Dante Alighieri - La Divina Commedia
Philaletes - Die Göttliche Komödie

Hölle 01
EINLEITUNG. In enger Verwebung des dichterischen und persönlichen Erlebens nennt Dante als den Zeitpunkt, da er diesen Pfad der Einkehr beschritt, die Mitte des menschlichen Lebensweges. Das wäre nach biblischer Berechnung sein 35. Jahr, also 1300, das zugleich ein kirchliches Jubeljahr war. Die weiteren Angaben: Frühlingsanfang, Sonnenstand wie am Schöpfungsmorgen, das heißt im Sternbild des Widders, und Todestag Christi (21. Gesang) deuten an der Hand der Überlieferung auf den 25. März. Pochhammer gelangt zu einem anderen Ergebnis in dieser Berechnung und scheint darin ebenfalls Anhänger zu gewinnen. Von sehr großer Tragweite scheinen die Schwankungen deshalb nicht zu sein, da die Zeitangabe in bezug auf den Dichter nur biographische Bedeutung haben kann: es handelt sich um die Epoche, da er, Dante, zu innerer Einsicht und Vertiefung gelangte. Das war also in jedem Falle um sein 35. Lebensjahr herum. Auch für den allgemeineren Sinn ist es bedeutungslos, da die mystische Tradition als Reifezeit für höhere Erkenntnis das 33. Lebensjahr zur untersten Grenze nimmt. Das Datum endlich steht in keiner Weise fest, und deshalb kann man auch die Frage unberührt lassen, ob der Dichter, falls er den 8. April gemeint hatte, Charfreitagsgedanken schildern wollte. -
Der finstre Wald, in dem er sich erwachend findet, bedeutet die Wirrnis des gottentfremdeten weltlichen Lebens, die wilden Tiere darin die Laster seiner Zeit: der Pardel die Wollust, der Löwe Stolz und Herrschsucht, die Wölfin Geiz oder Habgier. Doch wollten schon ältere Erklärer den Wald im engeren Sinne als die Sinnlichkeit überhaupt oder ganz speziell als Florenz gedeutet wissen. Das würde noch nicht über Dantes eigene Angaben hinausgehen, der im „Gastmahl” auf die Mehrdeutigkeit seines Gedichtes ja ausführlich aufmerksam macht: „Der erste Sinn heißt der buchstäbliche, der nicht über den eigentlichen Buchstaben hinausgeht, der zweite der allegorische und ist derjenige, der unter der Hülle der Fabeln verborgen liegt und eine unter schöner Lüge versteckte Wahrheit ist. Der dritte Sinn heißt der moralische, der vierte der anagogische, das heißt der Übersinn.” Im Hinblick auf den stark politischen Unterton der Dichtung ist es nicht wunderbar, daß (1826-27) in Rosetti auch ein Erklärer auftrat, der das Ganze politisch verstanden wollte: Der Wald seien Dantes rohere, durch den Guelismus verwilderte Zeitgenossen, die Bäume die unwissenden Menschen, die Tiere die schädlichen Grausamkeiten voller Bosheit. Im besonderen bedeute der Pardel Florenz, da ja das weiß-schwarzgescheckte Fell auf die beiden Parteien hinweise; die Wölfin die Kurie, Rom und Bonifaz VIII.; der Löwe, im Hinweis auf das französische Wappen, Philipp den Schönen; der Hügel die Tugend, das Tal das Laster und die Sonne die Vernunft in der Politik; Virgil endlich, der ja neben den schon weiter oben gebrachten Deutungen auch als Repräsentant des Kaisertums, im Gegensatz zu Beatrix als der Kirche, aufgefaßt wurde, die politische Weisheit der Ghibellinen. Diese Erklärung wird von fast allen Seiten abgelehnt und hat vor allem das Bedenken, daß sie, entgegen allem allegorischen Brauche, anderen Deutungen ins Gehege käme, die nicht abzuweisen sind. Andererseits verlangt gerade die Deutung größte Vorsicht bei der Übersetzung. - Jedenfalls ist der Hügel das Heil, das der Strebende vor sich sieht, bestrahlt von der Sonne (dem Planeten) - dem Lichte der Wahrheit. Anfangs scheint die Sinnenlust mehr ermunternd, aber als sich auch Hochmut und Habgier dazu gesellen, verzweifelt Dante, dem Wirrsal zu entkommen. Da erscheint Virgil und belehrt ihn, daß keiner die Tiere selbst überwinden kann, und er ihn einen anderen Weg aus der Wildnis hinausführen muß. Ob mit dem Windhund Dantes Beschützer, der Herr von Verona, Can grande (großer Hund) della Scala, ein Hort der kaiserlichen Partei gemeint ist, oder, wenn man Feltro nicht als Ortsnamen, sondern als Filz auffaßt, einen in anspruchsloser Schlichtheit Erwachsenden, bleibe dahingestellt. Virgil stand als Sänger der Äneïs und angeblicher Verkünder des Sieges des Christentums im Mittelalter hoch in Ehren. Durch seine Beschreibung der Fahrt durch den Hades ist er um so mehr als Leiter dieser Höllenfahrt geeignet.

Hölle 02
BEGINN DER REISE. Das Dunkel bricht herein. Der Dichter zagt, da er sich nicht die Kraft eines Äneas, des Silvius Erzeuger, oder Paulus (des Gefäßes der Auserwählung zutraut. Darob verweist Virgil auf den himmlischen Auftrag: Das "holde Weib" - wohl die heilige Jungfrau und übertragen die zuvorkommende Gnade (gratia praeveniens) - habe Lucia, die wirkende Gnade (gratia operans) und Beatrice, die gratia perficiens, entsandt, welch letztere des Bußfertigen Streben mit Vollendung krönt. Mit Lucia ist die Märtyrerin von Syrakus gemeint, Rahel bedeutet in der kirchlichen Symbolik die beschauliche Heiligkeit. Lea das tätige Leben. Die Gnade wendet sich an den menschlichen Intellekt (Virgil), den sie erleuchtet und belebt. Die stürmische Flut (Vers 108) ist des Lebens wilder Strom in der sündigen Welt.

Hölle 03
DAS HÖLLENTOR. Beim Anblick der furchtbaren Inschrift zagt Dante wiederum. Sie besagt, daß die dreieinige Macht, Weisheit und Liebe, diese Stätte aus Gerechtigkeit schufen. Diese Gerechtigkeit ist's auch, deren Stachel die furchtsamen Schatten zum Strande treibt, wohin Virgilden Zagenden führt. Nicht nur ob der Schwere des Erdenleibes wird Dante von Charon zurückgewiesen, auch weil "hier geht nie über eine gute Seele". Dante wird also als Auserwählter bezeichnet. In dem neutralen Vorraum diesseits des Archeron jagen ruhelos die Charakterlosen umher, die feige (weder im Glauben noch der Politik usw.) Partei ergriffen haben. Den Schatten, den Dante erkennt, deutet man allgemein als Cölestin V., den Vorgänger Bonifaz' VIII. Er entsagte der päpstlichen Würde, um dem von Dante so heftig angegriffenen Bonifaz Platz zu machen.

