WISDOMS

Aber der Erste, der euer Land besessen, hat sich es mit Keulen zugemessen, hat sich es erfrecht.
Otto Julius Bierbaum (1865-1910), Eigentum

Aber der Flüchtige kennt kein Gesetz, denn er wehrt nur den Tod ab,
Und verzehret nur schnell und ohne Rücksicht die Güter.
Dann ist sein Gemüt auch erhitzt, und es kehrt die Verzweiflung
Aus dem Herzen hervor das frevelhafte Beginnen.
Nichts ist heilig ihm mehr, er raubt es.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Hermann und Dorothea 6. Gesang Vs 58

Aber der Friede erfordert unentwegten, zähen, dauernden Dienst, er verlangt Ausdauer, erlaubt keinen Zweifel.
Aristide Briand (1862-1932), Dans la Voie de la Paix, 8 Novembre 1929

Aber der Frieden ist undankbar und weiß nie, dass er seinen Bestand nur dem Krieg dankt.
Kurt Tucholsky (1890-1935), an Arno Holz

Aber der Herr P. kann recht trinken, sagte neulich jemand zu mir, erst zwo Bouteillen Wein und dann 12 Gläser Punsch. Was will er damit? Wenn ich ihn anders recht verstehe, so dünkt mich ich könnte alles viel geschwinder tun, was Herr P ... tut, wenn ich mir eine Pistole vor den Kopf schösse.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1768 - 1771

Aber der Inhalt des Lebens ist unerschöpflich, und das Medium der Kunst ist begrenzt.
Friedrich Hebbel (1813-1863), Über das Drama

Aber der ist kein Sozialist, der erwartet, dass der Sozialismus ohne soziale Revolution und Diktatur des Proletariats verwirklicht wird. Diktatur ist Staatsmacht, die sich unmittelbar auf Gewalt stützt.
Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924)

Aber der Krieg hat auch seine Ehre,
Der Beweger des Menschengeschicks.
Friedrich Schiller (1759-1805), Die Braut von Messina, I, 8 (Chor)

Aber der Mann, und mehr noch das Weib, die angeklagt werden, etwas getan zu haben, 'was niemand tut', oder etwas unterlassen zu haben, 'was jeder tut', werden zum Gegenstand so wegwerfender Bemerkungen, als ob er oder sie ein schweres sittliches Verbrechen begangen hätten. Man muss Titel oder sonst Rang besitzen, oder bei Leuten von Rang etwas gelten, um sich, ohne in der Achtung zu sinken, dem Luxus, einigermaßen nach Belieben handeln zu dürfen, hingeben zu können.
John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit

Aber der Mensch denkt stets, dass der Tod weit weg ist. Als ob er unsterblich wäre.
Premtschand (1880?-1936), Nirmala

Aber der Mensch entwirft, und Zeus vollendet es anders!
Homer (8. Jh. v. Chr.), Ilias, 18, 328

Aber der Mensch ist ein leichtsinniges, wankelmütiges Geschöpf und liebt vielleicht, ähnlich einem Schachspieler, nur den Prozess des Strebens nach dem Ziel, nicht das Ziel selbst.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881), Aufzeichnungen aus dem Untergrund

Aber der Mensch ist ein wahrer Narziß, er bespiegelt sich überall gern selbst, er legt sich als Folie der ganzen Welt unter.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I, 4

Aber der Mensch ist nicht bloß ein denkendes, er ist zugleich ein empfindendes Wesen. Er ist ein Ganzes, eine Einheit vielfacher, innig verbundener Kräfte, und zu diesem Ganzen des Menschen muss das Kunstwerk reden, es muss dieser reichen Einheit, dieser einigen Mannigfaltigkeit in ihm entsprechen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen 6. Brief

Aber der Mensch ist nun einmal so beschaffen, dass es ihm schwer wird, in seiner eigenen Angelegenheit nach allgemeinen Regeln zu urteilen: er läßt gern Ausnahmen zu seinen Gunsten zu.
Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski (1828-1889), Was tun?

