WISDOMS

Alles auf den Schein, heißt es jetzt; alles auf die Dauer, haben die Alten gesagt.

Alles auf der Welt hat sein zweites Gesicht, die Natur, die Kultur, die Religion, die Kunst, die Politik, die Liebe, alles, alles. Wer das nicht weiß, ist glücklich, ich weiß es.
Hermann Löns (1866-1914), Das zweite Gesicht

Alles auf der Welt ist eitel, wer kein Geld hat, scheisst in'n Beutel.
Ulm

Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss an.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Alles auf deutschen (o. englischen u.s.w.) Fuß einrichten.
info] Wie man sagt: eine gute Hand schreiben, so lässt Jean Paul 'die Krüppel einen guten Fuß schreiben'.

Alles auf die Faust setzen.

Alles auf eine Karte (o. aufs Spiel) setzen - aufs Ganze gehen.

Alles auf einmal haben wollen.
en] To have the egg and also the halfpenny that you buy it with.

Alles auf einmal tun zu wollen, zerstört alles auf einmal.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Über das Studium der Naturlehre

Alles auf Erden lässt sich finden, wenn man nur zu suchen sich nicht verdrießen lässt.
Philemon (360-264 v. Chr.), Fragmente

Alles auf jegliche Weise fühlen, mit den Gefühlen zu denken verstehen und mit dem Denken zu fühlen ...
Fernando Pessoa (1888-1935), Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Alles aufs Spiel setzen.
fr] Jouer à tout perdre.
la] Omnem jacere aleam.

Alles Aufsehenerregende, mag es noch so künstlerisch angelegt sein, ermüdet und stößt bald ab.
Melchior Grimm (1723-1807), Das Ende der großen Kunstformen

Alles äugt sehnsüchtig nach den Schanzen, - aber niemand will die Gräben füllen.
Emil Gött (1864-1908), Aphorismen

Alles aus einer Büchse würzen.

Alles aus Liab - aber nix umsunst! sagen d' Buam und d' Wucherer.

Alles aus Liebe, aber nichts umsonst.
info] Motto eines Ladentisches im Bazar des Berliner Frauenvereins. Vossische Zeitung, 30. Jan. 1868

Alles aus Liebe, du (verfluchter) Hund.
Königsberg

Alles aus Müßiggang. Denn die meisten beten aus Langeweile, die andern verlieben sich aus Langeweile, die dritten sind tugendhaft, die vierten lasterhaft ... es ist zu langweilig!
Georg Büchner (1813-1837), Lenz

Alles aus Nichts erschaffne Reale, wie z. B. die Zahlen und die abstrakten Ausdrücke - hat eine wunderbare Verwandtschaft mit Dingen einer andern Welt, mit unendlichen Reihen sonderbarer Kombinationen und Verhältnissen, gleichsam mit einer mathematischen und abstrakten Welt an sich, mit einer poetischen, mathematischen und abstrakten Welt.
Novalis (1772-1801), Aphorismen und Fragmente, 1798-1800

Alles außer mir, was nicht dieses selbständige Einfache hat, gibt mir keinen vollkommnen Genuß.
Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen

Alles außer uns ist nur Element, ja ich darf wohl sagen, auch alles an uns, aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns, auf eine oder die andere Weise dargestellt haben.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Alles Äußere betrachten und beobachten sie fürtrefflich, aber das Innere ist ihnen verborgen, weil sie selbst wenig Inneres haben.
Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen

Alles bätert sech op de Dê'r.
info] Alles bessert sich auf die Dauer.

Alles Bêd's (beide), Frau Pfarrern, sagt der Kutscher.
info] Die Frau eines Landgeistlichen will einem Lohnkutscher aus der Residenz, der bei kühlem Wetter mit seinem Wagen vor dem Predigerhause wartet, um jemand abzuholen, nach ihrer guten Gewohnheit eine Erfrischung reichen, und fragt ihn deshalb: 'Mögen Sie lieber eine Tasse Kaffee, oder ein Schnäpschen?' 'Alles Bêd's, Frau Pfarrern'.