Hölle 04
DIE VORHÖLLE. Wundersam, im Schlafe, ist Dante in den ersten Höllenkreis gelangt, wo die tugendhaften Ungetauften weilen. Die Frommen des alten Bundes hat Christus erlöst, was Virgil, der erst fünfzig Jahre zuvor starb, miterlebt hat. Die kirchliche Überlieferung sagt nichts von dieser Erlösung. Die edlen Heiden genießen all die Schönheiten des Irdischen, nur die Ahnung und Hoffnung des höchsten Lichts bleibt ihnen fern. Neben den großen Dichtern findet Dante dort die Helden, die mit Roms Geschicken verknüpft sind, also auch die trojanischen Vorfahren, weiter die großen Philosophen, die ja damals höchste Verehrung genossen, und die Naturforscher, Mathematiker und Ärzte. Von Mohammedanern nennt er Saladin, den Aristoteleserklärer Averroës und den arabischen Arzt Avicenna, - ein Beweis für die tolerante Denkart des Dichters. Orpheus ist wohl als der Religionsstifter gewisser Traditionen gemeint und an Stelle des sagenhaften Sängers Linus vielmehr Livius zu lesen. Das Schwert in Homers Hand deutet auf den kriegerischen Inhalt der Ilias hin. Die sieben Mauern des Schlosses werden entweder als die vier moralischen und drei spekulativen Tugenden (Klugheit, Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Stärhe, Einsicht, Wissnschaft und Weisheit) oder als die sieben freien Künste gedeutet (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie). Man denke auch an die Bedeutung der Zahl sieben.

Hölle 05
DER ZWEITE KREIS. Hier, in der eigentlichen Hölle, tritt das Heulen an die Stelle des Seufzens. Minos, der Totenrichter, ist nach der Auffassung des Mittelalters in einen Teufel verwandelt. Sein Schweif kündet durch die Zahl der Ringe den Kreis. Ruhelos, wie es die Wollust mit sich bringt, treibt ein Wirbelwind die Sünder umher. Von den Genannten soll Semiramis die sündige Liebe zu ihrem Sohn durch ein Gesetz sanktioniert haben. Die Liebe Francesca da Riminis und Paul Malatestas ist erst durch Dantes wunderbare Verse berühmt geworden. Boccaccios Kommentar erzählt die Geschichte, die damals tiefen Einruck machte: von der Tochter Guido von Polents, der Dante während der letzten Jahre seines Lebens bei sich aufnahm. Sie war ohne Liebe mit Pauls Bruder Johann vom Vater vermählt worden. Johann überraschte die beiden und erschlug sie. Das Buch ist ein Ritterroman aus den Zyklus der Tafelrunde. Lanzelots Tapferkeit half König Artur, den König Gallehaut (Galeotto) mehrfach zu besiegen, seine Vermittlung führte zur Versöhnung. Zum Dank vermittelt Gallehaut die Zusammenkunft des Ritters mi der verehrten Königin und bestimmt sie, den schüchternen Jüngling zu küssen. Dantes Ergriffenheit braucht nicht durch Erinnerung an sündige Liebesregungen erklärt zu werden: auch der Kontrast dieses endlosen Jammers zu so zarten Gefühlen genügt, um seine Erschütterung zu begrünen.

Hölle 06
DER DRITTE KREIS. Unter den Schlemmern findet sich Ciacco, der nach Boccaccio in Florenz eine gewisse öffentliche Rolle als lustiger Genießer gespielt zu haben scheint. Seine Prophezeiung betrifft die Florentiner Ereignisse in den Jahren 1301 und 1302. Der Schluß des Gesanges besagt, daß die Leiden größer sind, wenn der irdische Leib jenen Schatten wieder zu teil würde, die Menschwesen wieder vollständig macht. Die "Lehre" ist aristotelisch. Man vergleiche damit die umgekehrte Anwendung im "Paradies".

Hölle 07
DER VIERTE KREIS. Am Eingang Plutus, der Gott des Reichtums; auch er zum Teufel heruntergesetzt. Die unverständlichen Worte, die er ausstößt, sind als entstelltes Hebräisch gedeutet worden und hießen dann entweder: "Erglänze, Satans Stirn, erglänze, Stirn des ersten Satan!" oder "Spei aus, Satans Mund, spei aus, Satans Mund, Feuer!" Der Anruf Satans hält die Eindringenden nicht zurück. Das Treiben der Habgierigen versinnbildlicht ihr Wesen, wie zuvor die Unrast der Wollüstigen usw. Keiner ist wert, genannt zu werden. - Das Sinken der Sterne kündet den Beginn des zweiten Tages dieser Reise, die nun in den fünften Kreis führt. Daß bei den Trägen auch Zornige erscheinen, ist durch R. von Liliencron völlig erklärt worden: Die Scholastik (Th. von Aquino) umfaßt mit Trägheit alle Stufen der Abneigung gegen das höchste Gut, also auch grimmige Feindschaft. - Der vorangehende Diskurs, daß Fortuna kein Teufel sei, findet seine Ergänzung im "Gastmahl", wo Dante von den "Intelligenzen" spricht, die das Volk "Engel" nennt, und die er hier nach dem Brauch der Alten als "Götter" bezeichnet.

Hölle 08
DER SECHSTE KREIS liegt in gleicher Höhe mit dem fünften, dem Styx, der nun überfahren werden muß. Phlegias, der Fährmann, wie der Landsmann Dantes, Philipp Argenti, sind Feinde des Guten gleich den zuvor beschriebenen: ersterer hat den Delphischen Tempel verbrannt, weil Apoll (die hehre Kunst) seine Tochter überwältigt hatte; der andere war Gegner des Kaisertums. Die sieben Errettungen können wörtlich genommen werden (die Tiere, Charob, Minos usw.). Mit der Höllenstadt Dis beginnt die tiefe Hölle. Ihre Gräber speist der Styx. Vernunft vermag mit den Dämon nicht fertig zu werden, die auch Christus die Höllenpforte sperrten (sie blieb unverschlossen).

