11 Dante Alighieri - La Divina Commedia - Inferno
11 Karl Bartsch - Die Göttliche Komödie - Hölle

Canto undecimo, nel quale tratta de' tre cerchi disotto d'inferno, e distingue de le genti che dentro vi sono punite, e che quivi più che altrove; e solve una questione.

Wo der Kreis der Irrlehrer und ihrer Anhänger an den der Gewalttätigen stößt, finden die Fortwandelnden ein Grabmal, dessen Inschrift sagt: es bewahre den Papst Anastasius. Damit wird nicht allein angedeutet: dass ein Papst ein Irrlehrer sein könne, sondern zugleich: dass Irrlehre bei Mächtigen nicht fern von Gewalttat stehe. Die Dichter schreiten langsam, um sich erst an den Stank zu gewöhnen, der von dem Blutstrom in der Tiefe heaufsteigt. Auf Dantes Bitte benutzt Virgil diese Zeit, ihn über die Ordnung der Höllenkreise zu belehren und sagt ihm: außerhalb der eisernen Mauer, in den bereits durchschrittenen Kreisen litten die Unenthaltsamen, welche sich natürlichen Trieben überlassen; innerhalb der Mauer aber, im nächsten tieferen Höllenkreise, die, welche sich unnnatürlichen Trieben nachgebend, entmenscht und vertiert haben: sie teilten sich ein in die Gewalttätigen gegen den Nächsten, gegen sich selbst, und gegen Gott. Tiefer darunter seien dann die Betrüger und ganz zu unterst die lieblosen Verräter, die an den ihnen Vertrauenden und somit am meisten an Liebe und Wahrheit gefrevelt. Zuletzt erklärt Virgil, auf Dantes Befragen noch, warum die Wucherer mit zu den Gewalttätigen gegen Gott gerechnet sind, und ermahnt seinen Schüler, da schon der Morgen herannahe, zum Weitergehen.

In su l'estremità d'un'alta ripa
che facevan gran pietre rotte in cerchio,
venimmo sopra più crudele stipa;
e quivi, per l'orribile soperchio
del puzzo che 'l profondo abisso gitta,
ci raccostammo, in dietro, ad un coperchio
d'un grand' avello, ov' io vidi una scritta
che dicea: 'Anastasio papa guardo,
lo qual trasse Fotin de la via dritta'.
«Lo nostro scender conviene esser tardo,
sì che s'ausi un poco in prima il senso
al tristo fiato; e poi no i fia riguardo».
Così 'l maestro; e io «Alcun compenso»,
dissi lui, «trova che 'l tempo non passi
perduto». Ed elli: «Vedi ch'a ciò penso».
«Figliuol mio, dentro da cotesti sassi»,
cominciò poi a dir, «son tre cerchietti
di grado in grado, come que' che lassi.
Tutti son pien di spirti maladetti;
ma perché poi ti basti pur la vista,
intendi come e perché son costretti.
D'ogne malizia, ch'odio in cielo acquista,
ingiuria è 'l fine, ed ogne fin cotale
o con forza o con frode altrui contrista.
Ma perché frode è de l'uom proprio male,
più spiace a Dio; e però stan di sotto
li frodolenti, e più dolor li assale.
Di vïolenti il primo cerchio è tutto;
ma perché si fa forza a tre persone,
in tre gironi è distinto e costrutto.
A Dio, a sé, al prossimo si pòne
far forza, dico in loro e in lor cose,
come udirai con aperta ragione.
Morte per forza e ferute dogliose
nel prossimo si danno, e nel suo avere
