die Studenten aber, als sie zu Betth kommen, haben sie vor der Gestalt vnd Form, so sie sichtbarlich gesehen, nicht schlaffen können, hierauß dann zusehen ist, daß der Teuffel offt die Menschen in Lieb entzündt vnd verblendt, daß man ins Huren Leben geräth, vnd hernacher nit leichtlich widerumb herauß zubringen ist. [50] Von einer Gesticulation, da einem Bawrn 4. Räder vom Wagen in die Lufft hingesprungen. Doct. Faustus ward gen Braunschweig in die Statt, zu einem Marschalck, der die Schwindsucht hatte, jhme zu helffen, beruffen vnd erfordert. Nun hatt aber D. Faustus disen gebrauch, daß er nimmer weder ritte, noch fuhre, sondern war zugehen gericht, wohin er beruffen wurde. Als er nun nahe zu der Statt kame, vnd die Statt vor jhm sahe, begegnet jm ein Bawr mit vier Pferden, vnd einem leeren Wagen. Disen Bawrn sprach D. Faustus gutlich an, daß er jn auffsitzen lassen, vnd vollends biß zu dem Statt Thor führen wolte, welches jm aber der Dölpel wegerte vnd abschluge, sagende, Er würde one daz genug herauß zuführen haben. D. Fausto war solch begeren nicht Ernst gewest, sondern hatte den Bauren nur probieren wöllen, ob auch ein Gütigkeit bey jhme zufinden were. Aber solche Vntrew, deren viel bey den Bauren ist, bezahlte D. Faustus wider mit gleicher Müntze, vnd sprach zu jhme: Du Dölpel vnnd nichtswerdiger Vnflat, dieweil du solche Vntrew mir beweisest, dergleichen du gewiß auch andern thun, vnd schon gethan haben wirst, soll dir darfür gelohnet werden, vnd solt deine vier Räder, bey jeglichem Thor eins finden. Drauff sprangen die Räder in die Lufft hinweg, daß sich ein jeglichs Rad bey einem sondern Thor hat finden lassen, doch sonsten one jemands wahrnemmen. Es fielen auch deß Bauwren Pferd darnider, als ob sie sich nicht mehr regten, Darob der Bauwer sehr erschracke, masse jhme solches für ein sondere Straff GOTtes zu, der Vndanckbarkeit halb, auch gantz bekümmert vnnd weynet, bate er den Faustum mit auffgereckten Händen, vnd neigung der Knie vnnd Bein, vmb Verzeihung, vnd bekannte, daß er solcher Straff wol wirdig were, Es solte jhm auff ein andermal ein erjnnerung seyn, solcher Vndanckbarkeit nit mehr zugebrauchen, Darvber Faustum die Demuth erbarmete, jm antwortete: Er solts keinem andern mehr thun, dann kein schändtlicher ding were, als Vntrew vnd Vndanckbarkeit, darzu der stoltz so mit vnderläufft. So solt er nu hie Erdtrich nemmen, vnd auff die Gäul werffen, darvon würden sie sich widerumb auffrichten, vnnd zur fristung kommen, welches auch geschahe. Darnach sagt er dem Bawrn, dein vntrew kan nit gar vngestrafft abgehen, sondern muß mit gleicher Maß bezahlt werden, dieweil es dich ein so grosse Müh gedaucht hat, einen nur auff ein lähren Wagen zusetzen, So sihe deine vier Räder seind vor der Statt bey vier Thoren, da du sie finden wirst. Der Bawr gienge hin vnd sands, wie D. Faustus jme gesagt hatte, mit grosser Mühe, Arbeit vnnd Versaumung seines Geschäffts, das er verrichten solte, also traff Vntrew jhren eygen Herrn. [51] Von 4. Zauberern, so einander die Köpff abgehawen, vnd widerumb auffgesetzt hatten, darbey auch D. Faustus das sein thet. Doctor Faustus kam in der Fasten gen Franckfurt in die Meß, den berichtete sein Geist Mephostophiles, wie in einem Wirtshauß bey der Judengassen vier Zauberer weren, die einander die Köpff abhieben, vnd zum Barbierer schickten, sie zu barbieren, da viel Leut zu sahen. Das verdroß den Faustum, vermeynendt, er were allein deß Teuffels Han im Korb, gienge dahin, solches auch zubesehen, Da sie, die Zauberer schon beysammen waren, die Köpffe abzuhawen, bey jhnen war der Barbierer, der solte sie butzen vnd zwagen. Auff dem Tisch aber hatten sie ein Glaß Hafen, mit distilliertem Wasser, Da einer vnder jhnen der fürnembste Zauberer war, der war ihr Nachrichter, der zauberte dem ersten ein Lilien in den Hafen, die grünete daher, vnd nannte sie Wurtzel deß Lebens, darauff richtet er den ersten, ließ den Kopff barbieren, vnd satzte jhme hernach denselben wider auff, alsbald verschwande die Lilien, vnnd hatte er seinen Kopff wider gantz, das thet er auch dem andern vnnd dritten gleicher gestalt, so jhre Lilien im Wasser hatten, darauff die Köpffe barbiert vnnd jhnen wider auffgesetzet wurden, Als es nun am öbersten Zauberer vnnd Nachrichter war, vnnd seine Lilien im Wasser auch daher blühete, vnnd grünete, wurde jhm der Kopff abgeschmissen, vnnd da es an dem war daß man jhn zwagete vnnd barbierte in Fausti Gegenwertigkeit, den solche Büberey in die Augen stach vnd verdroß, den Hochmuth deß Principal Zauberers, wie er so frech mit Gottslästern vnd lachendem Mund jm ließ den Kopff herab hawen. Da geht D. Faustus zum Tisch, da der Hafen vnnd Lilien stunden, nimbt ein Messer, hawet auff die Blumen dar, vnd schlitzet den Blumen stengel voneinander, dessen niemandt gewahr worden, Als nun die Zauberer den Schaden sahen, ward jre Kunst zu nicht, vnd kundten jrem Gesellen den Kopff nicht mehr ansetzen. Muste also der böß Mensch in Sünden sterben vnd verderben, wie dann der Teuffel allen seinen Dienern letztlich solchen Lohn gibt, vnd sie also abfertigt, Der Zauberer aber keiner wuste, wie es mit dem geschlitzten Stengel wer zugangen, meyneten auch nit, daß es D. Faustus gethan hette. [52] Von einem alten Mann, so D. Faustum von seinem Gottlosen Leben abgemahnt vnd bekehren wöllen, auch was Vndanck er darüber empfangen. Ein Christlicher frommer Gottsförchtiger Artzt, vnd Liebhaber der H. Schrifft, auch ein Nachbawr deß D. Fausti, Als er sahe, daß viel Studenten jren Auß vnd Eingang, als ein schlüpsswinckel, darinnen der Teuffel wohneten, bey dem Fausto hetten, Name er jme für, D. Faustum mahnen, Beruffte jn derwegen auß einem Christlichen Eyfer in seine Behausung. Faustus erschiene jm, vnder dieser Mahlzeit redte der Alte Faustum also an: Mein lieber Herr vnd Nachbawr, Ich habe zu euch ein freundtliche Christliche Bitt, jhr wöllet mein eyferig fürtragen nicht in argem vnnd vngutem auff vnnd annemmen, Darneben auch die geringe Malzeit nicht verachten, sondern gutwillig, wie es der liebe Gott bescheret, damit für gut nemmen. D. Faustus bahte darauff, er solte jm sein fürhaben erklären, er wolte jm gefälligen Gehorsam leysten. Da fienge der Patron an Mein lieber Herr vnnd Nachbauwer, jhr wisset euwer Fürnemmen, daß jhr Gott vnd allen Heyligen abgesagt, vnd euch dem Teuffel ergeben habt, damit jhr in den größten zorn vnd Vngnad Gottes gefallen, vnd auß einem Christen ein rechter Ketzer vnd Teuffel worden seyt, Ach, was zeiht jhr ewer Seel? Es ist vmb den Leib allein nit zu thun, sondern auch vmb die Seel, so ruhet jr in der ewigen Pein vnd Vngnad Gottes, wolan mein Herr, es ist noch nichts versaumpt, wenn jr allein wider vmbkehret, bey Gott vmb Gnad vnd verzeihung ansuchet, wie jr sehet das Exempel in der Apostelgeschicht am 8. Cap. von Simone in Samaria, der auch viel Volcks verführet hette, denn man hat jn sonderlich für ein Gott gehalten, vnd jn die Krafft Gottes, oder Simon Deus sanctus genennt, diser war aber hernach auch bekehret, als er die Predigt S. Philippi gehört, ließ er sich täuffen, gläubt an vnsern HErrn Jesum Christum, vnd hielt sich hernacher vil bey Philippo, diß wirt in der Apostelgeschicht sonderlich gerümpt, also mein Herr, laßt euch mein Predigt auch gefallen, vnd ein hertzliche Christliche Erjnnerung seyn. Nun ist die Buß, Gnad vnd verzeihung zusuchen, dessen jhr viel schöner Exempel habt, als an dem Schächer, Item, an S. Petro, Mattheo vnd Magdalena, ja zu allen Sündern spricht Christus der HErr: Kompt her zu mir alle die jr mühselig vnd beladen seyt, ich will euch erquicken. Vnd im Propheten Ezechiel: Ich beger nicht den todt deß Sünders, sonder daß er sich bekehr vnd lebe, denn sein Hand ist nit verkürtzt, daß er nit mehr helffen könnte. Solchen fürtrag bitte ich, mein Herr, laßt euch zu Hertzen gehen, vnd bittet Gott vmb Verzeihung vmb Christi willen, stehet darneben von ewerm bösen fürnemmen ab, dann die Zauberey ist wider die Gebott Gottes, seitenmal ers beydes im Alten vnd Newen Testament schwerlich verbeut, da er spricht: Man solle sie nicht leben lassen, man solle sich zu jhnen nicht halten, noch Gemeinschafft mit jhnen haben, Dann es seye ein Grewel vor Gott. Also nennt S. Paulus den Bar Jehu oder Elimas den Zauberer ein Kind deß Teuffels, ein Feind aller Gerechtigkeit, vnd daß sie auch keinen theil an dem Reich Gottes haben sollen. Doc. Faustus hörte jm fleissig zu, vnd sagte daß jhm die Lehr wolgefiele, vnd bedanckt sich dessen gegen dem Alten seines wolmeinens halber, vnd gelobte solchem, so viel jhme müglich were, nachzukommen, damit name er seinen Abschied. Als er nun zum Hauß kame, gedacht er diser Lehr vnd vermahnung fleissig nach, vnd betrachtete, was er doch sich vnd sein Seel geziehen, daß er sich dem leidigen Teuffel also ergeben hette, Er wolte Buß thun, vnnd sein versprechen dem Teuffel wider auffsagen61. In solchen Gedancken erscheinet jm sein Geist, tappet nach jm, als ob er jhme den Kopff herumb drehen wolte, vrd warff jm für, was jhn dahin bewogen hette, daß er sich dem Teuffel ergeben, nemlich sein frecher Mutwillen. Zu dem habe er sich versprochen, Gott vnd allen Menschen feind zuseyn, diesem versprechen komme er nu nit nach, wölle dem alten Lauren folgen, einen Menschen vnd Gott zu huld nemmen, da es schon zuspat, vnd er deß Teuffels seye, der jhn zuholen gut macht habe, wie er dann jetzunder befelch, vnd deßhalben allda seye, daß er jme den garauß machen soll, oder aber, er solle sich alsbald nider setzen, vnd sich widerumb von newem verschreiben mit seinem Blut, vnd versprechen, daß er sich keinen Menschen mehr wöll abmanen vnd verführen lassen, vnd dessen soll er sich nun baldt erkleren, ob er es thun wölle oder nicht. Wo nit, wölle er jn zu stücken zerreissen. D. Faustus gantz erschrocken, bewilligt jm widerumb auffs newe, setzt sich nider, vnd schreibt mit seinem Blut, wie folgt, welches schreiben denn, nach seinem Todt, hinder jm gefunden worden. [53] Doct. Fausti zweyte Verschreibung, so er seinem Geist vbergeben hat. Ich D. Faustus bekenne mit meiner eygen Handt vnd Blut, daß ich diß mein erst Instrument vnnd Verschreibung biß in die 17. jar, steiff vnd fest gehaltenhabe, Gott vnd allen Menschen seindt gewest, hiemit setz ich hindan Leib vnd Seel, vnd vbergib diß dem mächtigen Gott Lucifero, daß so auch das 7. jar nach Dato diß verloffen ist, er mit mir zu schalten vnd zu walten habe62. Neben dem so verspricht er mir mein Leben zukürtzen oder zulängern, es sey im Tod oder in der Hell, auch mich keiner Pein theilhafftig zumachen.63 Hierauff versprich ich mich wider, daß ich keinem Menschen mehr, es seye mit vermahnen, lehren, abrichten, vnterweisen vnd dräuwungen, es sey im Wort Gottes, weltlichen oder Geistlichen Sachen, vnd sonderlich keinem Geistlichen Lehrer gehorchen, noch seiner Lehr nachkommen wil, Alles getrewlich vnd kräfftig zu halten, laut dieser meiner Verschreibung, welche ich zu mehrer bekräfftigung mit meinem eygen Blut geschrieben hab, Datum Wittenberg, etc. Auff solche verdammliche vnd Gottlose verschreibung, ist er dem guten alten Mann so feind worden, daß er jhm nach Leib vnd Leben stellete, aber sein Christlich Gebett vnd Wandel, hat dem bösen Feindt ein solchen stoß gethan, daß er jm nit hat beykommen mögen, Denn gleich vber 2. tag hernach, als der fromm Mann zu Bett gienge, hörete er im Hauß ein groß Gerompel, welchs er zuvor nie gehört hette, das kömpt zu jhm in die Kammer hinein, kürrete wie ein Saw, das triebe es lang. Darauff fieng der alt Mann an deß Geists zu spotten, vnd sagt: O wol ein Bäurisch Musica ist das, Ey wol ein schön Gesang von einem Gespenst, wie ein schön Lobgesang von einem Engel, der nit zwen tag im Paradeyß hat können bleiben, vexiert sich erst in ander Leut Häuser, vnd hat in seiner Wonung nit bleiben können. Mit solchem Gespött hatte er den Geist vertrieben. D. Faust fragte jn, wie er mit dem Alten vmbgangen were? Gabe jm der Geist zu Antwort, er hette jhme nicht beykommen können, dann er geharrnischt gewest seye, das Gebett meynende. So hette er seiner noch darzu gespottet, welches die Geister oder Teuffel nit leyden können, sonderlich wann man jhnen jhrn Fall fürwirfft. Also beschützet GOtt alle fromme Christen, so sich GOtt ergeben vnnd befehlen wider den bösen Geist. [54] Von zwo Personen, so D. Faustus zusamen kuppelt, in seinem 17. verloffenen Jahre. Zv Wittenberg war ein studiosus, ein statlicher vom Adel, N. N. genannt, der hatte sein Herz vnd Augen zu einer, die auch eines guten Adelichen Geschlechts, vnnd ein vberauß schön Weibsbildt war, gewandt. Die hatte viel, vnd vnder denselbigen auch ein jungen Freyherrn zum Werber, denen allen aber schlug sies ab, vnnd hette sonderlich obgedachter Edelmann vnder disen allen den wenigsten Platz bey jhr, Derselbige hette zum Fausto gute Kundschafft, hatt auch offt in seinem Hauß mit jme gessen vnd getruncken, diesen fechtet die Lieb gegen der vom Adel so sehr an, daß er am Leib abname, vnnd darüber in ein Kranckheit fiele. Dessen D. Faustus in Erfahrung kame, daß dieser vom Adel so schwerlich kranck lege, fragte derwegen seinen Geist Mephostophilem, was jm doch were? Der jme alle gelegenheit vnd Vrsach anzeigte. Darauff D. Faustus den Nobilem heimsuchte, jhme alle gelegenheit seiner Kranckheit eröffnete, der sich darüber verwunderte. D. Faustus tröst jn, er solte sich so sehr nit bekummern, er wolte jhme behülfflich seyn, daß dieses Weibsbildt keinem andern, denn jm zum theil werden mußte, wie auch geschach. Dann D. Faustus verwirrte der Jungfrawen Hertz so gar mit seiner Zauberey, daß sie keins andern Manns noch jungen Gesellens mehr achtete (da sie doch stattliche vnd reiche vom Adel zu Werbern hatte) bald darnach befilcht er diesem Edelmann, er solt sich stattlich bekleiden, so wölle er mit jhm zur Jungfrawen gehen, die in einem Garten bey andern Jungfrawen sässe, da man einen Tantz anfangen wurde, mit der solte er tantzen, vnd gibt jm ein Ring, den solte er an seinen Finger stecken, wann er mit jr tantzte, so bald er sie alsdenn mit dem Finger berühret, würde sie jhr Hertz zu jm wenden, vnd sonsten zu keinem andern. Er solte sie aber vmb die Ehe nicht ansprechen, dann sie würde jn selbst darvmb anreden. Nimpt darauff ein distilliert Wasser, vnd zwaget den Edelmann darmit, welcher als baldt ein vberauß schön Angesicht darvon bekame, gehen also mit einander in den Garten. Der Edelmann thete wie jm D. Faustus befohlen hatte, tantzet mit der Jungfrawen, vnd rühret sie an, die von der Stund an jr Hertz vnd Lieb zu jhm wandte, die gute Jungfrauw war mit Cupidinis Pfeilen durchschossen, dann sie hatte die gantze Nacht kein Ruhe im Bett, so offt gedacht sie an jn. Bald Morgens beschickte sie jn, öffnet jm Hertz vnd Lieb, vnd begerte seiner zur Ehe, der jr auß inbrünstiger Liebe solches darschluge, vnd bald mit einander Hochzeit hetten, auch dem D. Fausto eine gute Verehrung darvon wurde. [55] Von mannicherley Gewächß, so Faustus im Winter, vmb den Christag in seinem Garten hatte, in seinem 19. Jar. Im December, vmb den Christag, war vil Frawenzimmers gen Wittenberg kommen, als etlicher vom Adel kinder zu jhren Geschwisterten, so da studierten, sie heimzusuchen, welche gute Kundtschafft zu D. Fausto hetten, vnnd er etlich mal zu jhnen beruffen worden. Solches zuvergelten, beruffte er diß Frawenzimmer vnd Junckern zu jme in sein Behausung zu einer Vnderzech. Als sie nun erschienen, vnd doch ein grosser Schnee draussen lag, da begab sich in D. Fausti Garten ein herrlich vnnd lustig Spectacul, dann es war in seinem Garten kein Schnee zusehen, sondern ein schöner Sommer, mit allerley Gewächß, daß auch das Graß mit allerley schönen Blumen dahir blühet vnd grunet. Es waren auch da schöne Weinreben, mit allerley Trauben behengt, deßgleichen rohte, weisse, vnd Leibfarbe Rosen, vnd ander viel schöne wolriechende Blumen, welches ein schönen herrlichen lust zusehen vnd zuriechen gabe. [56] Von einem Versammleten Kriegßheer wider den Freyherrn, so Doctor Faustus an deß Keysers Hoff ein Hirschgewicht auff den Kopff gezaubert hatte, in seinem 19. Jar. Doctor Faustus reyset gen Eißleben, als er nu halben weg gereyset, sihet er vngefehr 7. Pferd daher stutzen, den Herrn kennt er, daß es der Graff war, dem er, wie obgemeldt, an deß Keysers Hoff ein Hirschgewicht auff die Stirne gezaubert hatte. Der Herr kannte Doct. Faustum auch gar wol, derhalben er seine Knecht ließ still halten, das Faustus bald merckete, vnd sich deßwegen auff eine höhe thäte. Als solchs der Freyherr sahe, ließ er auff jn dar rennen, mit befehl, kecklich vff jn zu schiessen, derhalben sie desto besser darauff truckten jn zu erreichen. Er ward aber bald widerumb auß jhrem Gesichte verloren, denn er sich vnsichtbar gemacht. Der Freyherr liesse auff der Höhe stille halten, ob er jn wider in das Gesicht bringen köndte, da hörten sie vnten am Walde ein groß Pfeiffen mit Posaunen, Trometen, Trummeln vnnd Heerpaucken, blasen vnd schlagen, sahe auch etliche 100. Pferde auff jhn streiffen, er aber gab das Fersengelt. Als er nun neben dem Berge hin wolt, stundt ein groß Kriegßvolck im Harnisch, so auff jn dar wolte, da wandte er sich auff einen andern Weg, bald sahe er gleichsfalls viel Reysiger Pferde, derhalben er sich abermals auff einander seyten begeben muste. Da er widerumb, wie zuvor eine Schlachtordnung sahe, daß jhme also dieses einmal oder fünff begegnete, so offt er sich an einander ort hat gewandt. Als er nun sahe, daß er niergendt hinauß kundte, doch sahe, daß man auff jn streiffte, rennet er in das Heer hineyn, was Gefahr jhm gleich darauß entstehen möchte, vnd fragte, was die Vrsach seye, daß man jn allenthalben vmbgeben habe, oder auff jhn streiffe, aber niemand wolte jm antwort geben, biß endtlich D. Faustus hinfür zu jm ritt, da der Freyherr alsbald vmbgeschlossen ward, vnd jm fürhielt, er solte sich gefangen geben, wo nicht, werde man mit jhme nach der schärpffe fahren. Der Freyherr vermeynte nit anders, denn es were ein Mannschafft oder natürlich Furhaben einer Schlacht, so es doch eine Zauberey deß Fausti war. Darauff fordert D. Faustus die Büchsen vnd schwerter von jnen, nam jnen die Gäul vnd führete jnen ander qezauverte Gäul, Büchsen vnd Schwerter dar, vnnd sprach zum Freyherrn, der den Faustum nicht mehr kennet: Mein Herr, es hat mir der Oberst in diesem Heer befohlen, euch anzuzeigen, daß jr dißmal solt also hin ziehen, dieweil jr auff einen gestreifft, der bey dem Obersten vmb Hülff angesucht. Als nun der Freyherr in die Herberg kam, vnd seine Knechte die pferde zur träncke ritten, da verschwunden die Pferde alle, vnd waren die Knecht schier ertruncken, musten also widervmb zu Fuß heym reitten. Der Freyher sahe die Knecht daher ziehen, die alle besudelt, vnd naß waren, auch zu Fuß giengen, als er die vrsach erfahren, schloß er alsbald, daß es D. Fausti Zauberey war, wie er jm auch zuvor gethan hatte, vnd jm solchs alles zu hohn vnd spott geschehen were.64 [57] Von Doct. Fausti Bullschafften in seinem 19. vnd 20. Jahre. Als Doctor Faustus sahe, daß die Jahr seiner Versprechung von Tag zu Tag zum Ende liessen, hub er an ein Säuwisch vnnd Epicurisch leben zu führen, vnd berüfft jm siben Teuffelische Succubas, die er alle beschliesse, vnd eine anders denn die ander gestalt war, auch so trefflich schön, daß nicht davon zusagen. Dann er fuhr inn viel Königreich mit seinem Geist, darmit er alle Weibsbilder sehen möchte, deren er 7. zuwegen brachte, zwo Niderländerin, eine Vngerin, eine Engelländerin, zwo Schwäbin, vnd eine Fränckin, die ein Außbundt deß Landes waren, mit denselbigen Teuffelischen Weibern triebe er Vnkeuscheit, biß an sein Ende. [58] Von einem Schatz, so D. Faustus gefunden in seinem 22. verlauffenen Jar. Darmit der Teuffel seinem Erben, dem Fausto, gar keinen Mangel liesse, weiste der Geist Mephostophiles D. Faustum in eine alte Capellen, so eingefallen war, vnnd bey Wittemberg bey einer halben Meil wegs gelegen ist, allda hette es einen vergrabenen Keller, da solte Doct. Faustus graben, so würde er einen grossen Schatz finden, dem gieng Doct. Faustus trewlich nach, wie er nun darkame, sandte er einen greuwlichen grossen Wurmb auff dem schatz ligen, der Schatz erschiene wie ein angezündet Liecht. D. Faustus beschwure jhn, daß er in ein Loch kroche, als er nun den Schatz grub, sandt er nichts als Kolen darinnen, hörete vnd sahe auch darneben viel Gespenste. Also bracht D. Faustus die Kolen zu Hauß, die alsbald zu Silber vnd Gott verwandelt wurden, welches, wie sein Famulus darvon gemeldet hat, in etliche tausendt Gülden wehrt geschätzt ist worden. [59] Von der Helena auß Griechenland, so dem Fausto Beywohnung gethan in seinem letzten Jahre. Darmit nun der elende Faustus seines Fleisches Lüsten genugsam raum gebe, fällt jm zu Mitternacht, als er erwachte, in seinem 23. verloffenen Jar, die Helena aus Grecia, so er vormals den Studenten am Weissen Sonntag erweckt hatt, in Sinn, Derhalben er Morgens seinen Geist anmanet, er solte jm die Helenam darstellen, die seine Concubina seyn möchte, welches auch geschahe, vnd diese Helena war ebenmässiger Gestalt, wie er sie den Studenten erweckt hatt, mit lieblichem vnnd holdseligem Anblicken. Als nun Doct. Faustus solches sahe, hat sie jhm sein Hertz dermassen gefangen, daß er mit jhr anhube zu Bulen, vnd für sein Schlaffweib bey sich behielt, die er so lieb gewann, daß er schier kein Augenblick von jr seyn konnte, Ward also in dem letzten jar Schwangers Leibs von jme, gebar jm einen Son, dessen sich Faustus hefftig frewete, vnd jhn Iustum Faustumnennete. Diß Kind erzehlt D. Fausto vil zukünfftige ding, so in allen Ländern solten geschehen.65 Als er aber hernach vmb sein Leben kame, verschwanden zugleich mit jm Mutter vnd Kindt. Folget nu was Doctor Faustus in seiner letzten Jahrsfrist mit seinem Geist vnd andern gehandelt, welches das 24. vnnd letzte Jahr seiner Versprechung war. [60] Von Doct. Fausti Testament, darinnen er seinen Diener Wagener zu einem Erben eingesetzt. Doct. Faustus hatte diese zeit hero biß in diß 24. vnnd letzte Jahr seiner Versprechung, einen jungen Knaben aufferzogen, so zu Wittemberg wol studierte, der sahe alle seins Herrn, Doct. Fausti, Abentheur, Zäuberey vnd Teuffelische Kunst, war sonst ein böser verloffner Bube, der anfangs zu Wittenberg Betteln vmbgangen, vnnd jhne, seiner bösen art halben, niemandt auffnemmen wolte. Dieser Wagener ward nun deß Doct. Fausti Famulus, hielte sich bey jhm wol, daß jhn D. Faustus hernach seinen Son nannte, er kam hin wo er wolte, so schlemmete vnd demmete er mit. Als sich nu die zeit mit D. Fausto enden wolte, berüfft er zu sich einen Notarium, darneben etliche Magistros, so offt vmb jnen gewest, vnd verschaffte seinem Famulo das Hauß, sampt dem Garten, neben deß Gansers vnd Veit Rodingers Hauß gelegen, bey dem Eysern Thor, in der Schergassen an der Ringmawren. Item, er verschaffte jhme 1600. Gulden am Zinßgelt, ein Bawren Gut, acht hundert gulden wert, sechs hundert Gülden an barem Gelt, eine gülden Ketten, drey hundert Cronen werth, Silbergeschirr, was er von Höfen zu wegen gebracht, vnnd sonderlich auß deß Bapsts vnd Türcken Hoff, biß in die tausendt Gulden wert, Sonsten war nit viel besonders da an Haußraht, dann er nicht viel daheym gewohnet, sondern bey Wirten vnd Studenten Tag vnd Nacht gefressen vnd gesoffen. Also ward sein Testament auffgericht vnd constituiert. [61] Doctor Faustus besprach sich mit seinem Diener deß Testaments halben. Als nu das Testament auffgericht war, berüfft er seinen Diener zu sich, hielt jm für, wie er jhn im Testament bedacht habe, weil er sich die zeit seines Lebens bey jm wolgehalten, vnd seine Heimligkeit nicht offenbaret hette, Derhalben solte er von jhme noch was bitten, dessen wölle er jhn gewehren. Da begerte der Famulus seine Geschickligkeit. Darauff jme Faustus antwortet: Meine Bücher belangendt, sind dir dieselbigen vorhin verschaffet, jedoch daß du sie nicht an Tag kommen wöllest lassen, Sondern deinen Nutzen darmit schaffen, fleissig darinnen studieren. Zum andern, begerestu meine Geschickligkeit, die du ja bekommen wirst, wann du meine Bücher lieb hast, dich an niemandt kehrest, sondern darbey bleibest. Noch, sagt Doctor Faustus, dieweil mein Geist Mephostophiles mir weiter zu dienen nit schüldig, derhalben ich dir jn nit verschaffen mag, so wil ich dir doch einen andern Geist, so du es begerest, verordnen. Bald hernach am dritten Tage berüfft er seinen Famulum wider, vnd hielte jm für, wie er einen Geist wolte, ob er noch deß Vorhabens were, vnd in was Gestalt er jm erscheinen sol. Er antwortet: Mein Herr vnd Vatter, in Gestalt eines Affen, auch in solcher grösse vnd Form. Darauff erschiene jme ein Geist, in gestalt vnd form eines Affen, der in die Stuben sprange. D. Faustus sprach: Sihe, jetzt sihestu jn, doch wirt er dir nicht zu Willen werden, biß erst nach meinem Todt, vnnd wann mein Geist Mephostophiles von mir genommen, vnd jhn nicht mehr sehen wirst, vnd so du dein Versprechen, das bey dir stehet, leystest, so soltu jn nennen den Auwerhan, denn also heisset er. Darneben bitte ich, daß du meine Kunst, Thaten, vnd was ich getrieben habe, nicht offenbarest, biß ich Todt bin, alsdenn wöllest es auffzeichnen, zusammen schreiben, vnnd in eine Historiam transferiren, darzu dir dein Geist vnd Auwerhan helffen wirt, was dir vergessen ist, das wirdt er dich wider erjnnern, denn man wirdt solche meine Geschichte von dir haben wöllen. [62] Wie sich Doctor Faustus zu der zeit, da er nur einen Monat noch vor sich hatte, so vbel gehub, stätigs jämmerte vnd seufftzete vber sein Teuffelisch Wesen. Dem