01
Dante Alighieri - La Divina Commedia - Inferno
Karl Willeke - Die Göttliche Komödie - Hölle

In Lebensmitte, abgeirrt vom rechten Wege, sieht sich der Dichter am Karfreitag 1300 in einem finstern Walde. Nach langem Irregehen findet er den Ausgang und ein Berg, beschienen von der Morgensonne, steigt vor ihm auf. Von neuem Lebensmut erfüllt, will er seinen Gipfel ersteigen, weil er dort Heil und Frieden zu finden hofft. Drei wilde Tiere, ein Panther, Sinnbild der Fleischeslust, ein Löwe, Sinnbild des Hochmuts, und eine Wölfin, Sinnbild der Habgier, sperren ihm den Aufstieg. Schon will er, von ihrem Dräuen erschreckt, umkehren, da stellt sich ihm der Geist Virgils, des alten römischen Dichters, in den Weg. Der beredet ihn zu einer Fahrt durch die drei Reiche des Jenseits und bietet sich für einen Teil der Wanderung als Führer an. Nach anfänglichem Schwanken willigt der Dichter freudig ein.

Halfwiägs vam Menskenliäwen wor't, do soh ik
Mik äines Dages mirrn im duistern Walle,
Alswoimelt wor ik ganß vam rechten Wiäge. 03

't is kium te siegen, biu doch düet Gewälle
Säu wuist un stockech, swor derdüärtekummen,
Et aiset mey, wann ik der bläut aan denke. 06

Ment wänneg griusenvuller is et Stiärwen.
Doch ehr ik siege, bo't mey wor taum Häile,
Latt mik vertellen äis annern Saken. 09

Ik wäit nit recht mehr, biu ik drin sey kummen;
Ik dües'lere säu widder as im Slope,
Un stonk op äinmol drin, vam Wiäge schampert. 12

Doch, watte Säile säu met Angest drucht harr,
Düet Würrnis genk antleßte äuk te Enne,
Ne Biärg stäig op, ik stonk an seyme Faute 15

Un käik terlucht. Un suih, op seyme Rüggen
Van diäm Planätten swommen hell de Strohlen,
Dai äinem jeden weyset Wiäg und Stiäge. 18

Do wor't en wännig biätter met der Angest,
Dai't Hiärte nit der Rugge kummen loten
De lange Nacht un mey säu harre tausatt. 21

Un as en Mann, näu hinger Ohm, vam Schieppbruch
Smietten ant draige Land, met gräuten Äugen
Terüggesturt nom schröckensvullen Water: 24

Säu meyne Säile, dai näu half am Biestern,
Kahr sik met Schueddern no diäm boisen Wiäge,
Bo känner häile wier van häime kümmet. 27

En wänneg iutteresten bläif ik lieggen;
Dann gaft ik mik ant Gohn, verloten, äinsam,
Op Wäigen, bo de faste Faut wor ungen. 30

Grad, bo de Paad sik no der Höchte hafte,
Niu suih mol do, sprank op en Panterdier,
Met flücht'gen Bäinen un im Streypelfelle. 33

Dät Dier bläif stohn un woll un woll nit weyken;
Et schäin, et wöll de Strote mey verlieggen,
Ik harr en parmol all en Wieck te wengen. 36

't was fräuh am Muargen näu, un grade hafte
De Sunne glaineg sik met all diän Sternen,
Dai bey iär woren, ase Guarres Laiwe 39

40 In Urgeteyen schäuf dai Hiemelswünner.
Säu lait sik Gurres huappen, troisten konn mik
De Muargen un de soite Froihjohrswunne 42

Un't Dier, säu lustig streypelt, schäin säu sliem nit.
Doch halp et niks, mik peck de Näut van frisken,
Bo ik ne Loiwen soh vam Biärge kummen. 45

Grad op mik tau, säu schäint, un liuter nöger,
En Kopp ter Höchte un van Hünger driewen;
Et wor, as wann en Schüedden düär de Luft genk. 48

Un näu en Dier! Ne Wülwin schroh un draige,
Iutmiärgelt ganß van Glaut un Smacht un Gifte;
Dai was all mannegäinem taum Verdiärwen. 51

Do fell mey doch ne sworen Stäin op't Hiärte,
Un schreckes wor mey bey diän boisen Äugen;
Ik glofte nit mehr, oppen Biärg te kummen. 54

Un as de Mann, dai sik all op wat druagen
Un langsam insiuht, dät es draan mat giewen,
Un truereg wert, un is wual greyensmote: 57

Säu wor't mey bey diäm ruggeläusen Diere,
Dät liuter nöger kem, mik weyt un widder
Terüggedräif, vam Biärge af, no ungen. - 60