Hölle 09
DIE STADT DIS. Angesichts der Furcht, die Dantes Blässe verrät, verschließt Virgil seine eigene Erregung im Innern. Aber er selbst stockt inmitten seiner beruhigenden Worte zweifelnd. Er erzählt, wie er von der thessalischen Zauberin (auf des Pompeius Geheiß) gezwungen wurde, schon einmal diesen Weg zu nehmen. (Judas ist im untersten, nach ihm benannten Kreise.) Während der Hekate Dienerinnen nach der versteinernden Medusa, eine der Gorgonen, rufen und Dante durch Virgil geschützt wird, nacht der Engel, Die Allegorie, daß die Vernunft mit der verderbten Bosheit nicht fertig wird, die die Gemüter verhärtet und zu Ketzerei führt, wird dadurch ergänzt: nur der Glaube wendet den Zweifel ab; ohne ihn keine Rückkehr zum Licht. Es handelt sich hier um eines der schwersten Hindernisse auf dem Wege zum Heil. Dante, den die Vernunft zunächst vor dem Zweifel geschützt hat, darf nun den Geist dem göttlichen Einfluß öffnen (Virgil nimmt die Hände von seinen Augen.) Die Anspielung mit Cerberus erinnert daran, wie Herkules diesem eine Kette um den Hals legte, als er ihn aus der Hölle holte. Sein Widerstand schindet ihm Hals und Kinn, das heißt, bereitet ihm zwecklose Qualen. Die Glut, unter der die Ketzer in ihren Särgen leiden, ist die ungestillte Glut der zwecklosen Wünsche - also auch hier keine Anspielung an die Feuerhölle.

Hölle 10
Seinem anfangs schüchtern verschwiegenen Wunsche entsprechend darf Dante in einige Särge blicken, darin die Ketzer offen liegen bis zum Tage des Jüngsten Gerichts im Tale Josaphat. Er findet dort den wackeren Ghibellinen Farinata, der im Hinblick auf Dantes ursprüchling guelfische Abkunft erst Mißtrauen zeigt. Sein Name war schon dritten Gesang in einer Frage an Ciacco erwähnt worden. Trotz seiner offenbaren Sympathie für ihn läßt ihn der Dichter in der Ketzer Grabe schmachten, weil er geglaubt hatte, daß mit dem Leben alles aufhört. Der im gleichen Sarge ruhende Guelfe Cavalkante erwartet, auch seinen Sohn ob seiner hohen Gaben bei dem ihm befreundeten Dante zu sehen; aber der ist, besagt die Antwort, zur Reise, das heißt zu den im Gedicht ausgesprochenen Erkenntnissen, nicht gerüstet, da ihm die klassische Bildung fehlt. Die Gabe der Voraussage erlöscht diesen Toten mit dem Gericht, das ihnen jede Zukunftsmöglichkeit raubt. - Friedrich II. stand im Rufe ketzerischen Denkens; "der Kardinal" war die übliche Bezeichnung Ottaviano Ubaldinis. - Die Prophezeiung, daß er noch vor 50 Monden (die Herrin, Hekate, ist auf Erden Diana, am Himmel Luna) vergeblich für die Aufhebung seiner Verbannung sich mühen wird, erfüllt Dante mit Sorgen, die Virgil zerstreut durch Hinweis auf die Aufklärung durch Beatrix. Hier wie im sechsten und neunten Gesang wird die Art der Wegrichtung angedeutet: zeitweilig rechts am äußeren Rand entlang, dann links quer durch die Kreisfläche zum inneren Rande, wo es in den nächsten Kreis hinabgeht.

Hölle 11
AUF DEM WEGE ZUR UNTEREN HÖLLE, also noch im sechsten Kreise, finden die Wandelnden den Papst Anastasius II., der ob seiner Duldsamkeit gegen die Arianer als Ketzer galt. Ein Diakonus in Thessalien, Photin, soll zur Anerkennung einer dogmatisch nicht einwandfreien Übersetzung eines lateinischen Sendschreibens des Papstes Leo des Großen ins Griechische beigetragen haben. Dante scheint mit diesem Beispiel unterstreichen zu wollen, daß ein Papst auch Ketzer sein kann, also nur in Verbindung mit einem allgemeinen Konzil als unfehlbar betrachtet werden könnte. - Die folgende Erklärung der Höllenkreise macht fortan Dantes Fragen nach der Schuld der Sünder überflüssig. Die erwähnte Sittenlehre ist die des Aristoteles, das im 96. Vers erwähnte Geschenk Gottes die menschliche Kunst - eine Gabe der Güte Gottes. - Inzwischen ist auf Erden das Sternbild der Fische über dem Horizont erschienen, der "Wagen" nach Nordnordwest gewandert, es ist also, je nach Zählung, zwischen 2 und 5 Uhr morgens. Virgil, als Bewohner der Vorhölle, hat siviel Bewußtsein von den Vorgängen der Oberwelt behalten, daß er dies weiß.

Hölle 12
DER SIEBENTE KREIS. Der Wächter Minotaurus ist das Sinnbild aller Grausamkeit und Tyrannei; die Ausgeburt der verruchten Liebe von Minos' Weib Pasiphaë zu einem Stier. Minos' Tochter Ariadne lieferte ihn dem "Herzog von Athen", Theseus, aus. Das Erdbeben war jenes beim Tode Christi. Empedokles nennt als Grund völliger Umwälzungen das Überhandnehmen von Haß oder Liebe. IM ERSTEN RING (Zirkel) sind die Zentauren die Wächter, - Nessus, dessen Blut am Gewande des Herkules dessen Tod verursachte, Chiron, des Saturn weiser Sohn und Lehrer des Achill, Pholus, der den Kampf der Lapithen entzündete. Virgil reicht diesem nur bis zur Brust. - Welcher Alexander gemeint ist, weiß man nicht, wohl, gleich Dionys, der Tyrann von Sizilien; Ezzelin, ein Schwiegersohn Friedrichs II., herrschte mit unmenschlicher Grausamkeit über Oberitalien; Obizzo II., ein Markgraf zu Ferrara, über den man kaum etwas weiß. Mit dem Herzen ist auf Heinrich von Cornwallis, den Neffen König Heinrichs III. von England, angespielt, den Guido von Monfort 1291 erstach. Sextus Pompejus, des großen Pompejus Sohn, kämpfte nach Cäsars Tode als Seeräuber gegen die Triumvirn. Die beiden Rinier (Reiner) waren berüchtigte Straßenräuber.

Hölle 13
DER ZWEITE RING. Die Maremma, jenes Sumpfgebiet, auf das Dante anspielt, war ob seiner Wildschweine und Schlangen berüchtigt. Den Trojanern wurde geweissagt, sie würden in Italien erst dann eine Stadt erbauen, wenn der Hunger sie gezwungen hätte, den Tisch zu verzehren, von dem sie äßen. (Es war das Brot, auf das sie die Speise gelegt hatten.) - Ob Friedrich II. Kanzler Pietro della Vigna (der Dichter des ersten Sonetts!) wirklich schuldlos war, weiß man nicht. Unter der "Metze" ist der Neid verstanden. Ein Selbstmörder ist auch der Schlemmer Lano aus Siena, der im Gefecht am Toppo den Tod suchte und fand. Von Jakob kennt man gleichfalls Züge maßloser Verschwendung. Mit der Stadt ist Florenz gemeint, deren Schutzherr angeblich einst Mars, dann Johannes der Täufer war; jener habe also wegen solcher Zurücksetzung all die Kriege entfesselt. Vielleicht auch ist es allegorisch gesagt und unter Johannes der Reichtum gemeint, da sein Bild auf die florentinischen Gulden geprägt war. Auf welchen stadtbekannten Vorfall mit Einführung des ungenannten Florentiners angespielt werden soll, ist ungeklärt.

