WISDOMS

Alles a gen Po'zeklock hangen.
Aachen
Alles unter die Leute bringen. Po'z = Pforte, großes Tor; Po'zeklock = eine Glocke am Rathause, welche vorm Torschlusse geläutet wird.

Alles Abbild des Essentiellen, des Transzendenten und Ewigen im Spiegel des menschlichen Geistes ist unveränderlich und gleich, von Mose bis Plato, von Lionardo bis Goethe: Hier waltet keine Originalität. Originell ist nur das Menschliche: Die Trübung.
Walther Rathenau (1867-1922)

Alles aber lässt sich in harter und beharrlicher Arbeit überwinden.
Francesco Petrarca (1304-1374), an Socrates in Avignon

Alles aber, was man gute Gesellschaft nennt, besteht in einer immer wachsenden Verneinung sein selbst, so dass die Sozietät zuletzt ganz null wird, es müßte denn das Talent sich ausbilden, dass wir, indem wir unsere Eitelkeit befriedigen, der Eitelkeit des anderen zu schmeicheln wissen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Künftiger Divan - Buch des Unmuts

Alles abklappern.

Alles abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenverstand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durch Handeln und Beobachten zur Abstraktion.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 530

Alles Alte, soweit es den Anspruch darauf verdient hat, sollen wir lieben; aber für das Neue sollen wir eigentlich leben.

Alles altert, selbst die Achtung, wenn man sich nicht in Acht nimmt.
Joseph Joubert (1754-1824), Gedanken, Versuche und Maximen

Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft.
Friedrich Nietzsche (1844-1900), Also sprach Zarathustra

Alles an alles setzen.
la] Omnem jacere aleam.

Alles an diesem Gedicht ist vollkommen, Sprache, Gedanke,
Rhythmus, das einzige nur fehlt noch, es ist kein Gedicht.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Xenien 133 - Ein deutsches Meisterstück

Alles an einen Nagel hängen.
info] Alles verwischen, durcheinanderwerfen, anstatt jeder besondern Sache ihren eigentümlichen Platz anzuweisen. Oder: das ganze Vermögen z.B. an ein Unternehmen wagen.

Alles an seinen Ort, sagt Flegel, der Schelmendeckel (Hut, Mütze) auf den Grind (Kopf).
it] In chiesa co' santi e all' osteria (in taverna) co' ghiotti (ghiottoni).

Alles an seinen Ort, sagte Jerms, das Aug' ins Fenster, den Arsch in die Brill'.
hu] Het oog in het venster, en de aars op het kakhuis.

Alles an Staat und nichts in der Schüssel.
fr] Plus de veloux que de pain.

Alles andere behalt im Sinn, das Schlafsäckchen vergiss.
Estland

Alles ändert sich auf der Welt.
Estland

Alles anklagen ist Einheit. Alles vertragen ist Kleinheit. Zu allem ja sagen, ist Gemeinheit.
Karl Kraus (1874-1936), Aphorismen. Nachts

Alles ännert sik in der Welt, man de Schimienstäute nit.
Sauerland

Alles auch Meinende
Wird nicht vereint,
Weil das Erscheinende
Nicht mehr erscheint.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Zahme Xenien V

Alles auf dem Leibe und nichts darin.
fr] C'est la reine d' Antioche qui mange plus de pain que de brioche.

Alles auf den Kopf stellen
en] to turn everything topsy-turvy
fr] mettre tout sens dessus dessous - mettre tout en l'air
it] mettere tutto a soqquadro

Alles auf den Schein, heißt es jetzt; alles auf die Dauer, haben die Alten gesagt.

Alles auf der Welt hat sein zweites Gesicht, die Natur, die Kultur, die Religion, die Kunst, die Politik, die Liebe, alles, alles. Wer das nicht weiß, ist glücklich, ich weiß es.
Hermann Löns (1866-1914), Das zweite Gesicht

Alles auf der Welt ist eitel, wer kein Geld hat, scheisst in'n Beutel.
Ulm

Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss an.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Alles auf deutschen (o. englischen u.s.w.) Fuß einrichten.
info] Wie man sagt: eine gute Hand schreiben, so lässt Jean Paul 'die Krüppel einen guten Fuß schreiben'.