Fausto lieff die Stunde herbey, wie ein Stundglaß, hatte nur noch einen Monat für sich, darinnen sein 24. Jar zum ende liessen, in welchen er sich dem Teuffel ergeben hatte, mit Leid vnd Seel, wie hievorn angezeigt worden, da ward Faustus erst zame, vnd war jhme wie einem gefangenen Morder oder Räuber, so das vrtheil im Gefängnuß empfangen, vnd der Strasse deß Todes gewertig seyn muß. Dann er ward geängstet, weynet vnd redet jmmer mit sich selbst, fantasiert mit den Händen, achtzet vnd seufftzet, nam vom Leib ab, vnnd ließ sich forthin selten oder gar nit sehen, wolte auch den Geist nit mehr bey jm sehen oder leyden. [63] Doctor Fausti Weheklag, daß er noch in gutem Leben vnd jungen Tagen sterben müste. Jese Trauwrigkeit bewegte D. Faustum, daß er seine Weheklag auffzeichnete, damit ers nicht vergessen möchte, vnd ist diß auch seiner geschriebenen Klag eine. Ach, Fauste, du verwegenes vnnd nicht werdes Hertz, der du deine Gesellschafft mit verführest in ein Vrtheil deß Feuwers, da du wol hettest die Seligkeit haben können, so du jetzunder verleurest, Ach Vernunfft vnd freyer Will, was zeihestu meine Glieder, so nichts anders zuversehen ist, dann beraubung jres Lebens, Ach jhr Glieder, vnnd du noch gesunder Leib, Vernunfft vnd Seel, beklagen mich, dann ich hette dir es zu geben oder zu nemmen gehabt, vnd mein Besserung mit dir befriedigt. Ach Lieb vnnd Haß, warumb seyd jr zugleich bey mir eingezogen, nach dem ich euwer Gesellschafft halb solche Pein erleiden muß, Ach Barmhertzigkeit vnd Rach, auß was vrsach habt jr mir solchen Lohn vnd Schmach vergönnet? O Grimmigkeit vnd Mitleyden, bin ich darvmb ein Mensch geschaffen, die Straff, so ich bereit sehe, von mir selbsten zu erdulden? Ach, ach Armer, ist auch etwas in der Welt, so mir nicht widerstrebet? Ach, was hilfft mein Klagen. [64] Widerumb ein Klage D. Fausti. Ach, ach, ach, ich arbeitseliger Mensch, O du betrübter vnseliger Fauste, du bist wol in dem Hauffen der Vnseligen, da ich den vbermässigen schmertzen deß Todtes erwarten muß, Ja viel einen erbärmlichern dann jemals eine schmertzhaffte Creatur erduldet hat. Ach, ach Vernunfft, Mutwill, Vermessenheit vnnd freyer Will, O du verfluchtes vnd vnbeständiges Leben, O du Blinder vnd Vnachtsamer, der du deine Glieder, Leib vnd Seel, so Blindt machest, als du bist. O zeitlicher Wollust, in was Mühseligkeit hastu mich geführet, daß du mir meine Augen so gar verblendet vnnd vertunckelt hast. Ach mein schwaches Gemüt, du meine betrübte Seel, wo ist dein Erkändtnuß? O erbärmliche Müheseligkeit, O verzweiffelte Hoffnung, so deiner nimmermehr gedacht wirdt. Ach Leyd vber Leyd, Jammer vber Jammer, Ach vnd Wehe, wer wirdt mich erlösen? wo sol ich mich verbergen? wohin sol ich mich verkriechen oder fliehen? Ja, ich seye wo ich wölle, so bin ich gefangen. Darauff sich der arme Faustus bekümmerte, daß er nichts mehr reden kondte. [65] Wie der böse Geist dem betrübten Fausto mit seltzamen spöttischen Schertzreden vnd Sprichwörtern zusetzt. Avff solche obgehörte Weheklag, erschien Fausto sein Geist Mephostophiles, tratte zu jhm, vnnd sprach: Dieweil du auß der heyligen Schrifft wol gewust hast, daß du GOtt allein anbetten, jhme dienen, vnnd keine andere Götter, weder zur Lincken noch zur Rechten, neben jhm haben sollest, dasselbig aber nicht gethan, Sondern deinen Gott versucht, von jme abgefallen, jn verleugnet, vnd dich hieher versprochen, mit Leib vnd Seel, so mustu diese deine Versprechung leysten, vnnd mercke meine Reimen: Weistu was so schweig, Ist dir wol so bleib. Hastu was, so behalt, Vnglück kompt bald. Drumb schweig, leyd, meyd vnd vertrag, Dein Vnglück keinem Menschen klag. Es ist zu spat, an Gott verzag, Dein Vnglück läufft herein all tag. Darumb, meine Fauste, ists nit gut mit grossen Herrn vnd dem Teuffel Kirschen essen, sie werffen einem die Stiel ins Angesicht, wie du nun sihest, derhalben werestu wol weit von dannen gangen, were gut für die Schuß gewesen, dein hoffertig Rößlein aber hat dich geschlagen, du hast die Kunst, so dir GOtt gegeben, veracht, dich nicht mit begnügen lassen, sonder den Teuffel zu Gast geladen, vnd hast die 24. Jar hero gemeynet, es seye alles Golt, was gleisset, was dich der Geist berichte, dardurch dir der Teuffel, als einer Katzen, ein Schellen angehengt. Sihe, du warest eine schöne erschaffene Creatur, aber die Rosen, so man lang in Händen trägt, vnd daran riecht, die bleibt nit, deß Brot du gessen hast, deß Liedlein mustu singen, verziehe biß auff den Karfreytag, so wirds bald Ostern werden, Was du verheissen hast, ist nicht on Vrsach geschehen, Ein gebratene Wurst hat zween Zipffel, Auff deß Teuffels Eyß ist nicht gut gehen, Du hast ein böse Art gehabt, darumb läßt Art von Art nicht, also läßt die Katz das Mausen nit, Scharpff fürnemmen macht schärtig, weil der Löffel new ist, braucht jn der Koch, darnach wenn er alt wirt, so scheißt er dreyn, dann jß mit jm auß, Ist es nicht auch also mit dir? der du ein newer Kochlöffel deß Teuffels warest, nun nützet er dich nimmer, denn der Marckt hett dich soll lehren Kaussen. Daneben hastu dich mit wenig Vorraht nit begnügen lassen, den dir Gott bescheret hat. Noch mehr, mein Fauste, was hastu für einen grossen Vbermuth gebrauchet, in allem deinem Thun vnd Wandel hastu dich einen Teuffels Freund genennet, derhalben schürtz dich nun, dann Gott ist HERR, der Teuffel ist nur Abt oder Münch, Hoffart thäte nie gut, woltest Hans in allen Gassen seyn, so sol man Narren mit Kolben laufen, Wer zuviel wil haben, dem wirt zu wenig, darnach einer Kegelt, darnach muß er auffsetzen. So laß dir nun meine Lehr vnd Erjnnerung zu Hertzen gehen, die gleichwol schier verloren ist, du soltest dem Teuffel nit so wol vertrawet haben, dieweil er GOttes Aff, auch ein Lügener vnnd Mörder ist, darumb soltest du Klüger gewesen seyn, Schimpff bringt Schaden, denn es ist bald vmb einen Menschen geschehen, vnd er kostet so viel zu erziehen, den Teuffel zu beherbergen, braucht ein klugen Wiert, Es gehört mehr zum Tantz, dann ein roht par Schuch, hettestu Gott vor Augen gehabt, vnd dich mit denen Gaben, so er dir verliehen, begnügen lassen, dörfftestu diesen Reyen nicht tantzen, vnnd soltest dem Teuffel nicht so leichtlich zu willen worden seyn, vnd gegläubet haben, dann wer leichtlich glaubt, wirdt bald betrogen, jetzt wischt der Teuffel das Maul, vnnd gehet davon, du hast dich zum Burgen gesetzt, mit deinem eigenen blut, so sol man Bürgen würgen, hast es zu einem Ohr lassen eingehen, zum andern wider auß. Als nu der Geist Fausto den armen Judas genugsam gesungen, ist er widerumb verschwunden, vnd den Faustum allein gantz Melancholisch vnd verwirrt gelassen. [66] Doctor Fausti Weheklag von der Hellen, vnd jrer vnaußsprechlichen Pein vnd Quaal. O Ich armer Verdampter, warumb bin ich nit ein Viehe, so one Seel stirbet, damit ich nichts weiters befahren dorffte, Nun nimpt der Teuffel Leib vnd Seel von mir, vnd setzt mich in ein vnaußsprechliche finsternuß der qual, dann gleich wie die Seelen an jhnen haben schönheit vnd frewd, also muß ich armer vnnd die Verdampten einen vnerforschlichen Grewel, Gestanck, Verhinderung, Schmach, Zittern, Zagen, Schmertzen, Trübsall, Heulen, Weinen vnnd Zäenklappern haben. Sö sind alle Creaturen vnd Geschöpffe Gottes wider vns, vnd müssen von den Heyligen ewige Schmach tragen. Ich weiß mich noch zu erjnnern vom Geist, den ich auff eine zeit von Verdammnuß gefraget habe, der zu mir sagte, Es sey ein groß vnterscheidt vnter den Verdampten, dann die Sünde sind vngleich. Vnnd sprach ferrner, gleich wie die Spreuwen, Holtz vnd Eysen von dem Feuwer verbrennet werden, doch eins leichter vnd härter als das ander, also auch die Verdampten in der Glut vnnd Hellen. Ach du ewige Verdammnuß, so du vom Zorn Gottes also inflammiert, von Fewer vnd Hitze bist, so keines schürens in Ewigkeit bedarff. Ach was Trawren, Trübsall vnd Schmertzens, muß man da gewertig seyn, mit weinen der Augen, knirschen der Zäenen, stanck der Nasen, Jammer der Stimm, erschreckung der Ohren, zittern der Hände vnd Füß. Ach ich wolte gerne deß Himmels entberen, wann ich nur der ewigen straffe köndt entfliehen, Ach wer wirt mich dann auß dem vnaußsprechlichen Feuwer der Verdampten erretten? da keine hülff sein wirdt, da kein beweinen der Sünden nutz ist, da weder Tag noch Nacht ruhe ist, wer wil mich Elenden erretten? Wo ist mein zuflucht? wo ist mein Schutz, Hulff vnnd Auffenthalt? Wo ist meine feste Burg? Wessen darff ich mich trösten? der Seligen Gottes nicht, dann ich schäme mich, sie anzusprechen, mir würde keine Antwort folgen, sondern ich muß mein Angesicht vor jnen verhullen, daß ich die Freude der Aufferwehlten nit sehen mag. Ach was klage ich, da kein hulff kommet? da ich kein Vertröstung der Klage weiß? Amen, Amen, Ich habs also haben wöllen, nun muß ich den Spott zum Schaden haben. [67] Folget nun von D. Fausti greuwlichem vnd erschrecklichem Ende, ab welchem sich jedes Christen Mensch gnugsam zu spiegeln, vnd darfür zu hüten hat. Die 24. Jar deß Doctor Fausti waren erschienen, vnd eben in solcher Wochen erschiene jhm der Geist, vberantwort jhme seinen Brieff oder Verschreibung, zeigt jm darneben an, daß der Teuffel auff die ander Nacht seinen Leib holen werde, dessen solte er sich versehen. Doctor Faustus klagte vnnd weynete die gantze Nacht, also daß jhme der Geist in dieser Nacht wider erschiene, sprach jhme zu: Mein Fauste, seye doch nicht so kleinmütig, ob du schon deinen Leib verleurest, ist doch noch lang dahin, biß dein Gericht wirt, du must doch zuletzt sterben, wann du gleich viel hundert Jahr lebtest, Mussen doch die Turcken, Jüden vnd andere Vnchristliche Keyser auch sterben, vnd in gleicher Verdammnuß seyn, weistu doch noch nicht was dir auffgesetzt ist, seye behertzet, vnd verzage nicht so gar, hat dir doch der Teuffel verheissen, er wölle dir einen stählin Leib vnnd Seel geben, vnd solt nicht leyden, wie andere Verdampte. Solchen vnd noch mehr Trosts gab er jhme, doch falsch vnd der heyligen Schrifft zu wider. Doctor Faustus, der nicht anders wuste, dann die Versprechung oder Verschreibung müste er mit der Haut bezahlen, gehet eben an diesem Tag, da jme der Geist angesagt, daß der Teuffel jn holen werde, zu seinen vertraweten Gesellen, Magistris, Baccalaureis, vnd andern Studenten mehr, die jn zuvor offt besucht hatten, die bittet er, daß sie mit jhme in das Dorff Rimlich, eine halb Meil wegs von Wittenberg gelegen, wolten spatzieren, vnnd allda mit jme eine Malzeit halten, die jm solches zusagten. Gehen also mit einander dahin, vnnd essen ein Morgenmahl, mit vielen köstlichen Gerichten, an Speise vnd Wein, so der Wirt aufftruge. D. Faustus war mit jnen frölich, doch nicht auß rechtem Hertzen, Bittet sie alle widerumb, sie wolten jm so viel zu gefallen seyn, vnd mit jme zu Nacht essen, vnd dise Nacht vollendt bey jhme bleiben. Er muste jnen was Wichtigs sagen, welches sie jme abermals zusagten, namen auch die Mahlzeit ein. Als nu der Schlafftrunck auch vollendet ward, bezahlt D. Faustus den Wiert, vnd bathe die Studenten, sie wolten mit jhme in ein ander Stuben gehen, er wolte jhnen etwas sagen, das geschahe. D. Faustus sagte zu jnen also: [68] Oratio Fausti ad Studiosos. Meine liebe Vertrawete vnd gantz günstige Herren, Warumb ich euch beruffen hab, ist diß, daß euch viel jar her an mir bewußt, was ich für ein Mann war, in vielen Künsten vnd Zauberey bericht, welche aber niergendt anders, dann vom Teuffel herkommen, zu welchem Teuffelischen Luft mich auch niemandt gebracht, als die böse Gesellschafft, so mit dergleichen Stücken vmbgiengen, darnach mein nichtwerdes Fleisch vnd Blut, mein Halßstarriger vnd Gottloser Willen, vnd fliegende Teuffelische gedancken, welche ich mir fürgesetzet, daher ich mich dem Teuffel versprechen müssen, nemlich, in 24 jaren, mein Leib vnd Seel. Nu sind solche Jar biß auff diese Nacht zum Ende gelauffen, vnd stehet mir das Stundtglaß vor den Augen, daß ich gewertig seyn muß, wann es außläufft, vnd er mich diese Nacht holen wirt, dieweil ich jm Leib vnd Seel zum zweytenmal so thewr mit meinem eigen Blut verschrieben habe, darvmb habe ich euch freundtliche günstige liebe Herren, vor meinem Ende zu mir beruffen, vnd mit euch ein Johanns trunck zum Abschied thun wöllen, vnd euch mein Hinscheiden nicht sollen verbergen. Bitt euch hierauff, günstige liebe Brüder vnd Herrn, jhr wöllet alle die meinen, vnd die meiner in gutem gedencken, von meinet wegen, Brüderlich vnd freundtlich grüssen, darneben mir nichts für vbel halten vnnd wo ich euch jemals beleydiget, mir solches hertzlich verzeihen66. Was aber die Abentheuwer belanget, so ich in solchen 24. Jahren getrieben habe, das werdt jhr alles nam mir auffgeschrieben finden, vnd laßt euch mein greuwlich End euwer Lebtag ein fürbildt vnd erjnnerung seyn, daß jr wöllet Gott vor Augen haben, jhn bitten, daß er euch vor deß Teuffels trug vnnd List behüten, vnnd nicht in Versuchung führen wölle, dagegen jme anhangen, nicht so gar von jhm abfallen, wie ich Gottloser vnd Verdampter Mensch, der ich veracht vnd abgesagt habe der Tauffe, dem Sacrament Christi, Gott selbst, allem Himmlischen Heer, vnd dem Menschen, einem solchen Gott, der nit begert, daß einer solt verloren werden. Laßt euch auch die böse Gesellschafft nit verführen, wie es mir gebet vnnd begegnet ist, Besucht fleissig vnd embsig die Kirchen, sieget vnd streitet allezeit wider den Teuffel, mit einem guten Glauben an Christum, vnd Gottseligen Wandel gericht. Endlich nu vnd zum Beschluß, ist meine freundliche Bitt, jr wöllt euch zu Bett begeben, mit ruhe schlaffen, vnd euch nichts anfechten lassen, auch so jr ein Gepolter vnd Vngestümb im Hauß höret, wöllt jr drob mit nichten erschrecken, es sol euch kein Leyd widerfahren, wöllet auch vom Bett nicht auffstehen, vnd so jr meinen Leib tod findet, jhn zur Erden bestatten lassen. Dann ich sterbe als ein böser vnnd guter Christ, ein guter Christ, darumb daß ich eine hertzliche Reuwe habe67, vnd im Hertzen jmmer vmb Gnade bitte, damit meine Seele errettet möchte werden, Ein böser Christ, daß ich weiß, daß der Teuffel den Leib wil haben, vnnd ich wil jhme den gerne lassen, er laß mir aber nur die Seele zu frieden. Hierauff bitt ich euch, jr wöllet euch zu Bette verfügen, vnnd wündsche euch eine gute Nacht, Mir aber eine ärgerliche, Böse vnnd Erschreckliche. Diese Declaration vnnd Erzehlung thät Doctor Faustus mit behertztem Gemüt, damit er sie nicht verzagt, erschrocken vnd kleinmütig machte. Die Studenten aber verwunderten sich auffs höchste, daß er so verwegen gewest, sich nur vmb Schelmerey, Fürwitz vnnd Zauberey willen in eine solche Gefahr an Leib vnnd Seel begeben hette, war jnen hertzlich leydt, dann sie hetten jn lieb, vnd sprachen: Ach mein Herr Fauste, was habt jhr euch geziehen, daß jhr so lang still geschwiegen, vnd vns solches nicht habt offenbaret, wir wolten euch durch gelehrte Theologos auß dem netz deß Teuffels errettet, vnd gerissen haben, nun aber ist es zu spat, vnd ewerm Leib vnd Seel schädlich. Doct. Faustus antwortet: Er hette es nicht thun dörffen, ob ers schon offt willens gehabt, sich zu Gottseligen Leuthen zu thun, raht vnd hülff zu suchen, Wie mich auch mein Nachbawr darumb angesprochen, daß ich seiner Lehre folgen solte, von der Zäuberey abstehen, vnd mich bekehren. Als ich dann dessen auch schon willens war, kam der Teuffel, vnd wolt mit mir fort, wie er diese Nacht thun wird, vnd sagte: So bald ich die bekehrung zu GOtt annemmen würde, wölle er mir den Garauß machen. Als sie solches von Doctor Fausto verstanden, sagten sie zu jme: Dieweil nun nichts anders zugewarten seye, sol er Gott anruffen, jhn durch seines lieben Sohns Jesu Christi willen, vmb verzeihung bitten, vnd sprechen: Ach Gott sey mir armen Sünder gnädig, vnnd gehe nicht mit mir ins Gericht, dann ich vor dir nicht bestehen kan, Wiewol ich dem Teuffel den Leib muß lassen, so wöllst doch die Seel erhalten, ob Gott etwas wircken wolte, Das sagte er jnen zu, er wolte beten, es wolte jhme aber nit eingehen, wie dem Cain, der auch sagte: Seine Sünde weren grösser, denn daß sie jhme möchten verziehen werden. Also gedachte er auch jmmerdar, er hette es mit seiner Verschreibung zu grob gemacht. Diese Studenten vnd gute Herren, als sie Faustum gesegneten, weyneten sie, vnnd vmbfiengen einander. D. Faustus aber bleib in der Stuben, vnnd da die Herren sich zu Bette begeben, kondte keiner recht schlaffen, dann sie den Außgang wolten hören. Es geschahe aber zwischen zwölff vnd ein Vhr in der Nacht, daß gegen dem Hauß her ein grosser vngestümmer Wind gienge, so das Hauß an allen orten vmbgabe, als ob es alles zu grunde gehen, vnnd das Hauß zu Boden reissen wolte, darob die Studenten vermeynten zuverzagen, sprangen auß dem Bett, vnd huben an einander zu trösten, wolten auß der Kammer nicht, Der Wiert lieff auß seinem in ein ander Hauß. Die Studenten lagen nahendt bey der Stuben, da D. Faustus jnnen war, sie hörten ein greuwliches Pfeiffen vnnd Zischen, als ob das Hauß voller Schlangen, Natern vnnd anderer schädlicher Würme were, in dem gehet D. Fausti thür off in der Stuben, der hub an vmb Hülff vnnd Mordio zuschreyen, aber kaum mit halber Stimm, bald hernach hört man jn nicht mehr. Als es nun Tag ward, vnd die Studenten die gantze Nacht nicht geschlaffen hatten, sind sie in die Stuben gegangen, darinnen D. Faustus gewesen war, sie sahen aber keinen Faustum mehr, vnd nichts, dann die Stuben voller Bluts gesprützet, Das Hirn klebte an der Wandt, weil jn der Teuffel von einer Wandt zur andern geschlagen hatte. Es lagen auch seine Augen vnd etliche Zäen allda, ein greulich vnd erschrecklich Spectackel. Da huben die Studenten an jn zubeklagen vnd zubeweynen, vnd suchten jn allenthalben, Letzlich aber funden sie seinen Leib heraussen bey dem Mist ligen, welcher greuwlich anzusehen war, dann jhme der Kopff vnnd alle Glieder schlotterten. Diese gemeldte Magistri vnnd Studenten, so bey deß Fausti todt gewest, haben so viel erlangt, daß man jhn in diesem Dorff begraben hat, darnach sind sie widerumb hineyn gen Wittenberg, vnd ins Doctor Fausti Behausung gegangen, allda sie seinen Famulum, den Wagner, gefunden, der sich seines Herrn halben vbel gehube. Sie fanden auch diese deß Fausti Historiam auffgezeichnet, vnd von jhme beschrieben, wie hievor gemeldt, alles ohn sein Ende, vnnd was sein Famulus auffgezeichnet, da auch ein neuw Buch von jhme außgehet. Deßgleichen eben am selbigen Tage ist die verzauberte Helena, sampt jhrem Son, nicht mehr vorhanden gewest, sondern verschwunden. Es wardt auch forthin in seinem Hauß so Vnheimlich, daß niemandt darinnen wohnen kondte. D. Faustus erschiene auch seinem Famulo lebhafftig bey Nacht, vnd offenbarte jhm viel heimlicher ding. So hat man jn auch bey der Nacht zum Fenster hinauß sehen gucken, wer fürüber gangen ist. Also endet sich die gantze warhafftige Historia vnd Zäuberey Doctor Fausti, darauß jeder Christ zu lernen, sonderlich aber die eines hoffertigen, stoltzen, fürwitzigen vnd trotzigen Sinnes vnnd Kopffs sind, GOtt zu förchten, Zauberey, Beschwerung vnnd andere Teuffelswercks zu fliehen, so Gott ernstlich verbotten hat, vnd den Teuffel nit zu Gast zu laden, noch jm raum zu geben, wie Faustus gethan hat. Dann vns hie ein erschrecklich Exempel seiner Verschreibung vnnd Ends fürgebildet ist, desselben müssig zu gehen, vnnd Gott allein zu lieben, vnnd für Augen zu haben, alleine anzubeten, zu dienen vnd zu lieben, von gantzem Hertzen vnd gantzer Seelen, vnd von allen Kräfften, vnd dagegen dem Teuffel vnnd allem seinem Anhang abzusagen, vnd mit Christo endtlich ewig selig zu werden. Amen, Amen, Das wündsche ich einem jeden von grunde meines Hertzen, AMEN. I Pet. V. Seyt nüchtern vnd wachet, dann ewer Widersacher der Teuffel geht vmbher wie ein brüllender Löwe, vnd suchet welchen er verschlinge, dem widerstehet fest im Glauben. Register der Capitel, vnnd was in einem jeden fürnemlich begriffen. Das erste, Von D. Johann Fausten Geburt vnd Studien, fol. 1. 2 D. Faustus ein Artzt, vnd wie er den Teuffel etlich mal beschworen hat, fol. 6. 3 Doct. Fausti Disputation mit dem Geiste, folio 11. 4 Ein andere Disputation D. Fausten mit dem Geist, so sich Mephostophilem nennete, folio 15. 5 Die dritte Disputation D. Fausten mit dem Geist, von seiner verschreibung vnd Verpflichtung gegen dem Teuffel, folio 18. 6 D. Faustus läßt jm Blut auß einem Arm in ein Tiegel, setzet es auff warme Kolen, vnd verschreibt sich dem Teuffel, folio 21. 7 Etliche Verse vnnd Reymen wider D. Fausten Verstockung, fol. 23. 8 Welcherley gestalt der Teuffel Fausto erscheinet, 24. 9 Von Dienstbarkeit deß Geistes gegen Fausto, 28. 10 D. Faustus wolt sich Verheyraten, wird jm aber vom Teuffel verbotten, 31. 11 Frag D. Fausti an seinen Geist Mephostophilem, 35. 12 Ein Disputation von der Helle vnnd jrer Spelunck, 37. 13 Ein Frage Fausti von der Teuffel Regiment, vnd jrem Principat, 38. 14. Frage, in was Gestalt die verstossene Engel gewest, 40. 15 Doct. Faustus disputiert mit seinem Geist Mephostophile von Gewalt deß Teuffels, 44. 16 Ein Disputation von der Hell, Gehenna genannt, wie sie erschaffen vnnd gestalt seye, auch von der Pein darinnen, 48. 17 Ein Frage Fausti an den Geist, was er thun wolte, so er, der Geist, an seiner, Fausti, statt were, 63. 18 D. Faustus ein Calendermacher vnd Astrologus, 66. 19 Eine Frage von der Kunst Astrologia, 68. 20 Vom Winter vnnd Sommer eine Frage, 69. 21 Von deß Himmels Lauff, Zierde vnd Vrsprung, 70. 22 Eine Frag D. Fausti, wie Gott die Welt erschaffen, vnd von der ersten Geburt deß Menschen, darauff jm der Geist eine gantz falsche antwort gibet, 74. 23 Doct. Fausto wurden alle Hellische Geister in jrer Gestalt fürgestellt, darunder sieben fürnembste genannt, 77. 24 Wie Doctor Faustus in die Helle gefahren, was er darinn gesehen, vnd jhm begegnet, fol. 83. 25 Wie D. Faustus vnter das Gestirn vber die Wolcken hinauff gefahren, 91. 26 Die dritte Fahrt D. Fausti in etliche Königreich vnd Fürstenthumb, auch fürnembste Länder vnd Stätte, vnd was er für namhaffte Abentheuwer in deren etlichen getrieben, 99. 27 Vom Paradeiß, welches der Geist dem Fausto zeiget, 121. 28 Von einem Cometen, 125. 29 Von den Sternen, 126. 30 Ein Frag von Gelegenheit der Geister, so die Menschen plagen, 127. 31 Ein ander Frage von den Sternen, so auff die Erden fallen, 129. 32 Vom Donner, 130. 33 Was D. Faustus für Abenthewr an Herrn Höfen getrieben, vnd da eine Historia von D. Fausto vnd Keyser Carolo V. wie er jrer Keyserlichen Maiest. Alexandrum Magnum, besampt seiner Gemahlin erweckt, 132. 34 Doct. Faustus zauberte einem Ritter ein Hirschgewicht vff den Kopff, 137. 35 Wie sich gemeldter Ritter an Doct. Fausto wider rechnen wolte, jhme aber mißlunge, 139. 36 D. Faustus frißt einem Bawren ein Fuder Häuw, sampt Wagen vnd Pferden, 140. 37 Von dreyen fürnemmen Graffen, so D. Faustus auff jr begeren, gen München, auff deß Beyerfürsten Sons Hochzeit, dieselbige zu besehen, in Lüfften hinführete, 142. 38 Wie Doct. Faustus Gelt von einem Jüden entlehnet, vnd demselbigen seinen Fuß zu Pfand geben, den er jm selbsten, in deß Jüden beyseyn, abgesäget, 147. 39 D. Faustus betreugt einen Roßtäuscher, 151. 40 D. Faustus frist ein Fuder Häw, 52. 41 Von einem Hadder zwischen zwölff Studenten, 53. 42 Ein Abenthewr mit vollen Bawren, denen er dus Maul verzauberte, daß sie es nicht kundten wider zuthun, 54. 43 D. Faustus verkauffte 5. Säuw, eine vmb 6. Gulden, welche, so bald sie ins Wasser kamen, zu Strohwischen worden, 155. 44 Was D. Faustus für Abentheuwer an deß Fürsten von Anhalt Hoff getrieben, 156. [44a Von einer andern Abenthewer, so auch diesem Grafen zu gefallen durch D. Faustum geschehen, da er ein ansehenlich Schloß auff ein Höhe gezaubert, 159.] 45 Wie D. Faustus auff Faßnachtsabend mit seiner Burß in deß Bischoffs von Saltzburg Keller gefahren, vnd den Kellner auff eine hohe Tannen gefürt, 162. 46 Von der andern Faßnacht am Dinstag, 165. 47 Vom Aschermitwochen, der rechten Faßnacht, vnd was er, Faustus, allda für Kurtzweil angerichtet, 167. 48 Von der vierdten Faßnacht, da er einen gebraten Kalbskopff auffsetzt, der anfieng zu reden, 170. 49 Am weissen Sontag von der bezauberten Helena, welche er den Studenten representierte, 171. 50 Von einer Gauckeley, da eim Bauren vier Räder auß dem Wagen in die Lufft hingesprungen, 125. 51 Von 4. Zauberern, so einander die Köpffe abgehawen, vnd widerumb auffgesetzt hatten, dabey auch Doct. Faustus das seine thät, 178. 52 Von einem alten Mann, so Doctor Faustum von seinem Gottlosen Leben abgemanet, vnd bekehren wöllen, auch was Vndanck er darüber empfangen, 181. 53 D. Fausti zweyte Verschreibung, so er seinem Geist vbergeben hat, 186. 54 Von zwo Personen, so D. Faustus zusammen kupplet, in seinem 17. verloffenen Jar, 188. 55 Von mancherley Gewächß, so Faustus im Winter vmb den Christag in seinem Garten hatt, in seinem 19. Jar, 191. 56 Von einem versammelten Kriegßheer wider den Freyherrn, dem D. Faustus ein Hirschgewicht auff den Kopff gezaubert hatte, 193. 57 Von D. Fausti Bullschafften in seinem 19. vnd 20. Jar, 196. 58 Von einem Schatz, so D. Faustus gefunden in seim 22. verlauffenen jar, 197. 59 Von der Helena auß Grecia, so dem Fausto Beywohnung gethan in seinem letzten Jare, 198. 60 Von D. Fausti Testament, darinnen er seinen Diener Wagener zu einem Erben eingesetzt, 200. 61 Doct. Faustus besprach sich mit seinem Diener deß Testaments halben, 202. 62 Wie sich D. Faustus zu der zeit, da er noch nur ein Monat für sich hatt, so vbel erhub, stätigs jämmerte vnd seufftzete vber sein Teuffelisch Wesen, 205. 63 D. Fausti Weheklage, daß er noch in gutem Leben vnnd jungen Tagen sterben müsse, 206. 