Op leyker Ere wor ik all am Läupen.
Do soh ik äinen stohn, dai schäin, as härre
Et Kuiern sey ganß afwüent in düem Sweygen. 63

Bo ik ne soh in düem verlot'nen Lanne:
"Help mey", raip ik me tau, "in meynen Noien,
Of diu niu Menske odder en Gespänst bis!" 66

Un dai: "Mensk sey ik wiäst un sey't getz nit mehr.
Lombarden worn de Ellern van Geblaie,
Un Mantua wor baiden iäre Häime. 69

Näu iäwen unger Caesar sey'k gebuaren,
Kem dann no Räum un liäw're, bo Augustus
Un Luigengäister näu de Welt regäiern. 72

Ne Dichter wor ik; von Anchises Suene
Sang ik et häuge Laid, hai kem van Troja,
Bo't üewermaid'ge Ilion Aske woren. 75

Doch diu? West diu no diär Beswer terügge?
West diu nit steygen hien nom säll'gen Biärge,
Aanfank un Äuersake aller Wunne?" 78

"Bist diu Virgil, de Buarn, de üewervulle,
Boriut de Sproke riusket as en Flauten?"
Saggt ik un slaig beschiämmet diäl de Äugen. 81

"O Lecht un Rium van aller Welt Poäiten!
Lot mey te passe kummen, där ik ständeg
Met Laiwe üewer deyme Bauke siätten. 84

Diu bist meyn Lehr, diu gaftest mey en Aansnüeff,
Van dey lahr ik de schoine Art de schreywen,
Dai mey minliäwe all viell Aansain bracht hiät. 87

Suih hey de Wülwin, dai mik ümmedriewen!
Help mey van iär, diu bist gräut un weyse.
Suih, biu ik zieddere bit int Geblaie!" 90

"Diu most dik op ne ann're Raise maken",
Sprak do Virgil, bo hai mik soh am Greynen,
"Wann diu dik redden west iut hey düer Wuiste. 93

Düet Baist, dät dik taum Hülperaupen twinget,
Lätt kainen fridlek tain op seyme Wiäge,
Et hält ne aan un friettet ne am Enne. 96

Säu riukelaus un slecht is't van Natiuer,
Blautlüäckseg stieker't säu vull Smacht un Unducht,
Wann't ennen friett, dann hünger't all nom annern. 99

Et wert sik paaren näu met mannegem Diere,
Met viellen, viellen, bir et äines Dages
De Windhund wert verdölwen un tereyten. 102

Nit Haf un Guet dait hai beynannerschrappen,
Seyn Gäist is vull van Weyshait, Laiwe, Dugend
Un tüsker Feltr' un Feltro liett seyn Häime. 105

Italien, sau aarmsälleg, werte redden,
Bofüär sau vielle herr et Blaut verguatten,
As ik in meyme Loie hewwe sungen. 108

Van Staat te Staat wert hai de Wülwin dreywen,
Bit hai se smietten in de Hellengrünne,
Bohiär de Awegunst et äiste kummen. - 111

Ik main', et wör tau deyme äig'nen Besten,
Wann diu mey no wös gohn, un ik dik ledde
Van hey weytaf bit in de äiw'gen Slüchte. 114

Do hörste dät vertweywelte Gekreyske,
Suihst diu de ollen Gäister vull van Peyne,
Dai alle raupen daut now twedden Daue. 117

Suihst äuk de Siälen swor im Fuier lieggen,
Tefriän un glückleg, weyl se herr et Huappen,
Äinmol te kummen tau diäm säll'gen Käuer. 120

Un wann de west tau diäm dik höchter hiewen,
Dann wert ne Säile dik no uawen laien;
Ik sey't nik wert, ik mott terüggebleywen. 123

De Kaiser von diän hiemelsken Gemiäkern,
Weyl ik seyn Wiedderpart wor im Gesätze,
Lätt nümols tau, där'k ennen 'ropperlaie. 126

Säuweyt de Weltm sik sprett, gäit seyn Kumando.
Hey is sin Reyk, hey stäit sin Thräun, säu häuge.
Glücksälleg sai, dai no me kummen drowwet!" 129

Un ik dorop: "O Sänger, bey diäm Guarre,
Dai dey näu früemet, möggt ik dik doch birren,
Üm iut düem Walle mik te tain un Sliemern, 132

O foier mik, bohien de iäwen saggtest!
Lot mik se sain, de Poorte van Sänt Päiter
Un dai do liätt in daiper Trut un Peynen!" 135

Dann brake op, ik ächter seyme Faute. 136

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