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Dante Alighieri - La Divina Commedia - Inferno
August Kopisch - Die Göttliche Komödie - Hölle

Auf dem Thurm erschienen zwei Feuerzeichen, dem ein drittes fern über dem Sumpf antwortet und schneller als ein Pfeil, kommt der zornige Tempelverwüster Flegias, der Fährmann des Orts, in einem Boot herüber, mit grimmiger Anrede. Virgils Antwort bewältigt ihn. Die Dichter steigen ein und fahren über. Da klammert sich der zornige Geist des Florentiners Filippo Argenti an das Schiff. Virgil stößt ihn zurück. Dante schilt seinen Abscheu gegen den tobenden Sünder heraus, und Virgil umarmt seinen Schüler dafür. Argenti wird nun von den andern Zornigen angerufen, fast zerrissen, und wendet zuletzt seine Zähne gegen sich selbst. Hierauf nahen sich die Schiffenden der Stadt des Dis (Satan, Luzifer), mit tiefen Gräben und eisernen Mauern, worin das göttliche Licht der Liebe und Wahrheit, das die Guten im Paradiese beseligt und die Büßenden im Fegefeuer läutert, den Feinden Gottes und denen die ewig unreines Bewußtsein haben zur flammenden Qual wird. Die Dichter steigen am Thore aus; aber eine Schaar von mehr als tausend gefallnen Engeln droht von da herab. Virgil geht zu ihnen, sie wollen ihn (die irdische Erkenntniß) behalten, Dante soll allein zurückgehen. Letzterer erschrickt darüber; Virgil aber sagt ihm: er werde ihn nicht verlassen und theilt Jenen den Willen Gottes heimlich mit: - Da schließen sie auch ihm das Thor, und zürnend kehrt er zurück, zu Dante sagend: daß dieser Trotz nicht neu sei, bald aber komme ein Mächtiger, durch den das Thor ihnen offen stehen werde.

Fortfahrend sag ich, daß, um vieles früher
Als wir gelangt zum Fuß des hohen Thurmes,
Schon unsre Augen auf zum Gipfel gingen,

Ob zweier Flämmchen, die wir stellen sahen,
Ein andres dann ihr Zeichen wiedergeben,
Fern, daß das Aug' es kaum entnehmen konnte.

Und ich, gekehrt zum Meere aller Einsicht,
Sprach: "Was besaget dies, und was antwortet
Das andre Licht dort, und wer sind, die's machten?"

Und er zu mir: "Da, auf den schmutz'gen Wellen,
Kannst du schon sehen, was man hier erwartet;
Wenn es des Sumpfes Qualm dir nicht verhüllet."

Strang hat von sich niemalen Pfeil getrieben,
Der durch die Luft gefahren wär', so schnelle,
Als ich da sah ein kleines Schifflein kommen,

Herüber durch die Fluth, gen uns, auf dieser,
Unter der Leitung eines einz'gen Fährmanns:
Der schrie: "Nun, bist du da, verruchte Seele?" -

"Flegias, Flegias, du schreiest in das Leere,
Sprach mein Gebieter: denn du hast uns diesmal
Nicht länger, als den Unflat überschiffend."

Wie Einer, welcher großen Trugs gewahr wird
Den man ihm angethan und dann ergrimmet,
So wurde Flegias vom Zorn befangen.

Mein Führer stieg nun in das Boot hinunter
Und schuf dann, daß ich hinter ihm hineinging,
Und erst, als ich darin war, schien's beladen.

Sobald der Führer mit mir in dem Schiff war,
Eilt der uralte Kiel dahin, zertheilend
Mehr Wassers, als er sonst mit andern pfleget.

Indem wir jagten auf dem todten Graben,
Kam mir vor's Antlitz Einer voll von Schlamme
Und sprach: "Wer bist du, der du vor der Zeit kommst?"

Und ich zu ihm dann: "Komm' ich auch, - nicht bleib ich:
Doch wer bist du, der so besudelt worden?"
Er sprach: "Das siehst du, Einer der da weinet!" -

Und ich zu ihm: "Mit Weinen und mit Jammern,
Vermaledeiter Geist, verbleibe dorten!
Ich kenne dich, wie ganz beschmutzt du seiest!"

Da reckte er zum Borde beide Hände:
Weshalb der weise Meister in zurückstieß
Und sprach: "Hinweg da, sammt den andern Hunden!" -

Dann schlang die Arm' er um den Hals mir, küßte
Mein Antlitz, sprechend: "Abscheuvolle Seele
Gesegnet sei, die sich um dich gegürtet!

Der war auf Erden ein hochmüthig Wesen,
Huld ist es nicht, die sein Gedächtniß zieret:
So ist sein Schatten hier von Grimm erfüllet.