64 Noch eine Klage D. Fausti, 207. 65 Wie der böse Geist dem betrübten Fausto mit seltzamen spöttischen Schertzreden vnd Sprichwörtern zusetzt, 209. 66 D. Fausti Weheklag von der Hellen, vnnd jhrer vnaußsprechlicher Pein vnnd Quaal, 213. 67 Von D. Fausti grewlichem vnd erschrecklichem Ende, ab welchem sich alle Christen wol zu spiegeln, vnnd für dem Teuffel zuhüten haben, 216. 68 D. Fausti Oration an die Studenten, 218. ENDE. Marginalien 1 Entschuldigung der Eltern Doct. Fausti 2 D. Faustus legt sich auff die Zäuberey. 3 D. Faustus Beschweret den Teuffel zum erstenmal. 4 O deß armen Diensts vnd Gehorsams. 5 D. Faust beschweret den Teuffel zum andernmal. 6 Der Teufel Regiment 7 D. Faustus Beschweret den Teuffel zum drittenmal. 8 D. Fausti begeren an den Geist. 9 Deß Teufels begern an D. Faustum. 10 D. Faust verschreibt sich gegen dem Teuffel. 11 O HERR Gott behüt. 12 Der Teufel erscheint D. Fausto. 13 D. Fausti famulus 14 Der Teuffel tregt D. Fausto zu. 15 Der Teuffel erleidet D. Fausto den Ehestand. 16 Teuffelische Bulschafft 17 Vom Fall Lucifers. 18 D. Fausten kommet ein Reuw an. 19 Was die Helle seye. 20 D. Faustus ein Astrologus vnd Calendermacher 21 Helle. 22 Teuffel du leugst, Gottes Wort lert anders hievon. 23 Wer das Vnziffer erschaffen? 24 Denn es war nur eine lauter Phantasey oder traum. 25 Nota. 26 Trier 27 Pariß. 28 Meyntz. 29 Neapolis. 30 Castell. 31 Venedig. 32 Padua. 33 Rom. 34 Meylandt. 35 Florentz. 36 Leon. 37 Cölln. 38 Ach. 39 Basel. 40 Costnitz. 41 Vlm. 42 Witzburg. 43 Nürnberg. 44 Augspurg. 45 Regenspurg. 46 München. 47 Salzburg. 48 Wien. 49 Prag. 50 Cracaw. 51 Constantinopel. 52 Solimannus ist Anno. 1519. ins Regiment kommen. 53 Alkair. 54 Ofen. Sabatz. 55 Magdenburg. Lübeck. 56 Erdfurt. 57 Britania. 58 Berg Caucasus. 59 Insel Creta. 60 Erat Baro ab Hardeck. 61 Der Teuffel feyrt nicht. 62 Behüt Allmächtiger Gott. 63 Si Diabolus non esset mendax et homicida. 64 Wer sich an Kessel reibt, empfehlt gerne Ron. 65 Quæstio, an Baptizatus fuerit? 66 Deß Teuffels Brüder. 67 Judas Rew. Anonym Liederbuch • Das Ambraser Liederbuch Erstdruck von 1578 ist verschollen. Früheste vorhandene Ausgabe: Frankfurt 1582. Nach dem Fundort Schloß Ambras / Tirol benannt. Anonym Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582 Lieder-Büchlein, Darinn begriffen sind Zwei hundert und sechtzig Allerhand schöner weltlicher Lieder, Allen jungen Gesellen und züchtigen Jungfrawen zum newen Jahr, in Druck verfertiget. Auffs newe gemehret mit viel schönen Liedern, die in den andern zuvor außgegangenen Drücken nicht gefunden werden. Frölich in ehren Sol niemand wehren. M.D.LXXXII. Die drey ersten sind gemachet auff jhr eigne weis, findet man in den Partibus stehen. 1. UNgnad beger ich nicht von jhr, ich hoff das mir, solche nimmer werd zugemessen; was müglich ist, bin ich bereit in lieb unnd leid dein nimmer zuvergessen Mein lebenlang, sag ich dir danck, der schön und zart, weiblicher art, so freundlich sie, und anders nie, sie sich erzeiget hat, als jren ehren ganiz wol ansteht. 2. Ehrent reich und wert wird sie genant, und billich erkandt, ein kron weiblicher güte. Ir darum steht allein darein frisch fröhlich sein, aus adelichen gemüte. Verborgen ist, wiewol bös list, sind auff der bahn, die verdries dran han, in solcher beschwer, geschieht alles on gefehr, und wird offt zugericht, wie mir und meinem hauffen oft geschicht. 3. Wo bäwrisch art zu hoff regiert, erfunden wird, gut regiment gar selten: Der adel wird dardurch veracht, als ich betracht, des mus ich offt entgelten. In diesem fall, es wird einmal, verkeren sich, wiewol das ich, bin geschlagen aus, darff nimmer ins haus, ist alles der kleffer schuld, in jhrem dienst trag ich gedult. II. 1. Zart schöne fraw, gedenck und schaw, wie mich dein lieb, in steter ub, hertzlich sehr thut krencken: Kein ruh hab ich, so lang bis ich, dein äuglein fein, mit klarem schein, gegen mich freundlich sehe wencken. Sie hat mich, gantz krefftiglich, dein lieb hat mich besessen, Hertz lieb schaw an, was ich dir gan, deiner kan ich nimmer vergessen. 2. Dein roter mund, zu aller stund, mich sehr anficht, mein hertz das dicht, freundlich mit dir zu schertzen: Fürwar glaub mir, freundliche zier, dz du für all in disem fal, liebest in meinem hertzen. Ker wider bald, mein auffenthalt, in scherz und auch dergleichen, als ich vertraw, hertzliebste fraw, von dir will ich nicht weichen. 3. Hertz lieb ich sprich, dein trew nit brich, von mir mit gewalt, in solcher gestalt, hast du gewalt zu schaffen, schön fraw auff erd, mit weis und geberd, hastu das lob, in solcher prob, an dir ist nichts zu straffen. Dadurch du hast, ohn alle rast, mich hart und fast gefangen, zu aller stund, von hertzen grund, thut mich nach dir verlangen. III. 1. Nach willen dein, ich dir allein, in trewen thu erzeigen: Für alle auff erd, bistu mir wehrt, und gib mich dir für eigen. Gantz in dein pflicht, der zuversicht, las dir mein dienst gefallen, glaub mir fürwar, ein frewlein zart, liebstu mir stets für allen. 2. Bey deiner gestalt, wünsch ich gantz bald, zu seyn in zucht vn ehren: Da hat mein herz, freud, lust vn schertz, recht lieb und trew zu mehren. Ohn allen verzug, gib rath und lug, bedarffst dich nit besorgen, ob das glück kem, das ich dich nem, wird sein bey dir verborgen. 3. Leben bey dir, wer allzeit mir, für alle freud auff erden: Beger offt der stund, darin ich kund, meins hertzen geheim möcht werden. Denn jetzt und ehe, nach dem A.B.C. liebet mit der buchstab zu tragen, denn dein lieb sach und darauff sprach, es wird bald viere schlagen. IIII. 1. Nach lust hab ich mir auserwehlt, dich meines hertzen ein trösterin: In rechter lieb zu dir geselt, on argen wan, hertz mut und sinn, Zu dienen dir mit gantzem begier, hastu alzeit gefunden mich, nach deinem gebot, gantz williglich, das lestu mich geniessen, ja hinder sich. 2. Viel langer weil hab ich fürwar, denn es wil sein an der zeit: Dadurch mich sehr verlanget hart, wird gewend in kost unnd fröligkeit. Das wil nicht sein, im alten schein, ich weis wol wer unnd wie das wend, ich bring zwar an demselben end, nicht mehr davon denn eitel beschmitzte hend. 3. Was zeihestu mich hertz einiges ein, so du doch bist gantz untrew mir, Mit sitten, was und dergleich, nit lad der bürden zu viel auff dich, Das dir darin, die weisheit nicht zerrin, denn wirstu den fuß glitschen lan wiewol ich dirs gantz nit gan, fürwar du gewinst von mir nicht viel daran. V. Wie Georg von Fronsberg von sich selber sang. 1. Mein fleis und mühe hab ich nit gespart, und alzeit gewart, dem herren mein zum besten sein, mich schicken drein, gnad gunst verhofft, das gemüt zu hoff, das wend sich offt. 2. Geht bin und her, wer sich kan, zu kauffen an dem ort der zeit, nach ehren streit, ist dannen weit. das thut mir and mein trewer dienst bleibt vnbekand. 3. Wenig danck noch lohn, davon ich bring, man wigt mich gering, und ist mein zwar, vergeßen gar, gros not und gefahr ich außgestanden hab, (l. hon) was freuden sol ich haben davon. Sih für dich, Trew ist mißlich. VI. 1. Ach lieb und leid, wie hastu dein bescheid, kleglich in kurtz gespielt auff mich: Ich hette gemeint, wer stets vereint, das lieb nicht solt verwandeln sich. Nun hat vnglück, gebraucht sein tück, genomen hin, mein sinn, darumb ich betrübt hart, mich rewet die zart, weiblicher art, fast schön jung, lieblich un fromm. 2. Elend du hast mich streng gefast, in sehnen un verlangen gros: Das alle mein freud, zu rücke leid, und steht ohn allen trost gantz blos. Was fieng ich an, verweister man, weis nicht wol end, ich komb jetzt wo ich wöll, ist ungestell stets mein gesell, die fast schön, jung lieblich und fromb. 3. Sehnliches leid, ist jetzt mein weyd, entfrembd ist mir meins hertzen lust: Was hilfft mich das ich bey jr was, vnd solt nun sein all freud umb sonst. Gar schmertzlich, mus leiden ich, betrübter man, ich kan nicht umbwenden zur freud, kein trost mir geid seind das ich meid, die fast schön jung, lieblich und fromb. VII. 1. Ich armes megdlein klag mich sehr, wie wil mir nu geschehen, das ich den hertz allerliebsten mein, so lang nit hab gesehen, der mir viel weil ond zeit vertreibt, sonst keiner auff dieser erden, Wenn ich gedenck, wie es jm geht, mein hertz in grossen trawren steht, ich kan nicht frölich werden. 2. Ach reicher Gott gib jhm das glück, wo er ist weit im lande, bewar jm seinen geraden leib, vor leid und auch vor schande, das wil ich immer dancken Gott, allzeit und alle stunden, Wenn ich gedenck, wie es jm geht, mein hertz in grossen trawren steht, kein lieber sol mir werden. 3. Er zog mit meinem willen dahin, er het mein hertz für eigen, viel guts ich mich zu jm versich, trew dienst jm zu erzeigen, kein falschheit er an mir erkandt, an meinem gantzen leibe, Noch ist der knab so wol gemut, nem nicht für jn des keysers gut, vergis mein nicht im hertzen. VIII. Herzog Ulrich, 1510. 1. Ich schell mein horn ins jammerthal, mein freud ist mir verschwunden, ich habs gejagt, mus abelan, das wild laufft von den hunden. Ein edel gewild, in diesem gefild hat ich mir außerkoren, es scheucht ob mir, als ich es spür, mein jagen ist gantz verloren. 2. Fahr hin du wild ins waldes lust, ich wil dich nit mehr schrecken, und jagen dein schneeweisse brust, ein ander mus dich wecken. Vnd jagen frey, mit hundes geschrey, das du nit kanst entrinnen, halt dich in hut, fein thierlein gut, mit leid scheid ich von hinnen. 3. Kein hohes wild ich fangen kan, das mus ich offt entgelten. noch halt ich mich stets auff jägers bahn, wiewol mir glück kompt selten. Ein hoch gewild schon wil mir entgohn, doch las ich mir benügen, an hasen fleisch, nicht mehr ich heisch, das mag mich nicht betriegen. IX. 1. O bawren knecht las die rößlein stahn, sie sein nit dein, du tregst noch wol von nesseln kraut ein krentzelein. 2. Das nesselkraut ist bitter und sawr, und brennet mich, verlorn hab ich mein schönes lieb, das rewet mich. 3. Es rewet mich sehr, und thut mir im hertzen weh, gesegen dich Gott mein holder bul, ich sehe dich nimmer mehr. X. 1. So wünsch ich jr eine gute nacht, zu hundert tausent stunden, Wenn ich die lieb erst recht betracht, ist mir mein leid verschwunden. Wenn ich sie ansich, so erfrewet sie mich, sie hat mein herz besessen, drumm ich jr in dem hertzen hold bin, und kan ir nit vergessen. 2. In rechter trew, ist sie mir lieb, der ich mein hertz hab geben, Zu dienen jr, ich mich stets ub, dieweil ich hab das leben. Denn sie hat mich so gar lieblich mit jrer zucht vmbfangen, keins menschen freud, mir hoffnung geit, nach der mich thut verlangen. 3. Ohn allen falsch wil ich doch sein, bis an meins lebens ende, Gegen der allerliebsten mein, von der ich mich nicht wende. Mit seufftzen klag, sich nacht und tag, mein hertz nach jr thut krencken, desgleich auch ich hoff, sie werd mich in jr hertz lieblich sencken. XI. Des Erbarn Stephan Loytschen Hochzeit-Lied. 1. Schöne zucht und geberd, kein sach auff erd, bringt mir sag ich ohn schertzen: Traw sicherlich, nicht betrieg ich dich, kein grösser freud im hertzen. Eheliches band, denn dieser stand, an dem ich hab gefallen, für anderm mehe, die heilig ehe, treibt unzucht weg mit schallen. 2. Eins sag ich dir, du schöne zier auff de du fest thust bawen. Nicht sollen wir, weder dort noch hie, denn Gott allein vertrawen. Lieb haben auch, desgleichen gebrauch, ohn underlas auff erden, o einiges B, nichts kanstu mehe, so du wilt selig, werden. 3. Ich weis auch wol, das ein jeder sol, sein eheweib lieben und ehren. Traw du zu Gott, ohn allen spott, er wird uns beyde nehren. Zu jeder zeit, an jm es leit, lieb hab ich dich ohn schmertzen, o einiges B, was wiltu meh, so trew auch von hertzen. XII. 1. Jetzt scheiden das bringt mir schwer, und macht gantz trawrig mich: Das ich nun mus von der, die offt erfrewet mich. Mit schimpffen und mit schertzen, hat sie mir mein gemüth erfrewt, erst werd ich kranck von hertzen, wenn ich gedenck der hinnefahrt. 2. Unfall durch seinen neid, hat solche klag erdacht. Nun schicke dich klegliche zeit, das scheiden werd verbracht. Dadurch ich trag gros leiden, und macht gantz trawrig mich, das ich die schönste mus meiden, o glück das klag ich dir. 3. Komb mir mit trost zu stewer, bedenck doch scheidens end. Viel kurtzweil wird mir thewer, so ich von hinnen lenck. Mit dem leib mus ich mich scheiden, noch bleibt mein hertz allzeit bey dir, glück bringt die zeit mit freuden, hilff uns zusammen schier. XIII. 1. So wünsche ich jr ein gute nacht, bey der ich war alleine, Ein freundlich wort sie zu mir sprach, wir zwey müssen uns scheiden. Ich scheide nit weit, Gott weis die zeit, widerkommen bringt freude. 2. Und nechten da ich bey jr war, jr angesicht stund voller röten, Sie sahe den knaben freundlich an, der liebe Gott thu dich beleiten. Mein schimpff und schertz, scheiden bringt schmertz, das bin ich worden innen. 3. Das Megdlein an dem laden stund, fieng kleglich an zu weinen, Nun gesegen dich Gott mein reuter jung, las mich nicht lenger alleine, Kehr wider bald, mein auffenthalt, lös mich von schweren träumen. 4. Der reuter über die heiden reit, er warff sein rößlein herumher, Nun gesegne dich Gott mein holder bul, und kehr dein rede ummher. Beschert Gott glück es geht nimmer zu rück, du bist meins hertzen ein krone. 5. Und der uns dieses liedlein sang, er hats gar wol gesungen, Das hat gethan ein reuter jung, von der lieb ist er verdrungen. Er singet uns das und noch wol mehr Gott behüt allen jungfrawen jr ehr, und bewahr sie vor falschen zungen. XIIII. 1. Ich habs gewagt, du schöne magd, in rechter lieb und trewe, Ich bitt halt fast, wie du mir hast, gered, sol dich nicht gerewen. Ich wil allein, dein eigen sein, darauff bis bedacht, und wol betracht, das du must sein, die stets hertz allerliebste mein. 2. Es ist gar fein, wo jhr zwey sein, die es recht und trewlich meinen, Die sich allzeit, in lieb und leid, in sachen gros und kleine, Vertragen wol, wie es denn sein sol gedenk daran, las nicht darvon, glaubs nicht zumal, ich meins gar gut, feins lieb das weistu wol. 3. Ich hoffe zwar, und glaub fürwar, du wirst mich nicht verlassen, Widerumb ich mich, zu dir versich, thu du allzeit dermassen. Allein sol Gott mich durch den todt scheiden von dir, glaub sicher mir, und sonst kein not, zu guter nacht bewar dich Gott. XV. 1. Von edler art, ein frewlein zart, bistu ein kron, der ich mich han, ergeben gar, glaub mir fürwar, das hertz in mir, krenckt sich nach dir, darumb ich beger, auff all dein ehr, hilff mir ich hab nicht trostes mehr. 2. Wie ich jm thu hab ich kein ruh an deiner gestalt, die mich mit gewalt gefangen hat, hertzlieb gib rath, das ich doch mich zu jr versich, in hoffnung viel, nit mehr ich wil, allein setz mir und dir ein gnedig ziel. 3. Seid du je bist, gen der ich list, nicht brauchen sol, das weistu wol, ohn allen schertz, wil dir mein hertz, in trewen sein, darumb ich dein, kein stund im tag, für leid und klag, aus rechter lieb vergessen hab. XVI. 1. Entlaubet ist uns der walde, gegen diesem winter kalt, betrübet werd ich balde, mein feines lieb macht mich alt. Das ich die schönste mus meiden, die mir gefallen thut, bringt mir manchfeltig leiden; macht mir ein schweren mut. 2. Was lest du mir zur letzte (so), du schönes megdlein fein, du thust mich offt ergetzen, wenn ich weit von dir bin. Hoffnung thut mich erneren, nach dir so werd ich kranck, thu bald herwiderkeren, die zeit wird mir so lang. 3. Schaw zu las dich nicht affen, der kleffer seind so viel, halt dich gegen mir rechtschaffen, trewlich ich dich warnen wil. Hüt dich vor falschen zungen, darauff sey wol bedacht, sey dir schönes lieb gesungen, alde zu tausent guter nacht. XVII. 1. Kundschaft mit dir, ich begeren bin, thets nur dir gefallen Trew lieb und dienst, ich dir versprich, las dir das nit mißfallen. Mein hertz sagt mir, alles guts von dir, heimlich zu allen zeiten, wolt gerne sein, bey dir allein, möcht ich der zeit erbeiten. 2. Darumb mein hort, dich zu mir kehr, du bist mein schatz auff erden: Dein wil ich sein, merck mein beger, thu mir zu willen werden. Ein kleine zeit, mir freude geit, so du mich thust geweren, mein hoffnung ich, setz gantz in dich, mein lieb mit dir zu mehren. 3. Ach las schöns lieb gefallen dir, mein dienst mit rechten trewen. Erzeig dich freundlich gegen mir, und thu mein hertz erfrewen. Ein kleine weil kom her und eil, thu mir dein lieb erweisen, so wil ich dich, gantz sicherlich, mein leben lang drumb preisen. XVIII. 1. Ich armer Boß, bin gantz verjrrt, wo sol ich mich hinkehren: Ach Juppiter send mir dein hülff, thu mich weisen und lehren. Ich bin entzündt, mein hertz das brint, das ich nit kan entschlaffen, das schafft das aller schönste kind, ja waffen uber waffen. 2. Schaw an die klag, die ich jetzt führ, o Venus durch dein güte: Still mir mein hertz in kurtzer eil, das es nicht also wüte. Ich bin behafft, mit liebeskrafft, mit Adams rip durchschossen ich jag den tag, bis in die nacht, und bin gantz unverdrossen. 3. Lass mich Juppiter, Venus dein kind, hast mich so hart geschossen, Wiewol dein augen verbunden seind, hast mich ohn gefehr getroffen, Spann mir und dir und triff die zeit durch deiner mutter ehren, wo das geschech, so wird mein schmertz, in grosse freud sich kehren. 4. Es ist auch nit, zu wundern sich, das ich ein solch lieb han, Gegen dem aller schönsten kind, nit anders hat könig David gethan. Als er ein weib vor jhm sach, wie sie die füss thet waschen. von stund ward er in lieb entzünd, das kan ich wol ermessen. 5. Dardurch mein hertz wird fast betrübt, wenn ich von jr mus kehren, Kein auff erden mir so liebt, sie kan mir freude mehren. Sie ist die recht, von weibes geschlecht, von gutem stamm geboren, mich armen knecht, sie nit verschmecht, an jr ist nichts verloren. 6. Kein laster ist an jrem leib, vom fuss bis auff die scheitel: Sie hat ein gang recht wie ein pfaw, jr äuglein kan sie leiten. Sie hat ein gsang recht wie ein lerch nicht weiter wil ichs schreiben, kein auff erd, mir als sie lieber werd sie kann mir leid vertreiben. XIX. 1. Lieblich hat sich gesellet, mein hertz in kurtzer frist, zu einer die mir gefellet, Gott weis wol wer sie ist, Sie liebet mir gantz inniglich, die hertz allerliebste mein, in trewen ich sie mein. 2. Wol für des meyes blüte, hab ich mir sie auserkorn, sie erfrewet mir mein gemüte, meinen dienst hab ich jr geschworn, Den wil ich halten stetiglich mit willen gantz unterthan, dieweil ich das leben han. 3. Ich vergleich sie einem engel, die hertz allerliebste mein, jr härlein kraus wie ein sprengel, jr wenglein rot als der rubin, Zwey weisse ärmelein die sind schmal, darzu ein roten mund, der lachet zu aller stund. 4. Mit Venus pfeil durchschossen, das junge hertze mein, schöns lieb hab kein verdriessen, setz deinen willen darein. Gesegne dich Gott mein schönes lieb, ich sol und mus von dir, du sihst mich wider schier. XX. 1. Hertzlich thut mich erfrewen, die fröliche sommer zeit, all mein geblüth vernewen, der mey viel wollust geit. Die lerch thut sich erschwingen, mit jhrem hellen schal, lieblich die vögelein singen, darzu fraw nachtigal. 2. Der guckguck mit seinem schreyen, macht frölich jederman, des abends frölich reien, die megdlein wohlgethan. Spacieren zu dem brunnen, pflegt man in dieser zeit, all welt sucht freud wonne, mit reisen fern und breit. 3. Es grünet in den welden, die bawme blühen frey, die rößlein auff dem felde, von farben mancherley. Ein blümlein steht im garten, das heist vergiß nit mein, das edle kraut wegwarten, macht guten augenschein. 4. Ein kraut wechst in der auwe, mit namen wolgemut, liebet sehr den schönen frawen, darzu die holderblüt. Die weissen und roten rosen, helt man in grosser acht, man kan geld draus lösen, schöne krentzlein draus gemacht. 5. Das kraut je lenger je lieber, an manchem ende blüt, bringt offt ein heimlich fieber, wer sich nit darfür hüt. Ich habs gar wol vernommen, was dieses kraut vermag, doch kan man dem fürkomen, messig lieb alle tag. 6. Des morgens in dem tawe, die megdlein grasen gahn, gar lieblich sie anschawen, die schöne blümlein schon. Davon sie krentzlein machen, und schencken sie jrem schatz, den sie so freundlich anlachen, und geben jm ein schmatz. 7. Darumb lob ich den sommer, darzu die meyen zeit gut, die wendet uns allen kummer, unnd bringt viel freud und mut. Der zeit wil ich geniessen, dieweil ich pfenning hab, und den es thut verdriessen, der falle die stiegen hinab. XXI. 1. Was wird es doch, des wunders noch, sogar ein seltzams leben, als jetzund ist, all welt voll list, mit untrew gantz und gar umgeben. Gut wort arge tück, viel grüs böß blick, ist jetzt der gebrauch auff erden, es günt keiner mehr, dem andern ehr, o Gott was wil noch daraus werden. 2. Wil glück zu eim, so günt mans keim, man stellt in für die lücken, der richt jn aus, wol nach der paus, red jm nichts guts am rücken. Verlaufft jm den weg, all steig und steg, kein ander brauch auff erden, ist jetzund mehr, denn nur ja herr, was wil noch daraus werden? 3. Noch werden die, zu zeiten jr, mit untrew selbst geschlagen, wer nicht ansicht, das jm gebricht, und wil von andern sagen, Als dem und jhm, weis nicht von wem, ist jtzt gemein auff erden, in solchem lauff, nun schaw man drauff, was wil noch daraus werden? XXII. 1. Schwer langweilig ist mir mein zeit, seid ich mich hab gescheiden, von dir mein schatz und höchste freud erst merck das ich mus leiden. Was zu leiden ist, ach weh der frist, wird mir so lang mit schmertzen, das ich offt klag, es scheint kein tag, dein wird gedacht im hertzen. 2. Denn mich jetzund, mein lange fart in trawren pein thut setzen, mein einiges E, gedenck der wort, damit ich mich thet letzen. Mit was gestalt, in dein gewalt, ich mich dir hab ergeben. Darumb ich sprich, das ich ohn dich, kein stundt mag frölich leben. 3. Und das ich dein edle freundschafft, die zeit in leid mus meiden, ich bit dich nicht acht, was man klafft, ich wil der deine bleiben. Damit wil ich, befehlen mich, deim gantzen trewen hertzen, ohn zweifel frey, sey wo ich sey, trag ich nach dir gros schmertzen. XXIII. 1. Wach auff mein hort, vernim mein wort, merck auff was ich dir sage: Mein hertz das wüth, nach deiner güt, las mich fraw nit verzagen. Ich setz zu dir, all mein begier das glaub du mir, las mich der trew geniessen. 2. Du junger knab, dein bit las ab, du bist mir viel zu wilde. Und wenn ich thet, nach deiner bitt ich förcht es blieb nicht stille. Ich dancke dir fast, du werder gast, der trewe dein, die du mir günst von hertzen. 3. O fraw mit nicht, bin ich bericht, das ich euch wolt betriegen: Wenn einer kem, und das vernem, er müst uns beiden liegen. Darauff du baw, unnd mir vertraw, du reines weib, der schimpff sol dich nicht gerewen. XXIIII. 1. Mir ist ein feins brauns megdlein gefallen in meinen sinn, ach Gott solt ich jhr diener sein, mein trawren wer dahin. Weder tag noch nacht, hab ich kein ruh, das schafft jr schön gestalt, ich weis nit wie ich im thu, mein feins lieb macht mich alt. 2. Dem megdlein ich gerne dienen wolt, wenn ich mit fugen kündt, darumb hab ich der neider viel, das mirs nicht werd vergünt. Ich hoff sie sols erfahren bald, wie ichs so trewlich mein, auff erden ich mir nichts wüntschen wolt, denn sein bey jr allein. 3. Dem megdlein ich mein trew versprich, in ehren und anders nit, als was doch fromb und ehrlich ist, darnach ich mich stets richt, solt denn mein trew verloren sein. krenckt mir mein sinn unnd gemüth, ich hoff sie sols erfahren schier, mein sach sol werden gut. 4. Denn was die falschen zungen thun, ist jetzund an dem tag, ach du mein feins brauns megdlein, hör zu was ich dir sag, halt dich nur stets in ehren allein, wie ich dich, hertzlieb mein, so heltest du gunst, mit deiner kunst, das glaub du mir megdlein rein. 5. Damit wil ich dem megdlein, gesungen haben frey, zu guter nacht ein liedelein, als gut wünsch ich jr darbey, damit das sie gedenck an mich, wenn ich nit bei jr bin. so behüt dich Gott mein feines lieb, alde ich fahr dahin. XXV. 1. Ach winter kalt, wie manichfalt, krenckst du mein hertz, mut und sinne, Graw und alt, machst du mich bald, das bin ich worden inne. mein glück ist kleiner als ein haar, darzu ist mir mein seckel leer, dis jar ist mir von kleinem gewinne. 2. Ich fahr daher, on alles gefehr, ich wolt mich gern ernehren, Mich rewet sehr, und ist mir schwer, das glück thut sich verkeren, so wil ich doch nit abelan, unn wil ein newes fahen an, das kan mir niemand wehren. 3. Ach mancher spricht, Gott grüsse dich, aus einem falschen munde, Des kleffer stich, mich nicht anficht, ich achte nicht der falschen zungen, mancher schleicht daher wie ein dieb, gieng es mir ubel, es wer jm lieb, das hab ich offt befunden. 4. Auch mancher ist mir gram, und mir vergan, das mir Gott hat gegeben, Möcht mancher man, sein willen han, er günt mir nicht das leben, der kleffer hasset das er sicht, noch mus er leiden das es geschicht, kan nicht dawider streben. 5. Der reim ist aus, von diesem strauß, damit fahr ich mein strassen, Ein kleine maus, im grossen haus, die mus man fahren lassen, so lange das sie selber laufft heraus, ich hoff mein katz fengt mir ein maus, ach lieber halt rechte masse. 6. Alde, alde, ich wil nit mehr, von unglück singen, Ich rausch daher all durch die see, ich hoff mir sol gelingen, wider an verderbet manch gut pferd, wem Gott das glück hat beschert, der mag frölich singen. XXVI. 1. So wil ich doch einen guten mut haben, und wil umb niemands willen lassen, Mein narren wil mir nit vergehn, ich treibs zu rechter massen, Mein reim der heist ich acht sein nicht, den führ ich gantz verborgen, dazu ist das mein altes gedicht, für mich darff niemand sorgen. 