ruine, incendi e tollette dannose;
onde omicide e ciascun che mal fiere,
guastatori e predon, tutti tormenta
lo giron primo per diverse schiere.
Puote omo avere in sé man vïolenta
e ne' suoi beni; e però nel secondo
giron convien che sanza pro si penta
qualunque priva sé del vostro mondo,
biscazza e fonde la sua facultade,
e piange là dov' esser de' giocondo.
Puossi far forza ne la deïtade,
col cor negando e bestemmiando quella,
e spregiando natura e sua bontade;
e però lo minor giron suggella
del segno suo e Soddoma e Caorsa
e chi, spregiando Dio col cor, favella.
La frode, ond' ogne coscïenza è morsa,
può l'omo usare in colui che 'n lui fida
e in quel che fidanza non imborsa.
Questo modo di retro par ch'incida
pur lo vinco d'amor che fa natura;
onde nel cerchio secondo s'annida
ipocresia, lusinghe e chi affattura,
falsità, ladroneccio e simonia,
ruffian, baratti e simile lordura.
Per l'altro modo quell' amor s'oblia
che fa natura, e quel ch'è poi aggiunto,
di che la fede spezïal si cria;
onde nel cerchio minore, ov' è 'l punto
de l'universo in su che Dite siede,
qualunque trade in etterno è consunto».
E io: «Maestro, assai chiara procede
la tua ragione, e assai ben distingue
questo baràtro e 'l popol ch'e' possiede.
Ma dimmi: quei de la palude pingue,
che mena il vento, e che batte la pioggia,
e che s'incontran con sì aspre lingue,
perché non dentro da la città roggia
sono ei puniti, se Dio li ha in ira?
e se non li ha, perché sono a tal foggia?».
Ed elli a me «Perché tanto delira»,
disse, «lo 'ngegno tuo da quel che sòle?
o ver la mente dove altrove mira?
Non ti rimembra di quelle parole
con le quai la tua Etica pertratta
le tre disposizion che 'l ciel non vole,
incontenenza, malizia e la matta
bestialitade? e come incontenenza
men Dio offende e men biasimo accatta?
Se tu riguardi ben questa sentenza,
e rechiti a la mente chi son quelli
che sù di fuor sostegnon penitenza,
tu vedrai ben perché da questi felli
sien dipartiti, e perché men crucciata
la divina vendetta li martelli».
«O sol che sani ogne vista turbata,
tu mi contenti sì quando tu solvi,
che, non men che saver, dubbiar m'aggrata.
Ancora in dietro un poco ti rivolvi»,
diss' io, «là dove di' ch'usura offende
la divina bontade, e 'l groppo solvi».
«Filosofia», mi disse, «a chi la 'ntende,
nota, non pure in una sola parte,
come natura lo suo corso prende
dal divino 'ntelletto e da sua arte;
e se tu ben la tua Fisica note,
tu troverai, non dopo molte carte,
che l'arte vostra quella, quanto pote,
segue, come 'l maestro fa 'l discente;
sì che vostr' arte a Dio quasi è nepote.
Da queste due, se tu ti rechi a mente
lo Genesì dal principio, convene
prender sua vita e avanzar la gente;
e perché l'usuriere altra via tene,
per sé natura e per la sua seguace
dispregia, poi ch'in altro pon la spene.
Ma seguimi oramai che 'l gir mi piace;
ché i Pesci guizzan su per l'orizzonta,
e 'l Carro tutto sovra 'l Coro giace,
e 'l balzo via là oltra si dismonta».