Aber der Mensch legt oft die Eier, die man ihm - an den Kopf wirft.
Jean Paul (1763-1825), Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch

Aber der mit einem Weib die Ehe bricht, der ist ein Narr.
Sprüche Salomo, 6, 32

Aber der Pfeil gehört nicht mehr dem Schützen, sobald er von der Sehne des Bogens fortfliegt, und das Wort gehört nicht mehr dem Sprecher, sobald es seiner Lippen entsprungen ...
Heinrich Heine (1797-1856), Zur Geschichte der Religion, Vorrede zur 2. Auflage

Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt - und was er auch hat, gestohlen hat er's. Ach, auch euch, ihr großen Seelen, raunt er seine düsteren Lügen!
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)

Aber der Tod ist nicht poetischer als das Leben.
Heinrich Heine (1797-1856), Die Romantische Schule

Aber der Wein ist dem Menschen wie ein warmer Pelz!
Petronius, Satyricon

Aber der Weisheit genugzutun, dasselbig ist ein Tugend der Gerechtigkeit, der Wahrheit, in diesem suchent euer Triumphiern!
Paracelsus (1493-1541), De ordine doni

Aber der wertvolle Dichter ist kein Gaukler; das Höchste, was er erreichen kann, ist, zu hundert Prozent Mitmensch zu werden.

Aber die alte Liebe ist ein Krebsgeschwür!
Petronius, Satyricon

Aber die Ansicht von der Frau bleibt doch dieselbe: Sie ist ein Gegenstand des Genusses. Ihr Körper ist ein Mittel zur Befriedigung der Sinnlichkeit, und sie weiß das auch. Es ist damit ähnlich wie mit der Sklaverei.
Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910), Die Kreutzersonate

Aber die Arbeiterklasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eignen Zwecke in Bewegung setzen.
Karl Marx (1818-1883), Der Bürgerkrieg in Frankreich

Aber die beiden schweren Tafeln mit den zehn Geboten! - glaubt Ihr denn, dass es eine Kleinigkeit war [für Moses], die zu tragen? Und glaubt Ihr denn ferner, dass Moses, der eine Armee Juden zu kommandieren und zu bändigen hatte, sich mit ganz ordinären Armen hätte begnügen können?
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Eckermann, 12.5.1830

Aber die Blume der Jugend welkt. Die Erfahrung trocknet das Herz aus und überzeugt es, wie schwer es ist, glücklich zu werden, was ihm doch anfangs so leicht schien.
Nikolai Michailowitsch Karamsin (1766-1826), Reise durch England

Aber die Blüte des Seins, - nenn's Schönheit, Genius, Liebe,
Nenn' es Begnadung - umsonst, wie der ambrosische Tau,
Unerbeten fällt es herab auf die Stirn des Erwählten, Dass sie in seliger Scham unter dem Lorbeer erglüht.
Emanuel Geibel (1815-1884), Juniuslieder (1848), Buch der Betrachtung, Gnomen, Nr. 6, Schlussvers

Aber die Freiheit, über alles, was mir nicht gefällt, freimütig meine Meinung sagen zu dürfen, ist ein Vorrecht eines jeden vernünftigen Menschen, dem ich nie entsagen will.
Christoph Friedrich Nicolai (1733-1811), an Herder, 9. 8. 1774

Aber die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden.
AT, Jesaja 48, 22

Aber die Ignoranz isoliert den einzelnen, zerhackt die Massen, und die lebendige Mehrheit kommt nicht zur Geltung.
Henri Barbusse (1873-1935), Der Betrug als Staatseinrichtung

Aber die Jugend ist starrköpfig und hat von ihrem Standpunkt aus recht!
Maxim Gorki (1868-1936), Die Hochzeit

Aber die Künste sind nur der Spiegel des Lebens ...
Heinrich Heine (1797-1856), Romantische Schule

Aber die Lebenskunst besteht darin, sein Pulver nicht unnütz und nicht in jedem Augenblick zu verschießen.
Theodor Fontane (1819-1898), Briefe