2. Von sorgen thut mir mein hertz so weh, und krenckt mir mein gemüte, Mein narren wil mir nicht vergehn, ich treib es in rechter güte. Was niemand schad und mich erfrewt, das mus man mir wol günnen, damit fehrt all mein trawren dahin, ich singe wol, wenn ich was kündte. 3. Sing ich nit wol, das wer mir leid, ich thets von hertzen gerne, Und wer nach meinem singen hört, der möchts viel lieber entberen. Das macht auch schon mein süsser gesang, darzu mein lieblich schallen, mein reim ist manchem gar ubel danck, und thut niemand gefallen. XXVII. 1. Das ich so arm und elend bin, noch trag ich einen steten sinn, hoffnung thut mich ernehren, was mir von Gott bescheret ist, kan mir kein kleffer nicht wehren. 2. Viel falscher zungen hassen mich, es wird sie alzeit helffen nicht, Gott ist von grosser güte, dem ich mein sach befohlen hab, der wird uns wol behüten. 3. Und weren der kleffer noch so viel, so geschicht doch was Gott haben wil. Gott ist mein trost auff erden, so schwer ich doch bei meinem eyd, keine liebre sol mir werden. 4. Drumb ist mein hertz betrübet sehr, Gott wöl all ding zum besten kehrn, ich fahr dahin mit schmertzen, ich sehe das ichs nicht wenden kan, Gott tröst alle betrübte hertzen. 5. Fehrstu dahin und lest mich hir, was lestu denn zur letzte mir, damit ich mich mag trösten? die rechte lieb und stetigkeit, las ich dir feins lieb zur letzte. XXVIII. 1. Vor zeiten war ich lieb und wehrt, die ich mir het außerkorn, jetzt hat es sich so gantz verkehrt, ist alles an jhr verlorn. Denn sie hat ein andern lieber denn mich, zweyen herren nicht kan dienen ich, der eine ist lieb der ander leid, damit ich von jhr scheid. 2. Hüt euch jr jungen knaben, habt euch in guter hut, last euch die liebe nicht zwingen, und lernet abelan. Ein guter mut ist halber leib, glaubt nicht den schönen jungfrawen zu viel, was heut ist lieb, wird morgen leid, das macht jr unstetigkeit. 3. Den falken können sie streichen, dieweil wir bey jhn sein, viel sprichwörter können sie treiben, als bald wir von jn sein. Sie geloben viel, und halten ein teil, bis sie uns bringen ans narren seil, denn müssen wir gefangen gan, dieweil wir das leben han. 4. Sie thun uns locken und singen, bis wir jn fliegen zu, das sie uns ja bezwingen, dieweil haben wir kein ruh. Gleich wie man den kleinen waldvögelein thut, man pfeiffet jn süss, man machts jn gut, und wenn sie denn gefangen sind. so schlegt man sie all zu todt. 5. Alde zu tausent guter nacht, mein trawren hat ein end, hett ich dein untrew lengst erkandt, mein hertz hett sich von dir gewandt. Fürwar es wird gerewen dich, du betreugest ein andern so bald als mich, dein untrew macht, dass ich dein nicht acht, alde zu guter nacht. XXIX. 1. O Weh der zeit die ich verzert, hab in der bulen orden, Nachrew ist worden mein gefert, ich bin zum thoren worden. Mich rewet mein fleis, mein blut und schweis, den ich darauff gewendet, ich bawet auff eyß und war schier gar verblendet. 2. Die megdlein geben süsse wort, thun freundlich mit eim scherzen, Damit bin ich worden bethört, sie meinens nicht im hertzen, Ihr hertz, muth, sinn, gericht dahin, das sie nur wollen haben, der liebe gewin thut eim den beutel schaben. 3. Ich habs gekost, beis nit mehr an, ich wil eh hunger leiden, Mit falscher lieb weit hindan, solche bulschaft ich wil meiden, Wil fortan mehr, Gott mich gewer, mir eine auserlesen, in zucht und ehr, die für gut hat mein wesen. XXX. 1. Wie schön blüt uns der meye, der sommer fehrt dahin: Mir ist ein feins jungfrewlein, gefallen in meinen sinn. Offt sehen thut den augen wol, wenn ich an sie gedencke, mein hertz ist freuden vol. 2. Wenn ich des nachts wil schlaffen, so kömpt mir mein schöns lieb für: Und wenn ich denn erwache, so finde ich nichts dar. Denn hebt sich erst ein grosse klag, wenn ich von jr mus scheiden, das macht mich alt und graw. 3. Zwey blümlein auff grüner heide, die heissen wolgemut. Lest uns der liebe Gott wachsen, sein uns für trawren gut. Vergis nicht mein steth auch dabey, grüs mir sie Gott im hertzen, die mir die liebste sey. 4. Wolt Gott ich möcht jhr wünschen, zwo rosen auff einen zweig. Ach Gott möcht ich sie wecken mit meinem stoltzen leib. Das were meinem hertzen eine grosse freud, thu mich hertzlieb nu trösten, mit einem freundlichen wort. XXXI. 1. Ich hört ein frewlein klagen, fürwar ein weibliches bild, jr hertz wolt jr verzagen, nach einem jüngling mild. Das frewlein sprach mit schmertzen, er ligt mir in meinem hertzen, der hertz allerliebste mein. 2. Der wechter an der zinnen, der uns den tag herblies, er blies ins horn mit schalle, jungfraw weckt ewern gesellen, denn es ist an der zeit. 3. Ach Gott wie soll ich wecken, den hertz allerliebsten mein, ich förcht es möcht erschrecken sein Hertz unnd auch das mein. Er ist meins hertzen ein geselle, er sey gleich wo er wölle, der hertzallerliebste mein. XXXII. 1. Ich hett mir fürgenommen, zu dienen stetiglich, ein ander hat mich verdrungen, dasselbig krencket mich. Das ich sie gar mus meiden, und so mus fahren lan, denn sie hat mich erkoren, umb einen andern man. 2. Es ist der frewlein sitte, das sie unstet sein, lassen sich nit lang bitten, sie geben einen kurzen bescheid. Thut jn einander gefallen, kein trew sehen sie nit an, du bist mein schatz ob allen, reden sie aus falschen wahn. 3. Sie hat mich nicht alleine, das acht ich wahrlich klein, zwen hund an einem beine, die seind selten eins. Mit gruntzen unnd mit murren, es mag nicht anders sein, sie mus mir aus meinem hertzen, und nimmer mehr darein. XXXIII. 1. Ich weis mir ein feins brauns megdlein, hat mir mein hertz besessen, es kan mir ein krauserlein mauserlein sein, ich kan jr nit vergessen. Sie gefelt mir aus der massen wol, jhr weis und berd, ist goldes wert, es steht dem megdlein wol, was ich thun sol. 2. Sie hat mir heimlich zugesagt, sie wol mein bule sein, (l. wesen) hat mir mein trawrigs hertz erfrewt, meins kummers bin ich genesen. Unglück vergang mit solchem lust, das bleib ich recht, so ist es schlecht, mein freud ist anders gar umb sunnst. 3. Freundliches hertz, mein auserwehlte, halt dich nach meinen worten, mein hertz hat sich zu dir geselt, und brent an allen orten. Das sag ich dir, aus hertzen begir, schrey ich zu dir, mein höchste zier, feins lieb setz mir ein gnediges ziel. XXXIIII. 1. Ohn dich kan ich, nicht frewen mich, sind du mich hast gefangen, streng fast behafft, ist all mein krafft, hertz, sinn auch gemüt durchgangen. Mit steter lieb des hab ich ub, mit fleis zu dir zu kommen, das möcht nicht sein, der wille mein, hast du offt wol vernommen. 2. Auff dieser erd, kein höhers werd, hab ich in meinem hertzen, freud, wohn und lust, wer als umb sunst, wendest du mir nicht den schmertzen. Darumb jungfraw, gedenck und schaw, hab fleis in unsern sachen, unnd schreib mir zu, ich hab kein ruh, bis du mir freud thust machen. 3. Ach edle frucht verlangens sucht, nim hin, und es behend, nur mich allein, sunst anders kein, ich bit mein schmertzen wende. Denn ich dien dir, gantz mit begir, dir allweg zu gefallen, mit steter trew ewig ohn rew, schreib ich dir gar ob allen. XXXV. 1. Kehr wieder glück mit freuden, unnd jag unfall von mir, Meins schöns lieb mus ich meiden, und hab auch gros begir, Zu dienen dir für all auff erd, wiewol du bist einem andern beschert, dardurch mir wird mein hertz beschwert. 2. Mein hertz hat gros verlangen, die zeit so manigfalt, Ach Gott möcht ich erlangen, das ich jr freundlich gestalt Möcht sehen an ein kleine zeit, auff erden mir nichts mehr freude geit, wo sie mir jetzund hilfft aus leid. 3. Ob du bist hart verstricket, das las nicht schaden mir, Wer weis ob es sich schicket, das ich hertz lieb bei dir Möcht sein, und dir kein schaden brecht, mein hertziges A, nun thu mir recht, für dich mich nichts erfrewen möcht. XXXVI. 1. Hertz einiges lieb, dich nicht betrüb, so uns die zeit, jetzt widerstreit, sichst doch wol wie, das kein mensch hie, so selig lebt, wie hoch er schwebt, zu zeiten jhm etwas widerstrebt. 2. Leb gleich als ich, das bitt ich dich, in hoffnung wart unfal uns nicht, lang jrren sol, erkens doch wol, was unntrew kan, dasselb sich an, mein hertz dir guts für andern gan. 3. Nach solcher schwer, mein trew beger, die dir voran, ohn abelan, stets ist verpflicht, fürwar mit nicht, ich von dir setz, mit keiner letz, freundlich dich sicher alles leids ergetz. Dis lied haben uns die weisen bedacht, von einer schönen jungfrawen gemacht. XXXVII. 1. O Sawrer winter du bist so kalt, du hast versawret den grünen wald, du hast versawret die blümlein an der heide. 2. Die gelben blümlein sein worden fahl, entflogen ist uns fraw nachtigal, sie ist uns entflogen, und wird uns nicht mehr singen. 3. Sie ist uns entflogen zu diesem newen jar, ein steten bulen mus ich han, ein steten bulen mus ich allzeit haben. 4. Des abends wenn ich zu bette wil gan, und meinen schönen bulen nit han, so trauret mein hertz und all mein gemüte. 5. Des morgens wenn ich frü auffsteh, mein hertz in grossen sorgen schwer, so kompt mein lieb und beut mir ein guten morgen. 6. Guten morgen, guten morgen mein feines lieb, ich hab dich von grund meines hertzen lieb, ich hab dich von grund meines hertzen auserkoren. XXXVIII. 1. Der guckguck hat sich zu todt gefallen, von einer hohen weiden, wer sol uns diesen sommer lang, die zeit und weil vertreiben. 2. Ey das sol thun fraw nachtigal, die sitzt auff grünem zweige, sie singt, sie springt, ist allzeit fro, wenn ander waldvögelein schweigen. XXXIX. 1. Kein lieb ohn leid, mag mir nit widerfahren, dieweil ich pfleg der lieben art, ich wil mein hertz nit lenger sparen, ich hab es offt und viel bedacht. Was lieb vermag, kömpt alles an tag, köndt ich dein gunst erwerben, kein trost ich hab, und las nicht ab, viel lieber wolt ich sterben. 2. Reden, dulden, trachten im hertzen leiden, dan ist der rechten lieben art, heimlich und still im hertzen schweigen, daran gedenck du schön und zart. Wiewol mein gunst ist gar umbsunst, verlorn sind all mein sachen, ich trag gedult, feins lieb on alle schuld, vor trawren mus ich lachen. 3. Hoffnung mein trost, mein steter sinn, hast mich noch nie betrogen, es wird viel verloren, kömpt böslich umb, wer es darauff thut wagen, Merck was ich dir sag, gros ist mein klag, ach Gott wie weh thut scheiden, bedenck dich recht, ich bin ein armer knecht, schwartz braun wil ich mich kleiden. XL. 1. Die grosse liebe zwinget mich, das ich kein wort kan sprechen, ja sprechen, Wenn ich gedenck an jr mündlein rot, das sie mir bot, mein hertz wil mir zubrechen. 2. Ich kam für liebes schlaffkemmerlein, die thür war zugeschlossen, geschlossen, Ich klopffet also leise daran, bald sie das vernam, ich ward bald eingelassen. 3. Die liebe tregt ein schleyer weis, mit brauner seiden umwunden, umwunden, Sie empfieng den knaben mit allem fleis, in ir ermelein weis, sie küst jn auff beide wangen, ja wangen. 4. Schwartz braun, schwartz braun ist jr gewandt, das tregt sie an jrem leibe, ja leibe, In rechter lieb und trew hab ich sie erkandt, da ich sie fandt, sie ist mir die liebste auff erden, ja erden. 5. Alde alde, zu guter nacht, sey dir schöns lieb gesungen gesungen, Dis liedlein ist dir und mir gemacht, zu tausent guter nacht, Gott straffe alle falschen zungen, ja zungen. XLI. 1. Es taget vor den osten, der mond scheinet uberall, Und der da heimlich bulen wil, bulen wil, der mus gantz frü auffstahn. 2. Und der da heimlich bulen wil, der halt es in stetigkeit, Der halt es mit dem wechter, wechter, der gibt dir ein guten bescheid. 3. Und das erhört die tausent schöne, in jrem schlaffkemmerlein, Sie erschrack von hertzen sehre, sehre, bald sich der wechter blies. 4. Erschrick du nicht so sehre, mein wunder schönes lieb, Ich bin ein jüngling schöne, schöne, von hertzen hab ich dich lieb. 5. Bist du ein jüngling schöne, und wüst ich das fürwar, So wolt ich mein junges hertz zwingen, zwingen, es müste sein trawren lahn. 6. Und das erhört der wechter, hub an ein liedlein und sang, Ist mir in keinem jare, jare, kein nacht nicht worden so lang. 7. Und es ist nacht geworden, es wird wol widerumb tag, Es hat ein feines megdlein, megdlein, ein beyschlaffen zugesagt. 8. Das megdlein das ich meine, das ist gar hübsch und fein, Und solt ich bei jhr schlaffen, schlaffen, das wer der wille mein. 9. Ja solstu bey mir schlaffen, wer das der wille dein, Dein trawren mustu lassen, lassen, gantz frölich mustu seyn. 10. Wer ist der uns dis liedlein sang, von newen gesungen hat, Das haben gethan zween berckgesellen, auff sanct Annenberg in der stadt. XLII. 1. Kein grösser freud auff erden ist, denn der bey seiner allerliebsten ist, bei seiner allerliebsten allein. Der mag wol reden was jm gebrüst, und was jm in seinem hertzen gelüst, freundlich thun sie anschawen. 2. Ich hatte einen bulen, das ist war, drey viertel lenger denn ein jar, ich dorffts niemand sagen. Ich hatte sie lieb von gantzem hertzen, ich dorffte jhr kein freundliches wort zusprechen, ich förcht sie möcht mirs für ubel haben. 3. Ich gieng wol über ein grünen plan, da sah ich viel hübscher jungfrewlein stahn, mein feins lieb war darunter. Mein lieb daucht mich die schönste sein, die hertzallerliebste mein, für andern außerkorn. 4. Mein feines lieb tregt ein schwartzes kleid, darunter tregt sie gros hertzenleid, das kan jhr niemands wenden, Denn du allein du höchster hort, tröst sie mit einem freundlichen wort, tröst sie in jhrem elende. 5. Ich hab jr ring an meiner hand, den geb ich nicht um das teutsche land, er kompt von jren henden. Der ring der ist von rotem gold, darumb bin ich dem feinen megdlein hold, wolt Gott ich möcht jr dienen. 6. Ehe ich meinen bulen wolt fahren lan, ehe wolt ich mit jr ins elend gan, wolt auch meiden weltliche freude; Hab jr vertrawt, auff gut erbawt, der hertzallerliebsten mein, ich wil sie noch wol finden. 7. Der uns dieses liedlein new gesang, ein freyer knab ist er genandt, hats so wol gesungen. Er geht zu Lünenburg aus und ein, bey der hertz allerliebsten sein, er bleibt wol unverdrungen. XLIII. 1. Dich als mich selbst, hertzlieb allein, ich warlich dich mein, in rechter trew, mein lieb wird new, gegen dir alle tag, darumb ich nicht mag, vergessen dein, das hertze mein, sol und wil stets dein eigen sein. 2. Dich als mich selbst, o höchster hort, bedarff nit wort, ich nit verlas, das mir ohn mas, dein weiblich ehr, je lenger je mehr, gefallen thut, edles blut, für dich nem ich nicht des keysers gut. 3. Dich als mich selbst, schön weiblich rein, wil leben fein, für alles gold, bin ich dir hold, auff dieser erd, kein grösser werd, ich acht und halt, kaum deine gestalt, im ganzen reich wird funden. XLIIII. 1. Tröstlicher lieb, ich mich stets üb, wie ich jhr lieb und huld erlange, ein frewlein zart, dem ich mit fleis, in stiller weis, noch dien zu preis, so helt sie mir das widerpart. Wer hat gedacht, dz solt sein gemacht, ein weiblich bild, von sinn und gemüt, so fest und mild. 2. Phebe dir geschach, auch also gach, du eiltest nach Daphne der jungfraw ungezam, die dir entgieng, zu stund anfieng, mit laub ummhieng, und ward ein schöner lorberbaum, Dir nit mehr ward, von bletlein zart, denn nur ein krantz, den du noch tregst, umb jre liebe gantz. 3. Ach wer ich der, dem jetzt nicht mehr, von der ich beger, möcht werden, denn ein krentzlein fein, darzu jr gunst, damit umb sunst, nicht als der dunst, vergieng ohn frucht der liebe mein. Erst würd ich getröst, von pein erlöst, mein gemüt gantz gering, villeicht mir fürder bas geling. XLV. 1. Nun hab ich all mein tag gehört, wie scheiden sey ein schwere pein, so hat mir noch nicht gebürt, das ichs möcht innen worden sein, Denn jetzt allein, so ich die rein, und aller schönst auff dieser erd, mus lassen stan, und sol nit han, von jr vor was mein hertz begert. 2. Mein hertz begert, nit anders mehr, denn was zu ehren und freuden zimpt, wolt Gott ich solt bald wider keren. Da ich erhört die stim, in einem haus, zum fenster aus, das fest thet einher brimmen, mit grosser pracht, die lieb die macht, dz ich mich nit kont besinnen. 3. Mit freuden steig ich auff das dach, wol bei dem allerschönsten haus, da reicht man mir zu tausentfach, ein hendlein weis zum fenster aus. Das bracht meim hertz, gar grossen schmertz, das ich so bald must wider ab, offt sach ich umb und wider umb, hett freud und leid ich armer knab. XLVI. 1. Ein megdlein sagt mir freundlich zu, wie sie mich liebt im hertzen, ich sahe sie nit, dergleichen thun, allein mit mir zu schertzen. Hat wol sein fug, feins megdlein klug, merck was ich dich bitt, jw, jw, feins megdlein versag es mir nit. 2. Nim auff zu gut, was ich dir sag, thu dich daran nicht kehren, sich lieb und trew vernim mein wort, mich dieser bitt gewehren. Als ich dir traw, brauns megdlein schaw, merck was ich dich bitt, jw, jw, feins megdlein versag mirs nit. 3. Ja was man redt, und halten thut, das kompt zu gutem gelten, las du nit ab, ob einen mühet, das ich bey dir bin selten. Ist alles mein schuld, der gnad und huld, merck was ich dich bit, jw, jw feins megdelein versag mirs nit. XLVII. 1. Ein wechter gut in seiner hut, rufft an den lieben morgen, wo lieb bei lieb in Venus üb, beiligen ohne sorgen. Die stehen auff, verlassen den schlaff das jr nicht kompt in leiden, die nacht die weicht, der tag herleucht, wil liebe von liebe scheiden. 2. Ein bul erhört des wechters wort, erschrack fast sehr von hertzen, das er nicht mehr nach seim beger kund mit seim bulen schertzen. Erweckt sie leis mit allem fleis, dz er sie nit thet erschrecken, mein auffenthalt, mach dich auff bald, der wechter thut uns wecken. 3. Das frewlein fein, vom bulen sein, must sich alsbald thun scheiden, der helle tag bracht leid und klag, viel jammers jnen beyden. Das weiblein schön, zum gesellen kün, sprach tugentlich mit züchten, behüt dich Gott, mein mündlein rot, vermär mein ehr mit nichten. XLVIII. 1. Willig und trew, ohn alle rew, ich mich ergib, wil auch mein gelübd, stets halten dir, gantz unverkehrt, das glaube du mir. 2. Ich mich versich, du werdest mich, o jungfraw rein, auch halten fein, gegen mir auffs best, in trewen und glauben halten fest. 3. Ich dein bleib, vnnd mich verschreib, bis in mein end, von mir nicht wend, thu auch dergleich, zusammen uns Gott gnad verley. 4. Mich sol kein lieb, die mich betrüb, mehr fechten an, den alten wahn wil meiden ich, seyt du allein erfrewest mich. 5. Halt gleich gemüth, wie mein geblüth, allein zu dir, steht mein begir, das mich genügt, ob schon unglück das ander fügt. XLIX. 1. Ey wie gar freundlich, lieblich, erzeigest du dich hertz lieb gegen mir, Das mich erfrewet gantz inniglich. und wil mein hertz stet sein bey dir. Denn wo ich sonsten bey leuten bin, so hats kein sinn, allein bey dir frölich bin. 2. Glaub es mein lieb, unnd wiß fürwar, das mir desgleichen ist also, Wenn ich bey dir bin nit jmmerdar, so wird mein hertz doch nimmer fro. Und dünckt mich auch langweilig sein, mein höchste pein, das du nit bald solt sein die mein. 3. Freundliches lieb was wiltu mehr, mein leib und gut ist eigen dein, Du bist die ich für alle beger, darzu bist du gewüntschte mein, Denn ich sonsten kein andere wil han, heimlich und still, das ist schöns weib allzeit mein wil. L. 1. Mit lust thet ich außreiten, durch einen grünen wald, Darinn hört ich singen, singen, drey vögelein wol gestalt. 2. Es seind doch nicht drey vögelein, es seind drey jungfrewelein, Sol mir das eine nicht werden, werden, gilt mir das leben mein. 3. Das erst das heisset elselein, das ander heist bärberlein, Das dritt hat keinen namen, namen, das mus mein eigen sein. LI. 1. Freundlicher held, dich hat erwelt mein hertz zu trost und freuden, Durch sehnen ist mein hertz verstelt, so ich von dir mus scheiden. Doch bleybt bey dir, mein hertz mit gir, desgleichen thu du mir erzeigen, dieweil ich leb, von dir nicht streb, mein hertz ist gantz dein eigen. 2. Mein höchster hort brich nit dein wort, das du zu mir thets sagen, Da ich dir klagt, meins hertzen not, ich müst sunst gar verzagen. Denn mich auff erd nichts höhers frewt, denn wenn ich thu ermessen was freude unn gunnst ich von dir hab, kein zeit kan ich vergessen. 3. Im hohen wohn, (wonne) scheint mir die sonn, so hertzlich anschawe dich, Wol es mir doch selten geschicht, so seind meine freude gantz entwiecht. Schaffet alles die zeit, verlangen geit, dieweil ich mich ergeben, ach glück schick bald, ein bessers ziel, der hoffnung wil ich leben. LII. 1. Mein alter man, der nimpt sich an, wil mir freud und lust vertreiben, Mit eiffern und grein, macht er mir pein, lies ers doch alles bleiben. Er greint und murrt, im haus umbschnurt, sicht er mich frölich schertzen mit einem gast, so grawt jhm fast, und bringt jm grossen schmertzen. 2. Er wil das ich, als offt das geschicht, kein lachen von mir leiden, Mit seiner weis, macht er mich greis, so ich alle freude mus meiden. Das thut mir and, bins nit gewont, als ich von jhm thu lernen, damit er macht, das ich nicht acht, ich wils wol vertreiben. 3. Was geht jm zu, das er kein ruh den tag noch nacht wil haben, Er ist im haus, so sucht er aus, und fürcht die jungen knaben. Die des nachts umbgahn, ihn fechten an, mit pfeiffen, singen und hofieren, der lauten klanck, der macht jn kranck, dz thu ich an jm spüren. 4. Ach lieber man, du wilt nicht han, kein witz zu deinen jaren, Und weist doch wol, das jugent sol, kurtzweil und freude treiben. Was zeihestu dich, das du gleich mich, mit dem wilt nicht fern gnug lieben, nim guten mut, das macht gut blut, thu dich nicht so hart betrüben. LIII. 1. Es giengen sich aus zwo gespiele, wol über ein wiese war grüne, Die eine furt ein frischen mut, die ander trawret sehre. 2. Gespiele liebste gespiele mein, warumb trawrestu so sehre, Ey trawrestu umb deines vaters gut, oder trawrestu umb dein ehre. 3. Ich trawr nit umb meines vaters gutt ich trawr nicht umb mein ehre, Wir zwei haben einen knaben lieb, daraus können wir uns nicht theilen. 4. Und haben wir zwey einen knaben lieb, können wir uns daraus nicht theilen, Ich wil dir geben meins vaters gut, darzu meinen bruder zu eigen. 5. Der knab stund unter einer linden, er hört der red ein ende, Hilff reicher christ vom himmel hoch, zu welcher sol ich mich wenden. 6. Wend ich mich zu der reichen, so trawrt die seuberliche, Ich wil die reiche fahren lan, wil behalten die seuberliche. 7. Und wenn die reiche das gut verzehrt, so hat die lieb ein ende, Wir zwey sind noch jung und starck, gros gut wöllen wir erwerben. 8. Er nam sie bei jren schneeweissen henden, er fuhrt sie durch den grünen wald, des grünen waldes ein ende. 9. Er führt sie an das ende, da er seine mutter fand, Ach mutter liebste mutter, das megdlein ist mein allein. 10. Er gab jhr von gold ein ringelein, an jhr schneeweisse handt, Sihe da du feins brauns megdelein, von dir wil ich nicht wenden. 11. Sie gab jm wieder ein krentzelein, von gold, dabey er jr gedencken solt, Ich hab euch lieb im hertzen mein, von euch wil ich nicht scheiden. LIIII. 1. Wolauff gut gesel von hinnen, meines bleibens ist nimmer hie, der meye thut uns bringen, die feyel und grünen klee. Vor dem wald höret man singen, der kleinen vögelein gesang, sie singen mit heller stimme, den ganzen sommer lang. 2. Ich kan nit mehr geschweigen, es gelag mir nie so hart, das trag ich heimlich leiden, gegen eim frewlein zart, Ihr lieb hat mich umbfangen, darzu jhr gute gestalt, das ich dich lieb mus meiden, darzu zwinget mich gewalt. 3. Gewalt du bist ein grosse pein, wehe der dich tragen mus, du ubest gegen mir solchen schein, mein leid war nie so gros. Hat mir ein eyd geschworen, sie wolt mir bleiben stet, sie wolt daran gedencken, wenn sie ein ander bött. LV. 1. Wach auff mein lieb und hör mein stimm erklingen, mir geliebt vor allen dingen, der war allmechtig Gott, Darnach dein werder leibe, o adeliges weibe, dein innigkeit, dein liebe mich tödten. 2. O hertzes lieb wiltu es nicht erkennen, so offt ich dich hör nennen, so frewt sich mein gemüt. Darzu sich ein figure, als in derselbigen nature, als jhr gemüt ist geboren in meinem planeten. 3. O hertzigs lieb, las dir das gehn zu hertzen, den jemmerlichen schmertzen, den ich im hertzen trag. Allein von deinet wegen, wie offt bin ich gelegen, in einem traum, als het ich dich schöns lieb umbfangen. 4. Da ich erwacht, was mir mein freud verschwunden, ach Gott der jemmerlichen stunden, sind das mich Gott beschuff. Ich weis nit umb den handel, mir liebt jhr zucht und wandel, jhr weis und geberd, nach jr steht mein verlangen. 5. Ach hertzigs lieb, dies lied sey dir gesungen. ich weis in allen zungen, kein lieber mensch auff erd. Dis lied wil ich dir schencken, guts wil ich dir gedencken, zu guter nacht, nun spar dich Gott gesund. LVI. 1. Umb deinet wegen bin ich hir, hertzlieb vernim mein wort, All mein hoffnung setz ich zu dir, daraus treib ich kein spott. Las mich der trew geniessen, hertzallerliebste mein, thu mir mein hertz aufschließen, schleus mich hertzlieb hinein. 2. Man hat uns beyde belogen, das weistu feins lieb wol, Das haben die falschen kleffer gethan, seind mir und dir nicht hold. Wir wöllens jhn wider gelten, rath zu mein trewer schatz, doch wil ich dich lieb haben, den kleffern zu neid und haß. 3. Bey meines bulen haupte, da steht ein güldener schrein, Darin da ligt verschlossen, das junge hertze mein. Ach Gott hett ich den schlüssel, ich würff jhn in den Rein, wer ich bei meinem bulen, wie könt mir bas gesein. 