An eines hohen Ufers oberm Saume,
Das Felsentrümmer bilden ohne Zahl,
Gelangten wir zu einem schlimmern Raume.
Dort bargen wir, weil des Gestankes Qual
Zu groß war, den der tiefe Schlund entsandte,
Uns hinter eines hohen Grabes Mal,
An dessen Deckel ich die Schrift erkannte:
Ich berg' in mir Papst Anastasius,
Den einst Photin vom rechten Wege wandte.
'Nur langsam abwärts gehn darf hier der Fuß,
Weil an den schlimmen Qualm man erst die Sinne,
Daß er unschädlich sei, gewöhnen muß.'
So sprach mein Meister; ich drauf: So gewinne
Ersatz, daß nicht umsonst die Zeit verstreiche.
Und er: 'Du siehst ja, daß ich darauf sinne.
Mein Sohn, es sind in diesem Felsbereiche
Drei kleine Kreise,' so begann mein Leiter,
'In Stufen sinkend, den durchschrittnen gleiche;
Sie all' von Geistern voll Vermaledeiter.
Doch damit dir am Schau'n dann sei genug,
Vernimm, warum und wie sie büßen, weiter.
Jedwede Bosheit trifft des Himmels Fluch,
Der Unrecht Zweck ist; solcher Zweck nun endet
In Andrer Schaden, sei's Gewalt, sei's Trug.
Doch weil Betrug der Menschheit Wesen schändet,
Haßt Gott ihn mehr, weshalb zum tiefsten Schlunde
Und größten Weh er die Betrüger sendet.
Gewaltthat wird bestraft im ersten Runde,
Doch da Gewalt an dreien kann ergehen,
Zerfällt es in drei Zirkel aus dem Grunde.
An Gott, an sich, am Nächsten kann's geschehen,
Und zwar an ihm und seinem Gut sodann,
Wie du wirst klar an dem Beweise sehen.
Durch Mord und schmerzliche Verwundung kann
Gewalt dem Nächsten selber widerfahren;
Raub, Brand, Zerstörung thut dem Gut sie an.
Drum muß, die Mörder hier und Räuber waren,
Verwüster und Verwundrer, alle hegen
Der erste Zirkel in verschiednen Scharen.
An sich kann man gewaltsam Hand anlegen
Und an sein Gut; drum durch der Zirkel zweiten
Müssen in eitler Reue sich bewegen
Die von des Daseins Last sich selbst befreiten,
Ihr Gut im Spiel vergeudet und verthan
Und statt der Lust sich Thränen nun bereiten.
Gewalt wird auch der Gottheit angethan,
Wenn man sie lästert, leugnet und nicht achtet
Was man durch Güte der Natur empfahn.
Drum in des engsten Zirkels Tiefe schmachtet
Cahors und Sodom, und ihr Brandmal trägt,
Wer Gott im Herzen lästert und verachtet.
Betrug, der stets Gewissensbiss' erregt,
Kann gegen den man üben, der uns trauet,
Wie gegen den, der kein Vertrauen hegt.
Betrug der letzern Art, so scheint's, zerhauet
Das Band der Liebe, das Natur geschaffen;
Weshalb im zweiten Kreis sein Nest sich bauet
Der Heuchler, Schmeichler, Kuppler, Zaubrer, Pfaffen,
Die Simonie geübt, Verräther, Diebe,
Bestechliche und die dergleichen schaffen.
Auf erstre Art vergißt man jene Liebe,
Die sich zu der natürlichen gesellt
Und weckt des engeren Vertrauens Triebe.
Im engsten Kreis, im Mittelpunkt der Welt,
Zahlt, wer Verrath geübt, am Sitz des Dis,
In Ewigkeit verzehrt, die Schuld Entgelt.'
Gar deutlich, sprach ich, Meister, unterwies
Mich dein Bericht und lehrte trefflich scheiden
Den Schlund und die, so Gott darein verstieß.
Doch sprich, die in dem schlammigen Sumpfe leiden,
Und wie der Regen peitscht, die Stürme jagen,
Und die sich scheltend treffen stets und meiden,
Wie kommt es denn, wenn Gottes Zorn sie tragen,
Daß sie nicht hausen in der Gluthstadt drinnen;
Und zürnt Gott nicht, wozu dann jene Plagen?
Und er: 'Warum doch schwärmt dein Geist von hinnen
Mehr als er sonst gepflogen? oder hast
Auf etwas andres du gelenkt dein Sinnen?
Ist jener Wort' Erinnrung dir erblaßt,
In denen deines Meisters Ethik handelt
Von den drei Neigungen, die Gott verhaßt:
Unmaß und Bosheit und zum Vieh verwandelt
Gemüth? und warum Gott die erstgenannte
Mit mindrem Tadel, glimpflicher behandelt?
Wenn diese Sätze recht dein Geist erkannte,
Und in den Sinn zurückruft, wer sie waren,
Die außerhalb dort ihre Strafe bannte,
So siehst du klar, warum von diesen Scharen
Der Sünder sie getrennt sind, und erweicht
Die Rachehämmer Gottes auf sie fahren.'
O Sonne, vor der jede Trübe weicht,
So sehr befriedigst du, daß zum Erquicken
Mir Wissen mehr als Zweifel kaum gereicht.
Doch laß ein wenig noch zurück uns blicken,
Wo du gesagt hast: Gottes Güte kränkt
Der Wucher; woll' auch das mir noch entstricken.
'Weltweisheit', sprach er, 'wer sie recht bedenkt,
Lehr nicht an einer, nein! an mehrern Stellen,
Daß ihren Ursprung die Natur empfängt
Aus Gottes Geist und seiner Kunst als Quellen;
Und blickst du recht auf deine Physik hin,
So wird nach wenig Seiten dir erhellen,
Daß eure Kunst, gleich wie des Schülers Sinn
Dem Meister, jener folgt, soviel sie kann;
Drum eure Kunst ist Gottes Enkelin.
Durch diese zwei, so gibt der Anfang an
Der Genesis, schafft Unterhalt fürs Leben
Der Mensch und fördert auch sich weiter dann.
Doch weil auf andrem Weg die Wuchrer streben,
So schmähen sie in ihrer Folgerin
Natur an sich, weil andrem Wahn ergeben.
Doch folge mir, zu gehn treibt mich der Sinn.
Die Fische zittern schon im Sternenreigen,
Der Wagen liegt ganz nach dem Caurus hin
Und weit noch ists, bis wir vom Felsen steigen.'

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