Aber die Liebe ist nicht mehr Mode, und die Dichter haben sie getötet. Sie schrieben so viel über sie, dass ihnen niemand mehr glaubte, was mich nicht wundert. Denn wahre Liebe leidet und schweigt.
Oscar Wilde (1854-1900), Die bedeutende Rakete

Aber die Liebe, die ein Egoismus zu zweit ist, bringt sich alles zum Opfer und lebt von Lügen.
Raymond Radiguet (1903-1923), Den Teufel im Leib

Aber die Liebe, nicht zum Feuerbachschen Menschen, nicht zum Moleschottschen Stoffwechsel, nicht zum Proletariat, sondern die Liebe zum Liebchen ... macht den Mann wieder zum Mann.
Karl Marx (1818-1883), an Jenny Marx, 21. 6. 1856

Aber die Menschen entarten Tag für Tag allein durch die Torheit, Verdorbenheit, Habgier, Herrschsucht, anmaßung, Treulosigkeit oder Unmenschlichkeit ihrer eigenen Gattung.
Jonathan Swift (1667-1745), Gedanken über die Religion

Aber die Menschen können keine Ruhe halten, und ehe man es sich versieht, ist die Verwirrung wieder oben auf. [ ... ] Wir wollen uns nur im stillen auf dem rechten Wege forthalten und die übrigen gehen lassen, das ist das Beste.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Eckermann, 1.2.1827

Aber die Menschen vermögen nicht leicht, aus dem Bekannten das Unbekannte zu entwickeln, denn sie wissen nicht, dass ihr Verstand eben solche Künste wie die Natur treibt.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 621

Aber die moderne Entwicklung, die den Konkurrenzkampf immer schärfer und unerbittlicher gestaltet, die Gemüter immer mehr verroht und ihre Habgier immer mehr anstachelt, stumpft andererseits die tierischen Leidenschaften ab, macht die Menschen blutarm und kraftlos; aus ungestümen Tieren macht sie überlegende, berechnende Menschen...
Paul Lafargue (1842-1911), Der Darwinismus auf der französischen Bühne

Aber die Narrheit, die wahre Königin des Volks, zieht ein mit Pauken und Trompeten: hussa hussa!
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, Die Elixiere des Teufels

Aber die Natur hat für ihre Kinder gesorgt, der Geringste wird durch das Dasein des Trefflichsten nicht an seinem Dasein gehindert ...
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), an Charlotte v. Stein, 10.2.1787

Aber die Philosophen haben beobachtet, dass die Gewohnheiten der Jugendjahre im Alter des Menschen verstärkt wiedererscheinen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Aber die Romantik war keine bloß literarische Erscheinung, sie unternahm vielmehr eine innere Regeneration des Gesamtlebens ... und was man später die romantische Schule nannte, war eben nur ein literarisch abgesonderter Zweig des schon kränkelnden Baumes.
Joseph von Eichendorff (1788-1857), Halle und Heidelberg

Aber die Seele begehrt, und sie wird nimmer befriedigt;
denn sie bildet sich ein, sie sei von höherem Ursprung,
durch ein unwürdiges Band an ihren Gatten gefesselt.
Da beträgt sie sich übel im Hause. Die hohen Verwandten
liegen ihr immer im Sinn, und Sehnen nach jenen Palästen
läßt ihr keine Ruh.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Aber die Selbstkritik gehört zu den schwierigsten Aufgaben, wie für den einzelnen Menschen, so für eine Partei.
Franz Mehring (1846-1919), Selbstkritik

Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;.
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Aber die Sprache des Kampfes steht in einem naturhaften Zusammenhang mit der Wahrheit, und ich spreche es mit der höchsten Achtung vor einer missbrauchten Menschlichkeit aus, dass sie, wo sie einmal frei ausströmen darf, einer fehlerlosen Sprache fähig ist.
Karl Kraus (1874-1936), Vom Zörgiebel

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