4. Bey meines bulen füssen, da fleust ein brünlein klar, Und wer das brünleins trincket, der junget und wird nicht alt. Ich hab des brünleins getruncken, gar manchen stolzen trunck, viel lieber wolt ich küssen, meins bulen roten mund. 5. In meines bulen garten, da stehen viel blümelein, Ach Gott möcht ich jr warten, das wer meim hertzen ein freud. Die edle rose brechen, denn es ist an der zeit, ich traw sie wol zu erwerben, die mir im hertzen leit. 6. In meines bulen garten, da stehn zwey beumelein, Das eine tregt muscaten, das ander negelein. Die muscaten die sind süsse, die negelein die seind reß, die geb ich meines feinen bulen, dz er mein nit vergess. 7. Zu dienst sey das gesungen, der allerliebsten mein, ihr lieb hat mich bezwungen, ich kan jr nit feind gesein. Dieweil ich hab das leben, das glaub sie mir fürwar, wil ich sie nit auffgeben, und lebt ich tausent jar. 8. Der uns dis liedlein new gesang, so wol gesungen hat, Das haben gethan zwen reuter, zu Grimme in der stadt. Sie habens so wol gesungen, beim meth unnd kühlen wein, dabey da ist gesessen, der wirtin töchterlein. LVII. 1. Nach grüner farb mein hertz verlangt, da ich elend was, Das ist der liebe ein anfang, recht so dz grüne gras, Entsprossen aus des meyens schein, mit so manchen blümlein klar, des hat sich ein jungfraw fein, gebildet in das hertze mein, zu diesen newen jar. 2. Umb jhrent willen trag ich weis, in meines hertzen grund, Mein hertz das steht mit gantzem fleis, nach jrem roten mund. Darnach setz ich all mein gedancken, beyde tag und auch die nacht, darnach gehe ich so manchen gang, die zeit wird mir nimmer zu lang, wenn ich sie schawen mag. 3. Roter farbe der hab ich leider viel, in der lieb so brent mir mein hertz, Das sie das nicht erkennen wil, das bringt mir sicher schmerz. Das sagt ich jr von hertzen gern, ach möcht ich bei jr sein, ich hoffe das sie ja schier, jr junges hertz zu mir kehr, wo ich im elend bin. 4. Blaw bistu lieb von mir gewert, in rechter stetigkeit, Wüst ich was dein hertz begert, das solte dir sein bereit. Daran soltu kein zweiffel han, mit trewen ich dich mein, ich wil in deinem dienste stehen, dieweil ich das leben hab, bis ans ende mein. 5. Grawe farb bringt mir pein, mit seuffzen und auch mit klagen, Also ich ein trüblichen schein, in meinem hertzen trage. Das sie solchs nicht erkent, mein meiden bringt mir pein, mein hertz jr manchen seuffzen send, ich hoffe es werde schier ein end, das ich bey jr möcht sein. 6. Gelber farb hat sie mich vermant, da sie mir begegnet die seuberliche, Ich sehe sie gern, hat sie erkant, das macht mich freudenreiche. Sie bot mir jren roten mund, meins leids vergas, ich danckte jr zur selbigen stund, mein hertz in grossen freuden stund, da ward mein sorgen ein end. 7. Schwartze farb mich erschreckt, es mus ein scheiden sein, All meine freude hat sich bedeckt, unter jrem finstern schein. Gott gesegen dich lieb zu aller zeit, scheiden bringt mir die gröste pein, tag unnd nacht denck ich mit fleis, wo ich bin fern unnd weit, vergesse ich dein nimmermehr. LVIII. 1. Die sonne ist verblichen, die stern seind auffgangen, Die nacht die kömpt geschlichen, fraw nachtigal mit jrem gesang. Der mond ist auffgegangen, red sich ein wechter gut, und welcher hat verlangen und ist mit lieb umbfangen, der mach sich bald auff die fart. 2. Und das erhört ein geselle, er schrey dem wechter zu, Ach wechter, traut geselle, gib deinen raht darzu. Wie ich das sol angreiffen, das ich kom für liebes thür, gar heimlich soltu schleichen, ehe der wechter hebt an zu pfeiffen, das man dich gar nit spür. 3. Der knabe trat unverborgen, für jhr schlaffkemmerlein, Er sprach zu jhr mit sorgen, zart schönes jungfrewlein. Newe mär wil ich euch sagen, da ist kein zweiffel an, es ligt sich einer im hage, der führt so schwere klage, es mag ewer bul wol sein. 4. Die jungfraw sprach mit sinnen, es hat dich sonst gedeucht, Der mond hat mir geschienen, die stern mir geleucht. O zartes jungfrewlein, er ligt in grüner awe, sein leib ist jm zerhawen in grossen trawren zwar. 5. Die jungfraw erschrack sehre, jr hertz war leidens vol, Sie wolt keine freud mehr hören, die botschafft gefiel jr nit wol. Ein hemd thut sie umbschnüren, ein hembdlein, das war weis, den knaben sie erblicket, jr hertz für freud erquicket, begert jr mit gantzen fleis. 6. Der knab der thet sich schmücken, gar freundlich an jr brust, Sie thet den knaben trucken, mit jrem freundlichen kus. Der knab fieng an zu ringen, mit der jungfrawen zart, der wechter auff der zinnen, fieng an ein lied zu singen, ein schöne tageweis. 7. Gesegen dich Gott im hertzen, zart edels frewlein, Du bringst meinem hertzen schmertzen, es mag nicht anders sein. Von dir mus ich mich scheiden, zart edels frewelein, ich schwing mich über die heiden, in braun wil ich mich kleiden, durch feyel und grünen klee. LIX. 1. Ich weis ein frewlein hübsch und fein, wolt Gott ich solt heint bey jr sein, solt freundlich mit jr schertzen. In zucht und ehr, nicht mehr ich beger, denn ich sie lieb von hertzen. 2. Ir mündlein rot, jhr brüstlein schneeweis, jhr leib gezieret mit gantzem fleis, nichts ist an jhr vergessen. Ihr adelich gemüt, macht das ich wüt unnd kan jr nicht vergessen. 3. O edler schatz, du mein höchster hort, tröst mich mit einem freundlichen wort, so wird mein hertz erquicket. Thust du das nit, fürwar sag ich, mein hertz in jammer erstickt. 4. Tröst mich, tröst mich, du mein edler schatz, gib mir zuletzt einen freundlichen schmatz, obs schon nicht allen gefelt, Denck du an mich, wie ich an dich, mein hertz hat sich zu dir gesellet. LX. 1. Der wechter verkündiget uns den tag, an hoher zinnen da er lag, wol auff geselle es mus gescheiden sein, wo nun zwey bey einander sein, die scheiden sich bald, der mond scheint durch den grünen wald. 2. Merck auff feins lieb was ich sag, es ist noch fern vor jenem tag, der mond scheint durch den wolckenstern, der wechter betrübte uns beyde gern, das sage ich dir, die halbe mitternacht ist noch nit für. 3. Er trückt sie freundlich an jhr brust, er sprach du bist meines hertzen eine lust, du hast erfrewt das hertze mein, verschwunden ist mir alle pein, zu dieser frist, auff erden mir kein lieber ist. 4. Was zog er von den henden sein, von rotem gold ein ringelein, sih da feins lieb das rote gold, ich bin dir von grund meines hertzen hold, das glaub du mir, für dich so wolt ich sterben schier. 5. Fraw nachtigal sang uberall, wie sie vormals mehr hat gethan, darbey spürt man des tages schein, wo nun zwey liebe bey einander sein, die scheiden sich bald, der tag scheinet durch den grünen wald. LXI. Ein Reuter lied, Albrecht von der Rosenburg. 1. Was wöllen wir singen und heben an, und singen von einem frenckischen edelman, ein newes lied zu singen. Albrecht von der Rosenburg der was ein freier reuters man, Gott helffe das jhm wol gelinge. 2. Albrecht von der Rosenburg der war ein freier reuters man, die von Nürnberg hatten jhn viel zu leid gethan, es bleibt nicht ungerochen. Sie hatten jm wider Gott, ehr unnd billigkeit sein haus und schloss zerschossen. 3. Albrecht von der Rosenburg was ein freier reuters man, er sprengt die von Nürnberg mit zwey und viertzig pferden an, darnach stund sein verlangen. Er hat sie tapffer über die köpff geschlagen, den Baumgarten hat er gefangen. 4. Wolauff jhr werden reuter gut, strafft den von Nürnberg jhren grossen ubermut, wolauff unnd last uns reiten. Und reiten wol auff Weissenburg zu, wir haben ein gute beute. 5. Ach marggraffe, marggraffe, was hastu gethan, du hast den gefangenen los gelan, das bringt dir kleinen frommen. Der weissen pfenninge hastu nit viel, der roten kanstu nit uberkommen. 6. Albrecht von Rosenburg, der hat ein ros, das kan zeltern und traben, darauff thet er manchen nürnbergischen pfeffersack jagen, wol auff dem behmer walde. Er hat ein ros, das ist so genge beritten, als das hirschlein vor dem grünen walde. 7. Wer ist der uns dis liedlein sang, ein freier frischer reuter ist er's genandt, er hats gar wol gesungen. Er hat bey Albrecht von Rosenburg gedient, ist jm gantz wol gelungen. LXII. 1. Nu fal du reiff, du kalter schnee, fal mir auff meinen fuß, Das megdlein ist nicht über hundert meil, und das mir werden mus, und das mir werden mus. 2. Ich kam für liebes kemmerlein, ich meint ich wer allein, Da kam die hertz allerliebste mein, wol zu der thür hinein wol zu der thür hinein. 3. Gott grüsse dich mein feines lieb, wie stehet unser beider sach? Ich sichs an deinen braun äuglein klar, du tregst gros ungemach, du tregst gros ungemach. 4. Die sonnen ist verblichen, ist nimmer so klar als vor, Es ist noch nicht ein halbes jar, da ich dich erst lieb gewan, da ich dich erst lieb gewan. 5. Was sol mir denn mein feines lieb, wenn sie nicht tantzen kan, Führ ich sie zu dem tantze, so spott mein jederman, das sie nicht tantzen kan. 6. Wer mir wil helffen trawren, der recke zwen finger auff, Ich sehe viel finger und wenig trawren, alde ich fahr dahin, das ich so elend bin. LXIII. 1. Mein gemüt und blüt, ist gar entzündt, mit lieb entbrint, und ficht mit macht, in hoher acht, bey dir zu sein, mein keyserin, Kein mensch ohn dich, kan und mag erfrewen mich. 2. Lieb han und kan, sonst anders kein, denn dich allein, schabab unnd unwerth, sein jetzt auff erd, all mutterkind, die jrgend sind, Kein mensch ohn dich, kan und mag hertzlieb erfrewen mich. 3. Las mich dich lieb han, nicht umbsunst, dz schafft kein gunst, macht auch kein mut, mein gröstes gut, denck selbs bey dir, du mein höchste zier, Kein mensch ohn dich, kan und mag hertz lieb erfrewen mich. 4. Freud oder leid, wird an dir stahn, mein höchste kron, theil mir deine gnad, kein freude ich hab, wenn du von mir wenckest, in leid du mich senckest, Kein mensch on dich, kan und mag hertz lieb erfrewen mich. 5. Rechte liebe und ube, zu dir mein hort, du schaffest sunst mord in mir mit gewalt, du mein auffenthalt, hilff mir zu dir, mit freuden schier, Kein mensch ohn dich, kan und mag hertz lieb erfrewen mich. 6. Mein hertz vom schmertz, wird brechen mir, ich von dir, jetzt scheiden solt, viel lieber ich wolt, ehe leiden pein, du mein schöne keyserin, Kein mensch ohn dich, kan und mag hertz lieb erfrewen mich. LXIIII. 1. Ich sach mir für einem walde, ein feins hirschlein stan, Es lies sich bedüncken gar balde, wo es sein narung möcht han, Es lieff schnell uber ein brücken, es meint es solt jhm gelücken, ob es möcht finden sein speis, sucht das hirschlein mit gantzem fleis. 2. Der jäger mit seinen hunden, der eilet den spürlin nach, Schafft alles des kleffers munde, das ich dich meiden mus. Zu dir wil ich bald kommen, du zarte, du schöne, du fromme, wo es könt und möcht gesein, ach feins megdelein bey dir allein. 3. Ein fälcklein außerkoren, ich bit vergis nit mein, Mein dienst hab ich dir geschworen, zu der zeit wenn du bist mein. Du machst mir vil zu schaffen, da stund das megdlein unnd lachet, Gott grüsse dich megdlein fein, ey was machestu hie allein. 4. Sag mir du stoltzer jäger, wie es dir nechten ergieng. Einer hinden hat ich gestellet, ein stoltzes hirschlein ich fieng. Es warff sich im netzlein herumbher, es deucht sich je lenger je thummer, ich stach dem hirschlein ein loch, ey den schaden tregt es noch. 5. Ich bit dich gantz inniglich, meins hertzen ein innigkeit, Du wölst dich tugentlich bewaren eine kleine zeit. Zu dienen und auch zu rahten, von dem megdlein wil ich nit lassen, ich wil dir dienen nach aller deiner ehr, ach feins megdelein was wiltu mehr. 6. Das megdlein an der zinnen lag, sie sah zum fenster hinaus, Aus rechter lieb und trewe, warff sie mir zwei krentzelein raus. Das eine war von feyel, das ander von grünem klee, sol ich dich feins lieb meiden, meinem hertzen dem geschicht gros wehe. 7. Ach scheiden immer scheiden, und wer hat dich erdacht, Du hast mir mein junges hertze, aus freuden in trawren gebracht. Du hast mir mein junges hertze, gebracht in schwere pein, was ich dis jahr gefreyet hab, ey das führt mir ein ander heim. LXV. 1. Ach mutter liebste mutter mein, sprach sich ein zartes jungfrewlein, vor leid ich nit kan leben, Wenn ich an die studenten gedencke, jr schöne mein junges hertz bekrenckt, jnen hab ich mich ergeben. 2. Die mutter sprach, ach töchterlein, du solt derhalben nicht trawrig sein, was sol dir ein studente, Ich wil dir einen kauffman geben, mit dem magstu in freuden leben, die studenten sind ohn rendte. 3. Das megdlein sich nit lang bedacht, bald sie wider zu der mutter sprach, ewer rede bringt mir schmertzen, Der kauffman solt mich mit frieden lan, ich wil und mus einen studenten han, das rede ich euch von hertzen. 4. Ich achte keine reiche tag, oder viel geld, der studente mir besser gefelt, niemand sol mich abwenden, Wol von der ehrlichen brüderschafft, die allenthalben wird gros geacht, in allen landen und stetten. 5. Ich bin nimmer gewesen hold, einem pflastertreter oder trunkenbold, der da nichts hat gelernet, Er sol ein freyer studente sein, dem wil ich vertrawen die ehre mein, der da was hat gestudieret. 6. Der studenten weise gefelt mir wol, denn sie sind aller ehren vol, mit zucht sind sie gezieret, Darneben sie viel tugent han, manchfalt ubertrifft jre gestalt, den ruhm mus man jn geben. 7. Ach wenn sie kommen spatzieren daher, so leuchten sie als der morgenstern, wem thun sie doch nit gefallen, Wem ist nit lieb jr lauten schlan, wenn sie daher modieren gan, mit seytenspiel und schalle? 8. Den studenten geb ich allein den preis, jnen singe ich lob mit allem fleis, sie füren ein zartes leben, Bey den studenten ist gut sein, mit worten können sie schertzen fein, lieblich und freundlich reden. 9. Alde kauffman zu guter nacht, deiner bit man gar wenig acht, meiner darffstu nit warten, Frisch auff jr von der feder gut, nach euch steht all mein sinn und mut, nach euch ich allzeit trachte. 10. Die uns dis liedlein new gesang, eines goldschmids tochter ist sie genandt, sie hats so wol gesungen. Sie helt die studenten in grosser acht, alle guten gesellen doch unveracht, und ist jr wol gelungen. LXVI. 1. Schein uns du liebe sonne, gib uns ein hellen schein, Schein uns zwey lieb zusammen, ey die gerne bey einander wollen sein. 2. Dort ferne auff jenem berge, leit sich ein kalter schnee, Der schnee kan nicht zu schmelzen, denn Gottes wille der mus ergehn. 3. Gottes wille der ist ergangen, zu schmoltzen (so) ist uns der schnee, Gott gesegne euch vater und mutter, ich sehe euch nimmermehr. 4. Dort niden in jenem holtze, leit sich ein mülen stoltz, Sie malet uns alle morgen, das silber, das rote gold. 5. Dort niden in jenem grunde, schwemmet sich ein hirschlein fein, Was fürt es in seim munde, von gold ein ringelein. 6. Hett ich des goldes ein stücke, zu einem ringelein, Meinem bulen wolt ichs schicken, zu einem gold fingerlein. 7. Was schickt sie mir denn wieder, von perlen ein krentzelein, Sihe da du feiner ritter, dabey gedenck du mein. LXVII. 1. Schöns lieb möcht ich bey dir gesein, nichts liebers wolt ich begeren, Es brecht gros freud dem hertzen mein, mit dir in freuden zu leben. Heimlich und still, das wer mein wil, dir dienen zu wolgefallen. 2. Hertzliebster gesell auff deine wort, weis ich dir kein antwort zu geben, Es zimpt sich nicht an diesem ort, mit dir in freude zu leben. Es brecht gros gefehr, meiner zucht und ehr, dir dienen zu wolgefallen. 3. Die jungfraw was so wol gemut, sie küst jhn auff sein mündlein rot. Lob ehr und zucht, du edle frucht, du bringest mir freud und wonne. 4. Das liedlein sey der hertz allerliebsten erdacht, sey dir zur letzt gesungen. Alde, alde zu guter nacht, hüt dich vor falschen zungen. Drumb bit ich dich, du wöllest mich, lieb haben für die andern alle. LXVIII. 1. Deine gesund, meine freude du mein einiger trost, du mein einiges blut. Von dir wend ich nit meine trew, las dichs schöns lieb nicht gerewen. 2. Was du mir für freundschafft hast gethan, aus deiner demut und höchster kron, sol unvergessen sein. Was ich dir nit bezalen kan, wöllestu mich nicht entgelten lan. 3. Kein mangel noch gebrechen spür ich an dir, du bist meins hertzens eine schöne zier, ich weis dir keines gleichen. Von der scheitel an, bis auff die sohl, bistu schöns lieb gezieret wol. 4. Rosenfarb seind die wenglein dein, also dich gott geschaffen hat, dein mündlein rosenfarb. Schwartz braun klar sind die euglein dein, sie leuchten wie karfunckelstein. 5. Es seind der viel die mich hassen thun, sie meinen ich sol von dir abelon, ist alles der kleffer schuld. Wo ich es thet, stürb ich vor leid, las es nicht geschehen meine höchste freud. 6. Selig ist der tag und auch die stund, da du feines lieb mein wurdest kundt, niemand scheidet mich von dir. Allein der todt auff dieser erd, der hoffnung sey von mir gewerdt. 7. Erharre noch ein jar und auch nicht mehr, Gott weis wie sich das glück verkehrt, dein sol unvergessen sein. Geschicht es nicht, so seis verlorn, meine trew die hab ich dir geschworn. LXIX. 1. Ich reit einmal zu Braunschweig an, da fand ich geschrieben uberall, wie ein braunes megdelein wer. Zu Braunschweig steht ein hohes haus, da ich so gerne were. 2. So bald ich kam wol für das haus, da sach das megdlein zum fenster aus, mit jhren braun eugelin klare. Ein solches brauns (so) megdlein mus ich haben, es kost mir was es wölle. 3. Sie sach mich uber ein achsel an, sie sprach du bist kein edelman, du bist nicht meines gleichen, Ich wil doch haben ein edelman, ein hübschen und seuberlichen. 4. Schöns megdlein las mich ungeschmecht, ich bin meins Guts ein freyer held, mir wird wol meines gleichen. Ein reicher kauffman wird wol arm, ein armer wird wol reiche. 5. Geselle jhr solt es recht verstahn, all wo jr wolt da solt jhr mich han, in einem rosengarten. Da wil ich sein die liebste dein, da wil ich deiner warten. 6. Schöns megdlein hab ein freien mut, ich gieng mit dir bis in den todt, das ich deiner nimmer vergesse, Und alles was ich auf erden hab, das sol dein eigen werden. 7. Geselle hab ein guten mut, unser sach wird noch wol werden gut, las es uns nur beginnen, Wir müssen morgen ehe der tag angeht, scheiden umb der kleffer willen. 8. Der uns dis liedlein erst erdacht, durch lieb ist er in trawren bracht, umb einer jungfrawen willen. Ach möcht ich noch einmal bei jhr sein, jhr trawren wolt ich stillen. Lieb haben war mir offt beschert, Geldt außgeben hat mirs erwehrt. LXX. 1. Vor lieb brennt mir mein hertz im leib, ich rede dir feins megdlein, das du mir die liebste bist. Ich rede es dir in der warheit, die liebste soltu mir sein, von hertzen wil ich dich lieb haben, aber nemen mag ich dich nicht. 2. Und wiltu mich wol lieb haben, aber nemen wiltu mich nicht, so tregstu eine falsche liebe zu mir, das red ich sicherlich. Darbey ich kan gedencken, das es alles erlogen sey, jr redet mir viel der guten wort, aus einem falschen schein. 3. Nun höre du feines megdelein, die kläffer haben mich verführt, auff mich soltu harren thun, ob es kem das ich dich nem. So bit ich dich feins megdelein, erharre mein noch ein jar, ist es sache das ich dich nemen wil, das soltu werden gewar. 4. Solte ich dir noch ein jar erharren, ein jar wer bald dahin, so möcht dir ein ander megdelein, gefallen in deinen sinn. Dein untrew möcht mich treffen, den schaden müst ich han, so wil ich mich feiner geselle, auff dich nicht mehr verlan. 5. Nun hör du feines megdelein, da ich ein stehten bulen hatte, die megdlein reden offt der guten wort, sie meinen es gar selten gut. Ich legt mich hart gefangen an eines megdleins brust, ich bin jr noch nit entgangen, ich wünsch jhr freud und lust. 6. Ach jr gesellen jr treibt viel spöttlicher wort, aus einem ubermut, die federn könt jr schmücken, und stecken sie auff den hut. Die wörtlein könt jhr streichen, und reden selten war, wenn ich euch dabey liesse, jr betrübt mich manch jar. 7. Ich meint ich were die liebste, das bin ich warlich nit, das klage ich Christ von himmel, der alle ding wol weis. So wil ich mir ein kappen schneiden, und hengen zwo schellen an, und wil umb deinet willen, wol auff der gassen gan. 8. Ach jr gesellen jhr könt wol wenden den mantel nach dem wind, jr seid mir viel zu behende, und macht mich mit sehenden augen blind. Ach hoffnung immer hoffnung, das hab ich mich offt erwehrt, ich hab dich offt gefunden, auff einem fahlen pferd. 9. Dort ferne auff einem berge, da malet ein narrenrad, das treibt nichts denn liebe, den tag und auch die nacht. Das rad ist gantz zerbrochen, die liebe hat ein end, fahr hin du guter geselle, ich frey noch wo ich wil. LXXI. 1. Hertzliebstes bild, beweis dich mild, mit deiner liebe und gunst gegen mir, Desgleichen wil ich, wenn ich dich hab, nach lust und wuntsch meines hertzen gier, erwehlen für all in diesem thal, mit reichem schall, frew ich mich dein in ehren. 2. Feins lieb du solt han, auff aller bahn, für andern allen von mir den preis, In diesem reich lebt nicht deinsgleichen, mit allem thun, zucht, berd und weis, dafür dich acht, mein hertze lacht, und stets betracht, mir freud mit dir zu mehren. 3. Zu dir ich mich freundlich versich, dein hertz mir gantz mit trewen sey, Dieweil du gar, ohn alle gefahr mich findest auch gerecht und frey, ohn alle umbstend, von dir nicht wend, bis an mein end, das thu ich dir gewehren. LXXII. 1. Nun grüsse dich gott mein feines lieb, ich bin dir hold von hertzen, Denn du bist gar ein jungfraw fein, mit schimff und auch mit schertzen. Ach glimpff und fug, zart jungfraw klug, ist dir gantz angeboren, derhalb denn ich von hertzen sprich, in ehren thust uns alle freude mehren, in ehren thust uns alle freude mehren. 2. Mit singen bistu hoch gepreist, fraw Clio mus dir weichen, Deine liebliche zucht das auch beweist, darin niemand vergleichen. Thut dir fürwar, zart jungfraw klar, darumb ist es nun verloren, du bist die recht, Apollo geschlecht, in ehren thustu uns alle freude mehren in ehren thustu uns alle freude mehren. 3. Freundlich geberde zu aller frist, thustu jederman erzeigen, Selig fürwar der jüngling ist, den du wirst han zu eigen. Denn wol behüt, zart jungfraw gut, für alle bistu außerkoren, ich wüntsch dir glück, für alle böse tück, in ehren, ja alle deine tage verzehren, in ehren, ja alle deine tage verzehren. LXXIII. 1. Ein A freundlich, schön und lieblich, habe ich erwelt, mir zugestellt, mit jhr mein leben zu enden, Das hat gehört an einem ort, der kläffer los, an ehren blos, der wils uns beiden wenden. Sein klaff hat gemacht, zu wege bracht, das ich mein A mus meiden, das bringt mir hertzliches leiden. 2. Klaff wie du wilt, gegen mir nichts gilt, die tugentsam, von edlem stam, hat mir mein hertz besessen, Sey wo ich sey, wohn ich jr bey, mein mut und sinn steht gen jr hin ich kan jr nicht vergessen. Mein freundlich grus, mit worten süs, thu ich jhr allzeit schicken, mein hertz thut sie erquicken. 3. Ich hoff und wart, der widerfart, zum anblick fein, bey ihr zu sein, mich an jr seiten zu setzen, Ihr roter mund, macht mich gesundt, meines hertzen lust, jhr weisse brust, wird mich alles leids ergetzen. Denn werden wir, nach beider gier, in freud und wonne schweben, dieweil wir haben das leben. LXXIIII. 1. Ich rew und klag, das ich meine tag nichts liebers habe verloren, Nach dem ich mir, zu freude und gier, ein lieb hab außerkoren. Das mich so hoch, alle stund und noch, mit schmertzen thut bekrencken, erbarm dich hart, ich beit und wart, bis mein glück thut her lenken. 2. Denn unfals gros, in freuden blos, hat mich mit leid umbgeben. Mit seiner macht, in trübsal bracht, und trawren auch darneben. Das ich nun die, mein hertz je, zum höchsten thut erfrewen, erst solt verlan, wie wirds jr gan, mein heimfart thut mich rewen. 3. Dadurch mein hertz, tregt weh und schmertz, las dich mein leid erbarmen. Und denke doch, der trew dienst und mühe, des dieners dein viel armen. Bit ich dich, von hertzen freundlich, du thust mich des gewehren, und wöllest nit, in trewen bit, dein diener thun verkehren. LXXV. 1. Man singet von schönen jungfrawen viel, jhr lob ich allzeit preisen wil, der ich so lang gedienet hab, Ihr ehr, ihr gut, und stolzer mut, hat mir mein hertz besessen. 2. Ich lag einmal in schwerer not, als wer mir mein vater und mutter todt, mein hertz schreit immer waffen. Elend bin ich, elend krenckt mich, elend läst mich nicht schlaffen. 3. Da ich erwacht war alles umsunst, ich was entzünt in liebes brunst, und leid darzu gros schmertzen; In derselben nacht, lag ich und tracht, als lege sie an meinem hertzen. 4. Wie möcht ich nur mehr frölich sein, denn sehen die allerliebste mein, ja die liebste auff dieser erden, Die ich jtzt han, die ist mein kron, kein liebere sol mir werden. 5. Wie möcht ich nur elender sein, denn ich scheide von der allerliebsten mein, jetzund auff dieser erden, Das sol nicht sein, ich hoffe die rein, sol mir dennoch werden. LXXVI. 1. Ach jungfraw sol ich mit euch gan, in ewren rosengarten, Und da die hübschen blümlein stahn, die hübschen und die zarten, Und auch ein baum der blüth, von ästen ist er weis, und auch ein kalter brunne, der darunter fleust. 2. Der garten ist gezieret, mit blümlein mancherley, Darinne da geht spazieren, ein hübsches jungfrewelein, Ich dorfft nit umb sie werben, es war mein eigen schuld, vil lieber wolt ich sterben ehe ich verlür jr huld. 3. In meinen garten komstu nicht, an diesem morgen frü, Den gartenschlüssel findestu nicht, er ist verborgen hie, Er ist so hart verschlossen, und ligt in guter hut, der geselle bedarff guter lehre, der mir mein würtzgertlein auffthut. 4. Ich kam zu jr in garten, wie manch gut geselle mehr thut, Da stund dasselbige frewelein, so gar in guter hut, Sie sang aus heller stimme, das in dem wald erschal, die vögelein in den lüfften, die gaben den widerschal. 