Hölle 14
DER DRITTE RING. Der Sand gleicht dem der Libyschen Wüste, durch die Cato die Reste des pompejanischen Heeres führte. Von dem Feuerregen erzählt ein unechter Brief Alexanders an Aristoteles. Capaneus, einer der sieben Belagerer Thebens, hatte Jupiter gehöhnt und war darob vom Blitz erschlagen worden. Der Mongibello ist der Atna. Im thessalischen Phlegratal streckte Jupiter die den Himmel stürmenden Giganten zu Boden. - Der Blutstrom fließt in Steindämmen zum achten Kreis, wie der Abfluß des Schwefelpfuhls bei Viterbo zu den wohl anrüchigen Badeanstalten. Die vier Höllenflüsse läßt Dante auf Kreta entspringen. Dort herrschte im goldenen Zeitalter Saturn, dessen Weib Rhea den Jupiter vor dem Vater auf den Berg Ida rettete. Die Gestalt des Greises spielt auf Nebukadnezars Traumgesicht an; gemeint sind wohl die vier Zeitalter (nicht wie dort die vier Monarchien des Altertums). Die Gegenwart ist tönern. Der Greis ist der Offenbarung (Rom) zugewandt. Lethe ist nicht in der Hölle, sondern im irdischen Paradies, da die Erinnerung an die Schuld ja zu den Strafen gehört.

Hölle 15
Phlegeton, der "brennende", der Fluß des siebenten Kreises, strömt zwischen Dämmen, die denen Belgiens gleichen, nur niedriger sind, so daß Brunetto Latini Dantes Mantel fassen kann. Dieser hochberühmte Philosoph und Poet war Dantes Lehrer, den dieser ob seiner Verehrung nur mit Schmerz unter den Sodomitern findet. Brunetto ist der dritte, der Danten trübes prophezeit, und er will dessen Gegensatz zu den Florentinern aus seiner ursprünglich römischen Abkunft erklären, während jene zumeist aus Fiesole stammen. Dantes gleichgültige Antwort spielt auf einen Vers von Virgil an. - Die Sünder sind nach Berufen eingeteilt. Genannt werden: der Grammatiker Priscianus, der Kommentator Accursius und der zeitgenössische Bischof Andrea de' Mozzi, den der "Knecht der Knechte Gottes" (der Papst, nämlich Bonifaz VIII.) von Florenz nach Vicenza versetzt hatte. Die letzten Zeilen meinen einen Wettlauf nackter Männer, der am ersten Fastensonntage in Verona Brauch war. Der Siegespreis war ein grünes Tuch. Vergleichspunkt ist die Schnelligkeit.

Hölle 16
Die drei erlauchten Florentiner, die sich im Kreise drehen, weil sie nicht haltmachen dürfen, sind: der Guelfe Guerra, dessen Ahnin Waldrada für ihre Tugend und Schönheit berühmt war, und der mit Karl von Anjou gegen König Manfred focht; der weise Aldobrandi, dessen Rat den Florentinern das schon (zehnter Gesang) erwähnte Blutbad am Arabia erspart hätte; und Rusticucci, der sich von seinem bösen Weibe trennen mußte und so dem hier bestraften Laster verfiel. Borsieri wird im Dekameron als geistvoll geschildert. - Dante hat als Jüngling den Strick der Franziskaner getragen, ohne aber dem Orden beizutreten. Nun bedarf er dieser Kasteiungen nicht mehr, um die Fleischeslust zu bekämpfen (das Pardel einzufangen). Geryon, das Bild des Truges, läßt sich durch diese Absage jeder Askese herbeilocken.

Hölle 17
Geryon, der seine Gäste heimlich getötet und seinen Stieren zum Fraß geboten haben soll, erscheint hier nicht als der dreiteilige Riese der Alten, sondern als Personifikation des Truges: Menschenhaupt mit Schlangenleib. Unter den Wucherern, zu denen Dante vor dem Niederflug tritt, befinden sich Abkömmlinge verschiedener Florentiner Adelsgeschlechter, auch ein Paduaner. Mit "Fürst der Ritter" ist ein "Erzwucherer" gemeint. Das "Geräusch des Strudels" scheint zu besagen, daß der Niederflug am Fall des Phlegeton vorbeiführte.

Hölle 18
DER ACHTE KREIS - Übelbulge, also Schreckenskluft nennt ihn Dante - enthält zehn konzentrische Gräben oder Täler, die den Abgrund zum neunten Kreis umgürten. Quer laufen Dämme, wie Brückenbogen, über die Gräben hinüber. Der Weg führt nun nach rechts (als ob er zum Rechten führe). Unter den Kupplern und Verführern der ERSTEN BULGE erblickt Dante den Bolognesen Caccianimico, der seine schöne Schwester verkuppelt hatte. "Sipa" ist eine Affirmationsform der Gegend um Bologna. - Hysipyle hatte ihrem Vater Thoas dem Männermorde durch die Frauen von Lemnos entzogen. - Die Schmeichler der ZEITEN BULGE sind so mit Kot bedeckt, daß man nicht sehen kann, ob sie eine Tonsur tragen. Der Ghibelline Interminci war ein Demagoge. Thaïs, eine Gestalt aus den "Eunuchen" des Terenz, wird hier, als besonders typisch, wie eine historische Person eingeführt: die Buhlerinnen stehen mit ihren Künsten dem Schmeichler gleich.

Hölle 19
Die DRITTE BULGE läßt den Schacher mit heiligen Dingen büßen; nach Simon Magus sind diese Sünder Simonisten benannt. Die Röhren werden mit den Vertiefungen um den Taufstein im Johannes-Baptisterium zu Florenz verglichen, die den Priestern gegen den Andrang Schutz boten. Es scheint Dante vorgeworfen worden zu sein, daß er einmal die Steine aufbrach, um ein hinabgestürztes Kind zu retten. Mörder wurden damals kopfunter lebend vergraben, worauf Dante anspielt. Da Bonifaz VIII. noch lebte, konnte ihm Dante nur durch diese Prophezeiung sein Urteil künden für das, was er der "schönen Frau" (die Kirche) getan hatte. Der Redende ist Papst Nikolaus III., ein Orsini (Bär), der die Nepotenbereicherung ausarten ließ. Der Hirt vom Westen, Klemens, wird mit dem Hohenpriester Jason oder Josua (Makk. II, 4, 7-10) verglichen, der sich, wie jener, von einem Tyrannen die geistliche Würde erkaufte. Dante bezieht die Vision der Offenbarung (17) auf den heiligen Stuhl. Die "Konstantinische Schenkung" ist wohl ein Märchen. Virgil hebt den Dichter empor: die Vernunft, die ermöglicht, sich über sich selbst zu erheben.