Alles beed's, Frau Pfarren.
Köthen
Ein etwas unbescheidener Lohnkutscher hielt vor der Tür eines Landpredigers und wurde von der Frau desselben gefragt, ob er zu seiner Erquickung lieber Kaffee oder einen Schnaps annehme, worauf er obige sprichwörtlich gewordene Antwort gab.

Alles begehren ist nichts haben.
Mensch glaube diß gewiß / hastu nach allm Begihr /
So bistu bettel arm und hast noch nichts in dir.
Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Sechstes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 189

Alles beginnt der Deutsche mit Feierlichkeit, und so zieht auch
Diesem deutschen Journal blasend ein Spielmann voran.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Xenien 251 - Das Journal Deutschland

Alles Behagen am Leben ist auf eine regelmäßige Wiederkehr der äußern Dinge gegründet.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit (1809-1831), III, 13

Alles bekommt man einmal satt, am schnellsten die Frauen.
Guy de Maupassant (1850-1893), Friedhofsbesuche

Alles bekommt man vom Wald, nur ein selbstgewachsenes Spinnrad nicht.
Estland

Alles belebt sich zur Essenszeit und genest zur Topfzeit.
Estland

Alles beruht darauf, dass du dir selbst gebietest.
Cicero (106-43 v. Chr.)

Alles besieget die Lieb', und wir auch geben besiegt uns.
Vergil (70-19 v. Chr.), Eklogen, X, 69

Alles besiegt Amor.

Alles besiegt der Gott der Liebe.
Vergil (70-19 v. Chr.), Bucolica

Alles besiegt die Liebe, alles erreicht das Geld, alles endet mit dem Tode, alles verschlingt die Zeit.

Alles besiegt unablässiger Fleiß und die Not des drückenden Mangels.
Vergil (70-19 v. Chr.), Georgica

Alles besiegt und raubt die geizende Zeit;
Den Ruhm auch, und schafft uns ein zweites Sterben,
Und wie vor dem ersten kein Mittel uns vor ihm feit.
So siegt die Zeit ob der Welt, lässt ihre Namen verderben.
Francesco Petrarca (1304-1374), I, Trionfi

Alles besser wie gestorben.
Warschau
Trost der Unglücklichen, die bei großem Verlust, z.B. Einer Feuersbrunst, wenigstens das Leben gerettet haben.

Alles Bestreben gegen Unmöglichkeit oder Notwendigkeit ist lächerlich. Der Weise ergibt sich gleich drein.
Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen

Alles Bestreben, einen Gegenstand zu fassen, verwirrt sich in der Entfernung vom Gegenstande und macht, wenn man zur Klarheit vorzudringen sucht, die Unzulänglichkeit der Erinnerungen fühlbar.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), L. K. Vogel, letzte Lebensjahre

Alles bezwingt die Liebe.
la] Omnia vincit Amor.

Alles bis auf das äußerste hinaus zu verfolgen, so daß nicht die geringste dunkle Idee zurückbleibt, mit Versuchen die Mängel daran zu entdecken, sie zu verbessern, oder überhaupt zu dieser Absicht etwas Vollkommneres anzugeben, ist das einzige Mittel uns den so genannten gesunden Menschen-Verstand zu geben, der der Haupt-Endzweck unsrer Bemühungen sein sollte. Ohne ihn ist keine wahre Tugend. Er macht allein den großen Schriftsteller, scribendi recte sapere est et principium et fons. Man muß nur wollen, war der Grundsatz des Helvetius.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1773 - 1775

Alles bis auf den letzten Heller bezahlen.
fr] Payer rubis sur l'ongle.
fr] Payer ric à ric.

Alles Böse gründet in einem Guten, und alles Falsche in einem Wahren.
Thomas von Aquin (1225-1274), Über das Böse

Alles Böse ist nicht böse.
Venedig

Alles Böse ist nur das Phänomen der Hemmung des Triebs zum Guten, der Verzehrung des Guten.
Johann Wilhelm Ritter (1776-1810), Fragmente

Alles böss kompt vom guten her, auss Engeln Teuffel, auss Jungfrawen Huren.

Alles brennt trocken gut, nur die Lampe nicht.
Westfalen

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