5. Ich kam zu jr in garten, wie manch gut gesell mehr thut, Ich wolt sie haben gebeten, ich both jr meinen grus, Ich ward zu einem stummen, vor scham da stund ich rot, bey allen meinen tagen, leid ich nie grösser not. 6. Ach geselle darumb du mich gebeten hast, das kan und mag nit sein, Du würdest mir zertreten thun, die liebsten blümlein mein, Nun kehr du dich widerumb und geh du wider heim, du brechtest mich zu schande, der schad wer mir nicht klein. 7. Da kehrt ich mich widerumme, und gieng wider heim, Da stund dasselbige frewlein in jrem garten allein, Sie strelet jr gelbes haare, von golde hat es eine farbe, mit jrem roten mund, sie mir den segen gabe. LXXVII. 1. Mein feins lieb ist von Flandern, und hat einen wankeln mut, Sie gibt einen umb den anderen, das thut die leng nit gut. Doch bin ich stets, jr aller wolgemut, ich wüntsch jr alles gut. 2. Mein feins lieb wolt mich leren, wie ich mich halten solt, In züchten und in ehren, fürwar ich bin jr hold, Hold bin ich jhr, zu jhr steht mein begier, wolt gott ich wer bey jhr. 3. Was sahe ich nechten spate an einem fenster stahn, An einem kammerladen, was hat sie schneeweis an. Was hat sie an jren hemden, von gold ein ringelein, die hertzallerliebste mein. 4. Und wer mein bul ein brünlein kalt, und sprüng aus einem stein, Und were ich denn der grüne walde, mein trawren das wer klein. Grün ist der waldt, das brünlein das ist kalt, mein lieb ist wol gestalt. 5. Was sahe ich in dem grünen waldt, was sahe ich hin und her, Ein blümlein das war wolgestalt, und das mein hertz begert. Grün ist der klee, alde, alde, feines lieb, ich sehe dich nimmermehr. 6. In schwartz wil ich mich kleiden, und lebt ich nur ein jar, Umb meines bulen willen, von der ich urlaub hab. Urlaub hab ich, on alle schulden, ich mus gedulden. 7. Der uns dis liedlein new gesang, so wol gesungen hat, Das hat gethan ein guter gesel, an einem abend spat. Er hats so frey gesungen aus frischem freyem mut, ich wünsch jr alles gut. Der ist nicht ehrenwerth, der gelt von seinem bulen begert; narren und frawen geschirre, machen die gantze welt irre. LXXVIII. 1. Der mond der scheint so helle, zu liebes fensterlein ein, Wo nu zwey liebe bey einander sein, die scheiden sich bald von hier. 2. Der wechter an der zinnen stund, hub an ein lied und sang, Du solt zu meinem herren kommen, und machen jm die weile nit lang. 3. Zu deinem herren komme ich nicht, er ist mir ja nicht hold, Ich habe zu lang geschlaffen, bey seiner jungen frawen stolz. 4. Hastu so lange geschlaffen, bey seiner jungen frawen stolz, So soltu morgen hangen? ein galgen ist dir bereit. 5. Warumb sol ich morgen hangen? ich bin doch ja kein dieb, Das hertz in meinem leibe, das hat die frewlein lieb. 6. Und da der hübsche schreiber, zu der hohen thür ausreit, Da begegnet jm ein zimmerman, ein galge war jm bereit. 7. Wie stehestu hie ein galgen, ein schwarzer rabenzweig, Ach sol darinnen verzehren, mein feiner junger leib. 8. Und da der hübsche schreiber, die erste sprossen auftrat, Er sprach jhr sieben landes herren, gebet mir eines wortes macht. 9. Ob dar ein frewlein keme, wol für euer betlein stahn, Wolt jr sie hertzen und küssen, oder wolt jhr sie lassen gahn? 10. Zu hand sprach sich ein alt greise, ein alter greis grawer man, Ich wolt sie hertzen und küssen, und schliessen in meine weisse arm. 11. Und als der hübsche schreiber, die letzte sprosse aufftrat, Da stund des jungen marggraffen weib, und sehr für den schreiber bat. 12. Nun steig herab mein schreiber, und friste deinen jungen leib, Für dich so hat gebeten des jungen marggraffen weib. 13. Und hat für mich gebethen des jungen marggraffen sein weib, So sterke sie got von himmel, und friste jren jungen leib. LXXIX. 1. Ach gott wem soll ich klagen mein leide, das mir mein junges hertz gefangen leit, und wil mir nicht gelingen, hett mir ein feins megdlein ausßerkorn, ein ander thut mich verdringen. 2. Ich hatte sie lieb, ich hielte sie wert, und thet alles was jr junges hertz begert, in züchten und in ehren, noch hat sie einen andern viel lieber denn mich, sie wil mich gantz ubergeben. 3. Was hilfft dich lieb die arge list, das du so gar vol aller untrew bist, mich wundert aus dermassen, dz du hertzlieb sobald dein reden in den wind hast faren lassen. 4. Untrew offt seinen herren schlegt, welches dir auch widerfaren möcht, dz rede ich auff mein trewe, ich wil noch wol erleben die zeit, dz dich solches sol sehr gerewen. 5. Hett ich dein untrew vor lengst erkend, mein hertz hett sich von dir gewend, du hast mir vorgelogen, ich sehe es an deinen braun äuglein klar, du hast jhr wol mehr betrogen. 6. Wer sich auff einen dornstrauch setzt, und auff ein junges megdlein verlest, ein blinder thut jn führen, kompt er des unbetrogen darvon, so mag er sich des wol rühmen. 7. Darauff gebt acht jhr jungen knaben, die jhr die megdlin lieb thut haben, last sie euch nicht betriegen, wenn sie euch geben gute wort, so thun sie am sehrsten liegen. LXXX. 1. Wie möcht ich frölich werden, kein freud noch lieb wird mir mehr zu theil, Elend bin ich auff erden, verlorn hab ich all mein trost und heil; Das klag offt und viele, schafft das ich gantz elend bin, mir geliebt keine freude noch spiele, betrübt ist mir mein hertz mut und sinn. 2. Mein wehklag mehrt sich mit schmertzen, teglich mit gantzer macht, Vertreibt mir freud und schertzen, bey tag und auch bey nacht. Wenn ich hertzlieb an dich gedenck, kompt mir viel schmertz und pein, elend das thut mich krencken, geschicht alles durch dich hertz allerliebste mein. 3. Hab urlaub freud und wonne, gros schmertze mich umfangen hat, Mir scheint nit mehr die sonne, betrübt bin ich frü und spat; Mir wird nit bas auff erden, bis in das grabe mein, mit zucht weis und geberden, ich sehe denn dich hertz allerliebste mein. LXXXI. 1. Frölich bin ich aus hertzen grund, so du schöns lieb bist frisch und gesund, frewt sich mein junges hertz. Wenn dirs wol ging zu aller zeit, wer mir hertz lieb ein grosse freud. 2. So dirs aber nicht gehet wol, machstu mir mein hertz trawrens vol, und krenckst mir mein gemüt. Und wo dir mein trost behülfflich wer, glaub mir kein weg wer mir zu schwer! 3. In trewen ich dich hertzlieb mein, auff erden mus mir kein liebere sein, neig dich freundlich zu mir. Sprich mir von hertzen freundlich zu, so wird mein hertz gestelt zu ruh. 4. Geschicht es nicht, so gerewts mich, das ichs gemeint hab so hertzlich, gegen dir schöns lieb allzeit. Mein hoffnung sey dir heimgestelt, eins bit ich dich so dirs gefelt. 5. Beut mir deine schneeweisse hand, mein hertz geb ich dir zu pfand, das ich dich hertzlich lieb. So du feins lieb mir bist beschert, wil ich dich halten lieb und wert. 6. Schöns lieb die hoffnung zu mir hab, las mich von dir nicht scheiden ab, glaub du den kleffern nit. Sie reden viel aus has und neid, ich bit dich solche gesellen meid. 7. Wirstu falsche zungen meiden, sol uns schöns lieb niemands scheiden, sie reden was sie wöllen. Und wenn mirs gleich mein freundschafft wolt wehren, würde ich mich wenig daran kehren. 8. Mein hertz dir ist gantz offenbar, glaub mir schöns lieb, denn es ist war, was ich jetzt singen thu. Ist dein gemüt wie ich gern wolt, so bist du mir von hertzen hold. 9. Kein auff erden mir bas gefallen thut, du bist mein hertz und einiges blut, dein eigen ich wil sein, Und dir beistehen in angst und not, bis mich von dir scheidet der todt. 10. Glaub mir schöns lieb bis unverzagt, die warheit hab ich dir gesagt, und dir mein hertz bekandt. Ich kann dir geben keine schuldt, wen ich gleich jetzundt sterben solt. 11. Hertzlieb ich bit dich freundlich, erzeig dich gegen mir hertzlich, thu mir auch offenbaren. Dein hertz und gemüt mir nit verhalt, so du wilt erfrewestu mich halt. 12. Also beschleust mein junges hertz, halt es schönes lieb für keinen schertz, ich habs gedicht mit fleis. Ohn aller menschen hülff und rath, bewar dich Gott. LXXXII. 1. Wo sol ich hin, wo sol ich her, wo sol ich mich hin keren, Ach Gott mein herr send mir dein hilff, und thu mich weisen und lehren. Ich bin entzündt, mein hertz das brint, ich kann nit frölich werden, das schafft die aller schönste mein, die ich hab auf dieser erden. 2. Von edler art ein frewlein zart, hat mir mein hertz besessen, Ir zucht und ehr, erfrewt mich sehr, ich kann jr nit vergessen. Ir schöne zier, erfrewet mich, sie geliebet mir in dem hertzen, wenn ich sie ansich, so erfrewt sie mich, so benimpt sie mir all mein schmertzen. 3. Ich bin bereit, in stetigkeit, in jrem dienste zu bleiben, Keine falschen zungen auff erden nit sein, die mich von jr sollen treiben. Ir angesicht erfrewet mich, sie geliebet mir vor andern allen, das ist mein biet, verschmeh mich nit, last euch meinen dienst gefallen. 4. Ich weis nit mehr, Gott bewar dein ehr, vor allen falschen zungen, Der falschen kleffer sein so viel, sie schaffen nicht viel frommen. Viel glück und heil, das wünsch ich dir, das wüntsche ich dir von hertzen, Gott spar dich gesund, zu aller stund, das dir nit misselinge. LXXXIII. 1. Ich armer man, was hab ich gethan, ein weib hab ich genommen, Hett ich es unter wegen gelan, ich wers noch wol bekommen. So offt als mich gerewet hat, das köndt jr wol ermessen, mit jr mus ich in hader stahn, zum beth und auch zum essen. 2. Wenn ich des nachts schlaffen wil gahn, freundlich mit jr wil schertzen, Mit mir fengt sie ein hader an, dz bringt meim hertzen schmertzen. Spreche ich zu jr, ruck her zu mir, sie thut als sey sie entschlaffen, wil ich ein freundschafft von jr han, gar tewer mus ichs kauffen. 3. Den kauff treib ich offt im jahr, damit bleib ich bei hulden, Mit meiner frawen und ich fürwar, die finger mus ich jr vergulden. Viel ketten, schauben wil sie haben merckt auff jr jungen knaben, also geschicht einem alten man, der ein junges weib wil haben. LXXXIIII. 1. Es fuhr, es fuhr, ein bawer ins holz, alle, alle, mit seinem weglein stolz. 2. Was begegnet jm auff dem wege, alle, alle, sein weinend töchterlein. 3. Wer hat dir leids gethan, alle, alle, wer hat dir leids gethan. 4. Das haben die freyen studenten gethan, alle, alle, die nachts auff der gassen gahn. 5. So nehm du einen mülenstein, alle, alle, und wirff jn in den Rhein. 6. Und schwimmet er den empor, alle, alle, so mus es ein kneblein sein. 7. Der mus wol lernen schreiben, alle, alle, seinem bulen ein brieffelein. 8. Und sincket er denn zu grunde, alle, alle, so mus es ein megdlein sein. 9. Die mus wol lernen nehen, alle, alle, jrem bulen ein hembdelein. 10. Wer ist der uns dis liedlein erdacht, alle, alle, er hats gantz wol gemacht. 11. Das haben, das haben, das haben die freyen studenten gethan, alle, alle, die des nachts gassaten gahn. LXXXV. Ein Lied von den Trinkern. 1. Ach du lieber stalbruder mein, krauseminte, las dir das gleßlein befohlen sein, salveie, poleye, die blümlein an der heiden, krauseminte. 2. Er setzt das gleßlein für den mund, krauseminte, er tranck es aus bis auff den grund, salveye, poleye, die blümlein an der heyden, krauseminte. 3. Er hat sein dingen recht gethan, krauseminte, das unterst das sol oben stahn, salveye, poleye, die blümlein an der heyden, krauseminte. 4. Ach du mein lieber stalbruder mein, wisch ein mal herumb rumb, rumb, widerumb, ich bitt dich alle meine tage drumb, wisch einmal herumb. LXXXVI. 1. Hertz einiger trost auff erden, verlangen thust dem jungen hertzen mein, Verdrungen sol ich werden, das thut der liebe hertzlich wehe. Seind das bin ich gescheiden von deinen braun äuglein klar, ein böses kraut hat mich verdrungen gar. 2. Dein kan ich nit vergessen. hertz allerliebste mein, Mit lieb bin ich besessen, das schafft feins lieb dein rotes mündelein. Das gegen mir freundlich thut lachen, und beut mir ein freundlichen grus, ich hoff all mein trew und zuversicht, ist noch nicht gar umb sunst. 3. Das megdlein war betrübet sehre, wol umb das junge kneblein fein Sie kund kaum reden mehre, dz bracht jrem hertzen schwere pein. Fahr hin das dich der liebe Gott behüt, du krenckest mir hertz mut und sinn, und nimpst mir das junge hertze mein. 4. Das liedlein sey euch gesungen, wol von dem feinen braunen megdlein, Ich bin von jr verdrungen, das kan und mag nit anders gesein. Damit so hab ich jrer gedacht. so wüntsch ich jr viel tausent guter nacht. LXXXVII. 1. Mit kummer schwer, hat mich so sehr, gar gros unglück umbgeben, Was ich begin, hat keinen sinn, thut mir alles widerstehn. Es gehet vergebens, recht wie der krebs, und hat kein sinn, wo ichs wend hin, mich wundert das ich noch frölich bin. 2. Wenn ich vertraw, und darauff baw, in nöten mich zuverlassen, Die seind so geschwind, wie ich befind, mit untrew über massen. Mein grosse unschuldt, mit schmertzen ichs duld, es kompt ein zeit, die mir freude geit, wer weis wo mein glück noch steht. 3. Es hat wol ehe so sehr geregnet, darnach so scheint die sonne, Darumb ich nit vil darauff achten, glück kan noch wider kommen, Ob ich gleich jetzt, im unfal sitz, was ligt mir daran, der mir das nit gan, der mus die gefahr noch selber bestahn. LXXXVIII. 1. Mit lieb bin ich umbfangen, hertz allerliebste mein, Nach dir steht mein verlangen, wenn es nur könt gesein. Könt ich dein gunst erwerben, kem ich aus grosser not, viel lieber wolt ich sterben, und wüntschen mir selber den todt. 2. Hertz lieb gedenck an die trewe, die du mir verheissen hast, Und las dichs nit gerewen, stetigs ohn unterlas. Dein trew hastu mir versprochen, in rechter stetigkeit, es bleibt selten ungerochen, feins lieb nit von mir scheid. 3. Wie sol ich von dir lassen, es kost mir meinen leib, Darzu zwingt mich ohn massen, das ich nit von dir scheid. Deiner hab ich mich ergeben in rechter stetigkeit, dieweil ich hab das leben, hertzlieb vergis nit mein. 4. Junger geselle las dein werben, du erwirbest meiner nit, Woltestu gleich darumb sterben, es ist vergebens gewis, Hastu mich lieb im hertzen, da weis ich wenig umb, es ist fürwar mein schertzen, las ab es ist umb sunst. 5. Amarosa Violena, hast mir mein hertz verwund, Mein hertz geb ich dir zu eigen, es trawret zu aller stund. Kem ich aus deinen augen, ich keme aus deinem sinn, dein untrew hab ich gespüret, und bins geworden in. 6. Alde feins lieb zu guter nacht, nun spar dich Gott gesund, Das megdlein sich gar bald bedacht, küst jhn auff seinen mund. Und mustu von mir scheiden, thut mir im hertzen wehe, vor leid so mus ich sterben, und ist mir doch nit wehe. 7. Ach Gott wem sol ichs klagen, das ich kein trost mehr hab. Mein hertz wil mir verzagen, und kan nit lassen ab. Von der ich bin betrogen, die ich mit trewen meint, ein ander hat sie erkoren, und ist mir worden feind. LXXXIX. 1. Es war ein wacker megdlein wol gethan, sie gieng für jres vaters zimmer stahn. sie sah daraus, sie sah dahere reiten, jres hertzen ein trost. 2. Ach megdlein an der wonne, wie salbet euch die sonne, das jr seid worden bleich, hat euch ein ander viel lieber denn ich, das rewet mich. 3. Warumb solt ich nicht werden bleich, ich trag alle tag gros hertzeleid, liebe umb dich, das du mich verkiesen wilt, das rewet mich. 4. Warumb solt ich dich verkiesen, ich hab dich noch viel lieber, denn alle freunde mein, ach megdlein las dein sorgen, und folge du mir. 5. Worinne gieng sie jhm entgegen, in einem seiden hembdlein, was wohl genehet, das was so fein, darin gieng sie geschnieret, das wacker megdlein. 6. Er nahm sie bey jrer schneeweissen hand, er fürt sie durch den grüne wald, da bracht er jr ein zweig, sie küsset jhn auff seinen roten mund, das wacker megdlein. 7. Und da es kam zur halben mitternacht, der gute held wolt urlaub von der schönen magd han, der gute held, die trewe die er dir gelobet, die hielte er nicht. 8. Und were ich weisser denn ein schwan, ich wolt mich schwingen uber berg und tieffen thal, und faren uber den Rhein, und wüsten das alle die freunde mein, sie singen ein liedlein. Schönst lieb halt veste, wie der baum sein este, Ich las von der liebe nicht abe, man trag mich denn hin zum grabe. XC. 1. Ich habe so lange gestanden, ich stund in sorgen gros, ich meint du hest meiner vergessen, und nicht an mich gedacht. 2. Wie sol ich deiner vergessen, mein trost und zuversicht, dieweil ich hab das leben, wil ich gedencken an dich. 3. Dein diener wil ich bleiben, bis an das ende mein, für dich so wil ich sterben, und leiden schwere pein. 4. Da ich sie erst erkandte, truckt sie an meine brust, da empfieng ich viel freud und wonne, nach all meins hertzen lust. 5. Schöns lieb du wilst auffschließen, das junge hertze dein, du wöllest auch erkennen, hertz mut und sinne mein. 6. Mein hertz wil ich dir auffschließen, zu einem rosengertelein, darin soltu spacieren, nach all dem willen dein. 7. Sie kam daher geritten, nach aller jungfrewlein art, von gold tregt sie ein krone, nach adelicher art. 8. Venus du hast verwundet, das junge hertze mein, und sol ich darumb sterben, und leiden grosse pein. 9. Sie wandte sich zu mir herumme, bot mir ein freundlichen grus, adelich bistu gezieret, von der scheitel bis auff den fuß. 10. Sein rößlein wand er herumme, das rößlein thet ein sprung, wir zwey müssen uns scheiden, nu spar dich Gott gesundt. 11. Und scheid ich mit dem leibe, so bleibt das hertz bey dir, daran soltu gedencken, du adeliche zier. 12. Wenn ich an sie gedencke, mein hertz das thut mir weh, und krenckt all mein sinne, das ich sie nit mehr sehe. 13. Dis liedlein sey dir gesungen, zu tausent guter nacht, zu leid der kläffer zungen, sey dir dis lied gemacht. XCI. 1. Von rechter schöner und lieblicher art, mein allerschönste geboren ward, von tugend reich und schönem geberd, darumb ist sie auch lobenswert, dis ist also, darff sagen ja, züchtig in allen dingen, kein lieblicher gestalt, möcht jemands bald, auff dieser erd kaum finden. 2. Recht wil ich sie mit singen preisen, ir zucht thut sie mir beweisen, freundlich in ehren zeigt sie sich, des mus ich allzeit erfrewen mich, sey wo ich wöll, kein lieber sol, im hertzen mir gefallen, wiewol jr sein, die ich nit mein, du liebst mir ob jn allen. 3. Schöner ist hie auff dieser welt, kein weib das mir so wol gefelt, wenn sie gleich wer die Helena, die man weit rühmt, von Troia, doch mag sie dir, mit schöner zier, nicht wol sein zuvergleichen, derhalb ich, glaub sicherlich, von dir nimmer wil ich weichen. 4. Und ob ich gleich weit von dir bin, so hab ich doch ein steten sinn, mein hertz ist allzeit mehr bey dir, das macht ein grosse freude mir, doch wenn ich gedencke, mich das erst krencket! das ich die schönste mus meiden, kompt glück ohn alle tück, bringt uns gut zeit mit freuden. XCII. 1. Ich bin schabab, mir ist nit gach, ich hoff mein sach sol werden gut, Wolauff glück, wenn es sich schickt, so halt die recht und wol in hut. Ir untrew tück, ist mein glück, recht wie sie wil, so geb ich nit viel, auff jren neid, wie das sich geit, ich werd es mit meinem schaden gescheid, wer weis wie lang mich der unfal reit. 2. Sie sprach zu mir, hab urlaub dir, ich wil dein fürbas haben rath, Wer fraget darnach, mir ist nil gach, ich weis wol wie viel es geschlagen hat. Es ist am tag, das sie meiner nit mag, ich armer knecht, bin jr vil zu schlecht, wenn ich sie bit, so geweret sie mich nicht, wer sie gescheid, sie thet mirs nit, schütt sie der ritt, wenn ich sie darumb bitt. 3. Frisch und kurzumb, wem ist leid drumm, ob sie mir schon hat urlaub geben, Ich acht kein glanz, und hat ein schantz, es fügt sich wöl, und ist mir eben; Es leit am ort, mach nit vil wort, hast daran gewin, so zeuch mit jr dahin, schaw der dirs freß, ich mein ich treffs, darauff deut ichs, wens mut der rechs, wer es nit erleiden mag, der kom und brechs. XCIII. 1. Ein fauler baum, der verholen steht, so ferrn auff grüner awen, Den ich wol weis, da weren wir wol, bei einer schönen frawen. Den kloben hat sie auffgestelt, sam wolt sie vögelein fangen, da stundt mein feines lieb bracht mich in grosses leid, das narrenseil hat sie mir angeleit, sie meint ich solt daran hangen, sie hett mich schier gefangen. 2. Ir mündlein rot, jr schwartz braun äugelein klar, haben mich zu ihr bezwungen, Die schweren seckel hat sie wunderlieb, ein ander hat mich verdrungen. Damascensch hauben stehn jhr wol an, sie tregt keine schlechte kleider, mit malvasier wil sie gesalbet sein, ich förcht ich mus schabab sein, in lieb und auch in leide, mus ich mich von jr scheiden. 3. So ist es doch ein altes sprichwort war, das kauffleut nit gerne verderben, Die agelester lest von jrem hupffen nit, und solt sie darumb sterben. Darumm macht mir mein feines lieb des narrenspiels so viel, aus jrem falschen hertzen, und wenn ich meine ich hab mein lieb allein, so hat es ein ander mit jhr gemein, krenckt mir mein junges hertz, und bringt mir heimlichen schmertzen. 4. Dis liedlein das ist gesungen schon, von einer schönen frawen, Und welcher freyer schlemmer, der heimlich bulen wil, der darff nicht viel vertrawen. Denn frawen list, verborgen ist, sie seind freundlich im hertzen, sie können weinen, lechlen, pinckeln wenn sie wöllen, und schiessen gar höfflich nach dem ziel, auff beyden achseln tragen, lauff narr sie wird dich jagen. XCIIII. 1. Ein freundliches auge zu mir wencken, nach lust meines hertzen begier, Wenn ich an die schönste gedencke, ach Gott wer ich bey jhr. Ist das nit ein freundlichs leben, hertz, mut, und all mein sinn, die schönste, die ich hab auserlesen, reicher Gott möcht ich bey ihr wesen, sie liebet mich je lenger je mehr. 2. Wie schwer ist all mein leiden, wenn ich nit bey jr bin, Gefangen und gebunden, hat sie das junge hertze mein. Ist das nicht ein freundlichs leben, hertz mut und all mein sinn, die schönste die ich hab auserlesen, in meines hertzen grunde, redt ichs zu aller stunde, ey wie möcht mir das gesein. 3. Kein mensch kan mich nit trösten, wenn ich gantz trawrig bin, Denn mir die hertz allerliebste mein, leit stets in meinem sinn. Sie ist es die ich meine, mein hertz, mut, und sinne, die liebe die ich zu jhr trage, sol kein kleffer erfahren, denn nur die liebste mein. 4. Was achte ich der kleffer zungen, wenn sie mir und dir kein schaden thun, Seit wir uns müssen scheiden, setz deine gedancken darein, Trab ich gleich über die heyde, allzeit wil ich deiner erbeyten, deßgleich thu widerumb gegen mir. XCV. 1. Selig ist der tag, der mir dein liebe verkündiget hat, der liebe Gott hat geholffen mir, hertzallerliebste zu dir. 2. Ich bedancke mich der stund, darzu schöns lieb deinen roten mund, daraus du mir antwort gabest bald, wie es mein junges hertz von dir haben wolt. 3. Mich diese frage nit gerewt, wiewol auch viel sind der bösen leut, die uns solch glück doch gönnen nicht, schad nit schöns lieb, ob mirs und dir auch geschicht. 4. Schön bin ich nicht, das weistu schöns lieb sicherlich, doch seind wir einander von hertzen hold, die liebe geht für silber und rotes gold. 5. So halt dich steht und frey, förcht Gott und bewar dein ehr dabey, bleib from und getrew bey mir, ich wil bald wider kommen zu dir. 6. Ob ich gleich jetzund scheid von dir, und du hertz allerliebste von mir, so weis ich doch das widerkommen macht, das ich und du schöns lieb kein scheiden acht. 7. So halt dich steht und frey, förcht Gott und bewar dein ehr dabey, bis das der liebe Gott schickt die zeit, die mich und dich schöns lieb in ehren zusammen bereit. 8. Und der uns dieses liedlein sang, ein freyer buchdrucker ist ers genandt er hats der allerliebsten zum newen jar gemacht, alde schöns lieb zu tausent guter nacht. XCVI. 1. Vinum quae pars? verstehstu das, ist aus latein gezogen, Ja nun gar wol, ich bin es vol, ist war und nicht erlogen. In dem Donat, der reiffle hat, hab ich es offt gelesen, quod nomen sit, es fehlt sich nit, man trinckt jn aus den glesern. 2. Quale nomen? ich gern vernem, kannstu mir das nit sagen? Dulcissimum, dan umb und umb, thut man nach diesem fragen. Der alt scribent, Bachus genent, hat viel darvon geschrieben, seit ich jn liss, ist mir gewis, kein geldt zu lang geblieben. 3. Cujus nescis, sit generis? der edel safft von reben, Reich mir das glas, mus trincken bas, denn wil ich dir bescheid geben, Neutrius est, der aller best, wilt du die regel haben, nomen in um, quod sit neutrum, all grammatici sagen. 4. Nim glas zu dir, declina mir, vinum, las gschirle sinken, Nominativo, hoc vinum, ist mechtig gut zu trincken. Er lescht den durst, und machet lust, das wir so frölich singen, drumb nun wolan, weidlich daran, thus einer dem andern bringen. 5. Es gilt dir ein, gar gut ichs mein, wie hats in genitivo, Gesegen dirs Gott, ohn allen spott, darnach thu ich auch also. Hujus vini, gesell ich bin, er liebet mir im hertzen, ein guter trunck, macht alle leut jung, vertreibt unmut und schmertzen. 6. In Dativo, huic vino, mus ich viel lob vergehen, Er schmecket mir wol, darumb ich werd vol, weinsgleich hab ich gesehen, Ist wol gefarbt, nach bester art, accusativo, vinum, den trinken wir, lieber denn bier, ist minder wasser in jm. 7. Vocativo, o vinum, was wunder thustu treiben, Wann man dich trinckt, der ein der hinckt auffrecht kan er nicht bleiben. Der ander wil, sitzen beym spiel, der drit wolt gern springen. der vierd der ficht, der fünfft der sticht, der sechst thut nichts denn singen. 8. Ablativo, ab hoc vino wöllen wir auch nit weichen, Bis in die nacht, das mans nicht acht, das wir an wenden schleichen. Welcher gesell, jtzt weiter wöl, vinum aus decliniren, pluraliter, dem bringt man her, ein maß, drey oder viere. XCVII. Der Weltlich Schlemmer. 1. Wo sol ich mich hinkehren, ich tummes brüderlein, Wie sol ich mich erneren, mein gut ist vil zu klein, Als ich ein wesen han, so mus ich bald davon, was ich sol hewer verzehren, das hab ich ferrn verthan. 