Hölle 20
In der VIERTEN BULGE ist kein Mitleid mehr am Platze, weil sonst die Liebe zur Gottheit litte. Unter den nach göttkicher Weisheit lüsternen nennt Dante den Amphiaraus, der als einer der Sieben gegen Theben seinen vorausgeahnten Tod zu meiden suchte; Tiresias, der zwei gattenden Schlangen schlug und deshalb zeitweilig zum Weibe wurde; den errurischen Zeichendeuter Aruns; Tiresias' Tochter Manto, die Mantua gründete (des "Baccus Stadt" ist Theben). Pinamonte überredete den Grafen Albert von Casalodi, die meisten Adligen aus der Stadt zu weisen, worauf er sich der Herrschaft bemächtigte. Des Eurypylus Verkündigung war freventlich, weil sie sich gegen die Trojaner, Roms Vorfahren, richtete. Scotus, der Arzt Friedrichs II., Bonatti und der berühmte Schuster Asdente waren Wahrsager des Mittelalters. - Kain mit seinen Dornen ist der "Mann im Mond". Die zeitangabe am Ende ist sehr schwer nachzurechnen.

Hölle 21
An der FÜNFTEN BULGE, wie anscheinend an jeder, bewachen Dämonen die Brücke. Sancta Zita ist eine Ortsheilige von Lucca. Buantoro trieb dort als Stadtverordneter Stellenschacher. Der Spott spielt auf das berümte Christusbild und den Heimatfluß an. Capronas Übergabe hatte Dante selbst miterlebt. - Die Zeitangabe dient als Hauptstützpunkt für die Berechnung, wann die Reise stattgefunden habe. - Der Hauptmann streckt die Zunge heraus, weil er, wie sich dann zeigt, Virgil betrogen hat.

Hölle 22
Bei dem ungetreuen Diener des Königs Thibaut II. von Navarra († 1270) sitzt der Mönch Gomita, der um Geld Gefangene seines Herrn, Nino Visconti, entlaufen ließ. Friedrichs II. natürlicher Sohn Enzio hatte die Erbin von Gallura und Torre in Sardinien geheiratet, um von seinem Vater den Titel König von Sardinien zu erhalten. Don Michael, wie es heißt, sein Seneschall, erschlich sich die Frau, als Enzio gefangengenommen wurde. - Die "Wildfangsperber" sind nicht dem Nest entnommen, sondern erwachsen eingefangen; sie gelten als mutiger. Die "Rinde" ist das krustende Pech.

Hölle 23
Äsops Frosch überredet die Maus, ihre Füße zusammenzubinden, und taucht darauf unter, um sie zu ersticken; eine Weihe frißt sie dann beide. - Die Kleidung der Heuchler in der SECHSTEN BULGE spielt auf eine Strafe an, die Friedrich II. überführten Verrätern diktiert haben soll: sie wurden in solchen Kutten verbrannt. "Lustig-Brüder" war der Spottname eines Ordens, der unter Urban IV. gegründet wurde. Die beiden Sünder waren als parteilose Männer als Podesta nach Florenz berufen. Sie waren auf ihren Vorteil bedacht und hinderten nicht den Aufruhr, der das Stadtviertel Gardingo zerstörte. Der Schmäher (des Kaïfas) war Annas.

Hölle 24
Wenn die Sonne zu Jahresbeginn im Wassermann steht, ihre Strahlen (Locken) schon wärmer werden, ruft oft Reif den Eindruck des Schnees (seines Bruders) hervor; aber er schwindet schnell. Das Klettern wird durch die allgemeine Senkung Übelbulgens zur Mitte hin erleichtert. Die SIEBENTE BULGE wimmelt von Schlangen, deren Namen meist aus Lucans Pharsalia entnommen sind. Heliotrop galt als ein Stein, der unsichtbar macht. - Vanni Lucci war ein wütender Parteigänger der Schwarzen. Er verkündet den nahen Untergang der Weißen, die damals noch die Oberhand hatten. Welche Stadt er meint, weiß man nicht genau.

Hölle 25
Die bekannte spöttische Bewegung hatte ursprünglich wohl obszöne Bedeutung. Cacus, den die Äneïs als semohomo darstellt, hat dort die Gabe, Flammen und Rauch zu speien. Als Dieb gehört er nicht zu den anderen Zentauren. Auch die fünf edlen Florentiner sind Diebe: Cianfa Donati hat sich eben in eine Schlange verwandelt und verschmilzt dann mit Agnello Bruneleschi zu einem Reptil. Alles sind Zeitgenossen Dantes. Die Verwandlungen gemahnen an die Krieger aus Katos Heer, die Lucan, den ersten durch einen Eidechsenbiß, den zweiten durch einen Schlangenbiß umkommen läßt. Auch Ovid berichtet ähnliches in den Metamorphosen. Gaville, wo Cavalcanti ermodet wurde, büßte das durch eine Rachezug seiner Familie.

Hölle 26
Dante kündet dem über Land und Meer berühmten Florenz nahes Unheil, darob sich Prato und die anderen Nachbarorte freuen werden. Immer steiler werden die Bögen. Der Anblick der schlimmen Ratgeber in der ACHTEN BULGE ist für Dante eine Warnung, seinen Verstand nicht zu mißbrauchen. Dante blickt die Flammen an wie Elisa die Wolke, die Elias zum Himmel trug. Die Strafe durch Bären traf zwei Knaben, die Elisa als Kahlkopf verspottet hatten: sie wurden von Bären zerrissen. Die feindlichen Brüder Eteokles und Polyneikas stritten sich um Theben, Ulisses und Diomed schufen Trojas Verderben. Achill wurde durch Odysseus' Rat unter den Töchtern des Lykomedes herausgefunden (und so seiner Gattin entführt), das Palladium, an dem Trojas Schicksal hing, von den beiden aus dem Minervatempel geraubt. Die Reise des Ulisses ist entweder erfunden oder einer verlorenen Quelle entnommen; mit Homer hat sie nichts gemein. Mit dem Berg scheint der des Purgatorio gemeint zu sein, den Gott ("ein anderer") einem Lebenden nicht zu betreten erlaubt. Der "untere Teil" des Mondes ist der der Erde zugekehrte.