Wie Viel' hält oben man für große Kön'ge,
Die dann hier liegen, wie die Schwein' im Kothe,
Verlassend hinter sich graunvolle Flüche!" -

Und ich: "O Meister, sehr erfreuet war ich,
Ihn eingetaucht zu sehn in diese Lake,
Bevor hinaus wir kämen aus dem See!" -

Und er zu mir: "Noch ehe sich das Ufer
Dir schauen lässet, wird dir schon genügt sein.
Es fügt sich, daß du des Verlangten froh wirst." -

Nur kurz darauf, sah ich dergleichen Fetzen
Aus Jenem machen, von den schmutz'gen Schaaren,
Daß Gott ich drum noch lobe und ihm danke.

All', alle schrieen: "Auf Philipp Argenti!" -
Der florentinische Geist, der hochmuthtolle,
Mit Zähnen kehret' er sich gen sich selber.

Hier ließen wir ihn, mehr sag' ich von dem nicht:
Doch in die Ohren traf mich nun ein Wehschrein,
Weshalb mein Aug' ich, vorwärtsspähend, schirmte.

Der gute Meister aber sprach: "Nun, Söhnlein,
Naht sich die Stadt uns, die den Namen Dis hat
Mit argen Bürgern, mit gar großem Haufen." -

Und ich: "O Meister, die Moscheen derselben
Seh ich genau da innen in der Tiefe,
Purpurn, als wenn sie aus dem Feuer kämen." -

Er aber sagte mir: "Das ew'ge Feuer
Das innen sie umlohet, zeigt so roth sie,
Wie du sie schaust in dieser tiefen Hölle." -

Wir kamne nun auch in die tiefen Gräben,
Die jene trostberaubte Stadt umklüften:
Die Mauern aber schienen mir von Eisen.

Nicht ohne großen Umkreis da zu machen,
Gelangten wir hin, wo der starke Fährmann
"Steigt aus! uns zurief: denn hier ist der Eingang!" -

Ich sahe mehr als tausend an den Thoren
Vom Himmel Abgefallne, die aufsäßig
Herriefen: "Wer ist der, der ohne Sterben

Durch das Gebiet des todten Volkes wandelt?" -
Mein weiser Meister aber macht' ein Zeichen,
Daß er geheim mit ihnen reden wolle:

Da bargen sie etwas ihr großes Zürnen
Und sprachen: "Komm' allein du, Jener gehe,
Der so verwegen in dies Reich hereindrang:

Er kehr' allein zurück die thör'ge Straße,
Seh', ob er's kann; doch du wirst hier verbleiben,
Der ihn geleitet durch so dunkle Gegend!" -

Bedenk' o Leser, ob mir da der Muth fiel,
Bei'm Halle der vermaledeiten Reden;
Denn nimmermehr hofft' ich zurückzukehren! -

"Mein theurer Führer, der mir, mehr als sieben
Mal, Sicherheit zurückgab, und mich löste
Aus großer Noth, die mir entgegendrohte:

Verlaß mich nicht, sprach ich, also verstöret:
Und, ist das Weiterschreiten mir verwehret,
Laß unsre Spur vereint uns wiederfinden!" -

Doch der Gebieter, der dahin geführt mich,
Sprach: "Fürchte nichts; denn unser Fürderschreiten,
Geschenkt von so Gewalt'ger, nimmt uns Niemand!

Doch harre mein dahier und tröst' und nähre
Den hingesunknen Geist mit guter Hoffnung:
Nicht werd ich in der tiefen Welt dich lassen:"

So geht er hin und so verläßt er hier mich,
Der holde Vater, und ich bleib' im Zweifel,
Daß Nein und Ja sich mir im Haupte streiten.

Nicht hören konnt' ich, was er ihnen sagte;
Doch lange war er nicht allda bei ihnen,
Als Alles um die Wette floh nach innen.

Die Thore schlossen jene, unsre Gegner,
Vor meines Herren Brust, der außen stehn blieb,
Und sich zu mir langsamen Schrittes wandte,

Die Augen an der Erde und die Braunen
Leer aller Kühnheit, und mit Seufzen sprach er:
"Wer wehret mir die wehevollen Häuser?" -

Und zu mir sprach er: "Du, wenn ich auch kämpfe,
Verzage nicht, in dieser Prüfung sieg' ich,
Was drinnen auch sich zur Vertheidgung umtreibt.

Dies ihr Vermessen ist nicht neu, sie übten
Es schon an weniger verborgner Pforte,
Die man noch immer ohne Schloß erfindet.

Du sahest über ihr die düstre Inschrift,
Und schon kommt hier, von ihr herab, die Steile,
Die Kreise nieder wandelnd ohn' Geleite,

Ein Solcher, durch den uns die Stadt wird aufgehn."

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