2. Ich bin zu frü geboren, ja wo ich hewr hinkomm, Mein glück das kümpt erst morgen, hett ich das keyserthumb, Darzu den zoll am Rhein, und wer Venedig mein, so wer es alles verloren, es müst verschlemmet sein. 3. So wil ichs doch nit sparen, und ob ichs alles verzehrt, Und wil darumb nit sorgen, Gott beschert mir morgen mehr. Was hülff es das ich lang spar, vielleicht verleur ichs gar, solt mirs ein dieb austragen, es rewet mich noch ein jar. 4. Ich wil mein gut verprassen mit schlemmen frü und spat, Und wil ein sorgen lassen, dem es zu hertzen gat. Ich nem ein ebenbild, bey manchem thirlein mild, es springt auff grüner heide, Gott behüt jm sein gefild. 5. Ich sich auff breiter heide, viel manches blümlein stahn, Das ist so wol bekleidet, was sorg solt ich denn han, Wie ich gut uberkom ich bin noch frisch und jung, solt mich ein not anlangen, mein hertz weis nit darumb. 6. Kein grösser freud auff erden ist, denn gutes leben han, Mir wird nit mehr zu dieser frist, denn schlemmen umb und an, Darzu ein guter mut, ich reis nicht sehr nach gut, als mancher reicher bürger, nach grossem wucher thut. 7. Der gewint fein gut mit schaben, darzu mit grosser not, Wenn er sein ruh sol haben, so leit er sam wer er todt. So bin ich frisch und jung, Gott verleihe mir viel der stund, Gott behüt mich jungen knaben, das wir (so) kein unmut nich kom. 8. Ich las die vögel sorgen, in diesem winter kalt, Wil uns der wirt nit borgen, mein rock geb ich jm bald, Das wammes auch darzu, ich han weder rast noch ruh, den abend als den morgen, bis das ichs gar verthu. 9. Steck an die schweinen braten, darzu die hüner jung, Darauff wird mir geraten, ein frischer freyer trunck. Trag einher külen wein, und schenck uns tapffer ein, mir ist ein beut geraten, die mus verschlemmet sein. 10. Drey würffel und ein karten, das ist mein wappen frey, Sechs hübscher frewlein zarte, an jeglicher seiten drey. Kom her du schönes weib, du erfrewest mir mein hertz im leib, sol ich heut bei dir schlaffen, mein hertz das wird mir frey. 11. Ich bind mein schwert an die seiten, und mach mich bald darvon. Hab ich denn nit zu reiten, zu fussen mus ich gahn. Es kan nit sein gleich, ich bin nit alweg reich, ich mus der zeit erwarten, bis ich das glück erschleich. XCVIII. Ein new Lied, Der Bettler genandt. 1. Was wöllen wir aber heben an, von einem reichen kargen man, Er hat ein frewlein hübsch und fein, vor dem beschlos er brot und wein, das heyaho. 2. Es begab sich einmal auff ein zeit, das der reiche karge man ausreit, Der reich man was geritten aus, ein bettler kam jm für das haus, das heyaho. 3. Er bat die fraw wol umb ein gab, durch des lieben herrn S. Claus, Ach fraw möcht ich ein almus han, so wolt ich darnach fürbas gahn, das heyaho. 4. Ach bettler du bittest mich umb ein gab, vor mir ist beschlossen wein und brot, Ich bin mein guts ein armes weib, ich theil mit dir mein stolzen leib, das heyaho. 5. Ich weis nit was er jr verhies, das sie den rigel dannen sties, Sie sties den rigel an ein eck, und legt den bettler an jr beth, das heyaho. 6. Die zwey lagen die lange nacht, bis sie bescheint der helle tag, Stand auf betler dann es ist zeit, du ligst ein biderman beim weib, das heyaho. 7. Er zog herfür sein bettelsack, die stücklein waren wolgeschmack, Seh hin mein lieb iss käß und brot, bis das der hunger dir vergaht, das heyaho. 8. Und da der herr zum hoff einreit, die kellerin jm entgegenschreit, Ach herr ich sag euch newe mär, die frau behielt ein betler, das heyaho. 9. Und da der herr zum haus eintrat, lebstu noch oder bistu todt, So leb ich noch, und bin nicht todt, ein betler mich erfrewet hat, das heyaho. 10. Was zog er ab dem gürtel sein, nun seh du lieb die schlüssel dein, Bring mir der gabe keine mehr, fürwar du kömpst umb weibliche ehr, das heyaho. 11. Der uns dis liedlein hat gemacht, als unglück kam jm in den sack, Also geht es eim kargen man, der seinem weib kein gutes gan, das heyaho. XCIX. 1. Ich weis mir ein megdlein hübsch und fein, es hat ein rotes mündelein, damit gibt sie mir so guts wort, die ich mein tag nie hab gehort. Dz ich allein nit bey dir kan seyn, das bringt mir pein im hertzen mein. 2. Sie hat zwey äuglein die sind klar, darzu ein gelb geflochten haar, darzu zwey wänglein die sind rot, die bringen mich offt in grosse not. Das ich dieselbige nicht rühren mag, weder tag noch nacht, bringet mir klag. 3. Sie hat zwey ärmelein die sind blanck, sie machen mir offt mein hertz so kranck, wenn ich an sie gedencken thu, so hat mein hertz weder rast noch ruh. All mein sinn steht gantz dahin, das ich allein möcht bey jr sein. 4. Sie ist mein einiger augentrost, sie hat mich offt aus sorgen erlöst, ich hoff dasselbig wacker megdelein, sol uber ein jar mein eigen sein; Erst wolt ich treiben das freudenspiel, nach meinem willen wie mirs gefiel. 5. So befehle ich sie dem lieben Gott, dasselbige wacker megdlein rot, der behüte sie vor allem leid, hilff uns zusammen mit grosser freud; Sey dir feins lieb zu ehren gemacht, in eyl erdacht, zu guter nacht. C. 1. Es wolt ein megdlein wasser holen, bey einem külen brunnen, Ein schneeweis hembdlein hat sie an, dardurch schein jr die sonne. 2. Sie sicht sich hin sie sicht sich umb, sie meint sie were alleine, Es kompt ein ritter und sein knecht, er grüsset die jungfraw reine. 3. Gott grüsse euch zart jungfrewlein, was stehet jr hie alleine Wolt jr das jar mein schlaffbul sein, so ziehet mit mir heime. 4. Und ewer schlaffbul bin ich nicht, ich bin ein megdlein reine, Ihr bringt mir den drey röselein rot, die dis jar sind gebrochen. 5. Er reit den berg und tieffen thal, er kundt jr keine finden, Er reit wol für einer malerin thür, fraw malerin seid jr darinnen. 6. Seid jr darinnen so trett herfür, und malet drey Rosen, Malet mir sie hübsch und fein, wie sie dis jar gewachsen sein. 7. Und da die rosen gemalet waren, da hub er an zu singen, Frewe du dich feins megdlein wo du bist, drey rosen thu ich dir bringen. 8. Das megdlein an dem laden stund, gar bitterlich thet sie weinen, Ach herr ich habs in einem schimpff geredt, ich meint jr find jr keine. 9. Hastus in einem schimpff geredt, gar schimpfflich wöllen wirs wagen, So bist du mein, und ich bin dein, und schlaffen wir beide zusammen. 10. Der uns zwey scheidt das ist der todt, er scheidet gar manches mündlein rot, Er scheidet die knaben und die diren, er scheidt das kind aus der wiegen. CI. 1. Der verlornen dienst und der sein vil, der ich mich unterwunden hab, Ich sich doch wol, das sie mich nit wil, ich kans derhalben nit unterwegen lan. Sie krenckt mir mein hertz mut und sinn, was zeucht sie mich, denn ich wol sich, denn der bin ich den sie alzeit verachten thut. 2. Ich weis ein kraut, das heist schabab, krenkt mir das jungfrisch hertz im leib, Es wer kein wunder das ich werd graw, alle meine hoffnung die ich zu jr hab; Und das sies nit erkennen wil, mein trawrig hertz, leit grossen schmertz, das ist kein schertz, ich förcht es ist meins endes ziel. 3. Gesegen dich Gott mein schönes lieb, las mich nit scheiden von deinem leib, Gedencke wie schwer das scheiden ist, und brauch gegen mir kein argen list; Mit deiner lieb bezwingstu mich, las mich erschein, der gnaden dein, bleib alzeit mein, wil ich keiner ander diener sein. CII. 1. Ach Gott ich thu dich bitten, gib mir vernunfft und verstandt, In diesen bösen zeiten, das ich möge thun widerstand. Der argen bösen welt, die da ist vol arger list, als ich euch wil erzelen, wie es mir ergangen ist. 2. Mit einem jungfrewlichen bilde, die mich gar felschlich, Mit jrem roten munde, sie thet verführen mich. Sie gab mir viel der guten wort, bis sie mich thet zwingen, das ich nit kont bleiben auff einem ort, dasselbig thet jhr gelingen. 3. Ir liebe thet sie mir versprechen, doch aus einem falschen grund, Mein hertz wolt mir zerbrechen, wenn ich nicht zu jr kommen köndt. Das schafft jr lieblichs vertrawen, dasselbige sie mir beweisen thet, jtzt thut es sie gerewen, das sie es angefangen hat. 4. Sie sprach mit worten behende, ich jhr der liebste wer, Von mir wolt sie sich nit wenden, so lang ich das leben hett. Darauff sie mir thet geben, jre schneeweisse hendlein, das er stet und fest solt bleiben, nimer anders sein. 5. Als ich jhr nun thet glauben, den schönen worten und der zusag, Gantz lieblich ich jr thet schreiben, des ich hie nit melden mag. O wehe des grossen elends, das ich darnach leit, denn sie sich gantz ab thet wenden, und führt mich am narrenseil. 6. Darnach ich kam in schmertzen, in jammer und grosse not, Kein freude hett ich im hertzen, ich wüntsch mir selber den todt. Ire liebe hat mich umbfangen, fürwar ich war jr hold, nach jr hett ich mehr verlangen, denn nach silber und rotem gold. 7. Mercket auff jr jungen gesellen, hüt euch für jungfrawen list, Last euch die liebe nicht quelen, denn sie gar bitter ist. Ir anfang ist wol süsse, das end aber wol betracht, wenn man sich scheiden müsse, alsdenn kompt jammer und klag. 8. Hierumb so thut mich mercken, und meiner stimme gehorcht, Wer hat Samson seiner stercke, und David seiner gottesforcht, Auch Salomon seiner weisheit, sogar berauben thun, ist das nicht geschehen durch listigkeit, der frawen und jungfrawen schon. 9. Hiemit so wil ichs enden, allhie dis mein gedicht, Gott wölst mir mein hertz abwenden, und mir geben guten bericht. Das ich mich von dir mög wenden, darauff ich dis hab gedicht, ein junger knab thu ich mich nennen, ich wil aber niemand melden nicht. CIII. 1. Traut Henslein uber die heyden reit, er schos nach einer tauben, Da strauchlet jhm sein apfelgraw roß, uber eine fenchelstauden. 2. Und strauchel nit mein grawes roß, ich wil dirs wol belohnen, Du must mich uber die heyden tragen, zu Elselein meinem bulen. 3. Und da er auff die heyden kam, da begegnet jhm sein bule, Kehr wieder, kehr wider mein schönes lieb, der wind der wehet so küle. 4. Und das der wind so küle weht, so hat mich noch nie gefroren, Verloren hab ich mein rosenkrantz, den wil ich widerumb haben. 5. Hastu verlorn deinen rosenkrantz willtu jhn widerumb holen, Bis montag kompt uns der kremer ins land, kauff dir schöns lieb ein newen. 6. Am montag da der kremer kam, er bracht nicht mehr denn alte, Setz schöns lieb einen schleyer auff, und las den lieben Gott walten. 7. Der uns dis new liedlein erstmals sang, er hats gar wol gesungen, Er hats den megdlein auff der lauten gespielt, die seyten sein jm zersprungen. CIIII. 1. Ich han die zeit wol gelebt, war ist sie nu gefaren, wir zwey waren liebges, als wir bey einander waren, wir assen und truncken, wir hatten ein gute zier, war ist sie nun gefaren, ich sehe sie nimmermehr. 2. O werdes schönes liebgen, was euch nun gebrechen, und hat ewer bereiff, nit trincken und von essen, mein hertz wil mir zerbrechen, das ich von euch scheiden mus, mich dünckt ich bin vergessen, es ist ein ander der mirs thut. 3. Ich hett wol dörffen wetten, wol tausend eyd geschworen, jhr hett kein ander lieb denn mich, in dörffern und in stedten. eins war ich lieb, nun bin ich worden leid, wie möcht ewer mund gesprechen, das ewer hertz nit meint. 4. Alle ist der rocken geraten, er ist nicht abgesponnen, all treibt mein lieb mit mir den spott, sie hats nit all gewunnen, der zeit die es viel gewunnen, sie hat jn vor gelassen, all scheinen sie gut von aussen, von innen sind sie quadt. 5. Alde mein werdes liebgen, Gott wöll euch nun bewaren, jhr habt ein andern viel lieber denn mich, ich wil mich von euch scheiden, und wil mein hertz vertrösten, jhr habt ein andern lieber, alde ich sehe euch nimmermehr. CV. 1. Das alle mein jung leben, das hat sich nun ergeben, nach eim schönen braunen megdelein, schön und fein, was wir darzu bedürben, Das sie mir war gegeben, und wir beide sind von einem edlen thron, all in meim hertz band ist sie die kron, sie ist von gliedern also schon, sehr sauber von person. 2. Das möcht ich noch erwerben, jhr traw zu einem erben, wenn sie liebet mir und was ist an jhr, von rew so mus ich sterben. Sol ich jr land erben, wenn dar ist viel, die theten mich bitten, das macht ich mit meinem secres, ich sang ein lied mit grossem fleis, alle jedem kleffers zungen zu spott. 3. Sie sagt sie wolt mich trawen, es solt mich nit berawenn, wenn sie liebet mir, auff ein morgestunde, an jr sol ich mich halten. Verlassen all mein trawren, wann sie küst mich, für meinen roten mund, jr kelges weis, jr börstges rund, jr gelbfarb haar bis auff den grund, macht mir mein hertz gesund. 4. Princesse so hoch gepresen, noch ich diener wesen, möcht ich eins trincken mit meinem lieb külen wein, so kan mein druck genesen. Sie ist mir außerlesen, allzeit sol sie mein sein, die hertz allerliebste mein, für gold, silber und perlen fein, da solt sie bey gleichen sein, die erfrewet das hertze mein. CVI. 1. Ich sing ich spring und was ich thu, kein man kan mich machen froh, Wenn ich gedenke der hinefahrt, ach scheiden wie felst du mir so hart, ich kan dein nicht vergessen. 2. Das ich jhr nit vergessen kan, das gibt mich ja kein wunder, Es ist vergangen jar und tag, das ich in bulens armen lag, wol an jr brust gedrungen. 3. Man sicht so manch frölich geberd, wol aus einem betrübten hertzen, Und der seinen bulen meiden mus, der leid all solchen schmertzen, ich trag in meinem hertzen. 4. So wil ich greiffen ein freyen mut, ich hoff es sol noch werden gut, Und springen mit freuden an diesen tantz, glück das kömpt gegen den anderen mey, das gebe uns Gott zu gute. 5. Der allzeit mit den heiligen geit, der hat gut frölich zu singen, Der seinen bulen zu freunde hat, der mag wol tantzen und springen, ach Gott hett ich auch den meinen. CVI. 1. Alhie auff dieser strassen, da wohnt ein megdlein fein, das bricht sich alle morgen, drey schöner krentzelein. 2. Das eine das ist von rosen, das ander von blümlein, das dritte von grüner seiden, das tregt die liebste mein. 3. Dein bülin wer ich gerne, thet nur der kleffer zorn, und würdens unser freund gewar, wir müsten abelon. 4. Wol nach des kleffers zungen, da ist kein fragen nach, der einen stetigen bulen hat, der gibt jm gerne nach. 5. Er gaht an diesem tantze, ich will jhn nemen mit, sein roter mund alleine, der hat bezwungen mich. 6. Er zwinget mich also sehr mit seiner güt, darumb so wil ich tragen diesen sommerlang ein frey gemüt, ein krentzlein grüne. CVII. 1. Frölich so wil ich singen, wol hewr zu dieser frist, Wol von dem könig aus Ungern, der unschuldig gestorben ist. Er war bey zwenzig jaren, ein könig in Ungerland, und war von edlem stamme, könig Ludwig war sein name, ein könig in Ungern und Behemer land. 2. Im ward kürtzlich verheirat, ein frewlein was hoch geborn, Von keyserlichem stamme, das thet den Ungern zorn. Man saumet sich nit lange, und führet sie in das land, da gab man sie zusammen, Maria was jr namen, jr lob steht weit und breit erkandt. 3. Die zwey die lebten in frewden, bis an das fünffte jar, In freundschafft und in ehren, das thet den Ungern zorn. Die Behemen und die Teutschen, die fiengen viel kurzweil an, das wolten die Ungern nit leiden, wolten jhren könig vertreiben, sie halffen jhm kürtzlich aus dem land. 4. Einer heisst Jonas Wayde, der was dem könig gram, Dem Türcken thet er schreiben, solt jm nülff und beistandt thun. Dem könig zu vertreiben, jm helffen unter die kron, darnach wolt er jhm geben, bey alle seinem leben, den tribut wol aus dem Ungerland. 5. Der Türck saumpt sich nit lange, er zog wol in das feld, Mit hundert mal tausent manne, kam er in das Ungerland. Griechisch Weissenburg ward ubergeben, stedt, schlösser und die land, die besten potentaten, haben jren könig verrathen, ist jnen jmmer und ewig ein schand. 6. Es gieng gegen dem sommer, gegen der sommerzeit, Die büchsen hört man krachen, im Ungerlandt so weit. Stedt, schlösser waren eingenommen, darzu Petro Waradey, das wolten die Ungern rechen, wolten mit dem Türcken fechten, sie waren frölich bey dem wein. 7. Die Ungern saumpten sich nit lange, sie zohen wol in das feld, Ein wagenburg theten sie machen, auffschlugen sie jr gezelt. Sie machten einen hauffen, den könig zu förderst dran, jhren könig theten sie verkauffen er möcht ihn nit entlauffen, könig Ludwig der junge man. 8. Die schlacht die was verloren, einer heist der Thumer Paul, Der Türck hat jn geschoren, ein plat ist nit zu schmal. Graff Görg ward sein jnnen, des königs oberster war, aus dem feld wolt er entrinnen, in der Thonaw thet er schwimmen, also empfieng er seinen lohn. CVIII. 1. Gar lustig ist spacieren gehn, lieblich bei sonnenschein, Weis mir ein megdlein hübsch und fein, mit der ich wils Gott heint, Von hertzen frölich sein, in eim würtzgertelein, spacieren, umbfüren, den lieben langen tag, denn ich zu solchem megdlein, grosses verlangen trag. 2. Von end wenn ich so bald ich kom, und klopffe so leis daran, Meiner frewt sich das megdlein schon, mir wird bald auffgethan, Mit nicht sie mich verschmecht, sonder mich freundlich umfecht, gantz freundlich, holdselig beut sie mir jr hendlein warm, alsdenn zu zeugnis grüs ich sie, nem sie freundlich in arm. 3. Mir ist auff dieser erd nicht bas, denn wenn wir beydesam, Spacieren gan im grünen gras, in Gottes herrn nam, Ja wol in seinem schutz, geschicht uns alles guts, verborgen, ohn sorgen, eines dem andern gund, einen freundlich hertzlichen kuß, auff jren roten mund. 4. Wer kan genugsam sprechen aus, die freud die ich gros acht, Wohnet in meines hertzen haus, kein mensch an mir vermag, Wie ich bey mir befind, die lieb als uberwindt, ist gütig, demütig, von hertzen sanfft und still, lieb ist ein solch hohe gab, die Gott selbs haben wil. 5. Nun hin hertzliebster bule mein, von mir gebunden war, Von rößlein rot ein krentzelein, trag es auff deinen har, Als sie mir dz verehrt, ward freud und liebe gemehrt, im hertzen, in ehren, sie von mir geliebet war, auff das ich immer und ewiglich, jr nit vergesse gar. 6. Lieblich ist dieses megdlein schon, meim hertzen hoch verwandt, Gott geb mir die hertzliebste mein, wol in mein rechte hand, Auff das jr zarter leib, werd mein ehliches weib, die werde, auff erde, gedult im creutz darneben, auff das ich bey jr sanfftiglich mög wagen leib und leben. 7. Alle lustige seytenspiel, mit jhrem süssen klang, Machen der freud und kurtzweil viel, meim hertzen dem wird bang, Aber nach solcher zeit, die mir mein liebste geit, von hertzen, mit schmertzen, ein kus ohn alles mein begern, freundlich gemes und anders nicht, denn nur allein in ehrn. 8. Nun hab ich mein spacieren gahn, in grosser freud vollend, Was mein Gott wil, das gescheh allzeit, derselb mein hertz erkendt, Derselbig es erhalt, auff das den grünen wald, das singen und springen, der klein waldvögelein, das liedlein sol dem megdlein, zu lob gesungen sein. CIX. Ein Klaglied einer jungen Kloster Jungfrawen. 1. Ach Gott wem sol ichs klagen, das heimlich leiden mein, Mein hertz wil gantz verzagen, gefangen mus ich sein, Ins kloster bin ich gegeben in meinen jungen jaren, darinne mus ich leben, kein freud noch lust darinne haben, das klag ich alles zwar. 2. Nun höret zu dieser stunde, was ich euch sagen thu, Verflucht sein alle meine freunde, die mich haben bracht darzu. Das ich mich sol wehren, das nit zu wehren ist, mein gut thun sie verzeren, mein seel höchlich beschweren, das klag ich vom himmel Christ. 3. Ich weis ein andern orden, in diesem bleib ich nit, Ich bin des innen worden, es sein nur menschengedicht, Damit ich bin verbunden, bis in das zwelffte jar, die warheit hab ich gefunden, mein strick sein auffgebunden, mein andacht ist verloren gar. 4. Den orden den ich meine, den hatt Gott selbs gestifft, Den ehelichen stand alleine, als man find in der schrifft, Es ist nicht zu sein alleine, spricht Gott den menschen zu gut, darumb schafft er noch einen, aus seinem fleisch und beinen, der jm auch hülffe thut. 5. Das war Adam und Eva die got zusammen verpflicht, Den orden solten sie halten, und den nicht machen zu nicht, Ir brot im schweis erwerben, für jrem angesicht, sonst müsten sie beyde sterben, und ewiglich verderben, wol in der hellenpein. 6. Dem wöllen wir nachfolgen, das helff uns der liebe Gott, Wöllen Christum lassen sorgen der uns allzeit behüt, Auff jn allein vertrawen, auff keinen menschen mehr, welcher uns kan ernehren, und behüten für falscher lehr, Im sey lob preis und ehr. CX. 1. Brinnende lieb du heisser flam, wie gar hastu mich umgeben, Als durch ein weib mild heist jr stamm, ohn dich mag ich nit leben, Das edel weib, mein seel und leib, gib ich dir gantz zu eigen, als sie denn wol noch sehen sol, das es die werck anzeigen. 2. Alle welt müst ehe zu scheitern gehn, ehe denn ich sie solt meiden, In nöten wil ich für sie ston, und solt ich darumb leiden, Den grimmen todt, wenns jr thut not, dieweil ich leb auff erden, geschicht jr not (so) in solcher zeit, es sol gerochen werden. 3. Fein zarte fraw daran gedenck, und las dichs nit gerewen, Dein lieb und trew kein andern schenck, den ich dir thu vertrawen, Du haltest an mir, als ich an dir, stet ewiglich wil ich halten, so lebt kein man, der mag noch kan, solche lieb von einander spalten. 4. Betrachte hertzlieb den ersten kuß, den ich thet frölich wagen, Hat als geschafft Cupiden schus, die göttin thet mich plagen, Durch jren pfeil, in schneller eil, thet sie mich fast verwunden, das klage ich dir, zu helffen mir, damit ich würd uberwunden. 5. An mir möcht helffen sonst kein kunst die alle artze geben, Mir brist allein dein lieb und gunst, damit hast mir mein leben, Wider erquickt, und mich verstrickt, als durch dein gros zusagen, solchs band las zu, so hab ich ruh, und wil kein schmertzen klagen. 6. Reis nimmer ab das thuch der lieb, damit ich bin verbunden, In steter trew dich ewig yb, du machst sonst frisch die wunden, Das thet erst weh, je meh, so meh, und würdst fast ubel beissen, (so) verbachen ding, so schnell und ring, auffs letzt von einander reissen. 7. Alles was ich hie gedichtet han, dasselb gantz wol betrachte, Hab dismal ein benügen dran, der nam ist wider gemacht, Denn ich zerreis, dein lieb wol weis, wie fast du drumb thests bochen, darumb ich dir, schenck dis dafür, wie ich dirs hab versprochen. CXI. 1. Jungfrewlein sol ich mit euch gan, in ewern rosengarten, Und da die roten röslein stan, die feinen und die zarten, Und auch ein baum der blüet, von ästen ist er weit, und auch ein küler brunnen, der auch darunter leit. 2. In meinen garten kompstu nit zu, diesem morgen früe, Den gartenschlüssel findstu nit, er ist verborgen schon, Er ligt so wol verborgen, er ligt in guter hut, der knab darff weiser lehre, der mir den garten auffthut. 3. Mein garten ist gezieret, mit manchem blümlein schon, Darein da geht spacieren, ein jungfraw wolgethon, Ich dorfft nicht umb sie werben es war allein mein schuld, viel lieber wolt ich sterben, wenn ich verlier jr huld. 4. In meines bulen garten, da ist der freuden viel, Wolt gott solt ich jr warten, es wer mein fug und wil, Die roten röslein brechen, und es ist an der zeit, ich hoff ich wöls erwerben, die mir im hertzen leit. 5. Ich kam zu jhr in garten, wie manch gut gesell mehr thut, Da stund dasselbig jungfrewlein, so gar in guter hut, Es sang von heller stimme, das in dem garten erschall, die vögel in den lüfften, gaben den widerschall. 6. Ich kam zu jr getretten, wie manch gut gesell mher (so) thut, Ich wolt sie han gebeten, ich bot jr meinen gruß, Ich ward zu einem stummen, vor scham da stund ich rot, bey allen meinen tagen, leid ich nie grösser not. 7. Gut gesell drumb du mich gebeten hast, das kan und mag nit sen (so), Du wollest mir zertretten han, die liebsten blümlein mein, So kehr dich widerumbher, und gang du widerumb heim, du brechtest doch mich zu schanden, fürwar es ist mir nit klein. 8. Man hat uns doch verlogen, das weistu hertzlieb wol, Das haben die falschen kleffer gethan, sind mir und dir nit hold, Wir wöllens wider keren, merck auff mein höchster schatz, erst will ich dich nur haben, dem kleffer zu neid und haß. 9. Dort hoch auff jenem berge, da steht ein mülenrad, Das malet nichts denn liebe, die nacht bis an den tag, Die müle ist zerbrochen, die lieb hat ein end, so gesegen dich gott mein schönes lieb, jtzt fahr in das elend. 10. Ich kehrt mich widerumbher, ich gieng widerumb heim, Da stundt dasselbig jungfrewlein, in seinem gärtlein allein, Sie pflantzt jr gelbes haare, von gold hat es ein farb, mit jrem roten munde, sie mir den segen gab. CXII. 1. Es wolt gut jäger jagen, wolt jagen die wilden schwein, was begegnet jhm auff der heyde, ein frewlein im weissen kleide, ein zartes jungfrewelein. 2. Er bat sie umb die liebe, ob sie sein bülin wolt sein, sie sprach von hertzen gerne, jhr seid mein morgensterne, ich will doch lassen ein. 3. Und da es ward umb den abend, wol umb die vesperzeit, der knab der kam gegangen, in seinem braunen mantel, er ward sich gelassen ein. 4. Da namen die zwey den mantel, sie spreyten den uber sich, die zwey spielten des guten, bis das erwachet die mutter, schlaff töchterlein weckest mich. 5. Slaff (so) hertzliebe mutter, ich wil nicht wecken dich, die deck ist mir entgangen, ich wolt sie gern wider langen, schlaff mütterlein noch als vor. 6. O wehe der leidigen decke, die dir entgangen ist, du hast sichs eingelassen, den knaben auff freyer strassen, es sol dir werden leid. 7. Und das ich hab gelassen ein, den liebsten bulen mein, des mus ich offt entgelten, mit fluchen und auch schelten, ich armes jungfrewelein. 8. Und ehe das jar herummer kam, die magd gewan ein kind, wenn ander jungfrewlein tantzen, mus sie da heimen pflantzen, mus wiegen jr kindelein. 9. Ist mir die zeit schon lange, so ich mus bleiben daheim, dennoch wil ich lieber pflantzen, wenn ander jungfrewlein tantzen, denn schlaffen die nacht allein. 