Hölle 27
Der eherne Stier, den Phalaris von Agrigent verfertigen ließ, brüllte, wenn ein Mensch in sein glühendes Innere geschlossen wurde. Den Verfertiger ereilte als ersten dies Schicksal. Dantes lombardische Worte sind hier durch österreichische Dialektworte wiedergegeben ("ich fordere nichts weiter von dir"). Die "grünen Klauen": das Wappen der Ordelaffi war ein grüner Löwe; der Adler war im Wappen der Familie Francesca von Riminis - ihr Schwager ist der "alte Fanghund". Am Santerno und Lamone saßen die Pagani (roter Löwe), die zwischen Guelfen und Ghibellinen schwankten. Der sprechende Geist ist Guido von Montefeltro, einer der hervorragendsten Ghibellinenrecken. Beim Feldzug Bonifaz' VIII. gegen die uneinnehmbare Feste der Colonna, der bei Acre im Kampf gegen die Ungläubigen Besiegten, gab er den Rat, den er hier büßt. Silvester soll vor Konstantin zum Soracte geflohen sein, dann aber den Erkrankten getauft und zugleich geheilt haben. - Das Wortspiel zum Schluß meint, daß sonst "Häufen", nicht "Spalten", drückt.

Hölle 28
Die NEUNTE BULGE mit ihren Blutszenen erinnert an die Schlachtfelder Apuliens, an Cannae, Guiscards Kämpfe gegen die Griechen, Benevent und Tagliacozzo. Von den hier büßenden Schismatikern nennt der Dichter den Kalifen Ali, der die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten hervorrief; ferner Fra Dolcino, der mit seinen "Apostelbrüdern" damals noch in den Bergen von Novara ein elendes Räuberdasein fristete. Von weltlichen Zwietrachtstiftern Peter von Medicina, der den Zwist zwischen den Polentas und Malatestas geschürt haben soll. Die Weissagung bezieht sich auf eine Schandtat Malatestinos, des einäugigen Sohnes vom "alten Fanghund". - Curio hat Cäsar zum Überschreiten des Rubicon, also zum Bürgerkrieg veranlaßt, Mosca degli Uberti den Parteihader in Florenz genährt. Bertram von Born ist der kampflustige Troubadour, dessen kriegschnaubenden Servienten zu Schlacht und Empörung riefen. Er hetzte den Bruder Richard Löwenherz' gegen seinen Vater. Achitophel förderte Absaloms Empörung wider David.

Hölle 29
Virgil gibt nun genauere Maße an, die eine Berechnung zulassen. - Geri del Bello, der Falschmünzerei betrieben haben soll und ermordet wurde, ist ein Oheim von Dantes Mutter. Die Blutrache, die Dante ohne Bedenken erwähnt, vollzog der Sohn des Ermordeten. - Die Fälscher in der ZEHNTEN BULGE leiden einen Jammer, wie er nicht in den Spitälern berüchtigter Sumpfgebiete zur heißen Fieberzeit herrscht. Dante denkt an die Pest in Ägina, die Ovid beschrieben hat: Jupiter bevölkerte die ausgestorbene Stätte durch in Menschen verwandelte Ameisen. - Der Aretiner ist Griffolino von Arezzo, ein Pflegesohn des Bischofs, der ihn dann verbrennen ließ. Die Bemerkungen über die Stricca und Niccolo Bonsignore sind ironisch gemeint. Auch sie gehören wohl dem "Kränzchen" an.

Hölle 30
Juno war über Jupiters Abenteuer mit Semele wider das ganze Geschlecht Cadmus', des Gründers von Theben, ergrimmt. Ihr Rat schuf Semele den Untergang, dann sandte sie Tisiphone zu deren Schwester Ino und ließ diese und ihren Gatten Athamas in Wahnsinn versenken, so daß die beiden ihre zwei Söhne umbrachten. - Polyrena war dem Schatten Achills geopfert, Polydor von Polymnestor ermordet worden, dessen Schutz Hekuba diesen Sohn anvertraut hatte. - Der Aretiner ist wieder Griffolino, Schicchi fälschte ein Testament des Donati, indem er sich für den eben Verstorbenen ins Bett legte. Myrrha verkleidete sich, um mit ihrem Vater Cinyras von Paphos Blutschande zu treiben. Adam von Brescia war ein Falschmünzer, ebenso die zwei Söhne des Grafen Guido. Die Fonte Branda ist ein schöner Brunnen zu Siena. Des Narzissus Spiegel ist die Quelle. Die letzte Zeile ist vielleicht eine Selbstkrtik.

Hölle 31
Die Giganten sind, nach jenem Pinienzapfen gemessen, etwa 54 Fuß hoch, der Schacht 27 Fuß tief. Montereggione ist ein Schloß bei Siena. Nimrod, der Urheber der babylonischen Verwirrung, spricht Unverständliches, vielleicht arabisch, was aber auch vielartig gedeutet werden kann. Ephialtes hatte mit Otos den Pelion auf den Ossa getürmt, um den Olymp zu erstürmen. Antäus, der Sohn der Erde, den Herkules erstickte, ist ungebunden, weil er am Kampf gegen Jupiter nicht teilnahm. Das "schicksalsreiche Tal" ist bei Zama in Nordafrika. Carisendas Turm steht in Bologna.

Hölle 32
Der NEUNTE KREIS bildet einen zum Mittelpunkt ziemlich steil abfallenden Hang. In der KAÏNA findet Dante die Grafen Alberti, zwei Brüder, die sich gegenseitig umbrachten. König Arthurs Bastard Modrec wurde von diesem erstochen, als er ihn ermorden wollte. Focaccia Cancellieri, ein "Weißer", erschlug aus Parteihaß einen Verwandten, Mascheroni seinen Neffen um einer Erbschaft willen, Pazzi seinen Verwandten Ubertino. Carlino lieferte den Schwarzen das ihm anvertraute Pistoja aus und damit seine Freunde und Verwandte an die Schlachtbank. - In der ANTENORA will sich ein Verräter nicht nennen, wie dies schon im vorigen Gesang bedeutet wurde. Bocca degli Abati entschied durch Verrat die Niederlage der Guelfen bei Montaperti, Buoso von Doaria ließ Karl von Anjous Franzosen nach Mittelitalien, Baccheria und Soldanier wurden Verräter an der ghibellinischen Sache, Ganelon ist der bekannte Verräter der Rolandsage, Tribadello verriet seine Vaterstadt Faënza.

Hölle 33
Verrat büßt auch der Ghibelline Ugolino, der mit seinem Neffen Nino Visconti Pisa verwaltete und bei einem Aufstande gefangengenommen wurde. Er starb 1289 grausamen Hungertodes, war aber wohl ziemlich schuldlos, nicht so wie Roger degli Ubaldini, der an die Spitze des Aufstandes trat. In der PTOLEMÄA findet Dante noch einen Bruder Lustig, Alberigo de Manfredi, der einen Angehörigen seines Hauses beim Mahle ermorden ließ. Des Sünders Seele fährt sofort nach der Tat zur Hölle, so daß der Täter oft noch weiterlebt, so wie hier Alberigo und Brancs d'Oria, dessen Opfer Michael Zanche im 22. Gesang genannt war.