Alles auf die Faust setzen.

Alles auf eine Karte (o. aufs Spiel) setzen - aufs Ganze gehen.

Alles auf einmal haben wollen.
en] To have the egg and also the halfpenny that you buy it with.

Alles auf einmal tun zu wollen, zerstört alles auf einmal.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Über das Studium der Naturlehre

Alles auf Erden lässt sich finden, wenn man nur zu suchen sich nicht verdrießen lässt.
Philemon (360-264 v. Chr.), Fragmente

Alles auf jegliche Weise fühlen, mit den Gefühlen zu denken verstehen und mit dem Denken zu fühlen ...
Fernando Pessoa (1888-1935), Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Alles aufs Spiel setzen.
fr] Jouer à tout perdre.
la] Omnem jacere aleam.

Alles Aufsehenerregende, mag es noch so künstlerisch angelegt sein, ermüdet und stößt bald ab.
Melchior Grimm (1723-1807), Das Ende der großen Kunstformen

Alles äugt sehnsüchtig nach den Schanzen, - aber niemand will die Gräben füllen.
Emil Gött (1864-1908), Aphorismen

Alles aus einer Büchse würzen.

Alles aus Liab - aber nix umsunst! sagen d' Buam und d' Wucherer.

Alles aus Liebe, aber nichts umsonst.
info] Motto eines Ladentisches im Bazar des Berliner Frauenvereins. Vossische Zeitung, 30. Jan. 1868

Alles aus Liebe, du (verfluchter) Hund.
Königsberg

Alles aus Müßiggang. Denn die meisten beten aus Langeweile, die andern verlieben sich aus Langeweile, die dritten sind tugendhaft, die vierten lasterhaft ... es ist zu langweilig!
Georg Büchner (1813-1837), Lenz

Alles aus Nichts erschaffne Reale, wie z. B. die Zahlen und die abstrakten Ausdrücke - hat eine wunderbare Verwandtschaft mit Dingen einer andern Welt, mit unendlichen Reihen sonderbarer Kombinationen und Verhältnissen, gleichsam mit einer mathematischen und abstrakten Welt an sich, mit einer poetischen, mathematischen und abstrakten Welt.
Novalis (1772-1801), Aphorismen und Fragmente, 1798-1800

Alles außer mir, was nicht dieses selbständige Einfache hat, gibt mir keinen vollkommnen Genuß.
Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen

Alles außer uns ist nur Element, ja ich darf wohl sagen, auch alles an uns, aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns, auf eine oder die andere Weise dargestellt haben.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Alles Äußere betrachten und beobachten sie fürtrefflich, aber das Innere ist ihnen verborgen, weil sie selbst wenig Inneres haben.
Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen

Alles bätert sech op de Dê'r.
info] Alles bessert sich auf die Dauer.

Alles Bêd's (beide), Frau Pfarrern, sagt der Kutscher.
info] Die Frau eines Landgeistlichen will einem Lohnkutscher aus der Residenz, der bei kühlem Wetter mit seinem Wagen vor dem Predigerhause wartet, um jemand abzuholen, nach ihrer guten Gewohnheit eine Erfrischung reichen, und fragt ihn deshalb: 'Mögen Sie lieber eine Tasse Kaffee, oder ein Schnäpschen?' 'Alles Bêd's, Frau Pfarrern'.

Alles beed's, Frau Pfarren.
Köthen
Ein etwas unbescheidener Lohnkutscher hielt vor der Tür eines Landpredigers und wurde von der Frau desselben gefragt, ob er zu seiner Erquickung lieber Kaffee oder einen Schnaps annehme, worauf er obige sprichwörtlich gewordene Antwort gab.

Alles begehren ist nichts haben.
Mensch glaube diß gewiß / hastu nach allm Begihr /
So bistu bettel arm und hast noch nichts in dir.
Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Sechstes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 189

Alles beginnt der Deutsche mit Feierlichkeit, und so zieht auch
Diesem deutschen Journal blasend ein Spielmann voran.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Xenien 251 - Das Journal Deutschland

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