10. Der uns dis liedlein new gesang, ein frischer reuter ist ers genandt, er hats uns wol gesungen, das braun megdlein hat er genommen, Gott geb jm glück und heil. CXIII. 1. Es jagt ein jäger wolgemut, er jagt aus frischem freien mut, er jagt auff breyter heyden, er jagt derselben thierlein viel, mit seinen schnellen winden, ja winden. 2. Er jagt uber berg und tieffe thal, unter ein stauden und überal, sein hörnlein thet er blasen, sein lieb unter einer stauden saß, thet auff den jäger losen. 3. Er schweifft sein mantel in das grüne graß, er bat sie das sie zu jm saß, mit weissen armen umbfangen, so gehab dich wol mein trösterin, nach dir steht mein verlangen. 4. Hat uns der reiff, hat uns der schnee, hat uns erfröret den grünen klee, die blümlein auff der heyden, wo zwey hertze liebe seind, die zwey sol niemand scheiden. CXIIII. 1. Stehe ich alhie verborgen, die finster lange nacht, So gar in grossen sorgen, gantz blind und unbedacht. 2. Sein ich von deinet wegen, durch rath und Venus art, So gar in grossen regen bin ich verwund so hart. 3. Mit Jupiters pfeil durchschossen, das junge hertze mein, Bin ich gantz unverdrossen, zu dienen dir allein. 4. Darumb so thu auffwachen, mein schatz und höchster hort, Vor trawren so mus ich lachen, meiner kleglichen wort. 5. Das ich bey dir wer gerne, du edles drüsserlein, Du bist mein morgensterne, doch fehlts an dir allein. 6. Du kanst die sach wol schicken, so du mirs anders vergunst, Löß mir auff bandes stricken, der edlen fraw Venus kunst. 7. Darmit wir möchten schertzen, und treiben fraw Venus spiel, Aus einem brünstigen hertzen, geschehe unser beyder will. 8. Wenn ich gedenk der stunden, darin ich war bey dir, Küst ich dich auff deinen munde, du adeliche zier. 9. Da war mir mein leid verschwunden, vergangen war mir meine klag, Ich dacht ich hette gefunden, die mir im hertzen lag. 10. Mein hertz hastu besessen, darzu mein haab und gut, Des kan ich deiner nit vergessen, du adeliches blut. 11. Kein schönere ist nie geboren, die mir doch bas gefelt, Gott hat sie mir außerkoren, ich hab mir sie außerwelt. 12. Ob allen schönen jungfrawen, das soltu glauben mir, Das mag die welt wol schawen, jr adeliche zier. 13. Darumb ist sie umgeben, wie ich euch hie bericht, Dieweil ich hab das leben, wil ich sie verlassen nicht. 14. Sie trit herein gar schöne, recht wie der pfawen art, Von rotem gold ein krone, jr haupt gezieret ward. 15. Darumb betracht der stunde, versag mirs gentzlich nit, Beut mir dein roten munde, ehe mir mein hertz zerbricht. 16. Mein hertz dein rosengarten, sol als dein eigen sein, Darinnen soltu spacieren, nach alle dem willen dein. 17. Sey dir feins lieb gesungen, hertz allerliebste mein, Gott behüt dich vor falschen zungen, solt mir die liebste sein. 18. Gott hat mich dir außerkoren, zu lieb und leben allein, Darumb wil ich Gott loben, und ewig bey dir sein. CXV. 1. Der müller auff der nidermül, der hat ein töchterlein das ist hübsch und fein, sie war schön uber die massen, Sie hat ein reuter im hertzen lieb, es hat seinen bescheid, von jm wolt sie nit lassen, nit lassen. 2. Er nam sein schwert wol unter den arm, er thet für liebes schlaffkemmerlein stahn, schönes lieb bistu darinnen, Wolt Gott das es möcht gesein, der wille mein, so wer ich bey dir darinnen, darinnen. 3. Ach wiltu rein, du kömpst wol rein, mein schlaffkemmerlein sol dir offen sein, mein vater ist nicht daheime, So sitzt mein mutter und wieget das kind, so wehet der wind, so schlaffen wir beyde alleine, alleine. 4. Das war der jüngste bruder gewar, er nam das megdlein bey dem haar, er schwang sie zu der erden, Ist dir der teuffel in deinem haar, zu diesem jar, das dir kein reuter kan werden. 5. Ach bruder liebster bruder mein, las dir die red befohlen sein, rot lindisch wil ich dich kleiden, Ein hübsches kleid ist dir bereit, nach dieser freud, ein hembdlein von brauner seiden, ja seiden. 6. Wer ist der uns dis liedlein sang, ein freyer hoffman ist ers genandt, er hats frey wol gesungen, Er hat ein feins braus (so) megdlein im hertzen lieb, hat seinen bescheid, von jr wolt er nit lassen, nit lassen. CXVI. 1. Was wöllen wir singen und heben an, das best das wir gelernet han, ein newes lied zu singen, Wir singen von einem edelman, der heist Schmidt von der Linden. 2. Der Lindenschmidt hat einen sohn, der schwang den rossen das futer vor, uber eine kleine weile, Er lag dem marggraffen in dem land, und war jm viel zu geschwinde. 3. Fraw wirtin ist der wein hier gut, ist hie noch stallung und futer gnug, viel wägen werden kommen, Sie fahren von Augspurg ab und zu, frenckisch gut haben sie galaden. 4. Alhie ist der küle wein gut, hie ist auch stallung und futer gnug, drey rößlein stehn darinnen, Sie komen eim reichen edelman zu, der heist Schmidt von der Linden. 5. So bald als er das wort aussprach, juncker Caspar in die stadel trat, den Lindenschmid wolt er fangen, Er schlug und stach alles was er sach, Lindenschmid gib dich gefangen. 6. Sol ich dein gefangner sein, das klag ich Gott vom himmelreich, und seiner werden mutter, Wer ich drey meilen jenseid dem Rhein, wolt ich dir wol entreiten. 7. Auff jenseid den Rhein komstu nicht, das ist dir desto lieber nit, es ist dir misselungen, Du hast mir grossen schaden gethan, darumb gib dich gefangen. 8. Wirtin zapfft uns an külen wein, und last uns frisch und frölich sein, last uns essen und trincken, Auff das dem hübschen Lindenschmid jung, sein junges hertz nicht versincke. 9. Was sol ich frisch und frölich sein, es trifft mir an das leben mein, ich mag trincken noch essen, Ich bitt nur umb das wasser allein, das ich mein wunden mag waschen. 10. Ach Lindenschmid sey wolgemut, das wasser sol dir sein bereit, damit du dein wunden solt waschen, Bis freytag kompt der meister ins land, der führt das wasser in der scheiden. 11. Ach kan und mag es nit anders gesein, so bitt ich für den jüngsten sone mein, der ritter ist noch junge, Hat er euch etwas leids gethan, darzu ist er gedrungen. 12. Juncker Caspar der sprach nein darzu, das kelblein mus folgen der kuh, das wird nicht anders gesprochen, Und wenn der jüngling sein leben behielt, seines vaters todt wird er rechen. 13. Auff einen freitag das geschach, das man den Lindenschmid richten sach, so fern an grüner heiden, Da sach man den Lindenschmid, von guten gesellen scheiden. CXVII. 1. Ich weis mir ein edle keyserin, sie ligt mir tag und nacht im sinn, ich kann jhr nicht vergessen, ich schlaff oder wach, thu was ich wöl, sie ligt mir in meinem hertzen. 2. Die keyserin hett ein alten man, daran wolt sie kein genügen han, sie wolt sich selbs versorgen, ein heimliche bulerin wolt sie sein, wolt bulen unverborgen. 3. Und das erhört ein junger knab, er trat die gassen auf und ab, gar heimlich und gar stille, bis das er in schlaffkemmerlein kam, da geschach jr beider wille. 4. Und da er in jr schlaffkemmerlein kam, ein schneeweis hembdlein legt er an, wie thu ich dir gefallen, du magst mir ein edle keyserin sein, du liebest mir ob allen. 5. Da es war umb die mitternacht, da kam der edlen keyserin man, für jr schlaffbet gegangen, da fand er sein schönes frewelein, mit schneeweissen armen umbfangen. 6. Die keyserin hett sich eins bedacht, wie bald sie den knaben zum laden hinaus bracht, wol in ein fliessend wasser, sie schawet den knaben hinden nach, jre äuglein gaben wasser. 7. Was weinst, was weinst mein keyserin, darumb darffstu nit trawrig sein, ich kan wol wasser schwimmen, und da er wol in die mitte nein kam, sein kunst wolt jhm mißlingen. 8. Und da er in die mitte nein kam, Maria Gottes mutter die ruft er an, Maria mit jrem kinde, sie solt jm trewlich beystand thun, wenn er kund nimmer schwimmen. 9. Und da er das gestadt naus kam, ein schneeweis kleid leget er an, trat hurtig uber die gassen, der edlen keyserin für jr thür, da jre brüder sassen. 10. Da sprach der edlen keyserin man, welcher teufel hat tragen daher, ich sah dich nechten spate, bey meth und auch bey külen wein, bey meiner schönen frawen. 11. Ich glaub du seyest kein christenman, das du dem frewelein solchs nachsagst, was wiltu daraus machen, und wer sich dem frewelein solches nachredt, der leugt in seinem rachen. 12. Wolauff feins lieb mit mir davon, du sichst das ich kein glück nit han, man thut mirs nit vergünnen, und wo ich uber die gassen gang, das mich anscheint die sonne. 13. Wie kompts das ich kein glück mehr han, und mich so gar keins wil an gahn, das glück das thut sich meiden, noch dennoch wil ich die keyserin nicht, und wers aller welt ein leiden. 14. Und wer ists der dis liedlein sang, ein reuters knab ist ers genandt, er hats so frey gesungen, der keyserin hat ers zu dienst gemacht, mit freuden ist er davon kommen. CXVIII. 1. Es ist auff erden kein schwerer leiden, wenn sich zwey hertzlieb müssen scheiden, Ja bitter todt, mit deiner not, und gantzem rath, dir kan ich nichts vergleichen. 2. Es ligt am Rhein eine werde stadt, Cölln sie jhren namen hat, Wenn ich gedenck, mein hertz mir krenckt, solchs ich dir schenck, das untrew scheiden zur letzte. 3. Ein jungfraw schön, und darzu zart, in dieser stadt jr wonung hat, Gantz wol geziert, wies jhr gebürt, den kleffer sie jrrt, jr kan ich nit vergessen. 4. Durch lieb verwundt, darffs niemand sagen, mein not und leid keinem menschen klagen, Vor trawren ich offt gerne schwieg, noch mus ich mich, gantz frisch und frölich stellen. 5. Wenn ich gedenk an viel der stund, darin ich küst jren roten mund, O adeliche zier, allein nach dir, steht mein begier, kein lieber mag mir werden. 6. Ir mündlein rot, jr gelb kraus haar, jr angesicht freundlich zwar, Hat mir mein hertz, ich gar nicht schertz, mit grossem schmertz, aus trawren bracht in freuden. 7. Feins lieb beut mir dein schneeweisse hand, seh hin hab dir mein trew zu pfand, Vertraw du mir, das ich wil dir, mit gantzer begier, mein trew und glauben schencken. 8. Wenn ich gedenck, wie wir beid eben, in grosser lieb und freud theten leben, Drumb vergis nit mein, ich verges nit dein, die freud ist klein, das wir jetzund müssen scheiden. 9. Scheiden thut wehe, das mus ich sagen, dis mögen wir fraw Venus klagen, Die schuld ist dein, es wer nicht mein, so du allein, dein zusag wöltest halten. 10. Feins lieb du bist die werde mein, auff dich vertraw ich gar allein, O edle roß, in deinen schoß, werff ich mein loß, solches ist mir gefallen. 11. Darumb schöns liebgen las dichs erbarmen, hab ein mitleiden mit mir armen, O trewer hort, fahr jmmer fort, denck an dein wort, mein nimmer zu vergessen. 12. Schöns lieb dis lied sey dir gemacht, wüntsch dir viel tausent guter nacht, Aus schwerer pein, das hertze mein, der liebsten allein, schenk ich das liedlein zur letzen. 13. Der uns das liedlein hat gemacht, gros lieb jhn darzu hat gebracht, Bleibt ungenennt, man jhn wol kennt, ist ein student, den kleffern zu trotz und leiden. Mein hertz liebgen ewig ohn end, nim jetzt für gut was ich dir send, Ob schon die gab ist gering und klein, Got weis das ichs in trewen mein. CXIX. 1. Ich habs gestelt, so weit ins feld, wol umb ein wildt zu jagen, Das wildt das ich gejaget hab, das hat ein ander gefangen. 2. Und das es ein ander gefangen hat, darumb ist mir nit leide, Es kompt ein frischer sommer daher, es grünet an der heyden. 3. Das wildt auff grüner heyden steht, es laustert nach dem horne, Und wenn es in dem springen steht, so scheuchts weder hecken noch dornen. 4. Und der offt jagt und nicht fengt, was hilfft jhm denn das jagen, Der mercken kan, und wol verstan, was darff er weiter zu fragen? 5. Der uns das newe liedlein sang, er hats gar wol gesungen, Das hat gethan ein büchsenmeister gut, von der liebsten ist er gezwungen und gedrungen. CXX. 1. Winter du must urlaub han, das hab ich wol vernommen, Was mir der winter hat leids gethan, das klag ich diesem sommer. 2. Diesem sommer nicht allein, die gelben blümlein springen, Welcher ein lieben bulen hat, mag wol mit freuden singen. 3. Welcher ein lieben bulen hat, halt jhn in rechter massen, Und wenn es an scheiden geht, mus er jhn fahren lassen. 4. Zu wenig und viel ist ungesund, hab ich offt hören sagen, Der brunn hat einen falschen grund, darein man das wasser mus tragen. 5. Des brunnens des trinck ich nit, er hat mich offt betrogen, Was mir mein feines lieb hat zugesagt, ist gantz und gar erlogen. 6. Der uns das liedlein new gesang, von newen hat gesungen, Das haben gethan zween landsknecht gut, ein alter und ein junger. Gott wöll allen jungfrawen jhr ehr bewarn, vor allen falschen zungen. CXXI. 1. Es hieng ein stallknecht seinen zaum, es hieng ein stallknecht seinem (so) zaum: Gar hoch an einen dannenbaum, gar hoch an einen dannenbaum. 2. Nun henge, nun henge mein zeumelein, nun henge, nun henge mein zeumelein, Wir beyde faren wol uber den Rhein, wir beyde faren wol uber den Rhein. 3. Wir beyde fahren wol über den Rhein, wir beyde fahren wol über den Rhein, Und holen das wacker megdelein, und holen das wacker megdelein. 4. Ey was sol uns das wacker megdlein thun, ey was sol uns das wacker megdlein thun, Den abend spat, den morgen früe, den abend spat, den morgen früe. 5. Es sol auch unser sommerthierlein sein, es sol auch unser sommerthierlein sein, Und brechen die roten röselein, und brechen die roten röselein. 6. Rote rosen brechen, und anders nicht, rote rosen brechen, und anders nicht, Wer weis was dem feinen stallknecht an seim zaum gebricht, wer weis was dem feinen stallknecht an seim zaum gebricht. 7. Was die leute reden und das ist war, was die leute reden und das ist war, Wir haben uns geliebet sieben gantze jar, wir haben uns geliebet sieben gantze jar. 8. Sieben gantze jar und einen tag, sieben gantze jar und einen tag, Und das mein junges hertz nimmer mag, und das mein junges hertz nimmer mag. 9. O danne du bist ein edler zweig, o danne du bist ein edler zweig, Du grünest winter und die liebe sommerzeit, du grünest winter und die liebe sommerzeit. 10. Wenn alle beume dürre sein, wenn alle beume dürre sein, So grünest du edles dannenbeumelein, so grünest du edles dannenbeumelein. 11. Und wer uns scheidet, das ist der todt, und wer uns scheidet, das ist der todt, Er scheidet so manches mündlein rot, er scheidet so manches mündlein rot. 12. Ey wer uns dieses liedlein sang, ey wer uns dieses liedlein sang, Ein freyer reuter ist ers genandt, ein freyer reuter ist ers genandt. 13. Er singt uns das, und singt uns mehr, er singt uns das, und singt uns mehr, Gott behüt all zarten jungfrawen jr ehr. CXXII. 1. Der reiff und auch der kalte schnee, der thut uns armen reutern wehe, was sollen wir nun beginnen, Wenn wir denn die strassen nicht reiten können, was haben wir denn zu verzehren. 2. So treiben wir aus die lämmer und auch die schaff, so folgen uns die wacker megdlein nach, mein grawes roß thut mich zwingen, So reiten wir den grünen wald auff und ab, da höret man die kleinen waldvögelein singen. 3. Wir kamen für eines wirths haus, da sach das fein megdlein zum fenster aus, das megdlein auf hoher zinnen, So hab ich alle die reuter lieb, umb meines bulen willen. 4. Man helt den reuter für ein held, er fürt das wacker megdlein aus der welt, und denckt darbey zu bleiben, Wer uns den winter aus nöten hilfft, den sommer scheint uns die sonne, ja sonne. 5. Der uns das new liedlein sang, ein freyer reuter ist ers genandt, er hats gar wol gesungen, Er hat ein megdlein in dem hertzen lieb, zu der liebsten kan er noch wol kommen, ja kommen. CXXIII. 1. Es reut ein reuter jagen, des morgens in dem taw, Schön reuter ich mus euch fragen, sprach da ein edle fraw, Mein man der ist geblieben, erschlagen in dem krieg, mein trew wil ich euch geben, und auch mein jungen leib. 2. Ach edle jungfraw schöne, sprach der reuter wolgethan, Ewer braun augen klarer anschein, hat mir mein hertz umbfangen, Möcht ich nach meinem behagen, schönes lieb ich euch vertraw, eins fliegen und jagen, das wer meins hertzen lust. 3. Stolzer reuter außerkorn, sprach die edle jungfraw gut, Nun blas dein jägers hornlein und jagt mit freyem mut, Mit ewern hunden ins wilde, jag mit Venus spiel, so lustig als ein helde, das wildt laufft also sehr. 4. Er blies sein jägers hörnlein, der reuter wolgemut, Sein hunde außerkorn, band er an einen baum, Die jungfraw gut von sprechen, bot dem reuter jren schild, er gieng jagen und stechen, so lustig nach den wild. 5. Eine edle jungfraw schöne, bot dem reuter jhren mund, Was gab sie jm zu lohne, in also kurtzer stund, Sie hat nach jrem behagen, viertzig kronen jm gabe, schön reuter als jr reit jagen, so sprechet mich allzeit an. 6. Danck habt zarte schöne frawe, und edle schöne magd, Kein schöner weis ich auff erden, denn ich euch hab gejagt, Man sach den reuter traben, mit den hunden an dem band, ach wie lustig ist es jagen, all in meines liebges armen. 7. Wiltu nun fliegen und jagen, jhr jungen gesellen schon, Da sein viel man erschlagen, des habt jhr nun die kron, Ir solt die zeit anschawen, das hört jr frey und klug, das da sollen sieben frawen, fechten umb eine bruch. CXXIIII. 1. Frisch frölich und frey, nicht frech darbey, doch schweig und leid, alle boßheit meid, bis still und from, und sich dich umb, die welt ist geschwind, in ehren blind, viel tausent list, trifft jetzund Adams kind. 2. In gut und in gelt, triumphiert die welt, wer das nicht hat, der ist verschmecht, sie wer was du wilt, gut geselle die welt, in pomp pracht führt all die macht, frombkeit und ehr, wird jetzund gar wenig geacht. 3. Hoffnung ich trag, es kompt der tag, und ist nicht weit das spüren die leut, hoffnung und ehr wird gelten mehr, denn jetzund uber tausent jar, für alle ding, braus (so) megdlein dein ehre bewar. 4. Hierumb ich beger, o Gott mein herr, umb alle deine güt, mich doch behüt, bewar mich herr, seel leib und ehr, das ists alleine das ich auff erden beger. CXXV. 1. Doll und töricht und nimmermehr klug, die welt die führt ein thummen mut, ein jederman, gewalt wil han, und wenn sie kan, den thut sie schlagen, Heimlich so schleicht die welt davon, so hat es denn der niemand gethan, und fahet gar bald ein ergers an. 2. Ihr gesang ist papo, wer nun, wer do, weichet aus der strassen, in allen gassen, so geht herfür, mit scharfer gewehr, und felt herzu wie ein tolle kuh, So geht spacieren das blinde kind, und fürt frau Venus umm den ring, verzehret unnützlich seinen pfenning. 3. Die welt kan nit mehr, das acht sie für ein ehr, mit fressen und sauffen, mit schelten und fluchen, in dem weinhaus, da leben sie im saus, mit tantzen und springen, mit pancketieren, Das kan gar wol die arge welt, welchs meister hemmerlein wol gefelt, das sich die welt so gar grewlich stelt. 4. Das thun die gemeinen, die grossen und auch die kleinen, in langen hosen sind auffgeblasen, des tages sie schlaffen, des nachtes sie wachen, sie wüten und toben, gleich wie die nachtraben, Und stürmen manchem man sein haus, und schlagen jm thür und fenster aus, daraus kömpt offt ein grosser straus. 5. Dis hab ich gemacht, zu gutem erdacht, den jungen gesellen, die sich so stellen, auch thu ich warnen, die handwercksknaben, die handeln und wandeln, in frembden landen, Das sie von solchem abelan, und solcher narheit müssig gan, sunst schlegt man jn hend und füsse lahm. CXXVI. 1. Alding ein weil auff dieser erd, was uns der ewig Gott beschert, ein jeder mus erwarten, Patientia solchs recht lernen thut, es heißt geduld das kreutlin gut, wechst nicht in allen gerten. 2. Bistu reich, frisch und gesund, hast glück darzu, viel guter stund, und kanst dich wohl ernehren, Silber, gold und freude viel, nur alles wert ein kleines ziel, es kan sich bald verkehren. 3. Bistu arm, kranck oder schwach, hast unglück und viel böser sach, im elend bist gefangen, Kein freunde hast in nöten dein, mus Gott allein dein helffer sein, sunst ist kein trost vorhanden. 4. Darumb vertraw du Gott allein, reich oder arm in gemein, er hat in seinen henden, Glück und unglück, teuffel und todt, ach Gott hilff mir aus meiner not, mein unglück wolstu wenden. CXXVII. Der Schlafftrunck. 1. Nun heb ich an zu singen, aus frischem freyem mut, Ich hof es sol mir gelingen, ein liedlein kurtz und gut, Das schafft der edel rebensafft, red ich on allen schertz, Gibt meinem hertzen eine grosse krafft, frewt mir mein trawrigs hertz. 2. Ach mein lieber stallbruder, nun hör mir fleissig zu, Ich lig auch gern im luder, hab tag und nacht kein ruh, Den becher nem ich jetzt zu mir, du sichst er ist schon vol, Den wil ich gewißlich bringen dir, sol dir bekommen wol. 3. Denselben wil ich setzen, fürwar an meinen mund, Der wein thut mich ergetzen, halt ich zu dieser stund, Die farb die thut mich triegen nit, ich nim sie fleißig an, Ich weis dz er noch zu mir spricht, es gilt dir einen dran. 4. Den wil ich nicht abschlagen, weil du so frölich bist, Ich wil jn von dir haben, darzu bin ich gerüst, Du saumest dich schier gar zu lang, bring mir jn tapffer her, Ich glaub es sey dir worden bang, weren es jrer mehr. 5. Da hub er an zu trincken, den becher halber aus, Ich meint er wolt versincken, erst kam in mich ein graus, Doch was der handel nit zu schwer, er stund noch zimlich wol, Der becher der was worden lehr, den ich hab gesehen vol. 6. Dem ich wil einen bringen, der an deiner seiten sitzt, Wie kan ichs als erschlingen, ich hab fürwar ein ritz, Doch wil ich von dir wissen bald, was gibst mir für ein bescheid, Wiltu den becher gar oder halb, zeigs an bey rechter zeit. 7. Doch bin ich nit erlegen, gar aus sol er gleich sein, Der sach bin ich zufrieden, ist mir ein schlechte pein, Der wein der schmeckt mir also wol, gibt mir ein grosse freud, Von dir ich jetzt nicht weichen sol, bis das ist geschehen bescheid. 8. Was wöllen wir mehr haben, den schlafftrunck bringt uns her, Von lebkucken und fladen, und was jr guts habt mehr, Die specksup lond uns kocken schier, es ist noch rechter zeit, Ich glaub es hat geschlagen vier, der han den tag ankraet. 9. Dis liedlein wil sich enden, wir wöllen heymat zu, Wir gehn schier an den wenden, der glücks der hat kein ruh, Ich dürmel wie ein gans herein, das mir der schedel kracht, Das schafft allein der gute wein, alde zu guter nacht. CXXVIII. Ein schön Lied vom verlornen Son. 1. Es was ein mal ein ungeratnes kind, wie man deren leider noch viel find, Sein eltern wolt er gehorchen nit, es halff an jm kein straff noch bitt. 2. Er führt ein seltzam wüstes wildes leben, auff niemands straff er wolt geben, Er soff, er spielt, er lebt im sauß, lag selten ein nacht in seins vaters haus. 3. Er trieb viel mutwil und büberey, wo es recht zugieng was er nit darbey, Damit macht er viel trawrigkeit, sein eltern groß hertzenleid. 4. Letzlich must jm sein vater geben, sein erbtheil heraus bey seinem leben, Darmit zog er in frembde land, trieb viel mutwil, sünd, laster und schand. 5. Fraw Venus und das kartenspiel, gut gesellen kosten jn sehr viel, Darmit wird er sein gütlein an, in kurtzer zeit es bald zerran. 6. Wie er alles verschlemmet hat, zog er allenthalben umb in der stadt, Seine gute gesellen liessen jhn für gahn, den spot mußt er zum schaden han. 7. In des fiel auch ein thewrung ein, und denn must er hüten der schwein, Und mit jn aus dem kübel fraß, träber und des groben graß. 8. In des so trat jn auch die schwarze kuh, kam der alte keil auch darzu, Da fieng er an und schlug in sich, seufftzet und weinet gar bitterlich. 9. Er sprach in meines lieben vaters haus, da gehn viel taglöner ein und aus, Die haben die völle zu essen brot, ich aber leid gros hungers not. 10. Er sprach, ich wil heim zu meinem vater ziehen, und wil mich demüthig vor jhr (so) neigen, Taglöhner er sunst haben mus, ich wil heim und jm fallen zu fuß. 11. Er gieng und kam zum vater dar, als bald der vater sein ward gewar, Da lieff er bald entgegen jhm, sein elend hertzlichen jammert jn. 12. Gröblich hab ich versündiget mich, erzörnet hab ich Gott und dich, Vater das ist mir hertzlich leid, erzeige mir gnad und barmhertzigkeit. 13. Verschwunden ist mir mein hertzenleid, jr knecht bringt her das beste kleid, Bringt fingerring an seine hend, bringet schuh an seine füs behend. 14. Nun frewe sich mit mir jederman, mein son ich wider funden hab, Er was gestorben und gar verloren, jetzt lebt er, und ist new geboren. 15. Im abendt, da vom feld heimkam, den eltesten bruder wunder nam, Wie man im haus so singt und springt, fraget wie man so thumb und klingt. 16. Ein knecht anwort jhm auff sein frag, hör meine meinung ich dir sag, Dein jüngster bruder ist kommen zu haus, der lang ist gewesen aus. 17. Deshalb ist dein vater also fro, darumb singt man und springt also, Ein feistes kalb hat man jhm geschlacht, und jm ein herrlich abendmal gemacht. 18. Die red jm lauter nicht gefiel, ward zornig und ins haus nit wil, Fleissig bin ich gewesen in deinem gebot, am morgen frü und spat. 19. Doch hastu mir nie ein böcklein, gegeben das ich möcht frölich sein, Und haben mit meinen freunden gut, und mit jnen ein guten mut. 20. Nun hat jhn auch der teuffel an dem strick, der führt jn durch dünn und dick, Hett er sich nicht wider gewandt, so wer er worden zu einem hellenbrandt. 21. Und er dargegen hat sein gut verthan, dafür er den rechten lohn, Jetzt nemen sol wer billich, und solt dich sein erbarmen nicht. 22. Eines vaters hertz erbarmet sich, darumb mein sohn erzörn dich nicht, All mein gut ist auch dein, darumb hilff mir jetz frölich sein. 23. Dabey gedenck ein böses kind, die jren eltern ungehorsam sind, Thund wider kehren in kurtzer eil, es schad sunst der seelen heil. 24. Hiemit endet sich das geschicht, wiewol ich niemand urtheil nicht, Doch wend ein jeder selber sich, das er nicht fall in Gottes gericht. CXXIX.