Hölle 34
"Der Höllenfürst entfaltet seine Fahnen jetzt gegen uns" - so lautet der Beginn eines Hymnus, den Virgil beim Betreten der JUDECCA zitiert. Lucifer steht halb diesseits, halb jenseits der Erdmitte und zermalmt in alle Ewigkeit die Verräter an Gott und Cäsar, der Kirche und dem Kaisertum. Seine drei Gesichter versinnbildlichen die drei, der auserwählten (weißen) feindlichen Menschenrassen (was den Erklärern bisher entgangen war). Durch Verwechslung mit dem Cassius der katilinarischen Rede nennt er den Verräter feist. - Bei Anbruch der Nacht beginnt der Aufstieg durch Beelzebubs Gruft zur anderen Erdhälfte, wo die Dichter, kurz vor Sonnenaufgang, die Sterne wieder erblicken. Alle drei Teile enden mit dem Wort: Sterne.


Fegefeuer 01
DAS FEGEFEUER
Den Übergang vom Zustande völliger Zerfallenheit mit Gott zur vollendeten Gerechtigkeit und der seligen Betrachtung Gottes, diesen Übergang zu schildern, ist Aufgabe des zweiten Teiles der Dichtung. Er wird durch die Rechtfertigung erreicht und durch die Gnade Gottes unter Mitwirkung des freien Willens. Während Dante in der Hölle nur der ergrausende Zuschauer war, muß er nun den Zustand des Ringens selbst durchmachen: das zeigt besonders deutlich, wie fern dem Dichter die Ansicht gewisser Schwärmer war, der Mensch brauche zu seiner Vergeistigung das Eintauchen in die Sünde! Durch seine Teinahme erreicht er im ersten, dritten und siebenten Kreis das Löschen der vom Pfortenengel in die Stirn geritzen Sündenzeichen, im zweiten und siebenten durch Schuldbekenntnis, im vierten durch Traumkampf und im fünften dadurch, daß er sich in Statius spiegelt, der gerade seine Buße abschließt. Dieser begleitet ihn nun als zweiter (christlicher) Begleiter (Pochhammer). Die Gliederung ist nach dem anfangs Gesagten in völliger Analogie zur Hölle klar: den Vorräumen für die Saumseligen folgen, natürlich nun in umgekehrter Reihenfolge, die sieben, wieder terassenförmig gedachten Kreise, Stolz, Neid und Zorn, dann als Mitte, die Trägheit, endlich Geiz und Verschwendung, Schlemmerei und Wollust. Das Symbol der drei Tiere (Löwe, Pardel und Wölfin) wird die Analogie von Stolz, Neid und Zorn mit den drei letzten Höllenstufen, Verrat, Heuchelei und Gewalttat am leichtesten verständlich machen. In völliger Analogie entspricht hier auch das Streben zum irdischen Paradies am Gipfel des Berges, also zur Gottesnähe, dem Drange des Sünders dem Teufel zu. Aber während der Sünder in der Hölle die Folgen seiner Verbrechen durchmacht, hat er im Purgatorium die der Sünde entgegengesetzte Tugend zu üben, bis die Wurzel der Sünde vernichtet ist. "Nur die Seele selbst weiß, wann dies Ziel erreicht ist. Sie erhebt sich dann; ein Beben des Berges kündet ihren Teilsieg an und löst den Lobgesang der Mitstrebenden aus" (Pochhammer).
ERSTER GESANG
Der Anruf der Musen, der auch diesen Teil einleitet, spielt auf deren Wettkampf mit den Picriden an, der mit der Verwandlung der letzteren in Elstern endete. Kalliope, die Muse der epischen Dichtkunst, war damals die Wortführerin. Das Sternbild bedeutet die vier Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Mäßigung, Stärke und Klugheit. Der Wächter der Zugänge zum Berge ist Cato Uricensis, der also ob seiner Gerechtigkeit und durch den Tod bewährten Freiheitsliebe vom Dichter eine besondere Stellung gegenüber den anderen edlen Heiden eingeräumt bekommt. Aber die erhaltene Gnade ermöglicht ihm noch nicht den Aufstieg: am Tore des Vorpurgatoriums muß er des Jüngsten Gerichts harren. Symbolisch ist er der Zustand, der dem eigentlichen Akte der Rechtfertigung vorhergeht. Sein Weib Marcia bleibt in der Vorhölle und ist deshalb auch seiner Liebe entrückt. Das Schilf (Demut) ist die Voraussetzung zum Aufstieg, der (vgl. die Hölle) allmählich leichter wird.

Fegefeuer 02
Der Berg liegt Jerusalem antipodisch gegenüber; dem entsprechend ist die Zeitangabe, von der mittleren Linie als Horizont berechnet, zu verstehend. Der Psalm "als Jerusalem aus Ägypten kam" wird von Dante in einem Brief als Hinweis auf die Erlösung durch Christus, auf die Bekehrung der Seele aus dem Jammer der Sünde zur Gnade und den Ausgang der heiligen Seele aus der Knechtschaft dieser Verderbnis in die ewige Freiheit der Herrlichkeit gedeutet. Dantes Freund Casella war ein bekannter Sänger. Der Tiber weist auf die Bußordnung durch den römischen Stuhl.

Fegefeuer 03
Was hier über den Schattenleib gesagt wird, ergänzt das weiter vorn angegebene. Virgil spielt hier auf die aristotelischen zwei Arten des Wissens an, "daß" und "warum" eine Sache sei. Der "ödeste Bergsturz" liegt an der Riviera di Genova, deren Endpunkte der Dichter nennt. Das Fortwinken "mit der äußeren Hand" ist italienischer Brauch. - König Manfred von Sizilien gehört zu den im Kirchenbann Gestorbenen; die schöne Tochter ist Konstanze, der Stolz Aragoniens wohl Alphons, der ihrem Gemahl Peter auf dem Throne folgte. Die "Wahrheit" ist, daß er nicht unter den Verdammten weilt. Ob er wirklich so Arges begangen hat, ist zweifelhaft. Seine Leiche wurde auf päpstlichen Befehl und Geheiß des Erzbischofs von Cosenza aus dem Grabe zu Benevent ausgescharrt und an das Ufer des Verda geworfen, um nicht den Boden eines Kirchenlehens zu entweihen.

Fegefeuer 04
Dante verwahrt sich dagegen, daß seine Anschauung von der Seele mit der der Platoniker zusammenstimme, die eine vegetative, eine sensitive und eine intellektuelle als selbständig nebeneinander unterscheidet: sonst müßte ja der sinnliche Eindruck der sensitiven Seele den Zeiteindruck den Zeiteindruck der intellektuellen hindern. Jene Lehre der Platoniker war von der Kirche ausdrücklich verdammt. San Leo liegt in Montfeltro, Noli an der Riviera di Ponente, der Pietra Bismantova in der Lombardei. Die Sonne ist ein "Spiegel", weil sie das Licht Gottes zurückstrahlt, "aufwärts" zum Saturn, Jupiter und Mars, "herab" zur Venus, dem Merkur und Mond (nach dem Ptolemäischen System). Der Horizont ist, wie im zweiten Gesang, jene Mitellinie in gleichem Abstand von dem Berg und Zion. Der säumige Belacqua war ein Zitherschnitzer, den Dante als Musikfreund gekannt haben dürfte. Marokko liegt nach Dante, wie Spanien, in der Höhe jenes Horizontes, auf dem halben Weg vom Zion zum Berge. - Die Säumigen sind, wie sich hier zeigt, eingeteilt in solche, die aus Trotz, und solche, die aus Nachlässigkeit die Buße versäumten.

