WISDOMS

Alle Schönheiten der Natur in Farben, Figuren und Tönen; die ganze Herrlichkeit der Schöpfung; der Zusammenhang des unermesslichen Weltgebäudes; die Ratschlüsse Gottes und seine unendlichen Eigenschaften; alle Neigungen und Leidenschaften unserer Seele; unsere subtilsten Gedanken, Empfindungen und Entschließungen, können der poetischen Begeisterung zum Stoff dienen.
Moses Mendelssohn (1729-1786), Betrachtungen über die Quellen und die Verbindungen der schönen Künste und Wissenschaften

Alle schöpferischen Zeiten sind ernst gewesen. Es gibt kein tiefes Glück ohne tiefe Moral. Es gibt keine Moral, wenn sie sich nicht von etwas Festem ableiten läßt. Es gibt kein Glück, das nicht auf einer Überzeugung ruht. Ohne Moral lebt nicht einmal das Tier. Aber der Mensch weiß heute nicht mehr, mit welcher.
Robert Musil (1880-1942), Der Mann ohne Eigenschaften

Alle Schöpfung ist Werk der Natur. Von Jupiters Throne
Zuckt der allmächtige Strahl, nährt und erschüttert die Welt.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Vierjahreszeiten - Herbst

Alle Schrift muss durch römisch Sieb und Beutel gehen.

Alle schüchternen Leute drohen gern, denn sie fühlen, dass Drohungen auf sie selber großen Eindruck machen würden.
Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755), Meine Gedanken

Alle Schuhe werden nicht auf eine Art gemacht.
en] All feet tread not in one shoe.
fr] Tous les habits ne sont pas taillés sur le même patron.
it] Tutte le scarpe non valgano per gli stessi piedi.
sd] Alla skor göras inte öfwer en läst.

Alle Schulden muss man bezahlen.
mhd] Alle scult mut man wohl gelden.

Alle Schuster gehen burfüß (barfuß).
Jüdisch-deutsch, Warschau

Alle Schweine sind im Dunkeln schwarz.
Finnland

Alle Schweine sind im Finstern Schwarzvieh.
sd] Föra swin til Rhin, det blijr äntå swin.
sd] Swijn alla swarta i mörkret.

Alle Schwierigkeiten bei der Erziehung ergeben sich, daraus, dass die Eltern sich nicht bemühen, ihre eigenen Fehler abzulegen, ja sie nicht einmal als Fehler anerkennen, sie zu rechtfertigen suchen, und diese Fehler daher bei ihren Kindern nicht sehen wollen.
Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910), an F. A. Sheltow, 18.12.1895

Alle Schwierigkeiten sind leichter, wenn man sie kennt.
William Shakespeare (1564-1616), Maß für Maß

Alle scult mut man wohl gelden.

Alle see hans bolde arm, ingen seer hans slunkne tarm.

Alle Segel aufspannen.
hu] Alle zeilen bijzetten. - Blank zeil maken (spulen).

Alle Segels bisett'n.
info] Alle Kräfte und Mittel aufbieten.

Alle sehen in dir den, als der du erscheinst. Wenige sind es, die dich als den fühlen, der du bist.
Niccolò Machiavelli (1469-1527)

Alle seine Nachbaren liebt man auf dem Dorfe bloß.
Friedrich Rückert (1788-1866), Weisheit des Brahmanen

Alle Seiten jeden Dinges zu verstehen, gilt als so selbstverständlich, dass sich das Gute fast seiner Einseitigkeit schämt.
Emil Gött (1864-1908), Im Selbstgespräch

Alle sieben für einen und einer für alle sieben.

Alle sieben Jahr ein Flohjahr; alle sieben Jahr ein Raupenjahr; alle sieben Jahr ein Käferjahr.

Alle sieben Jahr frisst man zu Hof einen Küchenjungen auf.
info] Spott auf unsaubere Köche und deren Gehilfen, die ihre Hände erst reinigen, indem sie dieselben in die Speisen bringen und diese zubereiten, wodurch, wie das Sprichwort in der ihm eigenen Übertreibungsart sagt, so viel von dem Küchenpersonal in die Speisen übergeht, dass es in sieben Jahren das Volumen eines Küchenjungen hat.

Alle sieben Jahre ändert sich die halbe Welt.

Alle sieben Jahre passt ein Flicken.

Alle sieben Pfingsten einmal.
info] Sehr selten.

Alle sieben Röhren afreiße.
Oberösterreich
Alle Körperöffnungen aufreißen. Von solchen, welche beim Gähnen den Mund sehr weit öffnen.

Alle sind einer Mutter Kinder, aber nicht alle eines Verstandes.
Litauen

Alle sind einer Mutter, aber nicht alle eines Verstandes.
Litauen

Alle sind Götzendiener, einige der Ehre, andere des Interesses, die meisten des Vergnügens. Der Kunstgriff besteht darin, dass man diesen Götzen eines jeden kenne, um mittels desselben ihn zu bestimmen.
Baltasar Gracián (1601-1658), Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Alle sind Herren in ihrem Hause.
Venetien

Alle sind Herren, wer ist Sklave?
info] Spöttisch, wenn mehrere sich in den Vordergrund spielen wollen.

Alle sind honigsüß, wenn sie gehen, butterig, wenn sie genommen werden.
Estland

Alle sind in der Kirche schön, feiertags hübsch.
Estland

Alle sind Irre, aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt.
Ambrose Bierce (1842-1914)

Alle sind ja nicht Birkhühner, die voller Tüpfel sind.
Estland

Alle sind Judas meinung, was wolt ihr mir geben, so will ich.

Alle sind Leute, doch jeder ist ein Mensch für sich.

Alle sind mit ihrem Verstand zufrieden, aber nicht mit ihrem Gelde. Arabien

Alle sind Narren geworden. In Glaubenssachen schwanken wir wie ein Blatt des Baumes hin und her.
Dmitri Mereschkowski (1865-1941), Peter und Alexej

Alle sind nicht gleich klug und gleich fleißig.
Estland

Alle sind nicht Kuckucke, die 'kuckuck' rufen.
Estland

Alle sind nicht Schmiede, deren Augen schmutzig sind.
Estland

Alle sind nicht so reich, wie man prahlt, alle sind nicht so arm, wie man schilt.
Estland

Alle sind sie entwichen des Lebens Schatten, verschwunden
Sind mir die Menschen und klar stehet der Mensch nur vor mir.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Xenien aus dem Nachlaß 139. Idealwelt

Alle sind um der Geräte Zankende, ein Bestatter der Leiche ist nicht da.
Estland

Alle sind wir gelehrig für das, was
Schlechtes wir sehn und Schändliches.
Juvenal (60-127), Satiren

Alle sind wir mit etwas Pech befleckt.
it] Tutti siam macchiati d'una pece.
Francesco Petrarca (1304-1374), Trionfo d'Amore

Alle sind wir nur bis zum Gürtel Menschen.
Russland

Alle sind wir unüberlegt und unvorsichtig, alle unzuverlässig, unzufrieden, ehrsüchtig, - doch was verdecke ich den faulen Fleck aller mit zu milden Worten: böse sind wir alle. Was man daher an einem andern tadelt, das wird jeder in seinem eigenen Busen finden.
Lucius Annaeus Seneca (1-65), Drei Bücher über den Zorn

Alle sind wir wacker im Schelten. Unsere eigenen Fehler sehen wir nicht.
Menander (341-291 v. Chr.), Sentenzen in Monostichen

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