Fegefeuer 05
Die Seelen derer, denen ein jäher Tod einen Ablaß unmöglich machte, sehnen sich nach Fürbittern. Der erste der Redenden soll Jakob del Cassero sein, der seinen Gegner Azzo von Este oft beschimpfte und dann in Padua, auf der Reise, verraten und ermordet wurde. Er nennt das Blut die Wohnung der Seele (III. Mos. 17, 111). Buonconte von Montefeltro, des Grafen Guido Sohn, fiel im Kampfe bei Campaldino; seine Leiche wurde nicht gefunden. Johanna war sein Weib. Pia war in zweiter Ehe mit Nello de Pannocchieschi vermählt, der sie als vermeintliche Ehebrecherin auf einem seiner Schlösser ermorden ließ.

Fegefeuer 06
Zu den um Fürbitte Flehenden kommen ferner: der Aretiner Rechtsgelehrte Benincasa (Ghino, der Straßenräuber, ist aus dem Dekameron X, 2 bekannt); Ciacco de' Tarlati, der im Arno ertrank; der als gut bekannte Graf Novello; der Sohn des Rechtsgelehrten Ritters Marzucco aus Pisa, der dann Franziskaner gewrorden war und für seinen ermordeten Sohn ein Grab erflehen; Graf Orso (?) und der Oberkämmerer Philipps des Kühnen von Burgund, Peter de la Brosse, der Intrigen zum Opfer fiel. Nach der Erörterung über den Wert der Fürbitten naht der Troubadour Sordello, der gegen die Mißachtung des Kaisertums wettert und die Ermordung Albrechts von Habsburg verkündtet, weil der Italien seinen Fehden überließ. Die Übersetzung "Jova" für Jupiter ist im Anklang an das italienische "Giove" und im Hinblick auf Dantes Identifizierung mit Jehova gebildet.

Fegefeuer 07
Die heiligen drei Tugenden, Glaube, Liebe und Hoffnung fehlen den tugendhaften Heiden. Sordells Allegorie sagt, daß der Mensch ohne göttliche Gnade (die Sonne der Seelen) aus eigener Kraft keinen Schritt zum Guten zu machen vermag, wohl aber zur Weltlichkeit zurückkehren kann. Von den Kostbarkeiten, mit denen er des Tales Blütenschmuck vergleicht, scheint das "leuchtende Holz" eines zu sein, das nachts leuchtet, wenn es feucht ist. Die Fürsten, die dort genannt werden, sind: Rudolf von Habsburg, Ottokar von Böhmen, Philipp III. von Frankreich (mit der Stumpfnas'), der mit dem "güt'gen" Heinrich dem Dicken von Navarra spricht; dessen Schwäher Philipp IV., der Frankreich durch seine Willkür und Habsucht peinigte; Peter von Aragonien, der Gliederstarke, vor dem flüchtend Philipp III. starb; der adlernasige Karl I. von Anjou und Alphons von Aragonien, der "Jüngling", dessen Lob ebenso berechtigt ist, wie der Tadel seiner Brüder Jakob und Friedrich übertrieben. Das gleiche gilt von dem Tadel Karls II. von Neapel. Seine Lande weinen seinem Vater nach (sagt der Dichter), der ihn ebenso übertraf wie Konstanzens Gemahl, Peter von Aragonien, die Gatten von Beatrix (Karl I. von Frankreich). Da Dante nicht an Erblichkeit der Tugenden glaubt, ist ihm der junge Alphons eine bemerkenswerte Ausnahme. Nach dem schwachen König Heinrich III. von England nennt der Dichter endlich noch den Markgrafen Wilhelm Langschwert, der auf einem Rachezug gegen das verräterische Alessandria gefangengenommen wurde und dadurch seine Lande Montserrat und Canavese der Verheerung preisgab.

Fegefeuer 08
Auf das Erklingen der Abendhymne hin: "Dich flehn wir vor des Lichtes Scheiden an", erscheinen Engel, Cherubim, mit stumpfen Schwertern (da sie nur zur Abwehr bestimmt sind, durch die unendliche Güte der Gerechtigkeit Schärfe gemildert ist). Ihre Bekämpfung der Schlange ist die leicht zu durchdringende Allegorie für den Kampf gegen die gerade bei beginnender Besserung so gefährliche Versuchung. Nino von Visconti war ein Gegner des vordem genannten Grafen Ugolino, und sein Leben hätte ihn eher in der Hölle vermuten lassen. Sordell wird verwirrt, als er dem Gespräch der Freunde entnimmt, daß Dante noch nicht dahingeschieden ist. Johanna ist Ninos Tochter, seine Witwe verfiel mit ihrem zweiten Manne der Verbannung, mochte sich also später zu ihrem Witwentum (dem weißen Schleier) zurücksehnen und dem Hahn Galluras (dem Wappen Ninos) den Vorzug vor den Vipern (Wappen ihres zweiten Mannes) geben. Dante erblickt am Südpol statt des Viergestirns der vorigen Nacht drei Sterne, das Bild der schon genannten Tugenden. Alsbald beginnt der Kampf, und nun spricht der schon vordem angerufene Konrad, Markgraf in Val di Magra (zwischen Genua und Lucca), dessen Geschlecht gut kaiserlich, tapfer und freigebig, sich vom schlimmen Haupt der Welt (Bonifaz VIII.) nicht verführen läßt. Konrad prophezeit: noch ehe die Sonne zum siebenten Male im Widder unterginge, werde Dante fühlbare Beweise dieses Edelsinns erhalten - was sich durch die gastliche Aufnahme bei Konrads Neffen erfüllte.

Fegefeuer 09
Die Zeitbestimmung ist mit einem Bilde verknüpft, dessen Erklärung Schwierigkeiten macht. Offenbar schildert der Dichter den Mondaufgang um neun Uhr abends. Er nennt die sich lichtende Helle am Morgensaum des Himmels die Bettgenossin des bejahrten Tithon: da Aurora, die Morgenröte, nicht als Tithons Kebsweib, sondern nur als dessen Gattin bezeichnet werden kann, will Philaletes die Helle des Mondes verstanden wissen, Gildemeister aber "Titan" lesen, den bei römischen Dichtern vorkommenden Namen des älteren Sonnengottes; dann wäre der "süße Buhle" diese entschwundene Sonne.

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